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Full text of "Robert Schumann Tagebücher Bd1"

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ROBERT SCHUMANN 
Tagebilcher 

Band I 
1827-1838 

HERAUSGEGEBEN VON GEORG EISMANN 



Stroemfeld/Roter Stern 



Stroemfeld/Roter Stern, Basel und Frankfurt am Main 

Lizenzausgabe mit Genehmigung des Originalverlages 

VEB Deutscher Verlag ftir Musik Leipzig 

© VEB Deutscher Verlag ftir Musik 1971 

Printed in the German Democratic Republic 

ISBN 3-87877-297-1 



Vorwort 



In drei Banden erscheinen erstmals als kritische Ausgabe samt- 
liche Tagebuchaufzeichnungen Robert Schumanns, die den Zeit- 
raum vom i. Januar 1827 bis zum 30. Januar 1854 umspannen. 
Sie werden erganzt von den Haushaltbiichern, die 1837 einset- 
zen und im Todesjahr des Meisters, 1856, enden. Bisher waren 
diese fiir das Verstehen von Personlichkeit und Werk Robert 
Schumanns so eminent wichtigen Notizen nur in Ausziigen in 
den einschlagigen Schumann-Biographien oder bei Georg Eis- 
mann („ Robert Schumann - Ein Quellenwerk iiber sein Leben 
und Schaffen", Leipzig 1956) zu finden, waren Bruchstiick, je- 
doch auch hier schon wesentliche Erganzung der biographischen 
Abhandlung. Es wird Schumann zur Methode, Erlebtes zu notie- 
ren und zur spateren Durchsicht aufzubewahren. Nunmehr hat 
der Leser die Moglichkeit, das Werden der Personlichkeit Ro- 
bert Schumanns, seine Kampfe, Erfolge und Niederlagen an- 
hand der vorliegenden samtlichen Tagebucher zu studieren. 
Schumanns Doppelbegabung in Musik und Literatur, verbunden 
durch einen einzigartigen Spiirsinn fiir neue Empfindungs- und 
Ausdrucksqualitaten in beiden Bereichen, laflt ihn zu einer 
Schlusselfigur fiir das Musikleben der i83oer und i84oer Jahre 
werden. Der Sinn fiir die fortschrittlich-demokratischen Ideen 
des Vormarz auf alien Gebieten des Musiklebens macht den Re- 
dakteur der „Neuen Zeitschrift fiir Musik" bald grofien Kreisen 
von gleichgesinnten Musikern und Musikliebhabern bekannt. Die 
Poesie seiner musikalischen Rezensionen lafit aufhorchen, ver- 
schafft Vergniigen beim Lesen und erzeugt Verstandnis fiir das 
Problem : den Weg zu bahnen einer neuen Kunst, einer neuen 
Musik, die der gewandelten Lebensanschauung des selbstbewufl- 
ten Burgers, seinen Empfindungen, Hoffnungen und Traumen 
Ausdruck verleiht. Schwerer hat es der Komponist, sich durch- 
zusetzen, und manch bittere Erfahrung mufi Schumann machen, 
bevor ihm mit der B-Dur-Sinfonie, dem Klavier-Quintett oder 

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dem Klavier-Konzert durchschlagender Erfolg beschieden ist. 
Heute gilt es, viele der Schumannschen Werke gerade aus den 
spaten Schaffensperioden neu zu entdecken und einem neuen Pu- 
blikum nahezubringen. Die Tagebiicher sind dabei eine wert- 
volle Hilfe, denn sie stellen den unmittelbaren Kontakt zur Per- 
son ihres Schopfers her; sie bringen giiltige Angaben zu alien 
Bereichen im Leben dieser fesselnden, vorwartsweisenden Mu- 
sikerpersonlichkeit. 

Es ist eine Periode voller Spannungen, garender Prozesse, tief- 
greifender politischer und okonomischer Entwicklungen, die Ro- 
bert Schumann durchlebt. Eine Periode deutscher Geschichte, die 
gekennzeichnet ist von der Emanzipation eines erstarkten, selbst- 
bewufiten Biirgertums, von kleinbiirgerlich-demokratischen Be- 
strebungen, von den Anfangen der deutschen Arbeiterbewegung, 
von freiheitlichen, demokratischen Ideen ebenso wie von einer 
jeglichen Fortschritt hemmenden, die Freiheit des einzelnen 
wie der Massen knebelnden Reaktion in der Zeit der Restau- 
ration. Die Zeit des Vormarz, Epoche einer die Freiheit des 
Menschen, den Glauben an eine bessere Zukunft besingenden 
Dichtung, ist identisch mit der fruchtbarsten Periode im Schaf- 
fen Robert Schumanns. 

Die Aufzeichnungen bereiten dem Lesenden wegen der schwer 
zu entziffernden Schumannschen Handschrift erhebliche Schwie- 
rigkeiten. Schwer lesbar sind schon die Briefe - verbindliche Mit- 
teilungen Schumanns -, und um so schwieriger ist das Lesen der 
ausschliefilich fiir private Zwecke gedachten Notizen, die nicht 
nur am Schreibtisch entstanden, sondern ofter unterwegs und so- 
gar im fahrenden Reisewagen geschrieben sind. Die Ereignisse 
sind nicht immer chronologisch notiert, neben Notizen uber be- 
eindruckende Erlebnisse, Bekanntschaften und Naturschonhei- 
ten finden sich nicht selten Ruckblenden, Literarisches und 
SchluCfolgerungen. Die Tagebiicher und Reisenotizen zeugen 
vom erweiterten Gesichtskreis und gekraftigten Lebensgefiihl 
des jungen Mannes, der als Student der Rechte in Leipzig und 
Heidelberg nach langem Schwanken in der Berufswahi den Ent- 
schlufi fafit, Musiker zu werden. Sie bewahren die Eindriicke der 
Reisen des Ehepaares Schumann, und schlieftHch zeigen die letz- 
ten Reisetagebiicher, wiewohl sie im Stil den friihen gleichen, 
einen verwandelten, mitunter todesmiiden Schumann, der diese 
Reisen nicht schlechthin zur Erholung und Entspannung unter- 
nimmt, sondern sich davon Heilung seines Leidens erhofft. 

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Als Siebzehnjahriger besucht er auf ciner Reise nach Prag Seu- 
mes Grab in Teplitz, im folgenden Jahr Diirers und Hans Sach- 
scns Haus in Nurnberg und Jean Pauls Grab in Bayreuth. Von 
Heidelberg aus fiihren ihn Reisen iiber die Schweiz nach Ober- 
italien und nach Straflburg. Scharf beobachtet er auf diesen Rei- 
sen die Menschen, weifi Gruppen zusammenzufassen und das 
Wesentliche zu sehen. Schumann aufierte spater : „Es affiziert mich 
alles, was in der Welt vorgeht, Poiitik, Literatur, Menschen . . ." 
Diese Haltung und das Bediirfnis fortwahrender Rechenschafts- 
legung vor sich selbst sprechen aus den ersten Tagebiichern. Es 
durchzieht diese Notizen iiber Alltagserlebnisse, Gaststatten 
und Gaststattenbekanntschaften, iiber musikalische Veranstal- 
tungen und das tagliche Arbeitspensum im Klavieruben uniiber- 
horbar ein Tenor : ich bin zu Grofiem beruf en, ich habe mich zu 
bilden und zu vervollkommnen ; ich will f iir eine bessere Kunst 
und menschlichere Gesellschaft wirken. Ein in poetischer Schil- 
derung gegebenes Portrat als „Beylage zur Hottentottiana" ent- 
halt den wichtigen Hinweis : „- das der Erste seyn ist ihm an- 
geboren -". 

Hinter alien diesen Aufzeichnungen der friihen Jahre, die natiir- 
licherweise keine Literatur sind, oft aphoristischen Charakter 
tragen, steht eine jugendliche Personlichkeit voller Hoffnungen 
und Plane, die sich stets in Beziehung zur Umwelt setzt; der 
zwanzigjahrige Schumann erlebt das gesellschaftliche und musi- 
kalische Leben der Musikmetropole Leipzig. 
Die bunte Szenerie mit unzahligen Namen, denkwiirdigen und 
bisweilen grotesken Situationen spielt sich vor dem Hintergrund 
der politisch bedeutsamen Epoche zwischen der Juli-Revoiution 
1830 in Frankreich und der burgerlich-demokratischen Revolu- 
tion 1848/49 ab. Im III. Reisenotizbuch schreibt sich Schumann 
Zentren und Orte der revolutionaren Ereignisse von 1830/31 
und das franzosische Vaterunser nach dem Straftburger Original 
auf, das in der atzenden Scharfe seiner Kritik am Despotismus 
kaum iiberboten werden kann und die Position des Jiinglings 
deutlich werden lafit. „Die politische Freiheit ist vielleicht die 
eigentliche Amme der Poesie: sie ist zur Entfaltung der dichte- 
rischen Bluthen am meisten notwendig: in einem Lande, wo 
Leibeigenschaft, Knechtschaft etc. ist, karin die eigentliche Poesie 
nie gedeihen: ich meine die Poesie, die in das offentliche Le- 
ben entflammend und begeisternd tritt.", notiert er in „ Hotten- 
tottiana". Die feudal-absolutistische Herrschaft in Deutschlands 



38 Kleinstaaten wurde dutch den Aufschwung kapitalistischer 
Produktionsweise geschwacht, jedoch nicht beseitigt. So wie diese 
Entwicklung und ihre Widerspriiche sich in alien gesellschaft- 
lichen Bereichen widerspiegelten, ist auch das Musikleben ge- 
kennzeichnet durch Demokratisierung, Ausbau seiner Institutio- 
nen und Anwachsen des biirgerlichen Publikums einerseits, durch 
Herausbildung des Musikmarktes, Verflachung der Produktion 
und Isolierung ernsthaft arbeitender junger Komponisten ande- 
rerseits. Ein steril anmutender Musikjournalismus beurteilt die 
ersten Kompositionen Schumanns. Die Tagebiicher berichten 
iiber die Entstehung der ersten Klavierwerke, sie bewahren auch 
die Meinung der engsten Bekannten zu diesen Werken, die 
durchaus von der der herrschenden Kritik abweicht. Dieser Kri- 
tik gegeniiber sieht sich Schumann von vornherein in oppositio- 
neller Stellung, und gleichsam als Voriibung zu eignem Wirken 
auf diesem Gebiete sind die Bemerkungen zu Leipziger Auffuh- 
rungen, neuen Werken, durchreisenden Virtuosen zu sehen. Vor- 
iibungen mochte man auch das literarische Fragment „Selene" 
nennen, denn Schumann ubt nicht nur die treffsichere Pointe, son- 
dern auch den poetischen Ausdruck, wobei er sich an Jean Paul 
vor allem orientiert. Von ihm lernt er den Zauber der Traume 
und Gefiihle zu verbild lichen, berauscht sich an der Rede voll 
heimlicher Tone und Regungen und weifi schlieBlich musika- 
lische Eindriicke in einer Sprache nachzuvollziehen, die fiir Ge- 
nera tionen von Musikschriftstellern vorbildlich werden sollte. 
Die Gestalten Florestan und Eusebius tauchen in Tagebuch 6 
auf. Schumann erfindet sie nicht, urn eine heile Welt und ein 
intaktes Musikleben zu verschonen, sie sind im Gegenteil Werk- 
zeuge zur Analyse und Kritik des musikalischen Umfeldes. In 
der „Neuen Zeitschrift fiir Musik" sprechen sie als Medium aus, 
was dieser mit sicherem Blick erkannte. Diese Zeitschrift, 1834 
gegriindet und bis zum Jahre 1844 von Schumann geleitet, ent- 
wickelte sich zum theoretischen Hauptorgan der burgerlich-fort- 
schrittlichen Musikkritik des Vormarz und fand weite Verbrei- 
tung. Schumann halt die Schar seiner Davidsbiindler zusammen. 
Er fiihrt eine Korrespondenz von kaum vorstellbarer Ausdeh- 
nung - stets die Fahigkeiten seiner Mitarbeiter, ihrer Moglich- 
keiten und Grenzen sicher erkennend -, jeder Brief wird sorg- 
faltig notiert und individuell bearbeitet; planmafiig setzt Schu- 
mann die fahigsten Kopfe damaligen Musiklebens fiir seine 
Ziele ein. Aber auch in den Klavierwerken ertonen die Stimmen 

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Florestans und Eusebius', Schumann stoftt mit seinen Klavier- 
dichtungen in neue Berekhe vor. Schon „Papillons" und „Abegg"- 
Variationen waren ganz eigene Schopfungen, neu in der Form, 
voll poetischen Gehalts. Nunmehr steht Schumann die feinste 
Nuance zur Verbildlichung geheimster^emotionaler Regungen 
ebenso zu Gebote wie die kraftvoll vorwartsdrangende Marsch- 
Intonatlon. 

Die Tagebiicher der folgenden Jahre zeigen, daft Schumann im 
Bewufttsein gewachsener Verantwortung gleichmaftiger und ru- 
higer arbeitet. Ein Haushaltbuch wird angelegt, um die Einnah- 
men und Ausgaben zu kontrollieren und fest in den Griff zu 
nehmen. Planmaftiger wird die Arbeitszeit eingeteilt, Schumann 
findet seinen Arbeitsrhythmus, doch kosten ihn die anhaitende 
und sich steigernde Ungewiftheit einer ehelichen Verbindung 
mit Clara Wieck, der Streit mit Friedrich Wieck oft alle Krafte. 
Gerade die personlichsten Notizen bewahren manchen verzwei- 
felten Aufschrei, manchen Hoffnungsschimmer, die Hochstim- 
mung nach geheimem Zusammentreffen mit Clara. „Bucher voll 
habe ich gelitten", schreibt Schumann in Tagebuch 8. Noch oft 
klagt er es dem Tagebuch, dafi die Geliebte in der Feme ist, und 
grofier ist sein Schmerz, wenn Clara von Konzertreisen zuriick- 
kehrend in Leipzig weilt, Schumann sie aber nicht sehen kann, 
da das Haus Wieck ihm durch den Vater Claras verboten ist. 
Stets miinden die Stunden und Tage der Depression ein in ein 
energisches Zusammenraffen seiner Krafte, „das kann nicht so 
fort gehen; nimm Dlch zusammen und packe eine Arbeit mit 
aller Kraft an! Das darf nicht so fort gehen. Wie wiirdest Du 
erbarmlich erscheinen, wie iiberaus erbarmlich." Ein grofier 
Kreis von Freunden umgibt ihn, bisweilen fiihlt er sich von Men- 
schen iiberlaufen, aber auch hier wird sorgfaltiger gewahlt als 
in der Studentenzeit ; nur der kann sich als Gesprachspartner hal- 
ten, der ihm mit einer eigenen Meinung entgegentritt, der be- 
weisen kann, daft es ihm Ernst ist mit alien die Musik betreffen- 
den Fragen. 

Der bangen Frage: „Was wirst Du bringen Jahr 1838?" folgen 
Gedanken einer moglichen Verlagerung des Arbeitsfeldes von 
Leipzig nach Wien. Doch zuvor noch werden wir Zeugen der 
Entstehung der „Kinderszenen", jenes Werkes, bei dem die Dis- 
krepanz zwischen dem Vermogen der uberalterten Kritik einer- 
seits und dem eindeutigen Erfolge des Komponisten anderer- 
seits oifenkundig werden soil. Zum ersten Male steht Ludwig 



Rellstab, wenn er in der „Iris" von Verirrung der Kunst spricht, 
allein, und nicht nur Schumann-Freunde, sondern breite Kreise 
von Musikliebhabern zollen dem Komponisten Schumann An- 
erkennung. Den ganzen Februar $838 komponiert er an den 
„Kinderszenen", am 24. tragt er ein: „das kleine Ding ,Trau- 
merei' komponiert -", „Sonntag, den 11. 3. ,Gluckes genug'." 
Am 3. Mai folgt die Eintragung iiber die „Kreisleriana", „ge- 
macht in vier Tagen", und noch immer stellt er sich die bange 
Ftage: „Bin ich zu wenig neben ihr?" Es will scheinen, als sei 
diese Frage - sie findet sich often oder versteckt angebracht noch 
ofter - nicht nur hervorgerufen durch die fortwahrenden bewufl- 
ten Demiitigungen seitens Wiecks, sondern als sei der Zweifel 
am eigenen Vermogen ein unangenehmer, aber auch anspornen- 
der Begleiter iiberhaupt. Schumann schatzt friih schon seine be- 
deutenden Fahigkeiten als Komponist wie auch die Qualitat sei- 
ner Werke richtig ein. Er 1st sich dabei durchaus der noch immer 
isolierten Stellung dieser Werke im offentlichen Konzertleben 
bewufit. Als Redakteur hofft er, in der Stadt Mozarts und Beet- 
hovens starker noch fur das Musikleben der Gegenwart wirken 
zu konnen, und plant die Obersiedlung seiner Zeitschrift nach 
Wien. Personliche Griinde sprechen gleichgewichtig mit; sehn- 
lichst wiinscht er die Verbindung mit Clara, will er unabhangig 
sein und sich dem EinfluBbereich Friedrich Wiecks entziehen. 
„Wien im Sinn 1 *, lautet die Eintragung. Das Projekt scheitert, 
Schumann kehrt im nachsten Jahre nach Leipzig zuriick, erniich- 
tert schon durch die Schikanen, die er durch die Metternichsche 
Zensur erfahren mufite, die zogernde Haltung Haslingers, das 
kiihle und betont korrekte Verhalten der als Vertraute angese- 
henen Personen. Fiir uns ist es auf schlufireich zu lesen, wie man ihm 
„ Jean Paul und Lord Byron" sogar „auf der Zensur zuriickhalten" 
wollte. Das Musikleben wie die Menschen sagen ihm im ganzen 
wenig zu. Nur gelegentlich, zumeist nach trostreichen Briefen 
Claras, findet er Gefallen an der Stadt, glaubt, dafi es sich auch 
hier leben liefie. Nicht lange aber, und er wird mit der Kompo- 
sition des „Faschingsschwank" beginnen, Erlebtes verarbeiten 
und dem zopfigen Philistertum wie den bewufit Reaktionaren 
mit der eingewobenen Marseillaise mit deutlichem Sarkasmus 
entgegentreten. Schumann mufi erkennen, daft Wien nicht der 
Ort ist, wo die Ideen der Klassiker lebendig und im Bunde mit 
ihnen seine Vorstellungen von neuer Musik zu verwirklichen 
sind. Zu Hohepunkten werden ihm die Besuche der Wirkungs- 



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statten Mozarts und Beethovens. Er lernt den Sohn Mozarts und 
den Bruder Franz Schuberts kennen und entdeckt in Schuberts 
Nachlafi die grofle C-Dur-Sinfonie, iiber die er in der „Neuen 
Zeitschrift fur Musik" spater einen begeisterten Artikel schrieb. 
Schon am 22. Marz 1839 ^ an ^ unter Mendelssohn Bartholdys 
Leitung die Urauffuhrung statt. In die Zeit seines Wiener Auf- 
enthaltes fallt auch die Entstehung des bekannten Portrats von 
Kriehuber, das Schumann als sein bestes bezeichnet. Es zeigt 
ihn an der Schwelle zum Mannesalter, scharfblickend, weltoffen, 
die weichen Gesichtszuge in gesammelter Ruhe, ein Kiinstler- 
antlitz voller Klarheit und Kraft. 

Heimisch fiihlt er sich nach seiner Ruckkehr in Leipzig, und es 
sind nicht nur die alten Freunde, die das Wiedersehen angenehm 
werden lassen, sondern die Tatsache, daft Leipzig doch die gun- 
stigeren Moglichkeiten der EinfluCnahme auf das deutsche Mu- 
sikleben bietet, dafi hier auch Verstandnis fur seine Werke am 
ehesten zu finden ist. 

Am 12. September 1840, nach immerwahrenden Schwierigkei- 
ten, von denen auch Schumanns Tagebuch Zeugnis gibt, werden 
Robert und Clara Schumann getraut. Mit diesem Tag setzt das 
gemeinsam gefiihrte Ehetagebuch ein. Schumann nahert sich dem 
Zenit seines Schaffens. Liederjahr, Sinfoniejahr und Kammer- 
musikjahr bringen eine Fiille herrlichster Werke, und es scheint, 
als habe sich die schopferische Kraft verdoppelt. Der Kompo- 
nist und die Pianistin aber bleiben Lernende, und die Zierde des 
Ehetagebuches soil, wie aus der ersten Eintragung Schumanns 
hervorgeht, die gegenseieige Kritik ihrer kunstlerischen Leistun- 
gen sein: „z. B. kommt genau hinein, was Du vorziiglich studirt, 
was Du componirt, was Du Neues kennen gelernt hast und was 
Du davon denkst, dasselbe findet bei mir statt." Der Lebenslauf 
jeder Woche soil riickschauend gepriift und beurteilt werden, 
ob es auch „eine wiirdige und tatige" Woche war. Clara ist es, 
die die Festlegung regelmafiigen Fuhrens des Ehetagebuches 
einhalt, wahrend Robert nur anfangs ausfuhrlicher berichtet, in 
Zeiten besonders starker Belastung - etwa wahrend der Arbeit 
an der B-Dur-Sinfonie - aber gar nichts eintragt. Auch fallt er 
schliefilich zuriick in den Stil der fniheren Tagebiicher, notiert 
nur das Wesentlichste, das dann freilich getreuer Spiegel eines im 
ganzen glucklichen Zusammenseins mit der Gefahrtin ist. 
Nicht ohne Probleme sind die ersten Ehejahre. Wenn Robert 
einst unter dem Erfolg der gefeierten Pianistin Clara litt, so ist 



es nun Clara, die um ihre Zukunft als Pianistin bangt. Nicht im- 
mer, scheint es, haben ihr die auf das gemeinsame Studium 
des Wohltemperierten Klaviers von Bach, der Beethovenschen 
Klaviersonaten oder audi des Partiturlesens verwendeten Stun- 
den geniigt. Es bleibt ihr nur wenig Zeit und Gelegenheit zum 
Oben, denn der komponierende Gatte braucht Ruhe, fordert 
diese audi ziemlich streng mit Eintragungen wie: „Verzeih mir 
der Himmel, ich kann nicht soviel Musik horen!" - Und doch 
wird fur Clara diese Zek audi wieder zur schopferischen Pause. 
Sie dringt, fleifiig selbst komponierend, tiefer ein in den Geist 
der Bachschen Fugen und der Beethovenschen Sonaten, „macht 
sich", wie sie schreibt, iiber ihres Mannes Kompositionen „mit 
Ernst". Es setzt ein Reifeprozefl ein, der deutlich an ihrem ver- 
anderten Repertoire abzulesen ist. Clara wird neben Liszt und 
Mendelssohn zur fuhrenden Beethoven-Interpretin ihrer Zeit. 
Immer hauflger werden die Hinweise an den Gatten, man moge 
doch Konzerte geben und gemeinsame Konzertreisen unterneh- 
men. Schumann kann sich nur schwer dazu entschlieften, laftt 
Clara bei der Bremen/Hamburg-Reise 1842 allein nach {Copen- 
hagen weiterreisen, gerat aber sofort in Zweifel, was denn „die 
Welt" dazu sagen werde. Oft klagt er iiber diese ungluckliche 
Situation, mufi aber schliefilich einsehen, dafi der Ausweg nur 
gemeinsame Konzertreisen sein konnen. Bald wird die Presse 
seine Befurchtungen zerstreuen, denn spatestens nach der erfolg- 
reichen Rufilandreise von 1844 spricht man in der musikalischen 
Welt vom Kiinstlerehepaar Robert und Clara Schumann. Die 
Ehetagebiicher sind authentisches Zeugnis fiir das Werden die- 
ser Gemeinschaft, fiir ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die 
Pianistin Clara findet weithin starksten Beifall in der Offent- 
Hchkeit, aber audi die Werke Schumanns setzen sich mehr und 
mehr durch, der Komponist der B-Dur-Sinfonie, des Oratoriums 
„Das Paradies und die Peri" und des Klavier-Quintetts wird 
von einem breiteren Publikum gehort und geschatzt. 
Schumann gibt 1844 die Redaktion der „Neuen Zeitschrift fiir 
Musik" ab, um in ungestorter Ruhe komponieren zu konnen. 
Obergangen fiihlt er sich bei der Wahl des Nachfolgers Men- 
delssohns als Kapellmeister am Gewandhaus, und so siedelt 
die Familie im selben Jahr nach Dresden iiber. Wie fruher wer- 
den die Reisetagebucher gesondert gefiihrt, obwohl urspriing- 
lich das Ehetagebuch standiger Begleiter sein sollte, doch finden 
hier nur die kleineren Ausfliige und die grofie RuGlandreise Auf- 

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nahme. Schumann behalt den wachen Sinn fur seine Umgebung, 
es erfreut ihn die fremde wie die vertraute, aber neu gesehene 
Landschaft, er studiert weiterhin interessante Menschen, nur der 
Radius des Erleberis scheint ailmahlich kleiner zu werden. 
Krankhafte Zustande, Kopfschmerz, Schwindelanfalle und eine 
allgemeine Mattigkeit treten haufiger auf. Schon nach der Riick- 
kehr von der Reise in den Harz r#44 ist zu iesen : „Nun gebe 
mir der Himmel Gesundheit und Kraft zur Arbeit wieder!" - 
Bedenklicher wird sein Zustand, als die am 31. Juli 1845 ange- 
tretene Reise zum Beethovenfest nach Bonn nach wenigen Tagen 
abgebrochen, der Reiseplan geandert werden muft Konzertrei- 
sen im eigentlichen Sinne sind noch die Reisen nach Wien und 
Berlin im Jahre 1846/47, auch die Reise nach Leipzig 1852 und 
die letzten Reisen nach Holland und Hannover im Winter 
1853/54, alle iibrigen seit der Reise nach Norderney im Sommer 
1846 vorwiegend Erholungsreisen, und von alien erhoffte sich 
Schumann eine Heilung seines Leidens, hatte aber wohl selbst 
deren Ergebnis allenfalls als „leidliches Befinden" bezeichnet. 
Falsch ware freilich, wollte man daraus auf ein Nachlassen der 
schopferischen Krafte schliefien. Die C-Dur-Sinfonie, das Kla- 
vier-Trio d-Moll, Op. 63, eine Fulle von Chorwerken und die 
Oper „Genoveva" entstehen neben vielen anderen Werken. 
Selbst in der letzten Schaffensperiode, wo wir Schumann auch 
auf Reisen nahezu pausenlos arbeitend finden, sollte als Ur- 
sache fur das Sinken der Produktion nicht allein die Krankheit, 
sondern gleichwohl auch die Verzweiflung uber die sich nicht 
erfiillenden Ideale seiner Jugend, die Zieie seines Kampfes ge- 
sehen werden. Wir wissen, dafi Schumann die Revolution von 
1848/49 freudig begrufite, daB er sich eins wufite mit vielen fort- 
schrittlichen, demokratisch gesinnten Menschen. Bekannt ist die 
Tagebucheintragung Claras iiber die AnmaCung der Adligen, als 
seien sie andere Menschen „als wir Burgerlichen". Und wenn 
wir aus den Jahren 1846, 1847 und 1850 auch nur ein Kurztage- 
buch Schumanns haben, das keine unmittelbare Reflexion der 
revolutionaren Ereignisse bringt, so sprechen doch seine Revo- 
lutionsmarsche und Freiheitschore eine eindeutige Sprache, und 
im Haushaltbuch ist unter dem Datum des 18. Marz 1848 zu 
lesen: „V6lkerfruhling", 19. Marz „ Abends die groflen Nach- 
richten aus Berlin", schlieClich ,,22. 3. 48 Politische Aufregung. 
1. 4. 48 Freiheitslied von Furst komponiert. 4. 4. 48 Nachmittags 
Schwarz-Rot-Gold von Freiligrath." BlutvergieBen und Aufruhr 



in Dresden aber schrecken ihn ab, und er zieht sich mit seiner 
Familie zuriick auf Schlofi Maxen bei Dresden. 
Zu einem wahren Triumphzug gestaltet sich die Reise nach Hol- 
land im November/Dezember 1853. Uberall wird Robert und 
Clara Schumann ein herzlicher Empfang zuteil; sie werden stoir- 
misch gefeiert. Die Es-Dur-Sinfonie erlebt eine vortreffliche 
Auffiihrung, in Rotterdam veranstaltet man nach dem Konzert 
einen Fackelzug zu Ehren Schumanns, das Klavier-Quintett und 
das erste der drei Streichquartette finden ein begeistertes Publi- 
kum. „Ehre, die audi mir wiederfahrt - unverhoffte", notiert 
Schumann, und es liest diese Notizen nicht ohne Teilnahme, 
wer bedenkt, dafi sich das tragische Schicksal Schumanns schon 
in wenigen Monaten seinem Ende zuneigen sollte. 
Die letzte Reise fuhrt das Ehepaar Schumann nach Hannover. 
Am 19. Januar 1854 wurde sie angetreten, es gab ein Wieder- 
sehen mit den Freunden Brahms und Joachim. Die Tage nach 
dem Konzert am 21. vergingen mit viel Musik, Clara und 
Joachim musizierten, es wurde aus „Kinderszenen" und ,Ju- 
gendalbum" gespielt. Am 30. Januar kehrten beide nach Diis- 
seldorf zuriick. Kaum einen Monat spater suchte Schumann dem 
immer qualvoller werdenden Dasein ein Ende zu machen, am 
4. Marz 1854 wurde er in die Heilanstalt Endenich bei Bonn 
eingeliefert. 

Tagebiicher, Ehetagebucher, Haushaltbiicher und Reisenotizen 
begleiteten Schumanns arbeitsreiches, von Kampfen erfulltes, 
von Krisen iiberschattetes Leben. „Immer der Erste zu sein und 
vorzustreben den Andern", dieser Wahlspruch seiner Jugend- 
tagebucher fuhrte ihn zur Hohe seiner Klavierwerke, der Lie- 
der, der Kammermusik und des sinfonischen Schaffens. Sein 
Blick ist stets aufs Ganze gerichtet, nicht immer aber werden 
Betrachtungen logisch weitergefuhrt, systematisch zu Ende ge- 
dacht. Doch meisterlich erfaCt Schumann die Situation, regi- 
stries er mit Beharrlichkeit auch das scheinbar Unbedeutende. 
Verantwortungsbewufitsein des Kiinstlers in einer Zeit bedeu- 
tender politischer und okonomischer Bewegung, standiges „Sich- 
im-Gleichgewicht-Halten" mit dem Leben sprechen zu uns aus 
seinen Aufzeichnungen, mogen diese auch oft summarisch zu- 
sammenfassend oder sich im Detail verlierend anmuten. 

Zwickau, Fruhjahr 1970 Martin Schoppe 



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Es war Dr. Georg Eismann, dem langjahrigen Direktor des 
Robert-Schumann-Hauses zu Zwickau, nicht mehr vergonnt, das 
Erscheinen dieser Veroffentlichung zu erleben. Im Verlaufe sei- 
ner Tatigkeit im Schumann-Haus hatte er die von Martin Krei- 
sig begonnene Obertragung der Tagebiicher fortgesetzt und zum 
AbschluG gebracht. Eine schwere Krankheit in den letzten Le- 
bensjahren hinderte diesen begeisterten Schumann-Verehrer 
daran, das Manuskript fur die Drucklegung zu vollenden ; doch 
hat er die noch notwendigen Arbeiten - insbesondere fiir die 
Anmerkungen und Register, fiir die Renate Bormann zur Mit- 
arbeit gewonnen werden konnte -bis kurz vor seinem Tode 
voller Interesse verfolgt und durch wertvolle Hinweise ge- 
fordert. 

Der Verlag 



Zur Edition 



Die vorliegende Veroffentlichung folgt im allgemeinen den 
heute ublichen Richtlinien zur Herausgabe krkischer wissen- 
schaftlicher Brief- und Tagebuchausgaben. 
Ober aufiere Beschaffenheit der Tagebiicher, Verschreibungen 
und Verbesserungen wird in Fulkioten, die tagebuchweise ge- 
zahlt und jeweils durch vorangestellten Rhombus (°) gekenn- 
zeichnet sind, am Ende jeder Seite referiert. Inhaltliche Erlau- 
terungen finden sich als durchnumerierte Anmerkungen am Ende 
des Bandes. Zur Entlastung des Anmerkungsteils wurde die 
Form des Registers fur Personen, Schumanns Werke und geo- 
graphische wie kulturhistorische Angaben gewahlt. In dem er- 
weiterten Personenregister erscheinen samtliche von Schumann 
erwahnte Personen mit kurzen biographischen Angaben. Sind 
von Personen nur Vornamen bekannt, so werden diese aufge- 
nommen. Waren nahere biographische Angaben zu Personen 
nicht zu ermitteln, fand nur der Name mit aus den Tagebiichern 
geschlossenen Zusammenhangen im Register Aufnahme. 
Das erweiterte geographische und kulturhistorische Register 
umfafit samtliche von Schumann erwahnte Berge, Fliisse, Lan- 
der, Orte, Bauten, Sehenswiirdigkeiten, Platze und Gaststatten, 
wenn notig oder moglich, mit kurzen erklarenden Bemer- 
kungen. 

Dem literarischen und kompositorischen SchafFen Robert Schu- 
manns ist ein eigenes Register gewidmet. Hier werden nicht nur 
alle nachweisbaren bzw. veroffentlichten Werke, sondern auch 
alle dichterischen und kompositorischen Plane angefuhrt. 
Die Anmerkungen wie die kurzen Kommentare in den Regi- 
stern sind aus verschiedensten Quellen zusammengetragen und 
sollen vor allem das Verstandnis der oft aphoristischen Eintra- 
gungen erleichtern; es wurde deshalb auf ausfuhrliche Litera- 
turbelege verzichtet, nur Zeitungen und spezielle Veroffent- 
lichungen wurden angegeben. 

2 Schumann, Tageb. 1 1 7 



Die Wiedergabe der Tagebiicher erfolgte mit grofiter Genauig- 
keit nach den Autographen, wobei die Schumannsche Orthogra- 
phic genau beibehalten wurde. Fehlerhafte Schreibweisen wur- 
den nur dann durch „sic" bestatigt, wenn sie allzu merkwiirdig 
erschienen. 

Im einzeinen gelten f olgende Editionsprinzipien : 
i. Die originale Seitenzahlung wird durch aus dem Satz her- 
ausgesteilte Zahlen angegeben. 

2. Seiten- bzw. heftverkehrt geschriebene Notizen werden am 
Anfang und Ende durch Pfeile (tt) gekennzeichnet. 

3. Die Absatze in den Tagebiichern zwischen den einzeinen 
Tagen oder auch zwischen einzeinen Gedanken, die Schu- 
mann durch unterschiedlich lange Striche oder Sternchen 
verdeutlicht, werden in diesem Band einheitlich durch einen 
waagerechten Strich angezeigt. 

4. Notizen, die nicht von Schumanns Hand stammen, erhal- 
ten vpr Beginn der Eintragung in Versalien den Namen 
des Schreibers, ist dieser nicht bekannt, wird die Bezeich- 
nung „Unbekannter" gewahlt. Beginnt danach die Schrift 
Schumanns wieder, so wird dies angegeben. 

5. Lateinisch geschriebene Worter oder Absatze werden in 
Kursive wiedergegeben, wahrend fiir die normale deutsche 
Schrift Antiqua gewahlt wird. 

6. Unterstreichungen im Autograph erscheinen im Druck als 
Sperrung. 

7. Die sogenannten Faulheitsstriche (m, n) werden beibe- 
halten. 

8. Zusatze des Herausgebers werden in eckige Klammern ([ ]) 
gesetzt. Erganzt werden gesicherte Abkiirzungen und feh- 
lende Worter, die den Leseflufl hemmen. 

9. Ist eine Lesart nicht gesichert, so wird hinter das Wort ein 
Fragezeichen in eckige Klammern ([?]) gesetzt; ist ein 
Wort oder eine Passage nicht lesbar, wird dies durch eine 
Fufinote angemerkt. 

10. Von Schumann seibst ausgestrichene Stellen erscheinen im 
Druck in spitzen Klammern (( )). Alle anderen Klammern 
stammen aus dem Originaltext. 



18 



Tagebuchi 

Tage des Jiinglinglebens, 1827 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 4871 VII A/a, I A3 

Das Heft umfafit 5 Blatter, Format: 21,8 X 16,5 cm; alle Seiten 

sind mit Tinte beschrieben. 

Restauriert sind reenter und unterer Rand der Seite 2, reenter 

Rand der Seiten 6 und 8, linker Rand der Seiten 7 und 9. 

Die Seiten2ahlen 1, 2, 3, 4, 5, 7, 9 sind von unbekannter Hand mit 

Bleistift hinzugefugt. 

a Rt t 

Die Signatur TyTT . ist mit Bleistift auf den Seiten 8 und 10 

VII A, 1 

eingetragen. 

Das Heft erhielt nach Archivierung einen Kaliko-Einband mit 

Titelschild, das auBer der Signatur die Aufschrift enthalt: Robert 

Schumann / Tagebuch I : / Tage des JiinglingVlebens. 

Es hat Fadenheftung. Der Erhaitungszustand ist gut. 



19 



Tage des Jiingling-lebens 



1827 



Es schlug nUhr: die ernste Stunde.des alten u. neuen Jahres 
war da : ein Gesang aus Tiedges Urania 1 u. Gebete von Staak u. 
Tiedge 2 beschlossen das alte Jahr. Mit heitrer, glaubiger Seele 
fing ich das neue Jahr an. Leite mich Lenker u. Himel, nach dei- 
nen heiligen Willen ! 1 - 

Der erste Januar war einf ormig : ich eilte, meine ganzen Sachen 
in Ordnung zu bringen: durch die aeufiere Ordnung wird die 
inere des Lebens wahrhaft erst bedingt. Zumittage war ich mit d. 
guten Mutter bey meinen Vormund Rudel gebeten : es war heiter, 
ohne steif zu seyn: wo heitre Seelen sich verbinden, da muG das 
steife Ceremoniel schwinden. 

Der zweke Jan:[uar] war noch leerer: ich beschaftigte mich nur 
mit Regulirung meiner Habseligkeiten. Oft dachte ich an meine 
Liddy [Hempel] - da ist das Hoffen, da ist das Fiirchten - 
weiter vermag ich nichts zu sagen: mufi ich hier schwarmen, so 
kann es nur rein platonisch seyn. Die seeligsten Traume schaf- 
fen mir oft das gottliche Madchen hervor: wenn die Wahrheit 
traurig ist, warum kann man nicht heiter in den Traumen, die 
uns lieblich das Ideal unserer Herzen hervorgaukeln, warum 
sollte man da nicht die Gottlichkeit gliiklicherer Tage voremp- 
j&nden? Auch an Nanni [Petsch] dachte ich oft: wenn ich nur 
hierin mit mir im Reinen ware - et amata relinquere pernix :i 
spricht Vater (von) Horaz von den Jiingling: u. doch steht (mir) 
oft, wenn ich an Liddy [Hempel] denke, zurnend Nanni 
[Petsch] vor meinen Bliken. Es war die schonste Zeit meines 
Lebens, die seeligsten Stunden der Wahrheit, wo ich in vorigem 
Lenze liebte u. wieder geliebt ward. Erinerung ist die letzte 
schone Gabe, sagte der theure Schulze 4 : wohl - kann ich nicht 
in triiben Stunden mich in den Andenken an vergangne, schon 
verlebte, wahre Traume baden, u. in heitren Stunden - ich meine, 
gewisse heitre Stunden, die wie gleich verwandte Herzen nach- 
empfunden werden - warum sag ich kann ich in solchen Stun- 
den die Gegenwart nicht als heitre Braut kiissen: denn wo die 
Gegenwart eine siifiere Freundinn ist, als die Vergangenheit, 
wenn diese die Braut, jene die Wittwe ist, warum sollt' ich da 



20 



(jene) diese 01 nicht m ehr lieben?? Wenn um sie heitre Veil- 
chen, der Schmuk des goldnen Lenzes, bliihen, warum sollt* ich 
die verwelkten, aber dennoch schone Rosen, Hebender in mei- 
nem Busen wahren: leider stehen jene Veilchen noch auf einen 
nakten Felsen - konnte auch der nicht von grunen Ranken um- 
sponnen seyn: ich will ihn erklimmen, eine heitre Ahndung, ein 
liebliches Vorgefuhl kiindet mir es, dafi ich vielleicht jenen 
Kranz winden, jene Veilchen pfliiken kann: vielleicht - viel- 
leicht Hebe ich kein geruchloG Veilchen ! ! 

Es ist bestimmt wahr, wo das Gefuhl am lautesten spricht, wo 
das Herz ueberstromender wahrer Traume voll ist, da kann die 
kalte Hand nicht die Feder beruhren, um jene gliiklichen Stun- 
den, wo man wahrtraumt, aufzuzeichnen - ich meine, in ein 
kaltes, geistloses Tagebuch einzutragen. Ich habe die Erfahrung 
an mir selbst gemacht - aber wie? ist es nicht schoner, das 
Uebermaafi der schonen Stunden imer zu empfinden, ifner 
an solche zu denken, als Tag vor Tag aufzuzeichnen, „heute sah 
sie mich an, aber dennoch 

schien sie unfreundlich zu seyn" u. so einer unfreundliche[n] Er- 
inerung gedenken zu miiBen? schone Zeiten vergifk man nimer, 
sie schaukeln uns ifner in sel'gen Traumen ihre holden Bilder auf: 
schmerzvolle Stunden aber vertilgen das Andenken an schonre 
Zeiten -sie werden vergessen : wie nun ware es gut, in sol- 
chen Zeiten ein fades, plattes Buch der Tage niederzuschreiben? 
- Jetzt, wo mein Geist geregelter, meine Gefiihie gemaftigter, 
nichts desto weniger meine Phantasie erhabner u. mein Schwar- 
men ueberfliegender ist, kann ich-ruhig jener Stunden denken, 
wo ich so froh u< gluklich war: jezt kann ich auch in meinen 
einformigeren u. stilleren Leben ein solches Tagebuch halten, 
dessen Zwek nicht etwa seyn soil, Tag vor Tag mein Leben, so 
unbedeutend, wie es jetzt ist, aufzuzeichnen, sondern meine(n) 
Gefiihlen, meine Ansichten dem Papier zu vertrauen, schonere 
Stunden, wenn mir diese die neue Hore aufwiegen sollte, kurz 
anzudeuten, trube Stunden u. traurige Erfahrungen gar nicht 
oder ganz kurz zu beruhren. Und s o will ich in den Minuten 
meiner nachtlichen Mufie mein Leben aufzeichnen, um einst in 
spateren Jahren, mag ich gluklich oder ungluklich seyn - u. lei- 
der (leuchtet) sagt mir das leztere eine bange Ahndung vor - 
meine Ansichten u. meine Gefiihie, mif den vergangenen u. son- 

01 „diese" fiber der Zeile eingefiigt. 



21 



stigen zu vergleichen u. zu sehn, ob ich mir, meinem Gef iihle u. 
meinem Gharakter treu geblieben bin. Bescheidet mir das Schik- 
sal ein gliikliches Loos, so soil die Aufzeichnung der schonen 
Zeiten mein Gliik erhohen, u. mich wieder jener Stunden er- 
inern; soil ich ungliiklich seyn, so wird mich jene Zeit trosten, 
so dafl ich sagen kann: ich habe schon gelebt u. gliiklich kann 
man nicht imer seyn. Aber in deine Hande, Walter unserer 
Tage, lege ich mein Schiksal - du wirst (sie) es 02 weise lenken - 
bin ich aber einstmals [un] gliiklich, so habe ich mir bestimmt 
meine Holle $elbst geschaffen, ich kenne mich - 
Ich bin jezt ueber Planen zweyer Trauerspiele, in denen ich ein 
grofies Feld zu durchwandern u. herrliche Charactere herrlich 
zu durchfuhren habe: es sind Coriolan u. die beiden MontaltL 

Am 4ten Januar. 
Ich war bey Bodmer zu einem Gl.[as] Wein gebeten: wir spra- 
chen ueber Alltagssachen : das Gesprach fiel auf Liddy [Hem- 
pel] : sie wurde stolz geschildert. Ich bin ungliiklich : die diister- 
sten Zweifel steigen in meinem Herzen auf: ich diirste nach 
ihren B liken, ich kann sie nicht zu sehen bekomen : hat mich mein 
Genius verlassen? mein einziges Hoffen setzt ich darauf wie sie 
sich benehmen wird, wenn ich wieder mit ihr tanzen kann. 
Diese Trauer ist mir ekelhaft: kann das Aufiere trauern, wenn 
das Innere vielleicht jauchzt: oder bedingt die aeufiere Trauer 
die inere? Ich fiihle gewifi tief u. innig, was mir verloren gegan- 
gen 1st, 5 ich verachte nichts desto weniger die Sitte unserer Vor- 
fahren, die Verstorbenen aeufierlich zu betrauern, aber nur nicht 
auf eine so lange Zeit die Gef iihle 

gleichsam dadurch einzuzwangen, und die Gelegenheit, heitre 
Stunden zu geniefien, verabsaumt. Ist es nicht schreklich genug, 
eines solchen Menschen, eines (so herzlichen Vaters) lieblichen 
Dichters, feines Menschenkeners, tiichtigen Geschaftmannes - 
oder konnte dies alles nicht gelten - um des Werts : eines Vaters 
beraubt zu seyn : warum soil man da den Schmerz nicht in der 
Lust zu vergessen suchen, warum nicht in heitrer Gesellschaft 
auch heiter seyn? Denn durch die aeuftere Trauer schwinden 
alle Vergniigen. Vielleicht spreche ich kiinftighin anders: aber 
dieses auszusprechen - ich verhehle es nicht - war ich nur durch 
Liddy [Hempel] gezwungen, die ich so heftig, so schwarme- 



02 



„es" uber der Zeilc eingefugt. 



22 



risch liebe, u. die ich, in jeztiger Lage, wenn auch vielleicht 
sehen, doch nicht sprechen kann. Ein Blik spricht manchmal 
besser, als tausend Sprachen: aber die Sprache spricht doch irner 
am besten, und das Auge kann nur sehen. 

Ich ging gestern trotz der Kalte hinaus, dort an der lieblichen 
Villa Liddys [Hempel] : ein gottliches Arcadien lag vor mei- 
nen Augen, wie ich meine Blike auf die Fluren, die (?) ihren 
Landskz umruhen, schauten: eine schattige Eiche, eine griine 
Wiese, ein Bach, ein Quell mit jener Aufschrift: vScog ftsv agtarov 6 
- was konnen meine lieblichen Traume weiter sich schafifen? - 
u. dann, (wenn ich) ihre Nahe - sie sieht mich vielleicht - sie 
komt ofters ! - o Gotterahnungen - ihr durchzukt mich : goldner 
Lenz, liebliche Braut des Himels, beflugle dich; zieh rascher, 
traute Schwalbe, in dein Nest, dafi ich frohlich wieder in den 
Armen der Natur mit mir u. der Menschhek ausgesohnt werde 
u. daG er 03 vielleicht mir jenes bescheidene Veilchen wenn auch 
nicht mit ihren Gottergeruch erquicken, doch vielleicht sein zar- 
tes Blau sehen lafit. - 

Wenn ich mein ganzes Leben durchgehe, so bleibt ich fast imer 
bey der Frage stehn: bist du's oder bist du es nicht? - hast du 
das gethan - hast du das thun konnen? - das ganze vorige Jahr 
flog mir wahrlich wie ein Traum hin: hier hatte ich wahr ge- 
traumt, dort hatte ich nur die ernste Wahrheit: zwey geliebte 
Wesen wurden mir entrissen, das eine 5 , mir theurer als Alles, 
auf ewig: es entschlummerte : das andre 7 bestimt auch in einer 
Hinsicht auf ewig: ich ziirnte damals dem Schiksal: jezt kann 
ich ruhiger ueber Alles nachdenken: u. siehe - ich erkenn' es 
klar, es hat es doch gut gemacht. Ich war eine aufgeschaumte 
Woge: ich rief im Stejgen, warum muB ich gerade so von den 
Stiirmen herumgeschleudert werden: u. wie der Sturm nachge- 
lassen hatte, sieh! da ward die Welle reiner u. klarer u. sie 
sah, daC der Staub, der auf den Boden lag, fortgerissen, sie 
selbst rein u. klar auf lichten Sande sich schaukelte. So ward es 
auch in mir heller: ich habe viel erfahren: ich habe das Leben 
erkannt: ich habe Ansichten u. Ideen *iiber das Leben be- 
komen, mit einem Wortf ich bin mir heller geworden. 
Wir sprachen neulich von ungefahr dariiber: ob fur einen Jung- 
ling, eine Liebe zu seinem Ideal ihm schaden konrite, im engren 
Sinne vorziiglich von der des studirenden Jiinglings. Ich habe 

03 „dafi er" uber der Zeile eicgefugt. 

23 



meine Ansicht daruber; ich habe sic aus mir selber geschopft 
u. durch eigne Erfahrung gesichert. Mein 04 ist, dafi sie das 
Gefuhi veredelt und den besten sittlichen Einflufi auf das ganze 
Wesen macht: man wird moralisch besser u. fiihlt aesthetisch 
schoner: nun aber frage ich: - denn dieses noch weiter 2u erlau- 
tern, scheint mir ueberfliifiig - was giebt es hoheres im Leben, 
als dieses? vielleicht jene troknen Wissenschaften, die uns in 
der Schule eingetrichtert werden? soil ihm das Gefuhi oder das 
Schone aus einen alten Schriftsteller eingefleischt werden? oder 
ist es nicht besser, dafi er aus sich selbst schopft, das Schone in 
seinen Ideal erkennt? - die Liebe, an u. fur sich, das maximum 
aller Philosophic, kann nie schadlich seyn - u. wollten Rigo- 
risten behaupten, sie konne es auch, so fraget doch : ob nicht aus 
dem Besten u. den einzelnen Fallen auch das Schlimmste ent- 
stehen konne? Genug hiervon: ich scheine philosophiren zu 
wollen u. bin noch nicht tiichtig in ihre Mysterien eingeweiht: 
hier spricht mein eignes Gefuhi: u. es spricht - vielleicht rich- 

f-Jcr 

Am 20sten Januar. 
Hier sitze ich nun u. denke an den seeligen Dienstag: wie sie 
so in ihrer ganzen Gottlichkeit dastand, wie ich mit ihr entziikt 
durch die Reihen stiirzte(n). Ich tanzte den ersten Tanz mit ihr: 
meine Hande zitterten: meine Sprache bebte: mir schwindelte, 
wie ich so mit ihr hinflog. Ich wagte ihr die Hand zu driiken u. 

- o meine Wonne - sie driikte die meine zweymal wieder: ich 
prefite sie spaterhin oft : aber - sie hatte sie weinend gedriikt u. 
nicht wieder. Manches, wodurch ich meine Liebe verrieth, sagt' 
ich ihr: ich fuhrte ihr den von ihren Handen geschriebenen Vers 
[an]: 

Gleich buntem Traum entflieht so manche Lebensscene - 
sie wollte ihn nicht kennen. In solchen herrlichen Traumen ver- 
sunken, wankte ich fruh z Uhr nach Haus. An diesen Abend 

- es war der i6te: Januar - liefien wir auch Nanni [Petsch] 
leben: es war ihr Geburtstag: ich habe schlecht Wort gehalten, 
doch eine inneres Gefuhi sagt mir: es ist so gut; ob Nanni 
[Petsch] mich noch liebt, wer kann das wissen: ich werde sie 
nicht vergessen konnen, ich habe in ihrer Nahe manche schone 
Stunde verlebt u. vertraumt; es war meine erste, feurige Liebe: 

05 Das folgcnde Wort nicht lesbar. 
24 



u. ich Gluklicher - ich ward wiedergeliebt. Jedesmal, wenn ich 
die Worte, die sie an Malchen [Schwepfinger] schrieb, wenn ich 
lafi : verbrennen Sie alle meine Brief e, die ich in gluklichen Zei- 
ten schrieb u. denken Sie manchmal der Verlassen [en] ; ich kann 
nicht mehr schreiben, jedesmal mufi ich weinen: es ist eine 
mannliche Thrane, eine schone Thrane heiliger Wehmuth - Ge- 
nughiervon. 

Den ganzen Tag schwebt mir Lidys [Hempel] Bild vor den 
Augen: ich kann sie nicht vergessen. Am Mittwoch fuhr ich mit 
den Schlitten nach Mosel, die Triimmer der niedergebrannten 
Kirche zu schauen: ein heilig, schauerlicher Anblick: 

und die Wolken 

Schauen hoch hinein. 
Ich war nach der Riikkehr in einen gruslichen Zustand, ich 
mufite hinaus: ich wollte Liddy [Hempel] sehen: mein Genius, 
der du mich schon so oft geleitet hast, hast audi du mich ver- 
lassen? ich sah sie nicht. Ich ging bey Staeger: er sagte mir eine 
ganze Holle: ich ziirnte den Hifnel u. weinte. Nein es kann nicht 
wahr seyn : es betraf auch Walthern. Als ich ihm gestern Abends 
sagte - er blieb bis nach 1 1 Uhr bey mir, wo wir ueber unsere 
seligen Traume sprachen - antwortete er mit einer unendlichen 
Riihrung: vielleicht habe ich da noch so viel Kraft, mich zu 
fassen. „Ich konnte mich nicht fassen - nein : das konnte ich nicht 
ueberwinden - ein Selbstmorder ! ! - hu, wie schauerts mich durch 
u. durch, wenn ich diese zwey Gedanken fasse. Ich 05 zittre: ich 
veriiere mich in den Labyrinth der Hollentraume : o - es giebt 
auch bose Traume. Ob sie mich nur liebt ! so f rage ich den ganzen 
Tag: u. kann keine Antwort mir bilden: ein kaltes: Vielleicht 
- hu wie schauert mich dieses - ein kraftiges Nein - konnte mich 
zerschmettern ; aber ich wufite es - Gott lenke denn meine 
Schritte. - Wenn es wahr ist, dafi auch das Spiel Liebe merken 
lassen konne(n), so hoffe ich: jener Dienstag gab mir Beweise: 
sie zog mich manchmal vor. - Genug hiervon : den Schleier, der 
iiber meine Zukunft hangt, ich will ihn nicht zu liiften suchen. 
Eine Tandelei, die ich fiber diesen Abend in dem Augenblik 
der Lust niederschrieb, folgt hier. 



05 „Ich" auf einen Gedankenstrich geschrieben. 

^5 



Der Ball am 1 6ten Januar. 

Wirbelnden Flugs auf der bebenden Diele 

Schwingt sich die fliichtige Sohle dahin : 

Fliegen die Lokchen - 

Hebt sich das Rokchen - 

Rasch u. der Tanz 

Hetarischem Lenze, 

Wogt, eine schwarmende Elf enschaar, 

Paar vor Paar. 

Wie das Boot der Silberwelle 

Schaukelnd hin u. her sich wiegt, 

Also mit des Blitzes Schnelle 

Mili durch die Reihen fliegt. 

Dreht das Kopfchen, schwingt die Glieder 

In des Tanzes Gotterlust : 

Ueppig woget auf u. nieder 

Ihre Wange, ihre Brust. 

Aber ach ! die holde Schone 
Wiegt, der Rose Perienthau, 
Eine ausgeprefke Thrane 
In den Augen himmelblau. 
Melancholische Gefiihle 
Triiben den Madonnenblick, 
Mischen Thranen in die Spiele, 
Seufzer in das nahe Gliik. 

Liebend vom Arme des Junglings umschlungen 

Wiegtder zephrische Reigen sich fort: 

Seelenaccorde, 

Hoff ende Worte, 

Stromen vom Munde, 

Verkiirzen die Stunde, 

Stiirmen im traulischen Liebeswort 

Paare fort. 

Wie der Schmetterling der Heide, 
Flatternd durch den Bluthenkranz, 
{Wiegt) schwebt 06 , des Schafers sufie Freude, 



00 M schwebt" uber der Zette cingefiigt. 

26 



L i d d y [Hempel] fort im fliichtgen Tanz : 
Eine Gottheit auf den Wangen, 
Einen Amor urn das Kinn 
Fliegt sie mit dem liebesbangen 
Daphnis durch die Nymphen hin. 

Um das Lokenhaar, das lose, 
Schlingt sich ewig griin und schon, 
Eine junge Knospenrose, 
Rose aus Arcadien. 
Unter Erstlingen der Lenze 
Ruht der Busen keusch verhiillt. 
So im Wellenschlag der Tanze 
Rauscht sie hin - ein Gotterbild. 

Wirbelnd ertont der Sturm der Galoppe, 

Rasenden Klangs aufsturmende Fluth: 

FHegen der Lange » 

Im Strome der Klange 

Paare in Paaren 

Die tanzenden Schaaren, 

Jauchzet, das Hebende Madchen im Arm, 

Jiinglingsschwarm. 

Wie der rasende Satyre 

Schwarmend mit dem Thyrsus springt, 

So auf Fliigeln der Zephyre 

W a 1 1 h e r durch die Reihen dringt. 

In den Armen seiner Traume, 

Seines Herzens Ideal, 

Stiirzt er durch die weiten Raume 

Durch den dichtgedrangten Saal. 

Aber ach ! die Augen diistern, 
Seine Wangen bleich und fahl, 
Und es schweifen schmelzend liistern 
Seine Blicke durch den Sail. 
Seine Bluthen sind zerfallen, 
Seine Blumen sind verbliiht; 
Du, das Herrlichste von Allen, 
Du nur bliebst ihm - treues Lied. 



27 



Cotillon brauflt in der wirbelnden Kette, 

Jubelnd entfesselt sich jedes Gefuhl - 

Liebende Herzen 

In traulichen Scherzen ! 

Fiirchten und Hoff en ! 

Der Himel offen ! 

Schwingt sich das Herz in den trunknen Wahn 

Himelan. 

Durch das wilde Auf u. Nieder 

Bricht in sufiem Wuthen schon 

F 1 e c h s i g durch die dichten Glieder, 

Ein holdlachelnder Adon. 

In den Luften flCichtig schwebend 

Steht er selbst ein Gott schon da, 

Wie dein Schafer liebebebend, 

Venus Amathusia ! 

Ach! da stents vor seinen Bliken - 
Die Ersehnte seines Traums, 
Seine Andacht, sein Entziiken, 
Formen des beseelten Schaums. 
Doch wie vor Madonnenzugen 
Bleibt er scheu von Weitem stehn ; 
Schpne Seelen kanns begniigen, 
Schonheit nur zu heiligen. 

Heiter verschlingt sich das tanzende Rathsel, 

Schaaren erscheinen u. Schaaren entfliehn. 

Rasch um die Wette 

Springt hier die Kette, 

Beine zerfallen, 

Die Paare entwallen - 

Und es verwirrt sich im gordischen Band 

Hand vor Hand. 

Mit dem Flug der leichten Rehe, 
Mit der Stiirme Wogenschlag, 
Schwingt sich auf der fliichtgen Zehe 
Ida [Stolzel] ihrem Jungiing nach : 
Wie am Bachlein die Viole, 
Strahlt sie mit bescheidnem Sinn, 



28 



Fliegt mit der beschwingten Sohle 
Ihren Wirbelreigen bin. 

Denn im aufgeregten Busen 
Gliiht ein schwarmender Vesuv. 
Wie im Gotterreihn der Musen 
Sappho ihren Phaon schuf, 
Traumt sie goldnen Traum der Liebe 
Und das Ideal steht da - 
Dafi auch ihr nichts andres bliebe, 
Als deln Fels Leucodia. 

Aber es springt die gewundene Fessel, 
Liebliche Ordnung regelt den Tahz; 
Aus Labyrinthen 
Herrlich entwinden 
Sanft sich in Paaren 
Die tandelnden Schaaren, 
Spielende Regel schlieBet den Reihn 
Gottlich ein. 

Am 24ten Januar. 
Ich verlebe manche schone Stunde mit Roeller, Flechsig u. Wal- 
ther. Ich mochte es bald ein vierblattriges Kleeblatt nennen, das 
man selten findet. Roeller ist ein grofler Geist, weniger viel- 
leicht dem Herzen, als dem Geiste nach: er ist ein Liebling der 
Musen, hat wahrhaftes Dichtertalent und wird vielleicht ein- 
mal als Dichter hoch glanzen : er empfindet was er denkt u. was 
er empfindet, denkt er : Flechsig scheint noch tief er u. richtiger 
logisch fortzudenken : er dringt in Alles tief ein : von Natur 
etwas kalter u. weniger excentrisch 07 , weifi er nichts von den 
verschwindenden Traumen des Junglings, sondern erforscht lie- 
ber mit der Klugheit des Mannes die Wirklichkeit. Trotzdem 
empfindet er ganz rein u. wird (bald) durch das Schone hingeris- 
sen. Kaum glaube ich, ob er wahrer Dichter ist, ich meine, ob 
ihn die Natur zum Dichter geboren hat. Seine Verse zeugen 
manchmal von originellen Gedanken, ohne gerade tief zu seyn. 
Sie fliefien leicht hin und lassen manches zuriik: man erkennt 
jedoch sogleich den kalteren, der, obgleich er fiihlt u. denkt, nicht 

07 Anstelle des ersten „c" urspriinglich „z". 

29 



wie Roeller schwarmt Fast mochte ich ihn Seume'n vergleichen : 
er ist ihn fast in Allen verwandt. Walther ist scharfsichtig, ohne 
scharfsinnig zu seyn : seine Gedichte zeugen von Phantasie, seine 
Gedanken sind jedoch nicht ganz originell : er ist mit einem Worte 
schwarmerisch, ohne exzentrisch zu seyn und Denker, ohne 
Philosoph zu seyn. Was ich eigentlich bin, (habe) weifi 08 ich 
(eigentlich) selbst noch nicht klar: Phantasie, glaub' ich, hab' 
ich: und sie wird mir auch von keinem abgesprochen : tiefer 
Denker bin ich nicht: ich kann niemals logisch an den Faden 
fortgehen, den ich vielleicht gut angekniipft habe. Ob ich Dich- 
ter bin - denn werden kann man es nie - soil die Nachwelt ent- 
scheiden. Weiter kann ich nichts ueber mir sagen: es ist das 
Schwierigste, sich selbst darzustellen, u. das : yvco&t osavxov* ist 
ein gewichtiges Wort. - Ich bin heute zu einer unendlichen Weh- 
muth gestifnt: die Thrane steht mir im Auge: ich war ueber 
einem poetischen Stoff, der uebermorgen eingereicht werden 
soil 9 : er griff mich zu sehr an: es ist sonderbar, dafi ich da, wo 
meine Gefuhle am starksten sprechen, aufhoren muG, Dichter 
zu seyn: ich kann wenigstens da nur unzusammenhangende 
(Worte) Gedanken niederschreiben : wo aber mein eignes Selbst 
nicht mitzufuhlen braucht, wo nur die Phantasie u. ein Gedanke 
herrschen mufi, dicht* ich freier, leichter u. besser. Hierin bin ich 
ganz mit mir eins. So ware es mir nicht moglich, ein Gedicht an 
Liddy [Hempel] zu machen. Ich empfinde fast zu sehr dabey: 
Empfindungen sind sprachlos. Liddy [Hempel] fuhr am ver- 
gangnen Sonntag, am 2isten J.fanuar], wo Roeller 09 Flechsig u. 
noch einige andere nach Schneeberg rutschten, vor uns her. (Es 
war ein schrecklicher Tag : solche Tage verkiirzen das Leben : wo 
die Sinnenlust zu sehr hervorsieht, wird der Mensch ein Vieh - u. 
ich war es. Genug hiervon. Ich mufi mich vor mir selbst scha- 
men.) Gestern fuhr ich mit Oberlandern nach Wiesenburg : ein- 
formige Wirklichkeit ! ! 

Am 2 5sten Januar 27. 
Der gestrige Abend war ein schoner: es wurde im Cassino 10 ge- 
tanzt: jetzt kann ich vielleicht hoffen: sie sah blafi [aus] : sie war 
so gut gegen mich : Himmel : wenn sie mich liebte! Der Gedanke 
ist zu gottlich: kaum vermag ich ihn zu fassen. Sie driikte mir 

03 „weifi" fiber der Zeile eingefugt. 

09 Urspriinglich „wir", durch „Roeller" uberschrieben. 

30 



die Hand: wir sprachen kein Wort I Ich kann weiter nichts 
schreiben. Es war herrlich. 

Am 28sten Januar. 
Wo bist du, theures Bild? ich kann dich nicht mehr erschauen: 
seibst die Phantasie kann deine Gottlichkeit nicht vorzaubern: 
ich ging vor einigen Tagen im Abenddunkel dort vorbey: ich 
glaubte sie 2u sehen, ich sah sie nicht u. war ungliiklich, traurig : 
aus solchen Minuten kommt auch mein eingereichtes Gedicht: 
Abend wehmuth : ja, ich kann sagen, ich habe ueber der Arbeit 
geweint, geweint wie ein Kind : ruhig, ungestumes Herz : 
Nicht ewig konnen Weste sauseln 
Auch in den Stiirmen lafit's sich's leben: 
aus den tief sten Busen kamen diese Worte : sie bezeichneten mein 
ganzes Wesen, die Wehmuth u. den Groll, die kalte Verzweif- 
lung. Mein Geftihl sagt mir's, das Gedicht ist gut. Es ist die rein- 
ste Empfindung einer ungliiklichen Seele. Gestern ging ich ein 
paarmal vorbey: ich glaubte, sie zu sehn : und war gliiklich : - die 
drey Freunde waren da: ich spielte Clavier: nichts kann mir 
gefallen, nichts mich befriedigen, nur sie, nur sie, die Zierde der 
Schopfung, die der ewige Schopfer aus seinem Nektar mit Ro- 
sengriffel zur Gottin auf Erden gebildet hat: nein, ihre genialen, 
ihren hohen Ziige 1 1 u. ihre Seele - engelrein ! 

Ja! Schonres kenn* ich nichts, wie lang ich wahle, 

Als in d. schonen Form die schone Seele. 



Ichhoffe, ichhoffe! 

Am 29sten Januar 
Februar. 



Am9tenFebr: 
Ich war getauscht auf der Redoute am 2ten F:[ebruar] Alles 
war da : nur sie allein nicht : ich war ungliiklich. Weiter vermag 
ich nichts zu sagen. Am 6ten Febr: war eine Schlittenfarth nach 
Gesau: sie kam spater: ich sprach nicht mit ihr: sie schien mich 
nicht zu bemerkeh: sie fuhr nicht weit hinter uns auf d. Riik- 



3i 



weg. Abends tanzte man in d. Gesellschaft: ich war von ekel- 
hafter Laune. Dennoch - darf ich hoffen: ja! - sie driikte mir 
die Hand. Meinen Gefiihlen kann ich keine Worte geben : genug 
von diesen Tagen - ich werde mich lange ihrer erinern. 



32 



Reisenotizen I, Prag 1827, Miinchen 1828, 
Rhein/Heidelberg 1829 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 4871 VIIA/b,i A3 

Das Heft umfafit 22 Blatter, Format: 14,2 X 9 cm. Alle Seiten, 
auch die Riickseite des Titelbiattes, sind mit Bleistift, Rotel oder 
Tinte beschrieben. 

Die Blatter 1, 9, 10 und 22 sind lose, 13 und 14 bestehen aus 
Pappe. 

Seitenzahlen wurden mit Bleistift von unbekannter Hand hin- 
zugefii^t, es wurden nur die ungeraden Seitenzahlen ange- 
geben. 

Die Innenseite des hinteren Einbandblattes tragt die mit Blei- 
stift geschriebene Signatur 4871 

, VII,Ab,I ' 
Das Notizheft hat Fadenheftung und einen Moire-Einband mit 
folgendem autographem Titel : 

Robert Schumann 
Reisenotizen. I. 



Reise nach Prag. 1827 
Reise nach Miinchen. 1828. 
„ „ nach d. Rhein u. 

Heidelberg 1829. 



3 Schumann, Tageb. 1 33 



Oi, 


20 = 16 gl u = 6 16 




x x 


9 


20 = 2 rthl 18 10 



50 Thaler v. Eduard [Schumann] 

1 3 Thaler v. d. Mutter. 
6 Thaler aus d. Sparbiichse von Dr. Hempel 

20 — v. Julius [Schumann] . 
6 Thaler v. Rascher fur Mantel. 

10 Thaler v. Carl [Schumann], 

20 Thaler 12 gl. v. Eduard [Schumann]. 
100 Thaler v. Rudel zur Reise pp: 
225 Thaler. 

19. 12. v. Ed.fuard Schumann] 
245 Thaler. 

° 2 Landsbut - Cburprinz - gut u. wohlfeil 

Regensburg - scbwarzer Bar - gut u. mittelmassige Preise 

Amber g - wilder Mann - mittelmassig 

1 Leipzig: W.[ilbelm] Haake/Bartb, Cams, Hofmeister (Wiede- 
beins Lieder) Mutzenmacher 



Amtsinspecktor P. Konigstrasse Nro 147 Neustadt-Dresden 



Prag - Gasthof zum Ross auf der alien Allee. die Metropolitan- 
kirche - Strabofer Kirche - konigliches Schloss - der erzbiscbof- 

01 Diese Eintragungen bis einschliefllich „mittelmafiig" auf den Innendek- 
kel des Heftes geschrieben. - Ober die Seite verteilt zahlreidie Rechnungen 
mit Bleistift, stark verwischt. Erkennbar: ,,3 th = 5 fl. 24", „Ducaten 5 fl. 
30 x", ,,4 fl = 2. 4. 8. 

I3 ' 4 ' 5 
6 868 

3*38" 
Die ersten beiden Zeilen urspriinglich mit Bleistift geschrieben, mit Tinte 
nachgezogen. 

02 Der folgende Abschnitt und Seite 1 mit Bleistift geschrieben. 

34 



lichePallast - die Wimmerschen Anlagen - der Kanaliscbe^ der 
weisse Berg (Schlacbt 1620), der Kajetaner und Kaunitzer 
Garten - 

Sechs griechische Lieder v. 04 



Tberese [Schumann] - Wiedebeins Lieder 



Dresden - Pass bey der Gesandtschaft visiren zu las sen!! 



Leipzig - Tiscblermeister Betz: Alter Neumarkt 



Toplitz - Seume's Grabmahl^ 



06 {Von Niirnberg nach Augsburg geht die Post 
Mittwochs friih 6 Uhr 7 fi 8 xr 
Sonnabends mitt.[ag] 1 Uhr 7 fl. 1 5 xr) 

Bayreuth - goldne Sonne - mittelmassig 
Niirnberg - blaue Glocke - schlecht 
Monheim - Hirsch - gut 
Augsburg - weisses Lamm - gut u. theuer 
Miinchen - goldnes Kreuz - gut u. theuer 

Die Zeit der Rhapsoden u. Homers gehort durchaus in das Kin- 
desalter eines Volkes, wie ja fort u. fort die Kinder nichts lieber 
horen als Marchen u. Erzahlungen : dieser Zeit ist das Konigs- 
thum, die Sitte, wie wir sie im Homer finden, ganz entspre- 
chend: ihr folgte das Alter des Junglings: die Konige mufken 
Freystaaten weichen, Leidenschaften erwachten u. ergliihten : das 

03 Die folgenden beiden Worter zu stark verwischt, nicht mehr lesbar. 

04 Das Ende dieser und der folgendeD Zeile zu stark verwischt, daher 
nicht mehr lesbar. 

05 Danach folgen zwei nicht mehr lesbare Zeilen. 

06 Die folgenden drei Zeilen mit Rotel geschrieben, mit Bleistift ausge- 
strichen. 

3* 35 



bewegte Gemiith. griff zu der Leyer u. ergoB sicli im feurigen 
lyrischen. Gesange. Aber Leidenschaften u. Freiheit uberschrei- 
ten leicht das MaaB u. wo dieses iiberschritten 1st, muB der 
Mensch zur Reflexion kommen: er erkennt die bosen Geister 
in seiner Brust, betrachtet das Irrsal, das sie in der Welt erzeu- 
gen u, der Tragode hat seinen Stoff : so istdie Poesie der Grie- 
chen ein Bild des Lebens 

Blatter zur litter. Unterhaltung. 1827 S. 738. 12 

Number g: Diirers Hans am Tbiergdrtnerthor: Diirerstrasse 

S*3 7 6. 

Bestelmeyers Magazin: Konigsstrasse L. 14 7. a. 

Hans Sacbsens Haus: H.Jans] $.[acbsen]gasse am 

Spitalplatz. 5. 969 
2. 42. Carnpe; Kaiser st? as se L. 198. 

6. 126 Kupferstecher Fleiscbmann. Adlerstrasse L. igi. 

7. Polytechnische Schule im Augustinerkloster : Wink- 
. lerstr. S. 70,^ 

8. Gasthof zum Strauss. L. 3 #9 Carolinenstrasse. 
4. 24. Lorenzkircbeand. Konigsstrasse, 

48. Sebaldkircbe: am Ratbbaus. 

Gasth. z- rothen Ross. Weinmarkt S. 07 37. 

Zuweilen wurde mitten am Tage der Morgen- u. Abendstern 
gesehn, neben der Sonne, wenn - diese verfinstert war. Schones 
Sinnbild 1 wenn sich uns das Leben verfinstert durch zu grofle 
Schmerzen, so erschejnt uns recht deutlich Jugend und Sterben, 
Morgen- u. Abendstern. Jean Paul. 

Die Leidenschaften sind poetische Freiheiten, die sich die mo- 
ralische Freiheit riimmt. Jean Paul. 

Die Achtung 1st nicht die Wurzel, aus welcher die Rebe der 
Liebe erwachst: aber sie ist die Ulme, an der jene sich aufrankt 
u. ihre kostlichen Fruchte reif t. Fr. Jacobi. 

Der Geist muB sich, um nicht der Welt zu f rohnen 
Zur Weltanschauung in sich selbst vertiefen. 

07 „S." uber der Zeile eingefugt. 



Begreifend schafft er Krafte, welche schliefen! 
Die durch BewuGtseyn sich als miindig kronen. 

A. W. v. Schlegel. 

Gemein u. dunkel wird oft die Seele verhiillt, die so rein u. often 
ist: so deckt graue Rinde das Bis, das zersehtagen innen iicht u. 
hell u. blau wie Aether, erscheint, Bleibe etieh stets die Hiille 
fremd, bleibe es nur der Verhiilltt niclit; Jean Paul. 

Nur der grofle Gegenstand verrnag 
Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen: 
Im engen Kreis verengert sich der Sinn, , 
Es wachst der Mensch mit seirien grofierh Zwecken. 

Schiller. 

{Brief)tasche fur Julius [Schumann]': ifl. '30 x. 

Toilette fur Rmilie [Schumann]:: 4ft. 16 x. 

fur Clara 15 : 4 ft- 1$. x. 

(Strick)beutel fur die Mutter. 8 ft, &x. 

FabBer fur Tberese [Schumann]'. 5 fl. i-Vx; 

08 16 Sarbiewsky I. 2 

Also wollten's die Parzen : emst 

Flieik der Strom des Geschiks um den bestimten Tag 

Also wollt* es das Schiksalc ernst 

Greif t (sie) ins Leben sie ein, wenn seine Stunde kommt. 

Der fiihrt heut den gejochten Stier, 

Der dem Romischen Volk morgen Gesetze schreibt 

Und die Joche, die an dem Rinde, legt 

Er den Gabiren 17 und Curiren* 8 ziirnend an. 

Grofi sah manchen der Altmorgenstern 

Den das Abendgestirn bettelnd u. arm noch sah. 

Grofi sah manchen schon Phosphorus 19 , 

Der, des Hesperus 20 schien, bettelnd umBrod noch bat. 

Ist's dem Schiksal gefallig, Ernst 

In die Freude streuen, wird'er, (als 1 Bauer) wie gestern^ J , bald 

(Iq die Hiitte von Halmen gehn) 

Zu des lachelnden Pobels Spafi 

08 Seite*4 mit Bleistift gescbriebeiu 

09 „wie gestern" tiber der Zeile eingefugt 



37- 



In die Hutte von Stroh nieder als Bauer gehn 

Und mit lorbeerumwundenen Beil 

Hakt det , welcher den Staat lenkte, das Holz entzwey 

Wenn's, an Weiden zum Heitzen feMt, 

<$ein§ Fmms sodann) 

^un - SQ w&tmt das Kamin er mit dem Fascesholz. 



©*. i:4 M^y Mittwochs Ankunft nach Zwickau bestimmt 



An die Schau 6. 12. bezahlt 

an Sturm 2. 22. 

an d. Lehmann - 16. 

An Urban 1. 8. 

5 A$n$fiA Gor ing in d. Handlung d. Gebr. Jay in Frankfurt a/M™ 

200 — hi rthl. 2gl8 A 

2 20 u. 1 10 == 1 Gulden 24 A 



Fr. Heyman 5. 8. 3. - 5. 40 
{Urban 1. 8. -) 
{Wolf 4.23 -> 


4™ 


[ Hemden 


4 01j 
3 


1 P. Strumpfe 
Vorhemdchen 


6 


Vatermorder 


3 
1 

4 


Schnupftilcher 
seidenes Schhupftuch 
weisse Halstucber 


1 


Weiter nichts. 



01D ' Diese Adresse mit Tinte, der weitere Text auf dieser und den folgen- 
dc:n drei Seiten mit Bleistift geschrieben. 
01 * Anstelle von ,,4" ursprunglich „}". 

38 



Donnerstag friih i Ubr Abfahrth. 24 April 

Ankunft in Hof 9 Uhr 

Ankunft in Bayreuth Abends 9 Uhr 

Freytag, Sonnabend, Sonntag, 25, z6 t zj April: Fabren 

28 April: N timber g 

10 April: Mittwocbs friih 6 Ubr: Abfartb v. Number g nacb 

Augsburg 

6 50 Thaler erhalten v. Julius [Schumann] 



6. 


12. 


an Schau. 


- 


16. 


an Lebmann. 


2. 


22. 


an Sturm. 


1. 


8. 


an Urban, 


4. 


23. 


an Wolf. 


5- 


8. 


an Stegmann. 


- 


-015 


! . Miersch. 


21. 


I. 




22. 


- 




50 


- 22 


= 28. 



28 Thaler Reisegeld. bis Augsburg 

- 8 an Bamberger 

- 8 an Karoline. 

- 10 an Zschenderlein 

- 8 Concert u. Sturm 
Rest: 26 Thaler 

Postgeld fur Rosen u. mich 4. 12. v. Hof nacb Bayreuth 

Rest: 21. 12. 

23 Fl. 19 x fur Mitbringlich nacb Zwickau 01 * 

Inschriften auf d. Fantaisie 2i . 

Jean Paul 

Dem sinnigen u. erhabenen Dichter 

Deutschlands vorzuglichsten Musensobne 

Dem Freunde der Natur u. Kunst 
Deutschlands Zierde, Deutschlands Stolz 



012 Anstelle von ,,7" urspriinglich ,,4". 

013 Diese Zeile mit Tinte geschrieben. 



39 



FIugrecht.[?] Auf der Fantaisie am 25 Apr. 28 

1. 
Thrdnen bedeuten Perlen disseits. Perlen bedeuten Thrdnen 
Jenseits. 

2. 
Meine Sterne war en untergegangen: da lachelte dein Hesperus, 
gottlicher Jean Paul, und beleuchtete meine Thrdnen, aber die 
Thrdnen wurden Freudenthrdnen und die Seele lachelte sanft 
wie Hesperus, wenn auch durch die Thrdne, wie Homers Worte : 
daxQvoev ysXdaaoa 22 schon ausdrucken. 

3- 
leb stand bey deinem Grabe u. weinte; du schaust [?] an mei- 

nen Thrdnen u. lacheltest, Jean PauL 

4- 
Blumen decken die Thrdnen der Menschen im Grabe. Thranen 
fallen auf die G/abesblumen von den Menschen: So hiillen jede 
Blume im Leben Thrdnen. 

5- 
Die Eisblume am Fenster. 

Wie du so schon strahlst, silberne Blume des Winters: so sprach 
icb und wollte sie beruhren und sie an mein Herz drucken: aber 
sie zerftofi und ward zu Wasser. Freude des Menschen, das bist 
du: herrlich strahlst du aus der Feme, aber wenn wir dich er- 
fassen wollen, da verschwindest du 
u. wir st eine Thrdne. 

6. In Augsburg™. 

Freundschaft u. Liebe gehen verhullt u. mit verschlossenen Lip- 
pen uber diese Kugel u. der innere Mensch hat keine. Aber 
im 0i5 Menschen ruht ein grofies Etwas, ein Schweben uber die- 
ser Erde, ein Sehnen nach dem Vberirdischen und er fiihlt es auf 
hohen Bergen oder bey Sonnenuntergang oder bey groflen To- 
nen. Achl bier kan^ m kein Mensch dem andern sagen wie er ihn 
liebt, denn Freundschaft u. Liebe gehen verhullt u. mit verschlos- 
senen Lippen uber diese Kugel u. der innere Mensch hat keine 

014 Diese beiden Worter mit Tinte geschrieben. 

0J5 M im" auf „J" geschrieben. 

01(1 Jiiet kan" iiber der Zeile eingefugt. 

40 



Zunge. Aber das gute oi7 Herz weifi, dafi es liebt und die Ver- 
wandten Seelen fiiblen, daft sie sich kennen. 
Mochten auch Sie es fiihlen, Clara [v. Kurrer], und sicb wie 
under e der Tage edler Freundschaft erinnern, ohne zu sagen, 
sie sind )a nocL Aber wenn das Schicksal einst 018 jeden zartesten 
Wunsch Ihres Herzens erhoren und das Glilck Ihnen wird, was 
das Leben (bilden) geben™ kann t bieten ka?m, so wird doch 
rnein Herz nie aufhoren zu sagen: sie hat mehr verdient. 
2 ten May 1828 R. Schumann 

™In Leipzig 

7- 
Wie ich liebte, so (war alles urn mich) Dammerung Ailes um 
mich; aber es war Morgendammerung, u. wie ich nichts mehr 
hatte u. weinte, da sah ich durch neue Thranen die Abendsterne 
aufgehen es war Abend dammerung. 

Die singenden Waisenkinder 021 
8. 
Ihr Gliicklichen, die ihr singt u. verloren habt; aber ihr wifk (ih) 
noch nicht, was (ihr verloren habt) euch fehlt 022 ; so sind wir alle, 
aber wenn wir wissen, so schweigt der Gesang u. wir weinen oder 
ziirnen. 



Auf d. Weg nach Leipzig: Michalis 1828. 
9. 023 
Jeder Tonkunstler ist Dichter, nur ein hoherer. 



Es giebt unzahlig viel liederlich u. moralisch-verdorbene Men- 
schen, die ihre Streiche mit ihren guten Herzen beman- 
teln wollen ; diese sind gewift die verdorbensten Menschen ; ge- 
rade der Grund, der beschonigen soil, spricht wider sie. 



017 „gute" iiber der Zeile eingefiigt. 

018 „einst" iiber der Zeile eingefiigt. 

019 „geben" uber der Zeile eingefugt. 

620 Der folgende Abschnitt - aufier ,,7." - mit Tinte geschrieben. 

021 Diese Zeile und „8." mit Bleistift geschrieben. 

022 „euch fehlt" iiber der Zeile eingefugt. 

023 Die folgenden drei Abschnitte mit Bleistift geschrieben. 



41 



JPaul ist keine Quelle Hippocrene 23 , wenigstens gereimt nicht 
mehr. JP.faul] fand aber Reim u. Vers erhaben u. wahr, wie 
Klopstock. 

024 Notizen fur Leipzig 

(An Sussmann;) 8. - - 

(An Liepmann) zj. - - 

AnWieck 20. - - 

(Der Aufwartung) 5. - - 

An Renz 10. - - 

Testimonia pp. 2. - - 



Summa: 72. - - 




Gedeckt durch: 




(von Rudel auf ]uny u. July 60.) 


100 025 


nett 10 Tb. extra. 




(von Eduard [Schumann] 30.) 


40 025 


(Aus der Sparbuchse 1 1 .) 8 - 





10 Notizen zur Reise. 

Leipzig: von Probst Empfehlung an Ries in Frankfurt. 

von Carl [Schumann] an Goring + 

von Eduard [Schumann] an Engelmann 

i. Heidelberg 

von R.[ektor] Hertel an Weber inFrankfurt+ 

_____ __ in Darmstadt^ 

_ „ _ _ _ _ _ an Kurcber 

in Karlsruhe + 
von Weber anKluckhist 

in Heidelberg.^ 

Operngucker %u kaufen + 

Testimonia 

Rosen m.[eine] Ankunft zu melden 

ZU Reiz^ 

Stiefelschuhe zu kaufen + 

Lorgnette^ 

Scblafpelzzu kaufen + 

024 Von hier ab mit Tinte geschrieben ; die Unter- bzw. Ausstreichungen in 
den „Notizen fur Leipzig." mit Bleistift. 

025 Diese Zahl von Schumann [?] mit Bleistift geschrieben. 

42 



zu Rudel we gen Geldauszahlung in H.[eidel~ 

berg]+ 

Pass auf d. Polizey + 

Maler Glaser in Darmstadt aufzusuchen. 

Pariser He f in Frankfurt - 

Klughist aus Bremen 

Professor Herrmann v. Oberlander empfohlen. 

Fur 1830! 

Vielliebchen mit Josepbinen [Car us] u. Weber! 
- - fur Amalia [Scheibe]. 

1. Zw.[ickau] 4/5 29. 

Carlo Minona sagte: er hatte keine Wunsche mehr. Das Wort ist 
hart u. das Herz muG schon tief gekrankt u. sehr gebeugt seyn. 
Aber ich weifi nicht, wer grofier ist - der, der im Gliike freudig 
sagt: ich habe keine Wunsche mehr, das Leben hat mir alle 
erfiillt - oder der, der stolz in seine Brust schaut u. in das win- 
zige Leben u. der mit der unterdriikten Thrane ruhig u. hell auf 
schaut u. spricht: das Leben hat fur mich keine Wunsche befne- 
digt, unser Herz ist unser Gott u. unser Himmel. - 
Das letzte granzt fast an Egoismus ; es ist eine kleine Linie zwi- 
schen Egoismus u. Selbstgenugseyn u. der Mensch verwechselt 
oft 026 beydes Zum Schaden des letztern. 

2. 
Am Menschen ist Alles charakteristisch u. significant - sein 
Gang, seine Haltung, seine Schriftzuge, seine Gewohnheiten u. 
Eigenheiten pp: u. gerade in den kleinsten Sachen, woman eine 
Verstellung fur unniitz halt, steht die Seele u. der innere Mensch 
am hellsten u. lichtesten da. 

3- 
Das Fatalitatssystem ist das Thor fiir alle Verbrechen u. die 
Sanktionirung aller Laster. Wer dem Menschen seinen Willen 
nimmt, der kann ihm nichts mehr rauben. - Ich bin noch nicht 
mit mir klar, welche Vorziige der Monotheismus vor d. Poly- 
theismus hat. - 

4- 
Die Menschen verwechseln meistens erworbene Ruhe mit 
Phlegma; nur die erste ist grofi u. der Mensch mufi durch viele 

026 Anstelle von „f" urspriingUch „b". 

43 



Schulen polirt u. abgeschlifien seyn, wenn er sagen kann: mir 
kommt nichts unerwartet u. ich fiirchte nkhts. Dr. Weidemann 
scheint sie zu besitzen, ist aber zu sehr Egoist, urn Objectivitat 
u. einen historischen Blick iiber sich selbst zu gewinnen. Das 
letzte ist schwer. 

5. j/529. 
Die Idee d. B.lurschenschaft] biliige ich, wie jeder gute Mensch 
mit mir, nur die Subjecte sind mir verhafit; kein Jahrhundert 
geht ohne Fragen an seine folgenden voruber; Hufi fragte, Lu- 
ther antwortete; so findet jeder grofie Mensch das Echo zu sei- 
ner Frage, das donnernd die Jahrhunderte durchrollt u. Heil 
ihm, wenn die Zeit einmal ihr J aw o r t giebt! Die I. [dee] der 
Bursch.fenschaft] geht gewifl nicht spurlos voruber; der Bauern- 
krieg war ihr Vorbote, dort war es mehr Beschrankung des 
burgerlichen Eigenthums, hier des geistigen, 

6. Frank : [rurt} am 1 4ten May 
Ein Zug 1st alien Frankfurter Madchen gemein - der Charakter 
einer deutschen, mannlichen Wehmuth, den wit oft in anderen 
ehemaligen Reichsstadten finden - Cliaraktervoll sind fast- alle: 
Gesichter - geistreich viele, schon wenige — die Nasen sind 
meist griechisch u. oft eingestiilpt - der Dialect gefallt mir 
nicht - 

Wahrlich - Frankfurt ist reizend, schon well es Leipzig ahnelt, 
den Taunus u. den lieblichen Mayn abgerechnet - war es mir 
doch oft, als ging ich urn die Alieen Leipzigs u. sie mufite kom- 
men, aber Alles war stumm u. die Menschen gingen stumm vor- 
iiber - u. das Herz sprach nur manchmal wie gebrochen im 
Traume. 

Dich vergefi ich nicht, du himlischer Abend von Gestern - 
der Aether war rein, wie ihre Seele ; wie ihr Auge, strahlte der 
Mond, sanft u. gottlich - mit ihrer Stimme floteten die entziick- 
ten Nachtigallen - u. es war mir so, als mufit' ich hier schon 
gewesen seyn - der duftende Flieder, Alles bluhend - das Mai- 
griin, die wogenden Akazien - die wallenden Madchen - Wie* 
manche mag von ihnen gliikiich seyn u. wie manche mit dem 
blauen Auge in das reine, goldne Mondauge aufgeblikt haben - 
vielleicht auch Du, die mir so fern ist u. vielleicht nach Osten, 
wo dein Freund mit einem ganzen Hollenhimmel vol! Sehnsucht 
durch die Bliithen u. den iippigen Abend geht! 



44 



Reise nach Heidelberg im }.[abre] i8zg. Ill) 



Abfarth von Leipzig am i iten May Abends 7 Uhr - 

Geschr. [ieben] zu Frankfurt am 13 ten 
Abschied v. Semmel, Renz, Krause, Eduard [Schumann] - kein 
Blick mehr von ihr - Wilibald Alexis - der kl.[eine] Godefroy - 
der geheime Secretair Rothe aus Berlin - ein Jude aus Frank- 
furt - Kaufmann Schlimmacher aus Erfurt - der Philosoph 
Rothe - Extase iiber seine Frau - Wehmuth u. Abschied v. Leip- 
zig - Lutzen - Schnaps u. Schlaf - Weifienfels - Schlaf - Naum- 
burg - die Kochinnen - die Kuche u. grofie Mumeley - Eckarts- 
berga 

Dienstags am 1 2ten May - Triibes Wetter - Weimar - Er- 
furt - Gang zum Dom - Befreundung mit Wilibald Alexis - 
vortrefflicher Mittagtisch - Gotha - Brief an Eduard [Schu- 
mann] - Kaffee's - Eisenach - hiibsche Madchen - brillantes 
Abendessen - Burgunder - die Juden - Franzosen aus Paris - 
Schlaf - Marksuhl - 027 - Fulda - Kaffee's - hubsches Schlofi - 
Schliichtern - Saalmiinster 

Mittwochsam 13 ten May - die Fleischer u. Baker in Saal- 
munster - hafiliches Dorf u. hafiliche Gesichter - Johannisberg - 
reizende Gegend - iippige Vegetation - Gelnhausen - der merk- 
wiirdige schiefe Thurm - der Berliner Student n.[ach] Heidel- 
berg - lebhaftes Gesprach iiber Burschenschaft pp - Hanau - 
reinliches Stadtchen - niedliche Madonnengesichter - Aussicht 
nach Offenbach - der liebliche Mayn u. das Schlofl des Fiirsten 
von Hessen-Cassel - Schiffe - Ankunft in Frankfurt um 4 Uhr - 
der Phonix aus dem Poststaube - Beefsteaks - Gasthof zum 
Schwan - Wanderungen mit Wilibald Alexis - bluhende Pro- 
menade - Abspannung - die Mainbriicke u. herriiche Aussicht - 
die Frankfurter Madchen mit gleichen Nasen - Kaffeegarten - 
hiibscher Abend - der Mond - Nachtigallen - der verlorne 
Operngucker - 

Riikfarth - der Klavierspieler mit schonem Anschlage - Kaffee- 
garten - Billard - Mondscheinspatziergang - Sehnsucht nach 
Dir, nach Dir - Nierensteiner - Mondnacht u. tiefer Schlaf - 

027 Das folgende Wort nicht lesbar. 

45 



Donnerstags am i4ten May. Heller Morgen. Spatzier- 
gang auf die Zeile - bey Andre - seine Fliigel von Streicher - 
mit Wilibald Alexis - Pilgerfarth in alien Schmutzwinkeln, der 
interessanteste Theil der Stadt - der Dom - der Romer - zu 
Tische beym Legationsrath Doring - die Frau des Ferdinand 
Ries - schon u. lebhaft - englisches Blut u. tiichtiges Urtheil - 
die Frau Doring's - Schwester des W. Kilzer hochst interessant - 
meine ennuyante Stummheit, nachdem ich gehort hatte, sie sey 
eine Englanderinn - brillantes Mittagsessen - Wilibald 028 Ale- 
xis herrscht - mit ihm u. Doring z. Schatzel'schen Museum 24 , zu 
Gothe's Geburtshaus u. den Bethmannischen Garten - Ariadne 

auf dem Panther Entziicken - herrlicher Bliithengarten - 

io's Theater - die Schachmaschine 25 - sehr gut u. lebendig dar- 
gestellt - wenig besucht u. viel Larm - mit d. Secretair Rothe 
u. Haring in d> Rosenbergischen Garten - das alte, gute bayer- 
sche Bier - W.[ilibald] Alexis friert - stumme, heilige Mond- 
nacht - Spatziergang - exaltirte Behaglichkek - Burgunder - 
schoner Schlummer 

Freytags, am 15 ten 029 May. Morgenspatziergang mit 
G.[eorg] Doring, Canova, u. W.[ilibald] Alexis, d. Legations- 
rathin Doring u. Kind nach Bergen - herriiches Wetter - Ge- 
sprache mit ihr - Familienscene in Bergen u. ihr schwarmerisches 
Auge - weite — mannichfaltige Aussicht n.[ach] Gelnhausen, 
Offenbach, Frankfurt - Wohlbefinden - ich auf d. Bock - um 
1 Uhr im Schwane - die feinste table d'hote - die Franzosen u. 
der alte Deutsche, der nur aus Grundsatz ernst ist u. nie lacht - 
ein wenig berauscht - der alte, keuchende Portier wegen [?] - 
Reinheit der Tonkunst 26 - 
1 5 Abschied von Doring - s. [eine] Frau im magnetischen Schlafe - 
s.[eine] merkwiirdige Schwiegermutter - Abfarth aus Frankfurt 
um 6 Uhr Abends - gliickliche, gottliche Laune - Burgunder im 
Wagen - die vollgepfropfte Equipage - der desperate Kauf- 
mann mit rollenden Augen - ein gewesener Student - eine alte 
Frau - eine schone Maitresse eines r.[eichen] Kaufmann's aus 
Wiesbaden mit griechischem Gesichtsschnitte - Willibald Alexis 
- u. ich - schone Aussicht vom Bock nach Frankfurt - Hochst 
(mit s.[einem] ansehnlichen Schlosse) - Hattersheim - guter 

028 m ^t« au f (>m i t [p]« geschrieben. 

^^ »»i5" zur Verdeutlichung nochmals uberschrieben. 

46 



Weill - Bekanntmachung mit der Maitresse - meine unverwiist- 
lich-liebenswurdige Laune - heitere Gesprache - iiber Napoleon 
- sehr aufgeregt - Weinkneipe angehalten - ich gefahren - herr- 
liche Mondnacht - die stampfenden Pferde u. der angstliche Kut- 
scher - ausgelassen lustig - sehr berauscht - Wiesbaden - zur 
Post - Beefsteaks - die zerbrochene Laterne - Steinberger Ca- 
binetswein ! - f ertig - 

Sonnabends am i6ten May - friih exaltierter Katzenjam- 
mer - der dienstwillige Secretair, von Rothe empfohlen - schone 
Hauser u. Anstrich von Wohlhabenheit - die Colonnade - der 
prachtige Kursaal - schoner Park - das Palais d. Herzogs von 
Nassau - der Casanova - der desperate Kaufmann - Steinber- 
ger, aber schlechter - d. Secretair mit Havannahcigarren - Ab- 
gefahren von Wiesbaden urn 1/2 10 Uhr — triiber Wolkenhim- 
mel mit kleinem Blau - erster Anblick des Rhein's - Freude u. 
Offenheit gegen W.[Uibald] Alexis - 

der Park zu Biberisch - Residenzschlofi d. Herzogs v. Nassau- 
Usingen - himmlische Gegenden - d. Rhein sehr breit - Schier- 
stein - iiberall sehr edele Madchengesichter - Niederwalluf - 
Aussicht nach Mainz - Elif eld - Kiedrich - Erbach - der Marko- 
brunn - Hattenheim - Langer Winkel - Erinnerung an Rothe - 
ein schones Madchen - der Johannisberg mit schoner Aussicht - 
Geisenheim - Rudesheim - Mittagessen - Spatziergang nach 
Asmannshausen - ich glucklich - der Mausethurm - Bingen - 

d. Klopp - d. Ehrenfels - Binger Loch - schl. [echter] rother 
Wein in A. [ssmannshausen] - aber rein - Besteigung des Nie- 
derwaldes - sehr miide - die Rossel - Nachtigallen - schonste 
Aussicht von d. aussersten Felsenklippe - die Maulesel von 

e. [inem] Esel u. 2 Gansen beritten - Riikkehr nach Rudesheim - 
Sonnenuntergang - Mond - die feme Rochuskapelle - Riides- 
heimer 1806" = Spatzierfarth auf d. Rhein - recht poetisch - 
schones Echo - ganz windstille - der alte Fischer - dann Brief 
an Julius [Schumann] - schoner Schlaf - 

Sonntagsd. i7ten May: - Ueberfarth mit W.[ilibald] Alexis 
nach Bingen - die Klopp - Aussicht nach Mainz s.[ehr] tau- 
schend - GefangniB Heinrich IV - die Aeolsharfen 27 - himm- 
lische Gegend - die Drususbrucke 030 - sehr nobles Essen - der 

030 „die Drususbrucke" am Ende der Seite hinzugefugt und durch ein 
Sternchen an diese Stelle verwiesen. 



47 



Maler Knapp aus Mainz - Wasser Diligence - W. [ilibald] Ale- 
xis sehr rege u. ich ziemlich £aul - R. [uine] Veitsberg - R. Rhein- 
stein - R. Falkenburg - St. Lorch sehr romantisch - R. Nollin- 
gen - R. Sonneck - R. Fiirstenberg - Bacharach - R. Stahleck - 
die Pfalz im Rhein - Caub - Gutenfels - Oberwesel - R. Rinek 

- R. Schonburg - der Lorleyfelsen mit Echo - R. die Katz - 
R. die Maus, herrlicher Strudel - St. Goar - Rheinfels, grofi u. 
schon - himmlischer, reiner Abend - R. Sternberg u. Lieben- 
stein - 

17 Boppard sehr romantisch - grofte Biegung des Rheins - ich 
einsam auf dem Verdecke - Schlofi Liebenek - die herrlichste 
Poesie von Rh.[ein] Braubach mit d. Marksburg - die unter- 
gehende Sonne u. der Mond hinter der Burg - Silber- u. Gold- 
wellen im Osten u. Westen - Aussicht nach Lahnstein - Capel- 
len, Ehrenbreitstein u. d. Gegend von Bonn - Rense - Ober- 
lahnstein - ausgestiegen in Capellen - der kleine, gefahrliche 
Nachen - die kleine gefahrliche Aufwarterinn - die Zauber der 
Nacht - die fernen blaurothen Berge - die Burg Lahnek - Ende 
der Leipziger Cigarren. 

M o n t a g s am 18 ten May - Himmlischer Morgen - die Stol- 
zenfels bestiegen - die Nachtigallen - scheme, stolze Ruine - 
links u. rechts umhergeschwarmt - den Berg bestiegen - weite, 
iippige Aussicht nach Coblenz u, d. Marksburg - Bericht an Le- 
ser auf der Bergesspitze - unterwegs der Kronprinz [Friedrich] 
v. Holland - Friihstuck in Capellen - die kl.[eine] Aufwarterin 
hat viel Geist u. Urtheii - der desperate Tanzmeister - Abschied 

- der geschwatzige Begleiter u. Unbehaglichkeit in seiner Nahe 

- Coblenz zum schwarzen Bar - die fatalen Preussischen Sol- 
daten - lederne Tischgesellschaft - lederner Fliigel - lederner 
Aufenthalt - lederner Moselwein, ledernes Essen - ich selbst 
aufierordentlich ledern - Schlaf - Angst wegen W. [ilibald] Ale- 
xis 28 - iiber die Schiffbriicke begegnet er mir - Thai Ehrenbreit- 
stein - Moureau's zerstortes Denkmal u. die bildschone Fran- 
zosinn - Mosel u. Rheinbad u. Uppigkeit - Promenade langs 
der Mosel - Clavier gespielt - sonst sehr lahmer Abend. 

Dienstags am I9ten May. Der Hausknecht vergessen mich zu 
wecken - Promenade in d. Stadt - die bildschone Franzosinn 
mit feurigen Augen - Clavier - 

18 Nachmittagsschlaf - Festung Ehrenbreitstein - der verdachtige 

48 



Lohnbcdiente mit d. scheucn, unstiiten Bosewichtsauge - Wein- 
garten - gute Cigarren - Abends musikalische Akademie - heitre 
Laune des alteren Schlickhaufien - Maiwein mit Champagner 
u. Carnevalslieder - 

Mittwochs am 20sten May - Dampf boot - schoner Tag - 
stiirmisch - herrliche Einrichtung - v. Miinchhauften u. Arends 
aus Berlin - alberne Dame - lastige Frankfurter Kaufleute - 
den Weg s.[siehe] xyten May - feine table d'hote - der Franzosc 
am Ende des Tisches mit Grimassen u. Vatermorder - die deut- 
sche Franzosinn u. d. deutsche Gentleman - der Englander - 
Witze uber Tische auf's Verdeck - Wehmuth u. Sehnsucht in d. 
Brust - Sturm - Da, wo es stiirmt, da bin ich gern - Aussicht 
nach Mainz - die rothen Thurme - die Schiffe vor Mainz - die 
drey Reichskronen - niedertrachtig-schlechtes Essen - in d. Stadt 
umhergeschwarmt - Kirchenvesper - der Dom - innen schlech- 
ter, als auften - Geldfatalkaten - 

Donnerstag am 2isten May - schoner Morgen, schlechter 
Lohnwagen - die Schiffer - der Major Adjutant von Murat sehr 
gebildet - iiber Revolutionen, Burschenschaft, Sand, Napoleon 
pp - hassliche Gesichter - Oppenheim - Worms - der Dom, der 
Gegensatz vom Mainzer - die lutherische Kirche - gute table 
d'hote u. hubsche Wirthstocher - der Major steigt in Oggers- 
heim 

ab - hubsches Klavier in (Dorf) Frankenthal vor Mannheim - 
Mannheim - verdammtes Geldpech - Fufiparthie - erster An- 
blik des Neckars - die Vogesen - Ruhe in der Brust u. Sturm 
draufien - maierischer Sonnenuntergang - Um 9 Uhr A n k u n f t 
in Heidelberg- der Baden'sche Hof u. feines Abendessen 
- guter Schlaf - 

Freytags am 2 2s ten May - Rosen mit off enen Arm en - 
Geldpump bey Ehrenhaus - Logismiethe - Mittagessen im 
Baden'schen Hofe - die Harfnerinnen - viel getrunken - (Pet) 
Meier vulgo Peter - Bierkneipe - dito - fataler Gang auf s 
Schlofi - Rosen sehr knill - Museum - Billard - Beefsteak's - 
ich dito - 

Sonnabends am 2 3 ten May - fruh Brief an Eduard 
[Schumann] - Katzen jammer - Glukhist aus Bremen - das Ge- 

4 Schumann, Tageb. 1 49 



fiihl auf der Zunge - Mittagsessen im St. Georg - der verbun- 
dene Rhenane - zu Hause Schlaf - schonef Tag - ich sehr ab- 
gespannt - mit Sabarth aus Breslau auf das Schlofi - schone Aus- 
sicht von der Platte - mit ihm, Keller u. Ehrenhaus spatziren 
gegangen - langweilige Gesellschaft - Essen im Adler - Wein - 

Sonntags am 24sten May; schoner Morgen - Brief an die 
Mutter 29 , Bohme, Liepmann - schone Madchen auf der Hpt- 
strafie - Messe - Billard im Museum - ennuyantes Essen im 
St. Georg - Hh. v. Geiger aus Miinchen - Schlaf - mit Ehren- 
haus u. Rosen auf das Schlofi - voller GenuG meiner Selbst - 
durch die 
20 Ruinen - Musik - hiibsche Madchen - Erinnerungen an Leip- 
zig - Abends zu Rosen - meine Briefe - Sabarth u. Keller u. 
der persiflirende Baron - Erzahlung Rosen's uber seine Charge 
als postilion d'amour - zu Hause schone Fantasie am Clavier - 

M o n t a g s : d. zjsten May - erste Stunde bey Thibaut - in 
s. [einem] Hause u. s. [eine] Freundlichkeit - St. Georg - lederne 
Tischgesellschaft - der Bengel Geiger - die Harfnerinnen - Spat- 
ziergang auf 1 den Woifsbrunnen mit Rosen - Schloflberg - (die 
betrunkene) Emilie Jonas - mit Sabarth, Ehrenhaus, Rosen in 
d. Adler - der lederne Ehrenhaus - filzige Gesellschaft - ein 
wenig angestochen. 

Dienstags- Mittagsessen im Museum - lederne Tischgesell- 
schaft - die Harfnerinnen - mit Rosen auf's Schlofi - Sabarth, 
Ehrenhaus, Peter [Meier] - Plan zur Allemannenkneipe auf- 
gegeben - der blocklederne Ehrenhaus - sehr solid gelebt - 

Mittwochs am 2ysten May. Bis 3 Uhr zu Hause - allein im 
Museum gegessen - dann einsamer Spatziergang n.[ach] d. 
Woifsbrunnen - Streifereyen - Schlaf - Beefsteaks im Museum 
- Brief an Dr. Carus - bis 1 1 Uhr Cl.[avier] gespielt - Titan 30 - 
schweres Einschlafen - sehr solid - 

Donnerstags (Himelfarth) am 28sten May - friih Tonlei- 
tern pp - italianische Lection - zu Hause gegessen - mit R. [osen] 
in die Diemerey - schone Suada - zu Hause Schlaf - die San- 
gerinn u. Walzerspielerinn in d. Nachbarschaft - herrliche 

50 



Laune - mit R.[osen] in*s Museum, aufs neue Kaffeehaus - 
031 kl.[eine] Knillitat in Grocq - u. 

032 Bingen am 1 3/5 29. 
Am Westufer des Rheins sind die Gesichtszuge der Madchen, 
sehr fein u. mehr gemiith- als geistvoll. Die Nasen sind meist 
griechisch, das Gesicht oval u. sehr regeimaftig, die Haare braun ; 
ich habe keine einzige Blondine gesehen. Der Teint ist wie 
Hauch. Wie anders ist d. Ostufer, wie eben hier zu Bingen, wo 
ich sitze u. den Rhein vor mir schreibe. Die Gesichter sind rund 
u. klein, weniger charaktervoli, ein brauner Teint, die (Gesich- 
ter) Zuge 033 mannlicher, mehr als sonst alles noch. 

Ich liefi mir einen Schoppen RCidesheimer geben, der alte Schif- 
f er mit seinem Madchen fiihrte mich zum Nachen, der Rhein war 
windstille u. der Mondaether ganz rein u. klar. Riidesheim spie- 
gelte sich in den Wellen, die der Mond zauberisch verklarte. 
Driiben lag von fern die Rochuscapelle - mein Herz war ganz 
erfullt. Der Spitz lag zu s. [einen] Fiifien u. wedelte, ich rief 
das Echo: Anker - Anker, Anker klang es wieder. Ach, wie 
gern hatt ich d e i n e n Namen genannt, aber kein Echo tragt 
meinen Ruf in dein Herz u. Alles ist still u* stumm, denn du 
bist fern u. vielleicht auch meinem Herzen - Ich liefi Ian den - 
der Mond glanzte fort - aber ich schlummerte u. mir traumte, 
ich ware im Rhein ertrunken. 



Coblenz 
Und was ist denn nun auch das Reisen - ein Komen, ein Gehen 
- ein Voriiberfliegen an fremden Wesen - Und so find* ich nir- 
gends Ruhe. - 



Eine momentane Laune hat vielen Einflufi auf den Eindruck 
fur langere Zeiten - so auf Reisen 034 - warum. fesselte mich beym 

031 Die folgenden vier Worter wegen zu starker Streichung nicht lesbar. 

032 Diese Seite mit Bleistift geschrieben, die Obersdnift und der 2. Absatz 
mit Tinte nachgezogen, 

033 „Zuge" iiber der Zeile eingefiigt. 

034 Die Bleistif teintragungen dieser Seite bis hierher mit Tinte nachgezogen. 



51 



ersten Anblkk Frankfurt u. warum befand ich mich mit dem 
ersten Schritte in Coblenz schlecht, da keine der andern etwas 
schuldig ist? - 



Wie anders sind die Katholiken am Rheine, als die in Bohmen 
u. Niederbayern - hier so mild, so menschlich - die Gesichts- 
ziige durch keinen Fanatismus lang gezogen, die Augen durch 
keine Schwarmerey hohl u. weifi - giebt es oft in Bohmen u. 
in Bayern, ja in Sachsen u. unter den Protestanten solche Mad- 
chen, wie ein katholisches in Capellen, das zu mir sagte: 035 wer 
seine Religion hinter dem Namen sucht, der hat keine; wir wol- 
len gute Menschen seyn. - 



Ein lustiger, besoffner Tanzmeister machte mir viel Vergniigen, 
er scheint jetzt zudringlich zu seyn, um die Gesinnungen der 
Menschen iiber ihn zu erproben. Ja, sagte er unter anderm, ich 
habe einen verfluchten Fehler gehabt - das Tractiren 036 ; hinter- 
drein haben sie mich noch ausgelacht; aber, fuhr er fort, ich bin 
stolz; meiner Wurde vergeb* ich nichts - meiner Menschen- 
wiirde; hatt' ich nur aile Tage 10 Thaler zu verzehren, so ware 
ich der herrlichste Mensch pp. Er sprach viel von oy7 Erschiefien 
und Ersaufen. 

Die katholische Aufwarterin in Capellen sah ihn 038 frei u. un- 
schuldig an u. entwaffnete alle seine Beweise fur den Haft gegen 
die Weiber mit lachelnder Ruhe u. jungfraulicher Wurde. - 



035 r^ie Bleistifteintragungen von hier ab bis zum Ende dieses Abschnitts 
mit Tinte nachgezogen. 

036 „das Tractiren" mit Tinte nachgezogen. 

037 Anstelle von „v" urspriinglich „E". 

038 Die Bleistifteintragungen von „frei" an bis zum Ende dieses Absatzes 
mit Tinte nachgezogen. 



52 



3 Cassa zur Abreise nach Heidelberg, 

Bey d. Abreise Abends am uten May in Cassa:™ 

24 Krontbaler Abends am 1 ^ten May 

1 Louisdor 18 Krontbaler 
1 Cassenbillet 1 Louisdor 

1 rthl. 5 gL 1 rthl. 8 gL u. 20 x 

Abends am i$ten May 1 Fl* 2X 



21 Krontbaler Abends am i6ten May 

1 Louisdor 12 Krontbaler 
1 FL 2 1 x 1 Louisdor 

7 gl. in fremden Milnzsorten 30 x 



Abends am itfen May ' Abends am 18 ten May 

21 Krontbaler 1 Louis 

1 Louisdor 7 Krontbaler 

22 x 1 Thaler 

7 gl. in andern Abends am igten May 

Aus d. Bliken in die Zeit u. Vorzeit 
v. R. Stokhardt. Mscrpt 



Holly 
Abenddammerung fliefit urn die lieblich lachende Gegend; 
Schwarmerisch weinet mit dir nur noch die Flote des Hain's. 

Leisewitz 
„Wenn die Lowinn gebiert, wird nur ein Junges geboren ' 
Also sprachst du selbst - aber ein Lowe gebar. 

E. Schulze 
Zart wie die Rose erwacht die Liebe im beruckenden Lenze, 
Wachtest du auf. dein Gliik war deine Liebe u. dein Leid: 
Indes den Blattchen einer Liebe - ein Hauch von bescheidner 

Rothe 

Aber der zarteste Lenz welket am fruhesten dahin. 



039 Seite 23 bis hierher mit Tinte, der ubtige Text und die folgenden Sei^ 
ten mit Bleistift geschrieben. 



53 



Bayreuth - goldne Sonne - mittelmassig - 
Number g - blaue Glocke - schlecht - 
Monheim - Hirscb - gut 
Augsburg - weisses Lam?n - gut u. theuer 
Munchen - goldnes Kreuz ~ gut u. theuer 
Landshut - Churprinz - gut u. wohlfeil 
Regensburg - schwarzer Bar - gut 
Amber g - wilder Mann - mittelmassig 
Bayreuth - goldner Anker - gut 
Hof - Brandenburger^ Hof - theuer 



Am 21 October 28 Abreise des Fuchses 31 aus der Heimatb 
italianischer - Morgen - Freude u. Schmerz - 



25 /. Reise nach Leipzig, Dresden, Toplitz, P r a g. 1827 



041 



2 3 July: frilh 10 Ubr Ankunft nach Leipzig: 24: Aufenthalt da: 
Zumtttage bey Barth: Nacbmittag Rosenthal - Bummel - Gefi- 
wein - Schiegnitz - Walther -25 Jul: A?zkunft in Kolditz 
Abends 7 Uhr - fidele Farth her - der Flegel Carus - 26 July. 
Logis bey Carus - Zschiela - Rukgang - 27 July: Gemuthlich: 
Fantasie zumittag - Abschied - Farth nach Dresden - Einsam- 
keit im Cold.fitzerJ Postwagen - 28 July: Ankunft in Dresden 
um q Uhr - Der erste Gang vergeblich - geschlafen - Linksches 
Bad - Theater - Abendessen, 2Q July: (Sonntag) KathoLjische] 
Kirche - Bruhlsche Terasse - Wasserfarth - Linksches Bad - 
Scbiffner - Concert - $o July: Montag: - Schlafrigkeiten - 
Bruhlsche Terasse - Schiffner, grosser Garten, Bruhlsche Terasse 
3/ July, Dienstags - Schweizer: Ab farth nach Prag - Miacb- 
fetti[fj - Teplitz - der Britte - Goldsmith - Nacht durcbgefah- 
ren - Mittwochs 1 August: Ankunft in Prag um 8 Uhr - das 
Hotel - der Banquier - das Moldauerbad - der Gerber in Sch - 
Goldsmiths Angst - der Hradschin - die Wimmerscben Anldgen 
- der Canalische, der TossescheftJ Garten - Billard - Theater - 

040 Urspriinglich „Churprinz", durch „Branden" fiber schrieben. 

041 „L" und „Prag" mit Tinte geschrieben. 

54 



Abendessen. Donnerstags am zten Aug.fustJ der t 2 

W allensteinische Garten - der Lorenzoberg - die 3 

Hasenburg - gute Beefsteaks daselbst - der theuere -16 

Lohnbediente - Hauptmann Lariscb - Fartb nacb - 3 4 

Teplitz - <fer Bobme u. d. Professor aus Berlin 4 

Freytags am $ten Aug. Ankunft in Teplitz fr.fuhj - 6 - 

3 £/£r - die freundliche Aufnabme meiner Mutter'' 1 -10.- 

- Deutscber Saal - Hempels^ - Clavier - Spazier- -1.9 
gtf/zg tftfc& Seume's Grabmahl - Liddy's [Hempel] - 6. 3. 
Ankunft - Abendessen - meine Stummheit - 5o/z«- - 3 - 
abends 4L Aug. - Billard - 4 ; 8. 2 t 

Clavier - ^^r Wiener - Fasanerie - Hotel d*Allemagne - X##- 
schung - Sonntags d. 5 ten Aug. - Nachmittag Blike bei table 
d'hote im Deutscben Saal - Turner Garten - Eis - Geldbeutel 

- Speciesthaler - Begriifiung - KtfZte - Mandriade 3 * im Deut- 
scben Sadie - Tauscbung - Montags d. 6ten Aug. ~ Billard - die 
Fartb - Mariaschein - Kraupen 3 ^ ~ Wilbelmshohe - Rosen- 
burg- die leichte Mutze - der^ 2 - die Ruhrung - Spracblosig- 
keit - Seligkeit - stummer Abscbied - Abends Tauscbung - die 
Begegnung r- Adieu mes plaisirsl - Dienstags - Fartb nacb Dres- 
den - fidele Gesellscbaft - Gieshubler Bad - die versierte Grd- 
fin - Brublscber Garten - Concert - Scbiffner - Sonnenunter- 
gang - Mittwocbs am Zten Aug. - Ank.[unft] in Zwickau - 

///J 043 Reise nacb Munchen 1828. 

24. April fruh 1 Ubr Abfarth nacb Hof - die sentimentale Nacbt 

- Plauen - der kleine Postilion - Hof - Angenehme Bekannt- 
scbaft mit F. Bekker - Wiedersehen m[it Gisbert] Rosen - 
freudige Gefuhle - der franzosische Monsieur - ubrigens en- 
nuyante Gesellscbaft - Ankunft in Bayreutb Abends 7 1I2 Ubr - 
Apotbeose Jean Pauls 36 - scbone Madchen - Freytags d. 
25 April - Jean Pauls Grab - tiefer Scbmerz - Rollwenzel - 
gluckliche Suade - Jean P.faulsJ Stube u. Stubl - der freund- 
liche Bayer - Eremitage - freundliche Erinnerungen an Jean 
Paul - Spaziergang auf die Fantasie - Denkmaler - Polyme- 
ter® - Kneipe - ° 44 u. Prinz Alexander - himmlischer Abend - 
Bierwirkungen - der Bayer - die patriotische Kneipe - der in- 

°* 2 Das folgende Wort nicht lesbar. 

043 „III}" mit Tinte geschrieben. 

044 Das folgende Wort nicht lesbar. 



55 



jlammirte Bayer Keller mann - Masse?t Bier - Rosen u. die 
Bayreuther Mddchen - Sonnabends d. 26 April - der 
sanfte Pfarrer - wunderscbone Aussicht - ennuyantische 

27 Ndcbte - W agenunterhaltung - bonnettes Mittagsessen - An- 
sicbt v. Number g - schlechter Weg - Grobian am Laufer Tbor 

- Geldbleckereien - des Fubrmanns Frau^ - Geldpecb - blatte 
, Kugel - Scbweinebraten - Mi fiver gniigt: Sonntags d. zy 

April 1828^ - der schone Brunnen - die Burg mit Aus sicbt - 
Lorenzkircbe - Sebaldkircbe - Jacobskircbe - Deutscbes Her- 
renhaus - Spaziergang - Roesselsches Kaffeebaus - der lederne 
Fleiscbmann - der verscbwundene Rosen - Aerger - Mittagessen 

- der Wirth a la Miiller - der Fiaker nacb Dutzenteichen - 
die Erlanger Strobrenomisten - Luhdorf mit verbundenem 
Arme - Billard - Fatalitdten in Recbnungsangelegenbeiten - 
Theater - Cabale u. Liebe 38 - Millern poltrig aber gut - Louise 
vortrefflicb, wie icb mir sie gedacbt babe - Lady Milford scbon, 
aber uppig u. wollustig '- Sentimentalitdten - M o nt a g s d. 
28 April 1828 - der franzosiscbe Franzose u. die deutscben Deut- 
scben - geschwdcbtes Vorurtheil - der feine Pariser - franzo- 
siscbe Radebrecberey u. Missverstdndnisse - Ellingen - elegan- 
tes Schlofi des Fursten Wrede - gute Mittagsmahlzeit - Festung 
Weifienburg - Rosens ennuyantes Amusement - der Definitiv 
abgescblossene Frieden - Monbeim - Nacbtlager - die niedlicbe 
Wirtbinn - Damnezl?] Schlafgemach - Rosens gefdhrdete Un- 
scbuld - (Dienstags den) scboner Mondschein^ 1 - Ballmusik u. 
Tanz - der Franzose in derselben Kammer. Dienstags d. 
2gsten April; bimmliscber Morgen - Donauworth scbone Kircbe 

- katboliscbe^^ 

28 049 «- Plapperey - der bigotte Rosen mit Manschetten - die maje- 
statiscbe Donau - Bergscblosser - das Lechfeld u. der Lecb - 
Langwald - Mittagessen - Rosen schwelgt in d. Marionetten r- 
der gefallige Franzose - Pbysiognomie v. Augsburg - Anzie- 
bung - Verirrung - Eicbtbal - Kurrer - Clara [Kurrer] - freund- 

045 Die ersten drei Zeilen dieser Seite bis hierher auf ausradierte Aufzeich- 
nungen geschrieben. 

046 Anstclle der zweiten M 8" ursprihiglich ,,7". 

047 „Scboner Mond" fiber der Zeile eingefugt. 

048 Das folgende Wort verwischt, nicht mehr Iesbar. 

049 Am aufieren Seitenrand folgende Zahlen untereinandergeschrieben : 
? .2*\ „3", „i M , „4 M , „$"; am inneren unteren Rand weitere nicht mehr les- 
bnrc Zahlen. 

56 



liche Aufnahme - M it tw o c h s d. $osten April 28 - Ein- 
ladung Rosens - die kleine Clara - Scbwankung am Clavier - 
Napoleon = Odeon - Spaziergang auf die Insel - Ablafi - Sie- 
bentucher - der Wald berrlicb - Clara Lieblings[?] - Damme- 
rungspbantasien -Donnerstagsd. isten May - Zeugbaus 

- St. Ullricbskircbe - Kaffeehaus - Spaziergang auf Lug ins 
Land, Ddhinab, Stadtpromenade - Ddmmerungsdialoge-ldeale 

- Stammbuchsblatt - Rosen scbldft mit -Freytagsd. zten 
May. - Stammbucbsvers - Clara [Kurrer] lobt - fiabrick 39 - De- 
clamatorium — der Fiirstenstolz u. Dusch - der lederne Rentner 

- der gute Clavier spieler ~ der zerstreute Capellmeister Kienle 

- Cberubinis Bildnifs - des Capellmeister s Elogen - der geniale 
Alexander - Fr. Doctors Dingier - Titus passabel - Mad. Papke 
als Sextus gut - der Furst - freundlicbe Abendtiscbgesprache -: 
S onnab ends d. $ten May - Morgengrufi - Fabrick - die 
Reicbenbacbiscbe Wassermaschine - der Strom mit scboner Aus- 
sicbt - der Dom u. Manner geplapper - die Ohrfeigen - Kapelle 

- Cottaiscbe Dampfdruckerey - Kaffee - u. Fannys Landbaus - 
der evangeliscbe Gottesacker - das zerbrochene Grab und der 
Engel des Wiedersehens - Spaziergang m.[it] Fanny - Arca- 
dien - der Scbauspieler Krabe - die eifersucbtige Clara [Kur- 
rer] - geistreicbe Unterbaltung - Pbantasie am Pianoforte - Ge- 
miltblichkeit - Empfehlungsbriefe an Heine nach Munchen u. St. 
Hess[?] 



57 



2 9 



24 July verb. [? J 31. 12 - Louisd.[or] 


050 _. __ ™ 


1. Cassenb :[illet] 


9 " " 


13. - Pr. Courant 


6 6 - - 


49. 12 




Ausgabe 




24 July: Essen etc. - 9. 6 




25 July: Bebr - 16 - 




Kaltenborn - 8 - 





gekrigt von Flecbsig bar 5 - - 





Unterwegs - 12 - 


>>4 


26 July: Colditz 


^ 


28 July - Cassenbestand in Dresden. 


1 


5 Louisd:[or] 28. 18. - 


■5 


4 Cassenbill:[et] 4 - - 


§ 


Pr. Courant 3. 12. 10 


.t-i 


Summa: 36 6. ] 


to as 


14 10 


& 


2# /wZi Ausgabe 


N 


Verlust an Ljouisjdor - 1 - 




Mittagessen etc - 12 - 




Bouillon, Caffee, Bier - 6 - 




Theater - 12 - 




Abendessen ~ Beef steak - 12 3 




051 = 1. 19- 3 , 




29 Juli: Summa 34.13.7. 




34. 12. 1. 




A#j#*£e 




Post geld 6 - 3. 





Kaffee u. Mittagessen - 16.6. 



050 Bin Wort nicht lcsbar. 

051 Links neben diesem Ergebnis als Nebenrechnung fur den folgenden 
Bctrag: ,,36. 6. 10 

1 19. 3 

7" 

052 Die Klammer und diese Zeile mit Tinte geschrieben. 

58 







6. 


3 A. 


34.. 


12. I 










16.6 


8. 
26. 


5-3 
6.7 




Brublscbe Terrasse Caffee 


- 4 


- 










Fabrgeld 


- 6 


- 










Linkscbes Bad (Beefsteak, 














Armer, Caffee, Bier, Concert) 


- 10. 


9- 










Fabrgeld 


- 6 












Abendessen, Bier 


- 7 


- 








*3 




- 8. 5. 


3 


in 





34. 12. 


1 










Rest 


26. 6. 


7- 










S. 


26. 9. 


7- 








it 








S. 


26. 


9-7- 


8 


losten July : Cigarren 




_ 


8 - 






; Q 


Caffee, Mittagsessen, Bier 




- 


12 






■8 


Brublscbe Terrasse -Limonade 


— 


4 - 






§ 


Grosser Garten, Bier, Limon.fade] 


- 


4 ~ 






1 


Brublscbe Terr. Bier 




- 


4 ™ 






ft* 


- Abendessen 




_. 


6- 






S 


Suppe, Bier 




- 


3 " 






N 




1. 


17 ~ 






li. July: Kaffee 














Logisgeld fur 4 Tage 


3 6 












und Passvisumszulagen 1 


4 - 












Wascbfrau 


3 " 












Caviar 


4 - 












Wein 


4 ~ 












Trinkgelder 


12 - 








- 




1 August 






Bis Reise nach Frag : Sum : 7 















053 Die Klammer und diesc Zeile mit Tinte geschricben. 



59 



it fl Kr. 

Von Hof nach Bayreuth 4. 8 . - 
Von Bayreuth bis Number g 2. 8. - 

N timber g - Augsburg 5. 

Augsburg - Munchen : 1. 45. - 

Munchen - Regensburg : 4. 46. - 

Regensburg- Amberg: 3. 

Amber g - Bayreuth, 5. 

Bayreuth -Hof 6. 36 - 

Ho/ - Zwickau 6. 24 



13. 1. 



054 



25.24. 



Vow 2ze?icfe?« «#a& Ho/; 
f 07* H.[of] nach Bayreuth: 
von B.[ayreuth] nach Number g: 
von N. [umber g] - Augsburg: 
von A.[ugsburg] - Munchen: 



von Muncben nach Landshut. 
von Landshut nach Regensburg 
von Regensburg nach Amber g: 
von Amber g nach Bayreuth: 
von Bayreuth nach Hof: 
von Hof nach Zwickau: 



R 
1 



a: 



12 St.funden] 
1 5. St.funden] 

19 St.funden] 
36 St.funden] 
11 St.funden] 
99 St.funden] f. 49 1/2 Mfeilen] 

18 St.[unden] 
18 St.funden] 
18 St.funden] 

20 St.funden] 
1 5 St.funden] 

i 12 St.funden] 

roi St.funden] f. 50 1I2 Mfeilen] 



* M Anstelle von ,,46" urspriinglich ,,$4". 

055 Di e Kkromer und diese Zeile mit Time geschrieben. 



60 



Rosen hat empfangen 



24 Ap.[ril] 

25 Ap.[ril] 

26 April. - 
26 April. 1. 

26 ApriL 1. 

27 / ^ril, 

2j April. z. 

Abgeschlossen in 

N timber g: 11. 
Donauworth - 

28 Ap.[ril] Lohnkutscber nach Augsburg 2. 

29 Ap.[ril] in Augsburg 

30 April. 

isten May zum Trinkgeld 

auf d. Weg, Trinkgeld u. 
Fuhrlohn 



tb.™ x 
<4> <8> 



6. 

20.* 57 

5- 
12 
2. 
5- 
5- 



8. 
10 

4- 



9- 

4- 

12. 



2. 
8. 



058 



19' 
5 



,059 



Summa: 23. 1. 









Muncben: Transport 



23. 1. 2. 

11. 8. - 

3- - - 

37. 9. 2. 



056 Anstelle von „th" urspriinglich „fl". 

057 Anstelle von ,,2. 20." urspriinglich ,,3. 40." 

058 ,,3" auf Bleistiftkritzelei geschrieben. 

059 Anstelle der ,,9" urspriinglich „o". 

059a Di e Klammer und diese Zeile mit Tinte geschrieben. 



61 



3 3 Cassa in N umber g 9 FL 55 x. 



Empfangen von Baron v. Eichthal: 

200 FZ = 109. 2. 8. 



200 FZ. 

Ausgabe: 

1) demhohnkutscher von Number g 
nach Augsburg ™ 9. 12 061 

2) tf« Rosen 5. 24. 

3) *»- 5-24 

4) Lohnbediente -36 

5) Geldborse, Cigarren, Bettler 1.45 062 ^ 

6) Kaffeehaus - 23. ^ 

7) Cigarren etc. - 28. ,§ 



S* 



Vor tf^r Abreise v. Augsburg. 

15 Ducati « 

1 Doppellouis.[dor] .3 

24 Kronthaler. o£ 






^&f Abends am $ten May. 
15 Ducati 

1 Doppellouis[dor] 
22 Kronthaler 

iFl.ioKr. 



Abends am 6ien May 

15 Ducati: 18 Kronthaler: if Kreutzer 



060 Anstelle von „Aug" ursprunglich „Lauf [?]". 

061 Anstelle von „i" ursprunglich „6 M . 

062 Anstelle von ,,5" ursprunglich „8". 

063 Die Klammer und diese Zeile mit Tinte geschrieben. 



62 



I 






m Abends am yten May -15 Ducati - 

14 Kront baler; 1 FL 15 x. 
Abends am $ ten May: 1$ Ducati. 
9 Kronen. 1 FL 41 x. 

Abends am gten May: 

15 Ducati: 2 Krontbaler: 
41 x. 

Abends am loten May. 
73 Ducaten: 3 Krontbaler: 
1 FL 48 x. 

Abends am 11 ten May. 
1 3 Ducaten ; 1 Krontbaler. 

I FL 42 x. 

Abends am i2ten May: 
12 Ducaten: 1 fL 34 x 
Abends am 1 3 May. 

II Ducaten: 2 Th. 4 gl. 
52 x 065 

Abends am 14 May. 

9 Ducaten: 8 gl. Ankunft in Zwickau 

Am 1$ May friih 11 Ubr eingetrojfen in Leipzig- 



Sonntags d. 4ten May - Fensterfantasien - der National- 
convent des Krdnzcbens - der goldne Saal A0 - schone Gallerie 
- Wacbparade - Fartb nacb d. Kobell - Oberhausen - Web- 
muth - Fensterfantasien - Verewigung im Fenster - Zeicben des 
Wohlwollens - Madonnengesicbt - Seligkeit - Abends quasi 
Abscbied - Handdruck - Traume -Montags d. $ten May - 
Scbmerz - Vergiflmeinnicbt - Kufi - Abfartb nacb Munchen - 
der franzosiscbe Radebrecber - trube Stimmung u. sanfte Erinne- 
rungen - Scbwabbausen Mittagessen - die zerplatzende Dampf- 
mascbine - ennuyante Gesellscbaft - um 5 Ubr Ankunft in Mun- 
cben - tolles Treiben - Promenade auf den Dult* 1 - lacbelnde 
Dirnen - Herr Auberlen - Pbysiognomie des Stolzen, der Resi- 
denz, des Leucbtenbergischen Palais - Odeonssaal - Begeiste- 
rung - Baukunst - Beleucbtung - Ronconis Concert* 2 - der 

064 An der Innenseite mehrere Langsspalten gezogen. 

065 Das folgende Wort nicht lesbar. 

060 Die Klammer und diese Zeile mit Tinte geschrieben. 

65 



Konig - der Hof - Sig. Vespermann himmlisch - Pellegrini - 
Konig der V iolinspieler - der Applaus des Konigs - Entziik- 
kend - Ende d. Concerts ~ Verirrungen - die Ansbacher Stroh- 
renomisten - schlechte Beleuchtung - Rosen erhalt Nasen - 
D tens t a gs d. 6ten May - Gustav Olnhausen u, getauschte 
Erwartung - Professor Zimmermann liebenswurdig - Fanta- 
stisch u. Kiinstlerstolz - die prachtvolle Glyptotbek - Venus v. 
Canova - Paris mit dem Apfel - Mosaik - die Zer stoning Tro- 
jas von Zimmermann - der Balzor - konigliche Gemdbldegalle- 
rie $.[iehe] Catalog - 

36 Mittagsessen im Kaffeebaus - Billard - Spaziergang in d. eng- 
lischen Garten - Neubogenhausen - bayriscbes Bier - die Det- 
molder - Hempel aus Altenburg - Bierkneipe - Theater - 
Esslair - Dell. Lindner - der Konig - das englische Horn u. 
Gelachter - der arme Virtuos - Oboe gut - der Stand bocbst 
fatal - das Lustspiel a la Leder - hochste Ennuanze - Mit t- 
w o c h d. yten May - Einkauf - Bouillon - Architect Krahe 

- mahlerischer Bart u. freundliche Kunstler-aufnahme - Billard 
im englischen Kaffeebaus - Table d'hote im goldnen Kreuz - 
Wein - Krahe u. Heine's Friihlingswohnung^ - Rofimafller - 
die fade Scbwatzerinn u. der Mann unter d. Pantoffel - Fiaker 
in d. englischen Garten, d. See, der chinesische Thurm - nahere 
Bekamitschaft mit Olnhausen in seiner Stube - Dammerungs- 
stunde-Weidenbach-Beefsteacks-Punsch - D onner stags 
d. 8ten May - Einkauf - Geschmackssachen - Heine - geistrei- 
cbe Unterhaltung - ironisches Mannchen - liebenswurdige Ver- 
stellung - Gang mit ihm auf die Leuchtenbergische Gallerie - 
der Sessel Napoleons - die Grazien v. Canova nicht edel genug 

- Magdalena schon - Billard - Table d'hote - Forth in den 
Hirscbgarten - Retourfarth sechs Mann hoch - Einkauf mit Kest- 
ner - Billard - Liebhaberey - Rosens schneller Entschlufl - Brief 
an Kurrers - Sehnsucht nach Augsburg - Billard - Ab~ 

37 schied v. Rosen, Kestner, Trebis, Hempel, Olnhausen - Punsch 

- Webmuth -■ Lumpenleben - F r eytags d. gten May: Ab- 
fartb v. Munchen - die Schneider gesellschaft - Schmerz - der 
Anblik der Alpen entzuckend - der Morgen himmlisch - die Ge- 
gend pittoresk - Stadt Freysing - die philosophirenden Fabri- 
kanten - Spaziergang - Stadt Wolsdorf - die liebenswurdige 
Zudringliche - Hinzusetzungen - Doppelbemden unter d. Rok- 
ken - Aussicbt auf Landshut - Gasthof zum Churprinzen - der 
gottliche Dom - der Schlo fiber gerklettert - das Scblofi - ein 

64 



Naturscbauspiel, wie es nie gesehn - c[ie Sonne - das Gewitter 
- der Regenbogen des Friedens - der blubende May lachelnd wie 
durch Thrdnen des Regens - furchtbarer Hagel - die Stadt wie 
verscbleyert, wo durcb die Sonne scbien - die alien Gemdcher - 
Scbauer furs Ritterthum - Gewitter - Glockengeldute - Sebn- 
sucbt nach d. heutigen Madchen - der Brunnen u. der brennende 
Strobwisch - Abendessen - Clavier u. Zuhorer — Apfelsinen- 
punscb - der Dom in dem Sternenmantel - wehmuthige Phan- 
tasien nach Augsburg - wilder Scblaf - Sonnabends d. ioten 
May: Abfarth nach Regensburg - herrliches Wetter - ennuyante 
Gesellschaft - himmlisches Terzett — Schlurnmer u. Schmerz - 
Langeweile - Mittagessen in Eikmiihl - Aussicht nach Regens- 
burg - die mitleidige Bierbrauersseele - die personifizirte 
Dummbeit - Regensburg - der schwarze Bar - der gothische 
Dom - erhebender Anblik von der Donaubriicke - die Donau 
breit, aber nicht schon - 

der forcirte Baron - Ebrentitel - immer Lacheln -Sonntags 
am 1 1 ten May - Abfarth v. Regensburg .- der Morgen wolken- 
los - die Rumpelcarrete - die sehr ungeistigen dienenden Gei- 
ster aus Wien - Duett a 4 pieds - schlimme Folgen - Mittag- 
essen in Schwandorf - katholische Allfanzerey u. Ekel dafur - 
Spaziergang - herrliche Aussicht - Amberg - der noble Kut- 
scber - schlechtes Nest - schones Denkmal Maximilians - Gast- 
bof zum wilden Mann - nur Wein - schlechter Aufenthalt ~ 
Montags am uten May - Abfarth von Amberg - herrliches 
Wetter - belle vue - W adenuntersuchung - finstrer Wald - hats- 
brecherischer Weg - Sturm u. Regen - Mittagsessen in Auer- 
bach - die Wiener innen trennen sich - Pferdefantasie beym Ab~ 
schied von hinten - furchterlicher Weg - Fufsparthie - Freude 
beym Anblick von Bayreuth - Spaziergang auf d. Friedhof - 
dustres Abendgold u. feme Sturme - vortreffliches Bier - der 
ekelhafte Deutsch-Franzose - Ermattung - schone Gaststube - 
Dienstags am i$ten May - Abfarth v. Bayreuth - bdfsliche 
Gesellschaft - raubes Wetter - der Cither spieler - Sanger - 
Anekdotenerz&hler - dummer Kerl - der Locbmuller - die Du- 
katen stehn erbdrmlich - Fatali[td]ten in Sachen meiner wegen 
Mauth, Pafl etc. - Mittagessen in Munchberg - Ankunft in Hof 
um 4 Uhr - Spaziergang - Phantasien u. Erinnerungen an ]ean 
Paid^ u. d. herrlichen Madchen - Inschriften auf dem Bergtem- 
pel - herrliche Aussicht - Wehmuth - und tiefe Sehnsucht nach 
einem grofsen Etwas - Pennal - Jean Pauls Haus. Mitt- 

5 Schumann, Tageb. 1 65 



w o c h s am itfen May - Ende der Reise - amusante Gesell- 
schaft - der theute Einspdnner - Ankunft in Zwickau. 



39 Tour von Heidelberg in die Scbweiz, Oberitalien und Tyrol. 



Meilen 
Von Heidelberg nach Carlsruhe 7 if 2 

von C[arlsruhe] - Orenburg 9 1/2 

von Orenburg] - Freyburg 81/2 

vonF[reiburg] - Schaffhausen 8 
von SI chaff hausen] - Basel 9 1/2 

vonB[asel] - Zurich 121/2 

von Z[urich] - Altorf 10 1/2 

vonA[ltdorf] ~ Airolo 14 1/2 

von Ai'trolo] - Bellinzona 10 

von B[ellinzona] - Como 10 
von C[omo] - Mailand 6 



Rukreise 
Von Mailand nach Brescia 
von B[rescia] nach Werona 
von V[erona] nach Trient 
von T[rient] nach Brixen 
von B[rixen] nach Insbruck 
von l[nsbruck] nach Munchen 
von M[unchen] nach Ulm 
von JJ[lm] nach Stuttgardt 
von Stuttgardt nach Heidelberg 

142 Meilen 

40 Ab fart h von Heidelberg d. 16 ten Aug. Ruckkunft d. 10 October 

067 7 2O 116 

360 150 

360 266 

360 295 

56 

067 Diese Rechnung mit Tinte, die danebenstehende mit Bleistift geschrie- 
ben ; ab „Gegen rechnung" bis einschliefilich Seite 43 mit Tinte geschrieben. 

66 



Meilen 110 1/2 


14 


1/2 


11 




13 


1/2 


17 


1/2 


12 




20 




18 


1/2 


11 




g 14 





Gegenrechnung : 40 

8 

200 

320 

520 

Kabbate: 12 Thaler 

Inter es sen von Jan : 1 . 1827 - Jan ; 068 / . 1828 auf 

10,000 Thaler: 400 

von Maj; 1. 1821 -May: 1819. 

von $000 Tb. 400 

Saldo: Tb. 812™- 

^^Von den Briidern vom is ten Jan 182-j -i6ten Oct: 1828 baar 
erbalten: 



(Reise nach Munchen 


2 45 . 071 i6. - 
116. 12. - 


Reise nach Augsburg 

- - nacbPrag 

- - nach Leipzig 


50. - - 
50. - - 
25. 072 - -) 


Bucherrechnung vom Jan: 27 
bis isten Oct: 28 




mit Inbegriff obengenannter 
Reisen: 


500 — - 


Saldo 1 





068 Anstelle von „J" urspriinglich „D". 

069 Anstelle von „8" urspriinglich ,,4". 

070 In diesen Eintragungen mit Bleistift folgende Rechnung : 

»I5 

jo 
20 

~6?Tage 

4 
260 " 

^ 71 Anstelle der ,,4" urspriinglich ,,9", die Unterlange der ,,9" gesondert 
ausgestrichen. 
072 Anstelle von ,,25" urspriinglich „$o". 

5* 67 



42 Skizzen von Postpassagieren : 

Nro : i. Geheimer Secretair Rothe aus Berlin. 

Wenigstens etwas Anderes u. Neues, als die All- u. Eintagflie- 
gen der gewohnlichen Welt. Wie ich es im Postwagen gewohn- 
lich getroffen habe, so war es auch hier - das Gesprach fing von 
Gott, dann von Gothe u. Schiller, auch kleineren Gottern an u. 
endigte sich dann mit Alltagssachen. Seine Ideen uber Unsterb- 
lichkeit, freien Willen pp. sind widersprechend u. unklar, wie 
denn iiberhaupt sein praktisches Leben mit s.[einem] Herzen u. 
seiner Seele in grellem Contraste zu stehen scheint. Seine Offen- 
heit kam oft wie Eitelkeit heraus; er verglich sich z.B. mit Peter 
d. 073 Grofien u. wie er Alles aus u. durch sich selbst gelernt hatte. 
Die Liebe zu 074 s.[einer] Frau ist iiberspannt, aber edel; jedes 
dritte Wort war seine Frau. Ein Gedicht auf Gothe, das er un- 
gebeten recitirte, war geistvoll u. bilderreich; in der Form sah 
man d. poetischen Naturalisen hervorlugen; so declanrirte er 
auch ein Gedicht auf seine Frau. Seine Gesichtsziige tragen Spu- 
ren v. Fanatismus, Schwarmerey u. Leidenschaften, die er auf 
s.[einer] Stirne 075 eingefurcht halt. Er steht mitten in einem be- 
wegten, praktischen Leben; doch scheint der Ideaimensch in ihm 
aufzusehen u. er mufi oft unzufrieden mit d. Welt seyn. Ich 
zweifle, ob sich seine Ideen einmal andern werden, so unklar sie 
sind. Die klare, sich selbstbewufke Idee nimmt leicht Griinde 
u. Widerspriiche an u. kommt endlich zu einer Uberzeugung; 
dunkle, unbestimmte Ideen hingegen verderben u. storen phy- 
sisch, wie moralisch; deshalb ist er auch mehr Dichter, als Philo- 
soph. Interessant bleibt er auf jedem Falle u. es reut mich nicht, 
von ihm als 076 phlegmatisch charakterisirt worden zu seyn, was 
er spaterhin zuruckgenomen zu haben schien. Es macht mir Spa6, 
einen 1 i c h t e n Schleyer uber meine Seele zu werfeii u. die 
beobachtenden Menschen auf d. Glatteis zu fuhren. 

43 Die Natur ist das Scbnupftucb, gestikt mit dem Namen: Gott, 
an das der Mensch seine Thrdnen abtrocknen kann. 



073 Anstelle von „d" urspriinglich „u" 

074 Anstelle von „z" ursprunglidi „v" 

075 Anstelle von „S" ursprunglidi „s'\ 

076 „als" uber der Zeile eingefugt. ' 



U riser Leben fabrt meistens wie ein Postwagen dahin: je nacb- 
dem mebre Mitmenscben uns einen guten oder scblechten Weg 
bereiten, je nachdem auch wir besser oder schlecbter fahren. 

Wenn der Morgenbimmel 077 (ganz) rein und unbewolkt 1st, so 
sturmen fast allemal am M'tttag Sturme and Wetter: aber ein 
trubes Morgenroth schafft uns am Mittag einen blauen, heitren 
Himel^ 78 : so ist es mit dem Gliik und Ungluke im Leben: dem 
sonnigen Morgen des Gluks folgt die sebwarze Nacbt des Un- 
gliiks: und einer rauhen Finsterniss des Ungluke s eine heitre 
Gliiksstunde. 

Um Gotbe'n ricbtig (zu) fassen zu konnen, gebbrt fast ein eben so 
grosser Geist, wie Gotbe selbst zu. 

Die Dichter suchen gewdhnlich ibre Nacbt in dem Himmel, und 
ibren Himmel in der Nacbt. 

Durft' ich das Lacheln seyn, ich flog dir um die Augen; diirft' 
ich die Freude seyn, ich hiipfte durch ihre Pulse und wollte gliick- 
lich seyn; ja diirft' ich eine Thrane seyn, ich wollte mit ihr wei- 
nen ; u. wenn sie wieder lachelte gerne sterbend auf ihrer Wim- 
per vertrocknen u. gerne, gerne nicht mehr seyn ! 



Jean Paul komt mir oft wie ein Bastard des wild ausgelassen^n 
Dyonisios u. der zartfiihlenden Camone 45 vor. 079 



Madchen sind oft wie heurige Weine: durch Warrae werden 
sie matt und verlieren alles Feuer; durch K a 1 1 e hingegen 080 



Die Liebesglut leuchtet wie der schone Abendstern in der Nacht 
u. das Herzensfeuer verklart alles mit dem bezaubernden Ab- 
glanze seiner mild gluhenden Strahlen. 



077 „himmel" uber der Zeile eingefugt. 

078 Ansteile von „H M ursprunglich „T". 

079 Die Eintragungen dieser Seke bis hierher mit Bleistift geschrieben und 
mit Tinte nachgezogen ; die iibrigen Bleistifteintragungen derart verwischt, 
dafi nur noch zwei Absatze im Zusammenhang lesbar sind. 

080 Die folgenden drei Worter nicht lesbar. 

6 9 



Tagebuch $ 

Hottentottiana, 21. 5. 1828 - 21. 6. 1830 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 4871 VII A/a,2 A3 

Das Tagebuch ist in 2 Teilen gebunden. Teil I umfafit 37 Blatter, 
Format: 20,5 X 12,8 cm. Die beiden ersten Blatter sind mit ro- 
mischen Ziffern I, III, gekennzeichnet ; sie enthalten einen vor- 
gesetzten ersten Titel und auf der Ruckseite des zweiten Blattes 

aR-j t 

die mit Bleistift geschriebene Signatur: T7TT — . Das letzte 

VII-A2a 

Blatt ist leer. Alle anderen Seiten sind mit Tinte beschrieben. 
Von Schumanns Hand sind die Seitenzahlen 17, 39, 47, 49, 60, 61. 
Nach der giiltigen, mit Bleistift von unbekannter Hand einge- 
tragenen Numerierung sind dies die Seiten 19, 39, 47, 55, 66, 6j. 
Restaurierte Seiten: 7, 71, 72 rechts; 1, 37 links; 6, 24 rechts un- 
ten; 17, 25 links oben; 29 links unten; 20 rechts oben und unten; 
15, 31, 33 links oben und unten; 8 rechts unten und links oben; 
2 links und unterer Rand. 

Das Heft hat Fadenhef tung und einen Kaliko-Einband mitTkel- 
schild, das aufier der Signatur die Aufschrift tragt: Robert Schu- 
mann / Tagebuch 2I / Studententagebuch / „Hottentottiana". 
Sein Erhaltungszustand ist gut. 

Teil II umfafit 39 Blatter, Format: 20,5 X 12,8 cm. Aufter den 
Seiten 101 bis 108 sind alle Seiten mit Tinte beschrieben. Die Sei- 
tenzahlen wurden mit Bleistift von unbekannter Hand hinzuge- 
fiigt. Sie schliefien in der Numerierung an Tagebuch II, 1 an. 
Von Schumanns Hand stammt die Seitenzahl 80, die der Seite 90 
entspricht 

Seite 108 tragt die mit Bleistift geschriebene Signatur — — 

VII A2d 

Restaurierte Seiten: 89, 148 rechts; 143 rechts oben; 95, 97, 99, 

101, 103, 105, 107 rechts unten; 144 links oben; 98, ioo, 102, 104, 



7i 



io6, 108 links unten; 149 links und rechts; 150 oben und unten; 
96 oben und links unten. 

Das Heft hat Fadenheftung und einen Kaliko-Einband mit 
Titelschild, das aufier der Signatur die Aufschrift tragt: Robert 
Schumann / Tagebuch 2II / Studententagebuch / „Hottentottiana". 
Sein Erhaltungszustand ist gut. 



7* 



Hottentottiana ' 

von 

Robert Schumann 



Erster Band 

enthaltend die Leipziger Hottentott : 

vom 2ten May 1828 01 - nten May 

1829. 

Seinem Freunde Emil [Flechsig] gewidmet, 

dem alten Leidens- u. Freudens 

gefahrten. 

Vergl. p. 21. u. 22. Tom. I. 



Anderer Titel : 

Das Fuchsjahr, 

eine komische Autobiographic 



°* Die zweite Ziffer auf einen Gedankenstrich geschrieben. 



73 



Hottentotriana 

von 

Robert Schumann 

1828. 

Seinem Freunde Emil [Flechsig] gewidmet 

dem alten Leidens- u. Freudensge- 

fahrten : 

Vergl. p. 21 u. 22. der 

Hottentottiana 



Motto : 

Der Mensch sey kein Gedankenstrich im Buche der Natur; 

sondern ein Fragezeichen, das er sich beantworten muB. 46 

Die Hottentottiana sollen die Antwort u. die Losung 

der Aufgabe seyn. 



1A 



Sey nicht immer, was du scheinst; aber scheine immer, 
was du bist. 



(Sey nicht, was du bist, aber werde, was du nicht bist.) 



Erstes Heft. 



(- bis 22. August) 
1828 
2 Notabene fur die Zukunft: 

Die Lebensschnecke enthalt: August: 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 

20. 21. 22. 



Extrahirte Quintessenz aus Jugendsiinden 
oder 
richtige u. verkehrte Meinungen u. Gedanken des 
armen Studiosus Jeremias. 47 



May: 1826. - Warum man aus den Spielen, die Jemand liebt, 
auf seinen Charakter schlieGen konne? - Die Mehrzahl der Spie- 
ler 1st also beschaffen, dafi ein ihrem Wesen ziemlich ahnlicher 
Charakter dazu gehort, um sie lieben zu konnen. Etwas anders ; 
denn audi im Spiele selbst lernt man am meisten d. Charakter 
des Menschen kennen, Hitzte, Zorn, Kalte, Erblassen, Auffah- 
ren etc. Charakter verschieden von Temperament, Naturell etc. 



1826. Den Menschen sey es angeboren, das Gute eher zu ver- 
gessen, als das Bose. 



1826. Es giebt Stunden, wo alle Saiten unseres menschlichen Fuh- 
lens zu einem solchen weichen Mollaccord gespannt, alle Ge- 
fiihle bey alien verstokten u. guteri Siindern - denn das sind wir 
alle 1828) - zu einer solchen Wehmuth gestimmt werden, dafi 
die rinnende Thrane mehr die der Trauer, als die der Freude 



75 



anzudeuten scheint. Sinne oft nach, welches der riihrendste Mo- 
ment, wo die verschiedenartigsten Gruppen der Freude u. der 
Trauer, wo die gottlichsten Scenen des menschlichen Seyns sich 
wahrhaft formen, wo alle mitfiihlen miiften, weil sie alle bethei- 
ligt sind, wo sich die ganze Menschheit, Freudenthranen im 
Auge umarmt, wo jeder jenes grofie: seyt umschlungen, Millio- 
nen 48 zu fuhlen zu empfinden glaubt, welches dieser Augenblick 
sey. 

*i828. Klingt nach Jean Paul: aber er war mir da noch ver- 
hiillt, vielleicht daft ich ihn hier schon ahnete. 



Januar 1827. Jedem Geiste hat die Natur einen Weg gebahnt, 
auf dem er fort wandein und fallen soil, wenn er von ihm ab- 
weicht, jedem Geiste ist gleichsam sein Clima erfunden, unter 
dem er gedeihen soil. Jedesmal, wenn er aus diesem seinen 
Gleise tritt, wenn er in entfernt-liegendere Kreise schauen soil, 
bluht er niclit fort u. befindet sich unwohl. Schiller konnte kein 
Napoleon u. umgekehrt Napoleon nie ein Schiller werden (*Sehr 
wahre Primanerbemerkung) : in jegliche Brust hat die Gottheit 
eine eigne Gottheit gelegt u. dieser sein eignes Ziel gesetzt 
(*Kant hat dasselbe: aber ich habe es noch nicht gelesen) - 
dieses kann er nicht iiberspringen oder er will zu hoch fliegen 
u. fallt wie ein Phaeton 49 — 

Zurne der Gottheit nicht, wenn du, ein stilles Veilchen, den rau- 
schenden Eichbaum siahst. Frage nicht: warum bin ich nicht der 
Eichbaum? Das Veilchen duftet, der Eichbaum schattet, wenn 
auch jenes ein Fufitritt zerkniken kann. 



„Abendwehmuth u war ein Gedicht, wo ich mich zuerst als Dich- 
ter fiihlte u. mein Auge weinte, wie ich es schrieb. 



Baue nicht auf das aufiere Gluk: es ist eine Welle, die ewig 
sinkt u. steigt, im Steigen kurze Freuden, im Sinken lange 
Schmerzen giebt. 



1827. Der gefesselte Geist, der noch in der Kindheit des Wis- 
sens liegt, hafit nicht nur den freyeren Sinn, der leichtbeweglich 

76 



seine Klarheit darstellt u. seine eignen Ideen in die schone Form 
betten kann, sondern wird audi noch starker abgeschrekt, sich 
zu entfesseln, wenn die Handlung in einem Kreise spielt, in dem 
seine Seeie nicht ganz mitfiihlt u. betheiligt ist. 



1827. Die Einsamkeit ist der vertraute Umgang mit uns selbst, 
sie ist ein Entauschtseyn von alien auflern Eindriiken, die die 
Welt auf uns aufiert, sie ist eine wirkende, denkende, schaffende 
Ruhe, der active Seelenzustand der Passivitat des Korpers. - 
Die E. [insarhkeit] ist die Amme aller groften Geister, die Mut- 
ter der Heroen, die Gespielin des Dichters, die Freundinn der 
Kiinste-- 50 

1827. Die eigentlichen Zeiten der Poesie sind die, wo Dichter 
u. Volk zur Einheit, zum Ganzen sich gestalten, wo das Interesse 
des einen mit den andern so eng verbunden ist, dafi man aus 
d. Dichter auf den Charakter des Volkes u. umgekehrt als [?] 
aus d. Charakter der Nation auf die Werke des Dichters schlie- 
fien kann. Die Beyspiele giebt es unzahlige u. unser voriges 
Jahrhundert war kein poetisches; die Deutschen mochten iiber- 
haupt schwerlich eines gehabt haben: vielleicht die Zeit der 
Minnesanger etc. - 



Die politische Freiheit ist vielleicht die eigentliche Amme der 
Poesie: sie ist zur Entfaltung der dichterischen Bluthen am mei- 
sten nothwendig: in einem Lande, wo Leibeigenschaft, Knecht- 
schaft etc. ist, kann die eigentliche Poesie nie gedeihen : ich meine 
die Poesie, die in das offentliche Leben entflammend u. begei- 
sternd tritt. 

Aus den Grabern unserer entschlafenen Geliebten steigen die 
siifien Blumen hervor, die duftend auf unsern Lebenspfaden 
bliihen u. aus der Thranensaat der Vater keimt der Segen unsers 
Lebens auf. 



1827. Die sterbliche Asche verweht: aber ernst u. heilig schwebt 
ein leuchtender Genius iiber die Urne des guten Menschen u. 
giebt den Blumen u. den Bluthen u. dem Lenze, die iiber seiner 
Thrane u. iiber seinem Grabe bliihen, eine ewige Weihe. 



77 



1827. Alle groGen Geister wirkten niemals so viel fur ihre Mit- 
weit, als fiir die Nachwelt u. das ist der Fluch, den jeder grofie 
Mensch im Leben irgend einmal empfunden hat, dafi wir im 
Leben selbst nicht den Dank der Geschlechter empfahen, den 
sie unserer Asche gern und mit bethranten Augen darbringen. 
Aber, Mensch, es giebt eine Unsterblichkeit, deren Gewahrs- 
mann nicht der Namen allein ist: es ist die Unsterblichkeit des 
segensreichen, guten Geistes, die sich in den Werken der Nach- 
kommen bliihend abspiegelt: es ist der trostende Engel, den 
im Gewuhle des Lebens das Auge nicht sieht, aber die Seele 
fiihlt: es ist der Genius, der auf d. Handlungen der Enkel 
schlummert, in ihren Thaten fortlebt u. mit ihren Werken wei- 
ter eilt: es ist die Glorie, die leuchtend in die Gemiither Einzel- 
ner strahlt, wenn auch der Name des Urhebers zuriikbleiben oder 
sein Leben unbemerkt u. ungesehen an d. Augen d. Mitwelt ver- 
schwinden oder seine Asche unbeweint in das Grab sinken 
sollte. 

51 i827. September. Die Poesie ist die Sonnenblume, die allein an 
d. Sonnenstrahl der Natur hangt u. verwelkt, wenn dieser Strahl 
verloscht - die Lieder des Dichters sind nur das Echo der Blu- 
mensprache der Natur: sie ist 'die Harmonika 52 , deren Tasten 
benetzt von d. Thaue der Gefiihle, Tone u. Lieder in die ver- 
langende Brust zuriikstromt. 



1827. Auf d. Blumenleiter der Natur nahert sich die Seele d. 
Dichters immer leiser u. leiser u. leiser d. Bilde der Gottheit. Aus 
ihrem Auge lachelt ihn das groGe Vaterauge an, auf dessen 
Winke einst die Sonnenmassen zuammenrollten u. die Welten- 
balle aus dem Nichts sprungen : in ihrem Tempel, der ein feyer- 
licher Zeuge d. Gottheit dasteht, fiihlt er zuerst d. schaffenden 
Urgeist, der im Stundenleben der Ephemere 53 , wie in der Seele 
des Menschen wirkt u. lebt: in ihrem Bluhen u. Welken ahndet 
sein Geist den grofien Gedanken der Schopf ung, mag sie bliihend 
wie ein erwachender Saugiing im Blumengewande des jungen 
Lenzes oder wie ein betender Silbergreis im Sterbekleid des Win- 
ters vor ihm Hegen. Das Herz des Dichters ist die heilge 

Opferflamme, die die Natur u. die Gottheit schurten: aber sie 
gliiht der Natur u. der Gottheit u. beseligt die Brust des Men- 
schen. - In der Seele d. Dichters verbindet sich das gluklichste 

78 



mit dem reinsten Leben: das hochste Leben verbindet er aber 

mit diesen, indem er in der idealischen Welt lebt u. fur die wirk- 

liche arbeitet. — 

Der schonste Schmuck eines Volkes sind seine Gesange: sie 

strahlen wie ewige Sonnen iiber das Leben hin und stromen das 

geistige Rosenlicht uber die Triimmer des untergegangenen 

Staates. 

Die Poesie ist der helle Krystall, in dem sich das geistige Leben 

der Geschlechter rein u. klar abspiegelt, das glanzende Prisma, 

das alle Farben in einem schonern, reinern Lichte vergeistigt 

wiedergiebt. - 

Der Dichter bedarf keines Lohnes, kommt er auch ofters mit 
der Welt nicht so leicht aus, als sie mit ihm: die Poesie ist ihr 
eigner Lohn u. darum ist ja das ganze Wesen des Dichters ein 
Erhohtes, weil sie sich selbst am schonsten lohnt. Wer diesen 
Lohn nicht fiihlt, der wag es nicht, den lachelnden Musen die 
Hand zur Freundschaft anzubieten. 



Rein, wie der Fruhlingsthau des Himmels ist die Thrane des 
Dichters: elegische Wehmuth ruht auf seiner bethranten Wim- 
per u. die Thrane u. die Wehmuth loflt sich lieblich in d. Moll- 
accorde seiner Lieder auf u. die Camone 45 kiifit mit ihren Wor- 
ten, mit ihren Tonen ihm von den Wangen die Zahren hinweg 
u. wie ein kuhler Friihlingsregen auf die diirstenden Fluren fal- 
len die Kiisse u. die Worte u. Tone auf die matterschlagenden 
Pulse seines Lebens. Siehe! da steigt still u. heiter, wie die hin- 
gewelkte Rose aus d. Horizonte der untergesunknen Sonne, die 
Blume der Erinnerung aus dem Grabe der Vergangenheit auf 
u. ihr Flotenecho hallt noch einmal mit seinen Silbertonen, mit 
seinen Silberaccorden in die Nacht seiner weinenden Seele wie- 
der. Fiihiend u. lachelnd steht die Camone, wie ein Engel des 
Himmels vor einer seligen Vergangenheit, vor einer triiben Ge- 
genwart u. vor einer nachtlichen Zukunft: aber der Dichter sturzt 
in ihre Arme u. die Vergangenheit u. die Erinnerung keimt blii- 
hend wieder auf u. die Gegenwart lachelt u. die Zukunft wieder. 
So giefit die Muse ewig in die Wunden ihres Lieblings den lin- 
dernden Balsam u. steht beschutzend wie ein Engel mit dem 
Flammenschwerdte vor dem Paradiese des jungen Gottersohnes. 



79 



1827. Der Mensch wage es nicht, den Schieyer heben zu wollen, 
der ernst u. stumm wie die Nacht iiber d. Kommenden ruht: nur 
in das Menschliche u. das Endliche dringe der menschliche 
Geist: feyerlich sinke dann der Schieyer von selbst, der unser 
Leben vertuillt, ob auch Freuden oder Thranen hinter ihm war- 
ten mogen. 

Wir sind nie vergniigter, als wenn es gerade der Zufall macht : 
jede andre Freude, auf die man lange warten mufi, verliert an 
ihrem Geschmake (so wie man d. Appetit verliert, wenn man 
zu lange auf das Essen warten mufi), darum, weil wir dann von 
ihr verlangen was sie nicht gewahren kann u. wir nicht iiber- 
legen, dafi das Hoffen schon selbst eine Freude u. schoner als 
die ersehnte Minute ist, wo der wirkliche Genufi unsre Wtin- 
sche u. Hoff nungen kronen soil. 

*i828. Es ist eine gewohnliche Formel des Menschen zu sagen: 
ich will mich nicht darauf freuen; sonst wird nichts daraus etc: 
der Grund in d. obigen zu suchen. 



1827. Als das Chaos schwand u. wir Endlichen geschaffen wur- 
den, war alles Liebe u. Lust; da trat der Engel der Erschaflfenen 
zum Vater u. sprach: „Ewiger, du schufst deine Sonne, damit sie 
leuchte u. warme: aber auch den Regen machtest du, damit er 
tranke, was die Sonne verdorren konne : gieb Ewiger, auch mei- 
nen Menschen Etwas, damit ihr Herz nicht ewig lachle, sondern 
getrankt werde u. zerfliefie." Der Vater lachelte - aber er nahm 
drey Thautropfen die schimmernd auf einer Rose, einem Vergifi- 
meinicht u. einer Cypresse lagen u. er verwandelte die drey Trop- 
fen in drey Thranen: in die der Freude, der Wehmuth u. des 
Schmerzes oder in die der Liebe, der Erinnerung u. des Todes. 
Und er gab sie d. Engel u. der Engel freute sich u. gab sie dem 
Menschen - u. das sterbliche Auge konnte weinen . 



Das Gefiihl fur Schonheit in d. menschlichen Brust ist eine 
sanfte P[f]lanze, die bald stirbt u. nur in d. Treibhause der 
Sitte sich voliends entfalten kann - die Sonnenblume, die ihre 
Bliithen immer dem Sonnenstrahl der Reinheit des Herzens zu- 
kehren mufi, u. bald verwelkt, wenn dieser Strahl vergliiht. - 



80 



51 29. Aug. 1827. Meine Camone schlummert: einmal war sie selig 
erwacht - ach des kurzen aber schonen Augenblickes! - jetzt 
traumt sie nur noch manchmal u. wenn sie erwacht, weift sie die 
Traume nicht mehr - u. so schlummert sie wieder ein - trau- 
mend, fiihlend, empfindend - der tod ten Worte lastig, in die sie 
ihre Gefuhle bannen soil, aber auch ihr Schlummer ist schon, 
schon wie der Schlaf der Jungfrau, die gliiklich liebt u. deren 
ruhige Ziige die goldne Vergangenheit im Traume zaubrisch ver- 
klarte. 



1 Decemb. 1827 02 . Ach! wenn die Blumen der Liebe ver- 

welkt sind, so duftet, wenn die Liebe dammernd vcrschwindet, 
am Abende der Jugend oder d. Nacht der Liebe, die Biume der 
Freundschaft (ist) siifi wie die Nachtviole durch den Abend u, 
die Nacht hindurch. Die erste Liebe ist ein schones Drama, aber 
es endet, wie dieses, unter Thranen u. blutenden Herzen : aber 
die Freundschaft ist die sanfte Lyrik, die wehmuthig iiber die 
Vergangenheit, iiber Jugend thranen u. -freuden reflcctirt u. uns 
reiner erhalt. 



Warum haben wir jetzt, wo wir cincn Plaufen von Kunst-thco- 
rien u. Practiken u. ganze Regel u. Anleitungsbucher fur Drama- 
tiker haben, so viel schief angelegte u. schlecht ausgefuhrtc 
Trauerspiele? Die reine, fessellose, sich frey bewcgende Natur 
dichtete schoner, weil noch keine Theorien da waren. Wird der 
Mensch iiberhpt vor etwas gewarnt, so thut er es am liebsten 
u. hat weder Ruhe noch Rast. 



Schlummerst du, o Camone? o wache auf u. lachle mich weiter 
an, wie sonst. - Und sie schlug die Augen auf u. sah mir weh- 
muthig in die Augen u. sprach sanft: liebst du? Ach! da 

mufit' ich weinen u. wand schmerzlich mein Angesicht von ihr - 
denn ich durfte nicht Ja sagen. Siehe! da drang eine Thrane aus 
ihren Augen - u. wehmuthig driikte sie sie zu - u. sie schlum- 
merte fort - aber ich weinte doch — 



02 Anstelle von t ,j" urspriinglich ,,9". 

6 Schumann, Tageb. 1 8 1 



Ich habe in den Jahren 27 und 28 aufier einigen Gelegenheits- 
gedichten etc: keinen Vers gemacht, u. ich dichtete doch in kei- 
nem Jahre mehr, als gerade in diesem. 



Sonderbar ist's: ich liebe die Menschen so sehr u. ich fliehe sie 
doch! - ach! soil ich denn so untergehen? ach ich werde es, von 
keinen geliebt, von keinen verachtet - so einsam, so triibe - u. 
keine Thrane wird mir wohl nachgeweint. 



Flechs[ig] sagte mir: ich war ein kleines Vieh: seltsam ist's: ich 
glaubte es nicht: hatte er gesagt: ich war ein groftes: ich hatte 
es ebenso wenig geglaubt: was bin ich denn eigentlich? - ein 
Mensch aber auch menschlich, glaub' ich. 



In alien seinen Werken spiegelt sich Jean Paul selbst ab (er), 
aber jedesmal in zwey Personen: er ist der Albano u. 
Schoppe 55 , Siebenkas u. Leibgeber 56 , Vult u. Walt 57 , Gustav u. 
Fenk 58 , Flamin u. Victor 59 . Nur der einzige Jean Paul konnte 
in sich selbst zwey solche verschiedenen Charactere in sich allein 
verbinden; es ist ubermenschlich : aber er ist es doch - immer 
harte Gegensatze, wenn auch nicht Extreme vereint er in seinen 
Werken u. in sich - u. er ist es doch nur allein. 



Jean Paul hat mich selten befriedigt, aber imer entziikt: ein Un- 
befriedigtseyn ruht aber, wie eine ewige Wehmuth in jeder Ent- 
ziikung(en), aber nach der Entziikung wird es einem so recht 
innig wohl, wie wenn ein Gewitter mit einem Regenbogen am 
Himmel gestanden hatte. 



Ich fragte mich oft, wo ich seyn wiirde, wenn ich Jean Paul nicht 
gekannt hatte: er scheint aber doch wenigstens auf einer Seite 
mit mir verwebt zu seyn: denn ich ahndete ihn fruher: ich dich- 
tete vielleicht jetzt eben so, aber ich wiirde die Menschen nicht 
so sehr fliehen u. weniger traumen. Ich kann mir doch nicht recht 



82 



genau denken, was ich seyn wurde. Die Frage kann ich nicht 
entrathseln. 

Ich war ehegestern (27 May) aufgeregt: ich weiB aber nicht von 
was : es kommt mir vor, als wiird' ich einmal wahnsinnig : wenn 
ich zu C.[arus] gehe, klopft mir doch elender das Herz u. ich 
werde bleich: ach! konnt* ich Dich spater gefunden haben: jetzt 
sind wir uns zu entf ernt, aber wir sind uns doch nah : ich merkt' 
es neulich an einem seelenvollen Blike: er kam mir im Traumen 
vor. Der Mondscheinspaziergang war audi schon : aber ich wufite 
nicht, ob ich noch lebte: mir ist oft, als war ich todt: u. eine hoh- 
nende Thrane ist Alles, was ich jetzt habe. 



Recht hab' ich auf jeden Fall: wir stritten uns viel darum u. ich 
argerte mich, aber ich habe doch Recht. Genialitat bindet sich 
weder an Raum, noch Zeit, noch Ort, u. ich kann es in meinen 
herrlichen Naundorf 60 mehr seyn, als in Plauen : 61 Vortheil ist's, 
oder auch trauriger Nachtheil, dafi ich schon iiber die Jugend- 
jahre weg zu seyn scheine: es ist aber gut: ich bin mir denn 
selbst genug u. verliere mich selbst nicht in den ekelhaften Ju- 
gendwiinschen : als ob man Charakter nur in Plauen erlangen 
konnte. Ich hasse eine erheuchelte Begeisterung, so sehr wie er- 
heuchelte Kalte u. die epischen Gefiihle taugen in jetzigen Zei- 
ten verflucht wenig. 

29 May 1828. 
Ich habe heute den ganzen Tag in Naundorf zugebracht u. war 
recht vom Herzen gliikiich. Siebenkas ist f urchterlich : aber ich 
mochte ihn doch tausendmal noch lesen : konnte mir nicht Naun- 
dorf eine Eremitage werden? ich safi so recht entziikt in den 
Baumen u. ich horte die Nachtigall - ich weinte aber nicht - u. 
schlug recht mit Handen u. Fiiften aus : denn ich war sehr froh. 
Unterwegs war mir's aber doch, als war ich nicht bey Sinnen: 
ich war recht bey Sinnen u. dachte mir doch: ich hatte sie ver- 
loren. Ich war wirklich wahnsinnig - Fl.[echsig] schien belei- 
digt: ich habe iiberhaupt keinen Geliebten, keine Geliebte, gar 
nichts mehr, was mich liebt u. was ich liebe: aber ich liebe ja 
Alles. Ich habe ihn durchschaut: man halt mich fur melancho- 
lisch u. er widerspricht sich lieber u. handelt lieber seinen Cha- 
rakter nicht gemafi, um mich hie in das Leben zu bringen : aber 

6* 83 



er mufi es anders anfangen u. ich darf es nicht merken. Ich merkt' 
es aber u. ich durchschaue d. Menschen. - 



Worlitzer 62 zeigte Leidenschaft u. dann ist's gut: aber die Seeie 
fehlte ihm: er trommelt u. ich wollte mehr mitgefiihlt haben u. 
selber mitfuhlen : entziikt war ich nicht - aufier d. Chor aus Fi- 
garo - ich zitterte u. die Tropfen liefen mir eiskalt herunter, 
bey d. Posaunen horte ich wie eine Ewigkeit, mein zertrummer- 
tes Herz wieder aufschlagen - aber ich zitterte u. furchtete Mo- 
zart. Gemeine Seelen krittelten, ich bin es am Ende auch : aber 
es ist am besten, wenn man seine Meinung verschweigt u. in 
kleinen Sachen zu allem gutmiithig: Ja sagt. Sachen von Belang 
kommen wenig vor u. die Burschenschaft erheuchelt sie: aber 
ich weifi Alles und kenne mich freilich: aber kein Mensch hat 
mich recht durchschaut; daher der Zank : aber ich bleibe mir doch 
getreu u. spiele meine Lumpenrolle bis ans Lumpenende wohl 
charakterisch fort. Der Gedanke : Vernichtung kann mich wahn- 
sinnig machen : aber ich wiinsche doch, es gabe eine : bin ich denn 
Atheist? ach! ich Hebe ja die Welt u. den Himmel so sehr: u. 

alle Menschen verkennen mich. Ich habe doch in meinem 

Leben niemals gekrankt, oder nur da, wenn ich selber schlecht 
gewesen. Ich war es auch - aber ich bin jetzt iiber Vieles weg 
u. Alles verschwindet hinter meinem Riiken u. der Vergangen- 
heit. - Wie ich zu C.[arus] ging, bebt' ich entsetzlich u. mir war s, 
als ging ich in eine Gruft, in (in) eine Gruft. Zu Hause spielt 
ich, trommelt' ich vielmehr : er 63 war weggegangen : es freut mich, 
wenn ich ihn auch lieb habe: aber er hat mich doch gekrankt das 
Sargmagazin, der dreyzehnte etc: will ihm nicht recht anstehen: 
ich beflnde mich wohl dabey: u. ich suche nach einen Freund: 
er ist's er mir sehr, er war mir es immer: aber Siebenkas u. Leib- 
geber mufiten sich auch trennen - Ich bin ein wunderlicher Kauz: 
ich weifi es wohl: aber ich gefalle mir doch: ich konnte Alles 
seyn, wenn ich nur wollte: ich bin iiberhaupt zu Allem fahig: ich 
kann mir ja Alles denken - ich bin wirklich ein rechter narrischer 
Kauz. So weit will ich heute schreiben : ich bin aufgelegt, damit 
ich es kiinftig weifl, wenn ich es wieder lesen sollte: aber ich 
hoffe doch entsetzlich u. die Thrane steht mir auch in den Augen 
u. ich bin wieder Ich selbst: ich will es seyn: es iiberlauft mich 
eiskalt, wenn ich denke, was aus mir werden soil - Ach ! ich gehe 
doch wohl unter, von keinen geliebt, von keinem verachtet, von 

84 



niemanden beweint! Und ich habe doch die Menschen so oft be- 
weint u. beweine sie noch. Diistere Ideen? ich bin wohl nicht 
recht gescheut. Amen. 



Der Tadel in Sachen des Geschmaks erbittert uns mehr, als in 
anderen Dingen, i) weil das asthetische Wohlgefallen an irgend 
einem Objecte nicht durch logische Erkenntnift, sondern nur 
durch das Gefiihl zu uns dnngt z) darum : weil uns unser Gefiihl 
das richtigste zu seyn dunkt 3) weil das aesthetische Gefiihl zar- 
ter, als jedes andere und am leichtesten verwundbar ist. 



— Du herrlicher Sophocles, der du so manchmal in schoner u. 
bliihender Apollogestalt vor meiner Seele offen standest. - Alles, 
was das gliikliche Griechenland einst Schones u. Hohes emp- 
fand, spiegelt sich rein u. gelautert in schoner Harmonie in dei- 
nen Dichtungen ab: Ach! du edler Mensch - du hattest ein Herz 
u. fCihltest so menschlich. 



Ach! wenn das Leben triibe ist, so steige die Nachwelt weinend 
u. staunend in die Tiefen des Alterthums u. starke das ermattete 
Leben, u. die Thrane vertropfe (bey) einer weinenden Entziikung 
u. es verstumme der Schmerz bey den hohen Bildern der alten 
Geister, die als ewige Kometen an den Sternenolymp Griechen- 
lands u. Rom leuchten. 



Alle Menschen sind Decimalbrikhe, ausgenommen zwey, oder 
der hochste oder der niedrigste. 



Ach! warum wird doch jedes schone Gefuhl, von dem der kleine 
Sterbliche in irgend einer Minute seines (Lebens) Ephemeren- 
lebens durchdrungen war, einmal eine Thrane u. eine unendliche 
Wehmuth - warum miissen wir gliicklich seyn, um einmal iiber 
ein all zu groites verlornes Gluk zu seufzen? - O! es liegt jedes 
schone Gefuhl, jeder herrliche Gedanke nur hinter einem Got- 
tesacker u. einem Grabhugel: aber Gottesaker liegen meistens 
nach Osten zu: mochten auch wir, wenn wir die welkenden Blu- 

85 



men auf d. Grabhtigel sehen, immer denken, daB sie im Osten 
mit uns bliihend wieder auferstehn. Ich will es denken. 



Jan.[uar] 1828. Alle fiihlenden Menschen sind ungliiklich, wenn 
er Ideale sucht oder welche verloren hat. Ach ! warum sucht* ich 
u. fand ich denn - ich ware jetzt gliiklicher u. hatte noch nichts 
verloren. So hab' ich es aber doch. - Wie ich anfing, dieses zu 
schreiben, war es finster am Himmel. Bey den letzten Worten 
brach die Sonne machtig durch - gliikliches Sinnbild - ich will 
vertrauen. 

1828. Der Mensch will ja so viel u. kann doch so wenig: aber 
der Mensch kann doch audi so viel, u. will doch so wenig. 



1828^ Ewig u. heilig schlummert ihr Heiligenbild G5 in meiner 
Seele u. meine Brust athmete beym Aufgange meiner Sonne junge 
Lieder u. Tone, wie die Memnonssaule 66 , die nur des Morgens 
tont, wenn die Sonne sie trifft u. verstummt, sobald sie sich von 
ihr wendet u. dem Westen oder der Vergangenheit zueilt. Meine 
Tone verstummten, meine Lieder starben u. die Jahre entschlum- 
merten eins nach d. andern, aber ihr Bild steht ewig fest in mir 
u. sey fortan der Genius meines Lebens, den der Mensch an- 
beten 03 u. heiligen, aber nimmer anschauen darf. - Gehe denn 
voruber an mich, stumm und wortlos: aber ziirne nicht, wenn 
audi ich nicht reden kann u. nur weine : aber lachle mir wie die 
Gottheit, wenn sie d. Mensch anbetet. Ach! so gehn ja alle Men- 
schen stumm an einander voruber u. reden nidit u. lacheln ein- 
malu. ihr 
10 Auge wendet sich u. nun ist es gebrochen u. kehrt sich nicht mehr 
um, u. die Friihlinge sind voruber u. Alles hin u. die Rosen ver- 
bliiht. Ach! warum schmerzen uns denn gestorbene Lebende 
mehr, als gestorbene Todte? 



Ich fiihl* es, wenn eine Thiire aufsteht, audi wenn ich nicht hin- 
sehe: aber es ist mir furchterlich u. zittern thu' ich. Die pikkernde 
Uhr ist mir hochst fatal: sie mahnt so ekelhaft u. abgemessen 

03 Nach „a" durchgestrichenes „b". 

86 



an die Zeit u. an die Ewigkeit: ihre Schlage sollten sanfte Melo- 
dien seyn: darum iiegt in den Spieluhren mehr, als was man 
gerade denkt. 

Ich wollte wohl, ich fande einen lyrischen Gotte[?] einmal: aber 
dieser epische ist ein Starrkopf u. Starrkopf e sind mir verhafk: 
darum bin ich es mir: aber ich bin doch sonst so nachgiebig, viel- 
leicht auch gut. 

Wenn wir vom festen Land in d. Strom sehen, so fangen wir 
(uns riikwarts) stromaufwarts zu fahren an: das ist die fiirch- 
terliche Zeit: sie mahnt uns, dafi sie ewig fort will in die Zu- 
kunft u. dafi wir in jeder Minute eine Minute riikwarts gehen 
u. daB (uns) die Minute seibst mordet: denn die Minute, die 
uns neues Gliik giebt, etc: raubt es u. sich zugleich. Wunderbare 
Ideen : aber sie sind doch wahr. * Es wird einen auch am Strom 
schwindlich 

Kein Mensch ware je auf die wunderliche Idee: Mensch gekom- 
men: darum glaub' ich an eine hohere Kraft, die ihn ausdachte: 
es ist die wunderbarste, die je die Gottheit haben konnte. Die 
Menschen sind doch uberhaupt etwas sehr gewohnliches u. es 
miifke schoner seyn, wenn er es nicht ware: aber es geht nicht 
u. Semmel hat Unrecht, wenn auch eine schone Idee, von der er 
aber nothwendig zuriikkommen mufi, wenn er nicht unnothiger- 
weise ungliiklich werden will. 



Ich habe die Menschen nie geschimpft etc : sonst schimpft' '* ich 
mich natiiriich selber mit: aber ich fliehe sie und bleibe mir 
treu: im Plauischen Hof etc: im Stiidentenleben vergifit man 
nur zu oft den Umgang mit sich u. das ist doch am Ende der 
f nedlichste, wenn gerade auch nicht der gliiklichste. 



Hemmschuhwarnungen am Fulie des Berges haben mich oft er- 
gotzt: man findet sie aber auch oft im Leben u. dann ergotzen 
sie einen weniger: wenn man schon gefailenjst, warnen einen 

^ 4 Ur sprunglich „muflt' ", durch „schi" ubcrschricben. 

87 



die Leute gewohnlich erst und man sieht nur zu spat das Un- 
gluk, was man hatte haben konen, u. die Macht, die man hat. 



Die Welt haut sich gegenseitig iiber die Ohren : darum kommt 
Gleichgewicht in's Ganze: aber die ganze Welt lafit ihre Ohren 
gewaltig anwachsen u. sie werden leicht - Eselsohren etc. 



Mit Schuldnern bricht man nicht leicht, weil man sonst Gefahr 
lauf t, nichts zu bekommen : daher sind fast alle Glaubiger hof- 
lich gegen ihre Schuldner bis zu ein[em] gewissen Puncte, wenn 
sie verklagen konnen. 

Der eine Theil spricht: er hat schon so viel durch mich ver- 
dient: es (kann) ware billig, wenn er mir dies u. jenes nachliefie 
etc: der andere Theil weifi aber recht gut, dafi sich die Men- 
schen nichts schenken : Die hoheren Stande denken dies gewohn- 
iich, wenn sie lange mit Handwerkern etc: verkehrt haben: aber 
diese denken ebenso, wie sie. 



Man findet sehr oft Menschen, die recht gute Ideen haben, aber 
nur zwey, drey oder zehn : bis dahin unterhalt es sich recht gut 
mit ihnen: dann werden sie aber still u. suchen sich loszumachen, 
bis sie wieder neue auffinden konnen, denen sie dasselbe wie- 
der sagen. 

1 1 Zweynaundorf am letzten des Bluthenmondes. 

Ich habe mich aus dem ekelhaften Gewiihle losgemacht u. bin 
in meinen lieben Naundorf : sitze auf meiner lieben, steinernen 
Bank u. freue mich recht inig, wie so die Baume um mich ihre 
ewigen Lieder hersagen, wie um mich fliegende Schmetterlinge 
u. summende Maykafer flattern u. alle Sanger in den Baumen 
freudig u. wehmiithig von dem bluhenden May Abschied neh- 
men. Der May ist die A moll Tonart in der Natur u. lost sich 
im Juny aufgebliiht in C dur auf. Vielleicht konnte man die 
zwolf Tonarten, die es giebt, auf die zwolf Monate zurukfiih- 
ren : E dur wurde der August u. D dur der July seyn etc. Frey- 
lich fehlten die Molltone: aber die Natur hat ja keine und ist 

88 



ewig jung u. ewig herrlich u. nur, (etwann?), wenn der Monat 
Abschied nimmt, schwimmt traulich wie eine schlummernde 
Mondnacht, ein sanfter, wehmiithiger Mollton urn unser Herz. 
Aber alle Molltone miiften einmal sich auflosen u. es moge keine 
Thrane langer dauern, als die Freude u. sie sey kiirzer, wie in 
den Symphonien das Adagio jedesmal das ktirzeste Stiik ist. Es 
ist heiite der letzte May u. ich will ihn noch einmal recht innig 
geniefien. Der Mensch weifi ja ohnehin nicht, ob er ihn noch 
ein mal bliihen sieht, u. ich bin auch ein Mensch u. der schone 
Fakelj tingling 67 lachelt mich recht oft aus seinen schonen, groften 
Augen an. 

Drey Ktisse empfangt der Mensch im Leben : den ersten giebt 
ihm die Mutterlippe u. der fromme SaugHng (halt) lallt in den 
truben Traumen: es ist die Giite : den zweiten driikt ihm die 
Liebe auf die flammende Jugendwange u. der Mensch fuhlt die 
Schonheit in seinem Busen u. den letzten endlich prefk ihm 
der Fakeljiingling auf die schonen Ziige und die Wahrheit 
thut sich auf. Ach! der dritte ist wohl der schonste: denn das 
Sterben sey uns heiliger als Leben u. es verzweifle nicht, wer den 
ersten entbehren mufite: denn der letzte KuG, der seine Lippe 
schlofi, enthullt die Seele u. das entschleyerte Leben ruht lachelnd 
auf seinen Rathseln u. kein Rathsel moge sich schoner losen. 



Die Vergangenheit ist der Wurgengel der Gegenwart u. jede 
Minute eine Selbstmorderinn, aber eine einzige schone Minute 
mordet auCer sich noch Millionen ihrer kunftigen Schwestern. 



2. Juny 1828. Ich war vorgestern bey C.[arus] ; ich wufite nicht, 
wie mir zu Muthe war: ich safi mit ihr zwey Stunden allein am 
Clavier u. mir war's, als wachten alle schlummernden Tiefen 
machtig wieder auf: sie muG es mir an meinen Augen ange- 
sehen haben, denn ich fuhlte, wie sie ewig nur wehmuthig 
lachelten : spater kam Julius, vielleicht ungluklicher als ich : wenn 
sie singt, so sprtihen Flammen wie spottische Worte aus seinen 
Augen u. man merkt so reclit seinen ungeheuren Schmerz, wie 
gern er sagen mochte: du verfiihrerische Dime mit deinen To- 
nen, mit deinen Augen, Ach! ich habe es mir oft gesagt u. sage 
es mir noch. Mit Fl.[echsig] nab' ich viel gestritten u. scheine ihn 
besiegt zu haben: aber ich will mich doch an die Menschen 

89 



schmiegen u. wenigstens frohlicher scheinen. Gestern war Schulz 
da : die reine, bewufitlose, kraftige Philosophen-natur u. ich er- 
gotzte mich recht sehr, wie er so schlufigerecht zu erzahlen u. zu 
iiberzeugen weifi: er machte merkwiirdige Selbstgestandmsse u. 
affectirt durchaus nicht: ich modite ihn wohl naher kennen: 
denn er ist reiner Logimos[?] 05 , aber weder Siebenkas, noch 
Leibgeber oder Schoppe, sondern selbstgebildetes Original. Im 
Gesprach trat Semel herein, der mannliche Kosmopolit u. fuhrte 
mit seinen frenetischen Lacheln das Gesprach sogleich auf seine 
Lieblingsgegenstande : Philosophic, Republik, Democratic, ge- 
setzgebende u. ausiibende Gewalt etc. Ich lieb* ihn sehr. Er 
sprach, wie es semen kraftigen, durchaus wahren Geiste zu- 
kommt. Manches mit uns u. brachte uns von Vielem zuriik, was 
ich u. Fl.[echsig] uns vorgenommen hat [ten]. Eine andere, nie- 
drigere Seele wiirde mehr zugeredet haben. 



Warum ekeln uns Wachsfiguren an u. warum entziiken uns Mar- 
morstatuen, die doch beide dieselbe Form haben? Es konnte 
nichts Abscheulicheres geben, als ein Oelgemahlde, wo die Figu- 
ren keine Augen, u. antike Kopfe, wo sie welche hatte[n] : der 
Grund liegt mir auf d. Zunge; aber ich kann ihn noch nicht klar 
aussprechen: vielleicht, weil uns bey jedem grofiartigen Werke 
jeder kleinere, speciellere Zug stort u. nur eine Grundidee, der 
Grundrifi d. Kopfes verlangt wird: bey d. kleineren Perspec- 
tive fallt dieses weg. 

iz Juny 

S.[emmel] ist ein schlauer Kopf u. weifi sich zu helfen: es wird 
jedoch iiber ihn geurtheilt werden. Was soil ich jetzt Thorheiten 
annehmen, wenn ich weifi, dafi ich sie in zwey Jahren ablegen 
werde? - - 

Heute war Agnes [Carus] Geburtstag: ich wufite nicht, ob der 
Doctor Spafi oder Ernst gemacht hatte, ging folglich auch nicht 
nach Konhewitz. Abends jedoch ging ich mit Fl.[echsig] den 
Weg dahin ( u. von einer grofien Sehnsucht getrieben: sie begeg- 
nete uns u. griifite u. winkte freundlich u. gab mir Traume u. 
Hesperus 20 lachelte so schon dazu. Heute ist der 5 te Juny. gestern 
Abend war ich dort u. schwarmte mit ihr recht selig am Cla- 
viere: sie wollte Polymeter 37 u. ich schikte ihr heute dieses fol- 

05 Das folgende Wort nicht Usbar. 

90 



gende, was mir tief aus dem Herzen kam : es ist gut, ich fuhl' es 
u. der Gedanke sinnig u. zart. 

„In einer schonen Junynacht ging ein Jiingling stumm u. gedan- 
kenvoll durch den bliihenden Friihling: die Blumen schlummer- 
ten sanft: eine verlorne Nachtigall fuhr wie aus holden Trau- 
men mit ihren Tonen und den schiummernden Bliithen u. ver- 
wehte Abendphalanen 68 zitterten noch stumm und die Rosen- 
knospen an der blendenden Marmorstatue. Im ruhig schlafenden 
Dorflein driiben schlug es zwolf Uhr: da klang es oben unter 
den Sternen u. der Stern sprach : heute ward sie geboren : 
so moge denn keine Wolke ihre Seele triiben u. ein Stern leuchte 
schimmernd durch jede Nacht. Die Rosen wachten unten auf u. 
zitterten u. eine Rose sprach : wir sind die Tochter der Sterne 
auf Erden u. das Ebenbild, der, die heute ward: so moge sie 
ewig lacheln, wie ich u. jeder Tag bringe ihr eine Rose, aber ohne 
Dornen. Da flog der Engel der Tone im Westen auf u. ein lang- 
gehaltener, sanf ter Ton sprach bebend wie eine Harmonika- 
gloke : heute kam sie an's Licht, die Schwester der Tone : so sey 
ihre Seele ewig rein u. klar, wie ich u. wenn sie weint, so will 
ich zu ihr fliegen u. alle ihre Thranen lachelnd abtroknen. Der 
Gott der Liebe zitterte im Osten auf u. sagte: was soil ich ihr 
denn geben? denn alle Menschen lieben sie ja schon — Da kam 
gefliigelt, wie ein lachelnder Zephyr 69 der Traum u. lispelte 
wie im Traume: jeder ihrer Schmerzen sey ein Traum u. jede 
Thrane moge fern von ihr seyn u. nur die Freudenthrane nicht 
- Und als alle Tone ausgezittert hatten u. die ganze bliihende 
Schopfung wie ein erwachter Saugling lachelte u. wie ein sanftes 
unendliches Beben, wie ein Rauschen des Bergfalls oder wie 
eine milde Entziikung durch Knospenmay der jungen Natur 
ging, da schaute der Jiingling wie verklart zum Himmel u. zu 
den Sternen auf u. sagte nur wehmuthig zu sich; war' ich ein 
Stern, ich wollte ihr leuchten, war' ich eine Rose, ich wollte ihr 
bliihen u.s.w. u. er weinte, dafi er nichts von allem diesem war 
u. dafi er nichts geben konnte, als Wiinsche: aber er wiinschte 
ihr Alles, weil sie Alles verdiente 



Jeder Mensch hat in seinem Leben eine Zeit gehabt, an die er 
nicht gernedenkt. 

Die Liebe der Manner ist heiliger u. ernster, weil sie imer nur 

9* 



einen Gegenstand verehrt; die Liebe der Frauen hingegen all- 
gemeiner u. zeitlicher, weil sie immer zwey lieben konnen, den 
einen aus Liebe, den andern, den sie heirathen mochten; die 
Liebe der Madchen 1st geschwatziger, sie sieht mehr auf ein- 
zelne Vorzuge, schone Nase, schones Reiten, Tanzen etc: die 
der Jiinglinge hingegen verschlofiener, sie vergottert das Ganze, 
nicht das Einzelne. 

Ich habe mir oft gewiinscht, den gluklichsten u„ ungliiklichsten, 
den besten u. schlechtesten, den dummsten u. allerdiimmsten 
Menschen etc. vor mich zu haben u. eine Unterhaltung dariiber 
anzuhoren. 



1 3 Sie hatte mir am 6ten July geschrieben u. die Zcilen mochte ich 
in Goldrahmen einfaften lassen; der Abschied war kurz, aber 
sie blikte mich recht freundlich u. sehnsuchtsvoll an u. lud mich 
ein ; am 7ten friih ging sie. 



Semmel am 8*ten July wiithend; aufiert sich aber kraftvoll; 
mochte mich gern zum Organ seines Haftes gebrauchen. Es gait 
in diesen Tagen kraftig aufzutreten. 



Die Composition hat doch etwas Heiligeres als das Versmachen ; 
was hier mechanisch gedrechselt werden soil, wird dort begei- 
stert geschaffen; hier fallt Reflexion (ohne) in die vergangne 
Begeisterung, dort lost sich Reflexion in Begeisterung auf. 



am i3ten. 
Ein so wundervolles : „Ja" wie bey jenen Abschied am 6ten 
Abends sprach ich doch noch nie aus ; es lag der ganze Himmel 
u. die ganze Holie darin, Furcht, Liebe, Lacheln, Hoffnung, Ver- 
trauen, Schwarmerey, Angst, Groll u. Alles. 
Am ioten ging H e i n z e nach Genf ; ich weif> nicht, warum 
er seit kurzer Zeit so kalt war. 

G 6 1 1 e ist ein ungeheurer Mensch u. ich liebe ihn wie selten 
einen: er sprach es selber aus, dafi er keinen Menschen wahrhaffc 
lieben konnte. 



92 



Die Geschichte das ewige Vehmgericht der Menschen; der 
Mensch der ewige Sunder bescheint von den ewigen Jahrhun- 
derten. 

Gestern waren wir in Gohlis: Giinther ist einseitig u. affectirt; 

auf der Rukkehr kam ein Gewitter. - Gotte schien mir wie 

Napoleon in seinen 24 Jahren, so edei, so hager, so wiirdevoll, 

so ubermenschlich. - Geld hab' ich nicht. 

Gotte weift recht gut, daft er Egoist ist; das ist aber gar zu 

egoistisch, es zu ersterm u. andern zu sagen u. dennoch Egoist zu 

bleiben. 

Schulz ist nicht beschrankt, aber einseitig: Gotte ist beschrankter, 

aber nicht einseitig u. das ist besser. Schulz ist reiner Natur- 

mensch u. selbstentwikelte Gestalt; S.[emmel] sagte neulich, 

wie gern er sterben mochte: er war ganz aufier sich u. es war 

eine Jean Paul's Scene. 

An Revolution ist nicht zu denken : darum halte ich Giinther fur 

'nen Esel; nach jeder Revolution folgte eine Abspannung von 

1-2 Jahrhunderten. 

Die Manner haben in der Liebe ein schwacheres Gedachtnifi, als 
die Madchen; diese wissen jeden kleinen Zug, jeden Blick. 
So lange man noch keine Beweise der Gegenliebe hat, so macht 
man d. Freunden gewohnlich Liigen u. sich dadurch Hoffnung 
u. Trost; wenn diese aber kommen, so wird man verschlofiner. 
Woher kommt iiberhaupt jenes Geheuchelte jeder Liebschaft; 
freylich an Reiz verliert sie jedesmal; es ist ein schlimes Zeichen 
der Jahrhunderte. Bey den Romern war's anders. 

Flechsig ist doch am Ende nur ein Kleinigkeitskramer; aber das 
ist er in grofken MaCe; u. nichts ist mir verhafker, deshalb kann 
ich ihn auch nicht mehr lieben. 



Wann wird sie wiederkommen? ich traume oft u. sie lebt manch- 
mal in meinen Traumen, aber niemals schon; wenn doch Traume 
das Gegentheil konnten ! Ich vermisse sie tagtaglich. 
Fl.[echsig] nannte mich neul.[ich] einen atherischen Menschen; 
er ist oft auch gar zu unatherisch, namlich klostoff lich. 



93 



14 Am 1 3 ten July. Nachts 12 Uhr. 

Jetzt schlummert sie wohl; ich fantasierte gut; denn sie lebte in 
meinen Fantasien u. der ganze Tonhimmel mit ihr. Wie ihr doch 
so heilig seyd, ihr Tone u. was ich ihr nicht sagen kann, miifken 
ihr meine Tone nennen; sie versteht mich vielleicht, aber sie 
darf mich nicht verstehen, denn es ist anders beschlossen: ach! 
konnt* ich spater ihr Bild finden; wie wollt' ich gliiklich seyn. 
Es ist so still; nur eine abscheuliche Katze jamert, wie ein Tod- 
tengewinsel, dieses Katzengeheul soil Sterben bedeuten, u. ich 
bin nicht weit davon; nur einen Kuft von ihr u. ich will es ja 
gerne. 

Wie gliiklich war ich vor zwey Jahren ! da safi ich mit Lesern in 
der Laube u. schaute recht sehnsiichtig, aber gliiklich an die 
Sterne; jetzt schau ich wohl auch sehnsiichtig hinauf, aber un- 
gliiklich. Jener Kalender meiner Freudentage nennt mir alle 
Gluks-tage; aber er mahnt mich an mein Gliik; u. wenn der 
Mensch sein Gliik weifi, so ist er nie gliiklich, weil man in der 
Gegenwart kein Gliik genieften kann. 



Perlen bedeuten Thranen diesseits: Thranen sind Perlen jen- 
seits. In der Thrane ruht die Seele des Menschen; darum setzen 
Physiologen die Seele in die Augen. 



Blumen deken die Thranen der Menschen im Grabe; Thranen 
fallen auf die Grabesblumen aus den Augen der Menschen; so 
hiillen jede Blume im Leben u. im Sterben Thranen. Der Mensch 
ist am Ende eine Freudenthrane der Gottheit. 



Wollen u. Nicht-konnen ist bey Weitem nicht so schlimm, als 
(nicht) Nicht-wollen u. Konnen. Der Mensch kann iiberhaupt 
Alies, wenn er will ; aber er will nicht Alles, was er kann, u. das 
ist schlimm. 

Ich will zu Bette gehn u. traumen von ihr, von ihr. Gute Nacht, 
Agnes [Carus]. 



94 



70 Brief an Wiedebein in Braunschweig. 
Ew. Wohlgeb. 

mochten das kiihne Hervortreten eines achtzehnjahrigen Jiing- 
lings entschuldigen, welcher durch das Heft Ihrer iiber alles Lob 
erhabenen(en) Lieder begeistert, mit seinen schwachen Tonen 
selber in die heilige Tonwelt einzugreifen wagte. 
Ihre Lieder schufen mir manche gliikliche Minute u. ich lernte 
durch diese Jean Pauls verhullteWorte verstehen u. entrathseln. 71 
Jean Paul's dunkle Geistertone wurden mir durch jenes magi- 
sche Verhullen Ihrer Tonschopfungen erst licht u. klar, wie un- 
gefahr zwey Negationen affirmiren u. der ganze Himmel der 
Tone, dieser Freudenthranen der Seele sank wie verklart iiber 
alle meine Gef iihle. 

Haben Sie Nachsicht mit dem Jiinglinge, der, uneingeweiht in 
die Mysterien der Tone mit unsichrer Hand zu eigner Dichtung 
entflammt wurde und Ihnen diese ersten Versuche zur giitigen, 
aber strenggerechten Beurtheilung voriegt. 
Kerner's Gedichte, die mich durch jene geheimniftvolle, iiber- 
irdische Kraft, die man oft in d. Dichtungen Gothe's und Jean 
Paul's findet, am meisten anzogen, brachten mich zuerst auf den 
Gedanken, meine schwachen Krafte 

zuerst zu versuchen, weil in diesen (Gedichten) schon jedes Wort 
ein Spharenton ist, der erst durch die Note bestimmt werden 
mufl. Ich schlieBe hier zugleich die ergebenste Bitte ein, wenn 
es mir anders zusteht, den Meister der Tone um etwas zu bitten 
u. ersuche Sie im Namen Aller, die Ihre Lieder kennen u. mit 
Sehnsucht dem ztcn Hef te entgegensehen 72 , uns bald mit d. Com- 
position Kernerscher Lieder zu erfreuen, denen Ihre sanften, 
weichen, wehmuthigen Accorde erst den schonsten Text u. die 
tiefste Bedeutung geben konnen. Noch ersuche ich Sie, beyfol- 
gende Lieder, wenn anders Ihre vielfachen Arbeiten Ihnen so 
viei Zeit iibrig lassen sollten, zu beliebiger Zeit mit einer Ant- 
wort zuriikzusenden. 

Wie sehr auch immer fremder Beyfali Sie uberall belohneri moge, 
so kann doch nur der Tonhimmel der Begeisterung u. Entziik- 
kung, in dem Sie wohnen, Ihnen den schonsten Lohn u. Kranz 
darreichen. 

Mochte der Maasstab von Ihren Liedern nicht der der meinigen 
seyn u. mochte Ihnen jeder Ton eine sanfte Erinnerung an ein 
femes, fremdes Herz geben, welchem Sie Alles geben. 



95 



Nehmen Sie die Versicherung meiner tiefsten Liebe u. innigsten 
Hochachtung, der ich verharre etc. : etc. : 



Alles GroGe endigt, wie die meisten Lessingischen Trauerspiele, 
mit einer Frage, die kein Mensch beantworten kann ; der Mensch 
iiberhpt ist weiter nichts als ein Fragezeichen in den Lessingi- 
schen Trauerspielen - es folgt das - Ende. 



Die Schubertschen Variationen sind das vollendetste roman- 
tische Gemalde, ein vollkomner Tonroman - Tone sind hohere 
Worte. 

Wir miissen schon jene reinere Auffassungsgabe fur die Tone 
in uns tragen; ein falsch-gesprochenes od. betontes Wort klingt 
uns nicht so grell wie eine verstimmte Violine oder ein heraus- 
gezogner Quinter. 

Wenn man sich irgendwo gestoften hat, so stofk man sich spater 
noch 3-4 mal daran, gerade auf denselben Flek aber aus sehr 
natiirlichen Griinden. 

Wenn ich eine Butterbemme oder eine Miitze fallen liefi, so 
fallen beide auf die falsche Seite, jene auf die Butterseite, diese 
auf die Sonnenseite, nahml.[ich] d. Miitzendeckel. 
Tone sind verschieyerte Venusf ormen ; wir sehen sie durch den 
Schleyer lachein; aber wir diirfen den Schleyer nicht heben; dar- 
um stillt die Musik nicht etwa den Streit der Gefiihle, sondern 
regt sie auf u. lafk jenes verworrene, unnennbare Etwas zuriik. 
Die Tanzmusik ist verkorperte, bewegliche Musick; jede Bewe- 
gung muB Harmonie seyn. 

Eine unaufgelofke Dissonanz kann es nicht geben; vielleicht ist 
aber das Leben eine, welche erst der Tod auf lost. 
Philosophic ist Musik des (Verstandes u.) Geistes, Musik Philo- 
sophic des Gemuthes; die Philosophic bereitet uns auf ein hohe- 
res Leben vor, die Musik bringt es uns. 
16 Musik ist die hohere Potenz der (Phi) Poesie; die Engel miiflen 
in Tonen reden, Geister in Worten der Poesie. 
Die Schubertschen Variationen verhalten sich zum Wilhelm Mei- 
ster 73 , wie iiberhaupt (zum) Ton zum Wort; beyde sind aber das 
Non plus ultra der Romantik. Ton ist iiberhaupt componirtes 
Wort. Die Schubertschen Variationen sind iiberhaupt ein com- 
ponirter Roman Gothe's, den er noch schreiben w o 1 1 1 e. 



96 



Wir waren glucklicher, wenn wir es gar nicht waren; wir spiirten 
dann keinen Wechsel: 'freylich waren wir entweder Vieh oder 
G otter. 

Wenn ich Beethovensche Musick hore, so ists, als lase mir jemand 
Jean Paul vor; Schubert gleicht mehr Novalis, Spohr ist der 
leibhaftige Ernst Schulze oder der Carl Dolci der Musick. 
Ein zufalliger, unberechneter Strich fuhrt den Mahler oft auf 
ein schones Gesicht, so auch beym Musiker ein falscher Griff u. 
beym Dichter ein zufalliger Reim auf einen hohcn Gedanken. 



Am 22sten July. 
Heute bin ich von meinem lieben Zwickau 74 wieder angekom- 
men ; am ersten Morgen meiner Ankunft war mir's, als ware die 
ganze Vergangenheit u. Gegenwart ein Traum gewesen u. sie 
waren doch mehr - dort fand ich eine Freundinn u. hier einen 
Freund. Die Briider waren noch die alten, lustigen ; nur Eduard 
[Schumann] ist ungluklich. Josephine [Carus] war dieselbe, 
nahmlich warm u. innig. Das Vogelschieften war die Carricatur 
eines Hogartschen Gemahldes. 



Schwere Qgarren stimmen mich hoch u. poetisch; je mehr bey 

mir der Korper abgespannt ist, desto mehr ist der Geist uber- 

spannt. 

Wenn ich betrunken bin oder mich gebrochen habe, so war am 

andern Tage die Fantasie schwebender u. erhohter. Wahrend 

der Trunkenheit kann ich nichts machen, aber nach ihr. Schwar- 

zer Kaff e macht mich auch betrunken, wenn auch nicht schwarz. 



Leser ist ein tieffiihlender Mensch, nur viel zu viel der Leser 
seines eignen Herzenbuchs; neulich fing er bey einer Aeuifcrung 
von mir an zu weinen, was mich tief gekrankt hat. Malchen 
[Schwepfinger] ging mit mir fort. Das Schiksal flicht wunderbar 
Korbe; Leser u. ich haben doch gleiches Schicksal gehabt; mei- 
nes ist vielleicht noch gliiklicher. Ach! die leichtsinnigen Men- 
schen sind die gluklichsten u. bewundernswerth. Ich bin nicht 
leichtsinnig, konnte mich aber doch iiber Alles hinwegsetzen ; 
man stiirzt freylich oft. Der Mensch ist sein ewiger gordischer 

7 Schumann, Tagcb. 1 97 



Knoten; er kniippelt u. kniippelt u. kann ihn doch nicht auf- 
wickeln u. verwirrt sich noch mehr. 



Der Mensch 1st nie gliiklich, sondern war es nur; u. sobald 
er sein Gliik fuhlt, ist er es nicht mehr u. ungliiklich. 



29sten July 28 
Ich kann nie wieder ordentlich lieben ; einmal brannte mein Herz 
u. dann ward es Asche u. Asche brennt nicht mehr — 
Eine schone Bemerkung von Gotte, dafi es ein entziickender 
Anblik seyn mufke, die schwarzen amerikanischen Republicaner 
in den Versammlungen sprechen zu horen, weil man (diese) bey 
diesen nur Rohheit gewohnt sey. 

Die ,Juniusabende" sind mein erstes Werk, mein wahrstes u. 
mein schonstes; wie nab' ich geweint, als ich sie schrieb u. wie 
war ich doch jedesmal so wunderbar selig dabey. Es soil weiter 
nichts, als ein Bildchen oder Idylle seyn, was einmal vier gliik- 
liche Menschen getraumt hatten. Der dritte Abschnitt ist am 
meisteri gelungen. 

Vorgestern war Champagner Friihstuk, der kleine Rascher war 
auch da; gestern vollfuhrte Schilbach eine Herculesthat mit dem 
PreCbengel. 

17 Napoleon konnte wahrlich nicht schoner als auf St. Helena ster- 
ben. St. Helena wiegt alle Arcole, Marengos u. Wagrams auf, u. 
die Nachwelt wird gliiklich seyn, wenn sie dies ewige Grab- 
mahl, diese Schandsaule Englands, diese ewige Apotheose Na- 
poleons anschaut. 



Ein Mensch, der nach sich Andre beurtheilt, ist beschrankt; er 
darf sich nicht in der Welt abspiegeln, sondern die Welt mufi sich 
in ihm abspiegeln. 



Wir diirfen weder Vergrofkrungs- noch Verkleinerungsglaser 
seyn, sondern Teleskope, durch zusammengesetzte Eigenschaf- 
ten sieht man die AuCenwelt erst im klarsten Lichte. 



98 



Im Menschen ruht ein groBes, ungeheures Etwas, was keine 
Zunge aussprechen kann, weil es 2u uberirdisch ist; aber wir 
fuhlen es auf hohen Bergen, od. bey Sonnenuntergang oder bey 
den sanften Tonen. 

(Caecilia) 



Abends wird der Mensch unbewufit erhabener u. stummer. 



i sten August 
Wahrend der Mensch 2um Abmahlen oder Abzeichnen sitzt, ist 
er allemal eitel ; Flechsig machte mir Spafi u. die Genialitat steht 
ihm schlecht. 

Aus den Juniusabenden 



Im Feyertempel der Natur wirft der Mensch leicht u. schwebend 
seine Erdenhulle ab u. die liebende Psyche windet sich scheu 
hervor. AchI es kann ja kein Mensch einsam in der Brust seyn, 
wenn er durch die Blumen der Natur wandelt u. wenn er geht 
ohne Freund, ohne Freundinn, ohne Geliebte, so mufl er sehr 
ungiiiklich seyn. 

Es giebt eine Zeit im Junglingsleben, wo das Herz nicht finden 
kann, was es will, weil es vor Sehnsucht u. Freudenthranen nicht 
weifl, was es suchen will. Es ist jenes heilighohe, stumme Etwas, 
welches die Seele vor seinem Gliike ahnet, wenn sein Auge 
traumerisch an die Sterne blickt u. die lachelnden anweint, aber 
freudig, u. wenn er denkend u. sinnend an den Wasser geht und 
unter Blumen sich legt u. Rosen sucht u. Ganseblumen auszupft. 
- Jene Zeit, wo der Jiingling uber die Felder geht u. mild-weh- 
miithig die kleinen Ganseblumen mit den kleinen weifirothen 
Blattern (dem Bilde der Unschuld, die die Liebe verklart) an- 
schaut, wo wie ein sanfter Himmelsblitz der erste Gedanke an 
die Blumensprache (diesen indischen Schleyer der verhullten 
Freudenthranen) aufsteht u. wo er zum erstenmal Ganseblumen 
abpfliikt u. lachelnd nachsinnt u. entziikt sagt: ich bin dir gut 
u. wo er denkt: ach! warum gab mir denn noch kein Mensch eine 
solche Blume, warum (denn) liebt denn der Mensch nicht, da 
doch so viel Blumen da sind, denen der Mensch Alles vertrauen 
kann, 



99 



1 8 was keine Zunge aussprechen kann, diese heilige Worttrias, die- 
sen heiligen Seelenaccord, diesen milden Harmonikadreyklang 
des Lebens, dieses :ichliebe dich — ach ! die Zeit, wo 
er alles dieses denkt u. spricht u. Alles den Sternen vertrauen 
mochte u. den Blumen, diesen Blumen am Himmel u. Sternen 
auf der Erde - sie ist heilig u. grofi u. der Mensch fiihlt sie nur 
einmai - (u. der Jiingling blickt dann) aber dann so innig u. 
warm - u. der Jiingling blikt dann so wehmuthig in die Augen 
der Menschen u. lachelt u. weint u. lachelt wieder. Ach! jeder 
Mensch m u fi ja einmai eine Zeit gehabt haben, wo er inniger 
an den Blumen u. Sternen hangt u. wo Alles rings um ihn von 
einem milden, rosigen Morgen-zwielichte beleuchtet wird, was 
eine Sonne bringt, die bald aufgeht. 



In der einfachen Antwort des liebenden Jiinglings, der zu allem 
,Ja" spricht, schlumert mehr als eine Zunge sagen kann die ganze 
milde Entziickung, wie iiberhaupt jedes Grofle, Ungeheure sich 
im Schweigen u. jede Entziikung sich in Stummheit kund thut. 



Im ersten jugendlichen Aufkeimen der Liebe ist der Freund ge- 
gen den Freund verschloften nicht aus Willen oder Vorsatz, son- 
dern aus Ohnmacht, seine Gefiihle auszusprechen, weil (er) durch 
eine grofle, nameniose Fessel seine Zunge gelahmt wird, u. weil 
er weifl, dafl der Freund seine Gefiihle (dur) weifl, ohne daft er 
sie erst zu sagen braucht. 



— Ach! in jenem Lobe, das ein Freund iiber die Geliebte sagt, 

liegt ein himmlischer Reiz u. der Freund liebt die Geliebte durch 

den Freund noch heftiger u. den Freund durch die Geliebte - 

dann brechen ja alle Knospen der schiichternen Seele auf, die 

verschlofien ruhen u. das ganze Herz ist so selig, weil es liebt 

u. wieder geliebt wird u. weil es so - unnennbar selig ist; denn 

die Liebe hat kein fragendes Warum? — 

Es sind schone Pausen, wenn sich Liebende u. dann wieder an- 

schauen u. dann plotzlich, wie im Traum auffahren u. mild spre- 

chen ; sie sind Vorboten der werdenden Liebe. 

In der ersten Liebe giebt es eine so zarte Empfindung, die jedes 



ioo 



hereinbrechende Licht scheut u. sich nicht dem zartesten Freunde 
blosstellen kann. 

Die Natur ist das grofle, entfaltete Schnupftuch Gottes, gestikt 
mit seinem ewig-bliihenden Namen, an dem der Mensch alle 
Schmerzensthranen abtrocknen kann, aber auch die Freuden- 
thranen. 

Ach ! warum tritt denn kein Mensch u. keine verwandte Seele 
in gluklichen Minuten zu uns u. spricht: jetzt bist du gliiklich; 
denn wir sind es ja nie, sondern war en es nur; warum 
schwindet mit dem Bewufitseyn der Traum? Wir armen, armen 
Sterblichen! liegt denn jeder schone Gedanken u. jedes hohe 
Gefiihl nur hinter Grabhiigel u. Gottesakerthoren u. Thranen- 
gittern? Sprecht nur: ja; denn wir haben es ja Alle schon einmal 
gefuhlt; aber Gottesaker (liegen nach) legte deir sinnige Mensch 
nach Osten zu u. mit dem Westen der irrdischen Traume steigt 
aus dem Ostthor das unendliche Wachen u. das schonste Seyn 
empor. 



O ihr kleinlichen Menschen, verargt doch dem feurigen Jiingling 
u. seiner Liebe die schone menschliche Schwache nicht u. mefit 
nicht nach eurer Gegenwart die Traume des Jiinglings ab, die ja 
doch nur einmal wiederkommen. Die Herzen werden ja doch so 
oft von einander gerissen u. jede erste Liebe ist doch nur ein 
schones Drama, das unter Thranen u. Seufzern endet. 
Wenn der Mensch Etwas sagen will> was er nicht kann, so nimint 
er die Sprache der Tone oder die der Blumen - denn die Blumen- 
welt ist ja so heilig als die Tonwelt u. in Schmerzen oder in der 
Freude geht der Mensch am liebsten an die Saiten oder in die 
Natur, u. beyde sind ja Biirgen einer Gottheit u. einer Unend- 
Hchkeit. 

Der Jiingling geht in seiner ersten Liebe weniger mit Menschen 
urn, wenn er auch liebt u. entziickt kiissen mochte; er spielt etwa 
mit Kindern u. fragt sie recht warm u. wie unwissend, ob sie 
die Gebiische kennen u. dies u. das u. die Menschen u. die Ge- 
liebte. Und wie riihrend u. unschuldig ist doch dieses sanfte Fra- 
gen u. Forschen u. wie gliicklich ist der Mensch da. Hohe, herr- 
liche Minute, wo der Jiingling, wie ein gliihender Gottersohn, 



IOI 



zum erstenmal geliebt, in die Natur blikt u. (die) das leise 
(Lippe) Herz weinend u. entziickt ausruft: achl wie ist das Leben 
so schon u. die Menschen so gut u. wo zum erstenmal die ganze 
glukliche Brust sich fiihlt u. die Zunge weiter nichts stammeln 

kann, als Geliebte 

Ich mochte wiGen, wievieimal der erste Liebesbrief schon ge- 
schrieben u. zerriften u. wieder geschrieben worden ware; <li) sie 
stnd alle iiber einen Leisten gehauen. Madchen schreiben iiber- 
haupt schneller Liebesbriefe u. copiren od. schreiben ihren Brief 
nur ab; die Jiinglinge machen's nur aus Sehnen umgekehrt. 06 



Wenn man nur alle Bemerkungen, die einem den ganzen Tag 
uber einfallen, gleich aufschneb ; es wiirde ein ansehnlicher Band 
herauskommen ; so aber habe ich welche vergessen, von denen 
ich nur weifi, dafi sie schon waren. Sie kommen aber in gleichen 
Fallen gleich wieder. 



3ten Aug. 
Wiedebein hat mich durch seinen Brief ganz gliicklich gemacht 
u. er ist so, wie ich mir ihn gedacht habe. 

Antwort an Wiedebein. 75 
Verehrterl 
Meinen warmsten, warmsten Dank fiir den Brief, in welchem 
mir jedes Wort theuer u. heilig ist. Ich hatte wahrscheinlich in 
meinem vorigen Brief vergessen, Ihnen zu schreiben, daft ich we- 
der Kenner der Harmonielehre, des Generalbasses etc: noch 
Contrapunctist, sondern reiner einfaltiger Zogling der leitenden 
Natur bin u. nur einem blinden, wildem Triebe folgte, der die 
Fesseln abschiitteln wollte. Jetzt soil es aber an das Studium der 
Compositionslehre gehen u. das Messer des Verstandes soil Alles 
wegkratzen, was die regellose Fantasie, die (sich mit) d. Ver- 
stande wie Leben u. 
20 Ideal entgegensteht u. sich, wenigstens beym Jiinglinge mit ihrer 
Mitherrscherin dem Verstande nicht besonders vertragen will, 
in sein Gebiet einpaschen wollte - freylich diirfen die harten 
Barentatzen des Verstandes die weichen Hande der lyrischen 
Tonmuse, die auf den Tasten unserer Gefiihle spielt, nicht ganz 
zerquetschen woilen u. doch soil der Verstand, wie bey den R6- 

06 Fortsetzung S. 105. 

102 



mern nicht die Magd seyn, welche der Fantasie die Schleppe 
nachtragt, sondern mit ihrer Fackel vor ihr geht u. mit ihren 
Strahlen die Fantasie in die Tonwelt fiihrt u. ihren Schleyer 
hebt; das ist die beste Losung und schwierigste Aufgabe, weil 
die Tone iiberhaupt verschleyerte Venusformen sind, (deren) die 
uns durch den Schleyer lacheln, welcher aber zu zart etherisch u. 
uberirrdisch ist, als dafi der Mensch ihn heben konne - darum 
stillt die Musik nicht den Streit der Gefiihle; sondern regt ihn 
auf u. lafit jenes unnenbare, verworrene Etwas zuriik - dann 
aber wird es einem so innig wohl, als stiinde nach einem Him- 
melsgewitter ein milder, friedlicher Regenbogen am Himmel - 
So ging es mir audi, wenn ich Ihre Lieder horte u. spielte. 
Und so will ich denn mit frischem Muthe die Stufen betreten, 
die in das Odeon fuhren u. in welchem Sie mir als einziges, un- 
iibertreffliches Ideal dastehen. Erlauben Sie mir, Ihnen nach 
einen Jahr Rechenschaft von meinem geringen Streben abzu- 
legen - die ganze Welt steht noch so jugendlich of fen vor mir 
da, u. ich will Muth schopfen u. thun, was ich kann. Denn wenn 
Geist mit Muth ihr einet pp. pp. 76 

Verehrter! so gluklich Sie als geheiligter Priester in den Myste- 
rien der Tonwelt dastehen, so mogen Ihnen auch imerfort die 
heiligen Tone alle Schmerzensthranen abtroknen, die das Leben 
bietet, (die der) Ihr ganzes Leben sey so ungetriibt u. klar, wie 
ein sanfter Ton, u. jede Thrane sey fern von Ihnen u. nur die 
Freudenthrane nicht oder die der Entziikung. Leben Sie so gluk- 
lich, wie Sie es verdienen ; denn Sie. haben schon manchen Men- 
schen gliikliche Minuten geschaff en u. mir die gliiklichsten 



Am 4ten Aug. 28. 
Der Mensch kann gerade so viel, wie er braucht - darum kann 
er als Mensch zum Menschen Alles. 

Der Greis ist poetisch schon; die alte Frau nicht - der Greis 
sieht schon zu erhaben iiber das Leben u. iiber[?] das Sterben; 
bey einem alten kleinen Mutterchen lebt man zu sehr auf der 
Erde, bey einem Greise iiber sie. So meisterhaft, wie Spemer 77 
im Titan, ist noch kein Greis dargestellt worden. 
Trotz allem Bemerken um Jean Paul, so ist er doch der mensch- 
lichste - es lebt in ihm jener (sanfte) trostende, milde Richter, 
u. der Engel der Wehmuth, der iiber das Leben weint, aber es 



103 



doch liebt. Ach! das ist allein iiberirrdisch, iiber das Leben zu 
weinen u. es doch zu Heben. 

Jean Paul (PJ u. Beethoven hangen in meiner Stube nebenein- 
ander; sie haben schon manche Menschen ungliiklich gemacht; 
denn der Mensch ward zu hoch gestimmt u. konnte nicht gluk- 
lich seyn — aber doch audi gluklich. Bey mir wird es Wehmuth, 
aus Wonne u. Schmerz zusammengesetzte Entziikung 

21 6ter Aug. 28. 

78 Geniale Leute sind der wahrhafste Gegensatz der Burschen- 
schaft, natiirlich - denn sie will Character u.Festigkeit; aus genia- 
len Junglingen bilden sich jedoch charaktervolle Manner. 
So wie kein Mensch dem Andern ganz ahnlich ist, so tragt auch 
jeder in sich den Stempel der Originalitat der geistigen Kraft. 
Jeder Mensch ist ein Original, bey d. einem oder den andern mit 
schwacheren oder starkeren Farben. Copien sind niemals wie 
die Originale selbst, denen sie abcopirt sind; darum sind sie 
wieder Originale. So auch beym Menschen. 
Mancher verpfuscht auch seine Originalitat u. viele waren origi- 
neller, waren sie nicht originell. 

Wer Originalitat sucht, der hat sie nothwendig bis auf einen 
gewissen Grad verloren u. sie springt nicht unmittelbar aus sei- 
nem Ich. Originalitat im Leben finden wir weniger, als in den 
Kiinsten u. Wissenschaften. Das ist ein Zeichen der gesunkenen 
Kunst. 

Geniale Leute haben gemeinhin wenig Courage, oder sie vergeht 
bald; geniale Manner desto mehr. Unter genialen Leuten ver- 
steh' ich auch zugleich originelle Menschen, weder schroff, noch 
weich, aber beides, (weder triib) u., oft liederlich, ieichtsinnig, 
die mit der ganzen Welt spieien im Bewulkseyn ihres Werthes ; 
denn geniale Jiinglinge wissen recht gut, wer sie sind ; auch Ober- 
flachlichkeit, die man oft findet, hat nichts zu bedeuten. 



Der Friihling ist die Aurora des Jahres ; die Erde die Aurora 
des Jenseits. Der Mensch ist sein ewiger Schwanengesang. 



Wie kommt es, dail geniale Manner geniale Junglinge hassen? 
beide bliken sich durch Verkleinerungsglaser an. 



104 



Die Wahrheit ausgesprochener Bemerkungen, Sentenzen, 
J. Paulschen Aphorisraen erkennt man erst, wenn man sie selber 
erst durchlebt hat? Warum glaubt der Mensch iiberhaupt niclits, 
was er nicht selber erkannt hat? So mit Traumen, Ahnungen etc. : 
dann wird es aber Ueberzeugung. 



Aus den Juniusabenden 
(Fortsetzung) 
Ja! im Menschen ruht ein sanfter Genius, der mit leiser Hand 
dem ewigen Kind die Pforten neuer Welten u. Schopfungen ent- 
riegelt u. dem Jiinglinge in seiner ersten Liebe mit der Gelieb- 
ten unbemerkt u. wie zufallig in den Bliithenfriihling leket u. 
ihre Thraume zu einander fuhrt u. sie verkiindet. 

(Fortsetzung soil folgen, Geliebter) 07 



Am i3ten Aug. 1828. 
Das Odeon der Gefuhle ruht am schonsten auf den Blumensau- 
len der Poesie u. der Tonkunst. Krug mochte die Saulen, so zart 
sie sind, zerschmettern ; es geht doch nicht gut; sie sind doch der 
Atlas, der das Leben tragt. 

Die Musik ist der eigentliche Beichtstuhl unserer (Siinden) Seek; 
der Mensch fuhlt dann so recht zerknirscht, wer er ist. Bey Kir- 
chen u. erhabenen Musiken gehen auch unsere begangenen Siin- 
den u. Irrthumer, wie zurnende Genien, an unserer Seele vor- 
iiber. 

Im Gesang ist das Hochste vereint, Wort u. Ton, der unariti- 
culirte Menschenbuchstabe ; er ist die eigentliche extrahirte 
Quintessenz des geistigen Lebens. - Tanz ist gefrorene Musik. 
In d. JPaulschen: War' ich ein Stern etc: ruht die ganze Poesie 
J. Pauls. Stern - Rose (Blume) .- Ton - Traum - Liebe. 
Poetische Faullenzery schacht viel, hat aber nichts zu sagen, 
so bald sie genial wird. G e n i a 1 e Poesie kann es nicht geben. 
Gothe? vielleicht! Jean Paul? manchmal, aber selten. Schiller? 
gar nicht. - J Paul hat dreyerley Geist, Gemiith, Humor, Witz, 
wie der Truthahn dreyerley Fleisch ; eins erklart das andre u. 
sind so nahe verwandt, wie das Fleisch beym Truthahn. 

07 Fortsetzung S. 115. 

105 



Charackterlosigkeit ist auch ein Charakter, aber ein ganz verf lucht 
komischer. Ich konnte aufierordentlich kraftig seyn, hatt' ich 

Lust u. Zeit. - Am ioten August kehrt' ich von der Genie- 

reise mit Gotte u. Flechsig zuriik, so viel mir jener 
tagtaglich theuerer, so viel mir dieser stund-stiindlich abstofien- 
der u. entfremdeter wird. Am Ende ist er ein gewohnlicher 
Mensch mit ungewohnlichen Scharfsinn, mit weiter nichts aber - 
Zartgefuhl hat er auch nicht, Charakter gar nicht, nur kraftiges, 
baurisches u. bayerisches NaturelL Das schlimste ist, daft er ewig 
raisonnirt u. sich selbst eine lateinische, wenn nicht gar eine 
griechische oder syrische Zeile ist. Das komischste aber ist, daft 
ich ihm die Hottentottiana gewidmet habe; er wird einmal 
lachen, wenn er so unphilosophisch^-begrundete Wahrheit liest. 
Den groften Menschen erkennt man im ersten Momente; die 
kleinen Charaktere wegen ihres ewigen Schwankens erst nach 
i, 2, 10 Jahren; ich kenne ihn schon seit 4-5 Jahren u. hab ihn 
doch erst seit einiger Zeit (zu) kennen geiernt. Sanguiniker ist 
er durchaus nicht, Melancholicus u. Cholerikus gar nicht, folg- 
l[ich] : Phlegmaticus. O seliges Phlegma! das sind mir die wid- 
rigsten Menschen. Hierzu kommt noch eine elende 09 u. ein 
gekunstelt Haschen nach Genialitat, wo er mir jedes mal wie der 
Esel mit der Laute vorkommt. Bey der Musik schlaft er gar ein 
u. JPaul versteht [er] nicht, liest hochstens einige Capitel aus 

einer Logik. Wenn er einmal diese Zeilen liest, denn er ist 

entsetzlich neugierig - so wird er folgende prosaische Betrach- 
tung u. einen unpoetischen Herzensmonolog halten : 
„Lieber S. [chumann] u. ehemals mein Freund ! allerdings bin ich 
mir eine lateinische Zeile, 
23 hab' aber Worterbiicher genug, um mich richtig iibersetzen zu 
konnen: Gramatik u. Lexikon aufschlagen war, lieber Schu- 
mann], von jeher deine Sache nicht, aufier wenn du einmal: 
Laus oder Floh p.p. nachschlagen wolltest; meine Worterbiicher 
sind vor alien Dingen die Krugische Logik 79 , die ich mir mit 
sechs braven Theologen zu eigen zu machen suchte; oberflach- 
liche Schwerenother u. Pariser Herzens-stutzer giebt es jetzt zu 
Billionen; Logik nun bildet Kettenschlufi u. ich mache folgen- 
den : oberflachliche Schwerenother = Poesie, Musik, etwas Ge- 
nialitat, wenn nicht gar Genie; da nur solide Gelehrsamkeit 

08 „un" uber der Zeile eingefugt. 

09 Die folgenden zwei Worter nicht lesbar. 

106 



unsolide (geniale) Seelen logisch fortbildet, so ist solide Gelehr- 
samkeit = logisch ausgebildete Seelenquintessenz = Logik — 
Philosophic; folglich bin ich Philosoph. Jetzt hab' ichs - Philo- 
soph bin ich = da ich nun Philosoph bin u. einzig das Krugische 
System studirt habe u. das ex fundamento von vorne bis hinten 
von hinten bis vorne, so mufi ich Synthetiker seyn == der Krugi- 
sche Synthetismus streicht nur das Gefuhl vollig aus dem Buch 
d. Menschennatur = folglich verbann' ich es u. ruhe auf den 
Triimmern des Odeons der Gefuhle, welche nach deiner eignen 
geistreichen Bemerkung auf den Blumensaulen der Poesie u. der 
Tonkunst ruht - folglich muft ich etwas gefuhllos seyn. Ad II) 
daft ich nahmlich ewig raisonnirte, mache ich die Bemerkung, 
die der Welt schon langst hinter ihre Eselsohren geschrieben ist, 
daft es Philosophic der Philosophic ist zu 010 raisonniren u. daft 
Philosophen nicht aber des Philosophirens wegen philosophiren, 
sondern um auf Philosophirende raisonniren zu konnen. Ad III) 
daft ich weder Sanguiniker etc : sey, antwort' ich, daft ich in mei- 
ner Jugend Gedichte gemacht, audi etwas Musik getrieben habe : 
Poeten u. Musiker sind meist sanguinisch - folglich bin ich San- 
guineus, ad IV) daft ich ungenial ware, antwort' ich, daft ich 
gut fechte mit Aesopischen Gesten u. Mienen; da nur geniale 
Leute allein gut schlagen, so bin ich audi genial, ad : V : daft ich 
bey der Miisik einschlafe u. JPaul nicht verstehe, antworte ich, 
daft in beyden keine Logik (ist) vorzufinden ist; weil ich logi- 
scher Mensch bin, kann ich das unlogische nicht leiden. ad VI) 
daft ich neugierig bin, kann ich nicht leugnen ; aber kein Mensch 
ist ohne Fehler pp. pp. pp. u. d I a 1 e c t i s c h will ich bewei- 
sen, daft Neugierde etwas Edles sey, wenn sie aus Edlem ent- 
springt. Obrigens war ich dein Freund.["] 
Dieses war denn etwa eine Skizze meines Stubenknochens, den 
ich wirklich lieb habe. Zur ganzen satyrischen Skizze mach* ich 
den folgenden Epilog an ihn selber, um dem Ganzen die Krone 
aufzusetzen. 

Lieber Freund nicht weiland ! 
Du bist so frey gewesen, Dir aus Neugierde einfalien 
zu lassen, einige extrahirte Quintessenzen zu lesen ; der Horcher 
an der Wand hort seine eigne Schand* d. h. man soil, wenn auch 
der Schliissel zum Pult anstekt u. 

010 Das folgende Wort wegen zu starker Streichung nicht lesbar, 

107 



24 wenn einem selber das Buch gewidmet ist, nichts lesen, was 
einen nicht zum Lesen selber gilt, sonst liest man von seinen 
eignen Fehlern. Hast Du solche gelesen, so ist's gut; hast Du sie 
nicht gelesen, so schadet's audi nicht u. ich w o 1 1 1 e wenigstens 
Dein Bestes. Dies einzige sag ich Dir noch: dafi Du mich oft 
tief gekrankt hast, dafi Du mit der Scheere eines bayerschen Gro- 
bianismus u, Unzart-gefiihls die zarten Flugel des Freundschaft- 
genius beschnitten hast u. dafi der leztere nun nicht mehr so 
hochfliegen kann, wie vielleicht sonst. Sieh ! ich habe viel 
schon im Leben verloren und auch Dich. Wenn ich 
mit Dir zusammenzog, so geschah es nicht aus niedrigen Eigen- 
nutz oder Egoismus, sondern darum, dafi Du mich manchmal 
erheitertest. Wir tauschten uris vielleicht Beyde u. das ist frey- 
lich schlim. (Doch) und doch - kann ich keinen Menschen has- 
sen u. auch Dich nicht; mit inniger Liebe werd* ich Dich aber 
n i e umfassen konnen ; denn Du bist meinem Herzen fremder 
geworden, wo Du ihm nahe warst u. ich liebte Dich, wo Du 
mir ferner warst. Jezt ist wiederum einmal Alles vorbey. Doch 
fleh' ich fur Dein Gliik u. die (Schande) Schmerzen, die Du mir 
gabst, mogen Dich nur so driiken wie mich, der ich Dir keine 
gab, oder bewufitlos u. ohne meine[n] Willen. Ich mufi weinen. 
Lebe gliiklich ! 

Echte Originalitat findet man in den Jiinglingsjahren nicht, desto 
mehr unechte, aus dem Grunde, weil die Eindriike heftiger sind 
u. sich nicht so leicht verwischen wie in den spaterfn] Jahren; 
gerade aus jene[m] Zusammenflufi von Lecture, Vergleichung 
der Ideen, Auffassung pp. bildet sich erst eine feste Masse zu- 
samen wie corinthisches Erz u. wird Originalgemahlde. 

Lebensschneke am i3ten Aug. 
Lyrische Faullenzerey - Fr. Schubert - Fantasie aus C-Dur - 
Brief an Leser mit Juniusabenden versiegelt - Gotte - Kaffee- 
baum - Spazirgang - Fantasie aus X dur Abends - Lebens- 
schneke - Quintessenz u. satyrische Skizze 



Unsere ganze jeztige Dichterwelt ist ein Kafig von Canarien- 
vogel; wenn sie Musik horen, so denken sie, sie konen's auch - 
wenn sie Gedichte lesen, sprechen sie, das kann ich ja auch - 

108 



Lebensschnecke am: 14. 
Giinther - Brief von Leser - Schach mit Pabst u. Briikner - Ant- 
wort an Leser - Brief von Rosen - Dr. Cams - Pfaffendorf - 
Fantasie Abends - Lieder, meine - Rezension - Jacobi's Ge- 
dichte - Endfantasie u. Erinnerung an die Kindhek, die Hei- 
math u. alies Herrliche u. Gute u. Liebe - flnstere Misanthropie 
- Duell - Schmerz u. Zahneknirschen - Abend 1 1 Uhr - Brief 
an Lesern vollendet - Traume von ihr - wachende u. ge- 
traumte - 

1 5 ten friih 
Verzweiflung ist allemal Schwache, aber nicht Charakterlosig- 
keit; Charaktervolle sind oft verzweifelt u. manchmal schwach. 
Schwache ist bey einem Charactervollen wie Abendregen im 
Mondschein. 

Es giebt zweyerley Schmerzensthranen, die eine um v e r - 
bliihte Rosen, die andre um nicht (un)blu- 
h e n d e , oder um verlornes Gluk u. noch nicht g e - 
f u n d n e s ; die erste ist schoner, denn wir haben wenigstens 
einmal schon getraumt u. noch schoner gewacht: die andere ist 
die Aloe, die selten bluht u. sticht, wenn wir sie beruhren. 
Schmerzen sind wie Hunde; wenn wir furchtsam ausreifien, so 
setzen sie uns nach(en), fassen wir sie tiichtig mit Augen, so fliehn 
sie schiichtern zuruk. 

Die Aesthetik ist der eigentliche Dolch, die der tragische[n] 
Muse ihren von jeher entwunden hat. 

Die Deutschen sind nie erbarmlicher, als wenn sie alt Deutsche 
seyn wollen, oder gar Italianer, Franzosen u.s.w. Menzel ist am 
tiefsten in unsren Charakter eingedrungen und doch bleibt er ein 
Deutscher. Tadel erhebt die groBeren Seeien; die kleineren 
driikt er nieder. Beym Lobe ist es umgekehrt. Wir sollen nie laut 
bereuen, sonst setzen wir uns dem Urtheil aus u. erscheinen 
schwach. Jede Reue sey die Vorbotin einer schonen Handlung. 



Lebensschneke am 1 5 ten Aug: 
Triibsinn - Wiek - C. M. v. Webers Brief - Rondeau - Mdlle. 
Reichold - Feuer - Czerny's Doppelconcert - Wieks Lieder 80 - 
Gotte - Kaffeebaum - Fantasie a la Schubert - Bancks Fantasie 
mit Choralen u. Vogelpfeifen - herrliche Sturmnacht - 



109 



i6ten friih. 

Der kraftige Jiingiing sey stolz, aber nicht ubermiithig; so viel 
jener das Streben vergrofiert, so viel diese es verhindert. 
Wenn alle „Pst, Ruhe, Silentium" pp. pp. schreien 011 , so ist der 
Larm ebensogroJS, als der, welcher verboten werden soil. Dar- 
um ist Democratic in Deutschland Unsinn; denn Alle mochten 
eine Rolle spielen, u. das ist von jeher uns eigen gewesen. 
Liebe die Vergangenheit, wirke fur die Gegenwart u. furchte die 
Zukunft. So entsteht eine schone Harmonie u. ein kraftiger Drey- 
klang. 

Liebe stumpft wie Burschenschaft die Genialitat ab; genialer 
sind Sanguiniker u. Melancholiker zusammengenommen. 
Verachte das Leben nicht, weil es dir zu winzig u. gemein ist; 
sondern bessere es, dann wird es dir lieb werden. 

26 Sententioser Commentar zur Lebensschneke am 1 jten : 

T r u b s i n n ist der (Mond) Sonnenregenbogen 012 iiber schone, 
weinende Seelen; die Farben werden lichter, aber gemeiner; 
Wehmuth der Mondregenbogen ; die Farben sind blasser, aber 
hoher u. atherischer. - Wiek ist feurig vor Contrast - ein Vesuv 
mit Blumen bepflanzt; aber die Blumen sterben, bricht er aus u. 
steigt seine Lava hervor. -Rondeau in der Musik ist ein 
eben so schwankender Begriff, wie Novelle in der heutigen Lit- 
teratur; sie sind beyde fiir keine Ewigkeit gefeit. - Die Rei- 
ch o 1 d entwikelte viel Grazie beym Clavierspiel ; Seelengrazie 
wird leicht Korpergrazie u, die Hulle fiihit sich schwebend u. 
aufgelofk u. jedes Glied wird Bewegung u. verhiillte Seelen- 
arbeit - f e u r i g e Bewegungen beym Clavierspiel entflammen 
den Zuhorer, wie iiberhaupt Mienen u. Gesten beym Redner. - 
Doppelconzerte : wenn man sich beym vierhandigen 
Spiel versieht, so bittet man sogleich um Entschuldigung u. bit- 
tet, von vorne anzufangen, wenn's nur bey moralischen Versehen 
nicht anders ware u. finge man wieder von vornen an, um den 
Fehler zu verbessern. Wieks Lieder, Webern gewidmet. 
Alle solche Dedication haben oft einen kleinen Egoismus zum 
Grunde; wenn ein junger Kunstler iiberhaupt an Meister Com- 
positionen schikt, so will er.doch eigentlich nichts, als gelobt seyn 
oder - seine Handschrift. Solcher Egoismus schadet aber nichts 

011 Urspriinglich „schreiten", „t" ausgestrichen. 

012 „Sonnen" iiber der Zeile eingefugt. 

HO 



u. hat gute Folgen. - G 6 1 1 e 1st ein wahrer Vulcan, aus dem 
weiter nichts als Hephaste 81 u. Lavastrome steigen, welche zer- 
trummern u. verheeren ; aber wenn die Lava ausgebrannt hat, so 
steht sie still u. crystallisirt sich u. wird ein schoner Spiegel sei- 
ner Seek u. zur festen Masse, auf welcher wir kiihn fortschrei- 
ten konnen. - Kaffeebaum. Wirthshauser sind die eigent- 
iichen Orte, wo man seine Leute kennen lernt. Fantasie a 
la Schubert; Schubert ist Jean Paul, Novalis u. Hoffmann 
in Tonen ausgedriikt ;Bancks Fantasie mit Chora- 
len u. Vogelpfeifen; Musik kann ohne Text nur ernst 
seyn, humoristisch gar nicht; nur die Contraste konnen Komi- 
sches erzeugen. Sturmnachte. beobachtet man [am] lieb- 
sten vom Fenster heraus oder hinterm Ofen, wie Konige aus den 
Zeitungen ; f reylich giebt es Ausnahmen. 



Sententioser Commentar zur Lebensschneke am i4ten Aug. 



G ii n t h e r ; ein schoner Crystallspiegei, den aber die Bur- 
schenschaft so angehaucht hat, dafi er blind geworden ist. - 
Brief von Leser; seine Briefe sind wortkarg, aber von 
tiefen Gefiihien voll; die Schmetterlingsriissel der Vergangen- 
heit haben seine Gegenwart sanft ausgesaugt. Schach mit 
Pabst u. Briikner. Das Schach ist ein guter Probierstein 
der geistigen Kraft; Pabst springt zu sehr. Briikner schlendert 
zu sehr. 

Antwort an Leser: man antwortet aus Egoismus d. h. 
um Briefe wieder empfangen zu konnen. Antworten sind iiber- 
haupt, wie in den Disputation [en], so im Brief schreiben, wieder 
oft Fragen. Brief von Rosen; Rosen ist tief menschlich 
u. eine wahre Monatsrose, die immer zart bluht u. duftet. Ori- 
ginal ist er nicht. Dr. C a r u s : ein verpf uschter Polymeter, 
praktischer JPaul, Humorist im Sinne des Worts u. meist tragi- 
komisch. -Pfaffendorf; die Deutschen lieben es, mit dem 
GenuB der freyen Luft u. der freyen Natur auch Etwas zu ver- 
zehren. Gemeine Leute denken, wenn sie auf Bergen gehen, die 
Natur zu geniefien. Abendfantasie;die Dammrungstunde 
ist der eigentliche Feenstab, der (der) aus der 013 Seele Fantasie 

013 „aus der" iiber der Zeile eingefugt. 



in 



entlokt, sie ist an sich phantastisch u. das Opiat der Stiirme. - 
Meine Lieder; der eigentliche Abdruk meines Ich's sind 
sie bestimmt; aber es kann kein Mensch etwas so geben, wie es 
das Genie sich schuf, selbst s i e 82 sang die schonsten Stellen 
schlecht u. hat mich nicht verstanden. -Renzension; die 
Mitweit sollte iiberhaupt nichts rezensiren. Die Stimme der 
Nachwelt rezensirt am besten. Rezensenten gleichen iiberhaupt 
Muhlpferden; sie konnen nicht mehr springen, drum ziehn sie 
langsam das Korn in die Welt, um es zerstampfen u. verarbeiten 
zu lassen. Jacobins Gedichte; er ist die hochste Potenz des 
Anacreon mit einem Finger von Sophocles, der manchmal einen 
Strich durch die tragische Rechnung macht. — E n d f a n t a -■ 
sie pp. - Tone an u. fur sich konnen eigentlich nichts mahlen, 
was das Gefuhl nicht vorher mahlt; wenn ich an die Kindheit 
od. d. Jahr 1826 5 denke, so komme ich in A moll Tonarten u. 
ahnliche; wenn ich an den lezten September denken, so loflt es 
sich wie von selbst in harten Mifitonen auf pp. pp. Was einem 
gerade einfallt, sucht man mit den Tonen auszudriiken. Jed en 
Ton hat aber schon das Herz auf ihren Tasten gefuhlt, wie die 
Tasten am Clavier erst beruhrt werden muGen, ehe sie klingen. 
In den Minuten, wo man an nichts oder Geringes denkt, wird 
audi die Fantasie matter u. das Spiel fader; wenn man an die 
Musik selbst denkt, so kommen leicht contrapunctische Satze u. 
Fugen hervor. Finstere Misahthropie; Misanthropie 
ist in gewiBen Fallen am rechten Ort; doch zehrt sie sich mei- 
stens selbst auf. - D u e 1 1 ist der geistige Bar, der audi in den 
Waldern Deutschlands wild u. verfolgt herumlauft. - Z a h n e - 
knirschen das eigentliche Kriimmen des zertretnen Seelen- 
wurms, der noch nagen will u. nicht kann. Brief v o 1 1 - 
endet ; ich schliefi alle Brief e herzlich; mit dem Feuer, mit 
welchem der Schriftsteller sein Buch anfangt, schliefit der Brief- 
steller u. fangt mit der Kalte an, mit welcher jener schliefit. 
Traume von ihr; eine Ausnahme von 
28 der Regel; ich traumte schon von ihr; gewohnlich traumt man 
geliebte Wesen nur in verzerrten, langgezogenen Gesichtern u. 
in geisterhaften, blassen Umrissen; von Nanni [Petsch] hab' idi 
nur 3 oder 4 mal getraumt. -wachende u. traumende: 
das physische Traumen ist das eigentliche Wachen der Seele, wie 
das physische Wachen das Traumen der Seele. 



112 



Sententioser Commentar zum i3ten August, 



Lyrische Faullenzerey gefallt sich in jenem Morgen- 
schlendrian, wo man unter einander schreibt, Clavier spielt, 
Cigarren raucht, Kaflfee trinkt u. der Schlafrok ist der Mond- 
scheinrok der Seele. Fr. Schubert; s.[iehe] oben im 
Comment : [ar] zum 1 5 ten Aug. - Fantasie ausC D ur ; 
Schubert wollte hier ein ganzes Orchester in zwey Handen ver- 
einen u. der begeisterte Anfang ist eine Serapshymne zum Lobe 
der Gottheit; man sieht die Engel beten; das Adagio ist eine 
milde Reflexion uber das Leben u. nimmt die Hulle von ihm 
herab; dann donnern Fugen ein Lied von der UnendKchkeit 
des Menschen u. der Tone. Brief e an Leser mitju- 
niusabenden- man schreibt selten andrer wegen, sondern 
meistens seinetwegen; wir reden in Briefen am meisten von uns; 
das ist eben der Reiz des Briefwechsels u. der gegenseitigen Be- 
antwortung. Wir erzahlen uberhaupt oft Menschen etwas u. den- 
ken, (weil) es miifite, weil es uns angeht, andre eben so (ja[?]) 
angehen. G 6 1 1 e ; seine gewahlte Sprache ist der Abdruk sei- 
nes edlen Werthes ; er wird sogar oft dichterisch u. mahlt u. regt 
durch seine Beschreibungen poetisch an. Kaffeebaum ; gut 
sind die Wirthshauser jeden Falles; wenn Luftposten erfunden 
werden, woran nicht zu zweifeln ist, machen sie aber banquerott. 
Spaziergang ; Menschen sind eigentlich weiter nichts, als 
Spazierganger ; sie suchen sich die Oerter aus, wo sie sich am 
besten befinden. Fantasie aus Xdur Abends; in der 
freyen Fantasie vereint sich das Hochste in der Musik, was wir 
noch in Compositionen d. reinen Satzes vermifien - das Gesetz 
des Taktes mit dem abwechselnd lyrisch-freyen Taktmafie. Die 
Poesie that es in J. Pauls Polymetern u. in den alten Choren; 
Ungebundenheit ist jedes mal genialer u. geistiger als das Ge- 
bundene, daher mein Mifibehagen an den Reimen pp. pp. L e - 
bensschneke ; allerdings gehen wir den Schnekengang u. 
die Eilposten in der Litteratur schmeifien bald um. Quint- 
essenz u. satyrische Skizze; der Mensch kann 
(fast) Alles nachahmen u. vieles werden, wenn er es nicht; nur 
ein Satyriker wird er nicht, wenn er es nicht ist. Flechsig ein 
Satyriker? oho! freylich hat er auch bedeutend in die Welt ge- 
kukt, wenigstens in die Logik u. den Plauischen Hof ! ! - 



8 Schumann, Tageb. 1 1 1 3 



29 Lebensschneke am i6ten August. 

Jasmunds Paukerey 83 - Lieder: Erinnerung, Hirtenknabe, Klage 
- Kaminski - Semmel - Jasmund - Clavierstampfen - Kaffee- 
trinken - schandliches Wetter - der ekelhafte Flechsig - Conzert 
der Kraus-Wranitzky 84 . 



Sententioser Commentar zum i6ten Aug. 



Jasmunds Paukerey; Duell[e] sind meistentheils Schift- 
proben, keine Muthproben; wer sich dem Duelle entgegenstellt, 
hat mehr Courage; die meisten pauken sich gerade aus Furcht 
fur die Andern, die Wenigsten aus Ueberzeugung u. die Aller- 
wenigsten aus wirklichem Muthe. - In den L i e d e r n lernen 
sich die schonen Seelen erst kennen, der Dichter den Compo- 
nisten u. umgekehrt; sie mussen so beschaffen seyn, daft der 
Dichter, war' er Musiker, es so in Tonen ausdriikte, wie im Wort, 
u. daft der Musiker, war er Dichter es so in Worten, wie er in 
seinen Tonen. -Kaminski, ein alt-norddeutscher Steinriese, 
off en, edel, u. gut - S e m m e 1 , ein Opfer der verknochernden 
Jurisprudenz, stolz, ein Spiegel der ganzen Welt, Kosmopolit u. 
Idealist, aber mannlich-erhaben u. liebenswiirdig-edel, episch im 
vollsten Sinne des Wortes oft zu episch, blikt mit Verkleine- 
rungsglasern die Welt an, weshalb sie ihm auch so klein vor- 
kommt, iibrigens leichtfaftlich u. klar - Jasmund, ungeho- 
belter Meklenburger, mifttrauisch aus Ueberzeugung, aber prak- 
tisch u. hart, wie Stein, driikt 014 mit Barentatzen der Vernunft 
die weichen Hande der Muse entzwey - phlegmatisch aus Tem- 
perament - wahrer Barde aus Nichtausbildung - fest, mannlich, 
stark u. muthig. Clavierstampfen, Schander der Ton- 
muse, wie Flechsig, ohne Sinn u. Geist, wie Ochsen oder Vieh, 
die wenigstens 015 (stark) briillen, weil sie keinen andern Ton ge- 
ben konnen - Kaffeetrinken. Der Kaff ee ist 016 das ei- 
gentliche Morgen [n] eglige der Seele (auf); auch stimmt er poe- 
tisch, Flechsig trinkt aus miftlungener Genialitat u. mochte we- 
nigstens Schillern nachahmen, weil er es geistig nicht seyn 

014 „driikt" iiber der Zeile eingefugt. 

015 „wenigstens" iiber der Zeile eingefugt. 

016 Ursprunglidi „macht [?]", durch „ist" uberschrieben. 

114 



kann ; sehandliches Wetter; wenn man irgend Etwas 
vorhat, z. B. Reisen etwa u. es ist gut Wetter, so ist der Mensch 
gleich so ubermuthig u. denkt, der liebe Gott hab' es seinetwegen 
gethan;man raisonnirt auf nichts lieber als das Wetter u.diePoe- 
sie selbst kann es nicht verwehren ; die Pantheisten miissen solche 
zertreten, weil da Gott geschimpft wird. Der ekelhafte 
F 1 e c h s i g ; ein in der Logik zum Klostoffel verkalkter 
Mensch u. der niedrigste, erbarmlichste Egoist - ohne Geist u. 
ohne Prometheusfunken - ich konnt' ihn morden. - Conzert 
der Kraus-Wranitzky; ich war nicht drinnen schon 
war* es, wenn Conzerte offentlich u. unentgeldlich waren u. San- 
ger von der Regierung bezahlt wiirden ; vielleicht dafl dann ein 
offentliches Leben bewirkt u. von fremden Kiinstlern unsere 
Blutpfennige [nicht] fortgeschleppt wiirden. 

Der schlimmste Trost ist, sich mit Andern zu trosten; freylich 
glaubt man, unser Schmerz werde erleichtert, wenn Andere mit- 
dulden; das ist auch so ein Barbarismus unseres Geistthums. 

Aus den Juniusabenden. 
O es ist jener stille Engel in der Brust, den keine Zunge nennen 
u. keine Lippe aussprechen kann, welcher die zerrifienen Men- 
schen in dem Blumen- u. Dornen-labyrinthe des Lebens vereint 
u. den gefuhlreichen Herzen schone Minuten giebt, die kein Le- 
ben u. keine Zukunft aufwiegen konnen, bis der finstere Damon, 
der jedes Gluk im Leben haBt, das Schiksai, mit seinen Thranen 
zwischen die Seelen tritt und die Rosenfesseln zerschmettert, die 
der Genius flocht u. den erschrokenen weinenden Engel der Men- 
schen fortfiihrt u, den Menschen weiter nichts zuniklaik, als Freu- 
denzahren fur die Vergangenheit u. Schmerzensthranen fiir die 
umwolkte Zukunft. 



1 7ten August. 
Man faullenzt nie lieber, als wenn man vor Geschaften nicht 
weifi, wo aus u. will nicht lieber arbeiten, als wenn man gerade 
nichts zu thun hat. 



Lebensschneke am iyten August. 
Sonntagsmorgen - Hamanns Briefe an Jacobi u. Jacobis Allwill 85 
- Einiges aus Menzel 86 - Duett mit Taglichsbek 1 Uhr - Sem- 
mel - Schach - der arrogante - Bohner - Frenkel - der einsei- 

8+ 115 



tige Pabst - Kneipe - Gotte - Witze iiber Ueberirdisches u. ge- 
heimnifivolle Bestiirzung - Tod - Fesdurtantasie. - 

Sententioser Commentar zum 17 ten. 



Sonntagsmorgen ; ist 017 der heiligste Morgen; auf jedem 
Wesen ruht der stille Hauch der Andacht u. Heiligkeit - H a - 
manns Briefe die geist- u. lebensvollste Selbstbiographie 
u. die herrlichste Copie des treff lichen Originals - J a c o b i 's 
A 1 1 w i 1 1 s. [iehe] spater -Einiges aus Menzel dgl. 

Lebensschneke am i8ten August. 
Glafi u. Schach - Brief an Leser mit Juniusabenden - Katfee- 
baum mit Renz - Reiseplan nach Weimar - Stumpfsinn u. Trub- 
sinn u. Wahnsinn. 

Lebensschneke am icjten August. 
Vater Flechsig - Spaziergang auf dem Markt - Walther - Wiek 
Clavierstunde - Polonaisen von Schubert mit Bohner - Erhei- 
terung - Gotte - Renz - Kaffeebaum - Spaziergang - 



31 Fortsetzung zum iyten Commentar. 

-Duett mitTaglichsbek; Musikduette werden leicht 
Herzensduette u. die Unterhaltung u. Sprache der verwandten 
Seelen; dann haben sie den schonsten Werth. Das vierhandige 
Clavierspiel bleibt doch der schonste erste Genuft. S e m m e 1. 
Schach. Semmel's Charakter wird leicht im Schachspiel kund, 
schnell, rasch u. jede Zogerung sclieuend. Arroganz ist un- 
ter jeder Form, jeder Bedingung verhafk u. ekelhaft. Ihr gleich- 
werth folgt der Uebermuth u. dann der Stolz. Bohner, un- 
gebildet, charakterlos, unkraftig, oft seicht, aber gut zuganglich 
u. klar und beobachtend. Frenkel, ein fader Nachsprecher, 
wie es Billionen giebt - der einseitige Pabst- aus Giin- 
ther's Schule, blinder Verachter der Landsmannschaften; Ein- 
seitigkeit springt oft aus Vorurtheil. Kneipe- zweifelsohne 
ein Ding, das kneipt, wenigstens den Geldbeutel -Gotte- er 
war lustig oder schien es ; aber hinter seiner Lustigkeit stekt ein 

017 Urspriinglich „der", durch „ist" iiberschrieben. 

n6 



geisterhaftes Grauen, u. es bedeutet Ungluk; (es giebt) man be- 
findet sich schlecht dabey u. man merkt es nur gut zu gut, wenn 
er Lustigkeit affectirt; es giebt aber Menschen, die wie von Got- 
tes Finger gezeichnet sind u. ewig triibe u. wenn sie lustig sind, 
dann bricht bestimmt ein Schmerz herein. Audi hier brach er 
herein ; Die Witze iiber Oberirdisches taugen nicht 
viel, so'wohl man sich auch darin gefallen mochte; sie sind ge- 
wohnlich Vorboten eines Ungliiks; der Mensch versuche die 
Gotter nicht. 87 T o d ist der Schlussel zu alien Rathseln u. Ana- 
grammen des Lebens - u. doch am Ende auch nicht. F e s dur - 
f a n t a s i e ; aufgeregt darf man beym Fantasiren nicht seyn; 
man wird es unbemerkt. Fes dur die eigentliche Favorittonart 
des Sensenmannes - 

Lebensschneke am 20steh August. 
Arbeit iiber Genial-Knill-Original- u. andre -itaten - Schuberts 
Variationen u. Vater Flechsigs prosaisches Impromptu - der Lei- 
chenzug - Spaziergang mit Jasmund in's Rosenthal, Schiegnitzers 
Gartenconzert - Agnes [Cams] u. die Lieder - Pistolenduell u. 
Entschleierte Gefuhl - geheimnifivolles Gliik u. fatscher Eid - 
Traume von Agnes [Carus] u. Clara 88 . 



Lebensschneke am 2 1 sten August. 
Glafi u. Schach - Sonate melancholique bey Cams - Semmel und 
Schach - Zeitungen - Einsamkeit - Plauischer Hof u. Croques 
- Bohner u. betrunkne Variationen - Traume von Mondregen- 
bogen. 

Lebensschneke am 22sten August. 
Horlbek - Renz u. Courage - Kneipe - Schutz - Reutel - Vater 
Flechsig u. „Nimm's nicht iibel ["] - Einformigkeit. 



22sten Aug. 
„ling ' ist ohne Zweifel die schonste Endsylbe - Saugling u. Erst- 
ling, Jiingling u. Friihling u. Liebling 018 ; welche schonen, sanften 
Worte, u. wie dammert in jedem die Aurora, die die Sonne 
bringt! - 

018 Ursprunglich ^Erstling", „Erst" zu „Lieb" verbessert. 

117 



Flechsig griff mich freylich bey meiner schwachsten Seite an, 
beym Gefuhi; u. wenn mich einer um Verzeihung bittet, so kann 
ich 019 toben[?], u. ich hatte ihn in diesem Augenblike umarmen 
u. sagen konnen: sieh! das hab' ich geschrieben u. du kannst um 
Verzeihung bitten. 

2 3sten A.[ugust] 
Schmerzen im Leben sind wie Dissonanzen in der Musik; sie 
haben grofien Reiz; aber man verlangt doch nach der Auflosung. 



Zur Lebenschneke am i8ten August. 



G 1 a fl - ein Kind u. Opfer unseres Jahrhunderts, dem nicht 
einmal der gewisse Grad von Gutmiithigkeit u. Offenheit zum 
Verdienste angerechnet werden - korperlich schwach u. geistig 
verdorben - iibrigens Poetaster u. Mondscheinstutzer am Tage. 
-Brief anLeser; iiberhaupt mochte ich alle meine Briefe, 
die ich je schrieb, zusammen einmal lesen; ich wiirde am Ende 
verwundert fragen : bin ich das? - Kaffeebaum u. Renz 
v. 020 ; Reiseplan nach Weimar; nach Weimar zieht es die 
Deutschen gewaltig hin; es ist auch einzig in der ganzen Ge- 
schichte. Uebrigens macht man nie lieber Reiseplane, als wenn 
man gemachlich auf d. Canappe sitzt oder zum Fenster hinaus 
das schone Wetter lobt u. ausruft: [„]wie schon war* es, wenn du 
jetzt draufien herumschwarmen konntest!" - u. wenn man drau- 
fien ist, so denkt man an die muden FiiCe u. ruft verdriefilich aus : 
ach ! lagst du doch zu Hause auf deinem Kanapee u. besahst den 
schonen Himmel zum Fenster heraus. - Stumpsinn u. 
T r ii b s i n n pp. - ich bin es allerdings oft u. die Lebensgeister 
sind oft wie verschwunden u. ich war schon oft dem Wahnsinn 
nah, dafi ich mich nicht mehr recht auf mich selbst besinnen 
konnte - 

Zur 021 Lebensschneke am i9ten dieses. 



Vater Flechsig - kam friih an, der alte biedere, edle, 
threuherzige, nur zu massive u. solide Mann, so wenig genial 

> 19 Das folgende Wort nicht lesbar. 
020 Das folgende Wort nicht lesbar. 
&21 Anstelle von „Z" urspriinglich „Le". 

ir8 



wie Flechsig Sohn u. am Ende ist mir Bestimmtheit noch lieber, 
als Zwitterhaftigkeit. W a 1 1 h e r , ein ungliiklicher Mensch mit 
Spuren verpfuschter Genialitat, weich u. menschlich, aber meist 
affectirt u. das trifft nicht - am Ende audi moralisch verdorben, 
u. das ist das Schlimmste von Allem. 

Polonaisen von Schubert - lauter aufbrechende Gewitter- 
stiirme mit romantischen Regenbogen uber feierlich-schlumernde 
Welten. Erheiterung; ich bedarf der Erheiterung, das 
fiihl ich wohl und fiihl, es auch, wie schlimm es ist; aber meist bin 
ich es aus verhiillten, mir unbekannten Sachen u. es folgt ge- 
wohnlich ein Wetter darauf - R e n 2 - die Herzensgiite selbst 
- bieder - kraftig - edel u. offen, natiirlich u. biegsam u. lenk- 
sam ; nicht v e r bildet (und) hat er 022 noch einer bildenden Hand 
nothig; ich habe ihn herzlich lieb. -Kaffeebaumu. Spa- 



2 i e r g a n g v. 023 



Zur Lebensschneke am 2osten August. 



Genialitat - auf jedem Fall ein sehr genialer Aufsatz, we- 
nigstens unlogisch u. Genialitat ist gerade kein Schoofikind der 
Logik. Schuberts Variationen -zu hoch fur die jet- 
zigen Menschen u. zu iiberirrdisch, so klar sie sind, so kann man 
sie doch im ersten Augenblike nicht fassen ; dies hat er mit Beet- 
hoven gemein. Impromptus solcher Art erlebt man oft u. 
man wird gleich wieder zur Erde gezerrt, wenn man Miene ma- 
chen will, aufzufliegen. Leichenzug ohne Glokengelaute 
u. Musik oder Gesang zerknirscht; die mit Musik erheben u. 
stimmen zur Andacht. Agnes [Carus] u. d i e L i e d e r ; sie 
lernte sie schon besser (zu) verstehen; es waren meist meine 
ganzen Gefuhle in (Wort) Tonen wiedergegeben. Pistolen- 
d u e 1 1 ; es gab mir Gelegenhek, einmal die Convenienz zum 
Teufel gejagt zu sehen; sie fafke mich mit spruhenden Augen 
beym Arme pp. entschleyertesGefuhlist (sich) regen 
dieser ekelhaften Convenienz, da Menschen den Schleyer nicht 
aufheben wollen, um Sterbende zu sehn ! geheimnifivol- 
les G 1 u k - in jedem Gliik Hegt so etwas Geheimes, Ueber- 
irrdisches, als wagt' es unser Herz nicht, gluklich seyn zu wollen. 

022 „hat er" iiber der Zeile eingefiigt. 

023 Das folgende Wort nicht lesbar. 



119 



falscherEid- Die Roile mufk' ich durchfuhren, ich mochte 
wollen oder nicht. 

Zur Lebensschneke am 2isten August. 
Glafiu. Schach v.^ 2 " 1 - § onate melanc holt que im 
Ehestand giebt es oft ; wenigstens mir schien es so, am Ende war 
ich selbst die Ursache dazu - Semmel u. Schach v. 025 - 
Zeitungen sind ein ordentlicher charakteristischer Zug der 
Deutschen; es hat kein Volk mehr Zeitungen u. kein Volk be- 
darf sie weniger; wer viel Zeitungen hat, bey dem muft wenig- 
stens die Gegenwart nicht groB seyn. 
34 Einsamkeit; war' sie nicht schon zu oft beschrieben u. 
besungen worden, ich besange sie heute noch; sie ist es wahr- 
lich nicht unwerth. Plauischer H o f 'ist recht geeignet fur 
den Ausschufi der Nation, wenigstens will dieser Hof die Hofe 
zerstoren ! - Bohner: v. 026 ; betrunkene Variatio- 
n e n , ich war's wenigstens u. spielte ziemlich lustig. Traume 
von Mondscheinregenbogen, ich traume selten 
schon ; dieser von den Regenbogen war einer von den herrlich- 
sten. Traume sind nach Addison der Monschein des Gehirns. 

Zur Lebensschneke am 22sten August. 



H o r 1 b e k mit viel affectirter u. noch mehr natiirlicher Ein fait 
u. Naivitat - schuchtern aber off en - einseitig u. beschrankt, aber 
gut u. edel. R e n z hat nicht jenen hohen Muth, wie Gotte u. 
paukt sich nicht aus Courage ; jener wahre Muth u. ungeziigelte 
Starke ist ihn aber ganz eigen. Kneipe v. 027 . S c h ii t z mit 
den herrlichsten Geiste, aber wie Giinther einseitig in seinen 
Ideen, Schwarmer wie Rousseau, oft Mystiker u. mehr Gefiihls 
als Verstandesmensch, unklar u. sophistisch, wenn man tiefer 
in ihn eindringt, ubrigens von reiner, edler Begeisterung beseelt 
u. so durchdrungen, da£ jede Faser von Burschenschaft wieder- 
bebt, wie im Resonanzboden jede Faser von den Tonen zittert. 
R e u t e 1 , ein geistloser Stubengelehrter, ungenial, einseitig, 

024 Das folgende Wort nicht lesbar. 

025 Das folgende Wort nicht lesbar. 

026 Das folgende Wort nicht lesbar. 

027 Die folgenden drei Worter nicht lesbar. 



120 



nicht fest in seinen Ideen, prunkend u. stolzierend mit seinen 
Ideen u. trotz des affectirten Deutschthums Verehrer einer latei- 
nischen philosophischen, troknen Nomenclatur, schwatzt ewig 
von Absoluten, Relativen, 028 , Subjectiven u. Objectiven u. ist die 
ekelhafteste philosophische Waschfrau, die ich 2eit meines Le- 
bens kennen gelernt habe. VaterFlechsig, war bedeutend 
unwohl u. es bangt uns fur sein Leben ; Nimm's nicht 
ii b e 1 , ist eine Phrase, die mich gleich wieder versohnt, sie that 
es audi an ihrer Stelle ;Einformigkeit der eigentl [iche] ° 29 
Probierstein unseres eigentlichen bestimmten Werthfes] 029 u. in 
einem reizlosen Leben lernen wir am ersten, was wir sind - 
trotz Allem sind wir doch Nichts. 

Ja Nichts. 



028 Das folgende Wort nicht lesbar. 

029 Innere untere Ecke der Seite mit den beiden Wortenden abgerissen. 



121 



Hottentottiana 

von 

Robert Schumann. 

1828. 

Seinem Freunde Emil [Flechsig] gewidmet 

dem alten Leidens u. Freudens- 

gefahrten. 

Vergl. p. 21 u. 22 des 
isten Heftes. 



Motto : 

Thu an die Zukunft jede 030 Frage, die dir die 
Vergangenhek schon beantwortet hat, noch einmal. 031 
Weine nicht um verwelkte Blumen ; denn sie bluhten 
doch wenigstens einmal u. das ist genug — aber 
weine um die, die vor der Bliithe absterben. 
Will dich einer verlegen machen, so blik* ihn fest 
ins Auge u. er kann dich nicht ansehen; mit dem Un- 
gluk mach' es ebenso u. es fKeht. 

Zweites Heft 



(27. Aug. bis 31. December 1828) 

030 Urspriinglich „keine", nachtraglich zu „jede" verbessert. 

031 „noch einmal" nachtraglich hinzugefugt. 



122 



Notabene an die Zukunft. 

Die Lebensschn : [ecke] enthalt: August. 23. 24.* 25. October: 24. 
25. 26. 27. 30.* 31.* November: 2. 3.* 
4.* 6. 7. 8.* 9.* 11.* 12. 14. 15.* 18.* 19. 
20. 21.* 22.* 23.* 24.* 25. 26. 27.* 28. 
29.* 30.* December: 1. 2. 3.* 4.* 5.* 6.* 
7.* 8.* 9.* 10.* 11.* 12.* 13.* 14.* 15.* 
16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 
27. 28. 29. 30. 31. 



Hottentottiana. 032 



Zweites Heft 



Lebensschneke am 23sten August. 



Juridicum - Herrmann - Heine's Buch der Lieder 89 - Sie - sen- 
timentaler Abschied u. der wahre Victor - Kneipe u. Gottens 
verpfuschtes Duell - trauliche Unterhaltung mit Fl.fechsig] die 
mich heute argert - Ekelhafte Traume - 



Lebensschneke am 24sten Aug: 



Fantasie iiber Duelle - Renz u. Kostrijin - der Handdruk u. der 
moralistische Doctor - Schach, fliegendes - Hirtenknabe u. Po- 
lonaisen von Fr. Schubert - Fantasie u. stummes Gluk - Rum u. 
Franz, [osischer] coccnac pp. 



Lebensschneke am 2 5sten Aug: 
F l'e c h s i g ' 8 Abreise - Brief von Leser - JPauls Aufenthalt 
in der Nepomukkirche 90 - Kaminski - Groq u. Katholizismus 
u. Protestantismus - der Stokkatholik - 



032 Anstelle yon „Hottc" ursprunglich „Lebcns". 

123 



Am 5 ten September. 
Ein aeufterst charakteristischer Zug in Schuberts Polonaisen ist, 
(daft) wie in den meisten seiner iibrigen Compositionen, daft er 
zu seinen schonsten Stellen nie ein Wort, wie: dolce, setzt; er 
theilt dies mit Gothe, der in keins seiner Trauerspiele: riihrend, 
wehmiithig pp. hinzusetzt. Die Werke, in denen viel doice's etc: 
vorkommen, sind es bestimmt nicht, so wie auch schon JPaul in 
seiner Aesthetik 91 sagt, daft die Lustspiele pp., wo „zum Todt- 
lachen" auf dem Titel stiinde, zum Todtheulen u. -jammern wa- 
ren. 



24. Septemb. Zwickau 92 
Ich dachte mir es gleich, daft ich mein Versprechen schlecht hal- 
ten wiirde; wer kann mir aber auch verdenken, daft ich mich in 
diesen ewigen Lust u. Freudentaumel der Natur hersetzen u. 
schreiben konnte. Die vierhandigen Polonaisen miiftten einen 
grofien Theil des Fehlenden in der Hottentotriana machen; doch 
sind sie mir ziemlich gelungen u. der Doctor[Carus] u. sie schie- 
nen erfreut: Solche KnifFe u. Pfiffe schaden mchts u. man kann 
recht leicht seine Leute kennen lernen ; wie sie von Schubert wa- 
ren, da waren sie gottlich, wie von mir, hochstens sehr oder gar 
recht schon. Das [„] Recht" ist iiberhaupt ein recht schlimmes 
Wort; es halt so eine Seite, die man [„]mittelmaBig <l nennt u. 
das ist das allergemeinste u. ungenauste. Mittelmafiigkeit ist mir 
wenigstens nicht unlieber, als Trivialitat. 
40 Ich habe viel Bemerkungen in dieser Zeit gemacht; leider Gottes 
aber fast alle vergessen. Eine fallt mir ein : 
{In) Eine Zeit, wo einmal jeder Nerve des Geistes, Gemuthes u. 
Verstands harmonisch ausgebildet wird, kann niemals kommen, 
so schon auch die Idee des Idealismus u. Molinaismus 93 ist; daft 
e i n Volk irgend einmal eine Stufe erreicht, iiber die wir in der 
Vergangenheit aburthe[i]ln konnen, ist nicht undenkbar; dann 
muft aber auch unser eignes Streben in der Gegenwart gesunken 
seyn. Der Stillstand ist z\^ar absolut kein Riikgang, aber reiativ, 
weil andere vorwarts gehen u. wir einstweilen stehen bleiben. 
Und doch muft [es] ein Hochstes, ein Maximum geben, aber daft 
sie ein Raum einschlieftt, ist undenkbar; denn mit dem ho- 
heren Menschen steigt das Streben u. Wunschen hoher; aber in 
der Zeit bilden die Riesengeister der verschiedenen Zeitalter, 
jenes ungeheure, harmonische Ganze, welches der Menschengeist 
als seine eigne Granze, als hochstes, als maximum, als Ideal, als 

124 



den letzten Granzstein annehmen u. setzen kann. Der Mensch u. 
Gliik u. Zufall pp. bleiben ewig dieselben; jetzt sinkt es, jetzt 
steigt es. - Vieileicht daG aber eine Zeit kommt, wie audi Krug 
voraussagt, wo der Mensch seine letzten u. groGten Ziele er- 
reicht, vieileicht daG er auf Luftschiffen die diinne Luft durch- 
schneiden kann, u. daG er die Sterne, wie die 033 neue Welt berei- 
sen kann, vieileicht daG diese Sterne hohere Welten sind, aber 
mit hoheren Menschen, vieileicht daG wir von Sternen zu Sternen 
fliegen u. schauen konnen, um was wir weinen; aber der Jahr- 
tausende giebt es noch viele etc. Die Zeit pflegt langsam ihrer 
Kinder, die sie gebar u. der Mensch muG noch viel dulden u. vie! 
weinen, ehe diese Minute kommt! 

Dreyklang, heihges Wort; wie der Kreis die Vollendung des dy- 
namischen Reiches u. der Korperwelt, das bist du der atonisti- 
schen u. der (Seelen) Welt des Gemuthes u. dem Geisterreich - 
beydes die hochste Vollendung! 

9ten October. 
Allerdings spielt die Zeit mit den Menschen; aber der Mensch 
spielt audi mit der Zeit. So ist's, so wird's ewig bleiben. 

Ich war 10 Tage in Schneeberg unter lauter guten u. menschlichen 
Menschen ; die vierhandigen Variationen von mir sind finster u. 
trube, aber voll von Fantasie; die Polonaisen kommen mir recht 
ledern vor; so gehts mir; das Neue verdrangt allemal das Alte 
u. das Jiingstgeschaffene steht mir allemal am hochsten. 



Du gute, gute Hottentottiana, die du alle(n) stillen Freytage u. 
alle(n) Freuden u. Pfingsttage meiner Seele abspiegelst - du wirst 
einst manche Thrane abtroknen, die fliefien will - o du bist fur 
keinen Menschen geschrieben, nur fur mich u. fur meine ein- 

samen gluklichen Herzensabende ! 

Wer Dich liefk, er sey mild u. menschlich, wie Jean Paul ; es sind 
alle gluklichen Thranen treu nachgemahlt, so treu u. offen, wie 
mein ganzes Herz der Welt u. alien Menschen offen steht; ach 
ich war oft wohl trube, recht zermalmt u. zerknirscht, o da floh 
ich zu dir u. die Thranen u. der Zorn wurden fiihlende Worte 

033 „die" uber der Zeile eingefugt. 

125 



u. die Seek weinte nicht mehr, weil sie reden u. sprechen durfte. 
Wohl! sie hat es!- 

Am i8ten Oct. 28. 
Achtzehnter October! 94 ---------- 



Um die Menschen, die sich um keinen Menschen bekiimmern, 
wird sich gerade am meisten bekiimmert. 



Feftlers Alonso 95 vereint die Poesie der Idee, Poesie der Tone u. 
Poesie der Formen - Mystiker ist er. 



Die Grundidee im Titan scheint doch die Auflosung der Frage 
zu seyn: wie muft ein Fiirst gebildet werden? - Auflosung: er 
mufi durch alle Schulen im Leben gehen u. gerade das Leben ist 
die beste Schule. So diinkt es mir wenigstens. 



Gute Lebensschneke, auch du crepirtest? 



L[ei]pzig, am 26sten 
^Am 11. gings fort. Mit recht wehmuthigen Herzen nahm ich 
vom Mosler Berge herab mit einem langen stummen Blike Ab- 
schied von der ganzen theuren Heimath ; der herbstliche Morgen 
glanzte wie ein milder Friihlingstag u. die beglanzte Welt la- 
chelte mich auf meiner schonen einsamen Wanderung so innig 
u. freudig an. Der Augenblik der Trennung von geliebten We- 
sen u. der Abschied giebt unserer Seele den weichen, wehmiithi- 
gen Mollaccord, der selten tont; alle Gloken der vergangenen 
Kindheit, der Gegenwart u. der Zukunft flieften zu einem 
Accord zusammen - die leuchtende Zukunft mochte die Vergan- 
genheit gern verdrangen u. so kampfen weiche, unbe- 
stimmte Gefiihle in unserer Brust einen s a n f t e n Streit - o 
dann kommt jener stille Engel der Wehmuth, der uns gern Thra- 
nen bringen mochte, aber keine geben kann, weil er selbst la- 
chelt - dieser liebliche Regenbogen der Seele, wenn die 
Sonne leuchtet u. die Himmelsthrane doch niederthaut - diese 
Wehmuth, wenn das Herz voll ist u. gern uberstrdmen mochte 

126 



u. weint u. lachelt u. wieder weint. - Ich ging langsam meine 
StraBe fort mit wechselnden, schwanken Empfindungen ; im 
Walde sang nur noch schwach ein verlorener Vogel u. auf dem 
Fahrweg trieben die Fuhrleute langsam ihre 
Pferde; nur die fallenden Blatter des leuchtenden Herbstes ra- 
schelten manchmal; sonst war Alles so ruhig, so erhaben still u. 
das Herz ward weich u. mild gestimmt. Auf einen Feldrain setzt' 
ich mich nieder u. friihstukte recht froh im Herzen u. der Rinder- 
braten u. die geschmierten Semmeln schmekten mir besser, als alle 
Indianische Vogelnester u. die Delicatessen in Leipziger Hotels. 
Der Abend war herrlich u. die Seele ward ein stiller Freytag; vor 
Altenburg setzt* ich mich noch einige Stunden hin u. ruhte sanft 
u. sah der sinkenden Sonne nach u. das Bild der siifienHei- 
math trat schiichtern u. leise vor die Augen, was, wie die schei- 
dende Sonne, glanzend u. errothend, wie ihr letzter Strahl still 
u. stiller in die Graber der Vergangenheit hinabsank. Therese 
[Schumann] stand vor mir u. sang sanft: stifle Heimath. Und wie 
ich Abends im Einschlummern war, da wehten alle Minuten des 
Tages u. der Vergangenheit noch einmal dunkel voriiber u. wie 
das sanfte Echo der Seele hort' ich, wie die Tone zerflossen u. 
verklangen u. wie der Tezte noch schwach zitterte: siiGe Hei- 
math. Dann schlief ich selig ein, aber ich traumte nicht — denn 
der Traum wollte den Schlummer des Wanderers nicht wecken. 
O ich habe in Zw[ickau] Stunden genossen, die Tage in Leipzig 
aufwiegen; jene stillen Herbstabende der Heimath, zugleich 
Wonneabende des Herzens, jene vergoldeten Hohen u. die bjii- 
henden Thaler, o dieses ganze Stilleben der Natur u. der freund- 
lichen Menschheit wiegt kein Leipzig mit alien seinen Conzerten, 
Theater pp. auf. Und doch - wie ich wieder in meine alte Stube 
trat, u. wie Alles wieder so war, wie ich es verliefl, da funk* ich 
mich, ich kann sagen, zum erstenmal heimisch in Leipzig- wie ich 
dann Alles an seine alte Stelle gelegt hatte, da war es mir, als 
ob mir mein Herz zuflusterte: der Winter wiegt alle deine 
Schmerzensstunden wieder auf. Wohlan denn - ich will hoffen 
u. wenigstens heimisch s c h e i n e n , da ich es doch nie seyn 
werde; selbst die Liebe an d. Heimath, diese allerzarteste, kann 
zur Schwache werden, so bald sie sich mit keiner Gegen- 
wart befriedigen lafk u. das Verlorene nur beweint - u. schwach 
will ich u. darf ich nicht seyn. 



127 



Lebensschneke am 24sten 
Kaminski - schwarzes Brod - Mertens - Cosi fan tutti von Mo- 
zart ' - Siifimann - u. der kleine Vierling. 

Dito am 2 5sten. 
Ueber Mahlerey - Vaterunser von Mahlmann u. Himmel 98 - 
Schach m.[it] Groth, Semmel - Flechsig Zwicatwiensis - Renz 
u. die Schmieren - Theater - Hamlet v. Schakespeare" - Knelpe. 

Dito am 26sten. 
Noak - Semmel - Schach - Flechsig - Fuchskey - Brief an The- 
resen [Schumann] - versehener Don Juan - Nobligkeiten - Kai> 
feebaum - a la boile - der Komiker Hartmann. 

Dito am 27sten. 
Lehnrecht bey Weiske - Deutsche Geschichte 0;n - der musikali- 
sche 035 Wieck - Scalen - Institutionen bey Otto - Brief von Ro- 
sen - der blasse Kaminsky - vierhandige Polonaisen - Vater 
Glok u. die Tartinische Septime - uber Fliigel pp - Arabesken 
v. W. Sihler 100 , Bettlecture - Hamlet - Dialoge - 

43 Lebensschneke am 3osten 

3ister Oct.[ober] : Luthersfest 
Grabbed Herzog Theodor von Gothland 101 - Abonnement Con- 
zert 102 - Ouvertiire aus Coriolan von Beethoven - Scene von 
Generali - Clarinettenconzert von B. Crusell - Duett aus Zel- 
mire v. Rossini - Simphonie aus D maj : [or] (Nro : 2) - Ent- 
ziikung - Thee solo bey C.[arus] - Schottische Lieder von We- 
ber - Ballade des Sangers Fluch von Uhland und Kreuzer. 



Dramatisches Talent hat Grabbe durchaus nicht; es ist jener 
wilde fressende, atheistisch verzweifelte Schmerz, der 
durch die Gothlands rast; Schlag auf Schlag u. Sturm durch 
Sturm - lauter Teufel u. niir ein oder zwey gute Menschen - 
grofi u. vollendetu. versohntin sich ist keiner von 
alien - u. das ist der grofite Fehler. Theodor von Gothland 

034 Das fblgende Wort nicht lesbar. 

035 Das folgende Wort nicht lesbar. 

128 



konnt' es seyn, hat aber keine i n n e r e Wahrscheinlichkeit u. ist 
aufterdem schwankend u. kindisch, wie eine Puppe; sein Vater 
Gothland ein Riesengeist konnt* es seyn, verfallt in eben dieselbe 
Schwache in der SchluGscene ; wenn grofie Manner, selbststandig 
u. vollendet in der eignen Brust, handeln, was sie nach Ueber- 
zeugung thun mufien u. war es auch ein Mord u. selbst Kindes- 
mord oder Brudermord, so muB er auch stets versphnt in 
sich bleiben u. nicht kindisch bereuen, wie Grabbe selbst so oft 
ubermenschlich sagt. Das Stuck hat eigentlich keinen Knoten, zu 
dem alles vorbereitet wurde, auf den sich Alles bezoge, kein 
Centrum - es geht wie eine Shakspearsche Tragodie gleich- 
sam historisch fort u. lafit unseren Geist keinen Blik auf die 
Zukunft werfen, weil die Banden zu stark sind, die es um die 
Greuel der Gegenwart, des Eben-vorgesteliten fesselt. - Grabbe 
zerreiftt alie Fesseln der Harmonie - sein Stiik ist eine grofie 
unaufgeidfke Dissonanz - er stieft das ganze Weltgebaude um, 
glaubt keinen Gott u. keinen Menschen, glaubt an Vernichtung 
u* zersprengt alle Fasern im Menschen u. alle zarten Gefiihle u. 
Nerven, die von jenen groflen versohnenden Geist der Harmonie 
zittern u. widerhallen. - Und doch trotz diesem Allen ist dieser 
Gothland ein Trauerspiel ohne Vergleich, ein einziges, wie es 
noch riicht geschrieben worden ist - o dieser Grabbe mu£ ein- 
mal schon sehr tief, sehr tief gesunken seyn u. Manches erfah- 
ren haben - er erinnert oft an die Bizarrerie in den Heinischen 
Liedern, jenen brennenden Sarkasmus, jene g r o 6 e Verzweif- 
lung, alle die Caricaturen von Hoheit u. Wiirde hat er mit Heine 
gemein. Grabbe hat auf jeden Falle auch lyrisches Talent; auch 
Hogarth war Landschaftsmaler - u. sein Carikkiren wird 
ewig bleiben. Ich konnte noch Manches u. Vieles schreiben - doch 
mocht* ich lieber ein h a 1 b e r Grabbe seyn, als ein Dutzend 
von seinen Rezensenten mit der Brille u. den Achselzucken ! 



Lebensschneke am (aten Novemb:) 31 October. 
Kaffeebaum - Reformationsfest - Kneipen - Feyer - Lied von 
Giinther - Ein feste Burg -das fidele Kleeblatt u*.der Brumm- 
baar - Aufbrummerey - Vater SiiCmann der Liberale - Groq - 
der kleine Vierling u. die kleinen Geister - 

Dito am 2ten November 
Oberon 103 - getauschte Erwartung - hollischer Applaus u. Bravo- 
rufen - Dialoge uber Musik pp. mit d. Stubenknochen 63 . 

9 Schumann, Tageb. 1 12^ 



44 Lebensschneke am 3ten November. 

Kaffeebaum - Fuchskey - Alippi - Champagner u. Caviar - 
Fideliteten u. Fatalitaten - Straftenscandal - Bdhner u. Schulze 

- der Hundsfott — Deprecation 104 u. Ohrfeigen u. Geschopfe 
Gottes u. Schwachlinge - u. dumer Mensch - Ein Abend voller 
Schrecken. 

Dito am 4ten November 
Ehrengericht wegen Vater Renz - Dr. Carus - der Stein - 
Freundlichkeit - der feine Cousin u. die feine Cousine - Whist 

- Leipziger Lerchen - Schach - schlechtes Accompagnement der 
Cousine u. des Cousins. 

5 ten November. 
Eine Uhr ohne Zeiger ist wie ein Chaos ohne Anfang u. Ende - 
die zertriimmerte Zeit - die uniibersehliche Ewigkeit 



036 F1. [echsig] ist ein schwacher, erbarmlicher Mensch ; voll Eigen- 
nutz u. Egoismus, Rechthaberey, wenig Fantasie und Unverstand 
u. viel Unsinn. Uebrigens wurde viel Groq getrunken. Kuntze, 
der eifrige Jurisprudenzist, war auch dagegen, doch jezt nimmt 
er das Licht in die Hand u. steht vom Canapee auf - er geht 
aber wirklich nicht zu Bette, sondern liest noch in Hildegard von 
Hohenthal 105 - iibrigens bin ich ein ganz kiein wenig knill. Doch 
trost ich mich, dafi morgen Conzert 106 ist, u. ein Schwann von 
schonen Jungfrauen, meines Busens Ideale, mein Herz voll 037 - 
O jetzt ist Alles triibe - sonst war es doch anders u. lichter u. 
klarer, aber jetzt ist Ailes so tnib, so scheu vor dem Lichte. - 038 
Flechsig ist ohne Zweifel ein Kieinigkeitsgeist, ein 03i) sonder 
Gleichen, schwach u. unmannlich; er fiihrte Bohner'n an u. sagte, 
dafi ich lustig gewesen ware. Niedertrachtigster Hanswurst I Ich 
jemals lustig! ich jemals eigens 040 

Uebrigens scheue ich mich nicht im geringsten, wenn Flech- 
sig 04i . Deshalb du gescheuter Esel gen' ich heute nicht zu Bette, 

036 Die Eintragungen von hier bis zum Schlufi von Seite 46 wegen fluch- 
tiger, sehr unregelmafiiger Schrift nur schwer lesbar. 

037 Das folgende Wort nicht lesbar. 

038 Die folgenden acht Worter nicht lesbar. 

039 Di e folgenden drei Worter nicht lesbar. 

040 Die folgenden achtzehn Worter nicht lesbar. 

041 Die folgenden neun Worter nicht lesbar. 



130 



als bis er seine starken Knochen ins Bette legt; er ° 42 erst Gute 
Nacht ersann, aber der eledene, erbarmlich Mensch irrt sich u. 
gahnt, wie ich eben vernahm, gewalrig. Ich schreibe heute etwas 
undeutlich, mein Freund, mein Liihe schrieb mir heute in einem 
herzlichen, freundlichen Brief; er kann nicht oder vielmehr, er 
thut es nicht, weil er nicht kann; eigentlich kann der Mensch 
durchaus Alles, was er will, aber das kann er nicht. 
Ach! heut iiber's Jahr, wie die Bliithen des ewigen Lenzes iiber 
mich glanzen: Alles urn mich herrlicher Fruhling ist, wie will 
ich jubeln u. jauchzen u, dieser erbarmlichste Stubenknochen, mit 
seinen niedrigen, verschrobenen, ungenialen Ideen des 
Nicht - der, Pastor Theologiae, als frommer Arzt der Welt, der 
alle Tage ° 43 zu Bette geht, ° 44 , solche erbarmliche egoistische, 
vernunftkalte u. feme Menschen giebt es heute zu Tausend - 
solche erbarmliche Figuren, solche echte Eselsnaturen, die ge~ 
machlich auf ihrem breiten Ochsenweg wandeln, weil sie (u. mit 
Recht) glauben, sie fallen in den Chausseegraben. Uebrigens 
denkt dieser erbarmliche Mensch, ich sey schwach; ach du 045 
Morgen ist Conzert, die Militarsymfonie von Haydn, eine Arie 
von Mozart aus Cosi fan tutte, ein Conzert von Taglichsbek, ein 
Festmarsch von Spontini, eine Arie von Rossini wird vorgetra- 
gen u. ich bin gliiklich bey dem Gedanken. 
Jetzt ist es 1/2 12 Uhr u. der besoflene Schweinehund u. Tauge- 
nicht ging eben zu Bette; darum will ich aufsein, denn der 
Schweinehund denkt audi ich schreibe wegen ihn. Solche 
Schweinehunde ° 46 , u. solche, die sich f iir ° 47 glauben, giebt es zu 
Billionen u. so ° 48 Flechsig oft alien Sinn fur irgend etwas Hohe- 
res. Schauernd ° 49 philosophisclies Vieh. 

Ja! u. was ich morgen friih 050 , wen ich diesen Sinn u. Unsinn 
lese! er macht noch sehr viel Rumor u. Scandal u. zieht eben 
die Stiefel aus u. wagt noch Clavier zu spielen - dieses unmusi- 
kalische Vieh, ohne jeden Sinn, ohne Geist, ohne Seele, ohne 

042 Die folgenden vier Worter nicht lesbar. 

043 Die folgenden sechs Worter nicht lesbar. 

044 Das folgende Wort nicht lesbar. 

045 Die folgenden funf Worter nicht lesbar. 

046 Die folgenden funf Worter nicht lesbar. 

047 Das folgende Wort nicht lesbar. 

048 Die folgenden drei Worter nicht lesbar. 

049 Die folgenden drei Worter nicht lesbar. 

050 Das folgende Wort nicht lesbar. 

9* 131 



Ausdruk - eine todte Mumie - ein ° 51 - der besoffne Schwein- 
igel spielt doch noch Clavier u. will mich versohnen. 052 u. sich 
nach dem Schliissel sehnen zum Pult, wo die Hottentottianenlust. 
Jtzt geht er zu Bette, der dumme Junge, der einfaltige Mensch: 
ohne logische Vernunft, ohne alien Sinn, ohne Geist, ohne Seele 
- der ungeheure Schachspieler der Zeit! 

Das soil nur ein jugendlicher Ausbruch der erwachten Seele seyn, 
voll Zorn u. innerer Kraft, die sich nicht verkennt, weiter soil es 
nichts seyn: solche Menschen, wie der, ohne Sinn Geist, u. Seele 
giebt's noch zu Billionen, 053 . Jezt hat er den Stuhl weggerukt u. 
erkiihnt sich noch in meiner Seelenmuse zu lesen. Agnes [Carus] , 
gut Nacht, du himmlische, himmlische, himmlische, himmlische, 
himmlische, gottliche, gottliche Agnes, du gottliche Frau des 
Doctors. Gute^ Nacht Agnes, Liddy [Hempel], Agnes, Emma 
[Liebenau] , Emilie [Lorenz] , Nanni [Petsch] , Nanni, Ida 
[Stolzel]. 

Jetzt ins Bette 

47 Lebensschneke am 6ten November. 

Abonnement-conzert - Militarische Symphonie von Haydn - 
Scene aus Cost fantutti von Madem. Grabau - Variazionen vor- 
getragen u. componirt von Taglichsbek - Preghiera aus Moses 
v. Rossini - Ouvertiire aus Olympia - Quintett u. Chor aus d. 
befreyten Jerusalem von Eberwein - Festmarsch von Spontini. 



Lebensschneke am 6ten 054 November. 



Hildegard von Hohenthal - Ueppigkeit - W. Heinse - Bohner 
revozirt - 

Dito am 7ten November 055 . 



051 Di c folgenden funf Worter nicht lesbar. 

052 Die folgenden sieben Worter nicht lesbar. 

053 Die folgenden vier Worter nicht lesbar. 

054 Anstelle von „6" urspriinglich ,,7". 

055 Urspriinglich „Dezember", „Dezem" durch „Novem" (iberschrieben. 



132 



Roller - Walther - Semmel - Beutler u. Schach - Schulze 
Fantasie u. Prosa - sonst Nichts? nein. 



Dito am 8ten November. 
Deutsche Rechtsalterthiimer 107 - Grabbe - Marie u. Nannette - 
Scherz, Ironie u. tiefere Bedeutung - Marius u. Sulla - iiber die 
Shakespearomanie 108 - Zerstreuung - Fl.[echsig] iiber die Mei- 
nung, Wahn u. Glauben - Mozart's Rondo aus A minor - 
Abends - Meine Variatlonen - Diistere Rezension iiber Diister- 
heit - Schwarmerisches Accompagnement - Platens Romanzen 
u. Composition - Kreuzersche Lieder - Lieder von A. Lister 

- Composition der Schillerschen Ideale 109 - Spohr sche Lieder - 
Abschied - Kneipe - Groq - Renz affectirt Knillitat u. die Bur- 
schen affectiren Lacheln - Alippi - Burgunder, Caviar u. Lachs 

- Renz wird contractwiithend u. rempelt. (Brief von Clara 
Kurrer) . 



Marie u. Nannette ist auf jeden Fall das schwachste u. fade- 
s t e von alien Stiiken Grabbes; Plan u. Anlage sind trotz ihrer 
Gemeinheit noch dazu unwahrscheinlich u. unnatiirlich. 
Jenen tiefen Groll, den man so oft in den Gothlands findet, sehen 
wir audi hier nur in so fern gemildert, in wie fern das Stiik unter 
einem andern Himmel spielt, unter den italienischen. Einzelne 
Schonheit machen den Werth eines Stuks durchaus nicht 056 , wenn 
nicht das Ganze harmonisch u. versohnt am Endezu- 
sammengreift. Das Lustspiel ist eine Satyre zu seiner Zeit; 
daB er die Dresdner Poetaster schilt, ist gut; dafi er aber edle, 
milde Frauen verhohnt, ist um den gelindesten Ausdruck zu 
brauchen, unzart, wenn nicht arrogant oder unartig. Da das 
Ganze eine leicht verstandliche Carricatur seyn soil, 
so kann auch niemand tiefen, geistreichen Witz, wie J. 
Paul, suchen. Marius u. Sulla ist in dieser angelegten Scenerie, 
das grofiartigste historische Stiik, das je 
geschrieben ward; in andren historischen Dramen u. Novellen 
scheint die Geschichte weiter nichts, als ein t a n z e n d e r 
C a t o zu seyn; in diesen ist es der strenge Richter, der von den 
Blumen der Poesie wohl umwunden u. bekranzt, aber 

056 „nicht u iiber der Zeile eingefugt. 

133 



nicht verhullt u. zugedeckt wird. Und so muG es 
seyn. Grabbe muft ein defer Historiker seyn u. hat auch einen 
der gewaltigsten Momente Rom's gewahit, jenen Moment, wo 
das Volk gespalten, die Meinungen schwankend sind und in die- 
sen ewigen Strudel u. Sturm-himmel 057 (die) Kometen u. Fix- 
sterne des Sulla, Marius, Catilina, Pompejus u. Cirma glanzen 058 . 
Keine Person ist hier ohne Bedeutung; alle greifen zusammen, 
um e i n Bild von Rom zu geben u. alle sind verschiedenen We- 
sens. Die Tribunen Flavius u. Saturn: 059 bilden eine Welt; Sulla 
ist ein tief (gestal) gefuhlter, vielgestalteter Heros, der Marius 
fast verdunkelt; der junge Catilina u. Pompejus bilden 
schon[?] eine Vorzeit[?] en miniature, die sich trotz ihres Ent- 
gegenstrebens im Hauptpunct wiederfinden. Auch der junge Ma- 
rius ist vortrefflich angelegt u. hoch-tragisch, wenn mein 
Gefixhl nicht irrt. - Auch das romische Volksleben in Rom ist 
uniibertroffen dargestellt u. aufgefafk; das ist der R6- 
mer, das ist Rom, mufit' ich ausrufen, wie ich las. 



Lebensschneke am 9ten Novemb. 
Schlafpelzcommoditaten - Walther - die Quartettgesellschaft 
bleibt weg - grofier u. kleiner Vierling - Groq bey uns - Roller 
- Rothe - Sturz u. dumme Jungen - Roller bey Alippi affectirt 
Barschheit - Burgunder u. 060 - groftes Gelachter - Schneehau- 
fen - der phantasirende Fiechsig - mein Ausspruch - Bettlec- 
tiire - Juniusnachtgedanken von JPaul aus d. Herbstblumen. 
(Most) 110 



Mitternachtsstuk aus Selene. 

Sie saCen sich schweigend gegeniiber, beyde den Kopf auf dem 
Arm gestiitzt; das Licht brannte schwach u. der Mond schien 
triibe, als wagt' er nicht zu glanzen auf einen Christus von Guido 
Reni - sie sagten lange nichts - es ist doch wohl keine Unsterb- 
lichkeit, fragte Gustav lang u. gedehnt, wie im Traum; er be- 

057 ^himmel" iiber der Zeile emgefiigt. 

058 „glanzen" iiber der Zeile eingefugt. 

059 Das folgende Wort nicht lesbar. 

060 Das folgende Wort nicht lesbar. 

134 



wegte keine Muskel u. es schien, als fragt er sich selber. Der 
Prinz sah ihn an u. sagte schnell: ja. Sie schwiegen lange. Du 
bist wohl wahnsinnig, Gustav, sprach er nach einer langen 
Pause - drauften zogen groite Wolken am Himmel voriiber; im 
Westen glanzte noch am Himmel ein feuriger Schein, die Blu- 
men sprachen mild miteinander; im Osten zog ein kalter Nacht- 
sturm heran; der Wind schmifi ein Fenster heraus; Gustav stand 
sachte auf u. ging langsam ans Fenster; der Wind schuttelte 
seine Haare wild. - Wahnsinnig, sagt' er ; 

er dehnte noch hinzu: wenigstens ist es jeder Mensch, weil er 
noch lebt. Der Prinz antwortete nichts; Gustav, sang er nach 
einer Pause; er faftte ihn geheimniftvoll an u. fragte leise: bist 
du ein Mensch - Gustav nikte stumm - warum nikst du denn, 
du Mumie? ich habe heute einen verniinftigen Gedanken - wie 
der Mensch glaubte, nach dem Tode ware Vernichtung, da rief 
sein Herz: es muft ein komischer Gott seyn, der uns zum 
S t e r b e n leben laGt; wie dem Menschen aber eine Stimme 
zurief : du lebst fort, was rief der Mensch da aus, Gustav? Gu- 
stav zeigte an die Wolken u. sagte dumpf : wenn du bist, Gott, 
warum machtest du Menschen? u. wenn du nicht bist, warum 
sind wir keine Gotter. So giebt es keine, sagte der Prinz, denn 
giebt es eine Unsterblichkeit, so giebt es keinen Gott. Nicht- 
wahr? Gustav antwortete nicht; aber sie gingen. 



Mitternachtsstiik 



Die bleichen Sterne glanzten magisch iiber die Todtenhiigel u. 
die Thranenweiden u. die Cypressen fliisterten sich leise ihre 
Sprache zu - die Graber ragten stumm iiber die Blumen her- 
vor, die im Winde taumelten u. die Monumente warfen grofie 
lange Schatten, wie die Zeiger der Zeit oder der Ewigkeit u. 
sie sagten : seht, wir zeigen, wo ihr einst aber Hegt - der Mond 
leuchtete stumm u. in dem Aether tonten lange Schwanengesange 
einformig u. duster - die Erde lag formlos da u. schwieg u. 
schiummerte. Selene, Selene, rief es vor dem Fenster des Todten- 
grabers; Selene richtete sich empor; sie sah scheu in den Mond, 
dann schlug sie die Arme empor u. wollte den Mond umarmen 
- der Busen schlug hoch u. laut, wie Uhrschlage; er war off en u. 
ein langes weiftes Nachtkleid hing nachlassig iiber den Korper - 

*35 



die (Loken) Iangen Haare fielen wild-duster herunter - Selene 
lief rasch iiber den Gottesaker u. las die Grabschriften : hier 
ruht ein zerbrochnes Herz, las die Erleuchtete; sie setzte sicli 
lachelnd auf den Grabhugel; jetzt kam den Kirchengang ein 
Gerippe hergegangen; sie horte, wie die Gebeine klapperten; 
aber sie vermochte nicht aufzustehen, das Gerippe kam naher 
u. setzte sich neben sie u. schlang den Arm um ihren Leib ; einen 
Ku6 willst du haben, sagte sie schuchtern. Das Gerippe lachte 
u. gab ihr einen Eiskufl - dann ging es fort. Ich habe wohl 
gesiindigt, rief sie; dann stand sie auf u. ging in die Kirche u. 
kletterte auf der Emporkirche herum - Das Gerippe saB an 
der Orgel u. spielt einen Walzer - der Mond ging unter - Se- 
lene ging in's Todtengraberhaus. Es war stumm u. still u. sie 
schlumerte. 



50 Die Harmonika. 



Altarblatt. 



Sie gingen in den Dom; es war schon spat Abends; im Dom war 
es finster u. stumm; am Himmel brannte der Mond schwach u. 
triibe u. die Bogen u. die Schiffe des Doms wolbten sich tief- 
magisch empor u. die alten Heiligenbilder blikten kalt an den 
Mauern hervor. Minona schmiegte sich angstlich an Selene; Gu- 
stav u. der Prinz folgten; Gustav setzte sich duster in einen 
Kirchenstuhl, der Prinz stand an ein Kreuz gelehnt; Minona u. 
Selene setzten sich auf die Altarstufen nieder ; wie sie so schwei- 
gend etliche Minuten gesessen hatten, fing auf der Emporkirche 
ein kleines Licht zu brennen an u, die schmerzhaften Ziige eines 
beriihmten Mannes traten diister-scharf bezeichnet hervor; er 
warf einen grofien weifien Mantel von sich. Vor einer Madonna, 
die nicht weit von ihm hing, neigte er das Haupt; dann schlug 
er, wie ein Seher, die Augen empor, stutzte den Kopf auf den 
linken Arm u. sah in die kuhnen (Wol) Bogenwolbungen hin- 
auf ; aus der andern fing ein einsamer, reiner Ton zu quellen 
an; wie ein milder, schwebender Seufzer einer Gottheit flog der 
Ton auf - ringsum Alles still - der Mond war hinter den Wol- 
ken getreten u. das Licht flakkerte still u. mahlte an der Wand 

136 



die Ziige des Fremden groft nach - die bemahlten, altgothischea 
Fenster leuchteten nur noch von der versilberten Wolke des 
Mondes nach; Selene bog das Haupt empor, als wollte sie su- 
chen, wo der Ton herkame u. wo er verschwande; jetzt kamen 
nun Tone u. bange, zweifelhafte Septimen klangen, wie Thra- 
nen, durch die erhabene Wehmuth der Tone; schwebend u. be- 
fliigelt fiossen sie fort, wie sanfte Strome von Abendroth u. die 
Herzen schwamen ihnen nach; da schlugen die Fliigel der lieben- 
den Seelen zusammen u. die zitternden Tone fuhren ihnen sanft 
nach u. f iihrten die Lippen des Herzens zusammen. Jetzt schwie- 
gen die Tone - die Mauern tonten noch, wie entziikt, mit. Der 
Fremde wand den linken Arm von dem Kopfe, die Haare Helen 
duster herunter u. verdekten halb die blassen Marmorzuge. 
Niemand athmete; die Fensterscheiben knarrten in der -Pause, 
als zurnten sie, dafi der Fremde aufhorte. Still - da wandelte 
ein einziger, defer Ton, als fiirchtete er zu athmen, leise u. kaum 
hor- 

bar durch das Schiff - neue kamen - es schwillt, es wachst, es 
steigt - da iiberquillt Alles von Tonen, da tonen die Steine, die 
Statuen u. die Heilgenbilder tonen, wie belebt u. Alles tont ent- 
geistert nach - o da flohen die Herzen erschroken zu ihren Thra- 
nen u. das Auge fliefit iiber u. das Herz spricht; denn es weint 
ja ! und die Tone schmelzen wehmiithig hin, wie ein gefallener 
Engel u. eine gesunkene Unschuld klagt - Jetzt traten neue dazu ; 
das Licht flakkerte nur schwach if. wollte verloschen u. die 
Flamme u. die Tone brannten immer schwacher danieder; jetzt 
war es, als sprache ein Ton nur gebrochen noch im Schlummer, 
die Lampe loschte aus - da trat prachtig u. leuchtend, wie ein 
Auge des Gottes, der Mond hinter den Wolken vor u. brannte 
duster an die Mauern heran - da war es, als wachte die ganze 
Welt der Tone noch einmal auf - machtig u. stark, eine ewige 
Hymne der Seraphe rief, wie die Harfen der Ewigkek, grufiend 
die Tone zusammen u. die Seelen kannten sich u. die Hande 
falteten sich zum Gebet u. die Augen wanden sich in die Empor- 
kirche der unsichtbaren Tone - o da weintest audi du weiter, 
Gustav - u. er 061 gingst zur Kirche hinaus u. draufien faltete 
[er] die Hande u. rief: O ihr himmlischen Klange aus den 
Grabern einer entschlafenen Seligkeit, sagt u. sagt mir, warum 
wein* ich, wenn ich euch hore - da antworteten die Tone: wir 

061 „er" uber der Zeile eingefiigt. 

137 



sind Vorboten einer Welt, der du entgegenweinst, die du hier 
nimmer iindest - wir kommen von Jenseits ; da rief er schmerz- 

lich aus: o ihr Tone, giebt es denn eine Unsterblichkeit? 

Sie verstummten - der Fremde schliefk - Noch ein, zwey Tone - 
Jetzt wird Alles still - der Mond floh schiichtern zuriik - noch 
ein dissonirender Accord u. keiner mehr - o da verlangten die 
Herzen nach dem milden Trost der Auflosung; aber kein Ton 
folgte nach u. Alles war stumm. Schweigend stand der Fremde 
auf , u. schweigend gingen die vierMenschen nach-Gustav sagte: 
Und was ist denn unser Leben auch weiter als ein zweifelvoller 
Septimenaccord, der nur unerfullte Wiinsche u. ungestillte Hoff- 
nungen in sich fuhrt. Der Fremde mufite kein kleines Herz 
haben, dafi er so schlieflen konnte; sie gingen ihn(en) nach; der 

Prinz fragte - Prinz Louis eine Umarmung; ein Kufi 

— „Prinz Louis" tonten acht Lippen entziikt nacht. 



52 Lebensschneke am n ten Novemb. 

Raschers Friihstiik bey Roller - Knillkateten Nachmittags - 
Briider Marburger - Kaffee dansant - Vater Glok u. Pauk- 
geschichten - Prinz Louis u. Rollers Ruhrung - Vater Siifimann 
u. Abbitte -' Fantasien von Roller - Nierensteiner b. [ei] Alippi 
- Austern - Grand scandal - Champagner u. Karolinchen [Siifl- 
mann?] - monsieur u. non monsieur - Fidelitaten - Roler 
n. [ach] Hause - Caff ee - Brief von Gotte - 



Lebensschneke am i2ten Novemb. 
Physischer u. moralischer Geldbeutel - Katzenjammer - Kaffee 
bey Walther - der iippige Most lauft iiber - Siindfluth in dem 
Schreibtisch - Abonnementconzert 111 - Ouvertiire aus Macbeth 
von Spohr - Scene von Mercadante von Dem. Grabau - Violin- 
cell-variationen von Romberg - Elegischer Gesang v. Beet- 
hoven - Sinfonia eroica Professor Krug u. der Fremde - 



Dito am I4ten Novemb: 



Gehassiges Schach mit Fl.[echsig] - Griin Schild - Iste Quartett- 
unterhaltung 112 - Quatuor v. Prinz Louis (F minor) - Variatio- 



ns 



nen von Mayseder (D maj[or]) - Lar ghetto (mit V atiat :[ionen]) 
v. Prinz Louis (G maj:[or]) - Quatuor v. Ries (Es maj:[or]) - 
Siifimann - Vergebliche Nachfrage bey Haak u. Dr. Carus - 
Abermaliger Sufimann - kleiner Vierling trinkt Groq. 



Vorabende zur Selene. 



In „Gustav" steht ein hoher Mensch vor mir; so wie (iberhpt 
Jiinglinge von h o h e n Leidenschaften hohe Menschen sind, 
so soil auch aus 062 diesen Kampf der Leidenschaften, die er nicht 
besiegt, sondern sie ihn, jener milde harmonische Einklang von 
Kraft und Milde hervorgehen; Gustav mufi alle Schulen des 
Lebens durchgehen ; er muB g 1 e i c h hassen u. lieben lernen ; 
sein Jugendleben muG sanft u. mild seyn, um zu zeigen, dafi der 
hohe Mensch skh zwar in die Fesseln der 063 Ruhe schmiegt, daG 
aber nichts destoweniger der Prometheus-funken (nicht) verlischt, 
der ziinden u. erleuchten kann u. soil. Er wachst einsam zwischen 
Grabern auf ; die Blumen u. eine Harmonika miissen seine ein- 
zige Beschaftigung seyn; er kennt weiter niemanden, als seine 
Schwester Selene, die ein weiblicher Gustav ist; der Todten- 
graber, sein Vater, spricht mit ihm, als ein Greis von den Nich- 
tigkeiten der Welt; sein iiberirrdischer Genius, ein dichterischer 
Grieche im fantastischen Gewand lehrt ihn, die Tone verstehen ; 
nach diesen Stillbeelen 064 tritt er hinaus in die Welt, ein schoner, 
hoher Jungling - jetzt erwacht in ihm das Leben der Leiden- 
schaften ; er geht alle Schulen durch, trinkt, spielt, (liebt) - die 
Verhaltnisse bringen ihn in Netze u. Schlingen - jetzt schwindet 
sein G 1 a u b e ; er glaubt keinen Gott. 

Von Natur ist Gustav duster u. verschlossen ; aber er besitzt jene 
hohe Genialitat erster Classe. Zweifel, Thatendrang, Verzweif- 
lung; doch bleibt er ein Ganzes, ein System. Endlich bildet sich 
aus ihm jene Harmonie von Kraft u. Milde; sein Grundsatz: im 
Leben ein Hercules zu seyn, ohne baurisch u. grobb zu seyn u. 
ein Apoll, ohne Schwachling u. Feigling zu seyn, tritt glanzender 
hervor. G.[ustav] empfindet nie jene grofie Liebe; erst spater 

062 „aus" iiber der Zeile eingefugt. 

063 Urspriinglich „hohe [?]", durch „der" iiberschrieben. 

064 s ; r 



139 



konit d. Gefiihl. Wesentlich von ihm verschieden ist der Prinz 
(Carl), sein Bruder; sie werden Freunde; er besitzt auch Genia- 
litat, aber es ist die zweiter Classe; was bey Gust:[av], ehe er 
zu Festigkeit gelangt, blinder Trotz auf innere Kraft ist, die hie 
u. da nur durch eine allgemeine grofie Schwesterliebe begleitet 
wird, ist bey diesen milde Weichheit; er liebt u. schwarmt, ohne 
schwach zu seyn; er ist leicht-genial. Er ist Mahler u. Dichter, u. 
zwar Tondichter. In „Selene" offenbart sich Gustavs Charakter; 
aber er ist gerundeter u. durch Weiblichkeit frommer; sie be- 
schwichtigt, wenn jener ziirnt; sie hat weibliche Genialitat; wiir- 
devolle Liebe u. weiblichen Stolz, iibrigens zart u. ruhig. Mi- 
nona, die Prinzessin, ist jenes edles, jugendlich-sturzendes Mad- 
chen voll Feuer u. Leidenschaft, ewig fliegend, mit der leichten 
Genialitat; darin pafk sie gut zu Gustav, den sie spater findet; 
nahml.[ich] Gustav, urn nicht schwach zu scheinen, scheint sie 
fliehen zu wollen, bis er endlich in seinem Kampfe von ihr be- 
siegt wird. Selene findet, fniher, den Prinzen. 
Das sind die vier Hauptfarben des ganzen Tizianischen Gemal- 
des; auf einem Gemahlde wiirde ich es so darstellen: ein Got- 
tesaker, als Schauplatz der Kindheit; im Vordergrunde Gustav, 
der, die Thranen zurukhaltend, auf Leichenmonumenten sitzt u. 
die Zahne knirscht, Minona pfliikt leicht u. jugendlich Blumen 
von den Grabern; u. will selbst aus Graberblumen Freuden 
geben; der Prinz stiirzt die Leichensteine um, die fromme Selene 
biikt glaubig zum Himmel auf u. driikt das Bild Jesu auf ihre 
Lippen. 

Die andern Personen, die das Gemahlde voilenden, sind der 
Grieche, der Genius, der Gustaven erzieht u. selten erscheint u. 
hptsachlich dann, wenn er im Kampfe untergehen will; der 
Todtengraber, der iiber d. Leben steht, der jugendlich-alte Fiirst 
u. noch andere Hof- u. Convenienzpersonen. 
Die ganze Arbeit ist anziehend, so schwierig sie'auch scheint; die 
Poesie muB iiberall hervorguken, um die Prosa im Leben so viel 
wie moglich zu ubertunchen. 



Lebensschneke am 1 5 ten November. 
Vorabend zur Selene - Wahrheit aus JPauls Leben; 3tes Heft- 
lein 113 - Freude u. Riihrung - Beefsteaks bey Mertens - Grofier 
Commers - Halbheit - Diisterheit u. erzwungene Freude - der 
dumme Bauernjunge Marburger - Allgemeine Knillitat - Sieben 

140 



Fiinftel - Groth will 06/ia revozirt haben - Weiske - der schla- 
fende Pudel - Mist im Hause - der Stumper - 

Am 1 6ten November. 
Oft bin ich aus Grundsatz inconsequent. Schlecht angebrachte 
Consequenz ist Inconsequenz des Verstandes u. der Klugheit. 
Ich bin heute nunmehr recht in mich hinein vertieft u. will alle 
Mikroskope u. Teleskope wegwerfen, um mich in richtiger Per- 
spective zu mahlen. Wer bey dem Studium der Menschen ver- 
grofiert oder verkleinert die Menschen beobachtet, bezeigt, dafi 
er kurzsichtig ist, indem er Mikroskope zur Hand nimmt. 
Meine Laune hangt durchaus nicht von der Laune (ab) u. oft 
nur vom Verstand ab. 

Neulich traumte ich u. sprach zu mir: in deinem Charakter liegt 
ein geheimnifivoller Zug, den noch kein Mensch ergriindet hat 
Es liegt in meiner Methode, in den ersten Gesprachen 065 mit 
einem Menschen mich vor diesen, wie unterdriikt 066 zu stellen; 
ich spreche da nicht viel u. gebe noch mehr zu ; auf einmal steh' 
ich auf u. ich lasse merken, was ich sagen konnte, wenn ich Lust 
hatte; dann fiihT ich recht, wie jener sich unterdriikt fuhie; u. 
wie dieser es fiihlt, dafi ich dies fuhle. 

Es liegt in meiner Methode (ich gebrauche diesen Ausdruk mit 
Fleifi), audi in Gegenwart (von) einer Mehrzahl, als zwey von 
alltaglichen Dingen zu reden ; man kann selbst hier einen Ton 
annehmen, der keinesweges an Gemeinheit oder Trivialitat 
granzt. 

Ich habe nie begreifen konnen, wie man sich unter Menschen hei- 
misch befinden kann, die mich nicht verstehen, obgleich ich sie. 
Es ist schlimm, dafi ich mit mir selbst am liebsten im Streite liege, 
mit Andern ungern. Ich verzeihe mir Vieles nicht, was ich An- 
dern verzeihe u. ich liege mir selber am mehrsten an Herzen. 
Konnt' ich es nur dahin bringen, dafi der Kopf nicht zankte, 
wenn das Herz lustig ist u. umgekehrt! Meinen Sarkasmus 
mochte ich milder u. meine Milde sarkastischer bilden; es fehlt 
mir hier noch eine Mitte, wenn ich auch in keinem schwach er- 
scheine. 

oeia „wili" fiber der Zeile eingefiigt. 

065 Anstelle von „Ge" urspriinglidi „Beg". 

060 Ursprunglich „mit gedriickter", „mit" 2u „unter lt verbessert, „ge" und 

„er" ausgestrichen. 



141 



Mit den Extremen richtet man meist mehr aus, als mit der 
schwerfalligen goldenen Mittelstrafte der gewohnlichen Men- 
schen oder Halbmenschen. 

In deiner Weichheit erscheine nie weichlich; sonst denken die 
Menschen, du Hebst (aus Schwachheit) die Menschen, weil du 
sie nicht hassen kannst. Ich habe die Menschen nie leiden kon- 
nen, die einer M e n g e ihre Gefuhle u. ihr Herz zur Schau 
trugen ; aber ich liebe die Menschen, die den wenigen Er- 
wahlten warm u. innig ihre ganzen Gefuhle nennen u. wo der 
Andere fiihlt: ja du hast ein Herz. 

Ich habe oft nachgedacht, was eigentlich schlimmer sey f Brod 
ohne Butter oder Butter ohne Brod; ich meine die Butter ist 
doch die Poesie u. d. Brod die Prosa - 

Der Mensch ist eigentlich der Maafistab zum Menschen im All- 
gemeinen ; ein Individuum messe aber nie nach sich. Das ist 
eine grofie Aufgabe. 

Ich meine das gemeinste Subject, was weder lieben, noch hassen 
kann. 
55 Ich war eher poetisch, als prosaisch; bey mir kam die Prosa aus 
der Poesie, wie bey Andern umgekehrt. Es ist schlimm, daft ich 
mir sagen muG: ich liebe die Menschen am meisten, wenn sie 
mich fliehen u. doch mochte ich sie alle an's Herz driiken konnen; 
kh bin wahrlich nicht unedel off en. 

Bitterer Sarkasmus liegt durchaus nicht in mir; der Umgang u. 
das Leben ist sein einziger Vater u, ich nab' ihn mehr 067 , wie ein 
* Findelkind angenommen. 
Der sagt: ich bin nie geliebt worden, ist verlassen; der aber 
sagt : ich bin nie gehafit worden, der ist ein grofterer Weiser z. B. 
ein Furst. 

Ich bin heute so von Gedanken voll, daft ich vor lauter Gedan- 
ken gar keinen mehr finden kann. 

Kein Leben ist lauter Poesie, so wie keines rein tragisch; u. es 
gukt die Prosa u. der Humor nur zu sehr hervor; das wufite Jean 
Paul recht wohl u. darum gieftt er nach jeder Poesie Eimer eis- 
kalten Witzes hintenach. Wie im Leben oft, so stort es im Lesen. 
Jeder Mensch denkt: ich kenne die Menschen besser, als sie 
mich; u. ich am Ende audi. Und Alle schneiden sich. 068 

067 „mehr" iiber der Zeile eingefiigt. 

068 Dieser Satz mit anderer Tinte geschrieben; vermutlich spatere Hinzu- 
fiigung. 

142 



Beyde Classen von Menschen, die, welche aus Allem Poesie ma- 
chen u. die, welche Alles zur Prosa herunterzerren, sind trotz 
ihrer entgegenge(se)setzten Zwecke nicht ungenial; aber ich 
glaube, die ersten sind e d 1 e r. 

Betrunkene reden meist die Wahrheit; dies ist der wahre chemi- 
sche Akt in uns, der die Maske von der Seele reifk. 
Ich habe mir oft gesagt, daft ich vielleicht zu viel philosophire 
u. ich mufi lachen, wenn Andre sagen: ich philosophirte nicht, 
als konnte [man] nur im Winter vom Winter u. nicht auch vom 
Friihling reden. 

Der Freund soil Dir Alles seyn, Alles, Alles - aber sorge, dafi 
Du die Freundschaft mit Deinem Kopfe nicht brichst; ich meine, 
vertraue keinem Menschen, wenn Du vorher weiflt, dafi er nicht 
schweigen kann. Ich meine, die Freundschaft rede noch we- 
niger, als die Liebe. 

Rede uberhpt mit deinem Freunde mehr von ihm, als von Dir. 
Meinem Freunde geb* ich Alles, Alles, aber doch nicht mehr, als 
was erverlangt. 

Die Freundschaft giebt bessere Interessen u. Zinsen, als die 
Liebe, ich meine, h e i 1 i g e r e u. schonere Erinnerungen. - 
Man tauscht sich oft mehr in der Freundschaft, als in der Liebe. 
Freundschaft w i r d , Liebe ist; jene ist erworben, diese an- 
geboren. Darum reden wir wohl von ungluklicher Liebe, aber 
nie von ungluklicher Freundschaft. 

Ich sage immer: Schimpfe doch nicht auf die Gegenwart; die 
Vergangenheit raufi doch auch einmal Gegenwart gewesen seyn ; 
— es will jedoch wenig helfen. 

Wir sollten gar oft bedenken, daft wir nicht die einzigen Men- 
schen sind; dies ist ein Goldspruch, den sich die Welt hinter 
die Ohren schreiben sollte. 

Wer sagt: ich bin ungluklich, bedenkt nicht, daft er sich einen 
Esel aufbrummt. 

Kein Gedanke denkt allein; er ist der Trager des andern u. 
nimer steht einer still; uberhpt ist es schlimm, daft wir mehr 
denken, als fuhlen, wenigstens im Leben; die Philosophic mag 
kalt bleiben. 

Mit demselben Herzen, mit dem man hafit, liebt man; mit dem- 
selben Herzen, mit dem sich Winkelried die Lanzen in die Brust 
driikte, ermordete man Christus ; - mit dem Menschen- 
herzen. Und doch konnte der Mensch ein Gott seyn, wenn 
er es erst gelernt hatte, Mensch zu seyn. - 

143 



O die groften Menschen vergessen nur zu oft, dafi eine Nachwelt 
ist u. eine Geschichte. 

Wenn es einem am besten schmekt, soil man aufhoren; wenn 
man im besten Schreiben ist, soil man die Feder wegiegen. 
Ich schliefte; schlummert sanft, ihr guten Menschen u. sanfter, 
als ich, der euch nicht kennt u. doch liebt. Schlaft wohl! 



Lebensschneke am i8ten Novemb. 



Geldfatalitaten - der tretende 114 Berndfc u. die Universitat tritt 
nach - Briefe v. 2w.[ickau] mit Geld - Kaffeebaum - Siifknann 
ausbezahlt 069 - 2te Quartettunterhaltung - Quartett von Ries 
(aus Es dur) mit Adagio aus As moll - Notturno von Prinz Louis 
aus F ma). [or] - Quartetto von Prinz Louis aus F min[or] - zum 
Beschhjufi] wiederhohlt das Quartett von Ries - Grande Grocq 
- der Musikklub kann nicht nehr geigen - Paukgeschichten - der 
geschaftige Pabst u. d. hochst geheimnifWoiie Vierling - Vater 
Sii6mann warnt - das Quartett taumelte aus einander. 



Lebensschneke am ifpten Nov. 
Abends : Knorr - Variationen aus Moses von Kalkbrenner aus 
A min[or] ~ Sonate v. Rummel aus F min[or] a 4 m[ains] - 
Toccata von Meyer aus E maj.[or] - Semmel von Mattbid - der 
ungliikliche Kosmopolit - Schach u. Pasquille auf s Jus - Ueber- 
fall der Toccata - Variationen v. Hunten v. 0/0 u. Marcia Fu- 
nebre von vorne 



Heute friih bedacht' ich mir es wieder, daft der Titel Lebens- 
schneke einen 071 gar zu finsteren, misanthropischen Schein auf 
mich wirft; u. ich wiiBte nicht, warum ich anstehen ° 72 sollte, 
einen andren Titel zu nehmen, versteht sich einen burschikosen 
- ich meine: Studentenextremitaten. - 



069 „aus" iiber der Zeile eingefiigt. 

070 Ein Wort nicht lesbar. 

071 „einen" iiber der Zeile eingefiigt. 

072 Das folgende Wort wegen zu starker Streichung nicht lesbar. 



144 



115 Selbst in dem hellen, friedlichen Regenbogen liegen, nach 

Fraunhofer, dunkle, schwarze Linien; - u. wir wollen ziirncn, 

wenn einmal ein helles, friedliches Herz irrt? - 

In kiinstlichen Doppelspiegeln hat Malus beobachtet, daft das 

Licht eines Sternes ganz verschwindet; das Frauenglas 

jedoch, zwischen beyden Spiegeln gehalten, zerstort den Zauber 

u. die Nacht. - Du zartes Bild! wenn die Doppelspiegel des 

Lebens uns blenden, daB die Sterne verloschen u. Alles triibe um 

uns ist, da zittert die Crystallne seele der 073 (W) Frauen dem 

Blinden entgegen u. der Himmel glanzt, wie vorher. 

Blumen senden einander des Nachts leuchtende Kiisse zu (nach 

PfafT im Morgenbl. 1828. S. 695) im Angesichte der funkelnden 

Sterne. 

Zart, wie Schmetterlingsstaub, glanzen die Farben auf d°' 4 

Psycheflugeln des Jiinglings ; wehe, wenn nur ein Staubkorn fallt 

- die Farben werden fahler.u. bleicher, die Fliigeln flattcrn lang- 

sam auf u. nieder - kein Auge weilt mit Liebe mehr an den 

Farben, die einst so freudig leuchteten, bis er ermattet nieder 

stiirzt 

Nachtphalane in d. Selene. 



Gustav ging noch bleich zum Prinzen, es war schon Hochmitter- 
nacht; gute Mitternacht, sagte Gustav duster lachelnd; der Prinz 
lag schlafend auf seiner Ottomanne; aber seine Augen waren 
offen - vor ihm lagen die Mumien aufgeschlagen ; auch ein Gu- 
stav, sagte Gustav schmerzlich u. schmiG das Buch von sich; vorn 
hinein schrieb Gustav: „ich wahnte, Prinz, du wachtest; aber du 
schliefst u. nur deine Augen waren offen;'da dacht' ich: o so 
denken die andern Menschen immer, daft man wacht, weil es so 
s c h e i n t , aber nicht daft man schlummert. Gute Nacht, Du!" 
Das Nachtlicht flakkerte schwach u. erbarmlich; Gustav stand 
auf u. blies es 075 aus ; der Prinz wachte auf, sobald das Nachtlicht 
ausgeloscht war. „Gustav ' rief er; Carl, rief er - sie lagen sich 
in den Armen. Er klingelte - „Champagner" rief er dem Be- 
dienten. Sie tranken, bis es Morgen ward. Gustav taumelte 
fort 

0/3 Anstelle von „r" ursprunglich „s". 

074 „d" iiber der Zeite eingefugt. 

075 „es" iiber der ZeiLe eingefugt. 

10 Schumann, Tneeb. 1 I45 



Lebensschneke am 20sten November. 



Ciavierstunde bey Wiek - Tonleitern u. Lob - Abends: bey 
Carus - mit ihr - das zu jugendlich accentuirte: Geliebter u. 
Beethovens: Kennst du das Land - Lieder von Danzi - Die 
Klage des Madchens von Schiller u. Arnold - Balladen von 
J. Lowe - An die entfernte Geliebte von Jeitteles u. Beethoven 
- Kennst du das Land von Beethoven - Schach - Fantasien - 
Brief an Eduard [Schumann] , nach Altenburg zu komen. 



5 8 Vorfriihling zu Selene. 



Gustav ist durchaus nicht leichtsinnig, wie andre Geniale zwei- 
ter Classe u. der Prinz Carl; im Gegentheil legt er das Meiste 
auf eine tiefsinnige Wagschale; der Kampf der wilden Leiden- 
schaften u. der innren Kraft ist ein erhabenes Bild; bey Carl 
sind die Leidenschaften mehr momentaner u. voriiberziehender, 
mehr ein Gewitter, wie bey jenem ein langer Siebenschlafer voll 
regnerischer Tage. Ein sterbender Jiingling, in der Fiille der 
Jugend, gleichsam von seinen Geist der Leidenschar*t uberwal- 
tigt ist ein wehmuthig-erhabenes Bild, das mich oft anzog. Gu- 
stav darf weder ein Albano, noch ein Gustav, noch ein Wolde- 
mar,* noch ein Victor od. Flamin seyn, er soil poetischer, als 
Flamin u. kraftiger als Victor seyn. Ueber die Idee bin ich mit 
mir einig. Nebenscenen, die Hauptscenen sind : 
Wir konnen nur so lange gut handeln, so lange uns nicht das 
Schiksal feindlich entgegen tritt, kommt jedoch dieses, so ver- 
sohnen wir uns leicht mit der Vergangenheit, um uns der Zukunft 
entgegenstellen zu konnen : u : 

GroBe Geister w e r d e n nicht gebildet, sondern sie sind ihre 
eignen Lehrer u. Schuler, sie bild en sich selbst unter jeder Bedin- 
gung, in jeder Lage, in jeder Zeit. 

Ueber die Geschichte u. den Gang des Schiksals kann ich nicht 
recht mit mir iibereinkomen ; doch soil das Schiksal durch Men- 
schenherzen gemildert werden. 



Ich habe friihzeitig u. fast zu friihzeitig lieben u. hoffen gelernt, 
146 



hier kann ich nicht laugnen, daft ich oft indifferent bleibe - aber 
aus Grundsatz. 

Viele Menschen haben einen einzigen Grundsatz, ich meine den, 
keine zu haben. In der Jugend ist es gut, wenigstens meistens. 
Man sagte: man wundere sich, wie ich noch Tonleitern spielen 
konne, da ich doch sonst so ausgezeichnet spiele; - ich mag von 
keinem Menschen die erste Censur erhalten, wenn ich selbst sie 
mir niclit geben kann. 

Studentenextremitaten am 2isten. 
Kaffee bey Wieck mit Taglichsbek - der Reichenauer Probst - 
Phisharmonika 110 - Abends Groq bey Walther - Kassandra 
von 076 - der Marburger als dumer Junge - Streit mit miserabeln 
Seelen - Muller verliert die Mutze - Osten fur Westen gehalten 
- Grofie Knillitat - Alippi - Burgunder u. Sturz vom Stuhle - 
zerbrochner Stuhl - Gassetiscandal - Sarabelli - Erfindung einer 
neuen Sprache mit Franzosisch vermischt - Was dann gesche- 
hen, AyelfS ich nicht einmal. 



Studentenextremitaten am 22sten. 



Himmlischer Katzenjamer - triiber Spaziergang - schoner No- 
vembertag - verhaltne Thranen - das schone Madchen - Gohlis 
- Billard u. Mittagsmahlzeit - Rosenthal - der Feuer anschla- 
gende Kaufmann - Lachein von schonem Munde - inneres La- 
cheln - Rondo aus F dur - Matthia - Gottha[rd]t - 3tes 077 
Quartett - Septett von Beethoven aus Es dur arrang. v. 
Schwenke 117 - Notturno v. Prinz Louis - Quartett v. Prinz Louis 
(ganz) - Rondo aus dem Riessischen Quartett aus Es dur - Vor- 
bereitung zu[r] Reise u. die miserable Seele 

Ditoam 2 3sten 
Geniereise nach Altenburg - der reiche Hartwig - Matthia - 
Baron Gotthart - schones Wetter - niichterne Hypothesen iiber 
Seelenwanderung pp - Baron Kutscherbach - Matthia im Vor- 
gefiihl der Wonne speit - Ankunft in Altenburg - der beriihmte 

076 Das folgende Wort nicht lesbar. 

077 „3tes" iiber der Zeile eingefugt. 

10* 147 



Matthia - die feine Frau - brillantes Essen - Clavierspiel - In 
der Erhohlung - Thee - Anzug z. Ball - Eintritt in d. Hirsch - 
Pierer - der Orgelspieler Barthel pudelt - Fiasco - S c h r e k 
u. moralischer Katzenjamer - zum Gliik war's Tauschung - des 
belles filles - Walzer mit Adeline Matthia - Gallopade mit 
Schnoor's Zukiinftiger - die schone Verlogene - Burgunder - die 
schone Hottstadt u. fliegende Extradur - Semmel wird jaloux 

- er trinkt aus Verzweiflung - Cotillon u. das niedliche Weib- 
chen, Mad. Krause - Champagner - Grofie Knillitat u. groBere 
Fidelitat - Anfang der Schlacht - Egidy - der hofliche Kamer- 
herr - die Alt.[enburger?] Armee fliichtet sich hinterm Tisch - 
allgemeine Champagner- Versohnung - die besoffene Kaufmann- 
schaft - die angenehmste, spafihafteste Holzerey von der Welt 

- ° 78 u. Satisfaction - Holzerey u. Schubberey da Capo - grofte 
Bewegung - Schnoor u. Winer Schneebergensis - Kammerh.[err] 
Seckendorf wird fortgetragen - der hofl.[iche] Jagdjunker v. 
Schmerzing - s' ist heuet pp - Er hat ein Messer - Semel reno- 
mirt - grofies Drama zum Todtschiefien - Heros Semmel mit 
drey Stichen - Wegen Geruch der Holzer nimt die Armee ihren 
Riakzug - das blutige Messer u. Spaziergang bis Ende um 3 Uhr 
Der Prinz Friedrich tanzt 

Dito am 24Sten. 
Die heulende u. speyende Ballgesellschaft - mein Wohlbehagen . 

- die Kirchenrathin [Matthia] erfahrt es - Fantasie au£ d. Cla- 
vier - Semmel denkt zu sterben ^ Abschied von d. Kirchenrathin 

- Handdruck - Letzter Blik d. Hottstadt - himmlischer Novem- 
bertag - S.[emmel] schlaft in der Stadt - bleich - Baron u. Tisch- 
gesellschaft - Scheufigraben u. das kranke Pferd - Semmel er- 
wacht u. abermaliger Discours iiber Gestern - groGes Gelachter 
u. unerschopflicher Witz - Ankunft - Mertens - Beefsteaks - 
Wilder Schlaf u. ekelhafte Traume. 



60 Studentenextremitaten am 25sten - 

Internitaten - Grun Schild - Hussein Pascha als Napoleon 118 
bey Del Vecchio - Uebungen auf Clavier - gliikliche Fantasie, 
die gliiklichste meines Lebens - Bettiectiire: Donatoa, 6ter 079 

078 Das folgcnde Wort nicht lesbar. 

079 Anstelle von „6" urspriinglich ,,3". 

148 



Gesang 119 - wilder Schlaf u. der Traum vom „stillen Zuge" - ein 
schones bleiches Madchen erschien mir drinnen; ich kannte sie: 
die Ewigersehnte. 

Dito am 26sten. 
Clavierubungen - Ein musikalischer Einsiedler u. Tonleiter- 
leben - Abends Brief an Gotte - bey Haack mit Semmel - M. 
Sturm lauft Sturm auf d. Clavier - angenehm, wie gewohnlich. 

Dito am 27. 
S.fiehe] obigen Dito - Brief an Leser u. Kurrer - Probe der 
Freundschaft - Dr. [Cams] - liebenswiirdig sie - Duett - 
Schach u. Renomirerey - Fantasie Abends - entdekter Dieb 120 - 
seine miserable Vertheidigung - Zorn u. Groll u. Thranen. 
S.[iehe] istes Heft. 

Dito am 28. 
Der Mutter Geburtstag 121 - Clavierubungen - Griin Schild - 
Abends Thee 080 dansant zum Einschlafen - Anfang der Selene - 



Dito am 29sten. 



Fliigelgeld von Eduard [Schumann] - Wiek - Professor Zeuner 
aus Petersburg - Kmst. Morgenstern - Marschner - Zeuners 
himlisches Clavierspiel u. Composition auf dem Bayer - Pra- 
liminarien wegen des Fliigels mit Wiek - Angriff auf's Fliigel- 
geld - Brief e an Eduard [Schumann] u. Einkauf des Fliigels - 
Semmel - Seniorconvent - Walther - Mertens - Clavierspiel u, 
inere Behaglichkeit. 

29sten Abends. 
Fast bin ich mit meinem Plan wegen der Selene eins mit mir; 
Corsar Blondini tritt als vollendetes Ideal des Mannes erst sehr 
spater raus, gleichsam wie eine Fortsetzung od. das gemilderte 
Ende Gustav's, welcher stirbt. Auch Prinz Louis u. Jean Paul 
sollen darin erscheinen u. einen festen Hintergrund dem Tizia- 
nischen Gemahlde geben. Angefangen hab' ich gestern. Ob ich 
bey der Idee, wie ich anfing bleibe, will ich noch in Zweifel zie- 

080 Das folgende Wort wegen zu starker Streichung nicht lesbar. 

149 



hen, weil sie nach JPaul klingt. Doch mocht* ich nicht gern erne 
nakte sentimentale Geschichte geben, da ich das im Leben nicht 
gern bin, oft in Buchern bin - humoristisch. - 

61 Die Fesseln, die die Herzen zwischen mir u. Flech.[sig] noch 
binden, sind durch jene unedle(n> Neugierde nun v 61 1 i g 
zerriGen; ich hafke ihn seit einiger Zeit; jetzt fang ich an, ihn 
zu verachten, weil beides meist getrennt ist. Ich sen* es, wie er 
Alles, was mir heilig u. was nur fur mein Herz geschrieben war, 
umgekehrt hatte; vorziiglich die Brieftasche, auf die er fiirchter- 
liche Neugierde zu haben scheint, weil ich noch sagte: ich bin 
ungliiklich, sobald einer die Schriften in der Brieftasche zu lesen 
bekommt. Wahrlich, wahrlich, das ist u n e d e 1 u. das Ver- 
trauen, wenn welches war, mit Fiiflen getreten; es kann forthin 
keine Freundschaft u. keine grofie, herrliche Zuneigung u. diese 
ganze Zuneigung des Herzens, die ich ihm ehemals erwiderte, 
unter uns bestehen. Ich woilt* ihm dies Alles schreiben; doch ein 
Bauer bleibt er zeit seines Lebens u. trotz seiner Krugischen 
Philosophic Seine Vertheidigung war so miserabel, wie er selbst. 
Ich kann weiter nichts von der Sache reden, weil er zu ent- 

w u r d i g t vor mir steht. 

So will ich denn zu euch fluchten, ihr zwey holden 081 Leiter u. 
Troster meines Lebens, ihr Tone u. du 082 Poesie, die ihr oft 
lachelnd hinter meinen Thranen standet u. sie abtroknetet. O, 
das verdammte Wissen wird ewig beschamt vor der heiligen 
Kunst dastehen, die aus sich selbst geboren zu uns spricht u. 
die uns nur ein Gott eingab, wie jenes die Listen der Menschen 
u. ihre Schlechtigkeit u. Thranen sucht u. erpressung! 



Studentenextremitaten am 30s ten. 



Fruh bey Wiek - Wendler - Quartett von Spohr - 4te Quar- 
tettunterhaltung - Quatuor v. Ries aus F moll - Quatuor von 
Ries aus Es maj.[or] - Kaffee bey Wiek - Trio v. Hunten - 
Probst von hinten u. von vorne - Trio v. Schubert u. die 
Kritiker - Wiek's Ver- u. Entziickung - G. W. Fink - seine 

081 Anstelle von „1" ursprunglich ,»s". 

^82 Ursprunglich „ich", durch „du" uberschrieben. 

IJO 



Frau 122 , eine Schiilerin Field's - Violinspieler Mullet u. Grabau 
Entziikung bey'm Trio - 



Dito am 3isten. (vulgo ister December) 083 



Mein Quartett -Schubert 1st tod- Besturzung - Dr. Ca- 
ms bey Wiek. Whistling u. Clavierstunde, wie keine - Finster- 
nifi bey Mertens - Semmel raisonnirt auf d. Fantasiren - Glock 
- Aufgefundene Charakteristik meiner selbst u. mein inneres 
Lacheln. 

Dito am 2ten December. 



Genaueres Studium der Rezension u. d. Replik mit dem Bild- 
nifie des Biographirten - Clavieriibungen - pomposer Nachritt 
auf Comitat 123 - Semmel - Pabst - Renz - u. Nichts. Lenhossek 
iiber Leidenschaf ten 124 als Bettlectiire. 



Dito am 3ten December. 
GroiSe Kalte - Verpuppung in mich selbst u. Heydenreich's Pfu- 
losophie 125 - Schinken von Julius [Schumann] - Clav. u. Volk - 
Groq u. Dr. C. [arus] - Marschner u. der Vampyr 126 von ihm - 
Sie, sie - himmlischer Abend - Marschner als Komiker u. driikt 
mir die Hand beym Abschied. - Abschied von ihr 

Dito am 4ten. 



Friihstuck - Schinken - Walther - Renz - Kaminsky - Roller - 
Semmel - Erkenntnifi a priori — Ueber hohe Menschen u. Lei- 
denschaften von JPaul - Glok - Kartelltrager 127 Vierling trinkt 
mit - Saujungenmaflig - Theoretiker Glok - Kranzchen bey 
Wiek - Rondeau mignon v. Czerny (Clara u. Wieck) - Scberzi 
von Mocbik[?] als a 4 m[ains] (Morgenstern u. Wendler) - 
Trio v. Hunten aus Es (Wendler, Miiller, Grabau) - Trio v. Fr. 
Schubert - (Wendler, Miiller, Grabau) - Variat:[ionen] von 

083 » (vulgo 1 ster December)" nachtragHch hinzugefugt. 



Taglichsbek u. L. Medio[?] - 2mal Dem. Reichold u. Taglichs- 
bek - der verliebte weibliche Casanova - Chambertin - g e - 
tauschte Hoffnung - G.W. Fink - Probst - Morgen- 
stern - Wendler - Hofmeister - Marschner - Variationen von 
Herz v. Mad. Diezmann (Biirgermeisterstochter) - Kapellmei- 
ster Taglichsbek - Tanz mit der Reichold - die Reichold giebt 
S i e mir - Freude u. Vorahnung - Spiele - Kegelquadrille - 
"die verkeulte Reichold - herrliches Amusement - der knille 
Wiek u. Redoutenwalzer - der Weiberfeind Probst - Beglei- 
tung nach Hause u. Grundsatze u. Weiberregeln - Urn 3 Uhr 
nach Hause - exaltirte Nacht u. das ewige Schubertsche Trio 
vor den Ohren - furchterliche Traume - 

Dito am 5 ten 
Sie der einzige Gedanke - Abends bey Drs. [Carus] - Lieder 
von Fr. Schubert u. Marschner - Sehnsuchtsvolle Blicke u. Er- 
wiederung - zuvor der Nachruf aus dem Fenster - Eheliche 
Disharmonien - Schwagrichen u. Schach - 



63 Dito am 6ten. 

Toccata v. Mayer u. das Schubertische Trio - Nachmittags feier- 
liches Ehrengericht u. Vater Voi deprecirt - grofies Laster u. 
Diamantenmacherey[?] - Plauischer Hof - Schiitz - Die Schis- 
matiker - Bayersches Bier - grolte allgemeine Knillitat - Poet 
Walther - Roller - groBer Disput mit Miiller - Thranen iiber 
Bechers Bierhetze u. allgemeines Versohnungsfest - das tan- 
zende Tanzen - Zu Hause Moral gelesen u. Schinken gegessen. 

Dito am 7ten. 
Reger Katzenjammer - Teichmann, Kunze u. brillantes Mittags- 
essen - Nachmittags 5tes 084 Terzett - Glok, Taglichsbek - Trio 
von Schubert aus Es Op. 100 - Entziickung - Schachclubb - 
Glok u. meine Variationen u. Polonaisen - Toccata u. Conzert 
von Kalkbrenner - Adele : der frivole Sussmann u. Gallopade. 



Dito am 8ten. 
Geringfiigigkeiten - Abends bey Probst - Czernys Handschrift 
u. Sonata aus F min.[or] Op, 185 avant la lettre - Probstens 
Tanze - Mus. Sonate von Czerny op. 1 - Notturno v. C. Meyer 

084 „5tes" iiber der Zeile eingefugt. 
152 



Nro: 3 - Wieck u. Gemahlinn - Knocherey u. ewige Debatten 
iiber mich - der grofie u. der kleine Padagog - Wieks Tanze - 
lustiges Wetter - urn i Uhr nach Hause - Bettlectiire: Zeitungen 
u. Sie der ewige Gedanke. 

Dito am 9ten. 
Musikalischer Katzenjammer - Schiitz bey Flechsig - Streit mit 
Moritz [Semmel] - iiber Egoismus u. Einseitigkeit - Ch. Cor- 
day von JPaul 128 - Mild wie du bist pp - Ueber Verbindungen 
u. die Markomannensenioren Renz u. Semmel - Toccata - SiifS- 
mann - Nazos[?] - Renz - Krug - Teichmann - Walther - 
Tempel - Etwas knill *- zu Hause Fantasie in Worten u. Tonen - 
Eine schone Hoffnung ging zu Grabe - 

Dito am loten, 
Brumaire der Burschenschaft - Pseudomarcomannia - National- 
convent der Renegaten (Renz, Semel, Jasmund, Kaminski, Ich, 
Flechsig, Kunze, Beutler, Teichmann, Tempel, Frenkel, Querow, 
Mosel, Heinemann u. Rothe) - Bayersches Bier u. -Schach - 
kleine Knillitat u. Schlummer - Renz die Gloke der Rebellion 
wekt mich auf - Heinemanns Vortrag u. Schutzens himmlische 
Erwiederung - grofte Spannung u. Aufregung - der abgemukte 
Semel u. sein Zorn - Die Marcomannia driikt sich u. giebt 
Schilbach ihre Mafiregeln zu erkennen. 

Dito am uten Dec. 
Stunde bey Wieck - Cramersche Etude - Dr. Carus in Ver- 
zweiflung wegen d. Kranzchens - Mertens[?] - Dericbe[?] - 
Ziiniker Convent der Pseudomarcomannia (zu den vorigen ad : 
TagHchsbek, Sorgel, Walther, Roller, Matthia u. noch 3) - Be- 
schliifte - der verbauerte Erttel - Bey Wiek die i8te Polon.[aise] 
v. Ries zu 4 H [an] den - Abends bey C.[arus] - Kalte steigt bis 
Warme - Lieder von Schubert (Gretchen am Spinnrad) u. Spohr 
- m.[eine] wehmiithige Wonne u. ihre Augen - das zartliche 
Ehepaar u. m.[ein] Schmerz - Victor schreibt Robert - trauliche 
Unterhal tung - Schach - u. Blike u. Worte Agnes [Carus] , Gute 
Nacht. 



Am i2ten. 
Bewiinderung u. HaG werden hochstens dann e i n s e i t i g , 

153 



sobald die efstere die Schwache, der andre die G r 6 - 
ft e n iibersieht. 

Das ist eben der Vorzug der Musik u. der Schauspielkunst, daft 
wir sie gemeinschaftlich genieften konnen, in demsel- 
ben Moment zugleich ergriffen oder entziikt werden; die andren 
Kunste haben dies nicht, Bildhauerey, Mahlerey; selbst die 
Poesie nicht, wenn nicht die Schauspielkunst ihreHebammeware, 
die sie zum allgemeinen Leben bringt. 

Es ist ein driikender, aber wahrer Ausspruch, daft alles Grofte, 
Herrliche u. Schone meist aus Egoismus hervorgegangen ist. 
Egoismus ist raffinirter Eigennutz, wie Lebensklugheit; aber 
wenn wir Geld stehlen wollen, so nehmen wir doch die Ducaten 
lieber, als die Pfennige. 



Mein Herz ist voll; o so moge Sie es ewig so erfullen, dafi es 
uberflieften u. in seiner Wonne reden kann, sey es in Tonen 
oder Worten. O die Welt ist mir jetzt eine ganz andre gewor- 
den, eine freundlichere voll freundlicher Menschen u. lachender 
Bilder. Tausche mich nicht, du meine einzige Hoffnung! ich bin 
es (sel) schon so oft. 

Mild, wie du bist, du Traum von meinen Traumen 
Mild wie dein H^rz, so sey dies erste Lied - 

Dies erste 

An deinen Ufern stand ich, Welt 

Und rang die Hande iiber deine Blumen, 

Die zu zerkniktest, weil sie zauberisch 

Dem aufgeregten Jungling lachelten. 

Du holde Jungfrau, holde Poesie, 

Wie elend stehst du jetzo vor mir da. 

Und wie den Jungling wild der Jungling liebt, 

Und wie er ihn umarmt, u. wie er mit ihm weint, 

So btst Du jetzt; einst warst du mir Geliebte, 

Jetzt bist Du mir Geliebter. 

Und aus den Bluthen deiner Liebe 

Wand sich die Freundschaf t sanf t hervor. 

Ditoam i2ten. 
Nachmittag bey Wiek Probe - Erste Fechtbodenstunde der 
Pseudomarkomannia - Heilige Abendstunden u. der Leipziger 



154 



Mond - bey Carus - Marschner u. seine Frau - Hering - die 
verzukte Doctorinn - Schein der Zuriiksetzung u. meine ekel- 
hafte Laune - Sie - Terzett aus Vampyr - Marschner's Lied aus 
Faust 129 avant la lettre - Die Advocaten von Schubert 130 - Kri- 
tik der Antischubertianer iiber den Wandrer an den Mond 131 - 
das Ziigengloklein 131 - Wanderlieder von Marschner - der 
schwanzende Hering u. Ihre Freude u. mein tiefer Gram - bril- 
lantes Abendessen - Polonaisen u. meine Verlegenheit - der 
malitiose Hering contra Marschner - Duett aus der Vestalinn 132 
- die leidenschafthche Schauspielerin Marschner - Accompagne- 
ment mit Marschner's u. Hering nach Hause - Trtibsinn u. Bett- 
lectiire Gleim's Leben 133 . 



Marschner beleidigt 085 oft personlich u. seine Individualitat, als 
Kiinstler steht mit der des Menschen in off enbarem Widerspruch ; 
das Gesprach kam auch mit ihm u. Hering darauf; Her.[ing] 
schien beleidigt; Marschner sagte richtig: wenn einen Etwas von 
mir gefallt, so wird dieser nicht im Stande seyn, mir eine Ohr- 
feige zu geben. Weber, Spontini, Cherubini u. Beethoven schei- 
nen seine Vorbilder zu seyn; Spohren verehrt er einzig u. allein 
als Sentimentalisten, Spontin'en als den voll des dramatischsten 
Lebens, Webern 086 als den charakteristischsten Tonmahler, Beet- 
hoven als den genialsten u. Cherubini als den erhabensten Ton- 
kiinstler. Schuberten scheint er noch nicht genug zu wiirdigen, 
weil er s c h 6 n e Lieder geschrieben hat u. schon todt 087 ist, 
u. weil er (Marschner) auch welche geschrieben hat u. noch lebt. 
Doch ehrt er seine g e i s t v o 1 1 e Originalitat, wohl zu unter- 
scheiden von gesuchter, erhaschter oder erkunstelter. 



Studentenextremitaten am i3ten. Sonabends. 



Nachmittags bey Wiek - Abends groCe Kneipe bey SiiBmann - 
mein Satz in Groq - Allgemeine Knillitat - Thranen iiber Fr. 

^ Anstelle von „b" urspriinglich „E", die Unterlange von „E U ausgestri- 

chen. 

^^ Urspriinglich „Werb", „r" zu „b" verbessert, das folgende „b" ausge- 

strichen. 

087 Anstelle des ersten „t" urspriinglich „d". 



155 



Schubert - Vereirrigung mit Fl.[echsig] - grofie Schmatzerey - 
Mama Sufimann schweigt in Kiiften - Roller, Walther,Fl.[echsig] 
u. ich als wieder aufgebluhtes Kleeblatt - algemeine deutsche 
Fidelitat - Tanz - Vater Suftmann accompagnkt mich nach 

Hause oder ich ihn - Schurkerey mit Schwefelholzchen 088 

tiefer Schlaf . 

Dito am i4ten. Sonntags. 
HimmlischerKatzenjammer-tolles Leben in derBrust - friihzur 
Probe bey Dr. C.[arus] - Sie allein - mein Groqduft - Die stille 
66 Art v. G. W. Fink - Neue Lieder von Schubert - Wanderers 
Nachtlied von Schubert - Wiek u. Wendler z. Spohr - Griin 
Schild - Nachmittag Carus musikalische Unterhaltung - Trio 
v. Schubert: op.ioo aus Es maj.[or] - Matthia - Hartwig en- 
nuyiren sich beym Erlkonig, Allmacht u. Heimweh v. Fr. Schu- 
bert 134 - Kranzchen bey Dr. Carus - Hering - die Reichold - 
Probstens - Hofmeisters - Wieks - Dr. Kleinert - Fink - Po- 
lonaise v. Ries: Op. 140 aus D maj[or] - die stille Art v. G. 
W. Fink - Fink entziikt iiber sich u. der applaudirende Marsch- 
ner - Duett von May seder (arrang. v. Czerny), (Wendler u. Wiek 

- Lied im Freyen v. Schubert (Sie) - Duett aus d. Vestalinn 
(Mad. Marschner u. Hering) - Wanderlieder von Marschner u. 
Marschners Ehrung) - Lied von Riem (Mad. Marschner) - Not- 
turno v. Kalkbrenner fur Horn u. Pfte (Dem. Reichold u. Stag- 
lich) - der spat angekommene Dr. [Carus] u. Vivat - Terzett 
aus Vampyr v. Marschner (Sie, Carus u. Hering) - Ennuyante 
Pause - Essen - die Reichold, Wendler, Jager u. ich an einen 
Solotisch - angenehmes Gesprach u. verliebte Augen - Probst 
will Leben machen - Theoretiker Fink u. Wiek - Fink lobt mich 

- Wiek charakterisirt mich nach seiner Art - Dr's, sind Sie der 
Liebe fahig? u. meine Polonaisen - Marschner kreuzfidel - Lied 
aus Faust, Trinklied u. Lachchor aus Vampyr v. Marschner - kein 
rechter Humor in der Gesellschaft - Nuchternes Gesprach zwi- 
schen Marschner, Wendler, Hering u. mir iiber Weber - Acconv 
pagnement d. Mad. Reichold nach Hause von mir u. Wendler 

- Verliebte Seelen u. feurige Worte - Zu Hause schone Fantasie 
urn 1 Uhr u. Dialog mit d. schlafenden Fl[echsig] - Sie enuyant - 



088 Anstelle von „f" urspriinglich „1" 

156 



Ditoam 15 ten. 
Stunde bey Wiek u. die Reichold - Nachmittag Geld v. Eduard 
[Schumann] - Schwester v. S. 135 - Wiek; meine Fantasie u. die 
Reichold hort zu - Gesprach mit ihr - Abends Fantasie am Cla- 
vier sehr gut - Priifung der Charakteristik von mir u. Copie - 
Haak lafit absagen - Kneipe - Niichternheit in der Gesell- 
schaft u. enuyantes Gewasche - Bier - der grobe Walther u. das 
arme Klavfier] - diesen[?] kann ich nie verachten - er konnte 
mir jetzt Thranen herauspressen, im Gegensatz, nie diese 089 iiber 
die Achsel ansehen - Weifienbornf?] aus Jena u. Renz in philos 
[ophischj-dialectischen Brief en. 



Dito am i6ten Dec. 
Flechs. [igs] Abreise in die Heimath - Lecture : Herders Philos. 
[ophie] der Gesch.[ichte] der Menschheit 136 - Schach mit Tern- 
pel - Abends Compos, [ition] des Conzertes aus Es maj[or] - 
Groq in Silentiis u. obscone Knillkat chez moi - Kunze u. 
Teichmann storen - Schach mit T.[eichmann] u. K.[unze] - 
Schinken u. ziemliche Fidelitat - Geldpech seit vielen Tagen. 



Dito am 1 7ten. 
Fortsetzung des Conzertes - Griin Schild - Kaminsky - Sem- 
mel Renz - Glok - Knorr u. die vierh. [andigen] Var.[iatio- 
nen] v. Fr. Schubert - Siifimann u. bayersches Bier - etliche 
Knillitat - Renz fiihrt mich n.[ach] Hause u. ich ihn - Cigarre 
im Bette u. Behaglichkeit - ekelhafte Nacht u. merkwiirdiger 
Traum im Traume - Zuvor bey Dr. C. [arus] . Sie - der Engels- 
kopf im Haubchen - Einladung auf Reis u. Rindfleisch - Der 
Dr. u. enuyantes Gesprach - 



23sten in Zwickau 
Ditoam i8ten. 



Traum engagirt mich im Bette zur Reise - Abschied von Probst 
- Zu mittage Rindfleisch u. Reifi - Flegeljahre u. der Dr. [Ca- 

089 Das folgende Wort nicht lesbar. 

157 



rus] liefk - ziemliche Kalte - Abends Conzert auf d. Gewand- 
hause 137 - Sinfonia aus C. v. Mozart - Scene von Rifaut (D. 
[emoiselle] Grabau) - Variationen v. Lindpaintner fur Flote 
(Grenser) - Die Musik von Winter - Ouvertiire u. Finale aus 
d. Wassertrager von Cherubini - Nach d. Conzert bey Dr. [Ca- 
ms] - Schach u. ziemlich lederner Abschied. 

Dko am i9ten. 
Bey Haak u. Philisterpump - Griin Schild - Abends bey Siift- 
mann u. bayersches Bier in massa. 

Dito am 20sten. 
Friihstiik - Schinken - Fuchs 31 Tempel - Kunze - Querow - 
Teichmann - Mosel - Vater Siiftmann - Grower Tanz u. allge- 
meine Fidelitat - Vater Glok u. grofter Vierling - Kaminsky - 
Griines Schild - Dr u. die Spohrschen Lieder - mein Zorn im 
Wachtraum — Postwagen - mit Biittner, Baumgarten u. Wilde 
zu Kintschy - enuyante Langeweile - Postwagen - lederne 
Farth - der Schubertsche Walzer u. Sie - die Nacht durchge- 
fahren - der Pastor Zeddel u. die erste Zensur - Angekommen 
in Zwicka u 138 



am 2 1 sten 
um i Uhr - der wartende Leser - Eduard [Schumann] - Therese 
[Schumann] - DrV 39 - Emilie [Schumann] - die Malchen 
[Schwepfinger] - Mutter - Im Cassino 10 - meine Heiterkeit - 
der Auditeur Carus - a la boule u. die Schumanner - die Post 140 
- Miersch u. das Vorgebirge der guten Hoffnung - 

68 Dito am 22sten 

Rondeau v. Meyer aus Des maj [or] bey Emilie [Schumann] - 
Registrator Meifkier u. mein Selbstgefuhl - Schlegel - Hummel's 
Conzert aus A min[or] u. Kalkbrenner aus D min[or] - Thee 
bey Theresen [Schumann] u. ihr schlecht verstellter Schmerz - 
Der angekommene Fliigel bey Drs [Lorenz] u. meine Freude - 
Auditeur Erttel - Trosky u. Goldaker - Aufforderung zum 
Tanze 142 - Toccata, Notturno u. Variationen von Meyer - der 
Schubertsche Walzer u. Entzukung Erttel's - iiber verschiedene 
Geschmaker - meine gute Fantasie - Variationen von Czerny - 
Erttel fantaisiert - Graberfantasie am Klavier u. das ermattete 

158 



Leben - mein lederner Toast - seine Bitte, bey ihm zu bleiben 
- f urchterlicher Hunger - o - 



Dito am 2 3sten. 
Nachmittag bey Schlegel - Toccata - der gewurzelte Flechsig 
in der Tanne - Abends bey v. Schlegel - Rondeau v. Meyer aus 
Des dur u, Notturno - letzter Satz aus dem Kalkbreii:[er] D 
min[or] Conzert - Variationen von Ries aus B dur uber Figaro - 

Dito am 24$ten. Christabend. 
Lecture: Unsichtbare Loge ister Bd. 46 - Nachmittag Fabrik - 
Th. Carus - Schach u. Bamberger - Post u. Weidemann iiber 
Napoleon - Bescherung - bey Eduard [Schumann] - die be- 
stiirzte Therese [Schumann] u. die gekrankte Mutter - Dr. Lo- 
renz - meine gute Laune - der Bayersche Fliigel - Tauschung, 
Ueberraschung u. Freude Theresens [Schumann] - bey Eduard 
[Schumann] die miflmuthige ^ Mama auf Julius [Schumann] - 
Geistige Auflosung im Bette Abens u. die Cigarre u. die Erin- 
nerung an 1825 u. an alle verwehten Jugendtraume. 



Ditoam2 5sten. 
Friih: unsichtbare Loge - Nachmittag bey Eduard [Schumann] 
u. Fliigel - Schach bey Erttel mit Goldaker u. Trosky - Toccata 
- Fantasie - 9 Uhr fur 7 Uhr - Miersch - Biigner - Karl [Schu- 
mann] - u. kleine Poussade am Anker - Gurk - u. kleiner Hiob. 

Dito am 26sten. 
Friih Visite bey Rudel, Rector's [Hertel] u. Carus - Stange u. 
der Alte mit zerrissenen Zoten[?]-perioden - Nachmittag Essen 
bey Julius [Schumann] - viel Burgunder - grofier Hiob - Ge- 
muthlichkeit - Tanz u. mein Klavierspiei - [Berg-?] Keller u. a 
la boule mit Julius [Schumann] - Miersch - Promenade im Fin- 
stern - Osten fur Westen gehalten - Begegnung mit Stange, 
Fl.[echsig], Kunze pp. - Sturz in denGraben - uberzogneDreck- 
hosen - bey Leser - Schiaf u. mein Wichsiermal - Lotterie - 

090 Das folgende Wort nicht lesbar. 

159 



Alles wie Traum - Therese [Schumann] u. abermaliges Gezeche 
- Verrenkung des Armes - 

Dito am 27Sten. 



69 Der Arm schmerzt - die Mutter wegen Julius [Schumann] - Urn 
11 Uhr bey Carus - der kranke Arm u. die Toccata - Weber u. 
Paris - Vierhandige Variationen v. Czerny mit Josephinen [Ca- 
rus] - Zu mittage bey Superindentent [Lorenz] - schlechte 
Laune - Burgunder - mit Eduard [Schumann] bey Wolf u. bey 
ihm - Schufl[?] - Abends Ball - meine Verstimmung - der 
Cotillon - Schach mit Trosky - Wein mit Eduard [Schumann] 
u. Stengel - von Budberg u. Extraduren u. Cotillon - Dr. Hem- 
pels kufken[?] - Liddy [Hempel] weint mit Robert - Emma 
Liebenau - Carl [Schumann] wekt mich aus Traumereyen - 
Martini u. Sturm - der freundliche Tettenborn - Um 3 Uhr nach 
Hause gegangen - Witzleben I u. Stengl tadeln - 

Dito am 28sten. 
Visite bey v. Liebenau - der Accessist Miiller - Budberg u. 
Trosky - zu mittage bey Eduard [Schumann] - Erttel u. Trosky 
zum Friihstuk - Toccata - Variationen v. Czerny u. Walzer 
von Schubert - prosaisches Mittagsessen u. humorische 091 Erzah- 
lung vom Altenburger Scandal - Gesprache iiber Schubert - die 
sehnende Therese [Schumann] - 

Dito am 29sten. 
Abends beym Auditeur [Erttel] - Trosky's einseitiger Ausspruch: 
er wolle lieber Paganini, als Schiller seyn - heftige Debatten; 
Erttel u. ich contra Goldaker u. Trosky 092 - Tettenborn neu- 
tral - meine Fantasie iiber: an Alexis 141 u. d. Thema aus Auf- 
forderung zum Tanze 1 ' 12 - Um 12 Uhr n.[ach] H.[ause] gegan- 
gen. 

Dito am 3osten. 
Nach Tisch Wein getr. [unken] mit d. Mutter - Schach mit Dr. 
Voigt in der Tanne - Groq 093 in der Fabrik - der eifersuchtige 

091 Anstelle des ersten „h" ursprunglich „E". 

092 Ursprunglich „Tettenb", zu „Trosky" verbessert. 
09;J „q" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

160 



alte Cams - Carl [Schumann] aus Schneeberg - Lamentabile's 
iiber mein Aus u. Einkommen in Leipzig - Burgunder auf d. 
Post - Trio v. Schubert Op. 100 bey Eduard's [Schumann] - 
Piltzing - Meiflner - Carus - Erttel schlagt zwar nicht das Was- 
ser, aber doch das Trio aus wegen dazwischen gekommenen 
Universitatsbekanntschaften - Viel Champertin bey Ed.[uard 
Schumann] u. Unterhaltung mit ihm auf d. Kanappe 

Dito am 31 od. d. Endtriller d. Jahres 1828. 
Volliger Katzenjammer - Schach mit Voigt in d. Tanne - Abends 
Gesellschaf tstheater - Falsche Schaam von Kotzebue 143 - Emma 
v. L.[iebenau] wie ein geprellter Frosch - Menzels ledern - die 
Spiegel, Weber gut - iibrigens enuyant - Zwischenact bey Rod- 
lich[?] - Ende des Theaters u. meine affectirte Entziikung we- 
gen d. Obristen - die schone Helldorf aus Schneeberg - Essen 
- Du Gros Mauderode[?] - Vis a vis von d ledernen Emma 
[von Liebenau] - Vergleichung wegen FLfechsig] dieser Syl- 
vesternacht mit der vongen - Kalte gegen diesen - Es schlagt 
12 Uhr u. das Jahr (Fortsetzung s.[iehe] im 3 ten Hefte) 094 

094 „ (Fortsetzung s. im 3ten Hefte)" mit anderer Tinte geschrieben; ver- 
mutlich spatere Hinzufiigung. 



11 Schumann, Tiigeb. 1 l6l 



70 

Ende 
des zweiten. 



Gedrukt in der Gedankenoffizin des angebli- 
chen Verfassers Robert Schumann (6) 



Drukfehler 

im ersten u. zweiten Hefte der 

Hottentottiana. 



S. A-Z od : i-iooo - mk einigen Aus- 
nahmen ; 

Nachricht an d. Setzer. 
Gewifi wird die Zukunft die Errata dieses Heftes, d. h. meines 
destillirten Geistes in Ausspruchen, Meinungen finden, lautern, 
verbessern, corrigiren, recensiren pp. nach Art der Philologen. 
Denn es giebt bey Gott keinen grofieren Philologen als die Zu- 
kunft, d. h. sie giebt den praktischen Commentar zu(r) der Tra- 
godie der Vergangenheit 



t {Juniusabende u. Julynachte 

von 

Robert. 

Seinem Freunde Gustav gewidmet) t 



162 



1 829 u. mit ihm (Hottentottiana 095 ) wird das ow 
Dritte 097 Heft 

der 098 
Hottentottiana 
durch cine Polonaise mit der entziikten Josephine [Carus] ein- 
gelauten - der letzteren Extase u. ihre liebenswiirdige Fantasie 
uber ihre Ideal [e] - Kalte gegen Fl.[echsig] u. der betrunkene 
Carus - u. seine Klagen gegen meine Opposition - Cotillon - 
Elvire - Leser - Anfang des neuen Jahres u. Ende des Balles - 
Champagner u. Trosky - Elvira. 

Erster Januar bey Tage - 
denn obige Zeilen gehoren dem bey der Nacht an - Physischer 
Katzen jammer - (Erst) Gratulation u. Champagner bey der 
Mutter - Staatsvisiten - Essen bey Theresen [Schumann] - 
niichterne Unterhaltung - bey Erttel - die Frauleins v. Watz- 
dorf u. die Aufforderung zum Tanz - Schach bey Goldaker - 
Thee u. Gesprache uber Friedrich II u. Napoleon - Miersch - 
urn 7 Uhr nach Hause - niichterne Gesprache mit der Mutter. 



Schuldige Nachricht an die funf Wel[t]theile. 



Ich kann den funf Welttheilen gestehen, daft ich noch nie so stolz 
gewesen bin, als wie ich mich beschrieben sah. Besagtes Quin- 
tett aus dem Orchester der gottlichen Weltenschopfungen wird 
nahmlich noch nicht wissen, daft eine Biographie von mir (d. h. 
die (uber) mich behandelt 099 , nicht, die ich behandle) wenn auch 
nicht unter dem Druk der Presse, doch (dem) unter dem 
der F e d e r ist. Da ich auf der Schule viel Grunde hatte, mit 
jemanden auf der Universitat zusamenzuziehen d. h. zusammen 
zu lesen, zusammen Clavier zu spielen, zusammen zu schwar- 
men, zusamen zu trinken u. nicht zusamen zu essen, weg- 

095 Das folgende Wort mehrmals uberschrieben, nicht lesbar. 

096 „wird das" nachtraglich hinzugef ugt ; anstelle von „das" urspriinglich 
Gedankenstrich. 

097 Ursprunglich „Drittes", „s" nachtraglich ausgestrichen. 

098 Urspriinglich Gedankenstrich, „der" spater dariibergeschrieben. 

099 „be" iiber der Zeile eingefugt. 

11* 163 



zugehn, aufzustehen, zu Bette zu gehen, zu schlafen pp. so that 
ich es aus einem der wichtigsten, namjich dem der Freund- 
s c h a f t. Wcnn d. Stubenbursche od. -knochen 63 des Andern 
die Biographie des Andern schreibt, so ist bestimmt eine Span- 
nung da; wenigstens wiirde der mein Freund ge w e s en 
seyn, der (mich) wahrend des Wachsens der Freundschaft, wo 
sich die Jiinglinge vor Liebe u. Mitgefiihl wild umarmen u.s.w., 
das Bild, das er im Herzen tragt, systematisch beobachtend auf 
das kalte todte Papier ubertriige. Die groGte u. hochste Liebe 
ist imer die sprachloseste u. schreibesiichtigste, so wie die feu- 
rigste Freundschaft die sprachreichste u. schreibfaulste. Der Satz 
ist wie a posteriori mehr gemacht. Wie gesagt also mein Stuben- 
bursche hat die tiefen Goldsaiten der Freundschaft zu 
pf eifenden, kreischenden, pipsenden Drath u. Stahlsai- 
t e n einer con- 
74 ventionellen hoflichen u. unhoflichen Freundschaft herabge- 
stimmt. Gninde u. Ursachen will ich den fiinf Welttheilen vor- 
enthalten, da sie Kiirze liebt. Durch blinden Z u f a 1 1 , nicht 
durch die berechnenden, aufbrechenden Dietrichen einer 
kliigelnden 0100 Neugier(igen Vernunft) stieG ich auf diese Bio- 
graphie, die mich denn wirklich so erfreute, daG, wenn mir einer 
den Nam. en wegstriche u. mich fragte: ob der mein Freund 
ware, ich getrost unterschreiben wiirde: der ist's. Da ich mir 
nun aber selber sehr nahe bin, so kann ich nicht um hin gegen 
Einiges Biographisches meines Plutarchs od Homer's Einwurfe 
zu machen, da bey der Lampe betrachtet das Ganze mehr ideali- 
sirt, als gut getroffen ist. Freylich soil ein guter Mahler dies 
Beydes vereinen; abef wie selten ist der Mensch ein guter Mah- 
ler, vollends einer des Herzens u. des Geistes, d. h. ein Biograph. 
Es giebt kein Menschenleben, das nicht einiges Interessante ge- 
habt hatte; darum hab' ich selbst schon im vierzehnten Jahre 
meine Autobiographic 144 geschrieben u. darum werden mir die 
ftinf Welttheile verzeihen, wenn ich diese meine Biographie 
verbessertu. bedeutend ° 101 vermehrt von Neuem 
auf lege, so dafi diese der Commentar (jener) u. Antikritikus je- 
ner meines Stubenburschen seyn soil. Ich versichere den fiinf 
Welttheilen, daG sie meine durchaus nicht zu lesen bekomen soil, 

oioo N ac h „klugelnden" ursprunglich Komma und Beginn des folgenden 
Wortes mit kleinem Buchstaben, durdb „N" iiberschrieben. 
0101 Anstelle von „be" ursprunglich „ver". 

164 



jene vielleicht eher, weil sie zum Druk bestimmt zu seyn scheint 
u. vielleicht die Supplemente meiner Opera omnia, wie die Gru- 
berschen jene Wielands 145 bilden. Amen d. h. ja, ja, also soil 
geschehen u. es wird es, verehrte fiinf Welttheile ! — 



Studentenextremitaten am 2ten J.[anuar] 



Lecture der Liebesbriefe meines herrlichen Vaters - Abends bey 
Julius [Schumann] - Porterbier - Gemuthlichkeit u. dike Knil- 
litat. 

Ein Dito am 3ten J.[anuar] 
Le petit Rascber - Billard - Spaziergang in die Fabrik - die 
beleidigten Zwickauer Damen - Schach mit Meusel in der Tanne 

- Kalte gegen Fl[echsig] - Walther - Carl [Schumann] aus 
Schneeberg - Therese [Schumann] u. die Schubertischen Polo- 
naisen - Miersch - Diaconus Richter u. der elogenschneidende 
Kohler - Nach Hause gegangen - Dumme Streiche vom Vater 

- das Leben eines Gliiklichen - Schwanke von Langbein 146 u. 
aufgeregte Nacht - 



Dito am 4 ten 0102 (Sonntag 0103 ) 
Mittagsessen bey der Mutter - die kalte Therese [Schumann] - 
Oberlander - Eduard [Schumann] n.[ach] Neudorfchen - Ge- 
muthvoller Abend bey Julius [Schumann] - Allgemeine Knilli- 
tat - der Erlkonig 134 

Dito am 5 ten 0104 . 
Reise nach Schneeberg - Zschenderlina - Fiker's u. Verstummen. 

6ten 0105 . 
Ball - Vater Voi knill - Tniltzsch u. Champagner. 

0102 Anstelle von ,,4" ursprunglich „5 M . 

0103 Anstelle von „tag" ursprunglich „abend". 

0104 Anstelle von ,,5" ursprunglich „6". 

0105 Anstelle von „6" ursprunglich ,,7". 

165 



7 ten 0106 . 
Abends bey Fikers - Amalia Scheibe - Finger- u. Herzen- u. 
Augenspiel - Amalia [Scheibe] ! - 

8ten 0107 . 
Abends steife Parthie bey Forstmeister von Helldorf - Hptmann 
Helldorf - Egidy - der Kamerherr u. sein lederner Adoptivsohn 

- der unglukKche Lakay - 

9 ten 0108 . 
Amalia [Scheibe] - u. Verlegenheit - Retourreise - Actuar 
Wilde in Wiesenburg - Coelestine - Hasel 1 * 7 - Markobrunner 

- Liddy [Hempel] u. grande Schlittenfarth - mein enuyanter 
Aufenthalt - Schedewitz u. Schnaps - Miiller - Fabrik - Schlaf 

- Ueberraschung - gliiklicher Traum von Amalia [Scheibe] - 
die Skatsgesellschaft allein - zu Hause - Amalia [Scheibe] 
V autre - tief - tief - pst ! — das Herz - der pressierende Miihl- 
mann - meine erheuchelte Munterkeit - Punsch - Clavier u. 
Schubert'sche Polonaisen mit Meiflner. 

ioten 0109 . (Sonabend) 
Nachmittag bey Errtel - Burgunder u. meine gliikliche Fanta- 
sie - Schlaf u. Hollenversuche zu Hause - Abends Quartett bey 
Carus - Weber[?] 0110 u. Josephine [Carus] - die Toccata - 

men 0111 . 
Friih mit Piltzing die Schubert'schen Polonaisen ziemlich nvich- 
tern - Mittag(sess) bey Carus u. das Humelsche Rondo - der 
Schweinespieler - Mittagessen bey Julius [Schumann] - Cham- 
bertin - Angestochenheit (!) - Spatziergang nach Schedewitz - 
'Miersch - Keller - Schach - Schlittenparthie nach Lichtenstein 
versaumt - Abends bey Eduard [Schumann] - Erttel, Goldaker, 
Weber - Trio v. Beethoven aus B - Punsch - aber ziemlich le- 
dern - 

010li Anstellc von ,,7" ursprunglich „8". 

0107 Anstelle von „8 M ursprunglich ,,9". 

0108 Anstelle von ,,9" ursprunglich „io". 

0109 Anstelle von „io" ursprunglich „n". 

0110 Anstelle von „Weber [?]" ursprunglich „es [?]". 

0111 Anstelle von „u" ursprunglich ,,12". 

166 



• i2tea 0112 . 
Abschied v. Rudel pp. - Nachmittag v. d. Burgermei stern, Doc- 
tors [Lorenz] - Emilie [Lorenz] weinend - „u. wenn Du mich 
nicht wiedersiehst" ! - Wehmuth u. bieibender Eindruk - Post 
- Markobrunner - Postwagenfreundschaften - Nacht gefahren - 

Ditoam i3ten. 
Friih Ankunft in Leipzig - Abends bey Siissmann - 

Ditoam i4ten. 
Die Manichaeer 148 - Abends Conzert der Bertrand 149 , in welches 
ich nicht ging - Handgreifliche Knillitat. 

Ditoam 15 ten. 
Abends Conzert 150 - Ouvertiire aus Pietro d'Abano von Spohr - 
Arie von 0113 Nicolo Isouard (nein, ich singe nicht, la Grabau) - 
Conzertsatz f. Violine von Matthai (comp.[oniert] u. gesp.[ielt] 
v. ihn) - Duett aus dem Berggeist - dann : 

C moll Sinfonia | fff P 

Raisonneur Probst - Jasmund - Siissmann - die hoflichen Lau- 
sitzer - kleiner Stich - glukliche Umseglung des Stuhl's in der 
Schlafkammer - 

Ditoam i6ten. 
Weber u. Wendler - Champagner - Bniderschaft u. sie fielen 

uber iiber fromme Weiblichkeit Josephine 

[Carus] - verschiedne Fliisse (Rede u. ein andrer) 

Dito am 1 7ten. 
Das verquollene Auge - ein Eisenhammer im Kopfe - Abends 
bey Siissmann - scandalisirende Lusatia ! - 

Ditoam 18 ten. 

Ein enuyanter Tag. 

Nachmittag Trio von Beethoven Op. I - Es klappte u. klang 

^ 112 Anstelle von ,,12" ursprunglich ,,13". 

0113 Ursprunglich „aus", durch „von" uberschrieben. 

167 



nicht Nichts - nichts Bettlectiire : JPaul's Gianozzo 1ul u. 

sein Leben u. Sterben - schlechter Schlaf - 

Dito am i9ten (Montag) 
VII <Sechstes) om Terzett - Trio von Schubert - Weber kalt - 
Trio von Pixis aus F dur - Trio v. Kalkbrenner aus D ma} [or] - 
Bey Probst - Morgenstern - Wendler - Kulenkamp aus Gottin- 
gen - Wiek - Abendessen - Probst contra Marschner - Ron- 
deau a 4 m.[ains] v. Czerny - Op. i - Variationen von Kalk- 
brenner aus Moses a 4 m[ains] - Rondeau v. Franz Schubert 
a 4 m[ain$] - Variationen v. Ries (Kulenkamp's schlechter An- 
schlag) - Walzer von Wendler - um 1 Uhr nach Hause. 

Dito am aosten. 
Nachmittag Weber bey mir - Glok - Plauischer Hof - Kintschy 
u. Abschied v. Weber - Devisen u. ii.[ber] die Sufifrauen - Witze 
mit Kaminsky - Emilie [SiiGmann] u. Kaminsky - Walther - 
Theetrinker Flechsig - Roller - von hohen Menschen - Mond- 
abend - Mondlicht im Kopf - Der zum Beurtheilenden verur- 
theilte Beobachter im Bette - will Satisfaction - Latscherey 
ohne Macht erzeugt Wohlthaten im Zwerchfell - 

77 Dito am 2isten. 

Abends bey Siissmann - La - la - la - la - la - Laudon, Lau- 
don ist da - Erbeben im Zwerchfell - Schulze - sonst nichts - 

Dito am 2 2s ten. 
Nachricht der Schwager - Abends Conzert 152 - Symphonie von 
Abt Vogler - Scene u. Arie von Mozart fur Pfte u. Sopran (Dem. 
Grabau u. Reichold) - Conzert von Ries aus Es dur (Op. 42) 
(die Reichold) - Marschner - Kulenkamp - Probst - der su- 
chende Tittmann - Ouvertiire aus Euryanthe - Duett aus Jes- 
sonda (Grabau u. Mantius) - Finale aus Euryanthe - Ende - 
der verlorene Mantel - des belles filles - grofle Verwirrung u. 
Verirrung - die Schwestern im schottischen Mantel - Conven- 
tionelles, kaltes Wiedersehen bey Drs. [Carus] - u. die kleine, 
unaesthetische Wellenlinie des Bauches - schlecht - ndch bey 
Siissmann - der knille Semel - die fantasirenden Besen 153 die 

0114 UrspriingHch „Trio von S", durch „Sechstes" uberschrieben, ausge- 
strichen, iiber der Zeile durch „VII" berichtigt. 

168 



Sussmanney - Roller - Gassenscandal - Tempel u. das zuge- 
frorene Fenster - Topf - Groq bey Roller - 0115 u. seine Schau- 
spielerverzweiflung - Labyrinth in Roller's Hause - der Hund 
u. der Hausmann - Cigarre im Bette u. Wohlbefinden. Um 2 Uhr 
nach Hause - 

Dito am 23sten. 
Der schlafende Roller bey Sussmann - grobe Anzuglichkeiten - 
Schach mit Fl[echsig] - Damrungsfantasie u. die Miiller'sche 
aus F moll - Sussmann - Magenfantasien u. Punsch - um 1 Uhr 
nach Hause - 



24sten. 
Ja! wie ein Schiksal griffst Du in mein Leben 
Und gabst den Saiten ihre Tone wieder 
Ach; allemilden Blumen, die den Kranz 
Des Lebens mild verschonen u. verklaren, 
Das leichte Jugendlied, die frohen Scherze 
Das Blaue 0116 in den Augen, u. 0117 die 0118 Feuerbrunst der 

Wangen, 
Das Alles, Alles gabst Du mir. Mit Bienenlippen 
Hang* ich an euch mich feurig an, ihr Bliithen der . 
Berauschten, flammenvollen Gegenwart: 
O bliiht nur fort u. gebt mir keine Thranen 
Und nur den Perlenthau der Wehmuth ! 
Komm Du auch wieder, holde Poesie, 
(Um) Die ich (einst) mit Kindesarmen einst umschlang. 
Im Ungliick schlofi die Lippe sich. u. schwieg. 
Du nimm die Thrane weg vom feuchten Auge 
Und zeige dem Verhullten seine Sterne wieder ! 



Dito am 24sten. 
Nachmittag Glok - Sonate von Hummel - Semmei Refit die 
Moral - Kostrijin - Sussmann - Lusatenkneipe - Hoflichkeit - 
Cosbutter Bier - Knillitat - bey Sussmann Nagel[?] - Renz u. 

0115 Das folgende Wort nicht lesbar. 

0116 UrsprungHch „Feuer", durch „Blaue" iiberschriebcn. 

0117 Urspriinglich „das [?]", durch „u." uberschrieben. 

0118 Ursprunglich „bis [?]", zu „die" verbessert. 



169 



Caroline [Siifimann] - weiter kann ich mich nicht besinnen 
Um 12 Uhr nach Hause. 



Dito am 2 5sten, 
Aufgangfantasien - aufgeregter Kopf - Debatten im Bette we- 
gen viel Stolz u. keiner Urtheilskraft - Eroffnung von 0119 inne- 
res Lacheln, so wie Kaffee im Bette - Nachmittags VHItes Ter- 
zett. Trio v. Ries aus C moll: Op 156 (ernst u. schon) - 3 Trio's 
von Beethoven aus Es maj[or], G maj[or] u. C. moll O p. 7 0120 - 
Trio v, Mozart aus B dur - Trio v. Pixis aus F maj[or] - der be- 
trunkne Renz schamt sich - Stummer Zorn bey Siissmann u. Ver- 
legenh[ei]t auf alien Gesichtern - die weinende Caroline [Siift- 
mann] als biiCende Raphaelsche Magdalena - Kopfhanger 
Renz - Beefsteaks - um 6 Uhr nach Hause - Schach mit Renz - 
Fantaisie u. 4hdges Clavierspiel mit Bohner - Bettlectiire: 
Diocha aus Nikolaus Marggraf von JPaul 1M - Oppiger Schlaf . - 

Dito am 26sten. 
Abends bey Siissmann - lederne Niichternheit u. der Whisttisch. 

Dito am 27sten. 
Whist- u. Landsknechtparthie - Zu Dr. [Carus] - der aite 
schlafrige Cams - Marschner - Arien aus dem Vampyr - a£- 
fectirte Entziikung und Marschner's vorher iiber meine - Bur- 
gunder bey Tische - seine Variationen Op. 48 - meine Fantasie 
u. er lafit mich leben - seine Reise nach Prag u. Schul- u. Staats- 
gefangener - der alte Carus nikt - Accompagnement mit 
Marschner n.[ach] Hause - die suchenden Huren u. M's: sie 
suchen wohl eine Unschuld? — 

Dito am 28sten. 
Mein Quartett - Nachmittag mit Tempel um die Allee - meine 
Lieder - zu Wiek wegen Fliigel - Ouverture 0121 von Fr. Schu- 
bert Op. 32 - Mit Renz u. Fiirbringer zu Nagel - bayersches 
Bier - Siissmann - lederne Gesellschaft - Schrifts teller Jasmund 

0119 Die folgenden drei [?] Wdrter nicht lesbar. 

0120 Nach „C moll" ursprunglich Gedankenstrich, durch „Op." teilweise 
iiberschrieben. 

0121 Ursprunglich „Mus", durch „Ou" uberschrieben. 

170 



nebst Stubenbursche sind grob - Emilie [Siiftmann] u. Austern 
- Renz u. Karolina [Siifimann] - Schlittenparthie mit zweybei- 
nigen Pferden - Rum u. die Hofkapeile im Bett - 



Dito am 29sten. 
Nachmittag bey Nagel mit Fl.fechsig], R6ll:[er] u. Walthjer] - 
iiber Leidenschaften - Zu Hause Caviar u. Schach - Abonnement 
Conzert 155 : Ouvertiire von Drobisch - Punsch - Scene von (Beet- 
hoven) Rossini 0122 - Concertino v. Miiller f. d. Posaune v. 
Queiser - Terzett von Beethoven aus Fidelio - Pastoralsympho- 
nie von Beethoven ! 

Ende des Conzertes - Die Madchen u. mancher schone Blik - 
Du frommer, sanfter - u.: wollen Sie erlauben? aus schonem 
Munde - Traume - Siissmann - ledern - zu Roller - zu Nagel - 
Schilbach - Otto - zu Wollweber - Burgunder u. die schone 
Frau - Zu 0123 Hause satyrische Vorlesung - aus der Hottentot- 
tiana - u. Fortsetzung im Bette, fast zu bitter, 

Dito am 30sten. 

(Freytag) 

Abends bey Siissmann - Fr[echsig]s lederne Besoffenheit - 

Whist - ich niedergeschlagen - mit Walther noch um 1 1 Uhr zu 

Nagel - bayersches Bier - Knillitat - Bett s. g. weg - Schaam - 

am 3isten. 
Nachmfttag - mit Roller zu Nagel - wie angenagelt bis 5 Uhr 
- selige Knillitat - iiber JPaul u. Musik - Walther u. Renz wie 
Dei ex machina - Spectakel im Goldhahngafichen - der Hosen- 
sch . . . er - ! ! - Schlaf zu Hause - der weckende Renz u. Beef- 
steak's mit Hundefett - das Trio Nro: 9 - Ueberspannung - 
Trio von Schubert - Trio von Mozart aus Es dur - mein Quar- 
tett - Trio von Ries aus C moll - Groq u. Glok - der Erlkonig 
u. mein Fischer von Gothe u. Schubert - Knillitat Nro : 2 - All- 
gemeinheit - der gefiihlvolle Renz u. der besessene Sorgel bey'm 
Schubert'schen Walzer - Glok spricht: er ware nicht knill - be- 
trunkenes Ende aus Don Juan - die Schinkenruinen - Rum u. 
Todtenschlaf - 

0122 „Rossini" iiber der Zeile eingefugt. 

0123 Urspriinglich „ab", durch „Zu" iiberschrieben. 



171 



Dito am isten Fbruar 
Schlafpelztag u. mein Quartett - Abends bey Siissmann - 

Dito am 2ten Februar. 
Schlafpelztag u. mein Quartett - Abends bey Probst - ate So- 
nate a 4 m[ains] v. Onslow aus Es dur - Neue Variationen von 
Kalkbrenner aus D dur - zte Grjofie] Sonate a 4 m[alns] von 
Czerny etc. : - um 1/2 12 Uhr n.[ach] Hause - 

80 Studentenextremitaten am 3ten Febr. 

Friih Briefe an die Schumanney - Nachmittag bey Wiek - Pro- 
log u. Sonate von Jacques Schmitt avant la lettre - Abends ein 
wenig bey Siissmann - wenig Groq - u. Begeisterung beym 
mein 0124 Quartett - angenehmer Schlaf . 

Dito am 4ten Febr. (Mittwochs) 
Quartett aus F min[or] - u. gliikliche Fantasie - Abends bey 
Siiftmann - etwas ledern - gliikliche Fantasie zu Hause u. Ro- 
manze aus F moll. 

Dito am 5 ten Febr. 
Mein Quartett - Nachmittag Lieder von Schubert - Abends 
Conzert 156 - G moll Sinfonia v. Mozart - Cavatine aus Euryan- 
the von Weber - Concertino fur Oboe (schlecht) - Scene aus 
Sargino v. Paer (Grabau, Hering) - Ouvertiire von Hummel - 
Finale aus der Vestalinn (ister Act) von Spontini - Gewalt der 
Septimenaccorde u. die arme, nervenschwache Dame - Franke 

- der Grieche Mimis mit d. Blondine - angenehme Quatscherey 

- die Blondine Mahlmann - der schottische Mantel sah sich oft 
um. 

Dito am 6ten Febr. 
Ausschreibung der Stimmen fur mein Quartett - Abends bey 
Haak - Clavierspieler Meyer mit schlechtem Anschlag - der 
malitiose Schwenker - sonst war es hubsch. 

Dito am 7ten Febr. 
Abends: iotes Quartet - Trio v. Onslow: Nro: 2 - mein 
Quartett Op. V. (!) (3mal) u. Lobeserhebungen - Emilie 
u. Caroline [Suflmann] als Ganymede - Gallopade - Glok uber 

0124 „mein" uber der Zeile eingefugt. 

172 



Poussade, Burschenschaft, Faust pp - der bleiche Taglichsbek - 
Stteit mit Fl.[echsig] iiber Urtheil pp. - u. die stinkende Kam- 
mer. 

Dito am 8ten Febr. 
Nachmittag bey Siissmann - rother Wein 14 Flaschen - Roller, 
Walther, FL[echsig] - Emilie [Siifknann] - pp - grofle Knilli- 
tat - Schneeballenkrieg - dann Streit mit FL[echsig] u. Roller - 
u. mein Majestatsausspruch u. allgemeines Stillschweigen - Ge- 
fiihl meiner Wiirde u. meiner selbst - Um 7 Uhr nach Hause - 
zweiter Krieg mit Zungen u. Thranen im Hemde am Ofen - tau- 
melnde Bachchantenfiifie u. schoner Schlaf. - In Zw.[ickau] Ball 
u. Nanni [Petsch] - 

Dito am 9ten Februar. 
Nichts - Abends Menuett zum Quartett - 

Dito am loten Febr. 
Abends bey Siissmann^- Grocq - Kaminsky - Walther - Tempel 
- Champagner - die Lausitzer - Tempel im Schlafpelz - u. der 
phlegmatische Kobold - Tempel Siebenmeilenstiefelschrittes der 
Quere - die iippige Emilie [Siifimann] auf der Bank dorkelt - 

Dito am 11 ten Febr. (Mittwoch) 
Nachmittag Katzenjammer - Abends Roller - Renz - Semel - 
erst Stille - Roller u. (Tempel) Renz 0125 von Schweinehunden, 
Ausbruch - Betriiger, schlechter Vater - Holzer[?] - Bruch 
mit dem Siissmanischen Hause - die alte stiirzt 
herein im Nachtkorsett u. Schlafhaube - tragische Scene - ihr 
Sturm legt sich - aber die Wellen wogen fort - Ende. - (Ge- 
burttag meines 2ten Neveu) 0125 * 

Dito am i2ten Febr. (Donerstag) 
Abends Conzert 157 - Ouvertiire aus Vestalinn - Cavatine aus 
Gazza Ladra - Conzertino fur Clarinette v. Weber - Scene u. 
Finale aus d. Vestalinn (schlecht) - die Schlacht von Vittoria von 
Beethoven - getauschte Traume - lederner Aufenthalt zu Hause 
u. schlechte Nacht. 

0125 „Renz" uber der Zeile eingefugt. 

0125a „(Geburttag meines 2ten Neveu)" nachtraglich eingefugt. 



173 



Dito am 1 3 ten Febr. 
Lecture: Biographie v. Walter Scott: Bausset memoirs anecto- 
diques 158 - Paganini ist da 159 - bey Wiek - die Humelsche Cla- 
vierschule 160 ist da - Anzeige von Beethovens samtlichen Wer- 
ken 161 - Abends erster Kneiptag bey Noak - ganz kleine Knilii- 
tat u. schones Einschlaf [en] mit physischer Auflosung. 

Dito am 14 ten Febr. 
Friih Brief von Julius [Schumann] u. Meldung der gliiklichen 
Niederkunft Emiliens [Schumann] (am 11 ten Febr: Nachmit- 
t:[ags] 1/2 i Uhr) 162 - Freude u. Antwort - Nachmittag - Paga- 
nini ist fort - Unmuth u. Grimm - zu Dr. [Cams] - sie liebens- 
wiirdig - zu Nagel mit Renz - Gemuthlichkeit - das verpfuschte 
Quartett - das halsbrechende Cello - Um 8 Uhr zu Haake - 
Meyer - Magisterlein Sturm - u. Kaufieute - honnett - Mosche- 
les'sche Sonate aus Es dur a 4 m[ains] - u. noch 1000 andre v. 
Czerny - das kriechende Magisterlein - meine Voreiligkeit mit 
dem Pfeifen. 

82 Dito am 1 5 ten Febr. 

Zu Tische bey Dr. [Carus] - Sie liebenswiirdig - der lederne Fa- 
mulus - Lied v. Weber u. andre von Schubert - Nachmittag zu 
Hause - Kupf erstiche mit Walther - Abends - Grimes Schild - 
Bayersches Bier u. Billard - kein Einschlafen - u. Cigarre im 
Bett um 12 Uhr - Ewige Musik wahrend der Nacht u. ekel- 
haf ter Schlaf . 

Dito am i6ten (Montag) 
Abends bey Probst - Quintett von Onslow a 4 m[atns] - Sonate 
a 4 m[ains] v. Fr. Schubert - Rondo v. Fr. Hunten - 

Dito am iyten. 
Die Hummersche Clavierschule - Nachmittag bey Nagel mit 
Renz - 10 Schnitte - kleine Knillitat - Die H.[uren] in Gold- 
hahngafichen - auserst prosaische Ka -*• Fensterscheibe im Ab- 
tr.[itt] - 

Dito am 18 ten. 
Fingeriibungen aus Hummel von 7-12 Uhr - Adagio zu meinen 
Quartett - u. der Sonnenaufgang - Bey Nagel mit Renz u. we- 
nig Bier - Schlaf - Aufwachen u. ekelhaftes Seyn - dann Adagio 

174 



tortgesetzt - Praludien u. Fugen von Bach mit Glok - ekelhafte, 
/erfluchte Nacht! 

Dito am i9ten. 
Hummei'sche Uebungen - Abends Conzert 163 - Symphonie von 
Spohr (Nro. 3) - Scene u. Arie aus der Belagerung von Corinth 
v. Rossini - Conzert f. d. Violine von Rode (H. Winter) - Har- 
monika presepiale - Ouvertiire aus Vampyr - Tiirkenchor aus 
der Belagerung von Corinth - Cavatine von Weigl - Scene u. 
Chor d. Griechen aus oben benannter Oper - la belle babillarde 

- noch bey Nagel - 

Dito am 20sten. 
Friih Uebungen - Adagio zum Quartett - Abends bey Haak mit 
Semmel - Polonaise von Moscheles, Reifliger a 4 m[ains] - Va- 
riat:[ionenJ v. Herz a 4 m.[ains] iiber: au clair de la lune - 
Kaufmann Meyer - Sturm - Schwenker u. d. Eselsprobe - 

Dito am 2isten.* 
Der stiirzende Renz in Extase - Geld wie Heu - Siissmann - die 
Madchen - Auguste [Suftmann] - mit Renz Weinproben - 
Abends utes Quartett - Quatuor von Weber aus B dur - Trio 
von Onslow aus E moll - iter Satz, Minuetto u. Adagio aus 
m.feinem] Quartett - das Trio zum Menuett u. d. Sonenauf- 
gang. 

Dito am 22sten * 

(Sonntag) 

Friihstiick bey Renz - Grofie Volkerschlachten - Semmel u. Todt 

- Vater Glok u. Furbringer - der Bader u. pater patriae - Ba- 
taille zwischen Tod u. mir - u. die Glaser am Kopfe u. die 

Thranen u. Heruntermachereyn Semmel fiihrt mich nach 

Hause - dann Beefsteaks - todter Zustand - zu Nagel - das 
Madchen u. die Umarmung auf d. Reichsstrafie - Roller u. 
Rothe bey Nagel - Rothe - ethischer Ingrimm gegen alle Men- 
schen - Ohrfeigen u. die Bayerschen Bierkriige zerbrochen - zu 
Hause Schlacht mit Nachttopfen u. Schlagern - erst herunter- 
gemacht - innerer Aufruhr - der Schlager u. die Verwundung 

- Amen 1 - / (himlischer Traum von A.[gnes Carus] -) 

Dito am 2 3sten* 
Friih Katzenjammer u. zerrissener Zustand - „wir schiefien uns" 

175 



- Inneres Lacheln - bey Renz gefruhstiikt - mit Renz, Roller, 
Fl.[echsig] u. Seramel zu Nagel - heitre Unterhaltung - Glok 
u. die Tartinische Septime - d. Fiirb ringer - del filiis matina 
Scbutzi&na - Groth - Friedrich - Fiirbringer u. der bescheidene 
Renz - alles driiber u. drunter - „Ruhe" „Hundsfott" - Auf- 
stand - Schlacht mit Zeugen - Vierling zur Thiire hinausge- 
stekt - grofie Gewitter in alien Briisten - dann V.[ierling] als 
Rohrsperling - der Friedrich anpakende Philister u. allgemeines 
Schisma - die Pelica[?] u. zarte Schlacht - die Karte du Lau- 
sitzer - nach Hause - der lederne Stubenk.[nochen] thut grofi - 
schone, schone Traume von A. [gnes Carus] -. 

Dito am 24sten. 
Nichts - Brief von Rosen - Abends bey Haak - Semmel - 
Sturm 

Dito am 2jsten. 
Renz wegen Nostitz - auf d. Fechtboden - zu Nagel - mit Groth 
auf Ma[h]ler's Caffeehaus - Billard - zu. Hause - Wohlbefinden 

- der Verrath des Besens - der projectirte Auszug - Aufruhr im 
Innern - mit Renz zu Nagel - die Markomania - Glok - viel 
bayersches Bier - ganz komische Knillitat - In der Nacht Sym- 
pathie der kalten P . . . u. Abtritt. 

84 Dito am 26sten. 

Vom Fechtboden zu Nagel - Abends Abonnementconzert 104 - 
Ouvertiire von Eberwein - Arie aus d. Berggeist - Flotencon- 
zert von Belke (unter aller Kritik) - Quintett aus d. Lodoiska 
v. Cherubini (ebenfalls) - Symphonie v. Beethoven aus A 
ma)[or] Nro 7 - Zu Nagel - mit Jasmund zu Mertens - Billard - 

Dito am 27sten. (Freytag) 
Triiber Tag - Hummelsche Uebungen - Abends Redoute im 
Hotel de Pologne m - zu Haak - der Pilger u. die Pilgrime - 
Domino Semmel - Niedergedriiktheit - doppelte Musikchore - 
brillantes Local - Gewirr von Masken - Don Quixotte - Haak 

- die Policinello's demaskirt - Caroline [SiiCmann] u. Augu- 
sts 0126 [SuGmann] - Probst - Die Buchhandler Weinbrok mit 
d. wolliistigen Augen - die Einzige Lacheln u. stumme 

0126 Anstelle von „A" urspriinglich „E". 

176 



chen mit Flamenbliken - die Bdmgartncr -- Haak - Meyer - 
Seligkeit - Traumereyn - die Polonaise u. die iippigen Mad- 
Schwenker - Haberkorn - Burgunder - sie verschwunden - Su- 
chen - Erhitzt - im bloften Kopfe u. Frak nach Hause - Cigarre 
im Bette u. Traume - 

Dito am 28sten. 
Nachmittags I2tes Quartett - Studium des meinigen - dann 
Trio von Onslow (Vtes) aus D 012/ maj[or] - Extase bey Nagel 
mit Renz - zu Hause Schlaf u. Miidigkeit - Groq von Renz - 
Walther als Pilger - Champagner - abermalige Bataille mit 

dem Bauer, vulgo Bauerkrieg Renz knill - spate Fantasie 

u. schone Traume - 

Dito am isten Marz - 
Streit mit Semmel wegen Vatermorder - Visite bey Dr [Carus] 

- Josephine [Carus] - sie liebenswiirdig - der Stutzer Renz - 
nach Gohlis - Billard - getauschte Hoffnung - enuyanter 
Aufenthalt zu Hause - 

Dito am 2ten Marz. 
Friih bey Wiek - Anfang des Humelschen A moll Conzert - 
der verwundete Heinemann - mit Renz zu Nagel - Glok - der 
Russe Graf Kalikronow - ver Paderastie - zu Hause kl.[einer] 
Schlaf - Roller - dann gliikliche Fantasie iiber den Sehnsuchts- 
walzer - Bettlectiire : Ivanhoe ,f5ti . 

Dito am 3ten Marz. 
Friih verpfuschte Paukerey zw.[ischen] Renz u. Nostitz - Farth 
nach Gnaisheim - Jasmund - Teichmann - Franke - Sekendorf 

- Barthel - Graf Bruhl - Gr.[af] Riidiger - mit Jasmund in's 
[Griine] Schild - in Kaffeebaum - Billard - zu H.[ause] Briefe 
von z.[u] H.[ause] - mit Renz u. Semel Spaziergang durch die 
Stadt - zu Nagel - bey einer Tokayer - bayerisches Bier - Pfann- 
kuchen - Abendpromenade auf die Funkenburg - bey Bran- 
der's - die kleine Niedliche - Grocq - Poussator Semel - um 
die Allee zu Schneider's - die schone Therese u. d. eifersiichtige 
Semel - Agnes - Franziska - Clara zieml.[ich] abgespannt - die 
iippige Franziska - der befiirchtende Renz u. Stanzen u. Finger- 

0127 Anstelle von „D" urspriinglich „G 4 '. 

12 Schumann, Tageb. 1 ^-.-. 



iibungen im Naken a quatre mains - die Rechnung - Verspre- 
chungen auf Morgen 1/2 9 - Kiisse - zu Nagel u, Gelachter - u. 
der moralische Rendalf?] - der phlegmatische Stubenbursche - 
dann zu Hause - iippige Nacht mit griechischen Traumen - 

Dito am 4ten. (Mittwoch) 
Friih Uebungen u. das Hummelsche A moll Conzert - Nach- 
mittag zu Nagel mit Renz - Soliditat - Raisonnier Glok u. Fur- 
bringer wegen gestern - abermalige Nageley u. dito Soliditat(s) 

- triibe Ideen - Kaminsky - Abend 0128 zu Dr. [Carus] - Va- 
riationen von Marschner - Walzer von Fr. Schubert - die ver- 
liebte Josephine [Cams] - Lieder von Schubert - sie zu mutter- 
lich schon - Gretchen von B. Klein - Tabak fur Thee getrun- 
ken - Fantasie iiber: Sehnsuchtswalzer u. d. lieben Augustin - 
Bettlecture: Ivanhoe - Herrlicher, langer Schlaf -. 

86 Dito am 5 ten. 

Friih Fingeriibungen u. A moll Conzert - Nachmittag mit Renz 
nach Gohlis - Roller u. die Altenburger - getauschte Hoffnung 

- die adliche Sachsenglique - Billard - herrliches Abendroth - 
Groq - mit Renz in's Conzert 167 (Nro: 17) - Symphonie von 
Kalliwoda - Cavatine aus Tancred - Conzertino fur die Violine 
comp.[oniert] u. vorgetr.[agen] von Kalliwoda - Terzett aus 
Sargino (Pogner, Mantius, d. Grabau) - Ouvertiire aus Oberon - 
Polonaise 0129 von Kalliwoda f. Violine - Finale aus d. 1. Act d. 
Oberon - Tauschung - zu Nagel - Schauspieler Richter - kleine 
Knillitat- 

Dito am 6ten. 
Friih Clavier - Nachmittag mit R[en]z um die Promenade - 
zu Schiegnitz - Billard. Kaffee - Tittmann's - abermalige Pro- 
menade - die alten Neupreussen - Nichts - schoner Himmel - 
geheime Liebschaften von Pariser Hofdamen - mit Semmel, 
Renz, Fiirbr. [inger] zu Poppe - Nichts - Menschenhafi u. Zorn 
in mir - Abends D moll Conzert v. Kalkbrenner u. Des dur 
Rondeau v. Mayer - dann Fantasie - Bettlectiire: Wagner's 
Schriften i2ter Teil 168 - schlechte Traume von zerbrochenen 
Tassen - 



0128 Anstelle von „A" urspruiiglich „d". 

0129 Anstelle von „Pol" ursphinglich „Var u 



178 



Dito am 7ten. 
Nachmittag zu Nagel - (friih Briefe an die Mutter u. Rosalie 

[Schumann]) das besoffne, witzige Kleeblatt - Mifknuth 

in mir - Renz ebenso - der Walther macht Witz - mit Groth - 
niichterne Knillitat - Abends i3tes 0130 Quartett - das ungebe- 
tene Kleeblatt - der Unangenehme - Quatuor v. Weber aus 
B d.[ur] - Trio v. Prinz Louis aus Es dur 3/4 Op. 9. - Trio v. 
Pr.[inzj Louis aus Ay 0131 dur Op. 2. - Beefsteaks u. bayersch. 
Bier bey mir - d. [ann] mein Quartett - Tempel - Renz fort - 
Schoner Schlaf . 

Dito am 8ten. 
Friih mit Semmel Schach - mit Renz nach Gohlis - das Alten- 
burger Kleeblatt - Furbr.[inger] - Semmel - Poussade durch 
die Lorgnette - Hase - dann Grocq - Knillitat - der Seelan- 
der - Musik - die Poussierte lacht - Maukisch - Renz knill - 
Gang in die Stadt mit Hase u. Renz - der arme Seelander - 
Hase zu mir - der Stubenbursche - Schlaf - Aufwachen - Beef- 
steaks - „WagnersJesus" 169 - schones Wachen - dann defer 
Schlaf bis 2 Uhr - 

Dito am 9ten. 
Tniber Tag - Abends Clavierfantasie - mit R[en]z in Kaffee- 
baum 

Am xoten (Dienstag) 
Abends Conzert 170 - die Warneke - Loge - Dr. Carus u. Jose- 
phine [Carus] durch die Lorgnette fixirt - VIII Synfonie v. 
Beethoven (aus F m:[ajor]) - Scene aus Achilles v. Paer - 
Rondo f. Pfte v. Kalliwoda (gesp.[ielt] v. d. Reichold) - Ter- 
zett aus Fidelio - (Hering, Pogner, Grabau) - Ouvertiire u. 
Chor aus Jessonda - Variationen f. Viol. comp.[oniert] u. vor-r 
g.fetragen] von Kalliwoda - Schlufkhor aus Jessonda - das 
schonste Frauengesicht, aber bleich - Zu H.[ause] Traume 
iiber Nichts - Fantasie am Fliigel - Bettlectiire : Wagners Reise 
in die Heimath 171 - furchterlicher Schleuftengestank in der Nacht 

- ruhige Sternennacht - Cigarre im Bette urn 2 Uhr u. Wagner 

- wilder Schlaf - 

0130 „i3tes" nachtraglich iiber der Zeile eingefiigt. 

0131 Anstelle von „A" urspriinglich „E"- 

12* 179 



Am 1 1 ten. 
Friih Clavieriibung - Nachmittag mit R[en]2 um die Prome- 
nade - Nicht viel Schones - nach Gohlis - die schone Frau - 
abermals um d. Allee - schone Madchen - Therese u. Franziska 
- die sanfte, fromme - zu Nagel - zu Hause - Mondabend - 
Sorgel - Fantasie - mit R[en]z abermal zu Nagel - zu Hause 
Sturz in's Auge u. Wonne derThranen. 

Am i2ten. (Donerstag) 
Friih Clavieriibungen - Nachmittag mit R[en]z nach Gohlis - 
Conzert - Nichts - Unbehaglichkeit - Kaffeebaum - R[en]z 
reitet auf d. Billard - Abends Fantasie - der O. Kaminsky wird 
iippig - abgemukt - Fl. [echsig] knill spat u. zerbricht d. Bett. 

Am i3ten. (Bufkag) 
Friih Brief an Weber - Zu mittag Poussade zum Fenster hin- 
aus - die Nachbarinnen - nach Gohlis - Nichts - das Lorgnet- 
tiren - die Schmachtende u. die Widerliche - Semmel - die 
iippige Weinbrok u. Debatten iiber Aesthetik weiblicher For- 
men - Abends i4tes Quartett - Trio v. Beethpven Op. 97 (bi- 
zarr) - Quatuor v. Dussek aus Es maj[or] (Op, $j) - Quatuor 
Op. V (ging gut) - viel bayersches Bier - langweilige Gespra- 
che iiber Burschensch[a]ft u. Landsmansch[a]ften - Gemiithlich- 
keit - spat in der Nacht den ersten Satz des Schubert'schen 
Trio's- sehr noble Musik - Gallopade 0132 -- schoner Schlaf 

88 Dito Am i4ten. 

Friih Clavieriibungen - Nachmittag Scandal der Hallenser mit 
Meyer - grofier Auflauf - projectirte Holzerey - zu Nagel - 
dann zu Hause - letzter Satz zum Quartett - zu Renz Abends - 
Kaffeebaum - Billard - Mondabend - Schulze - Renz im Man- 
tel - ich zu Sussmann - die herzliche Karoline [Sufknann] - 
kleine Knillitat in Grocq - die freundl.[ichen] Lausitzer. 

am 1 5 ten. 
Friih zu Josephinen [Carus] - die Verliebte - mit R[en]z nach 
Gohlis - die verliebte Schwester d. Gerichtsdirectors - schrek- 
liches Wetter - Maukisch - Bohner - zu Hause - ijte Quar- 

0132 „pade" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

180 



tettunterhltg - Quatuor v. Reissiger aus A moll - Trio v. Pixis 
aus Es ma)[or] - dann zu Nagel mit Taglichsbek - the dansant 
bey Branders - kleine Knillitat. 

Am i6ten. (Montag) 
Friih Clavieriibungen - die Klug am Fenster - mit R[en]z in 
Kaffeebaum und Promenade - zu Hause Kaffee u. der wahre 
Traum von der zerbrochenen Tasse 172 - Rosens Brief u. Auf- 
heiterung - Abends zu Probst - liber Paganini - (schon friih 
bey Wiek u. s.feine] Extase u. Zerstreutheit) - Gemuthlich- 
keit - der herrliche Greis - 

Am i7ten 
Friih Alexandervariationen - die Klug - ekelh[a]fte Laune - 
Glok - mit Rfen]z zu Hamer u. Schmidt u. Nagel - der ver- 
lorne Thaler - Tempel - u. der zerquetschte R[en]z - mit 
S.[emmel] zu Haak - Giinther da - die verlorne Punsch- 
essenz - unerhortes Dusel im Whist - (Gewonnen - 2.4.-) um 
1/2 12 Uhr n.[ach] H.[ause] - 

Zieh in mein Herz, du geliebter grofter Mensch! - aber tritt 
keine Blume nieder ! 

Am 1 8 ten. 
Abends zu Nagel - mit Teichmann, R[en]z auf die Lusaten- 
kneipe - Bierconvent - Meyer - kleine Knillitat - mit Renz zu 
Sussmann - allgemeine Entziickung - die kiissende Karoline 
[SiiBmann] - Nagos[?] - Schulz - Meyer - Lohse - Damnitz 

- Stolzer - Wuthgenau - allgemeine Knill.[itat] - Mondnacht 

- um 1 Uhr n.fach] H.fause] - u. stille Kotzerey in's Bett - 
Gestank. 

Am ic>ten (Donerstag) 
Friih abscheulicher Katzenjamer - Promenade - die Wein- 
brok u. „heut ist schon Wetter" - der stolze Briihl - Nachmittag 
n.fach] Gohlis - Conradi - Billard - Josephine [Carus] - die 
schonen Judenfrauen - Semel verwurzelt - herrlicher Friihlings- 
tag - um d. Promenaden - des belles filles - Brief v. [Johann 
Georg Friedrich v.] Schlegel - Abends Conzert 173 - Loge u. 

Renz - die Schopfung von Haydn - Sie gliikl. [iches] Zu- 

sammentreffen mit d. Klug - Accompagnement n.[ach] Hause - 



181 



89 Am 2osten. Freytag) 

Himmlischer Tag! Nachmittag Sie im schwarzen Kleide am 
offenen Fenster - der erkiinstelte Zufall vor der Thiire - mit 
R[en]z um die Promenade - Semmel nennt mich maulfaul - 
in's griine Schild - Billard - Letzter Satz zum Quartett - exal- 
tirter Ziistand - Abends Fantasie u. Sie lebt drinnen - nicht 
einschlafen - Luftschlosser von d. Zukunft - abscheuliche 
Traume von ihr. 

Am 2isten. 
Friih das Quartett vollendet - Hesperus meiner Traume ! - Heb- 
loser Brief von Theresen [Schumann] - Angst wegen Julius 
[Schumann] - die Klug - Burgunder - exaltirtester Zustand - 
(iberspannt u. abgespannt - zu Wiek wegen der Reichold - die 
Reichold - Kaffeebaum - Abends i6te Quartettunterhaltung - 
Quatuor v. ]. B. Cramer Op. 37 aus Es maj[or] - Quatuor v. 
Bohner aus Es 6/8 Op. 4 - vorher herrliche Fantasie im Vor- 
beethoven'schen Style - letzter Satz aus meinem - frohliche 
Wildheit drinnen, die in einer ganz andern Welt noch einmal 
freundlich an die Vergangenheit denkt u. alle Basreliefs in vo- 
rigen wiederhohlt! - Das Clavier hat den charakteristischen 
Rythmus fort - Glok's Unzufriedenheit dariiber - lobendes 
aesthetisches Urtheil iiber das Ganze - das ganze Quartett hin- 
ter einander - dann Grocq - der erzahlende Glok - kleine Knil- 
litat - das Hummel'sche A moll Conzert - Taglichsbek auf d. 
Bette - schlechte Nacht - die Umkehrenden - schoner Schlaf - 

Am 22sten. 
und Sie am Fenster - Gohlis - Nichts - zu Siissmann - Sachsen 
u. Lausitzer'u. lederner Aufenthalt - auf d. Weg in d. Fleischer- 
gasse Semel - dann Renz - Nagel - der verliebte R[en]z - zu 
Siissmann - die alte - seine Flucht - in Kaffeebaum - Grocq - 
himliche Knillitat - Schwarmerey unter ihrem Fenster u. vier- 
stimmiger Gesang oben - Schmerz - Karoline [Siifimann] 
schwarmt zum Fenster heraus - der angefiihrte Stubenbursche 
mit d. Briefe - 

Am 23sten. (Montag) 
HumeFsche Conzert - Sie am Fenster - Nachmittag Convent 
der Markomania bey mir - u. Deliberation iiber d. Abendessen 
- in's Hotel de Prusse - Kaffeebaum - Abends bey Probst - der 

182 



frivole Kressner - die Reichold - Wiek's - Champagner - froh- 
liche Gesprache - Dresden concurrirt - Urn i Uhr n.[ach] 
Hause. 

Am 24sten. 

- War sie am Fenster? - Fragen u. Zweifeln - schlechte Laune 

- die Baumgartner im weiflen Rofi - der Junge - Kunze - 
Schielen mit d. Lorgnette - mit Renz im Kaffeebaum - Billard 

- viel Grocq - arge Knillitat u. Serenade unter ihrem Fenster, 
mit einigen misanthropischen Fliichen vermischt - zu Siissmann - 
die schlafende Emilie [Siifknann] - u. das Grabbeln soil leben 

- merkwiirdige Stummheit - Rum - Schlaf bis 10 Uhr - 

Am 2jsten (Mittwoch.) 
Sie am Fenster - die lustigen Altenburger - Zank der Marko- 
mannia u. verpfuschtes Abendessen - Renz u. Glok - bey ver- 
schloflnen Thiiren mein Quartett - Note fur Note - Abends 
zu Hause geblieben - Fantasie - Lecture: Calderon's d. Leben 
ein Traum 174 - 

Am z6sten (Dofierstag) 
Friih Humel - bey Wiek Kressner - sie am Fenster - Renz 
lachelnd - Schulze - Promenade zum Fenster hinaus - Jose- 
phine [Carus] - Convent bey R [en] z wegen Schulze - f iirchter- 
licher Blatterschufi - mit S.[emmel] in Kaffeebaum - Conzert 
d. Henr. [riette] Grabau 17iJ - Ouvertiire zum Prinz v. Homburg 
v. Marschner - Scene u. Arie v. Beethoven - Variationen fur 
Violine vom Ritter von Praun- komische Originalitat 
u. keine voliige Befriedigung - Kiinstlerstolz - Adelaide - 
Ouv:[ertiire] zu Leonore von Beethoven - Flotenrondo v. Lind- 
paint[n]er v. W. Barth - Griechenlieder v. Mimis ausgepfiffen 

- Duett aus Semiramis v. Rossini (Pogner u. Grabau) - Not' 
turno a 4 m[ains] v. Hummel u. Klengel u. s.feine] kleine 
Nanni - Sehnsucht v. Kuhlau - starke Visirung - die schone - 
die hohe Stirn u. das weifie Kleid - Nachforschung - nur einen 
Blik - Promenade iiberd. Markt - in die Fleischergasse - zu 
Mertens - Nichts - Billard - aufgeregter Seelenzustand - Bett- 
lectiire : Manfred v. Byron 176 - schrekliche Nacht - 

Am 27Sten (Freytag) 
Fruh gr.[ofies] Friihstiik bey Alippi - v. Katte - v. Hoyer - 

183 



Lohse - die Tittmanner - grolk Knillitat - allein n. [ach] Hause 
gegangen - Tittmann Wasserspringerey u. Teichmann's Holze- 
rey - Traumerisches Aufwachen - zu Nagel - Glock - der be- 
soffene Stubenbursche kriegt Courage - Versohnung - zu Siiss- 
mann - Probst mit Meyer - u. der Bierconvent soil mich am A.. 
lecken - Meyern'n aufgebrummt - Lala nach Hause - 

Am 28sten (Sonnabend) 
Katzenjamer - Fruhstiick bey Alippi - sie am Fenster - Gene- 
ralprobe des Quartetts - seine Aufraumung - Abends 1 e t z - 
tes Quartett! - Dr. Cams, Wieck, Probst - Glok - Tag- 
Hchsbeck - Sorgel - Variat.fionen] v. Lafont - dann mein 
Quartett - Lob des Carus u. Wieck - Probst's richtiges Urtheil 
(Abendessen 18.20.-) - heitere Gesprache - Champagner - die 
Philister u. d. Studenten - Sorgel am Kanapee - u. ich am Sar- 
dellensallat - der Stubenbursche - Practicus Probst - defer, 
defer Schlaf - 

Am 29sten (Sonntag) 
Friih herrlicher Katzenjamer - (s) mit Probst urn die Allee - 
sie am Fenster - mit Teichmann u. Renz nobel nach Raschwitz 
gefahren - Sie - u. Schielen - Spatziergang u. unglukliches Ver- 
fehlen - die sehr feinen Studenten - mit R[en]z zu Mertens - 
Schlaf - um 8 Uhr Fantasie - sonst abgespannt u. poetisch - Sor- 
gel's Abschied - finstere Wehmuth - Brief an die Mutter - 
Childe Harold 177 im Bette - schreckliche Nacht mit Todtentrau- 
men. - 

Am 3osten. 
Perpetueller Katzenjammer - triiber Tag - Abends Conzert des 
Ritter Praun im Theater - Ouvertiire von Winter - Conzert von 
Mayseder - Arie (ges) v. Righini (Streit) - Variationen von 
De Beriot - Bassarie (Pogner) - Ouvertiire von Weigl - Ter- 
zett aus Sargino - Violin Polonaise - dann mit R[en]z zu Mer- 
tens - (sie am Fenster) - schrekliche Schwitz-nacht - 

Am 3isten. 
Sie vom Fenster im bun ten Kleide geflogen - Mit R[en]z nach 
Gohlis - Schlepperey samtlicher Lausitzer u. Hoyer, Kattc we- 
gen Freytag Abend - dann zu Nagel - einsame, selige Knillitat 
- schoner Schlaf - 

184 



Studentenextremitaten am isten April. 
Exaltirter Tag wegen Abend - sie am Fenster - enuyanter Auf- 
enthalt bey Schiegnitz - um die Allee - ewiges Fantasiren zu 
Hause - Abends the dansant bey Dr, Carus - getauschte Hoff- 
nung u. schlechte Laune - die frivole Therese Schulkopf - die 
schone Emma Kunze - Devrient's - Kiister's - Schleinitz - 
Spiele - Sprichworter - Josephine [Carus] - Hornemann - 
Tanz - der beleidigte Dr [Carus] - um i Uhr nach Hause - 
gestorte Traume - mein Herz ward in den April geschikt - 

Am 2ten April. 
Friih Uebungen u. Stunde bey Wiek - am Fenster - zu Bauer 
u. hifnlisches Lugen durch die Fensterscheibe - Lieut :[enant] v. 
Klengel - ins*s Rosenthal - Kaffeebaum - mit R[en]z in's Con- 
zert 178 - R[en]z wie ein Klotz - erst in die Loge - Ottilie - in 
d. Saal - Ouvertiire von A. Methfessel - Scene u. Arie von 
Mozart - Clarinettenkonzert von Spohr, vorgetr. [agen] : v. 
Herrn Tretbar - Hymne v. Hummel - Grofie Symphonie mit 
Choren aus D min:[or] Op. 115 von Beethoven (seine grofke 
u. kiihnste) - Entziickung - die schlafende Frau - das Rosen- 
gesicht - Nebenbuhler - Zweifel - zu Nagel - kleine selige 
Knillitat - schoner Schlaf - 

Am 3 ten April. 
Alexandervariationen - griines Schild - im bunten Kleide am 
Fenster - zu Dr. Carus zu Tische - schrekbare Gefechte im Ma- 
gen - Champagner u. der Fail vom Stuhle - Gelachter - die ver- 
liebte Josephine [Carus] - Witzierbier - von Wenzel - Lieder 

- Fantasie - die Dr. errath schon d. K. - um 4 U.[hr] nach Hause 

- mit R[en]z im Kaffeebaum - in's Theater - vollgestopft - 
Der Bauer als Millionair 179 - moralischer Katzenjaffier im isten 
Act u. Thranen im zweiten - zu Mertens u. Nagel - ermattet - 

Am 4ten April (Sonnabend) 
Was wirst du bringen? wanke nicht, du grofies Herz u. zeige, 
wer du bist. Der Menschen giebt's noch viele - aber du - du bist. 
O zittert nicht ihr Blumen - nur Gewitter sind's, die schnell 
voriiberziehen - dann glanzt der stille, blaue Himmel meines 
Herzens fort u. fort. 



185 



Ich glaubt' es nicht, dafi du den Kampf so schwer mir machtest; 
ich warf die Wiirfel selbst; wohlan denn frisch - dein Auge 
leuchtet {ewig) fort u. glanzt durch meine Traume - du weinest 
nicht; an deinen Augen ging ich wohl voriiber - dann ging ich 
spurlos u. auch du - o weinst du nicht - ? - Doch 0133 fort von 
dir - du gabst mir einen Traum u. eine - Thrane mehr - so 
zittre einsam aus der vollen Brust, du stumme, schone Zahre 
meiner Traume ! 

93 Friih Uebungen - am Fenster - zu Bauer - Schmachten - zur 
Cousine - Umschauen - zu R[en]z - Kaffeebaum - Kunze - 
Billard - 14 Schnitt knill - zu Nagel - bayerisch ■- Sie ewig - 
Gestandnifte an Glock in d. Knillitat - Abschied von Taglichs- 
beck und Tempel - 

Am 5 ten April (Sonntag) 
Friih Fantasie - sie mit d. Vater weg - von Hause - am Fen- 
ster immer - zu Bauer - Fuhre nach Lindenau u. Schleusig - 
erst ledern - mein gliicklicher Genius! - Ahnung - Begegnung 
der Wagen - zu Bauer - Lugen bis in die Nacht - dann Ab- 
schied - Fantasie des Abends - 

Am 6ten April. 
Fl.[echsig] geht fort - meine Kalte u. s[eine] Riihrung -Abschied 
v. Roller - zu Wieck - Unterhalt[un]g mit ihn - sie am Fen- 
ster - zu Bauer - immer umgesehen - zur Cousine - durch die 
Blumenstocke - Spatziergang auf die Promenade - mein Genius 

- Sie mit der Cousine - ich mit Bauer - sie kehren (sich) um - 
mein verlegenes Compliment u. ihr schones - triiber Himmel - 
schone Gewitterluft - zu Kintschy in's Rosenthal - Alles bliihte 
anders - zu Bauer - du schoner, schonster Tag meines Lebens! 

- Burgunder - Austern - Dammerung u. sie lange, lange, lange 
am Fenster - Licht im Erker u. magische Beleuchtung - der 
grobe Rost - zu Siissmann - 24 Austern u. Medoc - Knillitat - 
keine Traume. 

Am 7ten April. (Dienstag) 
Zu Bauer - Billard im griinen Schild - Ottilie - immer auf u 
nieder - Begegnung u. mein Ausweichen - Punsch - sie zur 

0133 Ursprunglich „fort", durch „Doch" iiberschneben. 
186 



Cousine - sieht zum Fenster heraus - Entziickung - sie sieht 
sich oft urn - dann traumend zu Hause - der subsenose Renz - 
zu Nagel - zu Siissmann - der verkeulte Kraftmensch - Grocq 
- kleine Knillitat - stiirmisches Regenwetter um i Uhr n.[ach] 
Hause. 

Am 8ten April (Mittwoch) 
Sie am Fenster - zu Bauer, der schon abgereiftt war - die Ofen- 
setzer - in's griine Schild - der Witzbold - Aprilhimmel im 
Herzen - der grobe Besen bey Bauer - um d. Promenade mit 
R[en]z - Nagel - Kaffeebaum - exaltirter Zustand, aber schon - 
herrliche Mondnacht mit Traum - Fantasie - aus Titan das 
Lilarcapitel - aufgeregte Nacht u. schone herrliche Traume von 
ihr, von ihr. 

Am 9ten April (Donnerstag) 
Letzte Stunde bey Wiek! - Spatziergang mit ihm um die Pro- 
menade - Sie nicht am Fenster - es war schon iiber ill i Uhr - 
zu Bauer - der ungefallige Wirth - zerrifiener Zustand u. Thra- 
nen - Billard im griinen Schild - zu Murchner - sagt mir: sie 
sey spatzieren gegangen - dann ich - nichts gefunden - mit 
Fiirbringer in Kaffeebaum - gr.fiines] Schild - Billard - zu 
Murchner - sie am Fenster - geht vorbey - immer am Fenster - 
jaloux Murchner - Brief v. Leser - Zorn darnach - A moll 
Conzert - R[en]z u. S[em]mel - zu Nagel - Witze mit Grim- 
mel - excentrische Misanthropie - Kleine Knillitat - Strek mit 
Semmel - schoner Schlaf . 

Am ioten April (Freytag) 
Zu Murchner - Sie am Fenster - zu Bauer u. schoneres Lugen - 
mit R[en]z in Kaffeebaum - das Redoutenmadchen mit d. ge- 
scheitelten Haaaren 0134 - meine Freude - zu Murchner - sie am 
Fenster - Abends zu Nagel - kl.[eine] zerstorte Knillitat u. 
aufgehangte Nasen d. Renz - 

Am 1 1 ten April (Sonnabend) 
die eleganten Kleider v. Schneider - zu Wiek - Wendler - Spat- 
zirgang - Sie am Fenster - zu Murchner - sie zur Cousine u. 
in's griine Schild - das Umschauen an d. Thure u. die Hyacinthe 

0134 Urspriinglich „Haren", „aaren" auf „ren" geschrieben. 

i8 7 



- das Orangenblatt - am Fenster - geht fort - ich mit - zu H. - 
Kaffeebaum - zu Murchner - Sie am Fenster - Abend zu Dr. 
Carus - der gestorbene Hptmann Kayser - gemuthliche Stim- 
mung - die verliebte Josephine [Carus] - Abschied u. Hande- 
druk v. d. Dr. [Carus] - schlechte Nacht - 

Am i2ten April 
friih mit R[en]z spatzieren - Schwenker - sie am Fenster - Con- 
firmation -» Thomaskirche - sie mit d. Gesangbuch - mit R[en]z 
nach - der fromme Madonnenblick - Auf u. Abwandeln d. 
Fleischergasse u. v. Thomaskirche - Versehen - nach Raschwitz 

- nur ihre Schwester - enuyanter Aufenthalt - vorbeygefahren - 
zu Murchner - der Besen am Fenster - sie nicht oft umgesehen - 
Schmerz u. Resignation - in Kaffeebaum - Billard - Knillitat 

- Kanonikus Hartmann - unter der 0135 Fenstern vorbey - 

95 Sonntag am i2ten (Febr.) April 

Friih mit R[en]z spatzieren - Schwenker - sie am Fenster - 
Confirmation - Thomaskirche - sie mit d. Gesangbuch 0136 - 
warten - mit R[en]z nach - der fromme Madonenblick - Auf u. 
Abwandeln d Fleischergasse vor Thomaskirche - Versehen - 
nach Raschwitz - nur ihre Schwester - enuyanter Aufenthalt - 
vorbey gefahren - zu Murchner - der Besen am Fenster - sie 
nicht oft umgesehen - Schmerz u. Resignation - in Kaffeebaum 

- Billard - Knillitat - Canonikus Hartmann - unter d. Fen- 
stern vorbey - 

Montag am 1 3ten (Febr.) April. 
Friih Begegnung im Grimmaischen Steinweg - der letzte 
Blik! 0137 - unverhoffter Brief vonTheresen [Schumann] mit Geld 

- heitre Stimmung - Kaffeebaum - zu Wieck - Nagel - mit 
R[en]z zu Siissmann - R[en]z thut dumm - rother Wein - Ab- 
schied v. d. Tittmann's - Champagner u. Caviar - Gemuthlich- 
keit - Abschmatzerey - Berliner - sehr schwankende Fufie - 

Dienstag am i4ten (Febr.) April 
Friih Einpakerey - der geschaftige R[en]z - le petit Rascher 

0135 sic. 

0136 Anstelle von „b" urspriingiich „s". 

0137 „- der letzte Blik!" nachtraglich iiber der Zeile eingefugt. 

188 



mit d. Burschenmiitze - Kaffeebaum - Nagel - Abschied von 
Lohse, Hoyer, Katte u. Meyer am Katzer - Abschied von Glok 
u. Gerth - mit Rascher u. R[en]z in's [Griine] Schild - Burgun- 
der - kleine Knillitat - der noble Wagen - sie am Fenster - 
nach Raschwitz - in d. kleinen Kuchengarten - n.[ach] Gohlis - 
heiterste Stimmung - kein Blik mehr von ihr - im Kaffeebaum 
abgestiegen - R[en]z, Rascher, Kunze, Semmel, Fiirbringer - 
Abschied von Allen - zur Post - schdne Mondnacht - triibe 
Stimmung - gebildete Gesellschaft - der stolze Graf Bruhl reifk 
wegen Nostitz aus - der Geistliche - der Bayer mit viel Urtheil 

- der Student - Gesprache uber Scott, Gothe, Spindler pp. - 
Ueber Musik - geschlafen - Therese [Schumann] u. die Mutter 
kommen entgegen - eingetroffen in Zwickau 180 

Mittwoch friih am 15 ten (Febr.) April - 
Der kranke Bruder 181 - Emilie [Schumann] - Therese [Schu- 
mann] - Abends in d. Bergkeller - die Philister - zu Eduard 
[Schumann] - A moll Conzert 182 - 

Donnerstag (griiner) am i6ten (Febr.) April - 
Friih Visiten bey Superindentend's [Lorenz] - Rudel u. EmihVn 
[Schumann] - u. Schlegel - Austauschung der Ideen iiber d. 
Humelsche Conzert - mit Eduard [Schumann] u. Lindner in d. 
Bergkeller - Bienenvater Richter - Beyer - schoner Abend - zu 
Errtel - der seichte Trosky - bis 1 Uhr - der gemuthliche Errtel 

- en canaille besoffen - 

Freytagam i7ten Febr. 0138 
bey Eduard [Schumann] zu Tische - Abends bey Emilie [Schu- 
mann] - Gemuthlichkeit. 

S.fonnabend] am i8ten April 0139 
Nachmittag bey Weber zum Kaffee - mit ihm n.fach] Neudorf- 
chen - in die Fabrik - Leser - Bamberger - Carus - Flechsig - 
Abends zu Errtel - Erttel miide - nuchternes Clavierspiel - 
Trosky - Mondscheinspatziergang mit Weber'n in die Fabrik - 
kleine Knillitat - meine Seele im Negligee - 

<> 138 recte: April. 

0139 Anstelle von „A" ursprunglich „F". 

189 



Sonntagam icjten April. 
Fruhstiik bey Eduard [Schumann] - Trosky - zu Tische bey 
Oberstens [von Liebenau] - nobles Essen - Champagner - die 
Weber's - Muller v. Bauek - Errtel - v. Hausen - die Frau- 
lein's - nach Tische Clavier - mit Eduard [Schumann] u. We- 
ber nach Neudorfchen - in die Gesellschaft - Abends zum Post- 
al, [eister] v. Schlegel - Sonate v. Czemy Op. 57 sehr ernst - zu 
Miersch - der besoffene Muller - 

(Sonntags) Montag 0140 am 2osten April - 
Visite bey Rector Hertel - bey EmihVn [Schumann] zu Tische - 
kleine Knillitat u. Schlaf - mit Eduard [Schumann] in's Cas- 
sino - in die Tanne - dann zu Miersch - von Puttkammer - 
Champagner - die schlafrige Miersch - gliihende Kusse - Um- 
armungen um d. Lenden - sehr poufiirt - Alles knill - der Ehe- 
mann unter d. Pantoffel - um 1 Uhr n.[ach] Hause - 



Dienstag am 21. April - 
Heitre Laune fruh - mit Eduard's [Schumann] nach (Neudorf- 
chen) Schneeberg 0141 - die grofistadtischen Kleinstadter u. der 
dumme Bauernriipel - lustige Farth - Carl [Schumann] u. Ro- 
salie [Schumann] - Bauer u. Reiz - zu Tische Champagner - 
kleine Knillitat - zu Zoffel's - alte Weine - zu Stahl - grofie 

zu Hause Zank mit Therese'n [Schumann] iiber Mo- 

ralitat - sehr bitter - sie sehr beleidigt - Eduard's [Schumann] 
fort - bal puree - triibe, misanthropische Laune - Kaminsky - 
Reiz - Gesprache iiber die Klug - Eifersucht auf beyden Sei- 
ten - Amalia [Scheibe] - das Madonnengesicht - Essen - Viel- 
liebchen - sehr grob gegen Alle - Lugen aus der Bank - sehn- 
suchtige Blike - nicht getanzt - Alles wie Traum - um 3 Uhr 
n.[ach] Hause. 

Mittwoch am 22sten April. 
Fruh Katzenjammer - 0142 das verlorene Vielliebchen iiber den 
Markt - Nachmittag in die Steinmuhle - Reiz - abermals v. d. 

0140 Urspriinglich „am", durch „M" iiberschrieben. 

0141 „Schneeberg" iiber der Zeile eingefugt. 

0142 Die folgenden sechs Worter rechts iiber dieser Emtragung eingefugt 
und durch ein Gamma-Zeichen an diese Stelle verwiesen. 

190 



kl. [einen] Klug - lederner Auf enthalt daselbst - der kleine En- 
gel Carl 183 - Ideal eines Familienleben's u. die Kinderstube. 

Donerstag am 2 3sten April - 
triibes Wetter - abgefahren aus Schneeberg - Abschied v. Ama- 
lie'n [Scheibe] zu grofier Freud - bayersches Bier in Haslau - 
hekere Laune - Reiz u. Bauer auf d. Sander'schen Droschke - 
Jagen nach Zwikau u. Ausstechen - Knillitat in d. Tanne u. 
Essen - Abschied v. Reiz - Schlaf zu Hause - mit Rascher spat- 
zieren - Josephine [Carus] - zu Therese [Schumann] - 

(Mittwoch am 22sten April. Zur Hottentottiana 

Katzenjammer -) 

Donnerstag d. 23sten April 0143 . 
Rukfarth nach Zwickau - Reiz u. Bauer - bayersches Bier u. 
liebliches Rauschchen - Ausstechen - Tanne gegessen - die stolze 
verzeihende Therese [Schumann] - Abends Probe des A moll 
Conz. [erts] bey Schlegel - Josephine [Carus] von Leipzig - 

Freytag d. 24Sten April. 
Friih Uebungen - Nachmittag bey Ob. [erst] v. Liebenau - vier- 
handige Clavierstiicke - Abends bey Erttel - Fantasie iiber d. 
lieben Augustin - Weber u. v. Goldacker - sehr launige Erzah- 
lung d. Altenburger Fata - um 12 Uhr n.[ach] Hause - 

Sonnabends d. 25sten April - 
Niedertrachtiges Wetter - Abends brillanter the dansant bey 
Dr. Hempel's - ziemlich gute Laune - die verliebten Paare - 
die kranke Emma [von Liebenau?] u. Muller - Clara u. Bud- 
berg - Josephine [Carus] u. Weber - Suschen u. D'eljab[?] - 
Abendessen - Burgunder - Leberreime 184 - der grobe Weber - 
der kleine Weber - kleiner allgemeiner Rausch u. gottliche Polo- 
naise - Liddy [Hempel] - (Hande) feuriger Handedruk - in d. 
letzten Tour des Cotillons von beyden Seiten - Abschied an d. 
Thiire - um 3 Uhr n. [ach] Hause - 

S o n n t a g ° 144 den 26sten April - 
Auf d. Post gegessen - Wiener[?] - Leser - Oberlander - an- 

0143 Anstelle von „A" ursprunglich „F". 

0144 Anstelle von „tag" ursprunglich „abend". 

191 



genehmer Burgunderrausch - auf dem [Berg-] Keller — Renz - 
a la boule viel Burgunder - zu Miersch - Champagner - Mosel 
- sehr grofle Knillitat - die Miersch gekiiftt - schlotternder, 
wankender Gang in die Fabrick - geschlafen bis 1/2 1 1 Uhr - 
schone Nacht - auf dem Schulball - sehr exaltirt - Burgunder - 
Carus u. Fl.fechsigs] Versohnung mit mir - auf s.[einer] Bank 
eingeschlafen - um 3 Uhrn.fach] H.[ause] - 



(Sonntags) Montags am 27sten April - 
Schreklichster Katzenjamer meines Lebens - wie gestorben - 
tJppigkeit mit M.[iersch?] - Einladungen von Reiz nicht hono- 
rirt - Nachmittag zur Therese [Schumann] - mit d. Oberstin v. 
Liebenau Clavier - Abends bey 0145 Carus Quartett - Bernhard 
aus Chemnitz - v. Trosky - v. Schlegel - Erttel - das Radische 
Quartett u. Variationen - Quatuor v. Spohr Op. 58 - die Hun- 
ten'schen Var:[iationen] auf d. Clavier - sonst sehr ledern - 
infamer Nachtsturm - mit Weber in die Tanne - d.fann] zu 
Hause. 

Dienstag am 28sten April. 
Fruh Generalprobe z.[um] Concert - die Marbach - meinc 
schlechte Laune - mir selbst zur Last - Nachmittag bey Emilie'n 
[Schumann] geiibt - Abends Conzert - brillantes Local u. Zwik- 
kauer Flora - Ouv.[erture] aus Zauberflote - Scene aus 01 ™ 
(Mad. Marbach) - ister Satz des A moll C[on]zertes v. Hum- 
mel - Ouver[ture] 0146 zur Jagd - iste Symphonie v. Kalliwoda 
(F mtn[or]) - Sehnsucht 0146 Romberg mit obligater Violine u. 
Clavier - (Marbach 0146 ) - Alexandervariationen v. Moscheles - 
Ouv.[ertiire] aus Bergkonig v. Lind [paintner] - 
98 Bal paree - Einladung des Musikvereins zum Abendessen - 
Weber u. Josephine [Carus] ganz gliicklich - wenig getanzt - 
Liddy [Hempel] oft nach mir schmachtend, sonst sehr ernst - 
Therese [Schumann] im rothen Kleide - Rosalie [Schumann] - 
Carl [Schumann] - der knille Eduard [Schumann] )aloux m - 
mit d. Marbach getanzt - um 4 Uhr nach Hause - 



0145 Urspriinglich „zu", durch „bey" uberschrieben. 

0146 Die aufiere untere beschriebene Ecke abgerissen, die fehlenden Wor- 
ter nicht erganzbar. 

192 



Mittwochsam 2o,sten April. 
- der still-genesende Julius [Schumann] — brillantes Dejeuner 
a la Fourchette des Musikausschusses 01 '' 7 - ich neben Josephinen 
[Carus] u. Webern - ihre Seligkeit unbeschreiblich - aufierst 
noble u. lustig - ich sehr heiter - viel Champagner - der Fiiigei 
heriiber ges chaff t - Arie aus Freyschiitz (Marbach) u. furcht- 
barer Applaus - dann stiller, stumer Abschied v. Weber - Viel- 
liebchen mit Josephinen [Carus] u. Webern, erst im J.[ahr] 1830 
gultig - zu Theresen [Schumann] - lobendes Urtheil im Zwik- 
kauer Wochenblatel - Freude - scheuftliches Wetter - mit Ro- 
salie'n [Schumann] u. Carl [Schumann] nach Schneeberg - einen 
Finken im Vogelbauer u. einen Blumenstok im Wagen - sehr 
idyllisch - Abends Beefsteaks - d. kl.[eine] Carl [Schumann] -' 

Donner stags am 3osten April - 
Miserables Befinden d. ganzen Tag uber - Erzahlungen v. Carlo 
Mbona 186 - Amalie [Scheibe] - - 

Freytags am isten May - 
Verflucht^schlechter ister May - Teschendorf mit s.[einer] Braut 
Auguste - Visite bey Fiker's - zu Tische daselbst - nicht sehr 
belebt - mit Carl [Schumann] Billard - Stiller - u. eheli(s)che 
Molltone daruber - zu Stadtschreiber Bek's - Punsch - hochst, 
hochst ledern - schlafrig - miide - Sturm u. Regen - guter 
Schlaf , aber ekelhaft - 

(Sonntag 0148 ) S o n n t a g am 3ten 01/ ' 9 May - 
Friihstuk im Garten - Abschied v. Kaminsky, Teichmann u. 
Bauer - von Fiker's - mit Rosalie [Schumann] abgefahren - 
in Hasel 147 Goldacker - selbst gefahren bis Zwickau - paradirt 
auf d. Chaussee - im blolkn Kopfe - mit Leser spatzieren - 
himlisches Wetter - sehr exaltirt - Gesprache mit Josephinen 
[Carus] - Dr. Weidemann (Carlo Minona) - meine Ansichten 
uber s.[eine] Erzahlungen - gefallt sich in Charakterstarke u. 
Egoismus - sonst edel - schoner Spatziergang auf d. Bniken- 

0147 Urspriinglich „Musikve", „ve" durch „a" iiberschrieben. 

0148 Anstelle von „tag" urspriinglich n abend", der richtige Wochentag nach 
dem Datum wiederholt und durch ein Digamma-Zeichen an diese Stelle 
verwiesen. 

0149 Anstelle von ,,3" urspriinglich ,,2". 

13 Schumann, Tageb. 1 193 



berg - u. Sternabend - auf d. Post - der lederne Leser - zu 
Miersch - Burgunder - Champagner - die Miersch - der ver- 
stohlene Kuft - Lindner Gottlob - Briiderschaf t mit v. Putt- 
kamer u. Martini - sehr betrunken - Sternnacht - 

M o n t a g am 4ten May. 
Katzenjafner - schandliches Wetter - verungliickte Versuche u. 
furchtbare Abspa[nnu]ngen - Abends beym v. Schlegel - samt- 
liche Musikalien durchgedroschen - ° 150 Schritt zu Miersch - die 
Fr.[au] mit den diken Backen - 

[So]nnabend hochst uninteressant - Abends Ideal einer 
Kinderstube - 

99 Dienstags d. 5 ten May 

Schones Wetter - Abschiedsviske bey Hempel's, v. Liebenau, 
Rector Hertel - der schone B. Stange dreybeinig - bey Julius 
[Schumann] Mittag - Champagner - kleine Knillitat - M. auf 
d. Kanapee - Fingeriibungen - pr. - Todtenschlaf - Spatzier- 
gang - Th. Carus - Schach - Bergkeller - herrlicher Abend - 
abgespannt u. schlaff - zu Erttel - sehr exaltirt u. often - sehr 
spat n.[ach] Hause - schoner Schlaf - 

Mittwoch d. 6ten May. 
Friih Abschied von Lorenz, Carus, Schlegel, Weber's pp - herr- 
licher Tag - bey Julius [Schumann] zu Caffee - mit ihm auf 
s.[einen] Pavilion - Carl [Schumann] ausSch[neeberg] - mit ihm 
bis Schedewitz - Abschied v. d. Mutter u. Malchen [Schwepfin- 
ger] - Romane bey Julius [Schumann] - Abschied von ihm u. 
Emilien [Schumann], Erttel, Goldaker, Oberlander, Leser, 
Flechsig - Kaufmann Oschatz im Postwagen - gute Unterhal- 
tung - dummer Schlaf - die iedernen Offiziere in Penig - schand- 
liche Equipagen - angekomen in L[ei]pz[ig] 

Donerstag am 7ten May - 
Fleischergasse - Reiz - Murchner - Eduard [Schumann] - grii- 
nes Schild - mit Kunze n herumgestromert - Bohner - Rosen- 
thal - Sie - Fanny schon - Blike - Grocq - Wendler - Wieck - 
Sturm furchtbar - Portwein - Knillitat - Gotzerey - Hotel de 
Cologne - mit Bdhner'n spatzieren - B.[6hner] besoffen im 

0150 Die aufiere untere Ecke mit dem Beginn dieser Eintragung abgerisseo 

194 



Stich gelassen - die Huren - Umarmungen - Wollust - m.[eine] 
Unschuld durch einen H[au]ptcoup gerettet - bey Kunze ge- 
schlafen - fiirchterliches Wetter. 

Freytag am 8ten May - 
Rudel eben im Wagen steigend - sonst Nichts - Menagerie d. 
v. von Aken 187 

Sonnabend am 9ten May. 
Friih Concil u. Post - zu Murchner - Nachmittag mit Reiz 0151 
ebendahin - Schielen - zu Nagel - mit Eduard [Schumann] u. 
Imhof aus Basel in die Bude 188 - schandlkhes Wetter - die 
Kneipgenie's - Champagner - 

Sonntag am ioten May 
Rosenthal - der Oekonom - Stadt Wien - Krause u. die ent- 
dekte Vetterschaft - nach Raschwitz mit Imhof, den Oekonomen 
Peter u. Reiz - Nichts - Messentag - Gewuhl - Rudolphs Gar- 
ten - Kintschy - Schach mit Krause - bey Alippi - Beefsteaks - 
zu Hause Kragen aus Berlin u. Winter - Alles knill - zu Ldhr's 
- erst affectirte Liebe - der halbe Finger 

Montag am i iten May. 
Friih Einpakereyen - Bey Gesswein's gegessen - Abschied v. 
Flechsig 0152 ziemlich kalt - von StissmamVs warm - von Wiek - 
Kragen 0152 Dresden spricht bravo zu mir - von Liepmann - 
dann v. 0152 Eduard [Schumann] - Reiz - letzter Blik in den Er- 
ker u. dann zum Teufel 0152 

0153 (Ich ging, ich kam u. heitre Gotter flogen 
0154 in meinem Leben hin ; 

0151 Ursprunglich „Rz", „ei" uber der Zeile eingefugt. 

0152 Aufiere untere beschriebene Ecke abgerissen, die fehlenden Worter 
nicht erganzbar. 

0153 Ober die Seite verteilte Unterschriftsproben Schumanns: „Robert 
Schumann", mehrmals „Schumann", „S", „Sch", „Schm", „Dein Schumafi", 
„Dein Schumann", ,Jhrem Schumann", „Ihr.ergebenster Schumann", „Ihr 
ergebener Schumann", „In aller Liebe Deln Schumafi", „d. Ihrige Schu- 
mafi", „Spiele", „Robert Schuman", „Dein Dich innigst liebender Schu- 
mann", „Mit alien Gefiihlen der Liebe Dein Robert", „Eilig Robert", 
„Rob.", ..Robert Sch.", „Robert". 

0154 Das erste Wort dieser Zeile wegen zu starker Streichung nicht Iesbar. 



13* 



195 



Den diistren Geist, der meinen Geist umzogen 
Verbanntest du, des Traumers Fesslerin. 
Ich kenne dich, die mich mit Engelmilde 
In das berauschte Leben freundlich stieft 9° 

Die in die Thrane stille Rosen hiillte 8 

Und mich das Seufzen himmlisch nennen 0155 hiefi! 7 

Wir kommen u. wir gehn - u. wie mit Beben 0156 ° 

Die Jungfrau schiichtern ihren Jiingling kiifit) 301 ° 157 



Am Menschen ist Alles charakteristisch - sein Gang, seine Mie- 
nen - bis zu seinen Gewohnheiten, Neigungen, Qgarrenrauchen, 
Art, die Pfeife 

102 Rosen: Fl. x 16 

- 16 18 



48 
<6> 0158 



36 

i 7 > 0159 
12 



ig om 



27- 


x 27. 


12. 


8 


4 




< 


>161 ss. 




1 h. 4. 




3 




39 




no. 



0155 Di eses Wort wegen zu starker Streichung schwer lesbar. 

0156 Diese Zeile wegen zu stacker Streichung schwer lesbar. 

0157 Daneben weitere Zahlen: ,,114", „ui", „6". 

0158 „6" durch eine Linie ausgestrichen. 

0159 »-i7" durch eine Linie ausgestrichen. 

0160 Anstelle von ,,4*' urspriinglich „j". 

0161 Links neben dieser Eintragung langsverlaufend „Name Schumann" 
geschrieben. 



196 



Hottentottiana 

von 

Robert Schumann 

enthaltend 
die Heidelberger 

vom 2isten May - isten April 
1829. 1830. 

Viertes Heft 

Seinem Freund Rosen gewidmet. 



Andrer Titel : 

Das Burschenjahr 

oder 

die moralische Erziehung 



197 



Hottentottiana. 



Viertes Heft. 



Angekommen in Heidelberg d. 2 1 sten May - 

Lebensschneke vom 21 sten May - 7ten Juny - 

in nuce. 

0162 Wein -Meyer, vulgo Peter - Schlofl - Natur -Rosen 

- Museum - Glukhist - Sabbarth - Keller - E h - 
renhaus - Fantasie - Aerger iiber's verstimmte Clavier - 
bey T h i b a u t - Wolfsbrunnen - Geldfatalitaten - Rosen's 
(Farth) Vater - Italianische Selbstpeinigung - oft zerfallen mit 
mir - u. Allem - Brief an Dr. Cams nach L[ei]pzig - 3ter Juni! 

- oft Wein im Adler - am 4ten~5ten Geniereise nach Speyer mit 
Rosen - Champagner - meine Charge als Fuhrmann - der 
wilde Rhein - Schwetzingen - Phlegmaticus Rosen - s.[ein] 
Ring - den Titan 55 ganz wiederhohlt - Thranen u. d. ganze Ver- 
gangenheit mit ihnen vollendet am 7ten Juni um 9 Uhr Mor- 
gens, da in katholischer Kirche gerade ein unbandiger Tusch zu 
Ehren d. heiligen Geistes geblasen wurde - Geld von E d u - 
a r d [Schumann] — 

Am 7 ten Juny 
Wenn das Herz bebt, so will es sprechen - wenn die Saite tonen 
will, so muft sie zittern. 

Der Titan hat 3 abgeschlossene Theile, einen lyrischen, einen 
epischen u. dramatischen ; der Aufenthalt zu Blumenb.fuhl] u. 
Pestiz, Isola madre, s.[eine] Liebe zu Liane bildet d. ersten u. 
schliefk mit ihren Tod; die Freundschaft der Fiirstinn, Reise 
nach d. epischen Rom mit seinem Trummerepos, die Liebe zu 
Linda u. Schoppe ist d. zweite; u. die Entwiklung des Ganzen, 
s.[eine] enthiillte Fiirstengeburt u. die Vereinigung mit Idoinen 
d. letzte. 

Nur die Geschichte kann nie ein absolutum compendium wer- 
den, so wie die Fehler der Menschen u. ihre Tugenden in ander 
Form, Art, Zeit, aeufierer Erscheinung u. spaterer Einwirkung; 

0162 E)j e Unterstreichungen der Namen auf den Seiten m-119 sind von 
Schumann spater vorgenommen worden. 

198 



das Buch der Geschichte kann kein vollstandiges Drukfehlerver- 
zeichnift abgeben u. jeder Tag ist ein Blatt mehr, das die Ge- 
schichte an dem vorigen annaht. 

Blumengeruch reizt mich zum Geschmak od. zum Schmecken; 
die geistige Schonheit ist oft die Mutter der sinnlichen; oder: das 
Anschauen der geistigen erzeugt oft den ° 163 GenuG der sinnlichen 
Schonheit oder wenigstens die Anregung dazu. 

t Am 7ten Juny. 

Erster Pfingstfesttag - Schloftberg - Adler -Rosen- spater 
Keller mit einem Juden - viel Wein - Bacchantenspriinge - 

Am 8ten Juny. (Montag) 
Mein lederner Geburtstag - lederner Katzen jammer - im Ad- 
let Champagner - Dr. Wiistenfeld - Opernguker - der 
Fremde im Prinz Carl - Prinz Carl - der verponende Marquer 
wegen Cigarren - u. Cosakenqualm - der Wagen v. d. Hause 
u. die angebundenen Pferde - grofter Giaco[?] - 

Am 9ten Juny (Dienstag) 
mit Ehrenhaus u. Rosen auf d. untere Wirthshaus d. 
SchloSberges - triibes Wetter die ganze Zeit iiber - der person- 
lich witzelnde Ehrenhaus u. s. [eine] Betriibnifi dariiber 
- der Blumenstraufl - der ehrliche Doctor im Adler - Bach a la 
mode - 

Am xoten Juni (Mittwoch) 
Brief an Reiz - schone Stimmung - herrlicher Abend - herr- 
licher Abenduntergang - Rosen - weiche Seelen u. Kalbes- 
braten u. weifier Burgunder - auf die Aussicht - das schlum^- 
mernde Heidelberg - Sehnsucht nach d. Ideal - der 0164 duftende 
Jasmin - die auffahrende Nachtigall - die stummen Ruinen - 
der verhiillte Mond - Wedekind zu Rosen : ich spielte ge- 
fiihllos - ruhiger Schlaf - 

Am i iten Juny (Freytags) 
Die streitende Gesellsch [a] f t im Museum - M o s 1 e r mit etwas 
Schar[f]sinn, Alcutam[?] ohne Gefiihl - Maurocordato 

0163 Urspriinglich „bis", durch „den" uberschrieben. 

0164 Urspriinglich „das", zu „der" verbessert. 

199 



mit griech.[ischem] Feuer - mit Rosen nach Nekargmund u. 
Nekarsteinach gefahren - heitres Wetter - himl.[isches] Thai - 
der Schiffer in Mannheim uber ein Duell - der sich 016 ' enuyi- 
rende. Rosen - Dinheimer - die Rose - ilber Mosler, Titan 
pp. - ziemlich knill abgefahren - Nekargmund - Disputation 
uber realisirte Sau- 189 u. andere Hiebe mit einem Chargen - 
Erziirnung u. Versohnung von beyden Seiten - ich gefahren u. 
wie? - Kufi im Wagen - italianischer Abend u. Gefiihl e.[iner] 
echten, treuen Freundschaft - gefahren Carrier s - Museum - 
Riidesheimer Berg 1822 - Billard - sehr besoffen - 

Am i3ten Juny. (Sonnabend) 
Das alte SchloB - Sonnenuntergang - Weber aus Triest - 
Untres Wirthshaus - Mondabend - der Wirth - gliikliches Be- 
ll agen - 

113 Am i4ten Juny (Sonntag) 

Mit R. [osen] , Peter [Meyer] , Keller, Ehrenh [aus] 
auf. d. Schlofiberge 190 gegessen - hifnlischer Tag - Unentschliis- 
sigkeit - Bier auf d. faulen Pelz 1!)1 u. Hannchen u. die niedliche 
Wirthin - der besofiFene Ehrenhaus - zu mir - Riideshei- 
mer u. Champagner - Heine's Reiselieder 192 - Um 9 zu Bette 

Am ijten. 
Dumpfer Vieh-tag - Bier - fauler Pelz - Katzenjammer im 
Katzenjammer d. Knillitat - Prr ! - 



Am i6ten (Dienstag) 
Friih Italianisch - heifie Gewitterluft - fauler Pelz - Abends 
im Museum - ziemlich knill - 

Am iyten (Mittwochs) 
Furchtbar - classisches Bauchweh - Katzenjamer - Jacobis 
Woldemar 1 ' 11 - Entziikung iiber den edeln, grofien, menschlichen 
Philosophen -Rosen kommt knill v. d. Thumerey 0166 - fauler 

Pelz - auf der Hauptstrafte Semmelim 

weifien Roke - d. stotternde Rosen von Bier u. Freude - Er- 

.° 165 „sidi" uber der Zeilc eingefugt. 
0166 recte: Diemerei, 



200 



zahlungen - fauler Pelz - Abends noch in Museum - Beefsteaks 
u. ziemlich knill - niichtern - Bettlecture: Wilibald Alexis 
Herbstreise durch Scandinavien 194 - wenig Feuer drinnen mit 
etlicher Beobachtungsgabe, wenn auch nur theoretischer - 

Am i8ten (Donerstags) 
Frohnleichnamsfest - Schiisse iiber Schiisse - Italianisch - mit 
R.[osen] u. S.[emmel] auf. d. Hptstrafte - ewiges Aprilwetter 

- schone Madchen in d. HptstraGe - der Zug - im Adler - der 
Regen iiber die Prozession - mit S.[emmel] im Museum gegessen 

- dann auf d. Schlofiberg - die Harfnerinnen - Lecture im Mu- 
seum - lederne Stimmung - zu Hause sehr lahme Fantasie u. 
Zorn iiber mein Clavierspiel - dann 0167 - Regengiisse - Schiisse 
aus Heidelberger Kanonen - Nachmittag das grofte FaE - 

Am i9ten (Freytag) 
Abends fauler Pelz - EntschluB, nach Worms zu fahren - mit 
R. [o s e n] , S. [e m m e 1] u. K e 1 1 e r hin - kleine hiibsche Knil- 
litat - Pferdegesprache - prachtiger Abend - in Mannheim ge- 
schlafen - mit R.[o sen] iiber Erhabenheit u. Schonheit - das 
fortbrennende Licht bis Morgen 6 Uhr - die Ggarre im Bette 
fallen lafien - 

Am 2osten (Sonnabend) 
Klarer Morgen u. Sonnabend im Herzen - Oggersheim - der 
Rhein - (Mannheim etwas von Paris) - Frankenthal - der Stelz- 
fufi - um io Uhr Ankunft in Worms - Nannette - sehr 
schon - der verliebte Keller- Liebfrauenmilch - Klavier u. 
diistere Fantasie - sie morderisch in mich verliebt, wie Rofien 
sagt - Mittagstisch - die bleiche Wirthstochter - das Roschen - 
das ewige Anbliken - 
Abschied u. Handedruk - Fantasien im Wagen - sehr besoffen 

- Charakteristik v. Semmel, R.[osen] u. Keller - Ro- 
sen derb heruntergemacht, was mich heute s.[ehr] krankt - 
dann Schlaf bis nach Mannheim - Aufwachen - Meine Anspru- 
che auf d. Kutscherbok - Blutdurst u. Misanthropie - zu FuGe 
gegangen - i Stunden vor Heidelberg - die Wartenden - 
m.[eine] Genialitat - schoner Abend - Pfeife - kein Geld - 
Wahnsinn in der Brust - wiithend fortgedolzt - Beefsteak im 

0167 Die folgenden zwei Worter nicht lesbar. 

201 



Museum u. erzknill - das Licht brennen lassen u. die Cigarre im 
Bette, wie gestern - 



Am 2isten (Sonntag) 
Katzen)ammer mit Schwabacher zu driiken - der sanfte, belei- 
digte, still-verzeihende R.[osen] -Semmel stolz u. abstoBend 
u. anatomirend verniinftelnd - fauler Pelz - Nichts. 

Am 22sten (Montag) 



Italianischer Morgen im doppelten Sinne - Zeitungen im Mu- 
seum - Schach mit d. Judenstudenten u. eifrige Unterhaltung 
iiber d. Altgriechische mit MavgoxogSdro - Mit R.[ose n] auf's 
Schlofi - lederner Ehrenhaus - lederner Sabarth- mit 
Sabarth, Millendorf, Hein auf die Saxoborussen- 
kneipe (vulgo Sattlermiillerey) mein Brief - freundliche Auf- 
nahme - feyerlicher Biercoment, manchmal witzig - inneres La- 
cheln -Anderson aus Hamburg - der dike Hofmann - 
Gotz-Kuhlau pp. - Spat zu Hause. 



Am 2 5sten (Donnerstag) 



Mit S.[emmel],R.[osen] auFs Schlofi - der denkende, 
gedankenlose Semmel- weifier Burgunder - mit Ehren- 
h . [aus] auf fauien Pelz - 

Am 23sten (Dienstag) 
Cassino - ich sehr besoffen - P.[eter] Meyer iiber Jacobi - 
mein Zorn u. seine spateren Worte dariiber - 

Am 26sten (Freytag) 
Frisches, kraftiges Aufwachen u. Morgenspatziergang mit 
S.[emmel] u. R.fosen] nach Siebenmiihlen - Lager unter 
Kastanienbaumen - der Keller in Handschuchsheim - der be- 
leidigt-beleidigende Rosen - Abermalige getauschte Hoff- 
nung wegen eines Briefes - Abends allein auf das SchloG - 
guter Laune - Ehrenh[aus], Sabarth, Kalo aus 

202 



Stettin - B r a u n e aus Berlin - Sattlermiillerey - ansehnliche 
Knillitat in Doppelsinn - B e r e n d a.[u£ dem] Rondel u. die 
Pudel - 

Am 27sten (Sonnabend) 
Ein Hundetag - mit mir s.[ehr] unzufrieden - mit allem andern 
audi - Abends prachtiges, ungeheures Wetter u. Gewitter lange 
in d. Nacht - die Marquere im Museum - ich leidlich knill in 
Bier - der alberne Bornkasser -zu Hause Cigarrenstum- 
pel u. das Gewitter aus dem Fenster beobactitet - Gesichter ge- 
schnitten - 

Am 28sten (Sonntag) 
Ein Hunde-sonntag - keine Cigarren, verstimmtes Clavier, 
verstimmtes Wetter, kein Geld, keinen Freund, keinen Spas - 
ledernes Gelesnes im Museum - S.femmel] u. R.fosen] - 
R.[osen] zieml. 0168 conventionell, S.[emmel] herzlich - mein 
plotzliches Verschwinden - enuyanter Aufenhalt zu H.fause] - 
noch spat um 10 Uhr auf f. [aulen] Pelz - 

Am 29sten (Montag) 
Stiefelwichser, Pedell, Fnseure, Clavierstimmer - Nachmittag 
T 6 p k e n aus Bremen - die Schubert'schen Variationen u. Po- 
lonaisen - wenig Talent, viel Liebe u. schlechter Anschlag - 
sperrt Maul u. Nase auf, wie ich fantasire, lobt mich u. kann's 
gar nicht begreifen - viel Clavier gespielt - Nichts - schl.fech- 
tes] Wetter - zu Ehrenh.[aus] - auf f. [aulen] Pelz - u. kl.feine] 
Knillitat 

Am 30sten (Dienstag) 
Mit R.fosen] u. S.[emmel] auf's Schlofi - grofie Span- 
nung zwischen mir u. R.fosen] - Semmel auf d. unteren 
Schenke u. merkwiirdige Offenheit - meine Stimung grofi u. 
wehmiithig. 

Am isten July. (Mittwoch.) 
Begegnung mit R.fosen] u. Semmel- immersvahrende Span- 
nung - Sattiermullerey - 

Am 2ten July (Donnerstag) 
Nichts! 

0168 rjieses Wort schwer lesbar. 

203 



Am 3 ten July (Freytag) 
R.[o s e n] u. S.[ e in m e I] auf d. SchloB - Vorschlag nach 
Baden angenommen - Sattlermullerey - sehr besoffen - 

Am 4ten July. (Sonnabend) 
Um 4 Uhr auf - d. Einspanner - Mittagsessen in Bruchsal - 
Um 3 Uhr in Karlsruh - einig vor Aussohnung mit R[osen] - 
Herumstreiferey in Karlsruh - der Promenadegarten - meine 
Laune - ich allein - der Handwerksburschenball - ich sehr knill 
- Allee u. Stanzen - u. gliikl. [iches] Entrinnen 

Am 5 ten. (Sonntag) 
Wehmuthig-schone Stimung - Durlach - Rastadt - der Gesand- 
tenmord 195 - Deutschland's Blutsaule in d. Geschichte! - An- 
kunft in Baden-Baden - wir baden uns in Bad Baden-Baden in 
Baden - Roulett - Rosen verliert samt S. [enamel] - meine 
Stand haftigkeit - Table d'hote im Zahringer Hof - die umgu- 
kenden Madchen - ziemlich aufgeraumt, aber schrekbar abge- 
spannt - der Kursaal - die Fiirstinn im Titan im blauen Hute 
u. mit Schnurbart - viel schone Madchen - himlicher Regen- 
bogen uber Baden - R.[o s e n] verliert mehr, S.[e m m e 1] ge- 
winnt - Selterwasser u. das schonste Madchen - ein langer, lan- 

ger Blik - dann Theater - Tyroler Wastel 196 die Fiirstinn 

u. d. Tyroler Wastel - S.[e m m e 1] Extravagant "- ich verliere 
sammt R.fosen] u. S.[emmel] - der Abonnentenball u. 
mein Liigen - franzosisches Essen - Bumfiedeln ! ! - das Juden- 
madchen im Wirthshause - 

116 Am 6ten (Montag) 

Abf arth aus Baden um 1 1 Uhr - schlechtes Wetter - iiber Ett- 
lingen - der Naturforscher-Wirth - Nachtlager in Bruchsal - 
Witze u. Laune - gut u. wohlfeil - die Koniginn v. Bayern - 

Am 7ten (Dienstag[)] 
Abfarth aus Bruchsal um 8 Uhr - S. [em m e 1 s] komische Laune 
u. meine - Ankunft in Heidelberg um 12 Uhr - kein Brief von 
Hause! - Ahnung! - Abends im Museum viel gctrunken, wic 
auf d. faulen Pelz - Poussade d. hubschen Wirthinn - das Licht 
brenen lassen. 

204 



Am 8ten (Mittwoch) 
Schone Fantasie au£ d. Klavier - Nachmittag G 1 u k h i s t u. 
T 6 p k e n - himmlisdher Abend - d. Schloft - mit Rosen u. 
Semel - Sattlermullerey - ich nikhtern - schrekliche Bauch- 
weh wegen faulen Eyern - Gespensternacht, Aufstehen urn 
12 Uhr u. Wetterleuchten - 

Am 9ten (Donnerstag) 
Nichts - Plan nach Worms - schone Laune auf d. Sattlermullerey 

- viel Bier getrunken - dasNachtwandeln u.dieFurcht vor mir - 

Am ioten. 
Schoner Morgen - mit Braune u. Ehrenhaus nach 
Worms - mein Kutschermeisterstiik in Mannheim - Oggers- 
heim - Martin aus Coeslin - d, Wein - alles betr. [unken] 
-Martin's Gesch. u. Fahren im Chausseegraben - der ekel- 
hafte Braune u. Aufbrummerey in Frankenthal - Scandal 
am Chausseehaus u. mein : „nun will ich gerade arretirt seyn["] - 
Ankunft in Worms -Nannette lange nicht gesehen - gegen- 
seitige Kalte - Liebfrauenmilch - mein Lehnen an d. Wand - 
zu Bette mit E h r e n h.[a u s] - Wunder iiber Wunder - der 
Besen in M a r t i n ' s Bette - der arbeitende Ehrenh. [aus] 

- Lichter ausgeloscht u. der Vorhang falle iiber diese Nacht 



Am uten. (Sonnabend) 
Furchtbare Abspannung - Nannettens : „Sie haben doch 
gutgeschlafen?["] -tristeFarth nach Heidelb. [erg] -Schweinam 
Chausseehaus - Ankunft in Heidelb. [erg] um 3 - Museum - 

Am i2ten (Sonntag) 
Friih R.[o s e n] u. S.[e m m e 1] u. meine triiben Augen - sonst 
Nichts - Museum u. Cigarren v. Liepmann. 

Am 1 3ten (Montag) 
Zu Thibaut - mitR.[osen] auf faulen Pelz - gliikliche 
Laune bey R,[osen] u. S.[e m m e 1] - G 1 u k h i s t - Italia- 
nisch u. Witze - Champagner im Mus[eum] - iiber Kunstler - 
der weinende S e m m e 1 u. d. ausgesohnte R.[osen] - ° 169 iiber 
Unsterblichkeit - - 

0169 Das folgende Wort nicht lesbar. 

205 



H7 Am Mten (Dienstags) 

Nichts - gute Fantasie - fauler Pete: - R.fosen] u. S.[em- 
m e 1] melden einen Gast - 

Am 1 5 ten (Mittwochs) 

Jasmund- SchloGberg - s. [eine] Erzahlungen iiber 

seine 0170 Calligraphic zeugen von wenig moralischer Giite 

- ungeheure Hkze - Essen oben - Spaziergang unter Kasta- 
nienbaumen - Selterwasser u. der verlorene Opernguker - Mu- 
sik - bis 9 Uhr au£ d. Schlofi - dann in's Museum. 

Am i6ten (Donnerstags) 
Baron Makerden aus Copenhagen - Essen im Museum 
mit Jasmund - Mariechen u. ich als Vorgezogener - 
Forster - zu R. [o s e n] - ° 171 wegen Mannheim - ich auf d. Pelz 

- Hundewetter - Duett aus Don Juan bey mir - dann auf 
Diemerey - iiber positives u. Naturrecht - Peter [Meyer] - 
ziemlich hin - 

Am i7ten (Freytags) 
Mit Jasm.[und] im Mus.[eum] gegessen - der beleidigte 
Scheme v. M a r i e - ich auf d. Pelz - die mir 0172 gegeniiber sich 
placirende Wirthinn - Schlaf - Abends Cassino - Extraduren - 
die lebendige Hofmeister - Gouvernante [Char- 
lotte] — Gouvernante- Zum Schlufi : besofTne Preussen - 
Andersen, Jericho, Spiegel, Millendorf, 
Gr.[af] v. Hiilsen, v. Miinchhausen - Peter 
Meyer - Champagner - Ungeheurer Scandal - meine Con- 
tracte mit Meyer, Millendorf u. Leykamm - spaB- 
hafte (d) Darstellung des Comentwesens in praxi - Nachtou- 
chiren - ich bewufklos - der f eige Gr.[af] Hiilsen- ohne 
Hut fortgedolzt - um 5 Uhr. - Brief von d. Mutter - 

Am i8ten (Sonnabend) 
Unendlicher Katzen jammer u. Schifi, vorz. [iiglich] moralischer - 
Hundewetter, (als) sympathisirend mit dem im Herzen -Jas- 
mund - zu R. [osen] - Angst wegen -zu Sabbarth -zu 

0170 Anstelle von „s" ursprunglich „C". 
M71 Das folgende Wort nicht lesbar. 
0172 Anstelle von „r" ursprunglich „ch". 

206 



Haus. - schone Fantasie u. der schwindende Katzenjamer - 
S.[emmel] ,R.[osen] u. Jasmund- Abschied von ihm - 
Lecture: die Schonheit des Sterbens in d. Bliithe des Lebens 197 - 
dann diker steifer Schlaf - 

,Am 1 9 ten (Sonntag) 
Sabbarth, der s.[eine] Sache als Cartelltrager gut gemacht 
hat - Alles Re - Schach mit Maurocordato - dann Fan- 
tasie zu d. Field'sche[n] Conzert - Pelz - Nichts - Museum - 
Billard - der besoffene Marquer - Mariechen weint - (S) 
Vorhaben zur Sattlermiillerey u. mein verfuhrendes - sturmi- 
sche Mondnacht u. mein Gang - verfehlt - zu Hause - 

Am 24s ten (Freytag) 
Vom 2osten - 23sten) Nichts - Italianisch - niichtern - am 
24Sten : bey T 6 p k e n - der Englander -Klughist-En- 
g e 1 k e n - Duetten von Onslow u. Beethoven mit K 1 u g - 
h.[i st] fur Cello u. Pfte - schoner Abend - schwiile Hitze - 
mit KI.[ughist] auf SchloGberg - weifier Burgunder - Ge- 
sprache iiber Fr. Schubert, Beethoven pp. pp. - kleine Knilli- 
tat - Im Better Witt Dorring 198 u. Naumanns lederne Reise - 
Um 12 Uhr der steigende Mond - das beleuchtete Bett u. 
Schlaf - 

Am 25sten (Sonnabend) 
Ungeheure Hitze - italianisch - zu Hause gegessen 0173 - leder- 
nes Befinden - Witt Dorrings Abentheuer - Museum - ein un- 
verschamtes Waldhornconzert ! - Billard - sch. Fantasie - 

Vom 26sten - 3isten. 
Sehr wenig - Studien zu Hause - Bierzeit - Italianisch - Pe- 
trarca u. Alfieri - am 1 sten Aug. Rosen's Paukerey mit L e h - 
m a n n - am 2ten Ball im Museum - die schone Dammance 
- sonst unbedeutend - R o s e ri * s Bruder aus London - Knei- 
perey nach d. Ball -Hayn u, Millendorf contra M e 1 s - 
heimer u. Gemeinhard- 

Am 3 ten Aug. (Montag) 
Famose Farth zu Konigsgeburtag 19 ^ nach Neckarsteinach - die 

0173 Urspriinglich „gegessen", „sen" durch „ssen" iiberschrieben. 

207 



Preu/kn - das Uebersetzen in Neckarstgmiind - Simonson 
aus Berlin - die Badenden - ich nicht heiter - brillantes Mit- 
tagessen - Champagner - Smollis 200 mit Spiegel, G r. [a f] 
Hiilsen, Labes, Schmitz, Riimpler, de 
G r ecy- Alles hin - unser besoffner Kutscher mit bes.[offenen] 
Passagieren - d. Uebersetzen - feine Poussirerey hinter Neckar- 
gmiind - Priigeley - ich zur Thiire hinausgeworfen - der Kut- 
scher im Wagen in d. Gotze liegend - ich als Kutscher auf d. 
Bok - Ende dieses denkwiirdigen Tages - 

Vom 4ten - 12. 
Vorbereitungen zur Reise - Geld v. Rudel u. Brief v. d. Mut- 
ter - Italianisch - Zurnen in d. Brust - Marie - gemeines 
Poussiren bis 12 Uhr - unseliges Biertrinken - ewig voll - neue 
Bewohner der Weltgegenden - Polonaisen mit T 6 p k e n - 
Engelken - Glukhist's Eltern u. Geschwister - die 
Studentenwirthschaft - friiher: die Leipziger Madchen auf d. 
Schlosse - mein Gang nach d. Wolfsbrunnen - die Witzel u. die 
Gay - die ungenirten, freyen Handelsstadtmadchen - Ueber- 
raschung im Negligee - der alte Senator Klughist 017 ' 1 - ioter 
August! 5 - 

Am 1 3ten 
Proben mit K 1 u g h i s t 0175 u. T 6 p k e n d. Polon. [aisen] v. 
Schubert u. des Onslowschen Duetts - feines Arrangement - 
Musikdirector Hofmann- der Kaplan [Sartorius?] -Pen- 
zinger - Topken u. die Familie Klughist - Quartette v. 
Beethoven u. Onslow - italianische Volkslieder - Don Gio- 
vanni! - heitrer Abend - meine Liebenswiirdigkeit als Wirth 
u. deren Anerkennung - Trio v. Beethoven u. Adagio aus dem 
v. Schubert - Pol.[onaisen] v. Schubert - geistreiche Unterhal- 
tung mit d. Braut u. ihr Lacheln - Duetten aus Don Giovanni 
- schoner Gesang d. Braut - Ende um 1/2 12 Uhr - mit Klughist 
bey Wein bis gegen 2 Uhr - stille, stumme Entziikung — iiber 
die Braut - 

119 Am i4ten. (Freytag) 

Truber Augusttag - recht triibe -Rosen - Semmel - 
Klughist - verungliikter Versuch, Laien ein Onslow'sches 

0174 Anstelle von „K" urspriinglich „G"; anstelle von „g" urspriinglich 

„k". 

<>175 Anstelle von M K" urspriinglich „G1". 

208 



Duett beyzubringen - Mittagcsscn - Schach - Schlaf - mcine 
Polonaisen mit T 6 p k e n - Abend im Museum - Warten - 
Nichts - Zu Hause besoffner Gesang d. Canzonetta di pecca- 
tori - 



201 



Pause. 

Am 26. November. 
Heiterer Novembertag - Tonleitern - Franzosisch - Abend- 
gesellschaf t bey Dr. L a u t e r - Musiklehrer Faulhaber - 
ein geistloser Berliner Modeesel Lembke - zwey Heidelber- 
ger Ganschen - die wiirdige Matrone - die verwachsene Taille 
mit mehr Geist - der Wiener Fliigel von Stretcher - ich bey nicht 
sehr gliiklicher Fantasie - gutes Abendessen - Um 1/4 12 Uhr 
n.[ach] Hause 

Am 27sten. 
Trauriger Tag - triibes, einsames Leben - Tonleitern - Studium 
der Alexandervariationen - Franz, [osische] Stunde - Poisici 
de Lamar tine - Museum - Musikdirector Hofmann - Ka- 
plan Sartorius - Proffessor E i s e 1 e i n ohne das erste i - 
Professor Morstadt - Teichmann aus Breslau - der 
Iachende Morstadt- Gute Fantasie u. wenig Aufmerksam- 

keit von Seiten der Zuhorer - Evchen Feuer - Rum 

mit Thee - Erwartung des Geburtstages der Mutter - Nacht- 
spatziergang mit u. ohne Licht u. Lachen im Spiegel 

Am 28sten. 
Der Mutter Geburtstag - schlechte Feyer - Alexandervariatio- 
nen - Abends im Museum - Klavier - Nichts - Boule auf d. 
Lauf 202 - 3 fl. verloren - 

Am 29sten. 
Wenig - Abends Cassino - der erste Walzer mit Mimmi 
[Damance?] - die R o u x als Ballkoniginn - Vortanzen - Blike 
- Heiden - Reiche - v. Odenzky - Hofmann - 
Ehrenhaus - Schurmann - Cotillon - Champagner - 

Am 3 os ten (Montag) 
Tonleitern - Alexandervariationen - Abends erste Conzert- 
probe - Ouvertfiire] aus Marie v. Montalban 203 - Sinfonie v. 

14 Schumann, Tageb. 1 209 



Krommer -Dr. Lauter-Faulhaber- Interessante Mu- 
sikgruppen - Humorist Herzfeld - der stotternde T e i c h - 
m a n n - der lachende Weber aus Triest - der Finstere neben 
mir -Miinchhausen- der kleine M u n k e mit d. musika- 
lischen Auge - der schlechte Musikdirector - Dr. Wiisten- 
feld - Dr. Morstadt - Lembke - mit zu mir - Ge- 
sprache iiber Spohr - wenig eignes Urtheil - bey mir Hummers 
1 20 vierhandige Sonate - leidlich - die Scandalisten 0176 R e i c h e , 
Wendt,Baar, Braune- Zersprengen der Thure - Steh- 
len des Weines - der zitternde Lembke- Lichtausloschen - 
Lichtanbrennen - Witze iiber Reiche - Wendt: [„] wenn 
ihr mir keinen Wein gebt, weich' ich nicht" -Reiche hat we- 
nig Witz -Reiche nimmt es ubel, stiirzt mich u. revozirt wie- 
der - der Versohner B r a u n[e] - mein innerer Triumph - dann 
zu Bette. 

Am isten December (Dienstag) 
Ordentliches Konnen der isten Var.[iation] - Freude iiber Ge- 
duld u. Besiegung - Nichts - Abspannung von d. franz.josi- 
schen] Stunde - der eitle Mode Teichmann-ein recht lah- 
mer, guter Mensch, der sich dabey recht fur Etwas halt u. doch 
bescheiden ist - P r e i s s , ein ewiger Katzen jammer, ein 
schwaches, ohnmachtiges Wimmerkind: iiber Verdrieiyichkeit, 
Unzufriedenheit mit sich aus Schwachheit, wenig innerer, be- 
dingender Kraft - beschrankt u. stumm, witz u. fantasielos - 
aber fcreu, offen u. schuchtern - In*s Museum - Klavierspiel - 
Dr. E b e 1 - mit d. Kastratenstimme - Apotheker Kl. - Pro- 
fessor Morstadt u. Gesprache mit ihm - zu Hause stummes 
Hinbriiten bei einer Flasch[e] Bier. 



Am 29sten Dec. 29 Humoristisches Intervall. 



Gesammelte Reden iiber mein Clavierspiel 



Musiklehrer Faulhaber: 

Ich erkenne in Ihnen einen aufierordentlichen Meister an. 

0176 Danach ausgestrichenes Komma. 



210 



Musikdirector Hoffmann : 

Bravo : so was f reut Einen wieder 
Buchhandler Mayr ernsthaft: 

Das ist ein wahrer Genufi. 
Professor Morstadt: 

Superb 
Musikdirector H o f m a n n alias : 

und dieses schone, ruhige Feuer — 
St.[udent] Wolf : 

Das ist Alles mogliche, so Etwas von Hummel vom Blatt 

zu spielen. 
Top kens Wirthinn: 

ach kommen sie bald wieder; das lautet gar zu gut. 
Buchhandler G r o o s : 

ich habe zwar Hummel gehort - aber - ich gestehe 

Ein Gescheuter : 

sehr hubsch 
Die Franzosinn [Charlotte] aus Lausanne : 

vpus jouez vratment trop jolie pour les homme^ 
Dr.Wustenfeld : 

u. diese Prazision 
St.[udent] Pr eis : 

Sch[umann], du spielst doch kostlich 
St. [udent] Teichmann: 

Du bist e Luther 
Dr.A.Wiistenfeld : 

Gottlich, 
Lind : 

ich kenne Sie zwar nicht, aber ich glaube in Ihnen Hferrn] 

Sch[umann] bewundern zu miifien. 
Wedekind : 

,Jm Ganzen wenig Gef iihl" 
Geheimrath Z a c h a r i a : 

Ich verstehe zwar Nichts davon, aber es ist auBerordentlich 

--Was? 
Kaplan S a r t o r i : 

Ah ! der grofie Klavierspieler - 
St.[udent] Hecker, Brau n[e] : 

f amos ! 

u* an 



Der groGe Mays zu Rosen : 

O ! - Herr Sch. [umann] spielt doch hinreifiend - herrlich - 

herrlich - 
Apotheker Henking : 

Hatten wir lauter solche wie Sie — u.s.w. 
Jezt ists genug: sonst speit sich mein Feind iiber m.[einen] Ehr- 
geiz. 

122 0177 Am 24sten December. 

Leben auf der Gasse - mit R.[o s e n] auf's Schlofi - Seitenblike 
u. Seitenhiebe - Taschentiicher - der bemahlte, (ibergebende 
R o s e n - im Adler -Ehrenhaus-zu mir - Champagner 

- bis 3 Uhr auf - 

Am 2 5Sten Dec. 
Erster Weihnachtsfeyertag - Katzenjammer - Schnipel-fenk zu 
Tische bey Dr. Wiistenfeld- die liebenswiirdige Frau mit 
kl. [einem] Schnurbart - Geh. [eim] Rath Zacharia-Lec- 
tor Louis - Zacharia's Sohn - S t. [u d e n t] Hill 

- Rosen's Stummheit - Stokfisch - furchtbares Hinunter- 
wiirgen u. die schielende Dottora - mein Platz (Ehrenplatz) 
zwischen ihr u. d. Gouvernante Charlotte de Lausanne - 
feurige Augen - deutsches, kalian, [isches] u. franz.[6sisches] Ge- 
sprach - mein Versehen wegen d. verkehrten Auge - u. das ge- 
genseitige Schauen in grofle - Zacharia's Witze - geist- 
reich - Champagner - bliihenderes Leben - mein Clavierspiel - 
Elogen iiber Elogen - u. glukliche Fantasie - die nachkommen- 
den Madchen - Gefahr vor Gesellschaftsspielen u. gliikliches 
Entrinnen durch Liigen mit R,[osen] - um 6 Uhr nach Hause - 
Nichts - 

Am 26sten 
Bey Engelmann zu Tische - die Donnana wider meine Er- 
wartung - das lange Madchen mit dem rothen Tuch um die Lo- 
ken - Blike - Blkke - Eheblike - Jaiousien - der Apollon auf 
dem Desert(thel)teller -Josephine- schoner, kalter, f ri- 
scher Tag -Josephine^ he -he- Ausriistungen zum Ball - 
schlechte Laune - St.fudent] Wendt - Stfudent] B a r t h - 
fragend, erforschend, lachelnd der zwote Cotillon - mit 

0177 £)j e Unterstreichungen der Namen auf den Seiten 122-125 sM von 
Schumann spater vorgenommen worden. 

212 



Mimi Damance - ich kann mich nun einmal in dich nicht 
verlieben, liebes, narrisches Madchen - negative Grobheit an 
Dr. Wiistenfeld's ausgeubt sammt Rosen - der General 
QuenousaimonsP^ - Kneiperey bey Borngasser- mit Ro- 
sen in einem Mantel nach Hause - Hut vom Kopfe 

um 2 Uhr nach Hause. 

Am 28sten (Montag) 
Abends Probe im Museum - der verungliikte St.fudent] 
Lemke auf d. Violoncello - es ging u. ging Nichts - Feuer- 
larm u. Feuergloke - Aufgeregt - Histoire de Napoleon de 
Norvins® 6 - schweres Einschlafen. 

Am 29. 30. 
Wenig - Alexandervariationen - schones, herrliches Klavier- 
spiel - sehr guten Fingeriibungen - 

Am 3isten. 
Sylvesternacht - Totschieflen des alten Jahres - Ungeheurer 
Larm -12 Uhr - Thranen - Rum - Hu ! 



Am isten Januar 1830. 
Abends Cassino - Cotillon - die L e w i k i - die C h r i s t im 
blauen Weinkleid - die Mohrinn - die N a g e 1 - gutes Amu- 
sement - die D a m a n c e im rothen Balletkleid - Mit Hey- 
d e n Rudesheimer - zum Lauf -Braun, Jacobi, An- 
derson, Aschar, Hofinku. Wendtzu mir - Smol- 
lis mit alien - Bier - Champagner - der W e n d t u. das rothe 
Balletkleid - Champagner - Leporello H o f i n k - Skandal 
zwischen Anderson u. Jacobi. 



Klavier, schon studirt. 



2.3. 



4. (Montags) 
2 St, [unden] Fingeriibungen - 10 mal die Toccata - 6 mal Fin- 
geriibung - 20 mal die Variat. [ionen] selber - u. Abends ging's 
doch nicht mit d. Alexandervariationen - Aerger driiber - wirk- 
lich tiefer. 



213 



5* 
BQrgerball - die Kiifie auf den Nacken - der betrunkene Ro- 
sen- Alles hin - ich liebenswiirdig selig - 

6. 
Schoner Katzen jammer - S t.[u d e n t] Lemke- Abends bey 
ihm - Clavier - schones Spiel - Spohr'sche Quartetten - Museum 
- L u s e k e [?] - Punsch - Riidesheimer - Brief tas die - der 
anschmiegende Lemke - beide hin, aber nicht smollirt - um 
3 Uhr nach Hause - 



Nichts 
Das Quartett wird zur Simphonie umgeschustert. 

8. 
Teschendorf, wie deus ex machina - Dr. L a u t e r u. 
St.[udent] Wolf - Lugen - schoner Mondabend - Erste 
Introduction bey Mrs. Mitchell - Capitan Hunter - 
Feinheiten -Zacharia- mittelmafiiges Clavierspiel - Mu- 
sikdir. [ektor] Hofmann - Unterhaltung mit ihm - Rum - 
Aerger iiber mich zu Hause - Eh ! Eh ! 

9- 
Simphonie - Uebelbefinden - eingeschlafen - im Baden'schen 
Hof zu Tischendorf - „Paris" - Lacheln - in's Museum 
mit ihm - mein Wohlbefinden -Dr. Lofimann- Lieb- 
frauenmilch, - Abschied 0178 von ihm - Brief an Dr. Carus - zu 
Hause Simphonie - solide zu Bette gelegt - dike Nacht - 

124 10. 

Simphonie - Katzenjammer - Abends Rosen - vorher 
Lemke, Lauter-Rosen's Bitten - Museum - die Pa- 
riser gesellschaftl.[iche] Unterhaltung - Lotterie - Musik - 
Spieltisch - Whisttische - Theetische - die schauenden Madchen 

- ich aufierordentlich mit Bliken honorirt -Emilie Jonas 

- ich unerbittlich - die D r w i t e - die C h r i s t - ! - die 
M o h r himmlisch - Essen - Mitchell- Fr. v. Laach- 
n e r[?] -Mrs. Henking-Henkings Einladung - der 

0178 Anstelle von „A" ursprunglich ,,2". 

214 



fragende Morstadt - Punsch - Riidesheimer - Tanz - v. 
H e y d e n - die kl. [eine] Mitchell - Schleppen an's Cla- 
vier - tolles Fantasieren - Weber - Lemke - Kneiperey 
bey Borngasser - Professor Leukart - v. Rap- 
part- iiber Hutabnehraen - Zank - Peter Meyer -_ 
Dammance- Alles hin - Gemiithlichkeit 

ii. 
Simphonie - Abends Probe im Museum - kein Solospieler - die 
Christ - Katzenjammer - mit Topken zu mlr - der be- 
trunkene, ekelhafte liederliche P r e i s - Miidigkeit - boser 
Schlaf mit bosen Gespenstertraumen u. v. d. guten, braven Mut- 
ter - Schoner, war anders ! — 

12. (Dienstag) 
Spat Abends Lemke - Einladung der M i t c h e 1 zur Schlit- 
tenfarth - Rum - 

13. 
Friih Weber- Lied v. Wiedebein : ich mochte sie wohl sehen 
- dann Lemke- Abschlagung aller Einladung - Nachnrittag 
mit Weber aufs Schlofi - Winterlandschaft - Ermattung vom 
inneren Gliihert - mit ihm zu ihm - das Vossische Haus u. clas- 
sische Erinnerung an Dichterwohnungen - seine schdne Flote - 
zuDr, Wiistenfeld- der Carnevalsaufzug bey Fakeln der 
Hanseaten u. Allemannen - Ritter Rosen- bey W ii s t e n - 
f e 1 d s grand Cercle - Backfische - Dr. Krug - Dr. 
Sachse-Zacharia-S t.[u dent] H i 1 1 - S t.[u dent] 
Weber - Professor Louis - die Madchen - die 
Mohr-die Mays -Carolina- Lina - mein Spie- 
len u. das meine „es geht nicht", obgi. es ging - Viel fantasirt - 
Charlotte: o Mr. Schumann, si vous jouez, vous me pou- 
vez mener, ou vous voulez a m - Sprichworter u.die Amors- 
binde um den verungliikten Doppelganger - Tanz - Gesell- 
schaftsspiel zwischen Charlotte u. Lina - um 1/212 
n. [ach] Hause Lina ! - - 

14. (Donnerstagf)] 
Unstates Sinnen - Lina - Nichts - Variationen - (Abens) 
Schlittenfarth derMitchel - Weber - der vergefiliche 
Lemke m. d. Christ- Abends Museum - Gespr.[ach] mit 



215 



Dr. Wiistenfeld iiber m.[eine] Zukunft - Zoten des Prof. 
Morstadtu. Dr. N e b e 1 - zu Hause - Thee - Rum - Eau 
de Cologne - Lina - Weinen - die geanderte Uhr - Thranen 



15 (Freytag) 
Auflosender Katzenjammer - der wenig entziikte L e m k e - 
Keller mit Geld - Nichts - Pedalabnahme - gutes Spiel, 
wie Abends - 0179 R osen mit R e 1 1 i g los - Solid zu Bette 
gelegt - Ewige Traume von der Heimath u. Julius [Schumann] 
mitdummer [?] Musik. 

16. (Sonnabends) 
Abends mit Weber zu Dr. Wiistenfeld - Clavierspielerinn 
Bleichroth aus Mannheim mit niedlichen, pracisen An- 
schlag - Prof. Louis - Dr. Sachse - St.[udent] 
H i 1 1 - vierhandiger Don Giovannj - komischer Gesang - 
Carolina- Charlotte langennase - die epische Lina 

- die Dottora iiber Schiller u. Gothe ziemlich richtig u. weiblich 

- mit Weber in's Museum - Riidesheimer - Husten - attische 
Nacht bey mir bis 4 Uhr - „Repmann" - Lindau - Ab's - 



17 (Sonntags) 
Unaussprechlicher K[atzen] jammer - Nachmittags Conzert- 
probe im groften Saale - gut -Herzfeld- das Bierglas auf 
d. Flugel - nach Hause - Abend Ball - die Mannheimerinn aus 
d. Weinberg - die andere - Carolina recht einfaltig - 
Lemke - Julchen Mays - Stehenbleiben im Cottilon 
- die schone ° 180 aus Rohrbach -Lauter- Lorgnettiren nach 
Carolinen - angerissen - sehr sanft u. ungezogen - zu inni- 
ges Compliment gegen Lemke - Kneiperey mit 0181 Born- 
g a s s e r - Riidesheimer -Anderson-Aschar-Baar 
-Wendt-Rosen-Gernett- Smollis mit denen Frei- 
herren von Clausewitz u. Rappart-PeterMeyer- 
Prof. Leukart- mit A s c h a r nach Hause - 

0179 Die folgenden vier Wdrter am Ende dieses Absatzes hinzugefugt und 
durch ein Sternchen an diese Stelle verwiesen. 

0180 rjer unterstridiene Name nicht lesbar. 

C181 Ursprunglich „bey", durch „mit" uberschneben. 

216 



1 8 (Montags) 
Unsagbarer Katzen jammer - um \i Uhr aufgestanden - Wenig 

- Blattern in d. Flegeljahren - Accordanschiagen auf d. Clavier 

- verdriefilich - Abens Probe im grofien Saal - Sinfonie von 
Haydn - Flotenconzert von Keller (v. Bissinger[)] - die Dam- 
mance's 

auf der Gallerie - der zitternde Lembke - Ritornellrondo v. 
Dotzauer - (Lembke gut) - Alexandervariationen - die 
schwarze Hand - folgt vortreffKch - (und) Duett aus der Stum- 
men 208 (m.[it] Weber u. Dammance) - mit Topken zu mir - 
Rudesheimer mafiig - gute Fantasie u. inneres u. auBeres Lob 

- niichtern schlafen gelegt u. schweres Einschlafen. 



Bemerkungen. 



Erste. 

Ich habe seit einem halben Jahre keine einzige gemacht, d.h. auf- 

geschrieben. An mir bemerkt* ich : 

Daft Selbstbeobachtung selbstischen Indifferentismus voraussetzt, 

grofteren schafft u. der eigentliche Brumaire fur jedes reirie, 

natiirliche Gefiihl ist. 

Frage: Wie hiitet man sich gegen Selbstbelauschung? allgemei- 

ner: welche sind iiberhaupt die Mittel, die den Jiingling mehr 

zum Helden fur sich (Romanhelden), als zu den fur andere (Ro- 

manschreiber) machen? Bitte um Antwort. 

Sodann : 

Dafl man leicht Fehler ahlegt u. verabscheut, wenn man sie 

iibertreibt, vorzugl.[ich] im physischen Geniissen, z. B. ich d. 

Champagner, andere das Billardspiel, Tanzen pp. 

Sodann : 

Daft schone Jiinglinge am leichtesten u. freysten herrschen, ich 

habe noch nie einen hafilichen Senior, Subsenior pp. gesehen. 

Sodann: 

Daft es wunderbar ist, dafi es keine Componistinn giebt, ob- 

gleich schlechte Dichterinnen u. gute Mahlerinnen, da doch das 

Weib eigentlich die gefrorene, stehende, feste Musik genannt 

werden konnte? 



217 



Sodann: 

Dafi es naturwidrig ist mit der Fortbildung der Musik seit 
zwey Jahrhundert; die hohen Alten (Handel, Gluk, Lotti, Du- 
rante, Mozart u. Haydn) herrschten uber die Leiden schaf ten u. 
zerquetschten u. zermalmten sie in der Riesenseele; die neue 
Schule (Beethoven, Schubert, Spohr) wird von den Leidenschaf- 
ten hingerifien, so daft man jene mit einem hohen, tiefgegrunde- 
ten Jungling vergleichen miifke, diese mit einem ruhenden 
Manne, was nicht besonders logisch u. naturlich ist. Und wel- 
ches Ende wird die ganze Geschichte noch nehmen. 

1 27 Miniaturstammbuch - 



fur den bleichen Engel der Zukunft. 



Smollisbriider 

mit 

Reminiszenzen - 



Alphabetisch geordnet. 



Anderson, aus Hamburg, Preussensenior; Preussenfest in Nekar- 

steinach, musikalischer Champagnerabend bey mir - 
Aschar, aus Soldin in der Neumark, Paganini - italianische 

Reise auf die Sattlermiillerey - Wenig, aber innig. 
Braune, aus Gorzke in Sachsen - Sattlermullerey - Farth nach 

Worms ! — 
von Clausewitz, aus Graudenz - Billardspieler, Subsenior - Biir- 

gerball - Borngasseriana am 17/1 30. 
Ehrenhaufi, aus Dresden - Mittagessen auf d. Schlofi - Farth 

nach Worms ! - Gruppe im Bette - unzahlige Champagner- 

geschichten - der Weihnachtheilige Abend im Cham- 

pagner - 
Hecker, aus Graudenz, Chorbursche - Champagnerabend bey 

mir - Unter'm Tische -! schlaft sich's siifi. 
Hoffmann, aus Brieg in Schlesien, Chorbursche - Nekarsteinach 
- Leporello am Champagnerabend - Hoff juk ! - 

218 



Jacobi, aus Posen - Comitat nach Weinheim - Neujahrsabend 

- Champagnerabend mit Anderson 

Keller, aus Coin - Wormser Farth mit Semmel u. Rosen! - 
Champagner im Adler - u. Mancherley vorziiglich in Mann- 
heim - 

Krug, aus Leipzig - Wenig - 

Labes, aus Danzig, Chorbursche - Biirgerball u. mein zur Thiir- 
hinauswerfen - 

Lemke, aus Danzig - Concerte - bey Dr. Lauter - die Mohrinn 
u. Christina - Abend in Museum am io/i 30 

Martin, aus Coslin in Pommern - (Ok) Oggersheim - Farth nach 
Worms ! — 

Meier, aus Mannheim, Alemanne, - Ueber Gefiihl- u. Verstan- 
desmenschen - Essen auf d. Schlofte - Zank iiber Jacobi - 
finsteres Ansehen - Versohnung auf d. Biirgerball - der 
10/1 30. 

Preiss, aus Neustadt in Schlesien - Champagnerabende - Mu- 
sik - Mannheimer Farth zur Vestalinn. 

von Rappard, aus Thuringen, Rhenane - 10/1 30 - Paukerey mit 
Rosen - Biirgerball - 17/1 30. 

Reiche, aus Stettin - Preusse - Champagnerabend bey mir mit 
Preiss, der zerriftene Schlafrok - sein Contrahiren u. Revo- 
ziren - 

Roller, aus Auerbach in Sachsen - Wenig. 

Rosen - 

von Schmitz, aus Coblentz - Neckarsteinacherfarth - Faulpeltz 

- Museum - 

Schramm, aus Hamburg, Hanseate, - Champagnerabend bey 
mir mit Brauri - pp - 

Simonson, aus Berlin — Jude - Nekarsteinacherfarth - Priige- 
leyl-- 

Teichmann, aus Schlesien - Rindvieh ! - 

Topken, aus Bremen - Musikaiischer Abend mit Glukhist — 

Weber, aus Triest - - 

Wendt, aus Breslau - Chorbursche - Eifersucht auf Ballen - 
Abend bey Preis u. bey mir mit Anderson pp - 

von Wentzky, aus Schlesien - Contraction in Weinheim - Ver- 
sohnung im Museum - narrisches Kerlchen ! - 



219 



Namen 



Von Abendroth aus Wurzen - 
Arnold, aus Stolpe in Pommern - Brillennarr X 
Arnold, aus Aschaffenburg - Violinspieler (X) 
Bahr, aus MilitSch in Schlesien - Tanzer, X 
Beelitz, aus Berlin - Reussirer X 
Beneke, aus Hamburg - Pfeifenkopfmahler 
Bensinger, aus Mannheim - Flotenspieler 
Bissinger, aus Mannheim - Violinspieler - 
Detmers, aus Aurich - Witzbold - 
Fabricius, aus Frankfurt - Aliemanne - 
Freih.[err] von Fahnenberg - Residenzjunge - 
Fischer aus Hildburghausen - H . . . .hengst - 
Gernandt aus Mannheim - ° 182 
129 Gernett, aus Hamburg - Schnurbartier - 

Gravenhorst, aus Braunschweig - Westphale 
Herzfeld, aus Hamburg - Genie X 

1 . von Heyden, aus Pommern - Trommelschlager X 

2. von Heyden, Adelsmann - X 

Hille, aus Braunschweig - Zahnliike - X 
Hoffmann, aus Brieg - Esel - X 

Graf v. Hohenthal - Crawattenmensch - X 

Baron v Houwaldt - die Freundlichkeit - X 

Kayser aus Heidelberg - philologisches Rindvieh - 

Kie&ling aus Breslau - der Charaktervolle - X 

Lehmann, aus Frankfurt a. d. Oder - der Leidenschaftliche - X 

Ludewig, aus Pommern - Renomirfuchs - X 

Prinz Maurocordato, aus Constantinopel - der Grieche - 

Matta aus Turin - der Humorist - 

von Miinchhausen, aus Preussen - der Storch - X 

Freiherr v. Otterstadt - Schniplier - 

von Prittwitz, aus Schlesien - der Feinsinnige - X 

Richter, aus Berlin - der Schwachmattikus - 

Sanger aus Polajewo in Polen - Maultrommelspieler u. Stuben- 

nachf olger - X 
Schurmann, Westphale - der stolze Troubadour - 

0182 Das folgende Wort nidit lesbar. 
220 



Tempelhoff, aus Berlin - das Gesicht - X 
von Turk, aus Potsdam - Pandectenj tingling - 
Wegmann, aus Elbing - der Hofmann - X 
Weigei, aus Rheinbayern - der Sangerritter - 
von Wentzky - der Venetianer - X 
Windek, aus Emden - der Renomist - X 
Wolff, aus Berlin - der Violinspieler X 
Zacharia aus Heidelberg - der Alte - X 



19 (Dienstags) 
Nachmittag bey Wustenfeld - Stunde bey Lina - Charlotte u. 
die Entfuhrung - Abends Sattlermullerey u. neuattische Nacht 
bey mir. 

20 (Mittwochs) 
Kopfweh - Katzen jammer 

21 (Donnerstag) 
Abends Lemke mit Cello - iiber Kalkbrenner'sche Effectstuke 
- dann in's Museum - mit Flaschen Affenthaler zu Lemke - 
schlafrige Nacht - das Quintett v. Spohr gut gespielt - der miide 
Lemke - um 2 Uhr n. [ach] Hause. 

22 (Freytag) 
Bey Mitchell absagen lassen - Abends Topken bey mir - 

23 (Sonnabends) 
Abends Weber - Aschar - Lemke - Punsch mit Eau de Cologne 
- die Kunstler - der zuriikgesetzte Lemke - s.[ein] Clavier- 
spiel - unsere Lieder von Wiedebein - seine Thranen u. Kran- 
kung - um 2 Uhr n. [ach] Haus - 

24 (Sonntag) 
Glorreicher Tag - friih Probe - alle Solospieler im Katzen- 
jammer - Schlaf - Alexandervar. [iationen] schlecht - blauer, 
schoner Tag - Abends Conzert - Sinfonie v. Beethoven - Duett 
aus der Stummen von Weber u. Dammance - Flotenvariat. [io- 
nen] von Keller v. Bissinger aus Mannheim - mittelmalMg - 
Violinconzert v. Rode v. Wolf - (schon u. rein) - Applaus - der 
betrunkene Anderson - der viel fixirte Schumann - Sinfonie 



221 



von Haydn - Violincellrondo v. Dotzauer v. Lemke - gut, aber 
matt - Quartette - meine Variat.tionen] 209 - mein Stolpern am 
Anfang - die letzte Variation] vollendet gespielt - unend- 

licher Applaus, Gratulationen pp zu Borngasser - Smollis 

mit Krug aus Leipzig, mit Arnold u. Beelitz aus Berlin, mit 
Jung aus Rheinbayern, mit Labes aus Danzig - die betrunkenen 
Grafen Schulenburg u. Hohenthal - die entziikten Menschen - 
der herzliche Director Hofmann - Lemke - auf Lorbeeren - 
Faulhaber - H[err] Lind - der entzukte Jung - entziikt nach 
Hause getaumelt - um 2 Uhr - 

131 25 (Montag) 

Versteht sich - Katzenjammer - Weber - Rosen - Lemke - Sin- 
fonie - Abends Probe im groften Saale - Sinfonien v. Haydn, 
aber Abspannung in allem - mit Reiche auf die Sattlermiillerey 

- Lehmann aus Frankfurt a. d. Oder - Herzfeld - Schudler aus 
Hamburg - mit Braun[e], Wendt u. Bauer zu mir - Rum - 
Eau de Cologne - Champagner - Rum aus Schoppen - pr ! pr ! 
um 2 Uhr z. Bette. 

26 Dienstag 
Braune in m.[einem] Bette - Fliiche iiber Rum - der wekende 
Faulhaber - 4hdge Sonate von Moscheles - Katzenjammer u. 
Abspannung - Sinfonie - Abends bey H.[errn] Lind - Ober- 
forstrath Gatterer - Hofkammerrath Haub - Professor Leukart 

- Dr. Gotzenberger - Lauter - Apotheker Fischer - Hofmann - 
Faulhaber - Damance - mein betaubter Finger - schone Fanta- 
sie - Elogen - Professor Roux - brillantes Abendessen - Leu- 
kart - Witze - Lachen - die singenden Philister - meine Ge- 
sundheit - schone Weine - das Kammerkatzchen - Punsch - 
Alles hin - hin - hin - der kussende Lind - der sbmoliirende 0183 
Lauter - Alles - Alles hin um 1 Uhr n.[ach] Haus - 



27. 28. (Mittwoch, Donnerstag) 
Katzenjammer - Sinfonie - garstger Tag - bey Dr. Wtisten- 
feld abgeschlagen - Um 10 Uhr Weber - Petrarca's Sonnette 210 
- schone Gesprache bey einer Tasse Thee - Am 28. Dito zu 
Hause - 

01B3 r ecte: smollirende. 



222 



29 (Freytag 0184 ) 
Ordentiiches Klavierstudium - friih Lauter per Du - um 3 Uhr 
Probe mit Wolf u; Lemke - der trauerkloschige Lemke - das 
Schubert'sche Trio - Duo v. Dotzauer - Abends zu Mitcbel - 
Feinheiten - der angestochene Lemke - der anschliefiende We- 
dekind - beyde Heyden - Cap.[itan] Hunter - Miss Pikford - 
die trauernde he Pique mit groflen, suchenden Augen - die 
kl.[eine] gar nette Mitchel - Unterhaltung mit der alten - Das 
Hummel'sche Rondo matt u. langweilig - das Schubert'sche Trio 
- „superb, magnifique, himmlisch" - meine gute Fantasie - Trio 
von Onslow jammervoll - zu Tische - mein Ehrenplatz neben 
der Alten - vortreff 1. [iche] Weine - die ki.[eine] Mitchel mit 
der 0185 - greuliche Unterhaltung - 

Pieper aus Hamburg - Major Pringle - Abschied - Lauter, 
Wolf, Lemke zu mir - Lauter's Enthiillungen u. Lemke' s Er- 
schrecken - schone Nacht mit Fruhlingstraumen - 



Wie werd' ich hier geliebt u. geachtet! So 1st mir's noch nie er- 
gangen - Wie ihr an mir vorbeyzieht, Weber, Rosen, Lemke, 
Lauter, Faulhaber, Wedekind, Mitchels, Wiistenfeid, Lind, Hof- 
mann u. ihr guten, leidenschaftlichen Madchen mit lauter Her- 
zen voll Liebe fur mich. Mufl ich so bald von Euch? 

30. (Sonnabend) 
Derbe Kalte - Abends Quartett bey mir - Lemke - Wolff - 
Dr. Lauter - Weber - spater Dammance u. Rosen - das Schu- 
bert'sche Trio - Essen - Riidesheimer -' Hummels Sentinelle 
sehr schlecht - mein durchgefallenes Quartett wegen gef linker 
Ohnraacht - allgemeiner Durst - MifiverstandniCe in Sachen des 
Punsches - endliches Herbeyschaffen - ° 186 Weber - Ulk - Punch 
royal L Champagnerpunsch delicat - Kiisse - Lemke zartlich - 
Wolf fallt ab - Smollis - Wiedebein^sche Lieder mit Weber - 
Lauter u. Damance um 12 Uhr n.fach] H.fause], Wolf u. Lemke 
um 1 Uhr - der erzahlende Pechvogel Wolf in Berliner Suiten - 
geistreicher Larm - das verungliikte Schub.[ertsche] Trio - Ein- 
zige attische Nacht mit m.[einem] Rosen u. Weber - Mahrchen 

0184 Anstelle von „Fr" ursprunglich „Don". 

0185 Das folgende Wort nicht lesbar. 

0186 Das folgende Wort nicht lesbar. 



223 



aus tausend u. eine Nacht - Duett - Stehlen des Wassers - 
Sonnette von Petrarca - m.feine] Gedichte - Fantasien - Um- 
armungen - der glanzende Morgen - zum Backer urn 6 Uhr - 
„guten Abend" „guten Abend" - frischer Week u. Rothwein - 
Morgenbliithenschauer - n.[ach] Hause - Einschlummern auf 
Rosen's Schoofie - aufgewacht am 

31 (Sonntag) 
Nachmittag 1/2 5 Uhr - Jammer - Abends ledernes Cassino - 
die attischen Gesichterschneider - Dr. Wiistenfeld - Carolina 

- Julchen [Mays] - Lina - die Christ - die Frey's - sonst schlecht 

- Alles wurst - der Cotillon - der vorgezogene Lemke u. we- 
nig Aerger dariiber - Gesprache post festum - Kneiperey mit d. 
Attischen, sammt Hille - Zacharia - Dr. Sachse - Arnold - 
Reiche - spater Anderson, Gernett u. Schiidtler - knill n, [ach] 
H.[ause] urn 1 Uhr - Smollis mit Hill u. Zacharia. 



1 3 3 Februar. 



1. 

Abends Probe im Museum - Beethoven'sche Ddur Simphonie 

- der letzte Satz excellent - Alle im Feuer - Arnold u. Dr. Zopfl 
mit d. Violinenconcertante abgefahren - der frohe Teich- 
mann 0187 - der liebenswiirdige Herzfeld - mit Topken zu mir 

- Gesprache iiber mich u. mein Vertrauen auf mich - leidliche 
Fantasie - nuchtern zu Bett gegangen - Dedication an Weber 
vor d. Probe - 

2. (Dienstag) 
Sonette von Petrarca fortgefahren - Nachmittag Weber - Ueber- 
reichung der Sonette - io° Kalte - Abends zu Topken - Horn 
aus Bremen - Lachsbrod - sonst wenig - Mein u. Topkens 

Energissement - Flotenvariationen zu Hause versucht, zu 

ubersetzen - Rum ■- 

3. (Mittwoch) 
Um 9 Uhr d. Morgens Brief von Leser - Freude - Trauer - um 
1 Uhr Weber u. Rosen - iiber Dante u. Michel Angelo - Canta); 

0187 Anstelle von „e" ursprunglich „h". 

224 



or piango^^ — mit beyden auf den Schuster - Studenten von 
alien Couleuren - Herzfeld - Billard mit Rosen - mit ihm zur 
Hanseatenkneipe - Hanseaten : Gernett, Schiidler, Schmidt, 
Meyer, Piepen - Allemannen: Freyenmann[?], Gutmann, Abegg, 
Fabricius, Junghans - der geistlose, ekelhafte Studentenbrief an 
Schmidt - Lagemann, Eckmeyer - spater Anderson - zieml.fich] 
Bier - mit ihm zu ihm - sammtliche Saxoborussia - Wenig aus- 
gemacht u. beschlossen - auf den Lauf - Allemannenkneipe - 
f reundl. [icher] Empfang - Rosen nicht da - bey Wiistenfeld 

groblicher Weise abgeschlagen Viel Bier u. ziemlich hin - 

zu Hause auf d. Stuhl eingeschlafen - Lichtbrennen des Morgens 
- Schone, herrliche Traume von Agnes [Carus?] - - - - 



W.feber] spricht oft in zu viel Diminutivis, die eine groGere 
Zartheit bezweken sollen - ein schoner Grad von Qneigennutzig- 
keit, wie ich es selten fand - hingebend wie ein Italianer; iiber- 
hpt ein ruhig gewordener Italianer. 



4. (Donnerstag) 
Abends glanzender Preussenball, der mich 30 Fl. kostet. - meine 
Ballhosen - die Mannheimerinnen - Polon.[aise] u. erster Wal- 
zer mit Babette Braun - liebenswiirdige Unterhaltung u. Geist 

- Gallopade u. Cotillon mit der albernen, verliebten Mais - Co- 
tillon mit d. Schnurbart Christ - im Ganzen wenig Leben - 
Thibaut - Mittermayer - Morstadt - Blike n.[ach] d. Roux 
u. 0189 der Gouvernante [Charlotte] - Henriette--Blumenstraufl 
v. der Frl. v. Claudyen u. meine Grobheit - Essen - ich niich- 
tern - Thibaut's Toast - Rosen u. Sophie - Wedekind - Emilie 

- Lehmann - Bauer, Schramm, Teichmann u. die Macbeminis- 
sae\y\ - Lemke u. die Mohr - Blkke der Mais - Kalte nach d. 
Saal - die Mitchell - Kneiperey ledern - ich ziemlich nuchtern 
unter 100 Bacchanten - urn 5 Uhr nach Hause - 

5. (Freytag) 

6. Sonnabend. 
Abends Probe im Museum - sehr schlecht - die Beethovensche 

0188 Anstelle von „g" ursprunglich „h". 
0,89 „u." iiber der Zeile eingefiigt. 

15 Schumann, Tageb. 1 22 5 



D dur Simphonie - unbedeutendes Ciarinettenconzert - mit 
Topken zu mir - Thee u. Rum - um i Uhr zu Bette. 

7. Sonntags. 
Bey Mitchell 211 Tische - Verlegenhek wegen Vatermorder pp - 
der Mailander Englander - Wedekind - Schramm - die Hey- 
den - Lemke - Piepen - 4 alte zerlederte Damen - feines Essen 

- conventionelle Fantasie - um 5 Uhr mit beyden Heyden zu 
mir - uber Italien u. Mancherley - seichte, ekle, herzliche Men- 
schen - meine aufgeregte Laune - zu Punsch bey Zacharia - die 
Sachsen - Claudyen - Hille - spater Weber - Graf Hohenthal 

ein infamer pp. Krug ein Schweinigel - Terrine umge- 

schmiGen - Weber u. Hille bringen nrich nach Hause 

Rosen mit Rittersbacher los - 

- 8. Montags - 
Aerger u. Katzen jammer - friih Lemke - Abends Museumsball 

- Hohenthal u. Krug um Verzeihung gebeten - Mudigkek - 
nicht getanzt - funf Extraduren mit d. herrlichen Gouvernante 
[Charlotte] mit d. herrlichen Augen - Blkke, BUcke - dito mit 
d. Braun, vulgo griiner Esel - „Sie sind sehr geriihrt" - Seligkeit 

- mit Anderson - Otterstadt - Wendt - Baar - Borngasseriana 

- um 3 Uhr n.[ach] Haus - 

Dies ist die liederlichste Woche meines Lebens, 

Dies ist die liederlichste Woche meines Lebens, 

Dies ist die liederlichste Woche meines Lebens 

— — — meines Lebens. 

135 9. Dienstag. 

Henriette Fantasien - Wahnsinn - auf d. Lauf Crocq - 

mit Anderson, Baar, Schramm in Schiiissers 211 - Wein - Zart- 
Hchkeit mit Anderson - Bewufitlosigkeit - Verliebtheit - La- 
ternenstorungen - Champagner - Austern im Museum, von d. 
ich keine Silbe weifi - Lauf - vor der Thur gefunden worden - 
Locher in's Bein gebrannt Burgerball versaumt - 

10. Katzenjammermittwoch. 

ii. Donnerstag 
Nachmittag zu Rosen - in d. Adler - Rappart - mit Rosen in's 
Museum - Billard - zur Sattlermiillerey - Leben - Smollis mit 

226 



Lehmann u. Senger - Hohenthal - Ehrenhaus pp - verpfuschte 
attische Nacht - zerbrochene Rumflasche - Teichmann mit Hof- 
mann los - urn 1/2 12 Uhr nach Hause - der sentimentale Ander- 
son u. der fantasierende Preis - 

12. Freytag. 
Leider Jammer - Denken an Sie - Morgen Briefe von Emiiie 
[Schumann] u. Julius [Schumann] - Antwort - Bahr u. Braune 
- mit ihnen, Lehmann u. Rosen nach Weinheim - himmlisch mil- 
der Tag - zu schon - Wein - zur schweinischen Wirthinn - 
Schliersheim - Conzert - nach Weinheim - mein Fortfahren u. 
Rosens Zanken - Schlaf in Weinheim - Conzertzeddel - herr- 
liche, duftende Mondnacht - Rosen zugehiillt - zur sch.[weini- 
schen] Wirthinn - Rum - Fingeriibungen, Doppelschlage u. Ton- 
leitern unter Rocken - das Judenmensch - oh - oh - der Bauer- 
wagen - Mondnacht - Tempelhoff um 3 Uhr n. [ach] Haus 

13. Sonnabends. 
Um 12 Uhr auf den Lauf - Billard mit Jacobi - Spaziergang mit 
Baar u. Anderson - Billard mit Reiche - mit Rosen u. Reiche 
zum Schuster - mit Rosen u. Reiche knill zu Hulle - Clavier - 
Rum - knill - mit Rosen ohne Reiche zum Lauf - mit Rosen auf 
d. Allemannenkneipe - Miiller - Abegg - Fabricius - Weber - 
das „gottliche" Quartett - ich ganz hin - Klavier zerhauen - / 

: /-/-/-u-u-uu- 

Ende der liederlichen Woche 

Ende der liederlichen Wochc. 

Ach! Ach! 



14. 15. i6 0190 Dienstag. 
Abends Ball bey Mitchell - steif u. ohne Leben. 

i7. 0191 Mittwoch 
Abends bey Wustenfeld 

19. 0192 Freytag 
Abends bey Mitchell - familiar - Comodie - gutes Essen - 

0190 „i6" uber der Zeile eingefiigt. 

0191 Anstelle von „y u urspriinglich „6". 

0192 Anstelle von ,,9" urspriinglich ,,7". 

15* 227 



2I om {Montag.) Sonntag 
Maskenball im Museum - Liebeserklarung in der Bonbontierre 
[?] - Domino - die Dammance - Henriette im schwarzen Kleide 

- Kiihnheit - vom Punsch aufgeregt an Dir hangt eine 

Zukunft, du b 1 a u e r Montag! um 3 Uhr n.[ach] H.Jaus] 

22. (Dienstag.) Montag 
Nachmittag Kneiperey bey mir - em Dutzend Rhenanen, West- 
phalen, Allemannen, Preussen, Hanseaten - Abegg„walzer["] - 

Bier Schlaf bis 11 -Uhr - Maskenball auf der Sattlermul- 

lerey - recht gemein - Rosen - knill - bis 5 Uhr - die Hure u. 
Anderson u. Braun - 

23. (Mittwoch) - Dienstag 
furchtbarster Katzenjammer - Abends Maskenball bey Dr. Wii- 
stenfeld - ledern - abgespannt - Charlotte - um 3 Uhr nach 
Hause - 24 0194 Mittwoch - Fruhstiik bey Labes - mit Weber u. 
Heyden zur Allemannenkn.[eipe] - hin, hin 

2 5. 0195 Donnerstag. 
Stubentag - Abends bey Thibaut - der gottliche Mann! - 

26 _oi96 preytag. 
Friih z. brillantestes Friihstiik des Entel[?] - im Konig von 

Portugall Champagner - Smolliren mit der ganzen Welt - 

Alles hin, hin - um 3 Uhr mit Heyden nach Haus gedorkelt - 
die bittende Mitchell - mit Reiche knill herumgestromert - aber 
ziemlich genial — um 12 Uhr zu Bett 

27. Sonnabend - 
Lauf - Strich an d. Fenster .- mit Anderson in die Schliisseley - 
mit der Preussenmiitze zum erstenmal erschienen - knill zu 
Clausewitz - verpfuschte Aufnahme - knill in die schlechte Mu- 
seumsprobe - mit Heyden zu mir - misanthropische Ideen - Pi- 
stolen - Schlaf - Biererey - um 3 Uhr zu Bette 

0193 Anstelle von „i" ursprunglich „o". 

0194 Anstelle von ,,4" ursprunglich ,,3". 

0195 Anstelle von ,,5" urspriinglich ,,4". 

0196 Anstelle von „6" ursprunglich ,,5". 

228 



28. Sonntag. 
Katzenj.[ammer] - Baar hat die Gedichte gelesen - Aiies ein 
Hundejammer - Kaffee bey Preis - zur Sattlermiiilerey - Ke- 
geley - der arrogante Eckmeyer - mit Preis zu ihn - vierhandig 
- hiibsch - soiider Abend - Briefwechsel zwischen Schiller u. 
Gothe 212 - urn 2 Uhr zu Bett gelegt - alberne Nacht. 

Nachtrag zu den Smollisbrudern 
fur den blassen Engel der Zukunft. 



Arnold aus Pommern, Brillenmann, unbedeutend. 

Bahr aus Schlesien, Chorbursche - Postilion d amour - attische 

Nachte bey mir — 
Beelitz aus Berlin, Renanor, Clavierspieler - Lachler - Wenig 
von Bernuth, Renanor - am 26/2 30 
Degen aus Hamburg, Hanseatenchorbursche - Friihstiik bey 

Labes am 24/2 u. 26/2 30 
Galli aus Schlesien, Renanor - Esel - am 26/2 30 
Herzfeld aus Hamburg - Hanseatenchorbursche - Genie - Con- 

zert - attischer Mittag am 22/2 30 
von Heyden aus Pommern - Viel - 
Hille aus Braunschweig - Westphalenchorbursche - Abend bey 

Dr. Wiistenfeld - Maskenball 
Hoffmann aus Brieg - Hans[eatenchor]bursche/ am 26/2 30 

Sm.[ollis] 
Graf von Hohenthal - Renanor - meine Aufbrummerey am 

Zachariaschen Punsch - Revocation - Smollis am 26/2 30. 
von Houwaldt aus Schlesien - am 26/2 30; mit mir aufgenom- 

men am 2/3 30. 
Jung aus Rheinbayern - Entzuckung iiber mich - Sm.follis] am 

24/1 30 nach d. Conzerte - 
KtefMing aus Breslau - Renanor - Wenig; am 26/2 30 
von Krocher aus der Altmark - Wenig - Renanor - am 26/2 30 
Lev- Wolf aus Hamburg - Violinenspieler - Champagnerpunsch 

u. Sm.[ollis] am 30/1 30. - Hanseatenchorbursche - 
Ludewig, aus der Mark - Renanor - Briiller - Sm.[ollis] am 

26/2 30. 
Mayet aus Berlin - unbedeutend - Balle bey Mitchell - am 

26/2 30. 

229 



Graf von Schullenburg aus Preufien - Renanor - am 26/2 30 

von Minnincherode - Renanor - am 26/2 30 

von Wentzky aus Schlesien - Zusammentreffen in Venedig am 

26/2 30 
Windeck aus Rheinpreufien - Chorbursche am 3/3 30 - Friih- 

stiick bey Labes 
Zacharia aus Heidelberg - bey Dr. Wiistenfeld - Punsch bey 

ihm - Maskenball - 
Geschrieben am 4ten Marz 30. 



Am 2 5sten Februar bey Thibaut. 
Der erste Theil des Samson von Handel 213 ward frisch u. keck 
aber ohne Precision aufgefuhrt.Thib.[aut] vergleicht mitUnrecht 
Handel mit Shakespeare 214 . Handel steht zwischen Klopstock 
u. Shakespeare. Handel ist Gotz von Berlichingen, er tanzt nicht, 
meint Thibaut; ebendeshalb ist er Shakespeare unahnlich, der 
immer tanzt u. die Welt durch andre Glaser ansah, als Handel 
mit seiner einseitigen GroGe. Mir diinkt, es giebt ein[en] 
Unterschied zwischen universellen u. idealen Kiinstlern 
- Raphael ist idealer als Buonarotti, Buonarotti universeller; 
meine Parallelen sind 

Shakespeare f 

Mozart < als Universalgenies 

M.[ichel] Angelo | 

Schiller (Klopstock) ] 

Handel \ als Idealmenschen. 

Raphael J 

Das Mannheimer Publicum, meint Thib.faut] witzig, iBt nur 
Confect; Schinken kann es nicht essen u. Austern gar nicht. Wenn 
Thib.jaut] seiner „Reinheit der Tonkunst" od. jedem Exemplar 
dieses Buches seine eigne Person u. seinen Musikverein anheften 
konnte, so ware dein Untergang unvermeidlich, Czerny u. auch 
Du Rossini ! 

Aber eine Handelsche Arie bleibt trotz dem Etwas Langweili- 
ges, so wie Brockes Naturvergniigungen pp - 

139 Am 3 ten Marz Conzert im Museum. 

Symphonie von Beethoven D dur 

Sentinelle von Hummel, von Liechner, Bassermann, Wolff 
u, Lemke. 



230 



Quartette 

von Weber, Herzfeld, Martin, Dammance. 
Schwedische Lieder von Romberg, 

von Wedekind 
Doppelconcertante fur 2 Violinen v. Creutzer, 

von Arnold u. Wolff. 
Oboevariationen von Pechatschek 

von Maas aus Mannheim 
Rheinlied von Ponenz.[?] 



Maas lud mich zum Mannheimer Conzert ein ; abgeschlagen. 



Marz. 

1. 

Ewige Traume von Henriette Sehen u. Sehen - urn 3 Uhr 

auf Sattlermullerey - Kegelschub - Bier - dann mit Jacobi in 
die Museumprobe - Wenig - Mein Loben Wedekind's u. seine 
Entzuckung - Sattlermullerey - Rosen - Bier - mit Anderson 
um 1/2 12 Uhr in's Museum - Champagner mit Prof. Leuckart, 
Prof. Johannsen, Prof. Braun, Faulhaberu. Lind - allgem.feine] 
Knillitat - um 4 0197 Uhr zu Hause - um 5 Uhr furchtbares Er- 
wachen im Stikdampfe - Feuer bey mir u. plotzliche Niichtern- 
heit - geloscht mit Gliick - furchtbarste Nacht. 

Marz. 2. Dienstag - 
Herrliches Wetter - mit Rosen herumgedammert - Clausewitz 
mit Rittersbacher ios - Lehmann's schones Aufbrummen - sonst 
abgespannter Tag - mit Heyden im Mondschein gedammert - 
Begegnungen, die nicht zufallig waren - Lugen am Fenster - 
dann mit Houwaldt u. Jacques in d. Saxoborussia aufgenommen 
bey Clausewitz - (zu Hause Brief an die Mutter) - lange mit 
Preis gespielt - 

3. Mittwoch. 
Herrlicher Tag - mit Rosen auPs Schlofi - S i e in die untere 
Strafie mit dem edlen Gange - Braune u. Windeck als neuge- 

0197 Anstelle von ,,4" ursprunglich „j". 

*3* 



bakne Corpsbursche u. Verlegenheit - mit R.[osen] u. Degen 
spatzieren - zum Dupret 215 - dann Conzert v. oben - getauschte 

Hoffnung Trube - die v. Kiefiling mit d, langen, weilen- 

dem Blicke - der wegen zu wenig Lob beleidigte Wedekind aus 
Mannheim - Maas Einladung zum M.[annheimer] Conzert - 
Energissement - wahrend des Conzertes mit Rosen in d. Adler - 
Keller aus Bonn - Miidigkeit - Rosen's Enthullungen u. mein 
Aerger driiber - Heyden - mit ihm u. R.[osen] zu ihn - Bier u. 
matte, fragliche Heiterkeit - Um 1/2 1 Uhr n.[ach] Haus g[an]z 
niichtern. 

4. Donnerstag. 
Himmlischer Tag - mein Miniaturgemahlde - Brief um Eduard 
[Schumann] mit Beylage von Zacharia - gestern Morgen bey ihm 
- Sie oft gesehen - Abends beyThibaut - seine meine Auszeich- 
nung, nach Weber - Mittermayer's Versehen u. Entschuldigung - 
2ter Theil des Samson - Thibaut iiber Clavierauszuge, Spohr, 
Cherubini, Schneider - Cherubini nach ihm Genie - mit Heyden 
in d. Adler - Niichtern aber schon - 

5. Freytag. 
Reinster Tag - glukhcher Brief an Leser u. GestandniGe- friih 
Rosen u. Heyden - kleine Clavieriibungen, seit 4 Wochen g[an]z 
vernachlafiigt - von 1-2 Sie gesehen, wie gewohnlich - Billard 
auf d. Lauf mit Senger - Herumdammern mit ihm, Aschar u. 
Otterstadt - Begegnungen, wie am 2ten - ist das Zufall? - Trau- 
men - dann mit Baar, Anderson u. Wendt - Goldner Abend - 
Reiche zum erstenmal los - abermalige Begegnung u. Griifte - 
Lesen im Museum - Am 3 ten Borngasser's Tortorey - u. mein 
Brief - dann zur Sattlermullerey im Mondschein - Wendt u, 
Reiche zum erstenmal auf's Carzer - „Alles Erste hat Etwas 
Feyerliches" - der gestorte Alpen[?] - Lagemann - Wenig - 
wehmiithig gestimmt - Schudtler, Schramm, Hohenhorst knill - 
die Knittelversifikanten - mit Anderson ziemlich niichtern nach 
Haus 

141 6. Sonnabend. 

Schoner Tag - Dammern - oft gesehen - zum erstenmal ge- 

gruGt Probst aus L.[eipzig] nach Paris u. London - im 

Mondschein zur Sattlermullerey - Smollis mit Wedekind - 

*3* 



Wendt u. Reiche vom Karzer - ziemlich [?] ° 198 Bier - attische 
Nacht bey mir - Anderson - Hohnhorst - Baar - Braun - Win- 
deck - Rhum - iiber d. Corpus juris canonici - dann die Gesell- 
schaft fortgeschickt - um i Uhr zu Bette 

7. Sonntag. 
Traumen zu Abend - Dammern - bis 1/2 1 Uhr - Essen im Por- 
tugall - mit Anderson u. Heyden - Rothwein - Billard auf dem 
Lauf - Schlaf zu Hause - bis 6 Uhr - dann hin - Cassino - 
schlecht - Sie - Babette [Braun] - die Alte - die Mitchell - 
Wiistenfelds - Ich aufgeregt - Lugen - gefafke Courage - Gal- 
lopade mit ihr - langes Gesicht bey meinen Lugen - aber wenig 
Gewiftheit — Zweifel - mit Babette [Braun] Walzer - Tisch - 
der mich herunterreiUende alberne Lemke — Borngasseriana - 
malitioses Bier — um 3 Uhr n.fach] Hause - 

8. Montag 
Herrliches Wetter - poetischer Katzenjammer mit Sehnsucht - 
am Morgen Heyden - der alte Ritzhaupt in Sachen s.[eines] 
Sohnes .- auf d. Lauf Bier - zur Sattlermullerey - Wuth - Gla- 

ser geschmisen zu Eckmeyer - ganz knill - meine ekelhaf- 

ten HerzenserschlieBungen - eingeschlafen - fort - Zufall vor d. 
Thiir im Mondschein - Nachfolgen - in's Museum - Topken - 
angerissen - schlechte Probe - mein „Vient" - dann mit Herz- 
feld zu mir - Champagner - Einschlafen - Aus - 

9. Dienstag. 
Spazierfarthwetter - furchtbar moralischer Hundejammer - Ro- 
sen u. Weber - Spazierfarth nach Schwetzingen - herrlich - wit- 
zige, liebenswiirdige Unterhaltung in d. Schw.[etzinger] Garten- 
anlagen - eine Zusammenstellung heterogener Witze - Lachen - 
Umarmen - mafiiger Rothwein - Freundschaftskleeblatt sogar 
im Wagen - die blaurothen Berge - die schone Welt - iiber 
Rohrbach zuriik - der Schatten im Fenster - Adler - zu Eck- 
meyer - Petersen - Heyden, Wendt, Rosen - Lehmann - mit 
R.[osen] u. Lehmann zu Preis - gliikliche Fantasie - Traumbild 
- zur Allemannenkneipe - der storende Abegg - besoffner San- 
ger bey mir - doch mit Besinnung niedergelegt gegen 1 Uhr. - 

0198 Wegen eines Siegellackflecks schwer lesbar. 

23$ 



14 2 io. Mittwoch. 

Trauriger Tag - dem kleinen Ritzhaupt Stunde - die Braun bey 
Kirschbaum's - Weber - Rosen - zu Lemke - Erste Sonate v. 
Onslow - Abspannung - Weber singt sehr schlecht - Aerger - 
Gewitterhimmel - Dammern mit Sanger u. Aschar - Conditor- 
laden u. Lugen - iiber die Bruke mit Herzfeld - Reich - Baar - 
Nichts - Traurigkeit - Billard mit Reiche - zu Preiss - schon 
fantasiert - bis io 01 " Uhr - dann bis i Uhr gelesen in des deut- 
schen Seume's Spazierfarth nach Syrakus 216 - schrekliche, halbe 
Nacht mit ewigen Klangen, Schwirren u. Gedichten im Ohr - 
bey Dr. Wiistenfeld groblich abgeschlagen 

ii. Donnerstag. 

Schreckenswetter - H.[enriette] drey Tage nicht gesehen — Cla- 
vier gut - Fortschritte des kl.[einen] Ritzhaupt - friih Keller aus 
Koln mit gutem ZeugniGe - Um 3 Uhr auf den Schuster - gro- 
fies Allemannenstiftungsfest - Hinausfahren - Landecker - 
sammtliche Senioren aller Verbindungen - Rosen, Lehmann, 
Schiidtler u. ich in einem Wagen - Weber's Gestandnifle iiber 
das liederliche Bekanntwerden meines Champagnertrinkens 
noch.[?] Frau Dr. Wiistenfeld - Aerger driiber - theils Ahnung 
einer ungliiklichen 0200 Zukunft der Liebe - Smollis mit Martin 
v. d. Allemannen u. s.feine] Entziickung - der trostende, belei- 
digte Rosen - in d. Sturmnacht nach Haus allein um 8 Uhr u. 
Rummel's Zuriickhaltungen - zu Top ken - Horn - schlechtes Cla- 
vierspiel - argerlich f ortgegangen - MiGbehagen auf der Welt u. 
Fliiche - zum Lauf - mit Ludwig zur Sattlermiillerey - Vortrin- 
ken von Allen - ungeheure physische Starke u. bleibende Niich- 
ternheit - Alles hin - Mein Verponen der Zoteniieder - ver- 
fluchte Eifersucht auf Sanger - um 11 Uhr mit Hofmann nach 
Haus - „Hohenthal" [„]Hohenthal" am Fenster griiften - Baar 

griiftt auch „sie las s e n dich grufien["] zu Hause eine 

Stunde zum Fenster hinausgeklotzt - stille, schwarzgraue Nacht 
ohne Lichtstreifen — guter Schlafe - 

12. Freytag. 
Schandlich Wetter - friih Klavier - die Toccata mit dem Klei- 
nen [Ritzhaupt] - dann Rosen u. meine erhaltene Einladung von 

0199 „io" iiber der Zeile eingefugt. 

0200 Anstelle von „k" urspriinglicb „g". 

2 34 



Eschborn - Nachmittag mit Anderson u. Clausewitz spatzieren 
- Grabmahl des alten Vofi u. s.[eines] Sohnes - Lachen iiber 
Schrittentfernung vom Mannheimer Thor - mit alien zur Satt- 
lermiillerey - Schwaben - allein n.[ach] Haus - sie nicht gegriifk 
noch gesehn seit vier Tagen 

Herrlicher, grofter Schlachtsonnenuntergang - Lugen zum Fen- 
ster hinaus - 1st sie neben mir? - das zauberisch beleuchtete 
goldene Heidelberg mit Schlofi - dann Shakespeare's Sturm u. 
„Was ihr wollt" 217 - Weber - aus Alfieri u. Schakespeare u. 
Zwerchfellerschutterungen - dann fantasiert bis 12 Uhr - die 
betrunkenen Preussen - schandlicher Schlaf - bey Mitchell grob- 
lich abgeschlagen - 

14. Sonntag. 
Herrlicher Tag - friih Weber's Sitzung vor d. Schweizermahler - 
Fantasie u. Kalkbrenners Op. 12 - grofier, allgemeiner Bier- 
convent auf d. Lauf - mit Rosen u. Weber nach Mannheim - 
Minchen in der Haube am Fenster - ich traurig, Weber lustig, 
Rosen nichts - Theater - der Maurer u. der Schlofier 218 - die 
Kinkel - Abendessen in Pfortzer Hof - Lagemann, Clausewitz, 
Baar, Heyden, Schiidtler - Lauter mit Familie - Wein - Cbam- 
pagner mousseux wird allgemein - Smollis mit Lagemann u. 
Schiidtler - Beschluft nach Rheinbayern zu fahren - Heyden: 
[„]nein! ich bin m.[einem] Bruder noch 2 Kronen schuldig" - 
Knill - Rosen, er u. Weber n.fach] H.[ause] zuriick - derber 
Schlaf - 

1 5 . Montag. 
Schrecklicher Katzenjammer - meine arme Kasse - Tiirkheim - 
schon knill - Forst - Wachenheim - Deidesheim - schreklich - 
die Deidesheimer Betteljungen u. das schone Katchen - schand- 
liche Existenz - den Ofen eingeschmifien - 

(16. Dienstag) u. (Mittwoch 17.) 
Kfatzen] jammer - Mattigkeit in Clausewitz, Lagemann u. 
Schiidtler - der verliebte Lagemann -Brief n.[ach] Heidelberg an 
Rosen, Herzfeld, Niebuhr u. Wendt - Spatziergang nach den ab- 
gebrannten Bergkloster 219 - der Fabricius - schrekliches Enuye- 
ment - Gesch. [ichte] des Schinderhannes 220 u. Kalenderlectiire - 
Examinatorium der Gassenbuben - L.[agemann] u Cl.[ause- 
witz] knill - bey Tische — Rosen - Umarmungen - die schone 



^35 



Frau Schwagerinn - Tanz - bunte Reihe - Rosen wie ein Stier 
knill - die andern ebenso, ich weniger - 

1 6 Dienstag 
Biliard - Wein - Katchen - 

144 1 8 Donnerstag - 

Allgemeiner moralischer - abgefahren urn 10 Uhr - meine Star- 
rigkek u. Widerlichkeit - aus Langeweile betrunken - schwer 
knill - m.[eine] Sehnsucht, nrich in d. Rhein zu stiirzen - Mann- 
heim - Schlaf - d. Wassertrager 221 versaumt - mit R.[osen], 
L. [agemann] , CL [ausewitz] ab - Feuer in Schwetzingen u. meine 
aufgeregte Fantasie - in H.[eidelberg] urn 11 Uhr angekommen 

- zum Lauf - Jubel - Bier zu mir mit Martin, R.[osen] u. Weber 

- reiche Fantasie - mit Preis bis 1 Uhr aufgeblieben. 

19 Freytag 
Allgemeine Bewillkommnungen - - furchtbar moralische - mit 
Clausewitz, Anderson u. Heyden zur Sattlermiillerey Nachmit- 
tag - Herrlicher Tag - Terasse - Henriette - 0200a mit Heyden 
spatzieren - seine Herzlkhkeit - herrlicher Sonnenuntergang - 
zufallig Lev- Wolf - Abends Ball - Sie u.ich - schreklicheUnent- 
schlossenheit u. Verzweifiung - stummer Punsch u. Grollen - 
Dr. Wiistenfelds - R.[osen] mit Lehmann n.[ach] Mannheim - 
um i Uhr zu Bette - 

20. Sonnabend. 
Kopfweh - mit R.[osen] u. Lehmann zum Lauf - Abends bril- 
lanter Fakelzug fur Chelius - Abends Topken mit Ascher bey 
mir - Fantasie - Lachs ! - Erbitterung mit Topken - um 1 Uhr 
zu Bette - 

21. Sonntag - 
Clavier - mit Rosen auf's Schlofi, schoner Fnihlingstag - Unser 
Begegnen mit der Gouvernante [Charlotte] - m.fein] Errothen 
u. ihre Verlegenheit - Liebesroman [?] - Dr. Wustenf eld's wie 
bose Geister - der Pfau - Dammern mit d. beyden Heyden's 
u. R.[osen] - Adler - Verstimmung, aber liebend - Abends drit- 

0200a Die folgenden 3 Worter ursprungltch ausgestrichen, durch darunter- 
gesetzte Punkte wicder giiltig gemacht. 

236 



tes Concert im Museum - Ledern - Wolfs Conzert gut - das 
Aeolodion 222 - ! - Sie nicht da - nach d. Conzert ein musikali- 
sches Essen des mus. [ikalischen] Vereins - der verliebte Weber 

- Bienchen - neben Wedekind u. Heyden - Hofrath Munke - 
Prof. Guyet - Prof. Zopfl - Major Pringle - Gesundheiten - 
Wedekind's u. m.[eine] Unruhe - „Bernh.[ard] Romberg der 
zweite soil leben" - die Husar Ladenburg u. Bassermann - Wolf 
knill - Lemke im Punschver- 

schifte - Punsch mit Herzfeld - Wedekind u. Bensinger - Allge- 
meines Wegf alien - um 4 Uhr n.[ach] Haus. 

22. Montag. 
K[atzen] jammer - friih Clavier - dann Rosen - lederne Farth 
zum Mannheimer Conzert 223 (die Haupt v. hier) u. originelles 
Umkehren vor Heidelberg - der Himmel graublau - Rosen's u. 
m.[eine] Widerlichkeit - er auf die Hirschgasse - ich auf Dupret 

- wir finden uns beyde aufgelegter - in die Fenster - der Hum- 
pen - schwer knill - zu mir - Lemke zum Narren, sagt mir, dafi 
er in den Schwan zieht u. wird mein guter Freund - Sardellen - 
der kl.[eine] Heyden - besoffne Gesprache - um 8 Uhr einge- 
schlafen - 1/2 10 Uhr aufgewacht niichtern aber ekelhaft - 
Shakespeare's „Der Liebe Miih' ist umsonst" 224 - 

2 3.Dienstag. 
Friih Clavier - hafilicher Tag - der ekelhaft verliebte, zartliche 
Weber - meine Kalte u. sein Schmerz - Kalkbrenner's Fantasie 
studirt - um 4 Uhr s i e bey Kirschbaum's, als hatt* ich's geahndet 

- Dammern mit Heyden - Baar - Wendt - u. dreymaliges Be- 
gegnen - Melancholie - Baar mit Heyden zu mir - Auf- u. Ab- 
gehen in der Stube - der bose Heyden - Abends bey Preiss schon 
gespielt - dann Casanova - gfan]z niichtern 

24 Mittwoch. 
Clavier schon - Nichts - S 1 e vorbey -ich vorbey - M bunte, 
bunte Schmetterlinge" - mit Rosen zum Dupret - behagliches 
Befinden - in's Museum — Nichts - er zu Lehmann - ich zu 
Hause - Wendt u. Heyden bey mir - dann bey Preis schon ge- 
spielt - g [an] z niichtern. 

25. Donnerstag. 
Clavier u. Kalkbrenner - um 1/2 1 Rosen - Spatziergang - mit 

237 



Heyden dito - Weber - Bienchen - Lauf - Nichts - Fantasie - 
niedergeschlagen - Rosen - Begegnung am Badenschen Hofe, 
aber nicht gegriilk - Sardellen - Fenstri[?] - Spatziergang 
Abends 8 Uhr - Pistolenschuftaufwartung bey Lemke - Schwer- 
muth - Triiber Tag - Kampfe, moralische - Ausdauer - Spiel 
bey Preis - g[an]z niichtern - um n Uhr zu Bette - 

146 26. Freytag. 

27. Sonnabend. 
28. Sonntag. 
Mitchell's u. Lauter's Einladung abgeschlagen - Meldung des 
Todes von Helene'n 225 durch ° 201 Eduard [Schumann] - seliges 
Dammern am Morgen - im Portugall gegessen - mit Anderson 
u. den Heyden nach Neuenheim - Wendt mit Empfehlungsbrie- 
fen nach Paris - Dammern - Dr. Lauter unterwegs u. Verspre- 
chungen - wilder Spatziergang v. Neuenheim herein - die 
Mutze Windeck's im Nacken - Stoften u. Schuppen - lustig - im 
priveligirten Schiefihaus mit GalH u. And.[erson] eingekehrt - 
Sattlermiillerey - Galli's Bierhetze - Schaukeln auf der Kette 
vor Rofihirt's Wohnung u. das HerunterstoBen Heydens - 
Abends knill in d. Portugall - Clausewitz wieder von Mannheim 
da - Wendt nach Paris - Degen u. Schramm finden mich unter 
den Fiugel u. das Licht brennend um 12 Uhr. 

29. (Dienstag) Montag. 
Sattlermullerey - (d) mein flegelhaftes Absagen bey Mitchell - 
die alte Braun sieht sich nach mir um - am Fenster mir die 
Miitze abgenommen - zu Wasser mit Allen nach Neuenheim, 
incl.[usive] Rosen - viel Bier - meine Aufbrummerey u. lange 
Gesichter - trostliche[?] Widerlichkeit - die Heyden zu Mitchell 
- schoner Abend - ich liegend auf der Bank - heruber u. hin- 
iiberfahrend - Kronthaler verlierend - zu Hause dorkelnd - 
Licht brennen lassen - Punsch bey Baar versaumend - R.[osen] 
u. Lehmann knill - um 8 Uhr zu Bette - die Amerikaner -. 

30. Dienstag. 
Kein Katzen jammer - furchtbar heiBer Tag 18-20 - mit Hey- 
den des Morgens gedammert u. s. [eine] Luge, dafi s i e da ge- 

0201 Anstelle von „d" ursprunglich „vo". 

238 



wesen ware - Klavierspiel - und ° 202 Rosen's moralischer Kat- 
zenjammer - R.[osen] mit Bichsier[?] Wagner los - von der 
Hirschgasse zu Mays - mit R.[osen] u. Weber aufs Schloft - 
herrlicher Spatziergang - R.[osen] matt - spater Westphalen, 
Hanseaten u. Preussen - Clausewitz iiber Italien - Heydens Un- 
gebildetheit u. affectirtes Feuer - Gemuthlichkeit im Schlofihof 
bey Mondschein u. ziemlicher Knillitat - mein Schauen in den 
Mond - zur Hanseatenkneipe 

31. Mittwoch. 
K[atzen] jammer - das Friihstuk der Amerikaner im Portugall - 
Witz mit dem Kutscher nach Neckarsteinach - nach Nekarstei- 
nach - alles hin - das Lugen der Gouvernante [Charlotte] 



\1 


July. 24 fl. 20 










CI. 


L. 


Schdt. 


Bh. 




6.4 


6.4 


6.4 


6.4. 




CI. 2.30. 


2.30 

2. 

4* 

7. 
1. 


>. 2.30. 

g 0203 
24. 

6. 

18. 
24. 
18. 

6. 

4 kr. 
32. Fl. 


2.30. 



Am 20sten Juny 30. Sonntag. 
Cassino - die schwarzseidene Weste - Nun kommt zuerst die 
Hutverwirrung - ich - fehlgeschlagene Extradur - der Cotillon 
- Extrad[our] - Handedruk so leise - Unterhalt[un]g mit der 
Braun - „Aber warum tanzen sie so wenig" - leiser Druk von ihr 
u. zweites Hohlen - 

0202 „und" auf einen Gedankenstrich geschrieben. 

0203 Rechts neben dieser Rechnung als Unterschriftsproben dreimal : „Schu- 
mann", in einen Schnorkel auslaufend. 



239 



148 Am 2isten - 

Rosen - 24 Jahr - 



1234 
1243 
1342 
1324 
1432 
1423 



0204 



12 


3456 


12 


5436 


12 


4536 


*3 


245 


13 


542 


13 


452 


_i3 





148 



2341 
2314 
2431 
2413 
2134 
2143 



3124 
3142 
3241 
3214 
3412 
3421 



0205 ■ 



36 



45 
6. 
6 

6. 24. 60. 120. 210 0206 
7 



4321 
4312 
4213 
4231 
4123 

.4132 J 



20 

_4 
80 



0204 Anstelle von ,,42" urspriinglich ,,24" 
sprechen dem Original. 

0205 Anstelle von „i" urspriinglich ,,4". 

0206 Anstelle von ,,21" ursprunglich ,,14". 



Die eckigen Klammern ent- 



240 



3 4 
6 


5 6 


Z » 


18. 


18 


24 
6o 






36. 
60 


18 

24 0207 


120 
2IO 
336 




90 
126. 
168 

(216.) 


30 
36 

42 
48 


57- 


58. 


59. 60. 

59 

354o 
58 
28 320 
1770 







205,320 



0207 Anstellevon ,,4" urspriinglich „6'\ 



16 Schumann, Tagcb. 1 24 1 



149 Beylage zur Hottentottiana. 

Trete du zuerst vor, der am machtigsten auf mich gewirkt hat, 
der mich beym ersten Blik angezogen hat, den ich geschatzt, ge- 
liebt, bewundert habe, der mich abgestofien, erschrekt hat, den 
ich gefurchtet, oft auch im Stillen gehafk habe, der mir das 
Hohere des Lebens aufschloft, Liebe u. Freundschaft zur Welt 
u. Kunst tief in meinen Busen pflanzte, mich zuerst das mildre, 
' freundlichere Licht der Welt schauen liefi, aber oft mich zu Nich- 
tigkeit u. schauriger Kalte zuriikfiihrte, die mir den Blik der Zu- 
zunft umwolkte. S.[chumann] ist d. Jiingling, den ich lange liebte 
u. beobachtete. Seine Seele mocht' ich mahlen, aber ich kenne 
sie nicht ganz ; er hat sie [in] einen dichten Schieyer gehullt, be- 
wufit u. unbewufk, den reifere Jahre nur durchspahen konnen 
pp. Ohne die Granzen menschlicher GroBe festzusetzen, mochte 
ich doch Sch.[umann] nicht unter die ganz gewohnlichen Men- 
schen zahlen. Talent zu vielen Dingen u. nicht gewohnl.[iche] 
Eigenheiten zeichnen ihn vor der Menge aus. (Eine Beschreibung 
seines AeuGeren) - Sein Temperament (Melancholicus) denn 
darin aeufiert sich mehr als Empfindungs, denn als Anschauungs- 
vermogen, daher mehr Subjektiv.[ist] als Object, [ivist] in seinen 
Urtheilen u. Producten; das Gefiihl starker, als das Streben. Sein 
Verstand weniger Reflexion, als Eingebung des Gefiihls; mehr 
theoret : [ische] als praktische Vernunft (?). Einbildungskraft 
stark, nicht sehr thatig (widerspricht. sich) einer auftern Anre- 
gung bediirfend. Gedachtnift u. -Erinerungskraft lebhaft. 
Scharfsinn, Tiefsinn, Witz nicht stark. Mehr Gefiihls als Ver- 
standesmensch - mehr zur kunstler.[ischen] Thatigkeit, als zur 
Speculation sich hinneigend - ausgezeichnet in Musik u. Poesie - 
nicht musikai.fisches] Genie - sein Talent als Musiker u. Dich- 
ter steht auf gleicher Stufe - viel Ausdauer - JPaui hat vielen 
EinfluB auf ihn geaufiert - ungemein litterarische Kenntnilte 
aus 0208 alien Wissensch[a]ften - viel Bucherkenntnift u. Belesen- 
heit - in seinen Urtheil ist Geschmak u. Verstand. Als 
Mensch - so zeichnet ihn aus fester Takt, Ungeniertheit, 
Starke des Geistes, Liebenswurdigkeit, Kiinstlertalent, - wo er 
gefallen will, gef allt er, scherzt mit Starkeren ; gegen Schwachere 
ist er stolz u. persifliert sie oft, weift sie aber leicht wieder zu ge- 
winnen - Genial ist er nicht; das Stiirzen in das Leben ist ihm 



0208 „aus" auf einen Gedankenstrich geschrieben. 
242 



fremd - desto mehr fantasirt er im Stillen - er ist nirgends be- 
schrankt u. weifi[?] 0209 jede Lage seiner Individ. [ualitat] anzu- 
passen - feiner Takt, attischen Scherz, Ungenirtheit, Schein eines 
umsichtigen B likes, Leichtigkeit im Vortrage, 0210 statistische Vor- 
theile[?]. Aus dem Umgang mit d. feineren Welt wird bey ihm 
S t o 1 z - Eigendiinkel hat er nicht - Argwohn[?] 0211 in s.feinem] 
Urtheile ist nicht zu verkennen 

Er liebt rein u. heilig - er hat edel u. gottlich geliebt, dafi er 
den Madchen gefallt, weifl er - das der Erste sey n 226 ist ihm 
angeboren - giebt sich den Schein d. Nichtwollens - ein Lustgar- 
ten ist ihm die Erde nicht, vielmehr ein heiliger Tempel d. Na- 
tur - Religios ist er ohne Religion - die Menschen liebt u. d. 
Schiksal fiirchtet er nicht. 

Ich habe gesucht, wie diese edle Gestalt in meine Seele gefallen 
ist, zuriikzuwerf en ; der Spiegel kann aber audi falsche Fleken 
haben. 

0209 VPegen Restauration der aufieren unteren Ecke das Wort nicht voll- 
standig lesbar. 

0210 Ein Wort nicht lesbar. 

02ii Wegen Restauration der linken unteren Ecke das Wort schwer lesbar. 



16* 243 



Tagebuch4 

Reisenotizen II, Schweiz, Oberitalien 1829 



Robert-Schumann -Haus Zwickau, Signatur 4871 VII A / b, 2 A3 

Das Heft umfafit 25 Blatter, Format: 14,3 X 9,1 cm. Alle Seiten 
sind mit Bleistift oder Tinte beschrieben. 
Biatt 2 ist lose, die Blatter 10 und 17 bestehen aus Pappe. 
Die Seitenzahlen wurden von fremder Hand mit Bleistift hin- 
zugefugt, die Numerierung ist unregelmafiig. 
Die Innenseite des hinteren Einbandblattes tragt den mit Blei- 
stift (Handschrift Georg Eismann) geschriebenen Vermerk „nach 
R. 2, 11" und die die Signatur 4871 

VII, A9, 2 ' 
Das Notizheft hat Fadenheftung und einen Pappeinband mit 
autographer Titelauf schrif t : Reisenotizen. II / Reise nach d. 
Schweiz/u. Oberitalien. 1829. 

Auf dem Ruckblatt steht mit Tinte von Schumanns Hand die 
Rechnung: 2^8 

111 
73 

Sein Erhaltungszustand ist gut. 



245 



01 Reise nach der Schweiz 
und Oberitalien. 1829. 



Abfartb D o nner s t a g s am zosten August Abends 10 JJhr 
nach Basel - feuriger Abscbied v. Semmel u. kalter v. Rosen - 
die Nacht durcbgefahren - 

F r e y t a g am listen. Aug. - Bruchsal - Carlsruhe - Hunde- 
wetter - Ettlingen - Rastadt - Stollhofen - Kehl - Strasburg 
in d. Feme - Mittagessen - Wenig interessante Gesellscbaft - die 
Strasburgerinn marchands des modes -uppigeN acbbarschaf ten - 
n. sanfte Quarambolagen mit d. Beinen - Don Garcia aus Co- 
lumbien - Venias quaeso in Beiscbesian - der hannoversche Of- 
ficier - Englander in wetssen Jacken - Kaufleute aus der fran- 
Z.[osiscben] Schweiz, Munchen, Carlsruhe - der ekelhafte Pastor 
in Kehl a la }. Korner - verstohlenes verbotenes Tabakrauchen 

- Friesenheim - mahlerischer, regnerischer Abend - Abendessen 
in Freyburg - der gute theologische Candidat - Don Garcia - 
der kleine Englander - Affenthaler 2 ^ u. H inter cabriolet - Scho- 
ner Schlaf v. 4 Stunden - kraftiges Erwacben u. starke t frische 
Morgenkuhle - Fussparihie - u. der erste Anblik der Alpen am 

S onnab end am listen Aug. - le petit Anglais - le noir[?] 
Schwarzwald - Ndhres Anrucken der Alpen - mehr u. mehr - 
Kaltenherberg - herrlich schones Rbeintal u. Aussicht auf Basel 
u. d. Solothurner Alpen - der halbweinende, halblachelnde Him- 
mel - Eintritt in die Schweiz - uppige Wiesen - schone Gesich- 
ter - Basel - Gastb.[of] zum S torch - Reinigungen - Befreun- 
dung mit d. hannovrischen Offizier - Kaffee - Spaziergang in 
die traurig-leere, unegale Stadt - Rheinbrucke - Herumirren - 
das neu-alt- 
modische Rathbaus, ein Bild der Schweizer Republick 

- das Basler Wappen zum Ueberdruss angebracht ~ der Munster 

- Erasmus u. der Kaiserinn Anna Grabmahl - unharmonischer 
Eindruck d. Munsters - jeinstes Mittagessen - Abscbied vom 
blannoverschen - Einsamkeit - Schlaf schlechter - Besuch beym 
schuchteren Imhof - Caffeebaus sehr wie leipzigerartig - charak- 
terlose Gesichter - enuyante Langeweile - Petrarca - Imhof - 

01 Seiten 1-24 mit Rleistift geschrieben. 

246 



angenehmer Spatzirgang - Schutzenwiese - berrlicber, reiner 
Abend - Vorbote schonerer - Nacb Schaffbausen ol Kronthaler 
mit lachelndem Zorn zuruckgewiesen - Abscbied v. Imhof - 
scboner, genialer Brief an Eduard [Schumann] - dann schlecbte 
Suppe, guter Wein u. eben dieses - Morgen nacb Zurich 

Sonntag am listen Aug. - Reiner, blauer Himmel - Pan- 
orama nacb Basel - mein Thron - ein gebildeter Kutscher - up- 
pige Wiesen u. Weinberge - die Solothurner Alpen - Coenzach 

- Rheinfelden - Mktagessen in Mumpf - gut - die verbluhte, 
trauernde Wittwe - lederne Unterhaltung - lebhafter - u. ihre 
schmachtenden Feuerblike - der gute Luzerner Kaufmann - viel 
Wein - das Frickthal - Bozen - der Bozberg - erster Anblik 

der Gletscher Brugg - truber Abend - Baden - muntres 

Leben - Herum 02 mit d, Luzerner Kaufmann - viel Wein - 
Abendessen - fidele Badegdste - die Wittwe aus Havre de 
Grace - Blicke - dann Tanz - die fliegende t trauernde, tanzende 
Wittib u. Betrachtung fiber gestorbene Ebeleute - ziemlich an- 
gebannt - zusammengeschlafen mit d. Luzerner Kaufmann - 

M o nt a g am 14s ten August - meistens Katzenjammer - kat- 
zenjamriches Wetter - tiber Dietikon nacb Zurich - der Hiiti- 
berg - Aussicht nacb d. frommen, netten Stadtchen - sehr belebt 

- im Winter grund reizende Aussicht nacb d. See u, den weissen 
Graubundner Alpen - Eingekehrt in d. Raben - Spaziergang 
dutch die Stadt - mittelmdssige Gesichter - Zusammentreffen 
mit Graf Hulsen, Kable, Velsen u, Bonnstett - glanzendes Mit- 
tagessen - die schmachtende Wittwe - der gesprdchige, geist- 
reiche Particulier aus Dor pat ~ uber Neapel - gute Unterhaltung 

- meist Deutsche an der Table d'hote - die Bibliothek - die Al- 
pen en miniature - Lavaters Bild - Spaziergang mit d. Heidel- 
bergern nach Gessner's Denkmal - Caffee litteraire - hundsfot- 
tisches Wetter - Bierkneipe - gates Bier - Graf Hulsen besduft 
sich ungemein - das niedliche Kellermadchen - der betrunkene 
fixirende Kutscher - Hdndedruck der Kleinen - Antrdge - nied- 
liche Nonnenkusschen - die alte Wirthinn mit dem Pferdefusse 

- u. zuruckgewiesene Concordate - Nieder Neucbatel - Hulsen f s 
Stanzen - Feschter™ Schlaf - 

02 Das folgende Wort nicht lesbar, 

3 Sic. 



247 



Dienstag am listen August - frisches Erwachen -die Ber- 
liner - Abschied v. Kahle u. Hulsen .- Fussparthie - aufgeregte, 
heitre Stimmung - schoner W olkenhimmel - schones Thai nach 
Adtisschwyl - lachend den Albis angesprungen - Albis u. him- 
liscbe Aussicht nach d. Zurcher See - reizender Spaziergang 
durch Wiesenblumen it, Laubwdlder - Aussicht nach d. Zuger 
See u. das fernere weisse Gebirg - nach d. Rigi - Baar - Fussweg 
durch Garten - Ankunft in Zug um 6 Uhr - der elegante Wirtb 

- sehr anstdndiges Essen - Spazierfarth aitf dem Zuger See - 
schoner Sonnenuntergang - Plan von Venedig - rubiger s sanfter 
Schlummer - 

Mittwochs am 26s ten August - himmliches Wetter - Farth 
uber den Zuger See nach Immensee - der gefdllige, bescheidne 
Scbiffer - das freundliche Imensee u. schones Panorama nach 
Buonas, Cham t den Albis, Art[h] «. den freundlich-terassenarti- 
gen Rigi - Fruhstiick in Immensee - TelVs Kapelle - hohle 
Gasse bey Kussnacht - frische, gehobne Fufswanderung - mit 
dem Alpenstock wie eine Gazelle den Berg hinangesprungen - 
deshalb Lobspruche vom Fuhrer Aloys Schell - im??ter hohere 
Aussicht - der Zuger See durch den Wald wie ein tiefer, grofler 
Himmel glanzend - Alpenweide - Alpenhutte u. Erfrischung - 
immer steiler u. imer freyer - reine Luft - Ankunft auf Rigi- 
Staff el - Mad. Schumacher u. Tochter aus Luzem - die Sage: 
pour la complaisance - findet in Blicken Bestdtigung - Spazier- 
gang auf einer Bergspitze - die ganzen Alpenkette vom hohen 
Sentis - Jungfrau - der von meiner Entzuckung entzuckte Fuhrer 

- durch Wein aufgeregt - Schielen durch d. Fenster nach den 
trauernden^ - dann Gang auf Rigi-Kulm - Alpenwandrer - 
feitende Englanderinn - das Bergloch - immer hohere Aussicht - 
Ankunft auf Rigi-Kulm - Ankommlinge - die schone, leichte 
Englanderin mit d. Alpenstock den Berg anfliegend - die noch 
schonere, Miss Dosten - reges Alpenleben - einzige, zu schone 
Aussicht - unbeschreiblich - die franzosische Familie mit passa- 
blen Tochtern - die Pariser Stutzer - der Strasburger Student mit 
dem Alpenhorn - prdchtiger Sonnenuntergang - die nachfolgen- 
den, lugenden Trauernden - sinkende Sonne u. zaubrische Feen- 
beleuchtung - Traumideen - Alpenweiden - Table d'hote - die 
Hannoveraner - der Strasburger - der gluckliche Strasburger - 

°* Das folgende Wort nicht lesbar. 

248 



Gluhwein - Schlafkammer in Zwickauer Ausgabe - Kdlte u. 
pfeifende Winde - 

D o nner s t a g am zjsten Aug. - Um 5 Uhr aufgestanden - 
Sonnenaufgang mittelmdssig - Unbdndige Kdlte - die eingehiill- 
ten Engldnderinnen - Kaffee - den Rigi heruntergescherzt - 
herrlich-romantischer Weg - das kalte Bad - Aussicht nach Wdg- 
gis u. d. Vier-waldstdttersee - die Franzosische Reisegesell- 
schaft - Waggis - Farth iiber den Vier-waldstdttersee nach Lu- 
zern mit d. Deutschen - Woblbefinden - der murrische PUatus - 
Rigi - fernere Gebirge - Nosen - freundlicbe Gesprache - Lu- 
zern - freundlich italianisches Stddtchen - Bad - gutes Mittag- 
essen - Rustkammer - das Pfyferscbe Panorama™ - Kneipe - 
Spaziergang - sehr todte Gassen - der Luzerner Lowe erhaben- 
wehmiitig - Kauf des Panoramas - in alien 4 Winden - prdcb- 
tiges Panorama - Mudigkett - Abendstiick - die schone Solo- 
tburnerinn - Rotbwein u. seliger Schlaf. 

Freytags am iSsten Aug. - Ganz scblecbt Wetter - bis nach 
Winkel zu Fuss gegangen - die Berge in Wolken eingehullt - 
enuyante Farth - iiber den Vier waldstdttersee nach Alpnacbt - 
die wallfarthenden Katholicken - ungeheure Kdlte - Fruhstuck 
nach Alpnacbt - scbmutzige Fussparthie bis nach Sarnen - der 
Wirth a la Vetter in H.[eidelberg] - vom Wein rege - Schif farth 
iiber d. Sarner See bey Regen - Rudenz - der Kaplan - Concen- 
trirtheitl?] a. geistiges ~ uber den Kaiserstuhl 05 - Lunger n u. See 
qjo' - der Wasserfall - Alles trube - Schlummer - Essen - 
Nichts 

Sonnabendsam zysten August - Noch schlimmes Wetter - 
ermudender Spaziergang iiber den Brunig - der deutsche indiffe- 
rente Esel auf d. Kapelle - Thaler auf Bdcben - Blicke in das 
Oberhaslithal - Giesbdche vom Himel 

u. Bergen herab - Brienz - Ndsse u. Kdlte - Grunef aus Osna- 
bruck - Farth zum Giesbacb - die schone, kraftige Schifferinn - 
ermudendes Ansteigen ~ der Giesbacb in s.[einer] ganzen Schon- 
heit - Schulmeisterwohnung - Clavier - Lieder der Brienzer 
Madcben sehr wehmuthig u. eigenthumlicb - die Alpen verhullt 
- Sturm auf dem See u. die lacbelnde Schifferinn im Doppel- 

05 Zwischcn „t" und „u M ausgcstrichcnes „h". 

249 



sinne - Table d'hote im Brienz - Michel, Adjudant des Ge- 
n.feral] Erhard - der lahme Englander hn Strohhute - schreck- 
liche Farth iiber den Brienzer-See - Kalte furchtbar - des Fuh- 
rers Urtheile iiber Rotteck - Schlaf - Ankunft in Interlacken - 
Umkleiden - die Englander bey d. table d'hote - Nichts Schones 
- Thee •?- Lecture im Petrarca - Abendessen mit Gruner u. 
einem bescheidenen Englander - sturmisches, verdriessliches 
Wetter - Vinde Neuchatel u. Schlaf auf dem Erdboden fast. 

S o nnt a g s am 30s ten®** Aug - Heitrer Spaziergang durch das 
heitre Interlacken u. Unterseen - herrliches Dorf - der Niesen 
am Thuner See - blaue Augen am Himmel - driicken sich bald 
zu - Thuner Postschiff - enuyante Englander - deutscher Hand- 
werksbursche - stiller Franzose - Langeweile - truber, kalter 
Wind - Ankunft in Thun - der drangende Gruner — fort - aus 
d. Freyenhof - zur Krone - Erstes Fuhlen des Berner Oberlan- 
des - liehliche, feine Gesichter u. machtiger, gesunder Glieder- 
bau - Marie in der Krone u. ihr scbarfes Urtheil iiber Franzosen 
u. Deutsche - wohlfeiles, heitres Mittagessen - der franzosische 
Kutscher - das gar niedliche Thun - Abschied von Marie - in 
Carrier e gefahren - verfinsterter Himel - Berner Dorfer - zu 
schon u. idylliscb selbst bey diesem Hundewetter - Ende der 
Cigarren v. Rheinreise - 

liebliche Ansicht nach Bern - Hotel a la Cammene [?] - Caffe - 
das italianische Bern u. die Madchen in den Fenstern liegend - 
das verdammte Wetter — Herumdatnmern - die Hallen u> die 
einfache schone Tracht der Bernerinnen - Kaffe Thalmann - 
Punsch - .aufgeregt - Fund der herrlichen Cigarren ~ Abend- 
essen - Echter Schlaf inseidnen Betten. 

Mo nt a g s am listen Aug - Aufenthalt in Bern - Herumstrei- 
fen in den Gassen - der Munster - Besteigung- die Hallen - die 
heil.fige] Geistkirche u. franz.[osische] Kirche unbedeutend - 
die Berner Baren Spielerey 27 ® - der grosse Christophel vulgo Go- 
Math u. d. kleine David - Clavier spielen in d. Hallen - Lob u. 
die Madchen - die ledernen Deutschen bey der table d'hote - 
Gruner zu R- Wyss - Brief an die Mutter ™ - Lugen zum Fen- 
ster hinaus - aufgehender Himmel - Spaziergang durch Winkel- 
gassen auf d. Plattform - schone Madchen - Bierkneipe a la 

06 Ursprunglich ,,23", durch ,,30" uberschrieben. 

250 



Kaltenborn u. der Schweizerische Schweizer - mit Gruner in 
Konig's 231 - herr Itches Panorama - Entzucken - dann flottes 
Abendessen zu Haus - 

Dienstag a??i isten Septemb - Abschied von Gruner - scho- 
ner Himmel - zur Post - Retourfarth nach Thun im Postwagen - 
der neue Fiibrer Bohrer aus Grindelwald - Cabriolet — Leben 
auf d. Chaussee - nationelle Tracht u. Lacheln - die Gebirge 
klar wie Goiter - die Jungfrau - der Hollander Kaufmann 
Queck aus Amsterdam sebr beschrankt mit Schein von Heuche- 
ley u. Gutmuthigkeit - wohlfeiles Dejeuner in Thun - mit Post- 
schiff abgefahren nach Neuhaus - 

Hundegesellschaft - leidliches Wetter - langweilige Ufer - der 

Niesen u. Stockhorn - Schlaf - die Englanderinn in der Brille u. 

zerfallene Ideale - Charpent mit Queck nach Lauterbrunnen - 

' himmelhohes Thai - das Grindelwalder Madcben - Wasserfalle 

- Erste wahrhafte Empfindung des 

Kennst du d. Land u. seinen Wolkensteg 

Erste Ansicht des Staubbaches sebr befriedigend - armliches 
Dorf - Ankunft im Gasthof - Souper um 4 Uhr - Graf Ladis- 
laus Platen u. die schweigenden Deutschen - Spaziergang ins 07 
Thai - regnerisches Wetter - der Staubbacb in s.[einer] vollende- 
ten Schbnheit — ewiges Tonen - Junglinge sind Wasserfalle - 
der gutmuthig-langweilige Hollander^ - der Trimmelbach aus 
'Felsen - trtiber Abend - tolles Leben a la Sturm im Gasthof - 
der malade Fiibrer u. ernsthafte V orstellung - Sternenhimel u. 
prosaiscber Schlaf - 

Mittw o ch am iten September - T ruber Tag - Fusstour uber 
die Wengeralp - Hofrath Welker aus Freyburg u. seine reitende 
Frau liebenswurdig - der Blumenstraufl am Stocke - wenig 
mude - schlechter Weg - die Sennenhutte auf der Wengeralp - 
die verhullte Jungfrau - Sennenleben ~ gebratener Kase mit 
Honig - donnernde Lawinen - meine Charge als homme galant 

- schandliches Wetter ~ die fohlichgestimmte Gesellschaft - die 
zweite Sennenhutte - frugales Hirtenmahl u. Echo aus Schliissel- 
buchsen - Alpenrosen - Blicke in das Grindelwalder-T hal mit 
s.feinen] blauen Gletschern - Besteigen des Gletschers - die 

07 Das folgende Wort nicht lesbar. 
°8 Gemeint: Queck. 



251 



Wasserbohle - die blaue Feenhohle - der sturzende pumpliche 
Hollander [Queck] ~ die zitternde Hofrdtbin [Welker] - andere 
deutsche Gesellschaft - Ankunft in Grindelwald - das Clavier 

- mein Hinstiirzcn - der 

9 horchende Englander - Applaus am Ende - lange gespielt - 
lederne Gesprache iiber Napoleon - Abendessen - die junge 
Strassburger Frau - Englander - der saufende Hollander - Ent- 
dekung d. Landmanns - Kersten aus Freiberg - Scheuermann 
aus Brandenburg - Lieutenant Herrmann aus Magdeburg - v. 
Grafenricd aus Bern - die hungerinnen nicht so gut wie die 
Brienzerinnen -Poussateurs- Clavier spiel nachTisch - glukliche 
Fantasie u. franzosisches Radebrechen mtt d. Englander - upp'v 
ger Scandal in der Nacht der nakten Fuhrer u. nackten Kellner- 
madchen - 

D o iter s t a g 09 am $ten September - Schandliches Wetter - 
die Spitzen des verdekten Wetterborns od. Eiger's - niedertracb- 
tiger Weg iiber die grosse Scbeidegg - ungeheures Nebelmeer - 
die sturzende Lavine u. der drey Scbritt zuriiktretende Kauf- 
mann - Satyriscbe Bemerkungen u. der mude Fuhrer aus Grun- 
den - Ersteigung der Scbeidegg - gute Sennenbiltte u. delicater 
Kaffee - die nachkomenden Landsleute - Kirscbwasser u. gluk- 
liche Laune - der aus Verzweiflung trinkende Kaufmann, ich 
dito - wankende Fusse - das RohnlandsbadP 2 - Wasserfall - 
der verungliikte Kaufmann als blamirter Turner - Turnen mit 
Alpenstokspitzen - Kirscbwasser - Felsenscblucht - Trommeln 
u. der Obergenralfeldmarschall im blauen Hemde - die Berge 
hinab getorkelt u, verdekter Himmel mit verhullten Augen - er- 
ster Fall des Reichenbach' s u. zweiter des Kaufmanns - mein 
Zorn wegen zu viel W asserf alien - der letzte u. schonste Fall 
des Reichen- 
10 bachs - ungeheurer Re gen - Rennen nacb Meyringen - Meyrin- 
gen - furchtbar durchndsst - Umkleiden u. der lallende Amster- 
dammer - Gaststube u. die Jesuiten - Table d'hote untnteressant 

- der bittende Queck u. meine sogenannte JJnartigkeit - mit 
Herrmann u, Kersten lange aufgeblieben a la Leipzig - das 
schonste Madchen der Scbweiz, eine JJnwahrheit - dicker Scblaf. 

F reytag am 4ten ow September - furchtbares Kopfweh u. 

09 Ursprixngiicfa „Dienst", durch „oncr" korrigiert. 

010 ,,4" zur Verdeutlichung nochmals ubersdiriebcn. 

252 



herrlicbes Wetter - glukliche Fantasie u. die horcbenden Jesuiten 

- aufgebrochen - herrlicbe Bergtbdler - im Hof - versuchte 
Kusse u. das unschuldige Bergmadchen - im Boden - die uber 
die Acbsel schauenden Schneeberge - Wasserfdlle - Fels- 
schluchte - Guttannen u. das scbonste Schweizermddchen - von 
Graffenried u. seine Kusse - furchtbare Kopfschmerzen - Unter- 
baltung mit Herrmann u. Kersten - Steigen - der reitende Alle- 
hut - der scbonste Wasserfall der Scbweiz der Aaar[e] u. Han- 
dek, wie zwey sicb umarmende Junglinge - Sennenhiitte u. rother 
Wein - Anklimmen zwischen u, auf Granitbloken - die scb'du- 
mende Aaar[e] - Chaos von Bergzacken u. atheistische Gegend 

- der him?nelblaue Schneeberg - ins todte Thai ohne Baume mit 
einer Sennenhiitte u. uber ihr ein Wasserfall - immer wilder - 
kuhne Bogenbrucken - Granittafeln - der Mond hinter den Ber- 
gen u. lichter Himmel - versilberte Gletscber - Ankunft auf dem 
Grimselho spitz - das Melken der Ziegen - plagendes Ungezie- 
fer - Fucbs 31 Ludwig aus Heidelberg - gutes Essen 7000 Fuss 
uber der Meeresflache u. die scbmunzelnde 

Kellnerinn - nobler Schlaf a 6 Personen in einer Stube - pfei- 
fende Winde u. stecbende Flohe - furchtbarer Gestank - 

S onnab end am $ten September - Mein Schwanken zwiscben 
Simplon u. Gotthardt - Ersteigung des Gipfels der Grimsel - 
schoner Wolkenhimmel - der Todtensee auf d. Grimsel - Pro- 
menaden durch Scbneefelder - der herzliche Kersten - sicherer 
Pfad an Abgriinden - die steile, aber sebr lederne Maienwdnd 

- die Gipfel des Finsteraar horns - tiefes Thai u. Aussicht nacb 
der Rhone - der weisse Rhonegletscher - Hinabkltmmen u. das 
Hosenlocb zwischen den Beinen - Rhonequelle u. Ersteigen der 
Furca - niedere Erlenbaume - Alpenwandrerzug - Kapuziner 
auf Saumrossen - Fussgdnger mit Alpenstocken - Warten an 
Quellen u. wollustiges Schopfen - sebr ermudendes Steigen - der 
steinesuchende Kaufmann - Satyren itber den Kiesel - Minera- 
logen - Ankunft auf der Furca ~ frugales Mittagessen - der un- 
artige, schwachkopfige Kaufmann - mein Schweigen u. sein Fiih- 
len - stilles V oranschreiten - der aufricbtige, gute Scheuermann 

- Bergabsteigen im schonen Thai - die Spitzen der Furka - 
Hinabrollen der Steine - Realp - die Kapuziner - mein Auswei- 
chen des Kaufmanns u. sein Nachfolgen - erster italidnischer 
Wein - Aufbruch - schoner Abend - der erschliessende Kersten 

- Lieutenant Herrmann u.schon oftereBegegnung s.[eines] eitlen 



*55 



Gelicbters - der Miinchener Student im blauen Fuhrmannhemde 

- im Dot} - dieReuss - Hospiz,anstandigesDorf - s.feine] Lage 
von italianischem Anstrich - das Steinkabinett des Dekans zu 
Hospitz - erster Anblick der Gotthardsstrasse u. meine Sehn- 
sucht - Ander- 

12 matt aus der Feme - erste italianische Tone von Fuhrmanns 
Lippen - Ankunft in Andermatt - der unbescheidene Fubrer u. 
mein ernstbaftes Ultimatum - Abendessen - starker Wein - 
Scheuermann angeheitert - Herrmann einen kleinen dito - lang 
aufgeblieben - 

Sonntags am 6ten September - gemischter Wolkenhimmel - 
sehr theuer in Andermatt - Gang an das Urner Loch - la fit kalt 

- die Teufelsbrucke u. der Wellenschaum - zu wild - Abscbied 
v, Kersten, Scheuermann, Graffenried, Herrmann - des Kauf- 
manns zitternder Abscbied - einsames Zuruckwandern nach An- 
dermatt - wieder allein — echte Wehmutb - Fusspartbie - Hos- 
piz - Adieu, mein schones Deutschland - fast geweint - die 
Gotthardsstrasse - Sonne, Sturm, Regen, Wolken - im?ner dunk- 
ler u. dunkler - der gutmuthige Italianer u. meine ersten Sprach- 
versucbe ziemlich gluklicb - Regen - ziehende Wolken - nas* 
sende Nebel - furchtbarerWeg - endliche Ankunft auf demHos- 
pizio - italianische Bauernstube - rothe Mutzen u. Banditenge- 
sichter ~ Kartenspiel u. grosser harm - Datemi un poco di vino 233 
ziemlich gut vorgebracht - schlechter italianischer Wein - schand- 
liche Kalte - mein Warmen am Heerde - fieberhaftes Zittern - 
das Badensche Klavier mit der Spieluhr - Entschliessung zum 
Aufbruch - undurchdringlicher Nebel- furchtbaresHinabschauen 
in die Nebelgriinde - als stund ich allein auf der Welt da - un- 
beschreiblicb - die stiirzenden Wasserfalle des Ticino - bis da- 
bin gut - ungluklich-ablaufender Nro 14 - Wolf - Schmerzen - 
Cigarren - nach stundenlangem Steigen grune Fleke u. Baui7ie - 
Blicke in das Airolothal u. der silberne Ticino - furchtbare 
Schmerzen - Airolo - bei Herrn Camassi - Umkleiden - kaum 
gehen u. sitzen ~ Zerren it. Zerren - 

1 3 Nicbts u. Nichts - ordentliche Reinigungen - Alfieri - dann sehr 
breit zu Bette gelegt - 

M o nt a g s am 7 ten September - gesundes Erwachen - Post 
nach Bellinzona - scbdndliches Wetter abermals - der Genfer - 
der hubsche Kaufmann - die Italianerinn aus Bedretto - italia- 

254 



niscbes, franzbsisch u. deutsches Gesprdch - Durchklammen 
des Ticino dutch Felsspalte - Wasserfdlle - der Ticino wie 
Schaum - schoner als die T eufelsbrucke - mit einemmale 0ii der 
ganze italidnische Himmel - das himmlische Leventinathal - 
Maulbeerbaum ■- Kastanien - Baumgruppen - reiche Fulle - 
der sanfte Ticino - immer schoner u. schoner - Schdndliches 
Wetter - Faido - Osogna - wenig hubsche Gesichter - Ankunft 
in Bellinzona - das liebende Paar - brillantes italianisches Mit- 
tagessen - Abschied von besagten Personen - u. einsame Forth 
auf dem Hamburger nach Magadino ~ die Capelle in Bellinzona 

- Regen - Blitze - der Lago maggiore - gran albergo al lago - 
Seligkeit - Albanol 234 — grofles Gewitter u. der leuchtende See 

- unvollendeter Brief an Julius [Schumann] - Weinstoke am 
italianischen Hause u. treibende Gewitter - Schlaf ~ 

Dienstags am 8 ten September. - Frtlh mit dem batella a 
"vapori nach Isola bella - lauter Italianer - meine Unterhaltung 

- Sturm auf d. lago maggiore u, ungeheures Gewitter - Al- 
fieri - der herrliche See mit s.[einen] weissen, glanzenden Ufer- 
stddten - Intra - die Castelle im See - erster Anblick der Inseln 

- Isola bella - [Isola] madre - [Isola] dei pescatori ~ Laveno - 
Baveno — Pallanza - die Isola bella wirklich bellissima ~ die 
Terassen - die Statuen - uppige Fruchtbarkeit - Anlanden um 
1 1 Uhr - das schmutzige 

Wirthhaus - Gang zum Pallast - unbefriedigende Rrinerungen 
an Albano - die dunkle Kammer - prachtige Zimmer - gute 
Mosaik. - leidliche Gem'dhldesammlung - herrliche Aussicht 
nach dem See - Parterre die Steinstuben d. Titan - Alles verder- 
bende 0{2 Wetter - in den Garten - Steifheit im Ganzen - Citro- 
nen an d. Gelandern - himmlische Orangendiifte - sudliche Blu~ 
7?ie?i - alles sudlich - du herrlicher ]ean Paul! - die Terassen - 
Albano - das Rofl d. S. Carlo Borromeo - der Lorbeerbaum u. 
Napoleons ibattaglia vor d. Schlacht vor Marengo - Essen im 
Wirthshause - Schlummer - ungeheures Gewitter - der wogende 
See u. der antijeanpaulische Lago - Uebersetzung der Entste- 
hung des Traumes - dann Farth mit einem Genfer nach Baveno 

- ziemliche Windstille - das echt-italianische Wirthshaus in Ba- 



01t Anstelle des rweiten „m" urspriinglich „a". 

012 Das zweite „d" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 



^55 



veno - italianische Unterhaltung mit d. Wirtb unverstdndlicb - 
Nachtlager in Baveno - storender Scblummer - 

Mittwochs am gten September - deuUche Renomisten 013 - 
Farth nacb dem Da7?zpfschiff - der gutsprechende italianiscbe 
Schiftmann - der lederne Englander - {erst) leidlich Wetter - 
schone Aussicht nacb den Inseln - Dampfschiff - die eleganten 
Deutscben, vielmehr die deutscben Elegants u. das Zupfen an d. 
V atermordern - die Italidnerinn mit den schonen, grossen Augen 
u. meine Schmunzelnden - herrliche Fartb - Arona - die Statue 
d. San Carlo Borromeo - die Musikanten v. Arona - Sinfonia, 
Sinjonia - echtes Fiiblen, dass man in Italien ist - ungeheurer 
Spectacel - die Sinfonia - der dicke Tenorisi - die sich selbst 
attffuhrenden u. applaudirenden 
1 5 Italianer - Scbmacbten der Italidnerinn - Ankunft in Sesto Ca- 
lende - Passoporto - die lachenden Donanen - merkwiirdiger 
Crawall - die besetzten Eilposten - Extrapost mit dem ledernen 
Englander it. den deutscben Elegants - langweilige Farth nacb 
Mailand - Ankunft in Milano um 7 Uhr - Hotel de Reichmann 

- Madame Reichmann - die Heidelberger Studenten - echte 
Studente7t7naniere?z u. ??iein Ekel - der versilberte Dom im 
Mondlicht - Alia Scala - Opera seria: Fernando e Bianca m ~ 
zugemachte Logenfenster - toller harm - Mad. Lalande - Sigr. 
Rubini - die zweite Otiilie in der rechten Loge «-. Lorgnettiren 

- Balletto: Ottaviano in Egitto - italianiscbe Gleichgultigkeit 
(mit) bey oi * grazios emporgehobenen Beinen - deutscbes Lugen 
u. Stanzen - entzukendschones Ballet - Pantomimen - um iz 
Uhr nacb Hause - Fragen nacb den gran Albergo - der Besoffene 

- Scblummer. 

Donnerstagsam loten September - Herumtreiben in den 
Strassen - der Dom - der palazzo reale - Clavier bey Reich- 
mann - schlechtes Wetter - die Hollander - ewiges Verlaufen in 
den Strassen - Mittagessen um 4 Uhr - der 015 (Hoi) Englander 

- Stromern mit ihm - „una bella donna, Signore" - er geht mit - 
della Scala - Fernande e Bianci di Bellini - nicht so s'cbones Bal- 
let wie gestern - Stanzen aber liebenswurdtg - im Hotel Coppe 

013 „R" zur Verdeutlichung nochmals uberschrieben. 

014 Anstelle von „b" urspriinglich „g". 

015 Urspriinglich „die", zu „der" verbessert. 

256 



- das Scbweizer -Keller inadchen o gute Frau - verfdngliche 
Fragen u. stummes uppiges Zunichen - Warten u. Warten - 
Feiichtigkeiten fiber Feuchtigkeiten - aufgestanden - Nichts - 
erst um 5 Uhr eingeschlafen - naturlich guter Scblummer - 

Freytags am 11 ten September - einsames Herumirren - 
schlechtes Wetter - Brief an Julius [Schumann] - Clavierspiel - 
die Heidelberger Studenten - v. Wenzky - die kleine Holldnde- 
rinn u. die suchenden Engldnderinnen - Herumirren - Nicbts. 

S onnab en d s am izten September — leidliches Wetter - 
Clavierspiel - der gebildete italianiscbe Fuhrer - Besteigung des 
Domes - klare Aussicbt z& entzuckend - die Alpen - der Monte 
Rosa - Montblanc - die Apenninen - der ganze lombardiscbe 
Garten - hundert Ortschaften - Comer Lago maggiore - Brescia 

- Bergamo - der geistvolle Graf v. Sarntheim aus Inspruk u. 
gegenseitiges Interesse - scbweres Losreissen von der gottlichen 
Aussicbt - mit m.feinem] Italianer in die Br era - interessante 
Ausstellung u. Prdmienvertheilung - vages Irren in den unge- 
Zdhlten Salen - Statuen der Giuditta Pasta™ u. meine Betrach- 
tung uber Belobnung deutscber Kunstler - dann brillanterFtacker 

- der piazza d'armi - die Arena mit guter Saulenordnung - Villa 
Simonetta u, das wirklicb merkwurdige Echo - (mange[l]t je- 
docb der Mannigfaltigkeit des Scbweizerecho 9 s) - die Porta del 
Sempione, ein Ehrenbogen der Menschheit - die Extreme auf 
der Porta in Napoleon u. den Aliirten friedlich vereint - Leo- 
nardo da Vinci 's berubmtes Wandgemahlde^ 1 u. meine sehr un- 
kunstlerische Kdlte dabey - nach Hause table d'hote - nochma- 
lige Besteigung des Domes im Abendglanz - Kaffee auf d. piazza 
del Duomo - enuyanter Aufenthalt im Teatro Re u. Goldonis 
langweiliger Moliere - dann Verirrung u. Gange u. moralische 

- une )eune demoiselle, Monsieur - das unzugangliche Kellner- 

madchen u. mein Entschlufi unbefriedigt forcirte 

Heiterkeit -<- - ■ 

Sonntagam 13 ten September - wenig Katzenjammer - der 
Munchner verliebt-durchgegangene Suitier u. der gute Berner 
Kaufmann - Klavier - Messe im Dom- die Borromeer u. deut- 
schen Elegants - Zeitungen im Kaffee - table d'hote - Gesprd- 
che mit den Graf en Sarntheim u. s.[eine] Einladung nach 1ns- 
pruck - Sucben nach einen Vetturini - Spaziergang auf dem 

17 Schumann, Tagcb. 1 257 



Corso - tolles Treiben, aber nur mittelmdfiige Gesicbter - i giar- 
dint publici - u. die italidnisch-pantomimisirenden Mddcben 
- Lorgnetiren auf d. Corso - die Sanfte - Kaffeeterasse u. viel 
Wein - Nacbschleichen hinter z&ey junonischen Italianerinnen - 
W inkelgdsschen - Bier im Kaffeehaus - Caprizen - Birr a - viel, 
sehr viel - Ueberwindungen u, Scblaf - der verlegne arme Kauf- 
m.[ann] - 

M o nt a g am itfen September - Clavier - Gang nach den 
Colonne di S. Lorenzo - scbon u. wiirdig erbalten - Kircbe di 
S. Giulio in Palazzo u. die Polonaise u. Br avour toccata als Cho- 
ral - die fragende[n] Italianerinnen - das schonste Mddcben im 
rothen Tucbe - langer, langer Blick von beyden Seiten - stolz u. 
freundlicb - scboner, wurdevoller Scbritt - Trdumen - Gang 
zum Dom - Nicbts - Clavier - Billard - Table d'hote - sehr 
enuyant - der Deutsche, italidnisch forcirend u. mein rechter 
Zorn dariiber - Clavier - Corso - Kaffeehaus - Alia Scala = 
Kaffeehaus - Punsch - in Alia Scala: Saul, opera seria v. Vac- 
cap 38 - Ottaviano in Egitto, Getto - herrlicbe, italianische Stim- 
mung - schlecbte Musik - himmlisch, himmlisch schones Ballett 
in einem 
1 8 passo a 8 a - heilige Wiirde der himliscben Schonbeit u, Grazie 
in d, hochsten Vollendung - viel Punsch - Kaffehaus, Billard - 
Escalier conduisant au Belvedere — Milano im Mondschein - 
Schldfrig — 

Dienstagam i$ten September - furchtbarer Katzenjammer - 
Herumlebnen - Clavier - Warten auf d. Pass - herrlich, reiner 
Tag - Warten u, Warten - um 2 Uhr aus Mailand abgefahren - 
die Vetturinis, ihr Lachen u. die italidnischen Professoren - mein 
Zorn - enuyante.Fartb - der Prof, mit der Brille, weissen Hals- 
tuch u, seidnen Hosen - der andre geistreichere - herrlicbe, lom- 
bardiscbe Wiesen - italianische Dorfer - Al fieri - die Adda - 
herrlicber Sonnenuntergang — zu scbon Alles in Rosenfluthen - 
Treviglio - Abendessen - Nacbtlager u. Befreundung mit d, Ita- 
lianerin - 

Mittwochs am 16, September - jugendlicher, rustiger Mor- 
gen - um 6 Uhr aus Treviglio abgefahren - lebhafte Unterhal- 
tung - mit Prof, Sambelli aus Pavia u. dem andern Prof, - uber 
Alfieri - Fartb durch lauter Garten - Fruhstuk in Caravaggio 

258 



- scbune, steinerne paesi od. villaggy - Antegnate - Mittag in 
Cbiari - gigantische Cigarren mit Federkielen von einer schonen, 
scbmacbtenden Italidnerinn - das Madchen vis a vis u. ibr Nik- 
ken, Blinzeln u. Blicken - die Wirtbin in Cbiari mit grossen 
Angen, scbwarzen Haaren u. schonem Nacken - Alle sehr nach- 
lassig-uppig gekLeidet, fast unbewusst franz-[osisch] - Promena- 
den durcb das Dorf mit 6 Kaffeehausern - bella Cbiesa mit 
einem guten Marmordenkmal - theueres Mittagessen u. Abfarth 
aus Cbiari um z Ubr - bin u. wieder Schlaf - 



Cassa. 

Bey der Abfarth am zosten August. 

4 Doppelnapoleon \ 
16 Napoleond'or > 
z-j Kronthaler } im Ranzcben. 

1 8 Kronthaler in der Tasche. 

4fl-x einzeln. 



im Beutel. 



Am zzsten Aug, Abend zu Basel. 

4 Doppel Napol.feondor] 
16 Napoleon d*or. 
zj Kronthaler 
i j Kronthaler 
io Batzen 
k i ft. 55X. 



im Ranzcben 
in d. Tasche. 



Am Z4Sten Aug. Abend zu Zurich. 

4 Doppellouifsdor] 
16 Napoleondor 
z-f Krontb.faler] im Ranzcben 
1 1 Kronthaler in d. Tasche. 

8 Katzen.™ 
30 x einzeln. 



016 recte: Batzen. 



17* 



259 



Am listen Aug. Abend zu Zug. 
dit? 



dit. 
dit 
9 Kronthaler in d. Tasche 
24 x. 



20 Am 2 j Aug. Abends: zu Lucern. 

dit 
dit. 
j 6 Kronthaler im Beutel. 
2 ft. 50 x. einzeln. 



Am zgsten Aug. (Sonnabends) Abends zu Lungern • 

dit. 

dit 
12 Kronthaler. 
16 Batzen. 



Am isten September Abends zu Lauterbrunnen. 

dit. 

dit. 

24 Batzen. 



Am 6ten <>il September Abends zu Airolo. 

2 Doppel Napol.[eondor] 
1$ Napoleon[dor] 

2 Kronthaler 

3 Gulden 



017 Anstellc von „6" ursprunglich ,,7" 
260 



Am 8 ten September zu Baveno 

2 Doppel Napol.[eondor] 
il ° 18 Napoleon 
20 Francs. 



Fortsetzung zum i6ten September. 



Goldner Sonnenhimmel - Ankunft in Brescia u. der zurnende 
Sambelli wegen des Passes - die Sorella des Sambelli - Abschied 
von d. Professoren herzlich ~ Gasthof - lebhafter Strich in den 
Strassen - Kaffeebaus - die Damen - die Signora u. der Signore 
- das tiefe: si, Signore!! - questo Signora e certamente dalla 

Campagna 229 - mein ruhig Sitzenbleiben - Addio, Signore 

Verstimmung - Theater - Commedia: il filglio delta Adop- 
Zione - wenig Schones - der sich mir aufdrangende - Paed- 
eraste u. mein plotzliches Gehen - Essen im Gasthof - truber 
Mondscbein - Brief an Theresen [Schumann] 2 ® mit Nasen - 
Ziemliche Behaglichkeit - meine schonen Trdume, die ich verges- 
sen — 

Donnerstagsam 17 ten September - sehr heiter aufgestan- 
den - Spaziergang durch Brescia - Nichts Bemerkenswerthes - 
leidliche Kirche im guten Geschmack - Spaziergang aufierhalb 
der Stadt - die herrliche Rotunde mit Cypressenallee - der pal- 
lastahnliche Gottesacker - stille Wanderung um die Stadt - 
Kaffeebaus u. das immer umsehende Madchen, jeden Falles eine 
Hure - Mittagessen in der Bedientenstube - Spatziergang - 
Langeweile - Dante gekauft - Petrarca gelesen - Kaffehaus - 
Punsch u. die schone Wirtbinn - Suppe zu Haus u, niedertrach- 
tig theure Recbnung - schoner Schlaf mit schonen Traumen. 

Freytags am 18 ten September. - Abfarth aus Brescia um 
4 Uhr mit demselben Vetturini - herrliches Wetter - Sitz auf 
dem Bock - sehr unbequem - Aerger uber das phlegmatische 
Fahren des Vetturini - S. Marco - Desenzano - Mittagessen da- 
selbst - einsames, frohes V orauswandeln am Ufer des Lago di 

018 Anstelle von ,,13" urspriinglich „ij". 

261 



Garda - Scbmetterlingfangen - Blumenpfluken - Blick an den 
herrlichen, blauen See mit den weissen Stddten - 
zi War ten auf der Kneipe al grande Papa - Wein u. For magi g]io 

- recbte Behaglichkeit - die guten Italianer - Spiel der Italianer 
mit Kugelwerfen - Durchfarth durch eine elende Vestung der 
Oestreicher - Castelnuovo - Befreundung mit d. Italianern u. 
Ziemlich-flottes italidnisches Gesprach bey scblechtem Weine - 
Aussicbt nach dem grossen Verona - Bergschlosser - Anktmft in 
Verona - finstre, enge } dumpfe Gassen - der Cameriere mit 
einer merkwiirdigen Ahnlichkeit von Probst — Tbeatro in der 
Academia fdarmonica - die Bauart, wenn ausch^ 19 fantastiscb, 
doch steif - eine schone Donnana - zusammenschlafen mit dem 
Italianer - finstrer Himmel. 

Son n abends, am igsten September - regneriscbes, ver- 
driessliches Wetter u. mein Zorn - Spaziergang durch die Stadt 

- piazza de* Signori u. de' armi - die schone Arena, edel u. wiir- 
dig - sonst wenig - alte Gebaude auf d. Piazza de' Signori - der 

Cameriere d la Probst - Suppe di Formendinj Einsteigen in 

den Wagen u. Fabren durch die lang-weilige, grosse Stadt - 
Schlaf - Petrarca - Caldiero - Mittagsmahl in d. Bauernstube u. 
zvenig appetitlich obwohl viel Appetit - muntere Fusswanderung 
it. wirklicbe Angst vor Ladies - Ausruhen auf der Brucke u. Aus- 
sicbt nach Montebello - scbreckliche[s] Fabren des Vetturini - 
Anktmft in Vicenza - Kaffeehaus u. der Dritte Ungebetene - 
die schielenden Damen - vortreffliches Essen - die ledernen 
franzosisch redenden Deutschen - un jolie garcon 2 * 1 - schone 
Betten - Schlaf. 

S onnt a g s am zosten September - Vicenza - abermals tru- 
bes Wetter - die Stadt durchrannt - das Haus Palladio's u. seine 
Buste - das teatro olympico von Palladio uber 7nein Urtheil - 
la Chiesa di Santa Corona mit Gemalden v. Paolo Veronese, 
Tintoretto pp. pp. - Palldste uber Palldste - der scbonste sulla 
piazza Basilica di C[on]te Erecheti - di C[on]te Leschi - di 
Porto - die Annibale Thiene - Sammtlich v. Palladio - Arco 
trionfale al Campo di Marte - 
23 ihm gegenuber Villa Valmarana mit Citronenbaumen - fortge- 
fabren um 10 Uhr mit dem Italianer - die schone Villa u. unser 



262 



Warten auf d. Vetturini u. beschlagene Pferde - immer geschla- 
fen od. gelesen - ]. Paul's Scbulmeisterlein Wutz 2 * 2 - Ankunft 
in Padua um 3 Uhr - gutes Essen - der grande Salone im Pallast 
Podestd, der grbsste der Welt - rbmische Alterthumer in d. 
Hause des Livius - Chiesa di xx S. Giustina - Gemahlde zu viel 
- Chiesa di S. Antonio - die weissen, verhullten Engel - berr- 
Uche, bluhende, geistreiche Gesichter - die schonste sanfte Or- 
gel in Spohr schen T hrdnenmelodien - recht heiliges Gefuhl - 
das Kussen u. Streicheln der steinernen Beine pp. beym Ausgang 
aus der Kircbe - Mdrzerbier - Expedition des adoriere - der 
grobe Cameriere im Wirthshause - Warten - im Einspanner 
fortgefahren - regnerisches Wetter - Rum - Wein - Dolo - das 
schone, liebende™ Madchen mit der Rose im Haare - z^rter Ab- 
schied - 

Montags, am listen September - angreifender Scblaf - 

Caro la marina! das Meer - das schwimmende Venedig - 

der Morgen - ungebeure, fieberhafte Kalte - im Kahn uberge- 
setzt - (der) 02i der gemeine Student aus Gratz - Ankunft in Ve- 
nedig um 7 Uhr - Kaffee - al Pellegrino - Marcusplatz u. Ent- 
ziickung - schrecklich Wetter - Herumstreichen - „Quattro 
giorni a Venezia" 244 - Regia basilica uberladen - Arabiscber, 
Griechischer, Gothischer, Romischer u. Lombardiscber Ge~ 
scbmack - Nicbts von Gemahlden - aegyptische Altertbiimer in 
Menge - lasst im Ganzen kalt - der Dogenpallast (palazzo du- 
cale) - Dutzende Zimmer mit Paolo Veronese, Palma, Tinto- 
retto, Tizian - scblechte Beleuchtung der Gemahlde - ausge- 
wahlte, reiche Antikensammlung mit schonen Kopfen - Trinkr 
gelder - Gefangnisse - 

grosse Mudigkeiten - Herumstreifen in den Palldsten - ver- 
sucbte Brief e - Nicbts - schandlicb Wetter - Scblaf um 9 Ubr. 

D i e n s t a g s , am zzsten September - furcbtb.[arer] Regen - 
der Morgen heiter - Gang an den Molo bin - das ehemalige 
Duomo - die giardini publici mit herrUcher Aussicht nach Vene- 
dig - Ruckkebr - Gondel - Isola della Guidecca - Chiesa di 
Giudecca - Portofranco - Gemahlde aus der V enetianischen 
xx Grabmahler der Apostel Marcus u. Lucas!!! 2 * 3 

020 Anstelle des ersten „e" urspriinglich „b". 

021 Urspriinglich „ank", durch „der" iiberschrieben und ausgestrichen. 

263 



Schule - Chiesa di Redentore mit der lnschrift unter dem 
Todtenkopfe 

O tu, che guadi in su, 

]o fui, come sei tu, 

Tu verrai, come son to 

Pensa a queste e van con Dio!^ 
Schone gescbmackvolle Kirche uberfullt mit schdtzbaren Ge- 
mdhlden - Chiesa di Maria delta Salute - Gemahlde v. Tizian : 
der Tod Abels, sehr ergreifend - durchflogen mit Kennerblick - 
Accademia delle belle arti. - Nicbts v. Bedeutung, soviel ich sab 

- schone Statue v. Achill, der den Centaur erscbldgt - Zuruck- 
kehr - Essen - schrecklicb Wetter - Kneiperey u. Lehnerey in 
den Kaffeehausern - Besteigung des Campanile di S. Marco bey 
schandlichem Wetter - Kuppel - Gewitter - Gewitter - das 
Meer - lange obengeblieben - furchtbarer Sturm - Lugen in das 
Erkerfenster mit schonen Mddchen - Suppa alia Formendini - 
Brief an Emilie f n [Schumann] - gute Cigarren - beym Gewitter 
das Meer befahren - Ruckkehr - Schlaf u. Woblbefinden - 

Mittwocbs, am listen September - berrlicher, blauer Him- 
mel - Herumstreifen - mit der Gondel zur Post u. der Chiesa di 
S. Maria di Frari - Tizians Grabstdtte mit dem ledernen Verse: 
Qui giace il gran Tiziano di Vecelli 
Emulator di Zeni e d'Apellif m 
25 V oruberfliegen an Gemahlden u. Mausoleen v. Dogen - Cano- 
vas Denkmal - der venetianische Lowe vorzuglich scbon, (etwa 
dem Luganer ahrilich, der nicht so franzdosisch] entworfen -) 
der Genius mit der umgesturzten Fackel wirkt nicht ganz, mebr 
wie erzwungene Ohnmacht - die ganze Gruppe von berrlichen 
Eindrucke - zum Arsenal gefahren - wichtige Gesichter in Sa- 
chen des Passoporto -die verdammten Trinkgelder - in jeder 
Stube einen andern - die Fahnen in der Schlacht bey Lepanto 
genommen - Kannengiesserey u. andere Geschichten, die mich 
weniger interessirten - schones Kunstheiligthum mitten im krie- 
gerischen Leben von lauter Canovaschen Modellen - Fortgefah- 
ren - der Gondoliere u. mein Zank mit ihm u. mein Sieg - leich- 
ter Schlaf - Austern ~ abermalige Besteigung des Campanile bey 
herrltchem Wetter - mein Plan v. Venedig s.[iebe] hinten - Spa- 
ziergang - wenig Mddchen - die ledernen, gemeinen Studenten 

- schone Mustek auf d. Platze - reges Leben u. schone Gesichter 

- verbotenes Rauchenim Kaffeehaus - Studentenpfeifen - Farth 

264 



in der (italianischen) venezianischen Gondel - Seit Tagen Angst 
we gen welter m Fortkommen u. Einfall u. Bescbluss, nach Mai- 
land zuruckzukehren - furchtbarer Schwindel u. Uebelligkeit 
nach der Farth - Rum -nicbts belfend - schrecklicber Zustand - 

Erbrechen Erbrechen - die sckrecklichste Nacbt - Kaffee - 

die runde, dike, geile Aufwarterinn harm auf den Gas- 
sen - Gescbrey - Gefiedel - Stecben v. Flohen - Miicken - 
Herumwalzen im Bette - Fluchen - Nicbts - kein Scblaf - nur 
eine Stunde geschlafen - aufgewacht von 6 Ubr an 

Donnerstag,amz4 September - besseres Beftnden - Ein- 
packen - die italianischen Scbufte, Schufte, Hunde - Bertola 
Romela - die niedertrachtigste Wirthinn - Prellen - der Thaler, 
Eilen zur Post - Angst - lacherliches Versehen - erst Abends 
abgehend - Katzenjammer v. d. Nacbt - furcbterlicbe Diarrhoe 
u. Baucbscbmerzen - Scblaf im Pellegrino - Mangel an Appe- 
tit - Herumlehnen - die Heidelberger - Nacbmittag Spazier- 
gang in die giardini publici - einsames, freudenleeres Trauern - 
Ausruhen im Grase it, webmictbiger Blick ins Meer u. die unend- 
licbe Feme - Aengstigen wegen Nichtauskommen — Kaffee im 
Gartenhause a la Leipzig - schoner Tag u, Betrachtung iiber die 
wenig-spazierengehenden Venetianer - Riickkehr - schrecklicber 
Durchfall u. Unbequemlichkeiten - der fehlende ,Wolf" - An- 
rennen am Marcusthurme u. Erhaschen der untergehenden Sonne 

- die glukliche Familie auf dem Altane - langer Blick nacb Ve- 
nedig u. Abschied - Durchfall - Schmerzen unausstehlich - stil- 
ler Platz dem Dogenpallaste gegenuber - Niemand so freuden- 
leer 3 als icb - die Sarg-barke - Abschied vom Marcusplatze - 
Post - die Deutscben - schone Sternennacht u. der Silberschaum 
vom Ruder schlag - Besserung der physischen Leiden - die Deut- 
scben - franzosisch redend - u. mein Zorn daruber - „o nein, 
das ist ein Russe", Worte des Einen nach alien versuchten Spra- 
chen - meine Stille - die Italidnerinnen - der Deutsche: je t'aime 

- die Italianerinn : la lingua francesa porta molto di spirito 2il : 
Landen in Mestre - furcbtbare Schmerzen - auf d. Bock - Ci- 
garren - Scblaf - Besserung - 

Freytags,am z^sten September - die Nacbt durchgefahren 

- dumpfer Scblummer - Padua - Vicenza - Kaffee - heitrer 
Morgen - Ankunft in Verona urn 9 Ubr - Torre di Londra - 
die Deutscben, Baron Eichthal aus Augsburg - meine Nasen u. 

265 



sein Fragen wegen Triest - Passfatalitdten wegen Inspruck - 
Vorladung %um Direttore di Polizia - ziewlicb oberflachliche 
Behandlung - endliche Visirung - Betrug wegen d. 22 u. 25, was 
ich erst spater gesehen - theures Essen - Kaviar - nach Mantua 

- Abfarth - Besorgniss wegen des Passes - unruhiger Schlaf - 
schandlicher Weg u. rumpelnder Einspanner - 

27 sehr einformige Farth ohne Freuden - Wein in Sansavene (?) - 
Italianische-abwechselnde Chausee - Mddcben, wie Fischenn- 
nen zu Dutzenden - furchtbarstes, furchtbarstes Uebelbefinden 
nach d. Wein - Aussicht nach Mantua fur mich todt - die mitlei- 
digen Soldaten am Thor - Erbrechen u. Durchfall - schrecklicher 
Zustand - endliche Ankunft im Gasthof, „alle tre colonne" - 
wie todt ~ Durchfall - Seufzen - Lustigkeiten - Caffee - Schlaf 

- schreckliche Mudigkeit bey Schmerzen - endliches Einschlum- 
mem - schoner, starkender Schlaf - wehmiithige Erinnerung an 
die Heimath u. an 1826 s . 

Sonnabends am 26sten September - Gestdrktes Wachen - 
Kaffee - Immerwdhrende Angst wegen des Passes - der ge- 
fundene Dolch u. misstrauische Blicke auf mich geworfen - Man- 
tua - Palazzo reale mit wurdigem, zackigen lombardischen 
Aeusseren - Inwendig, Nichts, wie andre Pallaste - gute Fresko- 
malereien v. Giulio Romano - Freude wegen des visirten Pas- 
ses - Chiesa di St. Andrea, freundlich u. elegant - die Arena, 
ebenso, wie uberhaupt Alles sudlicher schon - die Katbedrale, 
mit sch.foner] eigenthumlicher Freskomalerey, geschmakvoll u. 
harmonisch aufgefuhrt - freundliche Gassen - lichte Erinnerung 
an Leipzig - Palazzo del T[e] - gute Bauart - Alles v. Giulio 
Romano - Sala de* Giganti mit auflerordentlichen Geiste durch- 
gefuhrt, aber mit komischen Effect, ob mit Willen Romano's? - 
das eine Gesicht des Riesen zwischen sturzenden Mauern grotesk 
komisch - la Casa di G. Romano herzlich - der freundliche Cor- 
so a la Milano - Theater mit hubscher Facade - Theatro delle 
Scienze mit unbedeutender Gemdhlde sammlung - das Theater 
eigenthumlich, aber winklicht u. geschmaklos - das Museum u. 
Bibliothek mit vortrefflicher Antikensammlung, darunter schone 
Biisten v. Virgil u. den Kaisern - Manuscripie von Virgil u. 
Brief e von Voltaire - sehr befriedigend. 

28 Porta Catena Nichts - aergerlicher Kauf der Kupferstiche n.fach] 
d. Gerusulemma 022 liberata - Reue danach - Essen u, Schlaf - 

022 Anstelle von „r" urspriinglich „s". 

266 



dann Theater in der Arena Virgiliana - Caftee Virgiliano, Sei- 
tenstuck zu d. Caffee literaire in Zurich - Arena - Sehr leer - 
Spiel unter freyen Himrnel - i due Forzati 2 ™, Uebersetzung 
eines Deutschen (Kotzebuischen?) - die Italianerinn auf d. Thea- 
ter - schmachtende Blicke u. ewiges V alien aus d. Rolle - grosses 
Lacheln v. beyden Seiten - II rinancato Alcide im Anfiteatro 
di Gaetano Cagnoli, gut - der Leichenzug u. die Judinn auf d. 
Altane - Trodel mit dem Vetturini u. mein Ernst - von $o fr auf 
20 zolx - Nicht einschlafen - Prr! Prr - Reinigung — 

S o nn t a g s am zjsten September - Mantua ~ der abgerannte 
Vetturini - ma, mio caro, nei trattate mi troppo rustico, andate e 
non venite ritorno m - abermaliges Zubettelegen - theils Freude, 
theils Reue daruber — Brief an Semmel - berrlicher, unschuldi- 
ger, deutscher Morgen - Spaziergang - Nichts - Wein - Arena - 
il morte di Carlo XII - schrecklich ledern u. kleinstadthisch - die 
Verliebte in der Loge u. die im Theater erst - Herr Gott - die 
Italianerinnen in der Bliithe - die ]udinnen auf dem Altan - 
sonst Nichts? - furcbtbares Erbrechen - lebendiger Tod 

M o nt a g s t am z8sten September - Farth nach Cremona - der 
kleine Italianer - der lederne Kaufmann - die feme Alpenkette 
von hinten - Langeweile - sein fades Urtheil uber Alfieris Vir- 
ginia™ - schoner Morgen - die Weintrauben-W alder ~ Boz- 
zolo - Mittagessen in Piadena - mein Vorausgehen - gefahr- 
liche Strasse wegen der Ladiris - der den Wagen verfehlende 
Kaufmann - hintennach gezoddelt - Traume an die Heimath u. 
kleine Anfalle v. Heimweb - um 9 

Uhr angekommen in Cremona - freundliche Stadt - der Glok- 
kenthurm, wie der Venediger - Abendessen - Oper - elegantes 
Theater - Morlacchis Tebaldo e Isolina 25i ztemlich gut - Sigra 
Ekerlin schone mdnnliche Stimme, fast Tenor - das Ballet a la 
Scala in Milano - die Dike mit hochemporgehobenen Beinen - 
die schone, lange - gutes Gewitter u. z^ubrische Beleuchtung im 
Theater - Furchtb. [ares] Erbrechen u. Zustand, wie in Vene- 
dig - 

Dienstags am zgsten September - um 5 Uhr aufgestanden 
- die beladene Chaise - der ekelhafteste Tag der Reise - le- 
derne, stumme Gesellschaft - ewig geschlafen ~ trubes Wetter - 
Apricosen in Pizzighettone - Mittagessen in Casale Pusterlengo 

2 6 7 



- Braten u, Kaffee z zox - Kaffee im schonen Lodi - schandliche 
Verlegenheit wegen des Vetturinis - Scham - neuer Vetturini - 
neue, lederne Gesellschaft - ekelhaft - Regen - Schlaf - endlicbe 
Ankunft in Mailand - Angst an der Porta Romana - das alte, 
bekannte Hotel Reichmann - deutsche Worte u. deutsche Gesich- 
ter - der helfende Portier - Freude - Freude - guter Schlaf - 



Mittwochs am 30 September 
Donnerstags am isten October 
Freytags am zten — 



Mailand - Reichmann 

- Warten - Ankleben 

- Langeweile - Schlaf 

- Genesungen vom 
Uebelbeftnden - scho- 
ne Table d'hote (e) - 

S o nnab end s am 3 ten — die Engldnderinnen - 

die schonste Frau - der Mann - Lacheln - Schielen - Erkundi- 
gen nach mir - Clavier - Schwdrmerey - Fantasie - die andere 
lebhafter, inter umsehende, rothe, wie Agnes [Semmel] in 
Gera - Bettelarmuth - lederne Spaziergdnge - Armuth t Armuth 
- der Portier - die Gazz& ladra^ 2 am $ten - die Cavatine u. 
Lalande - Entzuckung - der Kaufmann, mit dem ich zusammen- 
wohnte ledern, fade, pommadig u. pommadisirend - von Malt- 
zahn gebildet, mathematisch, gut, geistreich, muthig, - 

30 S o nnt a g s am 4ten October - schoner Tag - friih alberner 
Brief an Rosen 253 - Chiesa delta Passione - Nahe an der Eng- 
landerinn beym Fruhstuck - Reichmann riickt immer noch nicht 

heraus ekelhaftes Befinden - Academia del Conversatorio 

delta Musica, u. das Textbuch - yuoey kurze, hubsche Stunden - 
wenig hubsche Gesichter - der pfeifende, pipsende, jamernde 
V iolinspieler - beym Herausgehen - die schone, lachelnde Eng- 
landerinn od. Maitresse - Gang mit Malzahn u. dem Architec- 
ten in's Kaffee - Chocolate - u. Ansehn der kleinstadtschen Mai- 
lander - Fahren nach der Arena - die Engldnder - verpfuschte 
Reiterey - schones, ungeheures Gewitter - mein Unterstehen am 
Kaufmannladen - schone table d'hote Abends bey Licht - die 
Schone im Hdubchen, wie Agnes [Carus] in Lfeipzig] - die an- 
dere - Blicke - Bordeauxwein - Rheinwein - die Deutschen - 
Champagner - Blick an der Thure vom Hdubchen - dahn 
Schlaf 

Mont a gam $ten October - Einformig - das zerbrochene, zer- 
268 



hdmmerte Clavier — der lederne Reichmann - die Englande- 
rinn im rothen Hute u. grunen Kleide - die Arena - der ge- 
krdnkte Stolz der Engl.[dnderin] - meine Freude - Umsehen - 
wie ein Engel im Hute - Sitzen auf der Bank - Schielen u. An- 
ndherung - der Graf Platen u. meine Dummheit, dies zu sagen - 
erbdrmliche Vorstellung in der Arena - table d'hote bey Licbt - 
die Engl[dnder]innen - leer - todt - Nicbts - der einaugige 
Deutsche mit Renomirerey 023 u. kleinstddt[i]scb - der andere 
gutmuthige, der viel in Rutland gewesen war - Aerger uber 
Reichm.[ann] - verdrie fetiches Zubettegehen - 

Dienstagsam 6 ten October - War ten auf Reichmann - end- 
lich, endlich nach vielen Mollaccorden - seine Generosite 254 - 
Gang in die Stadt u. Frohsinn - Post - Kauf der Kupfersticbe - 
Clavierspiel - der Sch[ubert?] lobende Violoncellist aus Wien - 
Table d'hote - die Engldnderinn im rothen Hute abgereist - die 
andere - die gute Haut aus Basel u. der grobe, ungeschliffene 
Scbweizer, der die Tasche voll Gebaknes steckt u. mein ver- 
dammtes Lachen dariiber - der mir gegenubersitzende Esel, den 
ich falschlich fur Julius Hubner aus Berlin hielt - der ubertrie- 
ben-hofliche Italidner - letzter, schmachtender Blick vom 
Hdubcben - meine Stube - ruhrender Abschied von Marie 02 ** 
aus Solothurn - um 8 Uhr zu Bette gelegt - 

Mit two chs , am jten October - Aufwachen um i Uhr - 
Ffiscbe - berrliche, warme italidnische Maynacht - Klarheit der 
Sterne - Abschied v. Portier - Gang zur Post - Abfarth aus Mai- 
land um 3 Uhr - schdndliches Sitzen im Postwagen - zwolf Pas- 
sagiere in einem Kafigte - Ekelhaft - stumme Gesellscbaft - 
scboner, gluhender Morgenhimmel - Schlummer - Ankunft in 
Como um 6 Uhr - Farth nach dem Dampfboot - Ba[t]tello : il 
Plinio - die noble Engldnderinn, wenn auch nicht schon - grosse 
Kdlte - friscbe, jugendliche Alpen - Como im Wasser - der 
himmliche See, obgleich mehr einem Flusse (z. B. dem Rheine) 
mit schonem Ufer dhnlich - das Grossartige des Lago maggiore 
fehlt ihm - mit Villen, Landhdusem, Dor fern besdt - die Feen- 
villa della Pasta in schonem Style - Villa Pliniana, gerade schlecht 
beleucbtet - Cadenab[b]ia - Villa Sommariva, echt sudlich - 
die Garten «. Anlagen in ihr - die laufenden Mddcben am Ufer 

023 Anstelle von „rey" ursprunglich „y". 

024 „M" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

269 



- die gluhende, grosse llalidnerinn in der Cajute u. ihre auf rnich 
geschleuderten Blitze - ewiges Lugen - Aussteigen der noblen 
Engldnder - der eine im langen Rocke, immer auf u. abgehend 
iL der andere mit dem Fernrobr u. der Kellerschen Karte - com- 
ment t'apelle pp. pp. pp. — 

32 Mein Ausschiffen in Domaso - Abscbied v. d. Italidnerinnen in 
Blicken - Forth mit den Schiffern nacb Riva di Chiavenna - scho- 
ner Tag - Scblummer - Wein in Sonico u. die commune Wir- 
thinn - echte Kneipe - immer grossere Annaberung an wilde 
Alpen - Bergsturze - weisse Marmorbruche - Schlaf vorne am 
Ruder - Anlanden in Riva um 4 Uhr - Salamj - Einspdnner bis 
Chiavenna - finstrer Himmel - die Verwustungen der Maira - 
sparliche Bdume - verbrannte, kraftige, nicht schone Gesichter 
~ Ankunft im Halbdunkel in Chiavenna - Gegensatz des nie- 
dern Grindelwaldgletscher - dort Eis zwischen Bliithen, bier 
Blumen zwischen Eis - Lorbeerbdume, Cypressen, Castanien - 
Absteigen im Albergo Conradi - wieder deutsche, gute Tone - 
der gute Wirth - wenig Appetit, aber gutes Essen - Italidner, 
sonst Nichts - fruhzeitig zh Bett gehn - 

Donnerstags, am 8 t e n October- Fruhstiick - der 
deutsche Fuhrer - Wohlbefinden im Bette u. der blaue Himmel 

- derbe Kdlte - Erinnerung an die Heimath - Abscbied von 
Chiavenna - Zerstorung der Lira in Val di S. Giacomo - Al- 
penbild v. hinten - Saumrosse - Fuhrer - zusammenbrechende 
Pferde - fahrende Menschen - zertrummerte Strasse - immer 
rauberes Wetter - Scbnee in Campo Dolcino, was nichts weniger 
als nichts ist - Fortkrummen des engen Thales - Bergpdsse - 
imer hoheres Steigen - Isola - Alles uberschneit - Schlangen- 
strasse am Splugen - die Gallerien - echte Schweizerreise - 
furchtbarer Uebergang uber den Splugen, der unvergesslich ist, 
als dass ich ihn beschreiben sollte - Spliigenwirthhaus - Lebens- 
warme - Kdlte - ekelhafte Trdume 

33 Am uten^ 75 September friih zu Mailand. 

2 DoppelnapoLteondor] 
12 Napoleondor 

3 Franken. 



025 Anstelle von „n" ursprunglich ,,15" 
270 



Am i4ten September friih zu Matlancl. 

2 Doppelnapol.[eondor] 02i5 
10 Napoleon.[dor] 
i Ducaten. 
6 Franken. 



Am i j ten Sept. zu Brescia - 

i Doppelnapoleon[dor] 
8 Napoleondor. 
5 Franken. 
i Lire. 

i Zwanziger. 
1/4 Lire. 
180 Centesimi. 



Am listen September zu Venedig. 

4 Napoleondor 
1 Ducaten 

5 Thaler einzeln 
Gott steh mir bey I Wie soil das werdenl 



Am z6sten September zu Mantua. 

1 Napoleondor 
10 Lire. 
$0 Centesimi. 



4 Am listen September zu Cremona 
1 Kronthaler 
Bravo! 1 Zwanzig Kreutzer 

0000 - - 



025 „Doppel" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

271 



Am isten October zu Mailand. 
Bravissimo! no Centesimi! 



Am jten October bey d. Abreise aus Mailand* 

3 Sovereigns 

2 Kronthaler 
10 Zwanziger 

3 Lire. 



Am ioten October zu T[b]usis. 

2 Soverigns 
6fl. 



Am 1 3 ten October zu Lindau. 

3 Kronthaler 
i ill Ft. - rth 



35 Lauterbrunnen am isten Sept. 29 

Jiinglinge sind Wasserf alle, sagte Robert stum ; die hohen Jiing- 
linge stiirzen herab und unten ira Strom war es eins, ob es Staub- 
bach oder Rheinfall war. 



Wenn die Sonne unter geht, und nur dann, kann man ihr in's 
Auge schauen. Das Denken sei bey Dir, Gothe^ fiigte R.fobert] 
hinzu. 

Bern nannte R.[obert] satyrisch die Residenz der Schweiz; uber 
das lebende Barenwappen fliisterte er mir etwas leise in's Ohr, 
weil eben ein Schweizer Gardist daneben stand. 



Je grober man gegen die Franzosen ist, desto hoflicher sind sie 
und umgekehrt, sagte R.[obert] lachend. 



27.Z 



Unten im Leben bliihen die Alpenrosen, oben aber ist Schnee. 



Hemme den Strom nicht, sonst lauft er iiber, aber leite ihn u. 
er folgt dir. 

Die Extreme beriihren sich, die Schweiz u. Italien. 



Das erste Wort der Franzosen ist: pardonnez; das zweite der 
Englander: sind Sie in England gewesen? - Was ist schlimmer? 



R.fobert] aufterte bey Tell's Capelle bey Kiissnacht: ist hier nicht 
dem Meuchelmord ein Triumphbogen errichtet worden? Ich ant- 
wortete nicht ; denn der Gedanke war zu hart — 



Fiirchte nicht, Napoleon, vor d. Zukunft; der umwolkte Son- 
nenuntergang ist 027 der Schonste - 

Chiari, d. 16 Sept. 
Wie merkwiirdig - nennen u.[ns] doch gute Deutschen! es hat 
kein Mensch mehr Charakter, als wir u. es zeigt ihn Niemand 
weniger. Kommen Englander nach Deutschland, so spricht man 
engiisch mit ihnen ; kommen wir nach England, so spricht man - 
englisch mit uns. In Sprachkenntniften gleicht uns Niemand u. 
sind wir es nicht, die audi die meisten Sprachen kennen? — 
Wie freue ich mich auf meinen Robert in meinen Copien! er soil 
seyn, wie ich. - 

R.[obert] fand jedes Madchen, audi die haftlichste, wenigstens 
hubsch; entweder fand er bey der einen eine Eigenschaft heraus, 
die sie schmiikte, eine schone Nase, schone Sprache, genial-ver- 
worrene Haare bey Italianerinnen u. viel anders. - 
Ein schones Gesicht, sagte er, erquikt mich auf Stunden lang; 
ich bin sinnlisch u. leidenschaf tlich ; jedes geistreiche Gesicht 
f unlet alle meine sinnlischen Sinne; denn es giebt geistige, sagte 
Wilibald [Alexis] hinzu. 

027 „ist" iiber der Zeile eingefiigt. 

18 Rclunnnnh, T.igeh. 1 273 



Padua d, 20sten. 
Der Mensch verstellt sich besser zum Schmerz, als zur Freude u. 
es giebt mehr erheuchelte, weinend, als erheuchelte, lachelnde 
(Thr) Augen: drum sagte mir auch mein Cantor, als ich eine lu- 
stige Fabel von Gellert declamiren wollte u. keinen Effect 
machte: ein lustiges Gedicht ist schwerer vorzutragen, als [kjein 
lustiges. 

Wahrlich! die Italianerinnen gefielen mir; nur nicht heute; diese 
Mannerhiite machen sie prosaisch: die aus den mittleren 
Standen sind, wie immer, auch hier die schonsten. Harmonischer 
Wuchs, vollen, runden, starken Naken, grofie Augen, gewolbte 
Gesichter, schwarze Haare, weiche Haut, nachlassige Hemden u. 
nachlassige Gurtel um die schonen Hiiften geworfen. - 
Ach! u. wie herrlich ftihlt* ich heute in der S. Antonio-Kirche, 
diese Orgel, dieser Spieler, diese Knienden, dunkeln Engelge- 
stalten in weissen Gewandern .- diese Andacht - diese Halle u. 
diese grofie, heilige Stille; ich hatte so recht weinen u. beten mo- 
gen; es war eine stumme, heilige Stunde des 
37 Herzens u. Engel waren darinn u. falteten die Hande. - — 



Mantua, am 27sten. 
Wenn man das Wort „verdriefilLch" ausspricht, macht man ein 
verdriefiliches Gesicht; beym Wort: schon wird das Gesicht 
schoner u. s. w. 



Und ihr, meine warmsten Freunde, Moritz [Semmel], Gisbert 
[Rosen] u. Emil [Flechsig], ihr kennt Beyde so gut; aber ver- 
kennt keinen u. seyd mein ! 



Nur das Unendliche ist Etwas Grofies u. gerade das einformige 
Formlose das Erhabne; jeder See lafk unbefriedigend, aber das 
unendliche Meer u. der Himmel nicht! Freilich ware dieses beyde 
dann das Einzige GroBe 1 



T[h]usis, am 9ten Oct. 
Eben komm' ich aus einem Sarge; die Berge haben ihr Leichen- 

^74 



tuch an u. die Brust war beklommen ; im Dorf Andeer hort ich 
keine Stimme u. keine Menschen ; Alles war todt u. der Himmel 
so triibe. Ich trat in das Wirthshaus zu Kannes[?], Niemand kam 
mir entgegen; ich sah zugezogene Vorhange u. iiber mir ging 
Etwas leise wie schwere Schritte. Endlich kam Jemand u. mir 
nach in die Stube - der Wirthssohn kam mir entgegen u. hatte 
verweinte Augen - die Leute sahen sich verdachtig u. mitleidig 
unter einander [an] - O ich war so zusammengedrtikt u. be- 
klemmt - dann genofi ich Etwas - der Sohn fuhrte mich still u. 
stumm in dem schonen Gasthaus herum - was ist hier?, fragte 

ich - mein Vater starb in dieser Nacht Prr! wie ein Felsen 

lag die Stube auf mir u. ich konnte kaum Athem hohlen - ich 
kannte Nichts ekleres - u, nahm einen Wagen - der Geist des 
Todten kam mir wie nachgejagt - die Berge hingen voll Wolken 
- Alles triibe - der Schnee stoberte - das Pferd wieherte nur 
manchmal - aber ein Bild von dieser Wildnift - ganz anein- 
anderge- 

quetschte Felsen, die sich mit der Stirne beriihrten, hingen iiber 
die Strafte - Steine iiber Tannen gewalzt - abgebrochene Rei- 
henfichten - der Himmel todt - das Wetter furchtbar - die fort- 
reifiende Windsbraut - Felsspalten - Wasserfalle - stiirzende 
Wellen - u. unten der Rhein, wie er sich durch einen Fufi brei- 
ter Spalt durchwindet - u. die Nacht dazu u. die ziehenden, 
nassen Nebel - u. die Todtenangst wegen des jagenden Kut- 
schers - Abgriinde neben meinem - vor mir himmelhohe, zu 
klammernde Felsen - Fort, fort I - Endlich trat ich heraus u. bin 
hier, wie in einem Friihling u. ich bin wieder in mir u. (auf) 
bey 028 den guten Menschen - dann sah ich den Rhein wieder breit 
u. T[h]usis vor mir am Berg - Sey ruhig, du gestorte Alpen- 
naturl Der Mensch sieht nur selteh sein Ebenbild gern. 



Am ioten. 
zu Chur. 
Ein schoner, engelreiner Tag, wenn audi triibe von Unten u. 
Oben. Gutes Deutschland, nab' ich Dich wieder? und griiften 
nicht alle Leute schon? R.[obert] hatte Recht. Sonnabend Abends 
sind die Menschen viel freundlicher u. herzlicher, als andere 
Abende u. Tage, sagt* er u. ich nikte 



028 „auf " spater ausgestrichen und „bey" iiber der Zeile eingefiigt. 

18* 275 



AchI Unsterblichkeit! wie viel Billionen Menschen lebten 

schon u. wie viel sind unsterblich; u. wer weifi, ob im Durch- 
schnitt auf Millionen Menschen e i n Unsterblicher kommt; vide 
Conversationslexikon. 



Wolfgang soil der andere seyn ; Wilibald der dritte. 



255 



Wer sich iiber Kleinigkeiten aufhalt, fallt dann in dieselben 
Fehler. 

39 Fortsetzung. 



Freytags am gten October - furchtbare Kalte auf dem Splii- 
gen - Aufbrechen - der bittende Fuhrer - Schneetag - Alles 
weiss - Schnee gestober - muhsame Ersteigung des Gipfels des 
Spliigen - Waden dutch Schnee - die Platte auf den Splugen u. 
Abschied v. Italien - Erblkken der Quellen des Rheines u. Sebn- 
sucbt nachDeutschland - der Bach Khein - 6 Fuss hoher Schnee - 
Dorf Splugen - Mittagessen - (Abs) Entlassung des Fuhrers - 
schreckliche Fusswanderung den Splugen herunter - Andeer — 

v .[ide] vorige Seite - Via mala Todtenangst - An- 

kunft in T[h]usis - der gute Kutscher - Lebensfrische - wie zu 
Hause im Gasthofe zum goldnen Adler - Verwandter vom Ge- 
storbenen - Schlummer in gut en Bet ten. — 

S onnab ends , am io. October - Triiber Tag - Gesundes 
Erwachen u. Heiterkeit - Vorziehen des Fussgehens - der Hein- 
zenberg, der schonste der Welt, wie ihn d. Herzog v. Rohan 
nannte, ist keine huge - das einzig schone, freye Domleschgthal 
- Heerden an dem poetischen Berge - Dorfer - Schlosser - Rui- 
nen u. der Rhein - freundliche Schweizerdorfer - Sonnenblicke 
hier u. da - schrecklicher Weg - der verhullte Splugen - der ver- 
hullte Pitz Beverin - alle Berge beschneit - der Rhein weiterhin 
sumpfig - die Masse von Bdchen, die in ihn fallen - das weisse 
Bergschloss - Frohsinn - Hunger - Mittagessen in Bonadutz mit 
kostlichen Appetite - der Zeitungsleser, der weder siebt, noch 
hort u. infam theure Rechnungen macht - Aufgebrochen - das 
freundliche Reichenau - die Vereinigung der zwey Rheine u. Be- 

z-j6 



Zahlung dafiir von einem Blutzer an einen Mauthner, wo ich mir 
wirklich wie ein Ochse vorkam - ofter 

hekeres Umschauen nach d. Bergen - der heimische Waldfuss- 
steig - blaue unschuldige Augen am Himmel - schones Abend- 
gewolk - heimziehende Heerden - Thurmglocken - wahrer 
Sonnabend u. meine Bemerkung — Heerdengelaute - die be- 
leuchteten Schneeberge - die griissenden Menschen - Freude - 
Wehmuth - Heimweh - Aussicht nach Chur - etwas mude - An- 
kunft in Chur - ein deutscher Vetturin) - die schlechteste Kneipe, 
aber auch die woblfeilste - der grobe Wirth u. meine grobere 
Grobheit - ^« Bette - Nasenbluten in der Nacbt - 

5 onnt a g s , am uten October - bier u. da blaue Streifen am 
Himmel - spater der ganze Himmel weissblau - monoton u. 
ekelhaft - Brief an Carl [Schumann] - die wohlfeile Rechnung - 
der Kutscher, eine wahre zerdriickte Wanze oder Filzlaus - war 
aller Freund - Trodler, Pferdebdndler, Studiosus der Chirurgie 
in Jena, Wechsler, Schmuggler, Raufbold, Grobian, Lohnkut- 
scher pp., aber Aller guter Freund u. treu t glaub' ich - 4 (v.) 
Thaler bis nach Lindau - gute Cigarren - gute Unterhaltung mit 
ihm - Appetit u. Mittagessen in Maienfeld, wo man am ersten 
Thor das letzte sieht - traurige Nester - des Kutschers hochst- 
komische Erzdhlung von d. Theater u. seiner Ohrfeige - Lachen 
u. sehr komiscber Effect - Abschied aus der Schweiz u. oestrei- 
chische Granze - Freude, auf deutschen Boden zu seyn - deut- 
sche Gesichter u. die grossen Dragonerhauben - Ankunft in 
Feldkircb, e,[ine] freundliche, kleine Stadt - ein gemeines 
Wirthshaus a la Demmricb - Gang zum Backer - guter Wein - 
guter Flugel - das Mddchen - ihre Entzuckung - „Nein, ich singe 
nicht" - sie sang - Abschied von ihr u. Handedruck - Abend- 
essen mit dem Wirth u. der Wirthin an der Tafel - guter Schlaf - 

Montags, am izten October - Aufbruch aus Feldkircb um 

6 Uhr - Hundekalte - die Sonne u. ihre gekussten Alpen - scho- 
ner, herrlicher Anblick - Morgenhimmel - Abschied v. den Al- 
pen - Bad Hohenems mit dem Schild: [„] Bad u. Wirthaus zum 
Schwebel" - der fortgehende Herr Matthes - seine Erzahlung 
v. den Judinnen «. meine Caprizen - Bregenz - schlechte Kneipe 
u, guter Wein u. der verlangte Pass - der grosse Bodensee - 
seine Wellen u. Er inner ting an Dich, Graf Sarntheim! - mir der 
liebste See - Lindau, ein kleines Venedig u. Aehnlichkeit des 

ill 



Meeres - Spaziergang langs des See's bin - Ankunft in Lindau - 
Lindau - echte, deutsche Stadt, wie Zwickau - Nichts - Fieber- 
bitze - gutes Gasthaus - Schlummer u. der Landsmann Oschatz 
aits Schonheide - Einsamer Spatziergang am See u. durch die 
Stadt, in der alle Menschen grussen - Lecture des reisenden Teu- 
fels 2oG u. des Landboten, so wie des Calenders - Abendessen - 

die Scbweizermddcben u. ?nein lederner Nacbbar - Nicbts 

schreckliche Nacht - aber derber Schlaf. 

Dienstags am i$ten October ~ Sanfter, blauer Morgen - 
die fortfabrenden Schweizerinnen - Lindauer Kaffeebaus u, der 
Billardspieler - kleine Langeweile - Spaziergang an dem erha- 
benen See - Mittagtisch gut ~ die langweiligen ignoranten u, 
ignorirten Offrciere - Dies u. jenes - endlicher Abgang der Post 
- der kleine Schuler mir anempfohlen u. der weinende, geruhrte 
Vater - der lederne, doch mannichfacb gebildete Gassier von 
Banquier Scbatzler aus Augsburg - das hubsche, naive, wurde- 
volle Mddcben aus Lindau - meine Erzablungen v. d. Schweiz - 
der grosse Vollmond u. reine, 
4oa ungetrubte Mondnacht - Cigarre - Ankunft in Wangen - merk- 
lich~zuneh?nende Kalte u. mein luftiger Anzug - langes War- 
ten - Baron v. W. — aus St. Gallen - gebildet u. zutraulich - 
lebendiges Gespracb uber Paganinj - (Ak) der Fall von der 
Britsche u. die z^rsprengten Hosen - Bescbdmung - ubrigens 
angenebm - 

M it tw o c b , am 14 October - Ankunft in Leutkirch friih urn 
2 Ubr - bayersches Bier u. das Hosenlocb - Schlaf - Abscbied 
von der Lindauerrinn in Memmingen - zum Schneider - hub- 
scbe, ecbt deutsche Stadt - der neu hinzukommende Doctor aus 
Wien - ode Gegend - die schwabischen Blondinen im Glanz - 
Mittagessen in Mindelheim vor der Stadt - der Wirth u. seine 
bluhenden, dreizehn Kinder - das ist erquikend - der Baron u. 
der Conducteur z&nken sich - Ankunft in Schwabmunchen um 
4 Ubr - das schwabische Kellnermadchen - 3 Stunden langes 
Warten auf Postpferde - gescblafen bis Augsburg - Gasthof 
zum grunen Hof - 

D onner st a g s , am 1 $ten October - Clavier u. der schein- 
bar aus seinen Himmel fallende Baron - Table d'hote u. das 

278 



Lindauer junge Ehepaar - zu Kurrer's - Clara [Kurrer] - - 
ihre brautliche Naivitdt - der alte, herzliche Kurrer - 

F r e y t a g s , am iGten Oct. \ Clavier - Qlnbausen - 

\ Malchen aus Kaufbeuren 
Sonnabends,am ijten Oct. J - der Baron u. die Baro- 
nesse Ekert - sie sehr feurig und starker, zu mannlicher Umsicht, 
er unter d. Pantoffel - lederner Spaziergang, der vorm Jabre 
schoner war - das Bild von Krahe - Billard - meine furchtbare 
Abspannung - der leere Beutel - 

Sonnta gs ,am achtzehnten October- friih Alex- 
ander - seine Verlegenheit - Witt's Fragmented - lebhaftere 
Gesprache beyTiscbe - Geld v. Kurrer 1 * 1 - der herzlicbe Kurrer 

- Abschied, Abscbied v. d. herrlichen Menschen - Post - die alte 

- Ho f rath Kustner aus Leipzig - Scblaf - Abspannung - 

Mont a gs , am igten -- Ulm - Geislingen - Stuttgardt - berr- 
licber Tag - Theater - 

Dienstags, am zosten - Ludwigsburg - Heilbronn - Sins- 
heim - Ankunft in Heidelberg um 10 Ubr Abends, Amen! 

Meilenentfernung meiner Reise. 

Von Heidelberg nach Basel - 32 M.[eilen] 

Von Basel nach Zurich - 9 M. [eilen] 

Von Z.[uricb] nach Luzern uber d. Rigz - 8 M. [eilen] 

Von Luzern nach Bern uber Thun u. Brienz -11 M. [eilen] 
V on B.[ern] nach d. Gotthardt dutch's 

Berner Oberland - 16 M. [eilen] 

V on Andermatt nach Bellinzona - 13 M. [eilen] 
Von Bellinzona nach Sesto uber den 

Lago maggiore - 6 M. [eilen] 

Von Sesto nach Milano - 4 M.[eilen] 

Von M.[ilano] nach Brescia - 16 M. [eilen] 

Von Br.[escia] nach Verona - 7 M.[eilen] 

Von V.[erona] nach Venedig -20 M.[ eilen] 

Von V.[enedig] nach Mantua uber Verona - 24 M. [eilen] 

Von Mantua n.[ach] Cremona - 11 M.[eilen] 

Von Cr.[emona] nach Mailand - 14 M.[eilen] 



*79 



Von M.[ailand] nach Chlavenna - if M.[eilen] 
Von Cb,[iavenna] iiber den Splugen 

n.[ach] Chur - 11 M.[eilen] 

Von Cb.[ur] nach Lindau - 10 M.[eilen] 

Von Lindau nacb Augsburg -22 M.[eilen] 

Von A.[ugsburg] nach Stuttgardt - 24 M.leilen] 

Von St.[uttgart] nach Heidelberg ~ 14 M.[eilen] 

Summa: 2gi Meilen 

on Oster(dienstag)-montag 
F r iih lei $ er Katzenjammer- das schone Mddchen 
im Weidenbusche - die kleinen schielenden Nacbbarinnen im 
Nassauerhofe-mit Weber u. H i lie zus am- 
men ge ge s s en-W eb er gut : P a ganini V er a c h - 
t er de s Publicum s , wie G 6 1 t e - Schlecht,was er 
fiber Manier sagt -die Scbwarze: pack, pack, pack 
-Burgunder-Nichts-Hurenwitze-dasMdd- 
cb en neb en mir - Wilhelm Tell v. Rossini 258 - In d. er- 
sten halben Stunde Rrinnerung an meine Schweiz u. viel unter- 
druckte Thranen - Kdlte der Musick - Cbarakterlosig- 
keit - Affect irt - o h ne Crescendo ke in Ros- 
sini - Schreckliches D e amu s e ment - e ine 
S timme iib er die O per z^iscben uns - T 6 p ken , 
richtiges U rtb eil, ab er geistlo ser W ider- 
spruebsgeist - Gedrange im Weidenbusche -die 
Frankfurter Allemannen- das himmlische Mddchen 
mit den himmliscben Augen u. ihre Freude iiber unsere Ent- 
zuckung - unverschdmtes Lorgnettiren - Frankfurter Schnauzton 
- dann in d, Schwan - Champagner - die Allemannen u. Han- 
seaten - Lacbs - Paradies im kleinen - Weber, harmoniscbe Gei- 
steskrdfte - der gute Hille - 

Oster(mittwocb)'dienstag 
Mit Topken Flugel angesehen - zu Andree - Aloys Scbmitt - 
die Schubert' schen Walzer - mit Weber auf d. Braun Fels - ekel- 
baftes W aebsedbinett - Abschied v. Weber vielleicht auf ewig - 
mein kunstlicbes Ausweicben in den Frankfurter Winkelgassen - 
Abschied vom Mayn - Darmstadt - kostliches Befinden nach 

029 Dicse Seite mit Time geschrieben, die Unterstreichungen mit Bleistift 
vorgenommen. 

280 



e.[inem] Scboppen Wein - Topken mit einem kleinen Hieb - 
der berrlicbe Melibocus im Abendglanzduft - Entqlicken - Wein 
im Wagen - der schandlicbe Klepper - V erwech slung der Zugel 
- endliche Ankunft in Auerbach - Lottchen - Zank mit Topken 
sehr bitter - icb argere mich sett Jahren zum erstenmal wieder - 

(Donner) Mittwoch - 
Abschied v. d. Kleinen - Schlechtes Wetter - Essen in Wein- 
heim - die Bergstrafie bltithenschon - Heidelberg sehr uberra- 

scbend in Handschucbsbeim die liederlichen Preussen- 

f it c h s e. 

030 Pompdser Titel 



031 - Musenblumen in Poesie u. Prosa, aus dem mensdblichen 
Leben gepfliikt 8. Dinkelsbiihl, Walther 1829. 



Muft das juristische Institut, das iiber moralisch-hafilich Sachen 
zu entscheiden hat, nicht selbst als moralisch-rein dastehen? 



Carpani's Paralelle aus (Morgenblatt) 

eleg.[ante] Zeit[un]g. Jahrg.fang] 1825. Nro; 79. 

Pergolesi = Raphael 

Durante = Leonard, da Vinci 

Hasse = Rubens 

Hendel = M.frchel] Angelo 

Jomelii — Lodovico 

Gasmann = A. del Sarto 

Porpora = P. Perugino 

Benda = Lanfranco 

Gluk = Caravaggio 

Piccini = Tizian 

Sacchini = Correggio 

Paesiello — Guido 

030 Die erste Halfte der Sejte mit Bleistift, die zweke Halfte dieser (ab 
„Carpani's") und die folgende Seite mit Tinte geschrieben. 

031 Der Name des Verfassers mit abgekurztem Vornamen nicht lesbar. 

281 



Anfossi 


= 


Albano 


Sarti 


= 


Domenichino 


Bertoni 


— 


A. Sacchi 


Salieri 


= 


A. Caracci 


Mozart 


= 


G. Romano 


Winter 


= 


Mengs 


Cimarosa 


= 


P. Veronese 


Zingarelli 


= 


Guercino 


Cherubini 


= 


Le Sueur 


Paer 


=3 


Baroccio 


Haydn 


= 


Tintoretto 



44 ^Sonnabends am Osterheiligenabend 1850 mit Topken nach 
Frankfurt. - Die ersten Kutscher - Wolkenzuge am Himmel - 
die Bergstrasse wider Rrwartung schlecht - die Bluthen schon - 
Handschuhsheim - Weinheim - die Vindeck, die Strahlenburg - 
der Melibocus - Heppenbeim - Auerbach - Benecke - die kleine 
Kellnerin - Kastnefs od. Lichtenbergs Auctionszeddel u. furcht- 
bares Geldchter - der Forster - Malaga - - spdter Schadtler u. 
Eckmeyer - Vortrinken - Benecke u. Topken - Quarambolage 
auf der Hausflur - Mundstrahl - mein u. d. Hanseaten ungeheu- 
res Amusement - 

Ostersonntag - 
Rtwas unwohl - Topken s Katzenjammer «. Fliiche - traurige 
Gesichter in Hessen - ziemlicbe Armuth - Darmstadt italianisch 
- die idyllische Residenz - die mahleriscbe Trauerweide im 
Gasthof-bofe - Darmstadter Hof - Tags zuvor Beysetzung des 
verstorbenen Grossherzogs [Ludwig L] - Beefsteaks pbysische - 
Aprilwetter - Blau u. Scbwarz - die Warte vor Frankfurt - 
Rndwellen des Odenwaldes bey Darmstadt - der verdammte 
Klepper u. Danebenherlaufen - ich zu Fuss nach Fr.[ankfurt] - 
Fr.fankfurt] von der Sudseite grossstadtisch u. Geruch v. Han- 
delston - der Taunus im Osten - u. grosse lombardische Mayn- 
ebene - Ankunft im Scbwan - Regen - Nicbts - Abends P a- 
g aninj 759 - Zweifel am Ideal der Kunst u. s.fein] Mangel an 
der grossen, edeln priesterischen Kunstruhe -Weber- Hille - 
ungeheure Entzuckung - ich in der Loge - Nichts von Gesich- 

032 Die meisten Worter dieser Seite mit kurzen Bleistiftstrichen teilweise 
unterstrichen. 

282 



tern - die Backofen a la Paganini - Aloys Schmitt u. mein neuer 
Mutb - das lederne Da Capo verlangte Duett von Cimarosa it. 
Bezeichnung charakteriste d. Pianofortes - Im Scbwan mit We- 
ber, Hille - iiber Paganini - Entzuckung im Bette u. sanftes 
Eintraumen - 

15 ^Carlsrube - Rastadt - Freyburg - Basel - Baden - Zurich - 
Zug - Luzern - (Lungern) - (lnterlaken) - Tbun - Bern - Tbun 
- (Lauterbrunnen, Grindelwald, Meyringen) - Airolo - Bellin- 
zona - Magadino - Isola bella - Baveno - Sesto Calende - Sa- 
ronno - Milano - Brescia - Desenzano - Verona - Montebello - 
Vicenza - Padova - Venezia - Mantova - Cremona - Lodi - 
Milano - Como - Cbiavenna - Spliigen - Andeer - T[b]usis - 
Chur - Maienfeld - Peldkirch - Bregenz - Lindau - Memmin- 
gen 

Pianazzo (del™) (del Scolcegia™ 5 ) 

aucb Gengogen, der schonste Wasserfall z^ischen 

Campodolcino u. Isola. 

i Blutzker = 3 Centesimi 

1 Zwanziger —100 Centesimi 

- - = 20 Soldi od. Louis.[dor] 

1 Soldi ~ 5 Centesimi 

1 Batzen = 4 Kreutzer 

1 Sovereign = 41 Zwanziger 

1 Rfl = 60 x — 2 1/2 Zwanziger 

Was Julius u. August im Weine nicht kufen, 
das kann der September audi nicht bieten [?] 

In einem Kalender auf d. Spliigen 



Die Triimmer hinter Isola heiBen : die Cima Ganda, es ist die- 
selbe, wo die Ueberschwemtnung der Lira war. 



033 Diese und die folgende Seite mit Bleistift geschrieben. 
03/1 Das folgende Wort nicht lesbar. 
035 Lesung sehr unsicher. 



283 



In Chiavenna sind schon Lorbeeren, Cypressen u. Kastanien in 
Menge. 



Die 700 Schritte lange schone Gallerie heifit alle aque rosse 



46 Vetturini 

Von Mailand nach Brescia: 

Von Brescia nach Verona: 

Von Verona nach Padua: 

Von Padua mit dem Carriere nach Venedig 

^Von Venedig nach Verona mit Post 

v. Verona nach Mantua 

v. Mantua nach Milano mit Cena u. Albergo. 



Lir.[e] 
16. 
10 
10 

4- 
Lir.le] 

ZO. 

1 



Mailand - Hotel Keichmann 

Brescia - il Cambero (sehr theuer) 

Verona - il torre di Londra (gut) 

Vicenzd - (vortrefflich Essen) 

Padua - (vortrefflich Essen) 

Venedig - al Pellegrino (gutes Essen u. mittel- 

massige Preise) 

Baveno - Grand Hotel.und 037 (englische Prellerey) 

Magadino - Grand Hotel 038 (schone Aussicht) 

Airolo - auf d. Post bey Camassi - (gut u. wohlfeil) 

Andermatt - 3 Konige (sehr theuer u. mittelmassig) 

Grimsel - Grimselhospital - 

Mayringen -| 

Grindelwald - \ echte Schweizerherbergen ! 

Lauterbrunnen -J 

Bern - goldne Krone (theuer u. gut) 

Interlacken - (englischer, commercieller Hon u. theuer) 

Lungern - (gut u. gefdllig) 

030 Die folgenden drei Zeilen stehen im Original rechts nebcn dem nach- 
folgenden Absatz, sie sind von Schumann durch eine Linie an diese Stelle 
unter den ersten Absatz verwiesen worden. 

037 £> as folgende Wort stark verblaflt, nicht lesbar. 

038 Die folgenden zwei Worter nicht lesbar. 



284 



Luzern 


- (gut) goldner Adler 


Rigi 


- (bier ist es sehr scblecbt, aber sebr tbeuer) 


lug 


- (vortrefflicb) Hirscb - 


Zurich 


- Rabe (tbeuer, gut) 


Bern 


- 


Basel 


- Storcb (tbeuer u, gut) 


Mantua 


- trecolonne 


Cremona 


- Albergo imperiale (Vetturint) 


Chiavenna 


- Conradi (gut, gefdllig, woblfeil) 


Splugen 


- Bergwirthaus (guter Wille in einer Bauern- 




kneipe) 


T[b]usis 


- goldner Adler (landlicb, gut, billig) 


Chur 


- Steinbock (scblecbt u. woblfeil) 


™Feldkircb 


- (gemein u. woblfeil im Adler) 


Lindau 


- (goldne Krone) 



[Wiedergabe dieser Seite Abbildung 10] 
040 A«/ d. Marcusthurm gezeichneu 

Plan v. Venedig d. listen 
[ImBildbeschriftet:] 

Marcusthurm 

Arsenal 

Mare adriatico 

Mare Mare 

Giard.[ini] pubb.[lici] 

Porte Franco 

Redentore 

delta [Salute] 
[Durch Zahlen bezeichnet] 
[aufder„Siid"-Seite] 

i Pal.[azzo] ducale 

i Procur.[atie] vecchie 

3 Giard.[ino] Sorchino[?] 
[aufder„West"-Seite] 

i Porte Franco 

2 Redentore 

039 Die beiden folgenden Zeilen stehen im Original, durch einen senkrech- 
ten Strich getrennt, neben den Eintragungen der Gasthauser von Zug und 
Zurich. 

040 Diese Zeile mit Tinte geschrieben. 

285 



3 [Punta] delta Salute 

4 Grande Canale 

5 Padua. 

6 Fusina 

7 Piazza di S. M.[arco] 

8 Alpl 

o Mestre. 



48 Auf dem Dom zu Mailand. 

Aber, Mensch; es giebt noch Etwas Grofieres, als der Dom zu 
Mailand; ihr Kiinstler die ihr ihn bautet; wahrlich, ihr waret 
nicht eitel u. nicht stolz, daft ihr es iiber euer Herz vermochtet, 
hier diesen Himmelspallast herzusetzen ; Wunder, wenn du oben 

stehst, hinausschaust in Alles ich kann, ich kann nicht 

weiter reden — 

Mein Blik flog nach Norden i. d. Heimath - 



Chiavenna, am 8ten Oct.[ober] 
Commune di SJGtacomo 

5. U- 



S. Giulielmo 






<*• 42.) 


abgebro clone Brilken 


18 


zerstorte Alpennatitr 


54 x 




52 x 


Chaos 


48 X 


Baumstamme 


2. 24. 


Felsen 


48. 



Mauser 41* 

Wellen, breiter 24. 

2. 52. 

- 30 

Ueberschwemmung am i4ten September 

vomFluss 0il Lira 1. 36 

Bild 2. - 



041 Der folgende Wortanfang wegen zu starker Streichung niclit lesbar. 
286 



Abgebrochene Strasse i. ^o^' 2 
Han[d]scbuhe Lammutze 3. - 
Kessel der 1/4 Stunde dik 1, icfi'* 2 
Verwustung drin 

(W alder, Felsen, Bdume) 6! $20 1 S 

181 



4 
Dorf 

Am Enda der weisse Thurm v. Giacomo u. druber ein schones 
Panorama von in einander geschobenen Alpen am Ende Schnee- 
berge ?mt Wolken auf d. Haupte. 

ow Anstelie von ,,30" urspriinglich „-". 



287 



Tagebucbj 

Reisenotizen III, Strafiburg 1830, 
Wesel-Kassel-Leipzig 1830 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 4871 VII A/b, 3 A3 

Das Heft umfafk 26 Blatter, Format: 14,7 x 9,5 cm. Alle Seiten 
sind mit Bleistift oder Time beschneben. 

Die Blatter 3 und 24 bestehen aus Pappe, bei den Blattern 14 
und 1 5 fehlt die untere rechte Ecke. 

Die Seitenzahlen wurden von fremder Hand mit Bleistift hinzu- 
gefiigt. Mit Ausnahme der Seiten 4, 10, 40 und 46 wurden je- 
weils nur die ungeraden Seitenzahlen angegeben. 
Die Innenseite des hinteren Einbandblattes tragt den mit Blei- 
stift (Handschrift Georg Eismann) geschriebenen Vermerk „nach 

R.2, 1 1 und die Signatur TTT . 

VII, A9, 3 

Das Notizheft hat Fadenheftung und einen Pappeinband mit 
autographer Titelauf schrif t : 

Reisenotizen. III. 



Reise nach Strafiburg 1830. 
„ „ a. d. Rhein bis 

Wesel iiber Cassel 1830. 

n. Leipzig 

Sein Erhaltungszustand ist gut. 



!9 Schumann, Tageb. 1 289 



i oi Reise nach Baden-Baden und Strassburg. 1850. 



M it tw o c h , am 4ten August; vorhergebendes Preussenfest 
am $ten Angus t 2m u. exaltirender, revolutionarer Katzenjammer 

- in der Extase zu Auerswald - bescblossene Reise - herrliches 
Wetter u. zu beiss - eleganter Zwey spanner - Roller u. Auers- 
wald in schwerem Katzenjammer - Mittagessen in Rohrbach - 
franzosiscbe Zeitungen - Langenbrucken u. Selterwasser - Rol- 
ler sehr exaltirt, aber widerlich - Ankunft in Brucbsal - ein 
Hundehaus u. das entwurdigte Thier - herrlicher, italieniscber 
Mondabend - heitere Fantasien - Alle sehr liebenswurdig - 
Baden Durlacb - grosse Pappelallee bis Carlsrube - Carlsrube - 
dieselbe Stadt, wo icb mit Semmel u. Rosen war #. unangenehme 
Errinnerungen - engliscbe Lecture - die Schildwache - scblech- 
ter Scblaf. 

D onner s t a g , am 3 ten August Um 6 Uhr aufgestanden - 
die verdammt muden Pferde - der Himmel wird truber - Fartb 
nach Baden-Baden - Paradies - Ankunft im Zahringer Hof - 
Roller sehr krank u. abgespannt u. iiberspannt - Table d'hote - 
der Bauer Auerswald - das schone Madchen - «. die unver- 
schamten Nachbarjungen - dann Gang in den Kursale - icb fein 
im Hute - icb zwey Kronen verspielt - Bier u. grosses Gliick - 
der Secretair von Ernst - der Kurprinz IF. WJ von Hessen ge- 
winnt viel - zu Ernst- seine Liebenswurdigkeit - sehr leb- 
haftes Gesprach - sehr vertraut mit seinem ekelbaften Secretair 

- die Cigarren u. Verlegenheit - mit Ernst in d. Kurhaus - ver- 
folgende Blicke, 

fuhrt mich ins Theater - schreckliche Hitze u, Dampf - die Ja- 
ger von Iff land 261 zu schlecht - meine Grobheit auf Ernst's Frage 

- Spaziergang u. Abschied von ihm - unausstehlicbe Hitze - zu 
Bette - erscblaffender Scblaf. 

F re yta g 02 am 6ten Aug: - fruh 6 Uhr in den Kursaal wegen 
d. verlornen Opernguckers - Momens musicals v. Franz Schubert 
auf dem schreklichen Flugel - Langeweile - Frubstuck - Fran- 
zosiscbe Proclamationen m - herrlicher blauer Morgen - dann 

01 Die Seiten 1-16 mit Bleistift geschrieben. 

02 Urspriinglich „Donnerstag", in „Freytag" verbessert. 

290 



fort nach Strassburg - die schandlichen Gaule - Mittagessen in 
Lichtenau - Auerswald u. die Fliegen - furchtbarer Regen - ich 
als Kutscher - der Munster in blauer Verne - der ganze Schwarz- 
wald ztfT linken u. die Vogesen zur Rechten - Ankunft in Kehl 
um 5 Uhr - der hofflicbe Polizey officiant - Spaziergang nach 
Strassburg - der Rhein ungemein wild - die Rheinbrucke - fran- 
Zdsische Grdnze - leise Visitationen - u, Verlegenheit - Desaix's 
Denkmahl mit der Inscbrift: 

au General Desaix 
Varmee du Rbin 2b3 

edel u. einfacb, mitTrauerweiden eingefasst - die Verschanzun- 
gen - die dreyfarbigen Fahnen - Kauf der Kokarden - das 
Arsenal -der Munster u. die Nationalflaggen - wenig er- 
greifend - die Strasburger Uhr - Logis im Maison rouge - Bier- 
haus auf dem Markt - die Soldaten mit geschwungenen Sabeln 
bacchantisch schreiend: vive la tricolor e t la tricolore - ungeheu- 
rer Fanatismus - 

im Theater - Opera „le' Eruption de Vesuve["] - ungeheures 
Leben drinnen - die Volksgesange - Begeisterung - allgemeines 
Einf alien des Tuttis -das redende Far ten e - Niederknieen des 
ganzen Theaters u. die geschwungenen Flaggen - die Oper ubri- 
gens unter der Kritik - kein schones Gesicht - Abendessen im 
Maison rouge - Touristenschlaf a Vltaliana - 

(Freytag) S o nna b e n d oz am jten August - Spaziergang nach 
Kehl - u. wunderbare Frische in den Gliedern - den Munster 
nicht bestiegen - triiber Himmel - Abschied v. Desaixs Denk- 
mal - deutscher Boden - die Kokarden am Hute - u. Effect - 
schreckliche Notb mit den Pferden - Ankunft in Lichtenau - Die 
Kleine im gelben Kleide zu lieb und momentanes Verlieben - 
Kirschwasser - die Pferd& bleiben stehen - endliche Ankunft 
in Rastatt - Schmachten nach einem Bierhause unerfullt - gutes 
Essen - herrlicher Schlaf, 

S onnta g am 8 ten Aug. - das Geld neigt sich zu Ende - 
Schreckliche Farth; die verdammten Gaule - einzeln [?] Zehrung 
beym Naturalienwirth - Pump in Bruchsal - Schoner Abend - 

03 „Sonnabend" uber der Zeile eingefugt. 

19* 291 



Franz-losen] in Rohrbacb u. die abgerissenen Co car den - end" 
licbe Ankunft in Heidelberg 9 Uhr 



Dienstag am 1 4. S e ptemb. mit Reicbe, Tietzen, Freywald 
nach Mannheim - 

Konnt' ich doch fiinfzig solcher Wichte einmal in eine Kanone 
laden u. Mannheim todt schiessen! 



Amsterdam™ ~ Der Damm u. der neue Markt sind am meisten 
belebt - grosstes Gebaude die konigliche Residenz - die Aka- 
demie der Kunste auf der Kaiser [sjgragt - das Athenaum auf 
dem Fluweelenburgwall - die alte Kirche der Reformirten - das 
Arsenal - Spatziergange in den Strassen: Heerengracht, Kai- 
ser Is] gracht, Kalverstraat - Gasthofe; Wapen von Amsterdam 
pp. 
Haarlem - 

Journal des Debats. 14 Septembre $0. Mardi 
Une lettre de 7 a rnidi, porte ce qui suit: Dans ce moment des 
bourgeois et des etudian[t]s armis, avec des rubans blancs au 
bras, parcourent la ville. On organise une garde bourgeoise. Le 
conseil des magistrats est assembled 



Les bourgeois et les etudian[t]s faisant cause commune. On 
attendait des troupes de Zwickau et de Borna.™ 



Es ist daf iir gesorgt, dafi die Baume nicht in den Himmel wach- 



Der zur Tatigkeit geborene Mensch ubernimmt sich in Pianen u. 
iiberladet sich mit Arbeiten. Das gelingt denen audi noch gut, 
bis irgend ein physisches oder moralisches HinderniB eintritt, um 
das Unverhaltnismafiige der Krafte zu d. Unternehmen ins Klare 
zu bringen. 



292 



Ahnl.[iche] Stelle: Wahrh[ei]t u. Dicht[un]g. 3 Theil S[eite] 
26.27. 



C a s s a 

Am 24sten September Nacbmittag zu Mainz: 
i Doppelfriedricb[sdor] 
2 bolldndiscbe Louisdor 
6 Thaler in Papier 
8 Thaler in Convention 



Am 2 5 Abends zu Coin : 

1 Doppelfr.[iedrichsdor] 

2 bolldndiscbe L.[ouisdor] 

2 Thaler quo S.[ilbermunze] 
1 Thaler Silb,[ermunze] 



Am 2j Morgens zu Wesel. 

1 Doppelfriedricb[sdor] 
3 pr. Thaler. 
1 Thaler Silbermunze 
77 Groschen. 



Am 28sten - Morgens - zu Munster. 

1 Louisdor. 
4 pr Thaler. 

20 Groschen 

Am losten des Morgens zu Paderborn. 

2 Thaler 

12 Groschen. 



Am 2ten October des Morgens zu Detmold. 



27 Groschen. 



Agnes Carus - Agnes. 



293 



Agnescben 

Nicolaistrasse. Rosenkranz 
im Hof i Treppen 



Am Markt Nro ijz 
vorn heraus 4 Tr.[eppen] 



Klostergasse Nro 173. 3 Trep[pen] 

Von Rudel erhalten am iy April —1831, 

in Zwickau 40 Tb.[aler] pr. Cour. 



Die Monche haben nur das Jagdrecht, um die Tierhaute benut- 
zen zu konnen. 



294 



Reise nach Holland 
1830. 
Abfartb aus Heidelberg, 

Freytag, am 24sten 0i September 1830. Morgens 4 Ubr - le petit 
Ritzhaupt - Briefe an die Philister - Abschied von Evcben - 
Thrdnen verhalten u. Thrdnensttirze furchtbar - zu Fuss bis zu 
Pbilippinens Haus - Truber, faader Morgen - Schrecklkb ge- 
froren - Abschied von den Heidelberger Bergen - Mannbeim - 
Ruckstdnde - Angst wegen des Dampfbootes - Ankunft - icb 
triibe und todt - Abschied v. Fritz R.fitzhaupt] - Fort - Fort 

- die Engldnderinn - die lebendige v. spdter - der junge Lord 
-Miss G e en - Table d'hote - Lord d'Argyle mit grauen 
Haaren u. gebildeter Frau - Ankunft in Mainz um 2 Ubr - les 
trois couronnes - Spaziergang - den Stephansturm bestiegen - 
Schone Aussicht nach Darmstadt - Bibericb - Zusammenfliessen 
des Rheines u. Mains - in den Anlagen - Abegg aus Heidelberg 
liebenswurdiger Menscb - Militdrmusik u.°° - triibe - trube - 
weiter Gottfried Weber? - Abends Miss Sprattfield ~ Klavier- 
ubungen - zu Bette - Schlaf - Unruhe u. Trdume von „Feuer" - 
Sturmglocken - wirkliches „Feuer" - angreifender Schlaf im 
Herzen[?].~ 

Sonnabends am 25 September - 

Abfartb von Mainz um 6 Ubr - tolles Leben auf dem D amp f boot 

- der Schottlander mit dem Hund u. dem Alexanderband - 
40-50 Engldnder -Miss Geen zu lieblich u. trippelnd - Miss 
Sprattfield - die H .... - der ganze Rheingau - todt und knill 

- Jobannisberg - Rudesheim - Erinnerungen anWillib aid Alexis 

- Alles wie Traum - Blicke mit der kleinen Miss = thank you, 
thank you, Sir- icb fur einen Beefsteak gehalten - der Schotte - 
der junge Lord u. franzjosiscbe] Unterbaltung - der Wiener 
Deutsche Engldnder C. W. Schultz - scbrecklicbe Mudigkeit - 
Ankunft in Coblenz *- Table d'hote - Unterbaltung mit der Lady 
uber Shakespeare - der alte Lord [d'Argyle] u. die Deutsche - 
unbestdndigW etter - Sturm - Regen - Bonn - das Siebengebirge 

- schreklicher Regen - Ankunft in Coin - furchtbares Gedrdnge 
u. Unordnung - amilsant u. lustig - Gasthof zum Rbeinsberg - 
die groben Markors - Table d'hote - der Engldnder und eng- 

04 Anstelle von ,,24" urspriinglich ,,26". 

05 Das folgende Wort nicht lesbar. 

295 



lische Uebungen - die liebe schuchterne Deutsche neben mir - 
der beleuchtete Rhein - trube Nacbt - Schones Zimmer nach der 
Rbeingegend - prachtiger Scblaf - 

Sonntag am 26 Septemb. - den Plan, einen Tag in Coin zu blei- 
ben wegen eintretenkonnenden Geldverlegenheiten aufgegeben 
- gliicklich noch das Dampfboot erwiscbt - neblichtes Wetter - 
zum erstenmal ordentlich nuchtern u. vernunftig - niedertandi- 
scbes Dampfboot die Staad Nimwegen - der Rhein flach, aber 
gross wtd gross - Farewell to Coin - great ships of Rhin - Storm 
and rain - little Showers - the lovely englich maid : is it c o Id 
above? - her Sleep 2 *® - die Engldnderin, die Rosalien [Schu- 
mann] u. der Semmel so ahnlicb sieht - Ankunft in Dusseldorf - 
Schaden am Dampfboote - der Jovely" gegenuber placirt - die 
Deutschen ~ der mit dem schwarzen Backenbart - Domino u. 0G 
~ the little and fine smile, as the Jay - / give to 01 her the poems 
of „Campbeir - the „name unknown" of Klopstock m - guter 
Rothwein ~ stummer Abschied von ihr - die deutsche Schlum- 
raernde im Sturm gar lieblich - Ankunft in Wesel um 3 Uhr - 
preussiscbe Officiere - Alles verdndert - mit einem Blitzschlag 
in N or d deutscbland - besserer Kaffee, schlecbtere Betten, 
kleine Stuckchen Zucker - kein pot de Chambre™ - Schonere 
Gesichter, vorzuglich der Frauen u. Vieles - Promenade in We- 
sel - 

Abschied vom koniglichen Rhein - das gldnzende Schloss in 
der Abendsonne - um 8 Ubr zu Bette - Uebungen - herrlicher 
Scblaf. 

M ont a gam 27 September - 

Frisches Erwachen - truber Brief an die Mutter™ - zur Post - 
die Freiburger Burgersfrau - der Obristlieutenant - der West- 
phale - Westphdlische Sprache sehr ekelhaft - leidltche Unter- 
haltung - Dorsten - Mittagessen - Reicbaise[?] - niedertrach- 
tiger Weg - grosse Ode - Eicbenwdlder - lauter Sandboden - 
Haltern - der einfdltige Landpastor sammt Swester - mir lange 
nicht vorgekommen - Dulmen - Appelhulsen - der Landpastor 
muss den Kaffee stehen lassen - verdammter Gestank im Wa- 

06 Das folgende Wort nicht lesbar. 
* 7 „to" iiber der Zeile eingefugt. 
os Das folgende Wort nicht lesbar. 

296 



gen - herrlicher Tag u. herrliche Mondnacht - dann gescblafen 
bis Miinster, Ankunft um u Ubr - schon gescblafen - 

Dienstag am 28 September - 

Uebungen u. Componieren schief - zu Festel geschickt - Festel 
mit Chormiitze - mit ibm berum - ein lumpiges Scbloss mit lum- 
pigen Park - Schon Wetter - sebr gute Table d'hote in der Stadt 
Miinster bey Nolke ■- Officiere - Alles unbedeutend - Schlaf - 
mit Festel in einen Gesellschaftsort - F.[estel] sebr umstdndlich 
and wenig herzlich, sogar ekelhaft - der Gen- 
darmerie-major~zu Festel - der gute Wiener Flugel u. Ergusse 
- sein lederner Vetter Fleming, dem ich gem ein Paar Ohrfeigen 
gebe - wenig Applaus - Notbigen zu einen Glas Wein - Ab- 
schied von ibm - Abendessen - zur Post - niedertrachtiger 
Schlendrian und Schneckenfortkommen - die Nacbt durcb gefah- 



Mittwocb am zg September - der Referendarius und Ham- 
mer scblag aus Hamburg mit seinem „Gestute" -* Ankunft in 
Warendorff - Kaffee - Nichts - Schlaf - einsame Wilste - Alles 
ode und unbebaut - die Wege wirkltch ueber alle Beschreibung 
scblecht - Herzebrock - bassable Unterhaltung mit dem )udi- 
schen Kaufmann - starke Fussparthien im Land - das Clavier 
in xx - aber wenig Applaus bey guter Phantasie - verstimmt - 
Andenken an mein Heidelberg - Neu[en]kirchen - alles drm- 
lich und todt - Fusspartbie bis an den Eichenwald - sebr wenig 
Gelegenheit, viel zu verzebren - Wurstbrod auf dem „Land" - 
Veblichkeiten - dann geschlummert balb bis Paderborn - 
schlechtes Gastbaus, scheint es. - leidltche Table d'hote - Portier- 
zimmer - um 9 Ubr schlaf en gegangen - 

D o nners t a g , am 10 September - %®ey Stunden Uebun- 
gen 211 im Bette sebr gut - schandlicher Regen - endlich den Eni- 
schlufi gefasst, nach Detmold zu gehen - gutes Fruhstuck - der 
geborgie Regenschirm - Sacben in Paderborn gelassen - der 
Himmel heiterer - bier und da Berge - niedertrachtiger Weg - 
in Koth bis an die Knie - Kreuzwege - bubscbe, vomebme 
Sprache - prdchtige Etchenwalder - der Teutoburger Wald - 
kdum zum Fortkommen - Lippe-Sprung - der Schoppen Wein 
12 S[ilber]g.[roscben] - die Guitarre auf dem Kanapee - sebr 
beiter - bis nach Schlangen - Cbauseehaus u. frugales gutes 

297 



Abendbrod - herrlicbe Aussicht in das weite Thai, durchstromt 

- der Heidelberger Gegend etwas ahnlich - xiemlich selig fort- 
gekleppert - der Himmel immer wilder - der herrlicbe Eichen- 
wald - Lippische, reinlicbe, rothe Ziegeldorfer - Waldbach - 
Prellbach (Prelleback) - ° 9 - viel Wein - die Philister - Nasen - 
viel Wein - hu - Fort - Fort - sehr knill - Ankunft in Detmold 
um 8 Uhr - Rosen sehr kalter Rmpfang - die blikenden Philister 

- schandlicher Aerger ilber Rosen in d. Knillitat - zwey Beef- 
steaks - Hundezitnmer - leider keinen Scblaf - 

F r e y t a.g am ersten October - brummender Kopf - trube Aw- 
gen - brennende Backen - Rosen u. tristerer Rmpfang - herum- 
gedammert - Mittheilung meines Lebensplanes und {Mifi)Billi- 
gung- 

1 3 liebliche Umgegend von Detmold - zu Rosen's Vater u. Bruder 

- der erste sehr scharf, geistreich und praktisch - der Londoner 
sehr schiichtem, gelehrt, ° 10 , sanft u. liebenswurdig - Ueber man- 
ches - platzt mit der Schonheit des Sanskrites heraus - dann zu 
Preuss - lieber, einfacher Mensch - Kaffeebaus - Rosen nicht 
recht herzlich - Nasen - Langeweile - Mittagessen in d. Stadt 
Frankfurt — dann mit Preuss u. R.fosen] nach Horn u. Eggesten- 
stein gefahren - E.fggestersteine] sehr merkwurdig - der Mond- 
altarf?] der Deutschen - uralte Steinbauerey - der grosse Teuto- 
burger Wald - Rothwein - ein Vierter ekelhafter - herrlicher 
Mond - Rosen sehr kalt, wie das Wetter u. der Wind - Ende 
meines Geldes - Beefsteak - Nicbts - zu Bette - 

Sonnabend am zweiten October 30. 

Gesund aufgestanden - Rosen - Geld -2$ Thaler - Langeweile 

- um ill 1 Uhr fortgefahren - mildes Wetter - Rosens Gestand- 

nisse - Abschied von ihm zu Fuss nach Paderborn - Ab- 

schied vom Teutoburger Wald - Schmutz .- der einladende 
Fremde im Postwagen spater bekannt - Ankunft in Paderborn - 
um 5 Uhr - Umkleiden - Essen - in d. Krieg wollende Preussen 

- furchtbare Mudigkeit - die Kellnerinn - Mittag - endlich 
fort - 

14 der zudringliche Conducteur - Verlieren der Mutzc. 



09 Das folgende Wort nicht lesbar. 

010 Das folgende Wort nicht lesbar. 

298 



So wahr ist, dafi das aus einer schonen Seek hervordringende 
Leben nur um desto freier wirkt, jeweniger es durch Kritik in 
das Kunstfach heriibergezogen erscheint. 

S. 117. 14. 272 

1832. Am 1 8 ten Juni in Zweynaundorf. 

Bey der Windmuhle machte ich Vergleiche mit dem Kunsttrei- 
ben, so freundlich ich auch gestimmt war. Aber dieser Kistner 
mit seiner Filzigkeit konnte mich ordentlich aufter mir bringen. 



Im Gelderbuch noch elnzutragen : 
Ausgaben am listen: iy. 3. - 
Angekommen am listen zu Dresden. 



Verlass mich nicht mein Gott und Vater. 
Es blast niemand Trompete gottlich. 



Schlesier 



273 London. 24 Juni. 

Heute in den Vormittagsstunden das erste Conzert in der West- 
minsterabtei. Man offnete die Eingange 1/2 Stunde eher, weil der 
Zudrang zu grofi war. Eine der glanzendsten Veranstaltungen, 
die je in London. 



Dtfpeltcr Contrap. in 8. 



iIijjj.^ 




299 



in. 2. oder 9, 

5 6 


7 


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9 4 


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16 




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^ ^ p 1 * m 




011 Fur die Eintragung der beiden Notensysteme wurde das Heft im Quer- 
format vcrwendct. 



300 



0i2 Ich:( 2 8oo.) 




- Nr: i6}g. Lit. A ao vonth. 


1000. 


- Nr: 4519. Lit:B. b vonth. 


500. 


- Nr; 5759. Lit, C. c vonth. 


200. 


- Nr. 5650. Lit C. c von th. 


200. 


- Nro '.4655. Lit: C.c. vonth. 


200. 


- Nro; $06. Lit: C.c. vonth. 


200. 


- Nro: 172. Lit. D.d. vonth. 


IOO. 


-(Nro: 102$. Lit: D.d.) von th. 


too. 


-(Nro: i)22. Lit: D.d:) von th: 


IOO. 


- Nro: 6 $41. Lit: D.d.o von 


IOO. 


-(Nr: yg8. Lit:E e - von 


50.) 


- Nro: 525. Lit:E.e. von 


50 




- 2800 - 


Herausgekomen $ind: 


200 


Carl [Schumann] hat erhalten: 


5000 




Facit: 8000. 


Carl [Schumann] hat 5000 mit 102 





Wieck: Lit: E e N. 525. von 50 th. 

Lit: D.d: N. 6541. v. 100 th. 

Was icb v. Rudel empfangen babe: 
baar im Sachsischen Gelde: ~ 120. - 
Anweisung auf G. G. Kuster 
in Conventions. -50- 

baar in Louisd'or 

a: 5. 18. - 

34 Stuck: 
in Preuss :[ischem] Geld : 4. 12. 
in Cour.[ant] Geld: 4. 21. 6. 



4. 12. 
4. 21. 6. 



Muss im Ganzen sein 

013 3 Gr.[oscben] 10. Sdcbsich geben. 

(Vonmir: 2. 12. -) 

012 Diese Seite mit Tinte geschrieben. Ab Seite 18 mit Bleistift geschrieben. 

013 Das folgende Wort nicht lesbar. 



301 



/Davon an die Mutter: 5 rtk I 

Davon in die Tascbe zur Reise: 6. 8. / 

014 (Briissel, Septemberfest - mus.[ikalische] Preisbewerbung - 
die besten fiihrt man auf - nur Belgier sind zugelassen - Goidne 
Mcdaillen -> 274 



x 9 



FRIEDRICH WIECK 015 : Dieser niedertrachtige Bergen soil 
von Leipzig 016 fortgeschaft werden. Dazu ist nothig, dafl alle 
Bekannte anzeigen, was er genomen u. verkauft. Er hat von mir, 
Schumann u. anderen Noten u. Bucher u. alles verkauft. Zeigen 
Sie mir an, was er von Ihnen hat; ich will es dem Advocat mit 
ubergeben. Seine Schandlichkeiten miissen an den Tag kommen. 



20 



SCHUMANN: 
Dux. 

1) Aus Tonka in Tonka 

2) - - in Dominante 

3) Aus Dominante in Dominante 

4) - - in Tonka 

IV 



ip*S 



Comes. 

1) Aus Dominante in Do- 

m[inante] 

2) aus Dom[inante] in Tonka. 
5) aus Tonka in Tonka 

4) aus Tonka in Domin.[ante] 



■xt. 



r r * 




2) 



fff^ 



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jW^ 



tea 



4) 



^ 



302 



Was tadelst du doch, daft der liebliche Sanger 
Uns erfreut, wie das Herz ihm entflamt wird? 

Nicht so die Sanger 
Diirfen wir, sondern allein Gott schuldigen 

welcher es eingiebt 
Allen empiindsamen Menschen und so wie 

er will, sie begeistert. 

Homer. 

017 Notizenbuch. 

275 Auf Lysers Lieder aufmerksam raachten + 

Brandes, Mobius, Weber. 

Am 12 Mai Berlin. Theod. Stein, Furstenau, 276 + 

/Ariadne = Parther \ 

\Werk = Kritiker^ 
10 April Mifl Laidlaw Berlin 277 + 

Von Louise Bertin, Comp. [onistin] des Faust neues Werk. 278 + 
Heidelberg, 16. Mai - Haydn's Schopfung im Freien. 279 + 
Form musikal. [ischer] Kritiken 
Das Aussterben der Menschen 
Stadtlich od. stattlich? 
Groftwiirdentrager der Kunst. 018 
Dotzauer, Violoncellschule 280 
Violinconzert von Pott. 

(° 19 Am 5 ten, 6 Juni 2tes Gesangfest des Markischen Gesang- 
vereins. Aufgef :[iihrt] Motetten v. Klein, Hymne, Psalmen v. 
Schneider, Neithardt, Marx, Scharthlich. 400 Mitwirkende. Am 
2ten Tag weltlich (Belcke aus Leipzig)} 281 ' 

01/| Dieser Absatz mit Tinte ausgestrichen. 

015 Handschrift belegt von Marie Schumann unter dem Abschnitt: „[F 
Wiecks Schrift]". - Der Abschnitt auf folgende parallel zur Langsseite ver- 
laufende sehr schwach erkennbare Noten geschrieben : 




7 : r 

016 Zwischen dieser und der folgenden Zeile als fruhere Eintragung Schu- 
manns : „W. C. F. Vetter u. Co". 

017 Die Kreuze nach den Eintragungen dieser Seite mit Tinte geschrieben. 

018 Diese Eintragung mit Tinte geschrieben. 

019 Dieser Absatz mit Bleistift geschrieben, mit Tinte ausgestrichen. 



303 



(Wild in Frankfurt) 282 



Die Zukunft soil das hohere Echo der Vergangenheit sein. 



020 Ueber Musikfeste. (Mises) 



Ueber Pfennigmagazine. (Mises) 



Die Lehre von den Uebergangen, system, [arisen] bearbeitet vom 
(blinden) Planitzer. Halle, Scharrer. 283 



Ideen zu einer Theorie d. Musik von Kretzschmar. 284 

Oft geniigt e i n Wort, sich einen Menschen fur's ganze Leben 
verbindlich zu machen. 

(Eichberger in Coin. - 19 May Kosloff Berlin) 021 285 

23 UNBEKANNTER: (Amsterdam 

Max Erlanger, ein junger Violinspieler gab 2 Concerte mit Bei- 
fall, das 2 te am 6 ten Mai) 286 



((J) Franz Lachner, bisher K. K. 022 Kapellmeister am Karnth- 
nerthortheater (ist) hat ein lebenslangliches Engagement als 
Kap(p)ellmeister in Mannheim angenomen) 287 



SCHUMANN: Kalliwoda, geistreichere Behandlung des Wet- 
ters gesprochen 

24 London. Wien. 

Ohne Thaler keine Berge - Gubr, Tomaschek, Mendelssohn. 

020 Von hier ab mit Tinte geschrieben. 

021 Diese Zeile und die Absatze der folgenden Seite mit Bleistift geschrie- 
ben und mit Tinte ausgestrichen. 

022 „K. K." iiber der Zeile eingefugt. 

304 



Er zielt gut, macht aber beim Losdrucken die Augen zu - 
Das Lorgnettiren vertragt das gemeine Volk nicht 
(Berkenbusch, blinder Flotist aus Hannover) 023 
Und wenn du alle Uhren zertriimmertest - die Sonne geht nach 
wie vor auf . 



° 2 ' J Poesie = Unendlichkeit \ 
Prosa = Beschrankung J Form 



Zweck = Mittel — 
Weg = Ziel 

Columbuseier. 

(Paganini hat ein neues Instrument erfunden, das er zuerst in 
London produziren will u. wonrit er Tone hervorzubringen ge- 
denkt, die denen der menschlichen Stimme naher kommen, als 
dies durch ein mus. [ikaiisches] Instrument bisher geschehen. 

(Frankf. Journal)) 02 ' 2 * 8 



(Auff iihrung des Musikfestes 
Voll an Gestalt u. Gehalt) 






027 Menschen, die (im Umgangsleben) die schwachen (passiven) 
Stunden Anderer zu benutzen wissen, um sich auf irgend eine Art 
uber sie zu stellen. 

UNBEKANNTER: < 02S Das Comite des Elb=Musik=Vereines 
macht in den offentlichen Blattern bekant, dafi das auf den 
28 ten , 29 ten , u. 30- Mai d. J. in Magdeburg angesetzt gewesene 
Musikfest wegen eingetretener nicht zu beseitigender Hinder- 

023 Diese Zeile mit Tinte ausgestrichen. 

024 Die linke Spalte mit Tinte geschrieben und mit eckigen Klammern 
eingefafit. 

025 Dieser Absatz mit Tinte ausgestrichen. 

026 Das Ende des Notenbeispiels mit sehr stumpfem Bleistift geschrieben, 
nicht lesbar, 

027 Dieser Absatz mit Tinte geschrieben. 

028 Die Absatze dieser und der folgenden Seite mit Tinte ausgestrichen. 

20 Schumann, Tageb. 1 3©5 



nisse an diesen Tagen nicht stattfinden, u. dieserhalb eine nahere 
Anzeige zu seiner zek erfolgen wird) 289 



SCHUMANN: (Gesangfest in Jiiterbogk am 20sten. Musik- 
d.[irektor] Schardtlich leidete das Ganze (Motetten, Psalmen v. 
Klein, Schnabel, Berend)) 290 

27 UNBEKANNTER 029 : Mainz 

H.[err] Thomas, grofih. [erzoglich] -hess. [ischer] - Kapelm.[ei- 
ster] u. H.[err] Anton lieften sich mit vielem Beifall, ersterer (auf 
dem) als Waldhornist, letzter als Geiger horen.) 291 



SCHUMANN: (An Rellstab.) 



An Mosen. An Schuster in Zurich 
030 T6pken. Lemke. 



Der Magnet verliert an Kraft, giebt man ihm nicht zu tragen. 



Bei der Biene entschuldigt der Riissel fur den Stachel - bey der 
Wespe der Stachel durch nichts. 



Deputirtenkamer. Debatten. 



Didaskalia 292 - Musikfest (vom 23sten.) 



031 <An KloG geschickt) 
An Weinlich 

029 Dieselbe Handschrift wie Seite 26. 

030 Dieser und die folgenden Absatze mit Tinte geschrieben. 

031 Dieser und die Absatze der folgenden Seite mit Bleistift geschrieben 
und mit Tinte ausgestrichen. 

306 



8 An Dr. Lauter in Heidelberg. 

{19 Mai : Warschau, Lipinski) 032 

UNBEKANNTER: Kamer oder Hofmusikus 
Hauptraan in Cassel - 

SCHUMANN : (Das Comite der schw. [eizerischen] Musikgesell- 
schaft macht bekannt, dafi die Musikges.[elischaft] in Schaffhau- 
sen an die von Genf den Wunsch gerichtet, in letzterer Stadt das 
helvetische Musikfest zu feiern, angenommen ist. Von C. M. v. 
Weber komt [?] die dieser Gesellschaft gewidmete Hymne 
vor.) 293 



i9 ter Mai 033 

oy '( Cassel. Am 2ten Pfingsttag Robert 2um erstenmai 

Veron ist von London zuriickgekehrt. Er hat dort die Elslers 

au£ 3 Jahre fiir den nachsten Herbst gewonnen.) 29 '* 



(Berkenbusch : 5 . Juni) 295 





f.ur 



(Amsterdam 6 Mai - Conzert v. Vollweiler aus Frankfurt 
(Piano) u.W. Wagner) 296 - 

(14. Mai. Deutsche Oper - London - Zauberflote - Schmezer, 

Tenorist) 297 - 

(Viele englische Familien, die sich in Paris befanden, kehren 
nach London zunick, urn bei den grofkn Musikfesten zugegen zu 

032 Diese Zeile mit Bleistift ausgestrichen. 

033 Diese Zeile mit Tinte geschrieben. 

034 Dieser und die nachsten Absatze mit Bleistift geschrieben und mit 
Tinte ausgestrichen. 



20* 



307 



sein. Diese Feierlichkeit hat so vie! Fremde naclr London ge- 
lockt, dafi man in den Hotels kein Uriterkommen finden kann. 
(24 Mai)) 

( Leipzig 1 Juni 
^(Requiem v. Mozart < Strafiburg 



[ (Lafayette)) 



36 An Probst. 
(An Riem) 



(Aus Oxford - Paganini verlangt 1000 Pf. urn sich auf d. Musik- 
feste als d. Erste [?] allein d. Herz.[og] v. Wellington als Kanz- 
ler des Musikf estes horen zu lassen -) 2 " 

(Mitte Maj - Vampyr in Niirnberg) 300 

An Wiener Anzeiger. 
AnDorn. 

31 Postilion, Berlioz 
035 (DieTochterdes) 

28. Mai London. i mal Opferfest - 036 zufrieden m.[it] der Auf- 
fuhrung 301 

(Im 1. Cyclus des Dusseldorfer Herbst kameri vor Don Juan, 
Egmont, Nathan, Wassertrager, Braut von Messina, Andr.[eas] 
Hofer. An die Mitglieder der Biihne wurden 037 d. C. 12 Preise v. 

100-20 Th. vertheilt.) 302 # 

{Haizinger in Frankfurt, Lyser) 

32 038 (In einem Bericht iiber die (Berl) Konigl. [iche] Akademie d. 
Kiinste in Berlin heifit es: Aus den fur die musik.[alische], Sec- 
tion erwahlten ordentl. [ichen] Mitgliedern der Akademie, (wird) 

035 Die Eintragungen dieser Seite mit Bleistift ausgestrichen. 

036 Das folgende Wort teilweise ausgestrichen und nicht lesbar. . 

037 Die f olgenden drei Worter nicht lesbar. 

038 Diese Seite nut Tinte geschrieben. 

308 



sind in Gemaftheit der Allerhochsten Entscheidung, ducch das 
hohe verordnete Ministerium 3 beruhmte Componisten u. Leh- 
rer, der Kapelim. [eister] Schneider, die Musikdir.[ektoren] Run- 
genhagen u. Bach in den akadenuschen Senat berufen worden. 
Das auf deren Antrage berathene Reglement der zu erwahlen- 
den akad. [emischen] Schiiler fur niusik. [alische] Composition er- 
hielt unterm 1 Maj die erbetene hohe Genehmigung (Wir ver- 
sparen die Mittheilung derselben fur eine kiinf tige Gelegenhek) . 
Die Schiiler werden dann den iibrigen Abtheilungen gleich ge- 
stellt. Um zugelafien zu werden, bedarf es der Losung gewifier 
Probeaufgaben. Der Lehrcursus wird im Allgemeinen auf 3 
Jahre festgesetzt. Das Institut renumerirter Eleven wird auch 
auf diese Abtheil[un]g ausgedehnt u.s.w. - 
Die Anfertigung einer besonderen Preismedaille fur die Schiiler 
der musikal. [ischen] Section, so wie Ertheilung anderer Preise 
wird ebenfalls stattfinden. Die Eroffnung der Schule ist auf Mi- 
chaelis d. J. festgesetzt.) 303 



039 (Es ist ein grofi Ergetzen 

zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht. 

Und wie wir*s dann zulezt so herrlich weit gebracht. 

Goethe.} 304 

(Guhr,) Seyfried 

Der Blitz geht gern Kirchthurmspitzen u. hohen Baumen nach. 



An Gottfried Weber. 



Liebesbriefe (an Tonsetzer) 
(An Dehn in Berlin) 



039 rjie folgcnden Absatze mit Bleistift geschrieben, mit Tinte ausgestri- 
chen. 



309 



040 (Das Bremer Theater vertheilt sich nach .alien Gegenden: 
Herr Knaust geht nach Weimar, Krieg nach Weimar, Marchand 
nach Detmold, die Dem. Franchetti u. Giinther nach Mannheim 
u. Leipzig.) 305 

34 041 Das Merkmal unserer Zeit ist das Unstate, die Flucht u. Jagd 
aller Ideen, Traume, Meinungen, Glauben. 

(Mad. Pierscher im Fidelio —15 Juni Frankfurt NB. 042 

Rossini ist nach Italien gereiCt) 306 

Spohr 

^(Oxford -Wellington - 

Die Gefangenschaft Juda's von Crotsch 10 Juni) 

Didaskalia! 

(Carradori Allan in Oxford) 

35 97 T baler. 6. 6. <?. Courent 
10 Doppeltouisdors. 



^(Halle. 20 Juni, Weltgericht (Schneider)) 



An Rochlitz 

{19 Juni, Kohler Orgelconzert) 



(Breslau erscheint Pfennigchoralbuch - Klipplein - 309 
79 Bogen = zz Gr. Carolinen[?]) 



^ 40 Dieser Absatz mit Tinte geschrieben und ausgestrichen. 

041 Diese und die nachste Seite mit Bleistift geschrieben, die Ausstreichun- 
gen mit Tinte vorgenommen. 

042 „NB." und der Absatz „< Oxford" bis „Juni)" mit Tinte geschrieben. 

310 



(Petersburg. 14 Juni - man sieht die Carl ungern fortgehen - 
Liebling des Publicums) 310 



(Malibran in Neapel November 043 zuriickerwartet - Visconti 
furs kiinftige Jahr 185 Vorstellungen - 450 000 Fr.) 311 



UNBEKANNTER: tNisardt 



24 Juni 



SCHUMANN: (Die Hafielt in Niirnberg 312 
Pumpernikel in Munchen zum i mal 
Hellermagazin von Heckel) 313 

6 Frith am listen zu Dresden angekommen, juni 1831. Sonnabend. 
Baarschaft bestand in 50 Tb. - Nro 515. 
1 Louisdor. 
1 Ducat. [en] 
10 in Papier. 
Einzeln. 

26. 14 



5- 


18 


6. 


12 


20. 


- 


10. 


- 


42. 


6 


15 


6 



27 - 



Am 19. 



1 Louisd.[or] 


5- 


18 


2 Ducat.[ten] 


6. 


12 


20 in Pap.[ier] 


20 




Einzeln: 


1. 


12 



33. 18 



Briihl. 318. 



Wenn die Manner leise sind, durfen die Frauen nicht miteinan- 
der reden. 

o« 314 (Nourrit - Sturm von Shakespeare 

O* 3 Urspriinglich „Oct.'\ durch „November" iiberschrieben. 

^ /i4 Dieser Absatz mit Bleistift geschrieben, mit Time ausgestrichen. 



311 



6 Juni, Paganini London, letztes, 045 sonate - (Frankfurt nicht zu 
vergeflen) ) 

von Suffrian 10 (Riem, Hauptmann werden erwartet) 
Barth 25 



37 1 - ~ 3- 4. 

<46> 12 



W 



*F« 



£ 



1. <4-> 





04U Das Theoretisiren zeigt von Mangel an Production. 



045 Dte folgenUeu zwei Worter nicht lesbar. 
041i Dieser Absatz mit Tinte geschrieben. 



Gothe 



312 



04/ (2 Juli - GroBschonau - Schopfung 
20 Juni : London, erste Probe.) 
Schneeberger Musikfest. 315 

Die Belleville trug das Hummel'sclie Amoli Conzert gewifi nicht 
vollendet vor, aber feurig u. hier u. da liederlich. Wenigstens 
stellt es Wieck grofler u. ganzer dar. Sie spielte es am 1 5 ten 
Oct. 316 - Carl. - Sanger aus Heidelberg - 



Das grofle Beyfallklatschen der L. hat meinen Muth gestarkt 
und erhoben. In zwey Jahren bin ich am Ziei u. wahrlich ich habe 
ein groftes Ziel. - 

0/ * 8 Bogen - (Zirkel) - Welienlinie - 

in der Musik, Tanzkunst, Mahlerei 
Linie - 

Baukunst. 

rPoesie J UNBEKANNTER : ^(Wie 050 ) 

I Musik > Wze kann Herlossohn unter Bet- 

Mahlerei J gens Aufsatz schreiben - von 

Baukunst dem geistreichen Verf. ? 

Tanzkunst 

Schauspielerkunst. 

SCHUMANN: 051 Wenn man nun auch Etwas in d. Begeisterung 
geschaffen - und es kommt ein Kritiker u. miBt u. mustertf?] 
mit der Elle - Himmel, was ist das? 



Wer die Kunst versteht, verrath den Meister nicht. Probst. 

°' j7 Dieser Absatz mit Bleistift geschrieben, mit Tinte ausgestrichen. 
° /,s Von hier ab die Eintragungen dieser Seite mit Tinte geschrieben. 
0/51) Dieser Absatz mit Bleistift geschrieben. 

050 UrspriingHch „War", durch „Wie" iiberschrieben und ausgestrichen. 

051 Ober die Seite verteilt Zeichnungen mannlicher Kopfe im Profil, einmal 
mit Studentenmutze. - Der erste Absatz mit Bleistift, die ubrigen Eintra- 
gungen mit Tinte geschrieben. 

313 



Doch Schon'res kenn ich nicht, so lang ich wahle, 
Als in der schonen Form die schone Seele. 



Ueber Kunstdarstellung des Gemeinen - 



Wie oft glaub' ich mich in Wahrheit und Dichtung wieder zu 
finden. 

Zwey Wege f iihren zura Leben - das Ideal oder der Tod. 

Emil Fl.[echsig] 

Man w i r d Phi lister. 



Wer kann vom Genie verlangen, dafi es Charakter haben soil? 
Ueber Selbstbelauschung. 



Ob Studium dem Schwung schade? 



Die Regeln e i n e r Kunst passen zu jeder. Darum les ich Win- 
kelmann oft. 

Es ist mir Alles hell, aber kalt. Wintersternnacht. 



40 ° 52 



Bennecke aus Detmold 
am 10 1 9 50 



053 n. 4. 
1, 25. 

(Schroder 29 Juni letzte Rolle in Berlin) 317 

052 Ober die Seite verteilt drei Zeichnungen weiblicher Kopfe im Profil 
und Strichelei. Die Eintragungen mit Bleistift geschrieben und mit Tinte 
ausgestrichen. 

053 Diese vier Zahlen mit Tinte geschrieben. 



3M 



05ft Valses nobles v. Fr. Schubert: 


Op. 77. 


Fantaisie - - - 


Op. i 5 . 


Rondeau v. F. Ries. 


Op. 144. 


Variations] brill, [antes] v. H. Herz 


Op. 13. 


G moll Concert v. Moscbeles 


Op. 5 S. 


Momens mus.[icaux] v. Fr. Schubert. 


Op. 94. 


Gr.[and] Trio v. ]. N. Hufhel 


Op. S3. 


Gr.[and] Trio v. Schubert. 


Op. 100. 


Gr.[and] Rondeau 3 v. Mayer 




I Rondeau v. Mayer: 




V ariat.[ionen] v. Fr. Schubert. 


Op. 82. 


Concert v. Moscheles. 


Op. 5 6. 


Concert 11 v. Field. 




As dur Sonate v. Weber. 


Op. 39* 


Fis moll Sonate v. Humel 


Op. Si. 


Variationen v. Pixis. C dur. 


Op. 8. 


Gr.[and] Exercice v. Czerny. 


Op. i 5 i. 


A moll Concert v. Hummel 


Op. Si. m 


G dur Var.[iationen] v. Moscheles 


Op. 42. 


Fantaisie (G-dur) v. Schubert. 


Op. 7 S. 


Momens mus.[icaux] v. Schubert. 


Op. 94 . 


Rondeau 11. (E moll) v. Mayer. 




Etiiden v. Cramer. 1. 11. Cahier. 




Leggerezz# e Bravura v. Czerny. 


5 S. 


v. Hummel. Moscheles. Steibelt. 




Trois Sonate v. Clementi. 


Op. 50. 


Sinfon.[ia] eroica v. Beethoven. 


Op. 55 . 


Concert v. Herz. (A dur[)] 


Op. 34. 


Toccata v. C. Mayer. (E.dur.) 




Lieder v. Wiedebein 




Concert v. Ries. Es dur. 


Op. 42. 


Concert v. Ries. C. moll. 


Op. n 5 . 


u. andere in einem Heft 




Humels Clavier schule 




Studien v. Moscheles. 


Op. 10. 


Variations] brill.[antes] v. Marschner 


Op. 10S. 


Rondeau v. Humel: 


Op. 56. A-dur. 


Toccata v. Czerny. 


Op. Ql. 


Concert v. Ries. . 


Op. 54* 



054 Die gesamte Aufstellung der Kompositionen mit Tinte geschrieben. 

315 



Gr.[and] Conc.[ert] v. Bohner. Op. 7. 

Alexander mar sch v. Moscheles. Op. 32. 

Rondeau v. Weber. Op. 62. 

Concert i>. Kalkbrenner. D moll. Op. 61. 

Fantaisie u. V ariat.[ionen] v. Kalkbrenner. Op. 72. 

UNBEKANNTER: 055 Joh. Gottl. Ehrlich med: pract. in Lock- 
witz b. Dresden 

SCHUMANN: (Vorletzte Rolle - Schroder - Euryanthe - Ber- 
lin am 27 Juni. 317 
Malibran Beriot - Briissel, London) 

055 y on jjjgj zh die folgenden Eintragungen mit Bleistift geschricben, die 
Ausstreichungen mit Tinte vorgenommen. 



316 



Anschlag der Reisekosten - 

Abfartb v. Heidelberg am Z4sten September 

Freytag fruh 4 Ubr. 
Mit Dampfboot nach Mainz (Mannheim) 4 Thaler. 

25. v. Mainz nach Coin 5 Thaler. 

26. von Coin nach Dusseldorf 4 Thaler. 
2j. 28. von Dusseldorf nach Detmold 6 Thaler. 

19 th. 
Ueberschuss 17 th. 



36 th. 



Zur Reise mitgenommen. 

2 Paar Socken 

2 Paar weisse Handschuhe 

2 Hemden 

6 Vatermorder 

2 Chemisettes. 



Mistress Streatfield to Angleterre 
Mr, u. Miss. Grinzf?] 



Overmann empfdngt nicht oft. 



5*7 



44 ^Mittwoch am listen Septemb. 30. Katzenjammer. 



Schulden. 








Topken. 


5- 24 


+ 


abbezahlt = Rest 


Scblirsbeim 


5- 24 


+ 


_ 


Borngasser. 


100. 




100 


Overmann. 


30. 


+ 


20 10 


Schneider, 


120 ft. 




60 — 60 


Sprengel. 


19. 


+ 


_ 


Schumacher. 


26 ft. 




26 


Lauf. 


1 5 ft. 


+ 


- 


Sattlermuller. 


33 ft- 




33 


Mays 


no ft. 




no 


Ritzhaupt. 


300 ft. 




110 180 


Reichardt. 


7 o ft. 




- - 


Steitz. 


30 ft. 




20 8. §4 


Aufwartung. 


.16 ft. 


+ 


- 



867 ft. 48 X 



537-54 



Am listen erhalten von Rudel 200 Thaler 



200 th 



Brauch ich : 


zur Reise 




36 Thaler 


Bleiben zut 


• Schuldenbezahlung 




164 Thaler 
164 = 287 Fl. 


u. z&ar an; 








Schneider. 


60 ft. + 




60 


Eimer. [?] 


26 ft. 






Ritzhaupt. 


110 ft.™ + 




110 187 


Overmann. 


35 ft' 




136 


Steitz. 


10 ft. + 




10 5/ 


Aufwartung: 


nfl- + 


16 


15 J£ 


Wichsier. 


14 ft. + 


14 


14 19. 


Post. 


7-ft- 




7 *5- 




187 ft.™ 




136 



056 An der rechten Seite dreimal „Rudel" untereinandergeschrieben. 

057 Anstelle der ,,2" urspriinglich „}". 

058 Von hier zog Schumann eine Verweislinie zu den rechts oben stehenden 
,,287 FI.". 



318 



Galignanis Messenger, Nro. 49$h Saturday 28 Sept, 10 
The Francfurt Journal of the g tb states that upon the populace of 
Dresden assailling the Hotel of the Police, all the papers and 
furniture were thrown into the street before the building was set 
on fire. Similar excesses were committed at the Hotel de Ville. 
Prince Frideric son of Prince Maximilian, and nephew of the 
King, presented himself to the people and was received with the 
most enthusiastic acclamations. A Burgher Guard is organised. 
The King has retired to Konigstein. His abdication and that of 
his brother is hourly (stundlich) expected in favour of Prince 
Frederic, who is extremly popular and has declared himself in 
favour of the reforms demanded by the majority of the Saxons* 319 



NB. Mays Termin bis ersten November. 



NB. Secbzig Gulden auf Ehrenschein bey Deussler bis ersten Ja- 
nuar 18 31. 



NB. Steitz bis zum letzten October neun Gulden 



NB. bey Ritzhaupt 180 ft. bis 30 Januar 



Strassburger Nationalized. 

Mort aux tyrant, I vengeance et liberie I 
Ce cri de guerre est le cri de France; 
Et dans Paris de meurtre ensanglante. 
Un long murmure a repondu vengeance! 

Aux armesl c'est dans les combats 
Que la liberie nous appelle 
jurons d'y mourir en soldats, 
Ou de ne vivre que pour elle, 
Rien que pour elle! 



319 



V oppression, a Vair plein de fierte, 
Voulait sur nous faire eclater la foudre, 
Massue en mam Vauguste liberie 
En tin seul jour la reduisait en poudre. 

Us esperaiente, ces fils de Loyola, 

Voir notre France et soumise et craintive 

Mais notre courage etait la 

Et chaque Jesuite trembla, 

La France est sur le qui vivel 



Dans ce combat il faut vaincre ou mount. 
La Liberie ne jut jamais craintive; 
Laches, qui ne savez que fuir, 
N'esperez jamais revenir, 
Car la France est sur le qui vivel 320 



47 



Auf d. Weg v. Minister n.[ach] Paderborn 



Allegro 




320 



Von Paderborn n. Detmold 



321 



Allegretto al Paganinj 




eS 



B?k 



B& 



s^ 



?IP 



lp 



£1 



y=i 





059 Es kann vorkommen, daft Einfachheit eine kunstlerische 
Siinde wird. 

059 p^ ^j e Eintragungen auf dieser Seite wurde das Heft Im Querformat 
verwendet. 



21 Schumann, Tagcb. 1 



J2I 



UNBEKANNTER: MS E. Schulz. 

33. g f Portland Street. 

Oxford Street. 

London 

SCHUMANN : Theodor Topken, Berlin Konigsstrasse Nro $9. 



August Lemke aus Danzig, Heidelberg, Hptstrasse im 
Scbwan. 

Fritz Weber, p.[er] Adrefie GeneralconsulWeber in Triest - 

49 Zu schreiben an : 

Topken in Berlin 

Lemke in H.[eidelberg] Schwan. Hptstrasse. 

Roller. 

Mays. 

Bur germeister Ritzhaupt. 

Borngasser. 

Sattlermuller. 

Rosen in Detmold. 



Dichterleben. 

„In die See mocht* ich binaus" 

Eine grosse Heimath hab' ich - die Welt. 

Die Wallfarth nach dem Ocean - 

Und knupfst freundlich die Gegenwart 

An die Vergangenheit u. Zukunft - 

Warum? - 

Warum ich weine? 

Warum ich dicbte? 

Warum ich liebe? - 

Philomela. 

Die Gespielen des Jiinglings. 

Schmetterlinge. 

Blumenfeuer. 

Alpenmenschen. 

Der Rigi - 



322 



Venedig - 

<>m Son7ienblume u. Viole - 

Raupe und Schmetterling. 

Tasso. 

Rube, 

bessre Variat.[ion] auf „Wdr ich ein Stern" 71 



> Revolten im July - September so. 



Paris. 

Ganz Frankreich - 

(Unverburgte) Unruhen in Neapel, Spanien, Portugal, Piemont. 
Grosser Auf stand in den Niederlanden, Brussel, Verviers 
Auf stand in d. preuss.fischen] Rbeinprovinzen, 

Aachen, Coin, D usseldorf , El b erf eld , 

- - - in Hamburg Adde: 

- - - in Leipzig inCarlsruhe 
---inCassel - Hildesbeim 

- - - in Braunschweig -Dresden 

- - - in Darmstadt - Hannover sche 

- - - in Ma Hand (unverbiirgt) - Altenbur g 

- Bautzen 

- Chemnitz 

- Frankfur,t 



Franzdsisches Vaterunser nach dem Strafiburger Original copirt. 



Unser gewesener Konig, der du bist ein Hallunke; dein Name 
werde verwiinscht; dein Reich komme nimmer iiber wis; dein 
Wille geschehe weder in Frankreich noch anderswo; gieb uns 
heute die 46 Millionen zuruck, die du schuldig bist u. vergieb uns 
unsere Schuld, dafi wir dich nicht schon lange zum Teufel gejagt 
haben, wie wir auch vergeben deine Schurkerey; fuhre uns nicht 
in Versuchung, dich wieder zu unterstiitzen aus Frankreich, son- 
dern erlose uns auf ewig von deiner hafilichen Gegenwart. Denn 
aus ist dein Reich, deine Macht u. Herrlichkeit in Ewigkeit. 
Amen ! 

060 Die folgenden vierZeilen mitTinte,die letzte mitBleistift geschrieben. 

21* 323 



Cop.[iert] Mannheim, ijten Sept. 30. 

Son.[ett] 126. 

322 In welchem Himmel, welchen Idealen 
Hat die Natur das Urbild ausgehoben, 
Des holden Angesichts, das nun, uns droben 
Das leisten kann, hieniden selber, maien? 
Hatt eine Nympfh' im Hain, in Quellenthalen 
Die Locken so aus feinem Gold gewoben? 
Wies je ein Herz so aller Tugend Proben? 
Schafft gleich das Ganze mir des Todes Qualen. 
Der kennet nie der Schonheit hochste Preise, 
Dem ihrer Augen Anblick nicht gebrochen, 
Wenn sie so lieblich sie bewegt im Kreise. 
Nicht kann, wie Amor heilen kann u. stechen, 
Wer nimmer kennt der Seufzer holde Weise, 
Das holde Lacheln u. das holde Sprechen. 



Son.[ette] 270. 198. 179. 174. 173. 154. 143. 133. 131. 121. 120. 28. 



Am 1 1 ten September 
im Museum geschr. [ieben] 
Nachricht von d. Leipziger Exzessen auf d. SchloBer 



Topken - Konigstrasse Nro 39. 



Abscbied v. Philippine am Fenster am listen Abends 5 Ubr. 



Abscbied v. Clausewitz, Babr, Wentzky, Minningerode, Jacob], 
Maurocordatol?], Hoffmann, Freywald, Auerswald. 

52 * 323 Je mehr dem Tag ich nahe, der beschieden 

Zum letzten Ziele und der irdschen Plagen. 
Je rascher, fluchtger, scheint die Zeit zu jagen, 
Je eitler, was yon ihr ich hoff t' hienieden. 

324 



Ich sage meinem Sinn : Bald ist's entschieden ; 
Nicht viel mehr werden wir von Liebe sagen 
Die Erdenlast, so hart u. schwer zu tragen, 
Zergeht wie frischer Schnee; dann giebt es Frieden. 

Denn noch mit ihr wird jene Hoffnung weichen, 

Die zu so langen Wahn verf iihrt die Seele 

Und Lachen, Weinen, Furcht u. Zorn des Lebcns 

Kann seh'n nur klar, wie man so oft sich quale, 

Um unheilsame Dinge zu erreichen, 

Und wie so oft man seufze ganz vergebens. 



Son.fett] 28. 

32 '*Einsam, gedankenvoll, die ird'schen Lande 
Geh ich durchmessend, langsam u. verdrossen 
Und wend umher den Blkk, zur Flucht entschlossen, 
Wo Menschenspur sich eingedriickt dem Sande. 

Sonst find' ich keine Wehr zum Widerstande 
Beym scharfen Spahn zu dem gleichen [?] Genossen, 
Weil Gang u. Blik, der Frohlichkeit verschlossen, 
von auBen zeigt von meinem innern Bande. 

Sodaftich 061 

Berg, Wald, Gefild u. FluB, von welcher Weise 

Mein Leben sich den Andern ich verhehle, 

Doch weifi ich nicht 002 

So weich u. mild, daft Amor dich recht leise fehie. 063 

061 Die folgenden Worter nicht lesbar. 
002 Die folgenden Worter nicht lesbar. 
063 Die folgenden Worter nicht lesbar. 



325 



Tagebuch 6 

Leipziger Lebensbuch 1, 11.5.1831-23.8.1831 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 4871 VII A/a, 3 A3 

Das Heft umfafit 24 Blatter, Format: 19,2 X 12,8 cm. Erstes und 

letztes Blatt sind leer, alie anderen Seiten sind mit Tinte be- 

schrieben. 

Von Schumanns Hand ist die Bezifferung der jeweils ungeraden 

Seiten 3,5,7 etc. Die Seitenzahl 18 ist mit Bleistift von fremder 

Hand nach 19 berichtigt, die Sekenzahlen 1 und 45 sind eben- 

fails mit Bleistift hinzugefiigt. 

Die Riickseite des hinteren Umschlagblattes tragt die mit Blei- 

.4.8*71 

stift geschriebene Signatur — . Auf Seite34 sind zwei 

VII, A3 

orangefarbene Papierstreifen eingeklebt. 

Restaurierte Seiten: 19 rechts unten; 2 links. Alle Blatter wur- 
den vor der Fadenheftung durch Papierstreifen verstarkt. 
Das Tagebuch hat einen Kaliko-Einband mit Titelschild, das 
aufier der Signatur die Aufschrift tragt: Robert Schumann / Ta- 
gebuch 3 : / Leipziger Lebensbuch / (I) / 11. V. - 23. 8. 1831. 
Sein Erhaltungszustand ist gut. 



327 



Leipziger Lebensbuch, 



Aber nur die f est g e h a 1 1 e n e Hand halt f est und der Him- 
mel steigt nicht zu uns hernieder, es sey denn dafi wir zu ihm 
hinaufklimmen. 



Siifie heilige Natur 
Laft mich gehn auf deiner Spur 
Leite mich an deiner Hand 
wie ein Kind am Gangelband. 



328 



Ideen - und Lebenslauf. 



Leipzig am uten Maj. 183 1. 



Ich nehme mir vor, jeden Tag Etwas herzuschreiben, 
es mag so schon seyn wie's wolle. 



Elfter Maj. 
Mit wiisten Kopf aufgestanden - Ordnung meines Gelderbuches 
und sonstige solide Gefuhle - Wieck gestern : wenn so ein Ge- 
lehrter Geld herzahlt, wird's einem schlimm pp. - Liihe gestern 
im Garten - herrlicher Mayglanz : Er mochte gern etwas aufter- 
ordentliches schreiben, etwas, was noch nicht da gewesen ware; 
er selbst mochte sich des Dichterdunkers drinnen nicht bewuBt 
werden - Ich: nur Alles von selbst; der Mensch hat eine Ab- 
scheu vor der Absicht. Ueberhpt viel Ideen iiber Empfind[un]g 
der Reflexion, Reflexion der Empfindung, Bewufitseyn 
des G e n u ft e s , Objectivitat u. Uebergang zur Subjectivitat, 
Selbstbelauschung, Geniusblitze u. Schwung der freyen Natur, 
erstes Leben pp, die ich erst ordnen und trennen mu6. Dann iiber 
porn und Urtheil - Harring's Urtheil iiber mich: ich sey ein 
arroganter Mensch u. hielt mich f iir eines der grdfken Genie^s - 
iiber meine Zerstreutheit bey'm Clavier - ob man iiberhpt (bey) 
in der Kunst (darstellenden) nachdenken miifie - 



Des Morgens schon geiibt u. gespielt - Field's drittes Rondeau - 

es funkelt u. blitzt ordentlich drinnen mit tausend Augen, 

Pfauenaugen, Himmelsaugen, Madchenaugen, Mayaugen - zu 

Haus gegessen - mein Exercice mundiert - rafF dich zusam- 

men 

und gib endlich von dir. Himmel! wenn das so fortgegangen 

ware! 

Ich glaube, die groftte Seligkeit besteht in der reinsten Niichtern- 

heit ; Nektar macht nicht betrunken. 

Nachmittags Liihe ; spater T a i 1 1 e f e r - Uebersetzungen aus 
Jacobi's Allwill 85 . Liihe tappt noch herum in der 



329 



Kunst u. ist darum poetise h; wenn Einem 
aber Alles klar und offen wird, so bestimmt 
sich der eigentliche Werth erst sicher. Ha- 
mann mdchte skh auch nicht gern gahz verstehen. 
Ich glaube im Allwill wird die Menschheit, als Egoismus (mora- 
lischer), in alien seinen Gestaltungen und Schatten geschildert. 
Unschuld - Unschuld — 



Einsamer Spaziergang u. Thee nach Riedel's Garten - ohne 
Ideen aber mit 01 Genufl - Abends noch Glock - Der Teufel 
ware gebannt - Gl.[ock] hat wenig Eigenthiimliches als das 
Feuer, mit dem er anderes vortriigt - seine polit.[ischen] Ra- 
sonn.fements] taiigen nichts, wie iiberhaupt alles leidenschaft- 
liche - dann heitre Traumnacht und einziger Traum von hundert 
bliihenden Kindern mit Kranzen, die um midi tanzten u. Alle 
roth waren - Gestern hatt' ich einen noch schonren - wie reimt 
sich dies mit meiner Krankhek? 

Ich konnte nicht einschlafen u. bediente mich meines alten lang- 
samen hin her gehenden Perpendikelmittels, was vortrefflich 
einschlagt. 

Zwolfter Mai. Himmelfarth. Donnerstag. 



Und welche? - fnih ging's schiecht mit der Wunde u. Glock 
machte ein verlegenes Gesicht - Schmerzen beifiend u. fressend 
- es ist so ein halber - gebt so mir einen ganzen, einen Lowen, 
der zerfleischt, aber nur keinen kleinen nagenden ! - 



Viel Clavier gespielt. Field's Rondeau, Moscheles dritte Etude, 
mein Mittelsatz - sehr locker die Tonleitern - 



Nachmittag Chr.pstel] blafi - Mittheilungen - nur Schuld ge- 
biert die Nemesis — 



01 Ursprunglich „ohne", durdi „mit" uberschrieben. 
330 



Theilweise Abspannung. 



So wie Leben ohne alien Abschnitt, ohne alle und mit ewiger 
Abwechlung, schlaff macht, nichts einleuchtend, wie Mai. - 
Spater Renz - Ekei - m.[eine] Unvorsichtigkeit. dann Glock - 
Trost - zu Riedel - Carl [Schumann] beym baierschen Bier, aber 
sehr gut - Luhe fand ich nicht zu Haus - warmer Abend - krank 
und todt - in der Nacht Schmerzen - leichter Traum - 



Dreyzehnter Maj. Freytag. 
Friih auf - meine Nuchternh[ei]t belohnt sich; sehr schon ge- 
spielt - weicher Perlenanschlag u. Perlenfantasie. 
Wenn man so mitten in Freude sitzt, kommt einem etwas Fatales 
dazwischen, diesmal dieser R[en]z mit Trip. - Gestandnifie; 
dann in Rudolphs Garten - Dr. Hecker hat Etwas, er ist still, 
laut, gemein, sonderbar nobel, grob, ohne Witz - lachelt aber 
hochstens - der Gr[af] Biinau - Carl [Schumann] - Unruhe we- 
gen R[en]z - urn 4 Glock mit der Chr.[istel] - Entdeckungen - 
ich in der Kammer - sehr wenig Schmerzen, im Geist ungemein 
frisch u. scharf. - Verband - dann zu 

Eduard [Schumann] bey Kratze - knill aber lustig - Moritz 
S.[emmel] „ich hatte ekien Schufi, Stich, raptus pp" - lederner 
Spatziergang - lederner Aufenthalt bey Luhe - lederne Liini- 
che[?] - zu Hause Fantasie u. welche voll Engelsgestalten u. 
Seraps 325 aufschauenden Augen - Abends Theorie von We- 
ber 326 - 

Ach diese Theorie, diese ganze Theorie ! Konnt' ich nur ein Ge- 
nie seyn, um alle Lumpen damit todt zu machen, mochte ich 
sie nicht alle in eine Kanone laden u. irgend Etwas damit todt- 
schieCen ! 



Wieck ist s[ei]t gestern mit Langenschwarz nach Aitenburg. Letz- 
terer scheint ein guter, ungezogener Junge. Wenn ich nicht irre, 
so ist er auf seine Bescheidenheit etwas e i t e 1 ; denn er sagt 
die unverschamsten Sachen von sich mit aller moglichen Be- 
scheidenheit 

Schon geschlafen, ohne Traume. 



331 



Vierzehnter Mai. Sonnabend. 
Ich entsinne mich, dafi ich in meiner Kindheit mich vierzehn 
Tage zurukbesinnen konnte, Stunde fiir Stunde, Wort fur Wort. 
Heute kann ich mich kaum auf gestern. Es ist Sonntag heut und 
zwar ein recht mailandischer. 



Clavierspiel gestern recht zufrieden u. Fortschritte. Sollte Wieck 
mk dem Studiren recht haben? Die alten Sachen. 



Die Wunde gut u. ohne Schmerzen. 



Nachmittag bey Riedel nichts zu bemerken. 



Urn 5 zu Eduard [Schumann]; der Schoepferische Kassierer .-■ 
dann in die Opera Italiana in Algeri 327 - Rossini - Schmetter- 
ling! aber nimmst du das bischen Farbenduft weg, so bleibt 
nichts als ein mattes, glanzloses Gerippe. Buffo Benincasa. Mor- 
lacdri's Direction. Sonst manches ; ich bin jedoch zu 
7 faul, heute weiter zu schreiben. Der Nachtwachter blafit. - 



Drey u. zwanzigster. Pfingstmontag. 
Abends bey Wieck - Fritz Kummer - Langenschwarz - die Velt- 
heim - Jettchen Wieck - Mein Mifibehagen in Gesellschaften der 
Art, was woll auch gekrankte Eitelkeit seyn mag. Ich verhehle 
mir keines. Mich fortgeschlichen. Mondabend. Krangel. Im Bette 
Charakteristik Heloises v. Herder im 6ten Bd. v. Litteratur u. 
Kunst 328 . Abalard 329 kann mich begeistern, ist aber zu schwer fiir 
meine philosophischen Talente. Chr. [istel] auf eine Minute. 

Vier u. zwanzigster. Pfingstdienstag. 
Glock seit gestern verreifk - die Wunde leidlich - der Schmerz 
nachlassend - den ganzen Tag matt, verdrieGiich, nichts ganz 
selbst beym besten 02 
Abends Don Giovanni 330 / 



02 Das folgende Wort nidit lesbar. 

332 



Wieck am 23sten: in zwey Jahren erklar* ich offentlich das ganze 
Hummel'sche Clavierspiei fur ein Schulmeisterspiel. - Seine 
Reise werde ein europaischer Triumphzug seyn u. die des Paga- 
nini iibertreffen. Was i c h in zwey Jahren seyn wiirde, wolle er 
mir bey meiner Abreise v. hier aufschreiben, von mir versiegeln 
lassen u. dann zuriickgeben. Ueber mein Conzert 331 : es sey meine 
beste Arbeit - ich spiel es zu monoton u. die Passagen waren 
sich zu gleich in sich selber 03 einander. Clara [Wieck] studirt 
das Es dur v. Moscheles ein, fing heut an. - 



Fiinf und zwanzigster May. Mittwoch. 
FruhGewitter - Clavier schlecht -Var.[iationen] v.Herz.Op.^tf 
mir zum Einstudieren - die Moschelessche Etiide angstiich 
u. unsicher - Woher kommt das? vierzehn Tage daran gespielt, 
aufmerksam u. beharrlich 

studirt - es scheint, als ob in der ersten das blofie Leben u. der 
frische Geist u. Reiz die Mechanik iiber sich selbst hinaushobe; 
spater wo dieser verlischt u. jener schwacher wird, bleibt dan 
Zeit lange die trpkne, kalte Taste; Aber sollte dann nicht die 
Zeit kommen, wo dann das Stiik ihn spielt, so ganz miifite es 
seyn. Ich habe wohl ein Ideal u. es ist audi zu erreichen. Fahr' 
ich so fort, so zittre ich nicht. 



Von Riedel mit Liihe zu mir. Die Polonaisen von Schubert hoch- 
ste romantische Schwarmerey - dann Taillef er - Uebersetzungen 
aus Jacobj. -Taillefer wie vernagelt. -Staatszeit[un]g. -Abends 
bey Probst - hat s.feine] Handlung verkauft 332 - sonst sehr zer- 
streut u. ohne Gedanken - mein Exercice ihn vorgespielt - lobte 
mich - horte nur gerne spielen - Um 10 Uhr nach Haus - dann 

Chr.[istel] u. Altane vorne Mondschein - die Wunde 

leidlich. 

Ueber den Genius, der sich selbst nicht versteht. 
Ueber poetische Kunstdarstellung des Gemeinen. 
Ueber das In den Geist eindringen. 



03 „sich selber" uber der Zeile eingefugt. 

333 



Sieben und zwanzigster. Freytag. 
Des Morgens ging Ailes miserabel - gan'z miserablinsky - Nach- 
mittag bey Wieck - sehr theilnehraend gegen mich - ich wurfe 
die Herzischen Variationen wie einen Hund hin - charakterisirt 
richtig - ich kann ohnmoglich heucheln oder die Leute raerken 
die Verstellung im Augenblicke - bey Claren [Wieck] kommt es 
von innen heraus - dann iiber meine Finanzen - Bedenklichkei- 
ten u. verniinftige Ansichten von seiner Seite - in Grafe's Garten 

- die 

Alpensanger 333 - Langenschwarz mit Brustkrampfen - iiber seine 
Balgereyen - dann Clara [Wieck] - ihre ungeheure Leidenschaft 

- verlirt den Hut vom Kopf - rennt Tisch u. Stiihle urn - kiihler 
Mondabend - Clare'n [Wieck] nach Haus gefuhrt - das erste 
bayersche Bier wieder - Abends im Robinson - 



Die Philister u. der Lumpenkonig. 334 Biographische Skitze von 
Tizian. 



Die Schubertschen Marsche - der Degen, Federhut, Schnabel- 
schuhe, aufgeschlitzte Hosen - Seviila - Barzelona - Orangen - 
kurz spanisch-merkwurdiges Zusammenempfinden mit Wilibald 
[von der Liihe] 



Chopin's Variationen zu rezensiren. 335 



Der Egoismus in alien seinen Gestaltungen und mit den Gegen- 
satzen dieser. 



Im Gewitter sollen die Menschen langsam gehen; aber sie thun 
es eben nicht. 



Ueber, dafi alles (audi die Schonheit) Gewohnheit sey, aber nur 
der Genius nicht; die gottlichste Gabe sey am sparlichsten ausge- 
theilt. 



Der Schmarotzer. 
334 



Neun und zwanzigster. Sonntag. Trinitatis. 
Clavier nichts, g[an]z schlecht - auch keine Kraft zum Fortstu- 
diren - Nachmittag zu Liihe - schandiicher Anschlag - Abends 
in Riedels Garten - Nichts - Nichts - gute Laune - Nichts - 
Schone Trinitatis - 



Mit Glock etliche zwanzig Hefte Schubert'scher Lieder abge- 
schnen ! 



o Ein u. dreyfligster Mai: Dienstag. 

Moscheles neue Symphonie 336 - mein Urtheil dariiber - mit Clara 
[Wieck] gespielt - ohne Genius, Fantasie, Melodie, selbst scho- 
ner harmonischer Flufl u. R[h]ythmus fehlen - schreib keine 
zweite, Moscheles! - Wiecks Urtheil iiber mich gegen Liihe - 
Ein Klavierspieler Petschke aus Dresden, Bruder vom Dr. - 
Abends maurische Fantasie, die ich wohl einen wehmuthigen 
Donquichotte vergleichen konnte. 



Zur Abwechslung f olgen die Grundharmonien nach Weber 337 : 

b) 
a) 7kl.[ein] 7u.3ki[ein] alleskl.[ein] alles gr.[ofi] 



Dreiklangs- Vietklanggrundharmonien 

Ueber meine Vorstellungskraft. 

Ueber Anerziehung der Schonheit u. iiber Genius-Schonheit. 
Ueber das Mitteinstehen zwischen Empfindung u. Reflexion. 
Ueber Anempfinden u. An-denken. 



Rosenthaler Gesprache fur d. Kometen. 338 



Zum Schneider wird man geboren, zum Schuster wird man er- 
zogen. 



335 



Der zweite Juni war ein Hundetag 



Vierter Juny. Sonnabend. 
Ueber, daC alles Gewohnheit sey. 

Friih endlich zu Dorn. Gedankenloses Schweifen. Auf einmal 
klopft Liihe lachend auf die Schultern; Sprach Tags vorher von 
Schwachheit, weil ich meinen Willen nie unterordnen wolle. Ich 
sagte, es ware Ueberflufi an Kraft. 

Bey Dorn. Die Donnana Wartete vor der Thure - rath 

mir vom Drucke ab - es ware iiberraschend, neu, ja Alles - u. 
doch thut er's, da er wiifite, daflich 

mich spater argern wiirde. Ich verstand ihn nicht recht. Das Ja- 
cobi'sclie „Wohlgefuhr t scheint dem Exercice zu fehlen. Daft nie 
ein Genius selbst ohne Interesse ist. Der Sporn suche mich, des 
Ruhmes nahmlich. Bewufkseyn, sagt* ich, sey Tod ; Bewufitseyn, 
sagt er, sey hochstes Leben. Aber keine Poesie, sagt ich: Er: das 
wollt* ich nicht sagen. 

Zu Liihe u. Alles gesagt. Taillefer. Keine Lust zum Spielen. 
Glock. Das Frenulum gebissen von Narzissenwasser. Abends 
bey Riedel Conzert 339 . Wilibald [von der Liihe], Chambertin°\ 
Ich in einen angenehmen juste milieu nach Haus. 



Abalard, Abalard! 



Anstand (ist) zeigt sich im 05 Maft des Wohlgefiihls, das man An- 
dern beybringt. 

Fiinfter Juny. Sonntag. 

Abends im verdammten E. T. A. Hoffmann gelesen. Klein Za- 
ches 340 u. hafiliche, ekelhafte Grundidee. 
Glock sagte, ich sey tappisch im Leben, was mich derb faGte. 
Liihe: ich muflte unter die Soldaten gehen, daft ich Subordina- 
tion lernte. 

Idee zu einer poetischen Biographie Hoffmanns. 
Musick, wie bist Du mir ekeihaft und in dem Tod zuwider! 

04 Urspriinglich „p'\ zu „b" verbessert. 

05 , ? ist" spater gestrichen, „zeigt sich im" spater uber der Zeile eingefugt. 

33 6 



„Man miifite die Musick von innen heraus hdren.f"] 
Ueber Beethoven'sche u. Schubert'sche Fragmente. 
Man wage kaum zu athmen, wenn man Hoffmann liefit. - 
Anschlag ist Auffindung des vollkommensten Tones. Mechanick 
- Taste - Fertigkeit - Technick - Ausdruck - Gegenwart - Au- 
genblick - Vorberekung - Absicht - Studium - iiber musikali- 
sche cut de Paris - 
2 Unschuid der Darstellung - Erweckung einer Idee durch fremde, 
etwan Wechselwirkung u. Absonderung des Eignen - 

Venedig ergreift deshalb so, weii alle Erinnerungen der Zeit in 
einem kleinen Raum beschrankt sich zuriickspiegeln - dem Mar- 
kusplatz. 

Sechster Juny. Montag. 

Im Hoffmann gelesen, unausgesetzt. Neue Welten. 

Bergwerke zu Falun. 341 Operntext, der mich sehr begeistert. 

Abends bey Wieck. - Fr. Kummer. - Violinspieler Miiller - 
Liihe - Dr Cams - Langenschwarz - Dorn - Hofmeister - ein 
Dresdner Rezensent, der von Individuen sprach — Fr. Ortlepp. 
Cantor Weinlich. Jettchen Wieck mit ihrem verungliickten Wink- 
ler. Der Improvisator [Langenschwarz] spielt eine schlechte 
Rolle - kein Haus steht ihn an. 
Chopin's Variationen. 

Duett von Lasseck und Kummer, von Clara [Wieck] und ihn. 
Trio von Pixis. 

Chopin's Variationen, wiederhohlt. 
Bravourvariationen von Herz. 

Dorn: Ihr Treiben gefallt mir nicht, Sch.[umann] I c h : freut 
mich. Dorn : Sie sollen nicht gerade todt aergern, aber - - 
Wieck zu Kummer: ich wiinschte, Sie kennten ihn naher, in 
u. zur Musick geboren wie ich konnte vor lauter Hypochondrie zu 
Nichts kommen. 

L ii h e : glauben Sie, es stekt Etwas in ihm: „ja" - es merkt's 
aber Niemand - Um 1/4 12 nach Haus 

( Siebenter Juny. Dienstag. 

Communalgarderevue 342 und sachsische Gefuhle. - Vormittag 
bey Clara [Wieck] - Sie zeigt mir ihr Tagebuch, nachdem sie 
am 1 3 September 18 19 auf die Welt kam. 

22 Schumann, Tageb. 1 337 



Was soil man vom Alten [Wieck] denken, der noch gestern au£ 

seine Seligkeit schwor: Clara [Wieck] ware erst 10 1/2. - Haben 

dergleichen Erbarmlichkeken Namen, aufier diesen? 

Mit Glock in Rudolps Garten. Vorfeier meines Wiegenfestes. 

Juvenalis trinkt Kaffee - sein offerer Cavalierstolz im Bettelsak 

gefallt mir nicht, sonst freilich. - 

Glock's grofie Seligk[ei]t, scheint wohl die mit gedriickten 

Menschen umgehen zu konnen. Von Goethe sprach er wie von 

Schulkammeraden. 

Von gestern hatt' ich noch manches nachzuhohlen an ihm - 

Zu Krangel. 

Unterwegs Meyer aus Zwickau. Staatszeit[un]g. Bliithenhimmel. 

Ich kann kaum rein-selig mehr seyn. 

Mit Glock zu Rudolps. Chambertin - Champagner. - die Hor- 

nisten - Ueber: Epicur = Don Juan: Plato = Faust: verhielten 



sich wie Praxis u. Theorie. 1st vielleicht gut. Sonst wenig Genia- 
lisches. 

Ich kann mich einer ahnlichen Laune nie entsinnen. Ich fuhlte, 
dafi Glock meine Verstellung merkte: u. wollte das Geriihl nicht 
sehen lassen. 

Dann war's mir als ging meine ganze Zukunft an mir voriiber. 
Und ich sah das entsetzliche Elend u. die entsetzliche Armuth an 
Allem. 

Aber wenn erst die Zeit kommt, wo alle Blatter ausgefallen sind 
u. die Fantasie nur Leichen u. Todte hat, wo kein Lebensgeist 
mehr treibt u. Alles Tasse oder Henkel oder Note oder Buch- 
stabe ist ! 

Dann Zungengefecht - und Hemdscene zwischen der Thiire - 
Am selbiger Stunde vor 3 Jahren sah ich Glock zum erstenmal. 
14 Tiefer Schlaf wie vor meiner Geburt. 



Achter Juny. Mittwoch. 
Erster grofter Lebensabschnitt. 
Allein dazustehen u. den Wolken Trotz zu bieten! 
Was konnte wohl aus dir werden. 
Was ist ein Tagebuch als ein lahmer Eitelkeitsspiegel. 
Das Rinozeros Juvenal - raisonnirt, larmt, geht auf u. zu - ich 
glaube, er meint's gut mit mir. 

338 



Unangenehmes Gefuhl von mir an Gestern. Anstand - Wohlge- 

fiihl - In seinen vier Wanden ist Jeder eine lebendige Grazie 

u. macht gewift Alles mit grofker Ungeniertheit, Anstand u. Na- 

turlichkeit. Nur die Furcht der Offentiichkeit u. Beobachtung 

macht ungelenk. Bey mir mein blodes Auge, was iiberhaupt einen 

grofiern Antheil an meiner Lebensart hat, als sonst Etwas. 

Was verlier' ich u. hab' ich nicht schon dadurch verloren? 

Mir ist's manchmal, als wolle sich mein objectiver Mensch vom 

subjectiven ganz trennen oder als stand* ich zwischen meiner Er- 

scheinung u. meinen Syn, zwischen Gestalt und Schatten. Mein 

Genius, verlaBt du mich? 

Es gelingt mir jetzt besser, meine Emfindungen in Worte, als in 

Tone zu bringen. Sonst war's umgekehrt. 

Verstellung ist Todsiinde an der Natur begangen. 

Die Idee vom „Abalard" ist wahr; aber der Schlufi nicht eben 

poetisch. Handlung miifk' ich freilich noch einlegen. 329 

Glock mir Beruhigung. Juvenal nennt mich bescheiden und doch 

so rucksichtlos, zu Zeiten ware ich unausstehlich, faul, besoffen. 

Ich las ihm die Charakteristik von Flechsig vor. 

Ueber Roller. 

Wiek und Clara sind sehr romantische Figuren. Etwas Paganini- 

sches mufite mit einfliefien. 

Von heute an will ich meinen Freunden schonere, passendere Na- 
men geben. Ich tauf Euch daher folgendermalSen: Wieck zum 
Meister Raro - Clara [Wieck] zur Cilia - Chris tel zur Charitas 
- Liihe zum Rentmeister Juvenal - Dorn zum Musikdirector - 
Semmel zum Justitiar Abrecher - Glock zur medicinischen alten 
Muse - Renz zum Studiosus Varinas - Rascher zum Student 
Fust - Probst zum alten Maestro - Flechsig zum Jiingling Echo- 
mein- 

Sechs Einsylbige und funf Zweysilbige Freunde! 
Tretet denn naher u. betragt Euch schon romantisch! 



Von dieser Stunde geht alles aus Majeur oder Dur. Hat dies 
irgend eine Bedeutung? 

Natur, mein Gott, mein Genius verlafit mich nicht ! Und schwebt 
urn meine Gebete : 



22* 339 



Nachtrag. 



Schmetterlinge. 



Drum 2urne nicht der bildenden Natur ! 
Was vorhin trag am Boden kroch, 
Es flattert gotterleicht im Aether. 



oti Der sich zum Konig macht, verdient die Krone 
Der Sclave ist der Ketten wiirdig, die er tragt. 



Gewift ! Der Schmerz ist wie ein schlummernd Kind - 
Weckst du es auf so fangt es an zu weinen. 



1 6 O, glaub* es mir; es geht kein starker Geist 

Spurlos und ohne Echo am Jahrhundert 
Voniber. Und was schlummernd noch als Frage 
Im SchoB der Zeit und ohne Antwort ruht, 
Steigt nach Jahrhunderten entwickelt auf 
Und staunend lauscht die Welt und findet 
Den jungen Laut der alten Stimme wieder. 



Petrarca 



An Weber aus Triest. 



Der Dichter liebt - mit leisem Fiugelschlage 
Drangt sich der Genius aus der Blumenhiille 

06 Neben diesen und den folgenden beiden Zeilen jeweils senkrechter 
Strich. 



340 



Und tragt das theure Haupt in die Idylle, 
Auf daft der Busen frey und machtig schlage. 

Der Dichter weint: stumm ist das Herz und stille, 
Der Genius mahnt ihn an die Bliithentage, 
Damit die Thrane goldne Fnichte trage 
Und heift das Herz von Tonen uberquille. 

Der Dichter singt: es troknet sanft die Thrane 
Und spiegelt sich im hellen Liebesliede 
Und fallt als Perle in den Schoofi der Zeiten - 
Da hort die Nachweit altbekannte Tone 
Und hort das Herz das einst so grofi ergluhte 
Und laBt die Schatten still vorubergleiten. 



Neunter Juny. Donnerstag. 
Nachmittag mit dem Rentmeister [Juvenal] in's Rosenthal - fast 
Winterkalte - Herloftsohn - Spazier von Weitem - fur einen 
Thaler Madeira - Handedrucke des Herloftsohn, die mehr mei- 
nen Briidern galten. Juvenal trank Crocq - Schwanken und Wo- 
gen - Dumpfer Schlaf - 

Zehnter Juny - Freytag - 
Friih Carl [Schumann] - um r Uhr nach Zwickau - schrecklich 
Wetter - die Philister in Altenburg u. die Erzahlung vom Gale- 
rensclaven - die Madchen in Schwanefeld - das Feuer - das ge- 
ziickte, aufgespannte Messer - unheimliche Gegner bey der 
Eselsschenke - die Wagenschrauben - komische Angst - sehr 
erhitzte Fantasie mit Gedanken - nach 12 Uhr in Zwickau ange- 
kommen - Ernestinen's Schlafzimmer - die junge Ehefrau - 

Elf ter Juny - 
Die Mutter - Therese [Schumann] - Emilie [Schumann] - Nach- 
mittag meine Miindigsprechung- Carl [Schumann] 
u. die Staatspapiere - die Wechsel von Schneeberg - Sorgen, viel- 
leicht die ersten in mein Leben - die Bergkeller - Abends bey 
Theresen [Schumann] - von Italien - Therese [Schumann] sehr 
freundlich u. lieb - 



34i 



Zwolfter Juny, Sonntag - 
Abrechnung mit Rudei - bey Julius [Schumann] zu Tisch - man- 
nigfache Entdeckungen - die arme Mama - Unterhaltung mit 
Oberlander - Angst u. eine Carriere nach Schneeberg - Gewitter 

- der Regenbogen mitten im Felde - Wenn er Frieden brachte! 

- Ankunft in Schneeberg urn 7 Uhr - die blasse Rosalie [Schu- 
mann] - die Engelkinder Carl und Rosalie 343 - Mittheilungen - 
Karls verzweifelte Grobhelt - Ich todt und abgespannt - 

18 Dreyzehnter Juny. Montag. 

Mit Carl [Schumann] u. Rosalien [Schumann] auf's Rathhaus - 
schones Protocoll von Schili - Abschied von Rosalien u. ihre 

heifien Thranen bey Ficker's - nach Wiesenburg - Emil 

[Flechsig] - ich steif, faul und geistlos - Spaziergang - meine 
Ideen - Zwickau - Julius [Schumann] kalt - Wie dauert mich 
Eduard [Schumann] ! - Versohnung mit Allen - Friede mit 
Allen - u. vielleicht Abschied auf Ewig — 

Am 14 ten in Leipzig angekommen. 

Die Postwagengesellschaft - die Grafinn Beylandt - Carl [Schu- 
mann] sehr aufgeraumt u. manchmal nicht witzlos - die Franken- 
hausenvilla - pp. pp. 
Abschied von Carl [Schumann] - Glock krank an der Influenz - 

Am ijten - 
Kauf des Melzerschen Fliigel fur 225 Thlr. - Bezahlung sammt- 
licher Schulden - Klavier schlecht - bey Schiegnitz - Abends 
Charitas mit dem Geschenk u. mein Dank - Einmal de novo - 
Nachmittag Eduard Marschner bey mir - 



Unterwegs entstand in mir die Idee zu den „Wunderkin- 
dern" ; Charaktere u. Personen fehlen mir nicht, aber Hand- 
lung u. Verbindung der Faden. Paganini muB wunderbar mit auf 
Cilia einwirken. Vorlaufige Personen sind Florestan, der Impro- 
visator - Paganini, unter andern Namen - Wieck - Clara (^ilia) 
- Hummel als Ideal der Mechanik - Musickmeister Faulhaber 
mit seinen Kindern Mara [?] u. Amadeus - Seraphine - Paga- 
nini's Frau - namentlich soil der Schlufi in Italien seyn, der An- 
fang in Deutschland - Localinteresse vielleicht in Mailand - 

342 



Ideal der Fertigkeit - Ideal des Ausdruk's - Verbindung beyder 
in Paganinl - das Streben Clara's - 



Befriedigung der Wiinsche ist eben keine, weckt mehrere. 



Harring sagte einmal: es ware wahrend meines Fantasirens ein 
Gemalde in ihm entstanden; wenn mir ein Bild behagt, so ist's 
als taute es meine Seele ab. 



Am 1 6. Charitas zum zweitenm.[al] de novo - Angst u. wenig 
Vergnugen - 



Es fiel mir schon am 17 ein kleiner diker Mann auf mit schwar- 
zen, zottigen Haaren u. keken, kleinen Augen, weil er gut sprach 
u. ungemein Bier soft bey KrangeL Gestern traf ich ihn wieder; 
„Wo man hinsah["], sagt* er, nichts als UeberflufJ. Er behagte 
mir - dann ruckte ich naher. Wir kamen nach Itaiien - das Ge- 
sprach wurde lebhafter - das Bier goft in Stromen. „Sie Gliick- 
licherf"] - Itaiien - Zuletzt ward seine Sprache etwas poltrig 
und undeutlich. Das war aber Johannes Sporschill. 
Wonniges Wetter. Am 18 Charitas 3; ein und einhalbmal. - 
Die alte Muse [Glock] dankte heute den Patienten ab. 



„Ob Alles subjectiv sey?" Anders gegeben: nicht wie es aussieht, 
sondern wie man's ansieht. 



Bogenlinie als Gleichgewicht - Gleichgewicht der Wellenlinie ~ 
Schonheit - 



Einige Capitel iiber Nachahmen u. Copiren. Vergreifen des Ori- 
ginal's. 



Am i9ten Wonnehimmel - Juniblaue - Wonneaether - Wagner 
- Duft - Ungluckliches Trinken auf eigne Faust in Rudolphs 
[Garten] 



343 



Alitag werd' ich miserabeler 
Verstehst du mich? - 

Scliwelgen im Chopin. - Lieber Robert, ich bitte dich - bring 
endlich etwas raus und fertig. Vor ihren Augen zerreift ich's, 
sagte Wieck. Ein schrekKcher Hang zum Halben, zur Verschwen- 
dung u. zur Zerstorungssucht liegt d o c h in mir, die sich audi im 
Trunk zeigen. 

Am 20Sten. Montag. Ich sinke, ich sinke in den alten Schlamm 
zuriick; kommt keine Hand aus Wolken, die mich halt? Die 
Hand mufl ich seyn. Nur sechs Wochen durchgefiihrt. 
Charitas 4. .- Student Fust war zum Friihstiick da sammt der 
Muse [Glock] und Taillefer. Juvenal ist nach Dresden. - Bis 25 
Charitas: 6. - 28. 7. 

Vom 2isten - 30 Juni. Bose Tage, die mir Gott u. mein Herz 
vergeben moge ! 

Am ersten July. Freytag. 
Neuer Abschnitt - Neue Vorsatze - Gut angefangen wie ge- 
wohnlich; acht Stunden im Chopin studirt - mit Feuer u. Nutzen 
- Neulich war auch Berger aus Berlin bey Wieck. - Abends mit 
Meister Raro u. Frau auf dem Brand. 344 Jettchen Wieck - noch 

zu Krangel Jettchen - schon Begegnung Nachmittag im 

Hause. Aber Gott nein - ach das Rondeau von Winkhler! - 
Dann warme Fantasie. Aber Hundeschlafen u. Geisterfurcht. 



Ganz 07 neue Personen treten von heute in's Tagebuch - zwey 
meiner besten Freunde, die ich jedoch noch nie sah - das sind 
Florestan und Eusebius. 

Florestan sagte: nachdem er op. 37 s45 von Herz zum erstenmal 
gehort hatte : hubsch, schweizerisch, neu ; nach of teren Horen : es 
ist aber doch nichts als ein Kufi von einen Freudenmadchen. 
Eusebius meinte: Chopin ware ein Sprung. Beyde munterten 
mich sehr auf, meine Rezension drucken zu lassen. Ach ! hatte ich 
sie nur einmal gemacht. 



07 Anstelle von „Ga" ursprunglich „Zw" 
344 



Wieck hat sich geandert u. nimmt vie! Theil an mir. Juvenal 
scheint Schuld zu haben. 

Am 3 ten. 

Am zweiten. 
Das ist nun so der Zufall oder vielleicht mein Genius, der mich 
retten will. War's doch; als san' ich sie gestern zum erstenmal 
ordentlich, wie sie mit Wieck kam; ich ging auch gleich an den 
Spiegel u. fand, daft das Halstuch schief u. dumm stand. Abends 
war's so. Wir waren die beiden Schiichternen. Ich suchte ihr 
naher zu kommen. Heute Morgens bin ich aber bey der 
Liebeserklarung des Don Juan im Chopin, da tritt sie herein, 
aber anders, leipzigerisch und modisch. 

Wie's mich dann zu Liihe trieb, dann in's Rosenthal, dann nach 
Gohlis, weifl ich nicht; ich schlenderte fort - da gingen sie vor 
mir, der dicke Mann, die Frau. Sie blickte um. Schon wollte ich 
die Lorgnette Ziehen. Mein armes, blindes Auge! Henriette 
[Wieck] - ich glaube, du gleichst ihr 316 im Bliithen Heidelberg! 
Natur, Sprache, Schuchternheit - am Ende lieb* ich Dich auch 
nicht, sondern bild es mir fast ein. 

Aber Genius dennoch fiihr' mich ihr bald entgegen. Rette, rettet 
mich. 



Am 4ten. 
Was ist Clara [Wieck] f iir ein Wesen ! Gewifi sprach sie am geist- 
reiehsten von uns alien - Kaum drey Schuh hoch liegt ihr Herz 
schon in einer Entwiklung, vor der mir bangt. Launen und 
Laune, Lachen und Weinen, Tod u. Leben, meist in scharfen Ge- 
gensatzen wechseln in diesen Madchen blitzschnell. Ach nein; 
aber Geschichten, sagte sie, Geschichten das ist mein Leben; 
wenn ich Abends zu Bette gehen will, wie nehm' ich mir vor, 
nur noch eine zu lesen, dann noch eine, aber nun die letzte, aber 
noch eine - bis die Mutter zankt u. das Licht ausloscht. - Ihr Ge- 
dachtnifi ist bewundernswiirdig. Jedes Wort, was ich je sprach, 
kann sie mir wiederhohlen. Meister Raro schien selig zu seyn 
iiber Zilia. Das Gesprach fuhrte mich nach Hesperien. Und ich 
stotterte sehr. Dann kamen wir an 07a Charaden u. Rathsel nun 
das war eine Lust, ein Lachen, ein Quieken bey Zilia. Die Na- 

07a „an" uber der Zeile eingefugt. 

345 



men: Josephine, Clementine bey Zilia, Schumann, Wieck, Bier- 
krug, Langenschwarz, Balthasar u. eine .Million anderer. Sie 
indent* es herumdrehen, sagt' ihr, die Stadt Kiew! - [„]ach! wie 
denn - wie denn" - sie bracht' es nicht heraus - „Vater["], sagte 
sie weinerlich, [„]dreh' es mal rum, mal rum?["] 

22 Am jten. 

Darf sich die Freiheiten, die sich das Genie nimmt, auch das 
Talent nehmen? Nein - und Warum? 



Ich lebe jetzt lauter schone, reine Tage. O Wonneleben der Niich- 
ternheit, ru£' ich nochmals aus! Gestern macht* ich einsamen 
Spaziergang voll lauter inneren, blauen Himmel. nach dem 
Brandvorwerk, aB Pokelfleisch und Butterbemmen u. lafi im 
Constitutionell 347 . 

Eben schrieb ich an Dorn : 

„Wollten Euer Wohlgeboren mir durch mitkommenden Merkur 
giitigst zwissen lassen, wann ich Sie in Ihrer Wohnung antrefifen 
kann, um die mir versprochenen Stunden anzufangen im besten 
Sinn des Wortes. So viel italianischen Himmel Sie gewiC iiber 
dies starkende Eisbad gie6en werden, so zittre ich und frdstle 
ich doch im Voraus ein wenig, der Kopf weniger als das Herz, u. 
bin mit der Bitte (wenns) um Entschuldigung meines langen un- 
bescheidenen Schweigens 

EW 

Im Chopin geht's vortreff lich ; heute ist der funfte Tag, dafi 08 
dem ich jeden Tag vier Stunden studierte. Wenn nur keine Ruck- 
falle kommen ! Beschiitze mich, mein Genius u. tausche mich nie ! 

Am 6ten. 
Gestern mit Glock im Concert - idyllisches Leben innen u. au- 
fien u. der erste, reine Tag. Ich war unaussprechlich selig - war- 
um denn aber? - das ist's eben. 

Jettchen - Jettchen 09 [Wieck] - wo bleibst du? Hat vielleicht 
Meister Raro gemerkt? Pst - 

08 Urspriinglich „an", durch „dafi" iib er schrieb eo. 

09 Anstelle des crsten „t" urspriinglich „ch". 

346 



Am 7ten. 

Komm her, Eusebius ! ich sag' dir Etwas in's Ohr hast du's 

gehort?-Wie?- 



Also in Schleusig waren wir gestern. Friih hatte ich ein Bad ge- 
nomen bey Reichel's Garten, und frisch wie ein Kind kam ich aus 
dem Wasser. Der Tag war einzig golden. Abends wollte mich 
mein boser Genius fesseln, da lud mich Wieck nach Schleus[ig] 
ein. Was wir sprachen betraf meistens Chopin, die Wiener Cla- 
vierlehrer u. Instruments pp. - Draufien waren sie; bliihend 
roth Jettchen [Wieck], kirschroth die Alten. Mir kam's vor, als 
merkt' ich ein gewift Zusammengehen der Seelen. Ueber Eier u. 
Kuchen und Eierkuchen erhob sich dennoch das Gesprach nie. 
Jettchen [Wieck], du bist eine Hausfrau, aber entsetzlich albern, 
scheint mir's ; aber doch mocht' ich dich recht herzen u. kiissen. - 
Sonst that ich wenig um ihre Gunst, was sie zu merken schien. - 
Wie schlummert' ich so gut u. traumte wie ein Ochse, namlich 
gar nicht. - Wo sen' ich dich zuerst wieder? ich rathe im kleinen 
K[uchen]garten. 



Die Zerstorungswuth der Kinder 

Der schlechte Anstand der Balletmeister. 



^Man denke nur welche Umstande sich vereinigen miiGen, wenn 
das Schone in seiner ganzen W u r d e u. Herriichkeit auftreten 
soil: 

Wir fordern dazu i) grofie, tiefe Intention, Ideal i tat eines Kunst- 
werkes ; 2) Enthusiasmus der Darsteller : 3) Virtuositat der Lei- 
stung, harmonisches Zusammenwirken wie 010 aus einer Seele: 
4) Inneres Verlangen u. BediirfniG des Schauenden, GenieGen- 
den; momentane giinstigste Stimmung (von beiden Seken. Zu- 
horer u. Spieler) 5) Gliicklichste Constellation der Zeitverhalt- 
nifie u. Interessen im Allgemeinen, so wie des speziellen Mo- 
ments, der raumlichen und anderen Nebenumstande 6) Unge- 
hemmte Leitung u. Mittheilung des Eindruks, der Gefiihle, 
Ansichten, Wiederspiegelung der Kunstfreude im Auge des 

010 „wie" uber der Zeile eingefugt. 

347 



Andren. 1st ein solches Zusamentreffen nicht ein Wurf mit sechs 
Wiirfeln von sechs mal sechs. Kunstblatt: 1831. p. 140. 

24 Ueber das Lob geht ein wohlwollend-gefordertes Streben; - 
iiber den Ruhm, bey dem man sich dennoch einsam fiihlen kann, 
der Verkehr mit Gleichgesinnten, Hohern ; - iiber den Lohn die 
Anschauung einer denkbaren, weiter wirkenden Annahme - iiber 
die Unsterblichkeit die allgemeine, frohe Anerkennung der Mit- 
welt. item. * 

Classisch mochte ich nennen : das Geniale im Gewand des 
Volksthiimlichen, das Unbegreifliche in dem des FafMichen, das 
iiberschwanglich Reiche in dem der haushalterischen Wohlhaben- 
heit, das Unendliche des nationellen Stoff s in lieblicher Rundung 
der Form, das Grenzenlose in anmuthiger Beschrankung, das 
Schwere in leichter Erscheinung, das Dunkle in durchleuchten- 
der Klarheit, das Korperliche vergeistigt, das Wirkliche durch 
seine Idee geadelt. - item. 



am 9 ten. 
Donnerstag am 7ten mit Meister Raro u. Zilia in's Hotel de 
Prusse. An manchen Tagen stehen au£ alien Gesichtern schwele 
Gewitter; oder sieht mein inneres Auge? - Zilia zuweilen sehr 
kalt, dann pldtzlich innig. Das Madchen reibt sich auf. Der Mei- 
ster [Raro] kam gestern auf diese letzte Idee: Nein, sagte er 
mit gebrochener Stimme, das thut Gott nicht. Die Kinder wur- 
den nach Haus geschickt; ich folgte den Alten noch nach Graf's 
Garten. 
Gestern. 

Wie mk's im Chopin geht, kann ich nicht sagen : ich umarme ihn 
mit tausend Armen. Beylaufig ein Schema meines Studierens, wie 
ich es heute den 9ten Tag fortsetze: 011 

Von 7-10 alleiniges Studium im Chopin mit moglichster Ruhe d. 
Hand ; meinen Plan verfolg' ich von Seite zu Seite, nehm' aber 
dan[n] Stellen 012 zur Uebung mitten heraus. Um 11 Uhr 
25 ring ich gewohnlich mit Czerny's Trillerubung [an], die nicht 
loker, leise u. leicht genug gespielt werden kann. Dann kamen 

011 Anstelle von „t2e M urspriinglich „eze". 

012 Urspriinglich „Stellung", „ung ,( durch „en" iiberschrieben. 

348 



die Hummelschen Fingeriibungen in den 4 Classen ihren Inter- 
vallenumfang nach, denen ich jeder an jeden Tage fiinf rieue hin- 
zugab. Den Nachmittag nab' ich ganz zur Disposition meiner 
Laune bestimmt, fahre aber doch sicher u. regelmaftig in der Fis 
moll Sonate von Hummel fort. 

Laft dich's nicht entmuthigen, lieber Robert, wenn es nicht ein- 
mal so perlen u. schnellen sollte, wie wahrend der letzten acht 
Tage; iibe dich in Geduld, hebe die Finger leise, hake die Hand 
ruhig u. spiele langsam: und Alles mufi wieder in's Gleis kom- 
men. 

Dir aber, Meister Raro, der jetzt so theilnehmend gegen [mich] 
ist, will ich zum Lohn weiter nichts darbringen, als den Chopin 
in seiner hochsten Vollendung! 

Zilia war krank gestern; der Meister [Raro] unzufrieden und 
wenig liebenswurdig. In Grafs Garten safi Jettchen [Wieck] un- 
ter andern; ich driickte mich ohne Schaden u. mit einem Com- 
pliment nach Haus u. zu Zilia, die ich traf. Hoffmann's Erzah- 
lungen waren zu lang zum Vorlesen, darum nahmen wir Mahr- 
chen. Es fehlte aber der Herzenskitt. Charitas war auch zugegen 
u. stand hinter dem Stuhl. 

Am i2ten. 
Nach Eduards [Schumann] Brief, den ich gestern erhieit, uberfiel 
mich ein Schmerz, den ich keinen Namen geben will. Ich Heft 
meine Thranen ruhig gehen. Aber hernach war's, als war' ich 
leichter u. freier! Abends hatt* ich grofie Lust, wieder umzukeh- 
ren vom schonen Weg, den ich wenigstens vier Wochen lang 
fortzugehen beschloft. Doch gab ich mir einen moralischen Ruck 
u. es geschath nichts. 

Am 1 3 ten. 
Das Clavier wollte gestern nicht gehen; es war, als hielt mich 
Jemand am Arme. Nun hab' ich's auch nicht weit forcirt. Es lag 
Mattigkek u. Dumpfheit in den Menschen u. am Himmel. Ge- 
stern sechs Uhr kam ein Himmelsgewitter. Ich ging zu Meister 
Raro. Zilia hatte sich schone Schweizerflechten gemacht. Wie 
oft wiederhohlt sich aber der Meister [Raro] ; erzahlt mir oft 
meirie eignen Gesprache u. sie machen ordentlich Eindruck auf 
mich. 

Auch fing ich gestern bey'm Muskkdirektor [Dorn] mit dem 
edeln Generalbafi an! Er hatte sich vorbereitet u. schien angst- 
lich, war aber sonst liebenswurdig. Ich war auch gerade recht 



349 



bey Kopfe u. bey hellen, lichten Verstand. Ich mochte kaum mehr 
wissen, als ich weifi. Das Dunkel der Fantasie oder Ihr Unbe- 
wufkes bleibt ihre Poesie. 

Abends war ich in toller Champagnerlaune. Der Regen iibergofi 
mich in Stromen, als wir mit Zilia u. Meister [Raro] zum 
Brand 344 gingen. Ueber Italien sprach ich lebhaft u. reizend. Auf 
dem Riickwege kamen der Sensal [?] sammt Frau u. Kind. Kind ! 
Entweder bist du schrecklich verliebt, oder schrecklich dumm! 
Zilia u. die „Drekpfiitze" brachten mich etwas in unangenehme 
Stimmung. Abends kam vollends Charitas (u. verblutete sich). 
Wie sind meine Vorsatze stark u. rothe Junglinge geworden! und 
wie will ich Ihnen (triiben) treu bleiben, daft noch etwas w i r d. 
Jetzt ist noch Zeit; in einem Jahre vielleicht nicht mehr. Und wie 
wenig ist das Talent ohne die fortgesetzten Anstrengungen des 
Fleifies. 



Vor dir sink' ich, mein Genius! lafi mich in die schone Welt 
sehen u. trage mich weiter. 



Am i7ten. 
(Was fur gewohnliche, allgemeine Gesichter sind doch die von 
Shakespeare, Mozart, Raphael. Flach u. hiibsch waren sie zu 
nennen.) 

27 Was ist allein die eigne Freude uber meine Soliditat und Besser- 
werdung werth? ich konnte ja kaum anders, als durch's Bierglas 
empfinden. Es giebt etwas Moralisches im Menschen. Ich sagte 
noch vor ein paar Wochen : wer wird die Launen seinem Willen 
auf opf ern ; denn erstere ist ohne Grund u. gottlich. Wie oft mufi 
der Mensch iiber sich lachen. 



Zilia kommt taglich gegen sechs. 



Mit Chopin ist's immer gut gegangen, wie mit Allen. Aber das 
Ideal, das ich zu seiner Darstellung in mir trage, kann ich nicht 
so bald erreichen. Zilia spielt sie 349 kindisch u. zu brillant. Eini- 
ges hab' ich von ihr z u e r s t gehort. 

350 



Eusebius sagte: Don Juan, Zerline, Leporello u. Masetto, waren 
die handelnden Personen in d. Variationen. - Die erste ware 
noch vornehm, liebenswiirdig, kokett, prachtig, die zweite schon 
vertrauter, zankischer, komiscner, lachender, als wenn sich zwey 
Liebende haschen, die dritte mondscheinartig, Masetto stande 
von fern u. fluchte zwar, Don Juan kniee, die vierte sey kek, 
frech, sie gehe an den Mann; das Adagio zuredend, wild, mora- 
lisch mahnend, Clarinetten u. Oboen uppig schwellend - die 
Pause sey der Fall der Unschuld. Der letzte Satz sey das Finale 
im Don Juan, lauter Champagnerstopsel, klirrende Flaschen, 
Leporello's Stimme dazwischen, dann die springenden, fassen- 
den Geister u. der keke Schluft der beruhigend u. abschliefiend 
ist, bey dem er ein Gefiihl habe, das er mit einem vergleichen 
konne, das er oft in der Schweiz empfunden hatte, wenn nahm- 
lich das Roth der Abendsonne bis an die Schneespitzen roth oder 
rosa hinaufklimmt, dann verflattert u. zerfligt, bis dann der 
kalte, todte Riese dasteht wie aus Traumen erwacht. 
So subjectiv, meint' ich, dies alles sey u. so wenig Absicht gewifi 
der Chopin gehabt hatte, so beug' ich doch mein Haupt seinem 
Genius, seinem f esten Streben, seinen Fleifi und seiner Fantasie ! 

Shakespeare's Frauen. 



Sturm. - 

Miranda. 
Was ihr wollt. - 

Olivia. 

Viola. 

Maria. 
Macbeth. - 

Lady Macbeth. 

Lady Macduff. 

Kammerfrau der Lady Macbeth. 
Cymbelin. - 

Cymbelins Gemahlinn. 

Imogen. 

Helena, ihre Kamerfrau. 
Julius Casar. - 

Calpurnia. 

Portia. 



35i 



Romeo u. Julia. 

Grafin Montague. 

Grafin Capulet. 

Julia. 

Julien's Amme. 
Konig Johann. - 

Eleonora. 

Constanze. 

Blanca. 

Lady Faulconbridge. 
Richard II. - 

Die Koniginn. 

Herzoginn von Gloster. 

Herzoginn von York. 

Hoffraulein. 
Ende gut, Alles gut. - 

Grafin v. Roussillon. 

Helene. 

Eine alte Wittwe. 

Diana. Violata. Mariane. 
29 Othello. - 

Desdemona. - Emilia. - Bianka. 
Konig Lear. - 

Goneril. - Regan. - Cordelia. 
Viel Larm urn Nichts. - 

Hero. - Beatrice. - Margaretha. - Ursula. - 
Richard III. 

Elisabeth. - Margaretha. - Herzoginn von York. Anna - 

die junge Clarence. - 
Wintermahrchen. - 

Hermione - Perdita. - Paulina - Emilia - Mopsa - Dor- 
cas. - 
Heinrich VIII. - Catharina. - Anna Bullen. - Eine alte Dame. 

Patienca. 
Zahmung eines bosen Weibes. 350 - 

Katharina. - Bianka. - Eine Wittwe. 
Komodie der Irrungen. - 

Aemilie. - Adriana. - Luciane. - Lucie. - 
Pericles. - 

Tochter des Antiochus. - Taisa. - Marian. 

Czohorida. 



352 



Locrine. - 

Guendoline. - Madan. - Estrild. - Seboen. - Dorothea. - 

Margaretha. 
D. lustigc Teufel von Edmonton. - 

Abtissinn von Cheston. - Dorcas. - Millisent. - 
Heinrich VI. - 

Margaretha. - Leonora. - Grethe Jordan. - Simpcoxens 

Frau. - Lady Grey. - Bona. - Grafinn von Auvergne. - 

Jeanne d'Arc. 
Heinrich V. - 

Isabeile. - Catharina. - Alice. - Hurtig. - 
Coriolan. - 

Volumnia. - Virgiiia - Valeria; 
Der Liebe Miih' ist umsonst 22 ' 

Die Prinzessinn. - Rosaline - Maria - Catharine, 

Ja[c]quenette. 
Zwey Veroneser. - 

Silvia. - Julia - Lucette. - 
Antonius. - 

Cleopatra. - Octavia - Charmion - Iras. - 
Die lustigen Weiber von Windsor. - 

Frau Furth 351 . Frau Page. Anne Page. Frau Hurtig. 
Gleiches mit Gleichem 352 . 

Isabeile - Mariane — Juliette - Franziska. - 

Frau Overdone. 
Trauerspiel in Yorkshire. - 

Die Frau. - eine Magd. - 
Der Verschwender. - 

Dolin - Franziska. Lucie, 
Oldcastle. 

Lady Cobham. - Lady Powis. Dorthe - Kathchen. 
Cromwell. - 

Frau Bameister. - Hanne. 
Puritanerinn. 

Lady Plus. - Franziska - Marie. 



Am 1 8 ten. 
Heut komm' icli schon bis 130 in alien Hummel'schen. Nein! 
Robert, Du verdienst einige Lobeserhebung von mir. Mit mei- 
nern Chopin bin ich zum zweitenmal ziemlich durch. Lern* ich 

23 Schumann, Tageb. 1 35 3 



ihn jetzt nicht, lern' ich ihn nie. Mir daucht' es giebt drey Peri- 
oden bey Kunstlern, die schon auf einer Stufe "stehen: in der er- 
sten des Stadium's halt einen der Geist u. der neue Reiz des 
Objects frisch u. mun[ter] u. hebt die Finger iiber sich selber, in 
der zweiten fallen nach u. nach die Fantasieblumen weg, es 
stehen Noten da, es mufi gegriffen werden, die Tasten fallen, es 
bleiben Tone aus, 
31 Vieles paflt nicht; das ist die Periode zum Verzweifeln, die ich 
nun zweymal in meinem Leben iiberwunden habe, beym A moll 
Conzert 182 u. bey den Alexandervariationen 353 . 
Was soil ich aber von der dritten sagen, wo Geist u. Form, Me- 
chanik u. Fantasie ineinander fliefiert, dafi man leibhafte Musick 
ist? Lafi mich deine Paradiese sehen! 

Am 2isten. 
Manchmal packt mich der Teufel nocli, aber doch viel gelinder 
und ich reifie mich gliicklich ab. 

Mit dem Clavier ging's ein Paar Tage herzlich miserabel ; gestern 
weint' ich vor Wuth! Abends wurd' es schoner. Wieck traf ich 
mit Zilia u. einen hoflichen, alten Fremden auf der Wasser- 
schenke. Ich sagte „wir sind vielleicht zum letztenmal zusam- 
men." - Die Cholera, Cholera 354 . - Ich meinte es nicht im Scherz 
u. er nahm es audi nicht so auf. Auf der Heimkehr flusterten wir 
von Ahnungen, Traumen, Doppelgangern u. s. w. - Zilia 
schmiegte sich immer fester. Abends war's, wo mich der T[eufe]l 
packen wollte; ich war schon vor der Thur; da besann ich mich 
u, flugs stand ich wieder in meiner Stube u. las die „einzige u Da- 
tura fluctuosa des Hoffmann 355 . Herr Gott ! Was f (ir ein Geist ! - 
Schlief dann wie ein Bar u. wachte frohlich wie ein Gott auf. - 
Meine Antwort an Carl [Schumann] ward mir sauer auf s.[eine] 
Einladung zur Pathenstelle 356 . Mir ist's doch manchmal, als ware 
meine Fantasie alle; schon diese Angst todtet sie. - Heute 
komme ich bis 160 in Hummel. 



32 Freytag am 22sten. 

Gestern fuhr M[ei]ster Raro mit Zilia ab. Zilia hatte die Oran- 
genbliithe noch angesteckt. Es kann Nichts kalteres beym Ab- 
schied geben, als sie. Zu Juvenal kam ich lange, lange nicht; er 
audi weniger zu mir. Ja! laBt nur Geldgesch[a]ft in Freund- 
schaft kommen ! - 

354 



Scit zwey Tagen seh ich am Fenster ein Madchen; wenn diese 
es ware! - Ich konnte meine Augen nicht abwenden, als ich sie 
das erste mal sah; ihre lagen still u. groB wie eine Zukunft auf 
meinen. Abends ging ich mit Allwin [Wieck] zu Graf's u. Man- 
tel. Ich hatte Lust, mancherley zu trinken, rettete mich aber gliik- 
lich. (Dann kam Charitas, fast wie mit eine Italienen[?] 013 ) 



Wie treibt's mich zum Componiren seit zwey Tagen ! - Gestern 
erhielt ich die Nachricht von Emilien's [Schumann] Nieder- 
kunft 357 - ich schrieb's ab - Eduard [Schumann] hab' ich tau- 
send Thaler versprochen. 



Am 2 5sten. 
Nun Meister Raro fort ist, fiihl' ich doch eine Leere, die seit eini- 
gen Tagen das Bierglas ausfullen sollte. Doch bin ich immer bey 
mir geblieben und weifi die Schranke. Es drangt mich zum Com- 
poniren! - Und doch mocht' ich meinen Chopin nicht lafien. 
Morgen geht's wieder Seite fur Seite. - 

Beylaufig: die Zeit treibt uns jetzt so schnell, dafi wir kaaum 014 
wiCen, was gestern in den Ztgen gestanden hat. 
Eusebius sagte: man wiiCte vieles, was man aber doch noch sechs- 
mal lernen miifite, namentl. [ich] in der musikalischen Theorie. 

An Sie. 
Der Bliithenblatter abendliches Rauschen, 

Der Morgensonne feuerhelle Glanz, 
Des warmen Mktags lichtdurchbrochene Schatten, 

Die laue Nacht, der Elfen Mondscheintanz, 
Das leise Nahen einer sel'gen Stunde 

Die an des Herzens Friedenspforte schlagt 
Der Lichtgedanke, der auf seinen Strahlen 

Den Geist hinauf zur Sternenhohe tragt, 
Die vielgeliebten Stimmen von den Lieben, 

Die unter Freud 1 u. Leid uns treu geblieben - 

013 Wegen 2u starker Streichung schwer lesbar. 
01/1 ,,111" von „kaaum" iiber der Zeile eingefiigt. 

23* 355 



33 Und dann das erste Traumen eines Kindes, 

An dessen Wieg' ein Blumenengel geht, 
Die ersten Knospe[n] eines Mandelbaumes, 

Der reinsten Jungfrau glaubiges Gebet, 
Die frommen Chore in der Kirche Hallen 

Der Quelle Murmeln an der Felsenwand, 
Die Schwarmereien jugendlicher Menschen : 

Ein Blumenkelch aus Edens Sonnenland, 
Das Alles ist. an Reiz nicht zu vergleichen 

Dem Namen, den ich liebend mtifi verschweigen. 

Ja ! ich verschweige ihn. - Doch in der Seele, 

Da tont er iaut wie heller Glockenklang, 
Er glanzt als Wonnethran' in meinen Augen, 

Er gleicht dem Ton, der aus der Harfe drang, 
Er wekt mich auf am Morgen mit dem Liede 

Der Vogel : leise rauscht er in der Nacht : 
Er duftet aus der Rose mir entgegen, 

Er iiberstrahlt mich bey der Sterne Pracht, 
Er bluht mir auf den buntbeblumten Matten 

Und schwebt um mich in griiner Linden Schatten. 

Ja ! ich verschweige ihn ! - Wozu ihn nennen? 

Der Beter sucht des Tempels Stille auf, 
Wirft still sich auf die Knie u. schweigend - blickt 

Zu dem verklarten Gnadenbild hinauf, 
Die Mutter weinet in der stillen Kammer 

Und sieht ihr Kind mit stummer Freude an; 
Der weise Traumer faltet still die Hande, 

Wenn sich die hehren Traumgesichte nah'n ; 
Die goldnen Sterne haben keine Sprache 

Und lautlos ist die schonste Liebesklage ! 

34 Dein Name liegt in meiner Seel* verborgen 

Wie eine Perle in der Weilennnacht 
Und wie ein Schatz, den man vergebhch suchet 

Und wie ein Kleinod in der Berge Schacht. 
Doch bliihest Du in jedem meiner Lieder; 

Du bist die heilge Lampe am Altar; 
Du gleichst dem Bild, das Jakob oft gesehen, 

Wenn er an Laban's Heerd entschlummert war; 

356 



Du bist der Traum von alien meinen Traumen, 
Bist eine Palme unter Edens Baumen. 

Und hatt' ich Schillers schwarmerische Sprache, 

Besa6' ich Gothes marmorglattes Wort 
Und floft* mein Lied wie Tasso's voile Stanzen 

Und wie Petrarks Sonett harmonisch fort ; 
Und war' ich gleich dem hohen Britten, welcher 

Von Romeo und seiner Julia sang, - 
Ich schweige still u. unwerth deines Namens 

Hielt ich der Verse wundervollen Klang; - 
Doch fuhlte ich in mir Jean Pauls Genie entbrennen, 

Dann wollt* ich, Theure, dich und Deinen Namen nenen. 



Am 26sten. 
Mein ganzes gestriges poetisches Wesen war Katzenjammer, den 
ich mir nicht verhehlte. Friih kamen Knorr mit einem Witten- 
berger Studenten; spater Juvenal u. die medizinische Muse 
[Glock] . Es war ein eigner leiser Ton in uns, den ich nie so emp- 
fand; es war als stiinden unsere fiinf Geister neben uns u. sahen 
uns reden. 

Florestan meinte: die Menschen iibten doch einen groften (mo- 
ralischen[)] 015 Einfluft, sympathetische Temperaments 016 - Ein- 
wirkung auf einander; grofte Ge[ister] miissen es in ihrer Ge- 
walt haben, jede beliebige Gesellschaft in ihre Stimmung ver- 
setzen zu konnen u. die Geister zu leiten. 
Eusebius versetzte, (er bezog den grofien Geist nicht auf sich, 
denn bescheiden ist er), er habe es oft versucht, sich ganz u. ganz 
in das Wesen eines andern beliebigen Menschen, dem er viel- 
leicht gegeniiber gesessen, ohne daft sich beyde ansahen, hinein- 
zudenken u. mit alien Seelenkraften sich in die andre zu ver- 
zweigen, alsbald 017 habe der Andere aufgesehen, das Interesse 
ware starker geworden pp ; bey andern Menschen sey's ihm nicht 
gelungen. 

015 „(raoralischen[)]" im Original zwischen „groGe Ge[ister]", durch Strich 

an diese Stelle verwiesen. 

ow ^Temperaments" iiber der Zeile eingefugt. 

017 Anstelle von „b" ursprungiich „h". 



357 



Am 3 os ten. 
Die drey groBen Tage sind vorbey; Juvenalis und ich haben sie 
schon gefeiert durch Fingeriibungen und den Anschlag konnt' ich 
vielleicht vollgrofi oder vollweich nennen. Und wie reich war 
ich gestern! Nun ist denn Alles wieder in schoner Ordnung 018 
und die leisen Schauer von „Liiderlichkeit["] leis iiberwunden. 
Vom ersten bis heute spielt* ich und studirt' ich wenigstens an- 
haltend. Heute werd* ich mit Hummers Fingeriibungen ganz 
fertig. Mit Chopin nab' ich zum drittenmal angefangen. Es geht 
u. geht nicht - ich weifi selbst nicht; mir ist's als miifke es anders 
klingen ; oder sollte das vielleicht der Geist seyn, der nicht mehr 
klingt. Mit der Fis moll Sonate 358 nab* ich Noth und Sonnen- 
blicke. 

Im Herzen sieht's hoffend und traumerisch [aus] ! nichtwahr: 
oder ich konnte mich irren. 

Mit Dorn werd' ich nie naher zusammenkommen ; er hat kein 
Gefiihl und obendrein den Ostpreufienton. Mit seiner Frau 
mocht' ich naher zusammenkommen. 

Eusebius und Florestan sind ganz stumm u. scheinen wenig son- 
der Ideen zu haben. Letzterer sagte gestern: Seraphine sey ein 
schoner Name; es war mir als ging bey diesen Klang etwas Altes 
an mir vorbey. 

An Meister Raro schreib iscli nachstens. Student Varinas ist 
glucklich bey Seite geschafft. 

36 Am 7ten Aug. 31. 

Wie sonderbar mit Seraphinen und Florestan's Bemerkung. Das 
ganze Wesen, das ich mir seit einigen Tagen machte, war die 
Seraphine im „Anthom" 359 . 
Wie viel meiner diesjahrigen Ideen £and ich in Anthom. 



Und doch wenn ich mir's gestehen soil, gefallt er mir nicht weil er 
auf die niedertrachtigste Art das System, das er verwirft, selbst 
aufstellt. Dieses Selbstbelauschen, dies eigene Wiederspiegeln 
ohne Object, dies Zergliedern seiner sieben Gefuhle, dieses 
verdammte Trennen und Scheiden der Empfindungen - kein 
schoner, reiner Moment, den eine That begleitete, oder der in 
der That selbst lebte; keine „Fiille des Daseyns", UeberfluG oder 
Ueberwallen des Augenblickes. — 

018 Ursprunglich „Ordn/\ ab „d" durch „dnung" uberschrieben. 



Wie anders ist da Jean Paul; wie dort sein Walt 57 sehr gliicklich 
ist, da laftt er ihn nicht stiirzen: o wie bin ich doch so rein inwen- 
dig u. auften, wie herrlich: o steh du pp. da lafit er ihn einen 
Weidenzweig, den das Wasser hebt, tief in das Wasser tauchen - 
Meister, daran erkenn' ich dich! - 



Anthom hat einen iibeln Totaleff ect. - 

Er tragt den Schein einer wahren Geschichte, was doch immer 

ein Vorzug ist. - 

Geistreiches bleibt genung; nur nicht das Ganze. Das kann 

keine Poesie seyn. 

Daft er an Emilia, deren Haltung musterhaft ist, u. an Ludwig 

Anthom, der nichts als ein theoretischer Schwarmer ist, unser 

Interesse erwecken kann, da iibrigens nichts Neues an ihren Cha- 

rakter ist, spricht fur den Dichter. - Im Genie findet sich im 

Puncte die ganze Kugel oder sie stellen im Einzelnen die Ge- 

sammtmasse. 

Dies alberne subjective Behorchen Hegt wohl auch im Briefstyl. 



Derselbe Odem, nur starker oder schwacher, der die Flamme 
ausloscht, giebt ihr es im nachsten Moment wieder. 



Eusebius meinte von Harro Harring: der ganze Mensch ware 

eine Luge, aber keine groGe; wie man etwa die Welt nennen 

konnte. 

Anthom sagt, was auf Harring u. auch Juvenal herrlich sitzt: 

u n s e r e Zeit ist die eigentliche Flachheit, Allgemeinheit, Gra- 

zie, Versteinerung pp. 360 — 

am 8ten. 

Florestan sagt: auch das groGe Genie habe ein Vorbild, nach- 

dem es unbewufit arbeite. 

Tone, Worte, Farben, Steine 
Sind das nicht die sieben Kiinste? 

In den Wunderkindern vergifi Kragen in Dr.[esden] nicht; und 

die Wagengeschichte! - 



359 



Das ist der Fluch des Talents, dafl es, obgieich sicherer u. anhal- 
tender strebend, als das Genie, kein Ziel erreicht, noch weniger 
das Ideal; das Genie schwebt leicht auf der Spitze des Ideals u. 
sieht sich oben lachend um. 



am 14. 
Die Schonheiten der Jugend sind ja so oft ihre Irthumer und 
Fehler, meinte Eusebius neulich. 

Meister Raro kam am c>ten; ich sah ihn nie herzlicher mich 
bey'm Leibe fassen: Zilia war wie etwas freier, leichter und 
glatter geworden, herzlich, wie nie. 

Justiziar Abrecher rennt fast das Haus ein, des lumpigen Pro- 
logs willen. 

Der alte Maestro [Probst] macht Vorschlage zum Claviercursus ; 
er scheint M[ei]sters Raro's boser Geist zu seyn und letzter[er] 
halt ihn auch dafiir. Morgen soil's mit dem Maestro [Probst] 
losgehen. Mit Juvenal geht's flott; morgen fangt die dritte 
Woche des Cursus an. 

Hab' ich denn auch wieder gedichtet in dieser Woche : Ueber- 
haupt wie war sie schon u. fast ganz rein; Charitas kam (sel) 
gar nicht! - Kleine, niedliche Schweizermahlerey - an die Mut- 
ter schrieb 
38 ich auch einen Brief voll guten Muthes und Vertrauen. Fahre nur 
so fort. 

Eines hab* ich noch an Dir zu tadeln, lieber Robert, daft du die 
Cigarren nur halb, iiberhaupt zu viel rauchst u. das verdammte 
Mittagsschlafen, das den ganzen Mittag abstumpft, gar nicht las- 
sen willst! Im Uebrigen sind Eusebius sowohl, als Florestan mit 
ihm zufrieden. Etwas ans Studiren von Chopin u. Hummel kann 
auch nichts schaden - 

so nehm' ich mir denn vor, in folgender 019 Woche, den ersten 
Satz meines Conzertes, den letzten von Chopin, u. den ersten 
aus der Fis moll Senate schon zu studiren u. bis dahin zu kon- 
nen : ich lasse daher Platz, dafi ich heute iiber acht Tage herschrei- 
ben kann 

Niente™ 



^ 19 „(" aus „K" verbejsert. 

0:20 Zwischen „Ni" und „ente" Zeichnung eines Kopfes im Profil. 

360 



Die medizinische Muse [Glock] ist ein gemeiner Hund zweiter 
Grofie, schmarotzerich, kriechend, essend u. trinkend, plaudernd 
- fast keine eignen Gedanken. 

Auch nehm' ich mir vor, Hummers sammtliche Fingeriibungen 
einmal hintereinander zu spielen, um das Ganze einmal zu iiber- 
schauen, lasse daher wieder Platz, um herschreiben 021 zu kon- 
nen, ob ich's gethan habe: 

Niente^ 22 



Merkwiirdig ist's immer, daft Meister Raro u. der Maestro 

[Probst] , die sich wie ihre Doppelganger fliehen, so oft in ihren 

Urtheilen fast Wort fur Wort zusammentrefTen. Von Zeit zu Zeit 

sollt ihr etwas vom Maestro [Probst] erfahren; er scheint auch 

seine Worte erst hinterher zu verstehen. 

Nun so will ich denn fortgehen in meiner stillen Kunst: da ich 

weift, wo sie ist, so muft sie auch zu erreichen seyn; hatt* ich 

nur keine Finger und konnte mit meinen Herzen spielen auf 

anderen ! 

An die Mutter schreib* ich : 

Will man Etwas Groftes und Ruhig-Schones zu Tage fordern, 

so soil man nicht mit der Thiir in's Haus fallen; nur die Sand- 

korner der Zeit miifitest du dem Augenblicke abstehlen pp. 

Ich schrieb auch iiber das Gliick eines jungen Componisten un- 

gefahr: 

Wenn du das wiiBtest, was das fur ein Gefuhi ist, etwas ganz 

sein Eigenthum nennen zu durfen 361 

Der Gedanke ist auch hinreiftend schon. 



Dorn und Wieck wollen im Conzert 331 einen Field'schen Charak- 
ter legen, der mir durchaus fremd ist. Ohne in eine Idee des Ver- 
gleichs mich mit ihm einzulassen, meinte Florestan, so sind doch 
in deinem mehr Gestalten und redende Charaktere; auch Anord- 
nung und Gestait (Form) waren anders. Beym Himmel: konnt* 
ich erwidern, dies scheint mir wie das erste in meinem Styl ge- 
schrieben, der sich zum Romantischen neigt. 

02i „s" aus „z" verbessert. 

022 Zwischen „Ni" und „ente" Zeichnung eines Kopfes im Profil mit her- 

ausgestf eckter Zunge. 

3 6i 



Dem Maestro [Probst] und Zilia gefallt das zweite Thema sehr, 

Dorn das ganze zweite Solo, dem Meister Raro der Anfang, dem 

unbekannten Studenten, das erste Thema, Knorr'n das ganze 

letzte Solo, Luhe ein paar Passagen, der medizinischen Muse 

[Glock] vieles u. s. w. 

Ueber das Ganze kann ich kein Urtheil verlangen, da die Tutti's 

fehlen. 

Morgen will ich das erste Solo an Hummel schicken. 

40 Am 17 

Nur um in spaterer Zeit zu erfahren, wie wohl ich mich heute 
befind, schreibe ich's her. 

Mit dem alten Maestro [Probst] ging's vortrefltlich los; fraglich 
ist weiter nichts als Hopfen u. Malz an ihm verloren. 



Zilia spielte gestern das Es dur Conz.[ert] von Moscheles 362 , aber 
einzig schon. Manchmal konnte es wohl inniger seyn. Ob Meister 
Raro wirklich Liebe zur Kunst qua[?] solche hat, glaub ich nicht; 
auch in seiner Begeisterung iiber Zilia stickt etwas Judisches, 
das im Geiste schon die Thaler zahlt, die die Conzerte einmal 
bringen, woran ich nicht zweifle, daB es reichlich geschieht. 
Zu Juvenal sagt' er einmal : der alte Maestro [Probst] ware der 
Teufel, der zwischen ihm und mir stande; das gebe ja einen 
Roman. 

Jedenfalls wurde man den Meister [Raro] auslachen, wenn er 
Zilia nicht hatte ; das ist die Theorie. 



Am i9ten. 
Gestern war'M[ei]ster Raro's Geburtstag ! Es gefallt mir an ihm, 
daft er sich seines Publicums nicht schamt; daher war Diabelli, 
Jacques Schmitt u. a. an der Ordnung. Zilia sollte nicht spielen, 
sie treibt Alles bis zum Ueberpeinlichen ; einen Zug von Ver- 
driefilichkeit, Launen u. sogar Schein von Boswilligkeit mein' 
ich im Benehmen g[e]gen ihre Stietmutter zu sehen. 
Ein altes Ganschen, Emma genannt, liefi auch Tone unter ihren 
Fingern aufbiiihen, ich horte jedoch wenig. Jettchen [Wieck] 
scheint ein offenes, bescheidenes Leipziger Madchen. 
Meister Raro war laut u. sprach vie! von Hundsfotten, Allwin 
[Wieck] wird sich ruhiger entwickeln, als Zilia; bey ihr ist alles 

562 



zu friih. Die Menschen kann sich einmal nichts an's Ungewohn- 
liche gewohnen. 

Der Meister [Raro] setzt mit seiner poetischen Charlatanerie die 
Leute oft in's Erstaunen. Paganini hat machtigen Einflufi auf ihn 
gehabt; sein Gesicht, Haltung des Korpers haben sich jene ange- 
bildet, ob bewufit, oder unbewufit weifi ich nicht. Jedenfalls 
zeugt's von wenig Originalkat oder Production. 
Und dieses An- u. Hineinfantasiren, das er aus des Zilia 023 her- 
ausfantasiren will, ist wohl fur die praktische Zukunft, verdirbt 
aber den FluB der Fantasie; das Ueberwallen und der Fliigel- 
schlag des Genius rauscht hier nicht. Die Jugend kann schau- 
men, ohne vor dem Alter zu errothen. Sie soil das Thema: 



- variiren, sagt aber, dafi sie nie ein so schweres Thema ge- 
habt hatte. 

Um nun etliche Betrachtungen iiber Dich anzustellen, fiillte Eu- 
sebius ein, so ging Alles recht leidlich. Mehr studiren mufit Du. 
Die Tonleitern (bis Cis majfor]) gehen ziemlich. Konntest Du 
nur Herr Deiner Spielart, Deines Anschlags werden; hast Du 
nicht jeden Tag eine andere? gestern hattest Du die, die auch ich 
gern leide: ich beschreibe sie, die Hand liegt ungezwungen auf 
den Tasten nieder, die vordersten Glieder ziemlich eingebogen, 
der Finger trifft die Taste wie ein Hammerchen, der sich durch 
eigne Kraft bewegt, der Arm u. Hand bleiben ruhig, der Finger 
hebt sich kaum zum Anschlag u. driikt fest die Taste nur nieder 

Am 2osten. 
Zilia war gestern unwohl und verdrieftlich ; ich kann ihr doch 
jetzt wenigstens die schonsten Grobheiten von der Welt sagen, 
ohne mifiverstanden zu werden, was freilich w[e]nig klingt. Das 
Ungarische Divertissement von Franz Schubert 363 schien sie etwas 
aufzuraumen. Wenn ich etwas in Worten aus- 
driicken durfte, so konnt' ich wohl sagen: dafi ich ordentlich auf 
einer ungarischen Bauernhochzeit mit war u. viel mit den Fiifien 
stampfte; aber wenn ich das Sehnen, diese Wehmuth, diesen Ge- 

023 Anstelle von „Z" urspriiaglich „C". 

}6 3 



sang u. alle die schonen Gestalten, die wie im Tanze vorbeiflie- 
gen, zeigen soil, so erlafi mir das, mein Florestan ! 
Eusebius meinte : die Pedalsteile am Schlufi ware der Segen des 
Priesters - dann Ziehen sie fort, mit Tambourins, larmend u. im- 
mer fort u. immer fort in die feme Weite - immer fort. 



Meister Raro war auf geregt ; es war ein wahrer Augustusabend. 
Bey Glockner's sprachen wir viel uber den Maestro [Probst], der 
kurz vorher uns begegnet hatte. Die Cholerastadt da draulien hat 
uns nur naher aneinander gebracht. 

Dem Zufall 1st mehr aufgeschlossen, als 024 der Wissenschaft; der 
Theorie ist Alles verhiillt, der Fantasie nichts 

Am 2isten. 
Ich sah gestern einen Auftritt, dessen Eindruck unausloschlich 
seyn wird. Meister Raro 1st doch ein boser Mensch; Allwin 
[Wieck] hatte nicht ordentlich gespielt „Du Bosewicht, Bose- 
wicht, ist das die Freude, die duDeinem Vater machen solltest["] 
- wie er ihn auf den Boden warf, bey den Haaren zaufke, selber 
zitterte u. schwankte, stille saB, um auszuruhen zu neuen Tha- 
ten, auf seinen Beinen kaum mehr stehen konnte u. deshalb seine 
Beute niederwarf, wie der Kleine bat und flehte, er solle ihm 
die Violine geben, er wolle spielen, er wolle spielen, - kann ich 
nicht sagen - u. zu alien diesen - lachelte Zilia u. setzte sich mit 
einer Weber'schen Sonate ruhig an's Clavier. Bin ich unter Men- 

schen? 

Meister Raro ! ich erkenne dich - dein Treiben ist weiter nichts 
43 als ein judisches Benehmen, deine Begeisterung nichts, wenn sie 
kein Viergroschenstuck in der Tasche herumdrehen kann, dein 
feuriges Auge ist nicht ruhig u. schielt nach der Geldkasse, sel- 
ber deine Liebe zu Zilia ist nicht rein - Du warst der erbarm- 
lichste der Schurken, hatte Zilia kein Talent. 



Was wiirde Meister Raro zu meinem Brief an Hummel 364 sagen, 
den ich heute fortschicken will. 



024 „als" uber der Zeile eingefugt. 
364 



am 23. 
Ueber „Kunstkunstler" (Meister Raro). 



Eusebius bemerkte: daft Mozart mit Goethe gleiche Vornamen 
gehabt hatten; Hofrat Wendt hat ihn freilich auch. - 



Zilia und die anderen Kinder haben gestern die Masern bekom- 
men; vorgestern machten wir „Lotterie"; Zilia sollte sich einmal 
einen Kegelpurz machen. 



Raro ist* aufgeregter, als gewohnlich; der Gedanke an Zilias 
Blindheit oder gar Tod - Cholera und Vieles. 



Zum alten Maestro [Probst] bin ich seit 8 Tagen nicht gekom- 
men, will mich aber heute entschuldigen. 



Wie viel anmafiender und f alscher mufi ich doch geworden seyn ! 
Wie zittert' ich damals, als ich meine Lieder an Wiedebeih 70 
schickte ; gestern ging der Brief an Hummel ab, dachte mir aber 
wenigdabey! 

Schone Blindheit, wo Alles um mich Gegenwart war, alles Voll- 
gewicht des Augenbliks, komm zuriick, o komm zuriick! 
Konnt* ich nur weinen, ohne dabey zu denken, dafi ich es thate. 
Das ist ja schrecklich ! 

Ehe ich schlieBe, zieht noch einmal vorbey : 
Eusebius, ich denke mir dich etwas schlank u. blafi - Florestan, 
Meister Raro, Zilia, alter Maestro [Probst], Juvenalis,' Musik- 
director [Dorn], medizinische Muse [Glock], Student Varinas, 
Tustiziar Abrecher; Echomein [Flechsig]. 



Siifie, heilige Natur 
Lafi mich gehn auf Deiner Spur, 
Leite mich an deiner Hand 
Wie ein Kind am Gangelband. 



365 



45 Schuster, Auditeur, 
Tannenberg, Advocat. 
Barthel, Organist. 

Schunke, aus Stuttgardt. Leipzig. December. 33. 
Harring, aus Dresden. Leipzig. 4. Decbr. 33. 
J. Knorr. v. 1828 an. 

Becker. 1832. genauer. Februar, Marz 33. 

Probst. Julius Korner. Kulenkamp, April 34. 

Carus. Reichardt, Organist. Theodor Stein, Marz 34. 

Hofmeister. 
Schlesier aus Dresden. Leipzig. November 33. 

Biirck aus Weimar. 

F. Stolle aus Dresden. 

KrauCe Anfang Decembr. 33. 

M. Richter. 

September. 



Habern, aus Prag. 

Laube, 

Mendelssohn, 

Lobe, 

Dolffs-Magin [?] 

C. F. Becker. 

Ritter, Organist aus Erfurt 

C. Klofi. 

C. Bank 

Ulrich. 

Hauser. 

Maria Beckar. 

Dr. Burckhardt. 

Honneier.[?] 

Glock. 



Leipzig. 33. 
Marz, 34. 
October 34. 
August 34. 
April 34. 

34 ~ 34 
September 34. 
April 34. 
August 1834. 
von 32 an. 
Juni. 34. 
April 34. 
von 28 an. 
Marz 34. 



46 Zeitgenossen, meiner Bekanntschaft. 



Wilibald Alexis in Berlin. 
Harro Harring in L. [eipzig] 
Carl Krahe. 
H. Heine. 

Georg D bring in Frankfurt. 
C. G. Canowi [?] 
Anne de Belleville, 
Clara Wieck. 



Kalliwoda in Hechingen 
Stegmeyer in L. [eipzigj 
Kalkbrenner \ n . 
Pixis /aus Pans 

Lyser hier 

Franz Otto in Hamburg 
Julius Mosen in Kohren 



366 



Emilie Reichold. 

Thibaut. 

Morstadt. 

Mittermayer. 

Zacharia. 

Schlosser. 



in Heidelberg. 



Ernst aus Wien. 

Adolph Schilling. 

Die Miccolim. 

Schalk aus Parma. 

Wilibald Juvenalis. 

Heinrich Dorn. 

Kapellmeister Marschner. 

Hofrath Welcker in Freiburg. 

HerloBsohn. 

Johann Sporschill. 

Fritz Kummer 

Spazier. 

Hermes. 

Eduard Marschner. 

Urban. 

Scholl aus Parma. 

Langenschwarz. 

Carlo Minona. 



Bergen, 

Ortlepp, 

Pohlenz, 

Miiller, 

Matthai, 

Queisser, 



hier. 



hier 



Reifiiger in Dresden 

Kragen in Dresden 

Schnyder v. Wartensee, 

Fink, 

Hahn, Mahler. Sanger 

Grabau. 

Hofmeister, 

Probst, 

Kistner. 

Carl Otto, Sanger 

August Schuster, — 
Clara Wieck, 
M. [agister] Pohle. 
Meyer. 



Wilhelm Gotte in Braunschweig.Bergmann. 



367 



Tagebucb 7 

Leipziger Lebensbuch II, 13. 10.1831- 28.11. 1838 



Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signatur 487-1 VII A/a, 4 A3 

Das Tagebuch umfafit 78 Blatter, Format: 18X11 cm. Bis Seite 
81 sind alle Seiten mit Ausnahme des Vorsatzblattes und der 
Riickseite des Titelblattes mit Tinte beschrieben. Die Seiten 82 
bis 106 und die Seite 108, die Seiten 135 bis 162, 168 bis 177 sind 
nicht beschrieben. Die Seiten 107 bis 134 (ausgehommen Seite 
108), 163 bis 167, 178 bis i"8i sind mit Tinte beschrieben. Von 
Schumanns Hand sind die Sekenzahlen 29, 33, 36, 38, 39, 40, 42, 
50, 54, 57. Bei den mit Bleistift von unbekannter Hand hinzuge- 
fiigten Sekenzahlen sind ab Seite 81 bis 179 stets nur die unge- 
raden Seitenzahlen angegeben. 

Das Vorsatzblatt tragt den mit Bleistift von unbekannter Hand 
geschriebenen Vermerk „S. 18 S 77 Copirt". Die Innenseite des 
hinteren Einbandes tragt die mit Bleistift geschriebene Signatur: 

4871 
VII, A 4 (2). 

Das Tagebuch hat Fadenheftung und einen originalen Pappein- 
band mit spater aufgeklebtem Titelschild, das aufier der Signa- 
tur die Auf schrift tragt : Robert Schumann / Tagebuch 4 : / Leip- 
ziger Lebensbuch / (II) / 13. Okt. 1831 - 1837 - 1838. 
Sein Erhaltungszustand ist gut. 



24 Schumann, Tageb. 1 3^9 



Leipziger Lebensbuch. 
vom 1 3 ten October 1831. 



Siifle, heilige Natur, 
kaft mich gehn au£ deiner Spur, 
Leite mich an deiner Hand, 
Wie ein Kind am Gangelband i 



370 



Leipziger Lebensbuch. 



am I3ten October. 
Es 1st wahr, der Moment duldet seine Beschreibung nicht. Die 
ganze Pause vom letzten Lebensbuchblatt an bis jezt war ziem- 
Hcher Rosenschein. von innen heraus. Meine Natur scheint all- 
mahlig in ihr gesundes Gleichgewicht zu kommen ; Alles schrei- 
tet vorwarts u. fast fehlt die Zeit zur Ausfuhrung. 
Die Rezension von Chopin 335 nab' ich wahrend dessen fortge- 
schikt, so scheint mir auch der Schriftstellerhimmel aufzuflak- 
kern. Ich bitte dich nun Bester, sey nicht zu viel u. mach's nicht 
zu schon - Alles. 

Florestan ist unterdefi mein Herzensfreund geworden; er soil 
eigentlich in der Geschichte mein eigentliches Ich seyn. Eusebius, 
Julius [Knorr], Wilibald [von der Liihe], Meister Raro haben 
indefi ihre Rollen verandert u. sind aus wirklichen, Fantasie- 
menschen geworden. Darum tauf ich den letzten zum Meister 
Allesgeld urn. 

Meister Allesgeld ist nun wirklich seit 14 Tagen mit Zilia in die 
Welt 365 . Die Briefe an seine Frau stehen wohl in der hochsten 
Potenz der Arroganz. 

Mit dem alten Maestro [Probst] 332 geht's gut; er ist Landwirth 
geworden. 

Im Contrapunct geht's passabel, obgleich alle Regeln wie toll 
gegen einander laufen u. eine die andere einreifit. Der Musik- 
director [Dorn] ist gut gegen mich. 

Der Varinas hat noch meinen warmen blauen Frak an ; sonst bin 
ich ihn 01 in Gnaden los. 

Der Rentmeister [Juvenal] fahrt fort zu kommen, spricht zu, 
rath ab, lobt mehr, muntert auf, scheint mich aber fur einen Mann 
ohne Welt zu halten. 

Die medizinische Muse [Glock] schmeichelt, wie selten, scheint 
jedoch egoistische Zwekke zu haben. Egoist ware spafihaft durch 
Selbstsuchtler zu iibersetzen. 

Mit dem Clavier geht*s naturlich herrlich, vorziiglich in den letz- 
ten Tag [en]. Die Volubilitat ist erschrecklich u. die Tone rollen 
wie Perlen zu Zeiten. Ich spiele nur Tonleitern aufier den Uebun- 

01 „ihn" ubec der Zeile eingefugt. 

24* 371 



gen mit Juvenal. Das Handgelenk halt' ich etwas hoher, ohn- 
gefahr wie die Belleville, obgleich die graziose Wellenlinie fehlt. 

An Planen fur die Zukunf t steht oben an : 

Doge u. Dogaresse 366 , 

dann Variationen zum Gldkchenthema 367 

u. zum Preziosamarsch 368 , 

flatternde Papillons, 

die Caeciliana, 
mit einzuschiebenden Gedichten in neuen Florestan'schen Genre. 

Kiinftigen Montag erscheinen die Variationen 369 . Ich studire jetzt 
Moscheles II. i. meine Variationen, die Ungarische Toccata, u. 
die Chopin'schen Variationen. Lafi* nicht vom Chopin ab. 



Was soil ich aber von meinen Dichterstubchen sagen, von den 
Abenden u. Morgen, die nie so rein glanzten, als jetzt! 

Charitas war einmal im neuen Gemach 370 . Die war sehr lieb u. 

scheint gefesselt. 

Die Rose am Parterefenster bricht manchmal durch; sie ist schon. 

Im letzten Conzert sah ich Ottiiie; ich bin frey von ihr; sie sah 
blafl u. eingefallen [aus] , aber das Auge war das alte, unbeweg- 
lich schone. Es geht mir wie Schmerz durch die Seele, wenn ich 
an jene Zeit denke. 

Gestern las ich alte Arbeiten von mir; Himmell was sind das 
f iir verkehrte Gef iihle 1 u. wie mufit ich immer lachen ! Wer steht 
mir aber dafur, dafi ich in zwey Jahren nicht eben so stark iiber 
eben d i e s e Zeilen lachte u. so steig' ich immer zu u. zu, ob- 
gleich lachend, weil ich mich heute nur sehe mit falschen Ge- 
fiihlen. Stiind* ich nur oben auf der Spitze eines Ideals! wie leicht 
wollt' ich mich drehen. 

Suche das Sententiose u. Witzige aus deinem Wesen zu bringen, 
was nicht in dir liegt. Schreibe einfach u. naturlich. Gothe wird 
immer ein schones Vorbild bleiben. Gewohne dich an Praecision, 
Kiirze u. Continuitat im Ausdruke. Suche so lang, bis 02 du das 

02 „bis" zur Verdeutlichung nochmals iiberschdeben. 
37^ 



Wort findest, das den Sinn auf's Haupt trifft! Vermeide vorziig- 
lich Alles Anschauen, gieb es lieber in der Darstellung irgend 
einerThat. 



Am 2 5sten October. 
Freilich ist mein Leipziger Theatrum mundi sehr eng; u. aufier 
der medizinischen Mus[e] [Glock] lauft selten eines drinnen. 
Dies ist nun freilich die rechte - welch klatschendes, lokendes 
Subject d i e ist. Wenn Euch die Garderobiere aufbringen kann, 
so habt Ihr gewifl Unrecht. 

Gestern war ein Tag, wie selten ; morgens habe ich mein Loge- 
ment auf gekiindigt ; kurz drauf kam Knorr, der Chopin spielen 
will 371 - 

Am 7ten Nov ! 
Ich wurde damals durch meine erste Correctur gestort; was das 
fur ein Gliick ist eine erste Correctur ! 
Florestan nannte indefi Marschner'n einen Perruqenkonig. 
Heute erschein' ich zum erstenmal in der grofien Welt mit den 
Variationen! Moge dies ein Abschmtt seyn an Kraft u. innerer 
Besserung - Diese Angst, das Gefiihl verloren zu haben, zeugt 
schon von halbem Verlust! Aber ich will dich neu u. frisch um- 
armen von Neuem, heitre Welt mit dem lebendigen Gliicke! - 
Pohl sagte gestern in seiner Dummheit schone Worte iiber Zilia : 
sie spiele schulgerecht, kunstvoll, geschmakvoll pp, aber ob sie 
an Starke oder Uebergewicht des inneren Mitgefiihls andern 
gleichstehen oder ubertreffen werde, hange nicht vom Menschen 
ab.- 

Am 3isten 
Man sollte doch glauben, gleiche Ursachen hatten gleiche Wir- 
kungen; aber audi hier ist Alles bey mir entg[e]gengesetzt. 
Himmel! lafi mich untergehn! aber nicht im Schlamme, der jezt 
in mir wuhlt u. ich in ihm. 

Als Dilettant trieb ich die Kunst mehr, als solche; als Kiinstler 
ist's anders geworden. Alles anders ! Was ist denn das fur eine 
Art! 

In dieser Minute fallt mir ein, wie schon es seyn muGte, wenn ich 
mich zwingen konnte, heute in einem Athem das ganze vorlie- 
gende Lebensbuch auszuschreiben. Versuche, wie weit du 

373 



kommst. Der Kiinstler soli ins Leben; in der Stube wachsen die 
Ideen selten. So unbegranzten EinfluB haben die eufiern Ver- 
haltnifie. 

Franz Otto war gestern mit der medizinischen Muse [Glock] bey 
mir. Er spielte den Tambour u. trommelte freilich. Kraft ist 
ohnehin drinn, nur zu viel B moll. Es ist wahr, dafi ich gegen 
andere gehalten, Andern etwas apart vorkommen muB. Im gan- 
zen mochte Etwas Unergriindliches in mir liegen. Was soli ich 
aber von der Donnerstagsnacht sagen, die ich falschlich eine 
Chopin'snacht nannte. Waren denn da nicht alle Teufel los ohne 
Ketten u. spukten ! Unschuld, 

Eduard, Unschuld, Unschuld - ich sage es noch einmal Un- 
schuld — 

In Wahrheit ich halte Chopin's Variationen fur eines nicht nur der 
grofiten Klavier - sondern vielleicht uberhaupt - Werke. Warum 
schreibst du nicht mehr, liebe[r] Robert! Libe[r] Robert - nennt 
dich denn weiter Niemand so, als deine Charitas. Die war ge- 
stern da, voller Feuer u. Flamme; getrunken wurde viel, nament- 
lich Madeira. Ich wiirde viel reinlicher u. solider leben, wenn ich 
nur nicht so viel Vorsatze fafk[e] ; es ist, als zerstorte dies 
alles; manches machte ich ohnehin; so aber ja gehts. 
Was war denn das f ur ein herrlicher Herbst ! wie nie im Herzen 
nahe Italien! ich habe weder Drang, noch Begeisterung mehr. 
Drang ! Lebensdrang ! was ist das doch fur ein Gottliches ! Wahr- 
lich nur das Leben ist's, was Alles halt, ja ! das lebendige Leben; 
dem Leben verzeihe ich selber seyne Irrthumer, aber dem Tode 
nicht einmal seine Wahrheit. 

Ich habe mir vorgenommen, zu schreiben, fort zu schreiben, so 
lange es geht, u. noch langer. In dieser Minute fehlen mir die 
Ideen; iiber die Uhr kann ich schon etwas schreiben. Wie sie 
hammert! sind das keine Mahnungen. 

Himmel ! wie konntest du leben, hattest du ein leichteres Tem- 
perament. Ich habe eben so wenigen physischen Katzenjammer, 
wie sonst, und den moralischen hatt' ich sonst nicht. 
Frage dich einmal ! was ist die schonste Idee - das Leben, nichts 
rein als das Leben - nimm deinen Shakespeare, deinen Gothe, 
deinen Mozart her! nichts, als gemeines Bauernleben; wie wie- 
gen sich doch die Geister leicht auf der Spitze des Ideals, Ro- 
bert! 

Kannst du nicht mehr fort ! Schreibe nur zu ! ohne Ende, ohne 
Linie, ohne Abschnitt : nur zu ! 



374 



holpert es gleich uber Stok u. Stein 

Rasch den Tritt in's Leben hinein! 
Was doch fur eine Weisheit in Gothe ist; fur eine leichte Weis- 
heit. 

Das beste ist wohl fur heute - zwar ist Reformationsfest - Gott! 
icli will mich andern, ich schwore dk's - nur einen Menschen 
gieb mir,*nur einen einzigen, an den ich das Herz legen kann - 
eine Geliebte, eine Geliebte, gieb mir ein weibliches Herz - ein 
weibiiches Herz! Bin ich denn doch noch' versohnt mit mir, mit 
Allen! 

Himmel! wenn ich mein ganzes Leben durchgehe, wohl mehr als 
einem Irrgarten gleich, was sind doch da fur Teiche, Sumpfe 
unter Gotterstatuen, herrlichen Menschen, wie Rosen, Weber, 
Flechsig, Roller - Gotterstatuen, leise Menschenleben. 
Leichtigkeit ist doch die hochste Meisterschaft, was ist's denn 
bey Mozart, Gothe, Shakespeare, Zilia. 

Sagte ich nicht sehr schon in meinen Chopinsnachten : Wo Ge- 
nius ist, so verschlagts ja wenig, in welcher Gestalt (Gestalt ist 
nicht das rechte Wort) er erscheint, ob in der Schwere, wie beym 
Bach, ob in der Leichtigkeit, wie bey Mozart, ob in der Warme, 
wie bey Beethoven, ob in der Dunkelheit (ist audi nicht das 
rechte Wort) bey Schubert, ob in Nichts, wie bey mir! Halt! da 
nab* ich Etwas - das Nichts, das unendliche Nichts. 
Ist denn das Nichts nicht viel unendliche [r], als Alles in Allem 
zusammen genommen. Himmel! was ist ein[e] Idee fur ein er- 
barmlich Ding ohne Bild, ohne massives Object! Ideen oder 
Gef uhle, das ist etwas anderes ; sagt ich nicht neulich zum Mae- 
stro [Probst] 

wir sind alle mehr Gefuhlsmenschen, als wir glauben u. uns da- 
gegen 03 waffnen. 

Wilibald [von der Luhe] blieb heute aufien, auch gestern ; hatte 
er nicht etwas Idyllenartiges an manchen Tagen, etwas Heim- 
lich-Kleinstiibchenartiges - so wiifke ich ihn wegen nichts zu 
lieben. 

Lieber Emil [Flechsig] ! du weiflt, wie wenig mir der Cavalier- 
stolz im Bettelsake gefallt - fast scheints umgekehrt schoner. 
Aber Ideen sind alle - der Himmel ist grau, aber nicht ohne 
Fantasie - die Eau de Cologne fiel eben um - soil das nicht ein 
Ende meiner Lebensgeister seyn, so mufite ich mich sehr irren. 

0:1 Anstelle von „da" ursprungHch „geg". 

375 



Hore auf Robert ! du f urchtest dich tfonst vor deiner Fadheit, vor 
deinem Nichts, vor deinem Genie! Himmel! ich 04 mufi ja zum 
Dorri - heute - zum Dorn - wie soil ich da hin gehen ! - 

Am 6ten November. 
Das waren Tage ! - sey meinetwegen liederlich, aber argere dich 
hernach nicht dermafien. Dafi moralischer Katzenjammer Reue, 
folglich Schwachheit ist, und nur Besserung Kraft, wufit* ich vor 
zwey Jahren schon u. handelte wenig so ! 

10 Je mehr du dir bewufit wirst, desto mehr entfernst du dich von 
der Natur, sagte ich heute Nacht immer im Halbschlaf. 
Gestern mit Franz Otto in Wolffs Keller - Ende des bairischen 
Bieres - der Fremde - Warum bin ich denn so schreklich einge- 
storben und ohne Leben ! Schuster war auch da ! 

Am i2ten November. 
Nun sind die Variationen da ; es ist, als wenn gedruckt da Alles 
mehr Bedeutung erhielte. 

Mein guter Genius fiihrte mich ehegestern im Concert mit G. W. 
Fink zusammen. Ich hatte eben viel Gersdorfer getrunken u. liefi 
meine Zunge laufen; er sagte: Chopin ware neu und genial; 
meine Rezension wiirde noch in diesem Jahrgang dran kommen 
- er ist ein sanfter frommer Mann ohne Sucht und Glanz. 
Gestern hohlt* ich mir in der Langeweile Casanova 372 - der Him- 
mel war aschgrau - das Finale zum Conzert 331 nab' ich gliick- 
lich angefangen, will's durchsetzen. - Die medicinische Muse 
[Glock] ist toll in Verzweiflung - ein unlauterer, kriechender, 
ich glaube durch Armuth und Putzsucht verdorbener Mensch. - 

In der ganzen vorigen Nacht hatt' ich einzige Traume - ich kam 
* unter ein Rudel herrlicher bliihender Madchen alle mit Blumen- 
korben in der Hand u. Damenhuten auf dem Kopf - 

1 1 Das war ein Springen u. Rennen u. wie ich mich umsah, sind auch 
Jungen drinnen u. drunter, aber auf jedem Buckel steht die 
Zahl 04 aufgeschrieben - 

Sollte das Etwas bedeuten: 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64 



°* Urspriinglich „Do", durch „ich" iiberschrieben. 

376 









Am i8ten. 


Prachtexemplare vom Opus erhalten 






u. erhielten : 




05 von< 


denPapillons 373 : 


Die Mutter 






i. 


Therese [Schumann]. 






2 


Rosalie [Schumann]. 






3 


Emilie [Schumann], 






4 


Die Obristin von Liebenau. 






5 


Dr. Cams. 






6 


Kaufmann Carus. 








Postmeister von Schlegel. 






7 


+ Auditeur Erttel. 






8 


Emil Flechsig. 






a 


+ Baccalaureus Kunzsch. 






9- 


+ Die Forstmeister von Helldorf. 






+ Amalia Scheibe 








Clara Wieck 






IO. 


Madame Seyffert 








von der Liihe. 






b 


+ Der Tunnel 374 






c 


Wendler. 






II. 


Vetter. 






d. 


G. W. Fink 






e. 


Glock 








2 sodann: 








Dorn. 








Haak. 






12. 


Wolff. 






f. 


Jettchen Wieck. o6 dann 


: die Vollmar. 


13- 


Laura Probst. 


Lina Lorenz 


14. + 




Marie Bauer 


15- 



Gewohnliche Exemplare erhielten: 

Das Leihinstitut zwey Exemplare 
Wieck, zwey Exemplare, 
Pfund. 06 dann:Rellstab, 

Pohl. Hummel, 



m. 
n. 



05 Die rechte Spalte von Schumann spater eingetragen ; links vor „Mutter" 
bis „Baccalaureus" senkrechter Strich. 

ou Die rechte Spalte auf dieser Seite und „Pohley Sorgel" in der linken 
Spalte von Schumann spater eingetragen. 



377 



Hunicke. Schuster, o. 

Liihe. Castelli, p. 

Dr. Petschke. Sorgel. q. 

Knorr. 
Rost. 
Wirsing. 
Bruckner. 
Siebeck. 

Stadtschreiber Beck. 
Bergschreiber Becker. 
Wilhelm Ficker. 
Mei&ner. , 
Rudel. 
Beyer. 
Franz Otto 
Glock fur Berger. 
Ritzhaupt zwey Exemplare, 
Pohley™ 
Sorgel 
1 3 Faulhaber, 

Sophie Haub in Heidelberg, 

Die Bleichroth in Mannheim, 

Lind, \ , 

Lauter f m HeideIb erg 

Heckel in Mannheim, a Condit iz Exemplare, 



Das Sichselbstvergessen ist hochste Poesie 07 ; das Bewufltseyn 
hochste Prosa - beriihren sich als Extreme haufig im Genie. 

Am 5 ten Januar 32. 
Der Kiinstler mufi sich immer im Gleichgewicht mit dem Au- 
Benleben halten ; sonst geht er unter, wie ich. 
Das Genie hat fur das Talent hindernde Kraft u. warum? Das 
Schandliche der Nachahmung ist nicht in der Form oder Figur, 
sondern im Abstehlen des Charakters oder des Stammgefuhls. 

Gestern war Polenconzert 375 ; -Ottilie warf mir e i n e n langen 
Blik hin; kann ich denn dicli nie vergessen. Der Bruder ist je- 
den Abend im Kaffeebaum. 

07 „Poesie" auf ein nicht mehr lesbares Wort geschrieben. 

378 



In der Sonate 376 war ich sehr selig - der ietzte Satz fehlt noch - 
doch bin ich sehr angegriffen u. wiist. 



Am 2osten April. 32. 
Plane f iir zukiinf tige Stunden : 
Fantaise rhasodique. 
Fandango pour le Piano 2,11 . 

Drey satyrische Fugen mit Schlufkhor an die Fantaisie. 
Capricen von Paganini zu 

Studien fur Clavierspieler eingerichtet, die sich mehrseitig 
bilden wolleri 378 , 

Zergliederung der Bacchischen Fugen, 
Der musikalische Roman, 
Caecilia, Florestan, Meister Raro 

Reinheit d. Kunst, der Kiinstler, Meisterschaft u. Ironie[?] 
war die Grundidee 



Bekanntschaft mit Julius Mosen u. Schuster beym Bayerschen. 



Das Genie hat Eigenthumlichkeit, das Talent Eigenheit (oder 
Eigen h e i t e n) ; dieses entdeckt, jenes erfindet. 



Stelle dich iiber dich selbst mit deinem Geist iiber dein physi- 
sches Leben u. bleibe wie jener rein - Jesuitisch. 08 



Soil mich das musikalische Kunstwerk befriedigen,\wenn ich es 
zum erstenmal hore, so will ich ein Gefiihl, jenem gleich, wenn 
man in ein neues, hohes, fremdes Haus tritt mit Gotterstatuen 
im Vorsaal, Alles noch nicht gesehen u. doch wie bekannt u. wie 
friiher getraumt. 

Man meint, die Gothi'schen Sentenzen schon langst gemacht zu 
haben. 

08 .Jesuitisch." spatere Hinzufiigung. 

379 



1 5 In der Zwischenzeit ward ich mit Posgaru, Jul. Mosen's Venlot 379 , 
Steffen's Malcolm 380 , u. Schefer's Novellen 381 vertraut. 



Schefer hat mehr Fantasie, als Gef uhl - fangt sehr oft von Neuen 

an mitten im Stuck Mochten doch alle neucrn Dichter die 

griechischen nicht bey Seite legem - 



Es giebt wirklich Menschen, die keinen Gehorsinn haben. 



Mein Geist war der Theorie wie sechs Jahr vorangeeilt; ich habe 
viei zu thun, beyde wieder in Wechselwirkung zu bringen. In 
Theorie begreife ich die aesthetische Form u. das Plastische. 



Die Einfachheit in den musikalischen Regeln ist unglaublich. 



Es ist schwer, jede Erscheinung an ihre Stelle zu setzen urid 
selbst unverriikt zu bleiben. 



Originalitat wirkt reproductiv. - Das Wohlgef iihl des 
Kiinstlers bey'm Schaffen geht immer iiber. 



Den Berliner Theoretikern ist nicht kraftig genug entgegenzu- 
wirken; ihre ped [a] ntische Fantasielosigkeit geht in ihre Kunst 
iiber. . 

Bescheidenheit s p r i n g t oft aus dem Stolz, der mit sich klar 
ist - Schuchternheit ist jedoch Mangel an Kraft und Schwache 
des Selbstgefiihls. 

16 Gehe nicht aus deiner Sphare und wolle n i e mehr bedeuten, als 
dir wirklich moglich ist. Ware dieser Grundsatz von den Kiinst- 
lern gehalten worden, so hatten wir auch Kunstwerke des 
Talent's (Onslow, Moscheles). 



380 



Hummel ist ein Genius, der sich selbst nicht versteht, den gering- 
sten[?] klar u. durchsichtig ist. 



Eine gewifie Behaglichkeit ist alien Meistern [eigen], Gothen, 
Hummel, Mozart. 



Am 29. 
Von jeden der Intermezzi's 382 steht das Bild lebend in mir; an 
kleinen Strichen fehlt's nur noch. Das war eine schone Woche; 
rein, fromm, nuchtern u. beiebt. — 

Gewohnheiten sind schwerer abzulegen als Leidenschaften. 
Briefe sind fort an Hummel, Rellstab, Castelli, Dorn, die Fa- 
milie. 
Plane: 

Vier ganz elegante Bliithen, nach E., in der Art wie ich 09 die 

Belleville auch im Traume hore. 

Vierhandige Etiiden ; 

Exercice fantastique. 

Rondeau in B. 

Acht Bilder, nach den Symphonien Beethovens, Florestiana. 

7 Am 30. 

„Du pflegst jetzt die. Tugend sehr" rief mir eine Traumstimme 
in der letzten Nacht. 
Wann wird Florestan begonnen? 



Von der Tonkunst, dem wahren Elemente woher alle Dichtun- 
gen entspringen u. wohin sie zuriickkehren? 

Gothe, 31 -242. 383 



Das Positive, Klare ist das Unbeweisliche, Unbegreifliche ; das 
Negative, das Dunkle das Begreifliche, Beweisbare. - 



Am ersten May. 
Gestern kam Sorgel mit seinen drey Rangen. Was das fur Jun- 

^ 9 „ich° uber der Zeile eingefiigt. 

j8i 



gen sind in Natur, Verstand und Kraft. Seine Lebensberichte 20- 
gen mich sehr an; der verheirathete Musikdirector [Dora] tro- 
stete mich - in Riedel's Garten aCen wir - der Himei 010 war 
herrlich. In Hinsicht Gloks „Manche Menschen werden schon 
leicht, wenn sie erst 011 ein Gleichgewicht £uhlen["] - Der Friih- 
ling kommt nicht mit grofien Wettern und Naturscenen, hier u. 
da mit einer Bluthe, einen Schmetterling - u. so soil's beym 
Kiinstler seyn - Mitten im GenuBe Mafi zu halten, wird mir 
aufierst schwer. 

Vorgestern traf ich Benecke aus Hamburg, fand ihn gestern aber 
• nicht. 
Gestern Abend 012 den kleinen Rascher mit Bankmin, der nach 
Philadelphia will 

18 In Florestan wird mir's schwer, geschichtliches Interesse und 
iiberhaupt Handlung zu bringen. Faulhaber soil der alte Orga- 
nist heifien. Vult Harnisch 57 tritt in dem Anhang auf sammt den 
Waldhornisten Krumelchen. 



Am 2 ten. 
Gestern f ruh kam Clara [Wieck] mit Wieck an ; Gustav u. All- 
win [Wieck] meldeten mir's im Augenblik. Abends Abschied von 
Pankmin u. Sorgel samt seinen Rangen. Abends Wilheim Ficker 
bey Krangel. 
Papillons fm Tageblatt 384 heute angekiindigt gefunden. 



„Nur vermifite man an ihm (Durand) ein gewifies inneres Feuer* 
oder audi nur jene Art von Enthusiasmus, der ihn aus sich selbst 
herausgetrieben, womit er sich dem Publicum aufgedrungen 
hatte, dafi es ihn fiihlen und anerkennen mufite. Man hoffte je- 
doch, dafi er dies Bediirfnifi bald selbst empfinden werde." 

Gothe. 32, 75. 385 

Von Wiek soil treulich referirt werden. 

010 UrsprungHch „Garten", durch „Himel" uberschrieben. 

011 „erst" uber der Zeile eingefugt. 

012 Anstelle von „A" ursprungUch „na". 

382 



Am 3 ten. 

Nun nab' ich ihn wieder. War's aber Zerstreuung oder Abspan- 
nung, er schien mir in jeder Hinsicht schwacher als fruher, nur 
die Arroganz, das Feuer, u. das rollende Auge dasselbe. Clara 
[Wieck] ist hubscher und grofter, kraftiger und gewandter und 
hat einen f ranzosischen Accent beym Deutschreden, den ihr Leip- 
zig 

bald austreiben wird. Sie spielte die neuen Capricen 386 , mir kam's 
vor, wie ein Husar. Ihre kindliche Originalitat zeigt sich an Al- 
lem, so gefallt ihr der dritte Papillon 387 am besten. Die Va- 
riat.[ionen] iiber „an Alexis" taugen Nichts, sind alle ohne Fan- 
tasie, fur den Kenner-kiinstler zu wenig, fur den Dilettanten zu 
viel. Natiirlich war die Unterhaltung von s.[einer] Seite indi- 
viduell u. speciell, von meiner allgemein. In s.[einem] Urtheil 
kommt, wie fruher, der Tadel vor dem etwaigen Lobe. Ueber 
Kalkbrenner sprach er sich am gunstigsten aus ; „er spiele 
frisch u. mit reiner, untadeliger Mechanik, aber wenn er vom 
Geiste Etwas gehort habe u.s.w." Nun! ich kenne seine Be- 
griff e. Ueber P i x i s : er sey arrogant, unausstehlich, schwer zu 
befriedigen und ein Borne in Hinsicht seines Hasses auf Deutsch- 
land, das ihn nicht anerkannt hatte, Ueber C h o p i n : er sey 
ein hubscher Kerl, aber durch Paris liederlich u. gleichgiiltig ge- 
gen sich u. die Kunst geworden, hatte die Kalbrennersche Me- 
chanik (mit losen, unabhangigen Fingern), sonst aber wenig 
Kraft u. keine allzulebendige Schattierung. „Wie ist doch der 
Mensch immer vom Kiinstler getrennt." Das neue Conzert 388 
sey neu, durchaus edel, aber voll langweilige Stellen u. Sonder- 
barkeiten. 

Mendelsoh n 389 kam leidiich weg, er mache ungeheures 
Aufsehen in Paris; Ton und Anschlag taugten nichts; sonst spiel' 
er wiithend, aber nur Beethoven u. Mozart. In H i 1 1 e r's Spiel 
ware der Judenjunge in jedem Takt zu erkennen. Von Goethe, 
Gottfr. Weber, Meyerbeer, Spohr hort' ich noch wenig bedeu- 
tendes. Sonst war Vieles unwurdig und gemein in seinem Ur- 
theil, das Clara [Wieck] u. das Geld besticht. 



Abends Holberg bey Krangel. Mit Wieck da. 



383 



Am 4ten. 
Wenn Haschen nach Originalitat fast einen Mangel daran be- 
zeigt, so ist doch das Streben nach Neuheit nicht zu verwerfen, 
(wenn nicht die Granze der Einfachhek und Natiirlichkeit iiber- 
schritten,) da es das Gemeine nicht aufkommen lafit. 



Wieck nennt die Papillons pikant, neu, originell. Geist ware in 
jedem. Er will eine Rezension in die Caecilia 390 liefern. 



Probsten „conveniren" die mehrsten ; den Schwanz hatte er mir 
geschenkt. Sein Urtheil sagt seken nichts : ich driike das mit FleiB 
negativ aus. 



Die Freunde treff en sich auf dem Brand 3//i ; Probst war ungezo- 
gen, Wiek sehr artig, Clara [Wieck] kindisch einfaltig. Sehr spat 
gingen wir nach 
21 Haus: Clara und ich Arm in Arm. Sie spielt jettzt 013 wie ein Ca- 
vallerist. Die Capricen sind keine, sondern eher Impromptus 
oder Wiek'sche moments musicals, 

Unter den Papillons waren viele amerikanische, seltne, driikte 
sich Wiek dichterisch genug aus. 

Ich fiihle jetzt eine Wurde, Kraft u. Bescheidenheit in mir, die 
eine Folge der Nuchternheit ist 



Der alte, kindliche Rink wird sehr gelobt von beiden. Sonst 
sagte W.[ieck] dasselbe nur mit ein Paar Nullen mehr. Ich be- 
greife diese Unverschamtheit nicht; entweder kommt sie aus 
Vergessenheit oder aus einer Nichtachtung meiner Person. Der 
alte ist er sonst noch, nur pariserisch-hoflicher. 

Am 6ten. 
Gestern gegen Mittag kam Knorr, 014 Hofmeister mit Liihe; Un- 
ter handlungen wegen der Capricen 378 ; er findet die Papillons 
„eigenthumlich humoristisch u. melancholisch." Sonst war ich 

•« Sic. 

014 Wort schwer lesbar, vielleicht „fruh". 

384 



ziemlich zufrieden mit dem Gesprache und mir. Die schone, 
blasse Nachbarin sah audi seit langen Zeiten wieder am Fenster ; 
ich fafite die Idee zum 2ten H[e]ft der Papilions, dessen Anfang 
Etwas von einen Klostergesang hat. Den Mondaufgang nicht zu 
vergessen. 

Nachmittag zu Wiek ! Wen treff ich da - X. Schnyder von War- 
tensee. Was das £ur eine treue, schwei- 

zerische, gediegene Seele ist: Wiek bemerkte richtig: manchmal 
langweilige. Mit Wieck u. Prinz zu Krangel. Prinz erschrak 
ordentlich iiber das, was W.[ieck] erzahlte u. sagte einmal iibers 
andere: Du mein Gott, Du mein Gott u. er verdrehte die katho- 
lisch-ruhig[en] Augen ganz 015 fanatisch dazu. 
Ich befand mich auf einen Spaziergange nach Gohlis mit Clara 
[Wieck], Wiek, Hofmeister u. Schnyder nicht physisch wohl; 
darum fiihlt ich mich matt u. langweilig. Schnyder war in Allem 
zu Hause u. es schien auch Griindlichkeit da zu seyn. Wie kon- 
nen mich die Menschen dauern, die bey so unendlichen Fleifi, bey 
so viel Liebe zu ihrem Ergriffenen, vielleicht (bey) selbst im Be- 
sitz von Talent, (das sich nur als Frische) 016 von Niemanden 
anerkannt werden, weil ihnen nur der ziindende Funken des 
Begeistern u. der schopferische der eignen Begeisterung fehlte! 
Dies ist ein truber Gedanke. So auch mit Schnyder, der so kind- 
lich 017 wie meist, wie ein Kind mit Clara [Wieck] lappschte. Im 
Mondschein zuriik. Wieck schien mir wirklich schwacher u. 
gleichgultiger geworden zu seyn. 

Dann Abends einen Dank meinen guten Genius, der mich unter 
seinen Fliigel nehmen wolle ! Verlafte mich nicht! 

Am 7ten. 
Die heilige Musik ist auch der Deckmantel der geheimsten, ver- 
worfenstefn] Gefuhlssunden, sagte Florestan, u. dann: in der 
Kunst, wie in Allen, ginge es vorwarts Schritt, riikwarts Gallop. 
Gestern ist Eduard [Schumann] gekommen; mit Clara [Wieck], 
Pfund u. den Kindern ging ich in die Menagerie 391 ; was ist doch 
fur eine Grazie, Natur, Gewandheit in so einen Pantherthier ; 
da studire ! Clara [Wieck] war albern u. angstlich. 
Heute kam Eduard [Schumann] - aber diese Selbstqualerei ist 

015 Anstelle von „g" urspriinglich „f". 

016 Wegen starker Streichung schwer lesbac. 

017 Danach Fragezeichen. 

25 Schumann, Tagcb. 1 3^> 



doch zu todtend. Ich glaube f[a]st, er sieht durch prismatische 

G laser, nahmlich verkehrt. 

Mit dem dritten [Finger] geht's durch die Cigarrenmechanik 392 

leidlich. Der Anschlag ist unabhangig jetzt. Eben komme ich 

vom schonen Connewitz; das Griine starkt zu gewaltig die Sinn- 

u. Geistesaugen. 

Dann mit Eduard [Schumann] u. Linda in die Waffelbude; die 

Hollanderin hat griechisch Profil u. ist lebhaft-verfuhrerisch. 



Am 9 ten. 
Gestern am Morgen Rost storend zwischen die Intermezzi tre- 
tend ; dann der freundliche Tannenberg. Lob der Niichternheit. 
Nachmittags iiber bliihende Aecker nach den Domberg sm . Cla- 
vier greulich. Die Schwachheit des Dritten [Fingers] fangt an zu 
vergehen. Schon gespielt u. componirt an die Intermezzi- Ich 
will sie Clara [Wieck] widmen 394 . Sinnliche Anregung am gan- 
zen Tag, aber Unterdnicken. Charitas ist schon seit 9 Tagen weg- 
geblieben. 
24 Abends wie ich von Krangel kam, stehen an der Thiir Dr. Carus 
u. Agnes [Carus]. Ich war confus, albern, wie ein, Stock. Ich 
fiihlte den ganzen Abend ein MiBbehagen. Sie war kalt, sehr, u. 
hoflich „sie sage nichts mehr" sagte sie. 



Lectiir[e] : Memoiren von Savary 395 , derb, ehrlich, wahrhaftig 

und allkriegsmannisch geschrieben. 

Memoiren von Constant 390 , potschembreiig, aber sehr gutmuthig 

und gemuthlich. 

Gothe's Bekenntnisse 397 . 



Am ioten. 
Daran kenn ich dich, Vogel ! Ein Landsmann von Tannenberg, 
ein baumlanger Kerl, bracht eine Fantasie des Kantors s.[eines] 
Dorfes, bat mich sie unterzubringen. Die Fantasie war aber doch 
gar zu abgeschmakt u. noch dazu geistlos, wie selten: ich ging zu 
Wieck u. sagte: sie sey von mir. Nach einer Stunde wiede[r] hin - 
nun wie ist die Fantasie, Clara [Wieck] ! sie ist hiibsch, gefallt 
mir sehr, meinte sie ernsthaft. - Diese jungen Cantoren sind im 

386 



Clavier noch nicht weiter, als bis zur Weberschen Polonaise in 
Es u. f . [iir] zwolf Jahr zuriick. 



Juvenal scheint verreifk zu seyn. 



Abends mit dem Bruder in die Waffelbulde; die Holland erinn 
ist wirklich naiv. Gegen neun Uhr nach Haus nach e i n e n Glas 
Bischoff. 



Der gemeine Gedank[e], wird er klar und einfach ausgespro- 
chen, beleidigt an sich nicht - aber der verbliimte, der verhiillte, 
der mehr u. heiliger s[e]yn will. 



Am 1 1 ten. 
Gestern schon componirt und gespielt; die neue Methode schlagt 
einzig an ; das ist das Wahre. Gegen Mittag Charitas - entdek- 
kend - 

Nachmittag zu Wieck - Clara [Wieck] - die Donna - Nichts - 
Brude[r] Carl [Schumann] - Von Krangel in die Waffelbude - 
die Hollanderinn u. das Schnupftuch - Kraftiges Erdriiken 
alle[s] Sinnlichen in mir - 

Im Morgenblatt bemerkt: das Leben des Mahler 018 u. die grie- 
chische Reise von Thiersch 398 ! Wie verwiinsch' ich diese Schul- 
erziehung! jedes griechische Wort giebt mir eine Schelle - Wie 
lange wird dieser Unsinn noch anhalten! - 



Am men. 
Gestern friih Carl [Schumann] mit dem Schneeberger Philister - 
fur diese sind nun gerade die Papillons geschrieben - Wenig 
Lust zum Arbeiten u. Trieb zum Davonlaufen - dann Tannen- 
berg u. Hunicke. 

Idee zu Henri Herz, Fantaisie satyrique, 399 ~ Nachmittag aus der 
Waffelbude zum Thonberg; es war eine eigene Miidigkeit in 
meinem Korper, die in der f reyen Luft verging. Zu Haus ; schon 
geiibt aber wenig Fantaisie u. Unlust dazu - 
Zu Klara [Wieck] - Wiecks sechshandige Ecosaifien - manche 
nicht ohne Originalitat. - Die verdammte Sucht, gegen Wieck 

018 Das folgende Wort nicht lesbar. 

25* 387 



so viel von mir zu erzahlen, will nicht nachlafien, da ich, urn mir 
zu nutzen, mehr von ihm reden sollte. - Hier hast du mal wie- 
der auf dich Acht zu geben. 

Gegen neun nach Haus u. in's warme Bett ; denn drauflen war's 
kalt u. die Bliithen fast alle verweht. Der Schlummer lag ganz 
uber mir. Eine Gotternacht ! 



Probst spielte neulich auf mich an, da er sagte, dafi durch Ha- 
schen nach Neuen man auf Abwege geriethe. Ich glaube jedoch, 
dies Hegt mehr an ihm, als mir. Denn dem Tieferstehenden 
scheint gesucht, was dem Routinirten u. Vorgeschrittenen ge- 
wohnlich u. abgedroschen erscheint. Freilich ist's wahr: fehlt 
die Idee, so sucht man die Form u. Gestalt der Theile interessant 
zu machen ; ist aber ein Gedanke da, so bedarf es des harmoni- 
schen Putzes nicht, der so oft schadet. Beethoven wird hierin 
ein unerreichbaar-feines Vorbild seyn. 

27 Am i3ten. 

Sonntag. 
Der Anschlag ist einzig; der dritte [Finger] ein wenig starker. 
Nach Mittag zur Juilie 019 - das ist ein Marienauge. Nach Conne- 
witz hin. Idee der alten Menuett. Zu Haus schon geiibt u. ge- 
spielt. Zu Wieck. Clara will mir die Capricen widmen 400 . Op- 
penheim aus Coin : „der grofie Heyden ware in Stettin*' sagte er. 
Zu Mantel. W.[ieck] uber Paris.. Barthel aus Altenburg bey 
Eduard [Schumann]. Nichts. Waffelbude. Das Marienauge, der 
geile Advocat, u. der besoffene Pumpier. Im herrlichen Mond- 
gianz nach Haus g[e]gen 9 Uhr. Dank meinem guten Geiste. 



Am i4ten. 
Der Mutter konnt' ich etwa schreiben : denn so wie eine Sunde 
immer zehn andere in ihrem Gefolge hat, so audi eine Tugend 
zwey andere - denn das Unkraut wachst schnelier. 
Der Friihling kommt nicht mit Himmelsgewittern, u. Donner- 
schlagen, wie hier u. da mit einer Bliithe. oder einem verwehten 
Schmetterling. Dies der Trost fur junge Dichter u. ihre Eltern. 



019 Lesung sehr unsicher, wohl „Julie" gemeint. 
388 



Gestern friih Hunicke; ein arrangirtes Quintett von Onslow, zu 
weinerlich - 5te Sinfonie von Ries; der letzte Satz hat einen Don 
Juancharakter - 

Aprilwetter am ganzen Tag - bis 3 Uhr spatzieren aber ohne 
Genufi - audi in den Fingern war Gewitterluft. Schone Correc- 
turen am 4ten Alternativo. 



Die Idee zur satyrischen Fantaisie von Herz 1st so iibel nicht; u. 
wiirde eher als Alles andere diesen Genre niederdruken. 



Geist u. inneres Uebergewkht u. Emporung des unwirschen Ge- 
fiihls gehorten zur Ausfuhrung, ohne dieses ware es lacherlich. 



Johann Sebastian Bach hat Alles ganz gemacht - er war ein 
Mann durch u. durch. 



Die Natur behandelt ihre meisten Lieblinge nur zu stiefmutter- 
lich - Beethoven machte sie taub, Newton blind. 



Am 1 5 ten. 
Bey Riedel mit Eduard [Schumann] zu Mittag - Theresen's 

[Schumann] Brief ich habe auch oft ein Vergniigen, einen 

Menschen ohne meinen Willen zu qualen - der herrliche Leipzi- 
ger Gottesaker - Mahlmanns u. Weifles Grabmahl 401 - ich wollte 
das von Sebastian Bach 402 . Als ich nach Haus kam u. recht ge- 
starkt war, Heft ich mir von G. W. Becker berichten, der alles 
weift ; er sagte, daft es nicht mehr zu finden sey. 
Die Nachbarinn schmachtete unendlich lang am Fenster fur 
lange Zeit. 

„Einen versichern, einem versichern - mich es wiften lafien, mir 
es wifien lafien - berichten Sie mich - berichten Sie mir" - 
bey Wieck war Prof. Carus - Wiek kommt mir taglicher matter, 
fader, arroganter vor. - bey Krangel Oppenheim - Mit Wieck 
iiber Dorn und den Generalbafi - Wie er da lauschte; ich kam 
aber bey Bach in's Feuer - u. merkte, dafi ich 

389 



29 zu viel gesprochen hatte. Dies verur sachte mir Mifibehagen, das 
sich am schonen Mondabend legte. 

Die sehr gewandt u. geistreich g [e] schriebenen Memoiren der 
Herzoginn von Abrantes 403 - aber das lahme, religiose Philo- 
sophiren - 

Sind die Intermezzi's fertig, so wird Marpurg wieder vorgenom- 
men u. der doppelte Contrapunct bey Dorn beendigt. 



Am i6ten. 
„Was recht tief a u s der N a t u r genommen 1st, das ist tiefer 
und universeller, als der Kiinstler selber weifi ;. denn es findet 
audi in solchen Spharen Anklange, die er nicht kennen konnte; 
es weckt in einen Jeden andere Aussichten in's Leben, wie ein 
Jeder in bedeutender, charakteristischer Natur, wenn die Ge- 
gend offen gegen eine schone Feme auseinander tritt, in diesen 
mit andern Bildern u. Empfindungen sich verliert". 

Kunstbl. zum Mgb. Nro. 30. 1832. 

„Kunst ist ein Festhalten der Begeisterung, praktische, or- 
ganische Anwendung des Triebes zum Schonen. Begeisterung ist 
aber kein Affect, sondern eine Stimmung der Seele (!) ; - Inter- 
esse, Schaffenskraft, Bildunglust. Was man gewohnlich unter 
kiinstL[erischer], dichterischer Begeisterung versteht, verhalt sich 
zur Bildungswarme, wie Sturm und Drang des Kraftgenies zur 
achten ruhigen Genialitat." eb.[enda] 404 

» 
30 Es giebt viele Talente, sagte Wieck auf einem Spaziergange ge- 
stern, aber die Tiefe fehlt, das geistige Verdauen, 
Im Ganzen hatt' ich gestern einen Satanastag, an dem ein boser 
Schnupfen viel Schuld hatt Friih Carl [Schumann]. Charitas. Die 
Nachbarinn. Spaziergang ohne Ziel. Manchmal ist's, als griffe 
mich eine Idee, die mich nicht fangen wollte. Florestan sagte: 
wenn man riikwarts Noten spiele, ware es als ginge man einen 
Berg riikwarts hinunter. Das sind f reilich schone 
Gedanken. 

Clara [Wieck] spielt das Field'sche Conzert himmlisch; die Pa- 
pillons vor Wenzel aber unsicher u. unverstanden. Spiele sie sie 
doch einmal, „ach ! ich habe heute einen so schreklichen Schnup- 
fen". 



390 



Mit dem Alten [Wieck] auf den Brand : ich theilt ihm die Idee 
zur satyrischen Fantaisie mit. 

Am 17. 
Am ganzen gestrigen Tag hatte mich der Schnupfen stumpf u. 
dumm gemacht. Die zeichnende Nachbarinn. Seit einiger Zeit ist 
jede[r] sinnliche Trieb in mir wie erstikt. Klar war's, dafl sie 
mich zeichnete. Fiihrte sie mich so hinters Licht, als ich sie! 
Denn wahrlich ich machte nur Striche u. etliche Kiinstler- 
augen. 

Friih vergniigt' ich mich sehr am Ausschneiden von Bildern ; da 
trafen sich Addington, St. Clara, Baggesen, Saussure, Cosmo di 
Medici, Shakespeare u. Yorik. Die Physiognomik hat gewifi fur 
sich; nur keine Wissenschaft hatte man daraus machen sollen; 
das ist mit der musikalischen Theorie kaum better. Mit den 
Kopfen hab' ich allerhand Plane, z. B. mocht' ich mir vorneh- 
men, sie durch's Loos iiber eine Materie u. ihren Charakter reden 
zu Iafien, dann Aehnlichkeiten auffinden, der Augen, Ohren - 
kurz es soil eine lustige Republik werden. 

Aber dieRezensenten bleiben ewig die alten! Ich liefi mir gestern 
den ersten Jahrgang der mus.[ikalischen] Zeitung 1798 hohlen. 
Und ob sie nur einmal auf die Quelle, auf den letzten Grund zu- 
riik sich psychologisiren [?] konnten. Ist's denn einerlei, ob etwas 
im hochsten Lebensdrang, in der Leidenschaft des Augenbliks, 
oder mit dem Lineal oder am Theetische geboren wird? Him- 
mel! soil denn der Mensch im Kiinstler untergehn? habt ihr je- 
mals gefragt, ob in einer Musik Wahrheit, innere Wahrheit, 
Nothwendigkeit, u. Genius war! 

Haben Eure Alten, die ihr so anglotzt, erfunden, warum schatzt 
ihr an den Neuern keine Erfindung! Habt ihr jemals den zukiinf- 
tigen Meister erkannt - Ihr Ochsen![?] was sagt ihr iiber Beet- 
hoven! - wie sie j[e]tzt zittern, wenn sie so etwas aehnliches 
durchl[a]fien mufken - Auch das mit „dem Geniezug" war zum 
Todtlachen. O konnt* ich Euch in eine Kanone laden, daft ihr 
Euch an falsche Quinten gewohntet. 

Wahrend dieser Expectoration hab' ich oft gelacht, weil die 020 
Sache der Worte nicht werth ist. Sonst hab' ich auGer Anectoden 
iiber Mozart 405 , eine Selbstbiographie Neefen s 406 Wenig Neues 
oder fur mich Bemerken werth es gefunden. 



020 Urspriinglich „ein", durch „die" uberschrieben. 

391 



Im Jahrg. 1799 S. 571. steht iiber Beethovens Sonaten, Salieri ge- 
widmet 407 , wortlich : 

„Wenn H.[err] v. B.[eethoven] sich nur mehr selbst verleugnen 
u. den Gang der Natur einschlagen wollte, so konnt er bey sei- 
nem Talente u. Fleifle uns sicher recht viel Gutes fiir ein Instru- 
ment liefern, defien er so aufterordentlich machtig zu seyn 
scheint["].- 
Der Accord : 



* 



m 



& ~ 



wird vorher gut ein doppeltverminderter Septimenaccord ge- 
nannt; 
3 3 der Rezensent nennt ihn einen „angenehm auf£allenden.["] 



„Vielleicht konnt man sogar behaupten, da6 man, um ein schlech- 
ter Meister zu werden, nur ein guter Schuler seyn diirfe" 408 



Weiter: 

W9 Var. sur le Duo : „la stessa, la stessima" v. Beethoven, 
„Mit diesen kann man nun gar nicht zufrieden seyn. Wie sind sie 
steif u. gesucht u. welche unangenehme Stellen darin, wo h a r t e 
T i r a d e n in fortlaufenden halben Tonen gegen den Bafi ein 
haGliches Verhaltnift machen u. umgekehrt. H,[err] v. B.[eet- 
boven] mag phantasieren konnen, aber gut zu variiren versteht 
er nicht." 

Am 1 8 ten. 
Lolli's Lebensumstande 410 waren noch halbweg interessant sonst 
wiifit ich nicht Neues in den Jahrg. 1798.99. gefunden zu haben. 

Rosalie [Schumann] kam gestern; wie einfach, wahr u. fast 
homerisch im Erzahlen sie 1st, wie die Frauen insgemein. Die 
schielende Minna: Tageblattcorrespondenz. Dann Rost. Im 
Aetterleins Keller 411 gegessen. Riedel's Garten. WaffeDrude. 
Nach Haus. Es war mir unmoglich vor Schnupfen u. Uebelkeit 
etwas ordentliches zu horen, fiihlen, sehen. Wenn mich nur nicht 
Alles, was einen Schein 

392 



von Liederlichkeit hatt, aufier mich brachte und unruhig machte ! 
Dann Rosalie [Schumann] bey mir; wir gehn auf die Messe. Le- 
derne Fantasie zu Haus. Zu Wiek's. Lederne Clara [Wieck] . Zu 
Krangel; lederner Kerl. Zu Julchen. Liebliche Hollanderin; sie 
stekte sogar eine Aurikel mir an! Dann in Etterleins Keller, der 
Reine wein fur 10 Groschen. Gegen i/z 10 nach Haus. Innre Un- 
ruhe; dann fester, traumender Schlaf. 



„Ach! da ich irrte, hatt* ich viel Gespielen, 
Nun ich dich kenne, bin ich fast allein" 

Gothe. 



Bemerkenwerther Brief von Fr. Rochlitz iiber Liebhaberey an 
Musik in der mus. Zt. No. 10. 1799. 412 



Sonnabend am I9ten. 
Friih Rosalie [Schumann] ; das Clavier ruht ein wenig, aber es ist 
ein Ausruhen. Die hiibschen Schwester[n] - es steht im Tage- 
blatt. Am ganzen Tag nichts von Bedeutung. Gegen Abend 
Probst mit de[m] Alten [Wieck] u. Architect Hahn aus Zwickau 
bey Schiegnitz zu Abend gegessen. 



Memoiren von Rovigo. Thl. 1. 



Montag am 2 1 . 
Schnupfen und Kopfweh lasten unausstehlich. Vorgestern wenig 
von Bedeutung. Wieck trefF ich selten zu Haus. Clara [Wieck] 
ist lahm u. kalt. Die Rejse hat wenig EinfluB auf sie gehabt. 
Ich konnte Carl [Schumann] nichts vorspielen. Woher die Be- 
klemmung? Begegnung der Nachbarinn, die aber diirr u. hafilich 
ist. 

Gestern bei Suffrian zu Tisch; Faber mit seiner Schwester aus 
Fiirth. Mit Rosalien [Schumann] in's Conzert der Schiasetti 413 - 
(Ottilie) - Rolla u. Vestri. Der ersten Spiel ist gewifi edel und 
gefuhlt, aber genial gewifi nicht. Sonst flel mir wenig auf. 



393 



Des Kapellmeister Schulz Biographie von Reichardt, treff lich ge- 
schrieben in Jahrg.[ang] 1800. S. 176. 414 



Dienstag am 22. 
Friih Charitas - u. Rosalie [Schumann] kommt. Verlegenheit. 
Himmlischer Himmel! - Ein Manuscript von Emil Beyer; da 
fehlt weiter nichts, als Alles, d. i. die innere Wahrhek (Nothwen- 
digkeit des Lebendranges) - der dritte [Finger] scheint wirklich 
uncorrigible. Bey Riedel mit Carl [Schumann] gegessen. - Mit 
Rosalien [Schumann] in's Rosenthal - Goldgriin an Baumen u. 
innerer Glanz - Am Clavier viel Ideen, aber ohne Combina- 
tionsfahigkek - Die Interemezzi sollen etwas werden - jede 
Note soil in die Waage gelegt 
36 werden. 

Friih fing ich wieder mit Marpurg an. Ich verstand schneller u. 
leichter, als vor einigen Monaten. 

Ich mochte wohl die Capricen von Pag. [anini] , die Intermezzi, u. 
das Rxercice fantastique auf einmals ausgeben. 
Eine Phrase fiel mir gestern im Rosenthal auf: ich habe schon 
lange nach Ihnen ausgesehen. - 

Abends kamen Carl u. Rosalie [Schumann]. Soil ich Jemanden 
vorspielen, so uberfallt mich eine angstliche Fantasielosigkeit, 
die mich zur Verzweiflung bringt. Ich scheine ehe[r] meinen Ge- 
nius verlafien zu wollen, als er mich. 



Clara 021 [Wieck] will Rosalien [Schumann] die Papilions vor- 
spielen. 

Noch spat in die Hollandische Bude - lauer Abend u. weiche 
Stimmung. 

Beethoven Sonate fur's Hammerclavier - Op. W6 022 , die Fuge 
scheint mir keine zu seyn. Wie scheiterte mein Stolz an dieser ! 
Dann Op. 54 in F # ist kindlich originell. 



Bleibe nur immer Mozart u. Bach dein Muster in Form, Behand- 

021 „C1" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

022 „io6" aus „iii" verbessert. 



394 



lung, Natur u. Kunstruhe. Aber dieser Machtige hat den Zauber- 
stab in der Hand, mit dem er wie andre tausend neue Gedanken 
hervorruft. 

Eine Sonate von Phil. Em. Bach ist gar nicht ohne Geist; aber 
das Sebastian'sche Genie fehlt ihnen wohl. 

Mittwoch am 23Sten. 
Himmlisch Wetter - friih im Marpurg - dann mit Rosalien 
[Schumann] (gestern) in die Ausstellung weiblicher Arbeiten fur 
Polen 415 - mit ihr zu Wieck - Clara [Wieck] u. die Papillons, die 
sie noch nicht ganz beherrscht; aufgefafk sind sie gluklich u. in 
meinem Sinne; nur Zartheit vermifV ich, so seelenvoll sonst u. 
gesund schwarmerisch der Vortrag 1st. Der Alte [Wieck] nennt 
die beyden letzten Satze die originellsten. Dann spielte sie Capri- 
cen u. den letzten Satz aus dem Moscheles'sischen Es conzert - 
Im Kranich gegessen - Schnupfen u. grofies Uebelbelinden nach 
einem dumpfen Mittagsschlaf - Hunicke - dann zu Wiek — 
Clara [Wieck] mu6 an den Papillons studiren - der Pariser - 
Clara ausgelassen - mit beyden u. dem Vetter 416 auf den Brand - 
aber welche Null bist du, mein Vetter ! Viel gesprochen ! 
Mafiige dich jedoch, guter Robert! u. vergifi in der Schnelle des 
Augenbliks nicht die Folgen, die ein einfacher Gedanke fiir dich 
haben kann : so wenn ich uber Probst mit Wiek spreche, u. umge- 
kehrt. 

Es kommt nichts lacherlicheres heraus, als das Sich-iiber-die- 
Regel-erheben-wollen, bevor man sie griindlich u. sicher in sich 
verarbeitet u. verdaut hat. - Denn audi der mit weniger Talent 
begabte, (obw) wenn er nur sonst griindlich fortging, zieht jenem 
die Maske im zweiten Moment der Begegnung weg. - 
Mit Hunicke will ich noch einmal an Marpurg. 
Wieck mag alle seine Gedanken erst nach einer Woche ausspre- 
chen ; an Eingebungen im Augenblik ist er arm u. in jenen durch- 
dachten wiederhohlt er sich zu oft .- ohne bedeutende Verande- 
rung. 

Am 24sten. 
„Warum sollte sich der Dilettant nicht eben die Freiheiten neh- 
men konnen, als der Kunstler" sagte ich zu Hunicke. Er gab audi 
zu ; aber da fehlt alles - weder zundend noch entbrannt ist's. Faul 
gingen wir den ersten Abschnitt im Marpurg durch. 



395 



Mit Wieck u. Clara [Wieck] in die Ausstellung fiir Polen; dort 
trafen wir Rosalie [Schumann] u. die 023 

Triige Wieck weniger stark auf , so wiirden seine Gedanken wah- 
rer u. angenehmer seyn. 

39 Wie er so unnothigerweise sich iiber diese Arbeiten ereiferte u. 
so unzart ! 

Rosalie [Schumann] war bey mir zu Tisch. Rascher kam spater 
im schwarzen Frak. Da wurde viel politisirt; der weifi aber 
kaum, was er will; hat aber ein dunkles Ziel u. dabey ein rein 
kraftiges Gemuth. 

Clara [Wieck] spielte mir die zweite Fuge von Bach vor, deut- 
lich u. klar u. im schonen Farbenspiel. Ueberhaupt (je) die Fuge, 
in der man lebendiges Colorit anbringen kann, ist kein Kunst- 
stuk mehr, sondern ein Kunstwerk. 

Der 024 Alte 025 [Wieck] zankt iiber ihre wenige Eitelkeit. Etwas 
Wahres ist daran. 

Abends mit ihnen u. Rosalien [Schumann] in die Wasserschenke. 
Sonst sprachen wir iiber Vieles und recht lebhaft vom Herzen 
weg. - Clara [Wieck] wuftte nicht, ob eine Ente eine Gans oder 
eine Ente ware. Da haben wir viel gelacht. - Wie lib* ich Rosa- 
lien [Schumann] ! - 

„B6hnern hat er in Gotha zur Thiir hinausgeworfen. Der junge 
Liszt sey absprechend u. stolz; der junge Field liederlich u. 
schmutzig, aber guthmuthig u. geschikt." 

Bey Krangel trafen wir Carl u. Eduard [Schumann], audi Hol- 
berg war da. 

Dir aber, mein freundlicher Schutzgeist, sag' ich einen kindlichen 
Dank fiir diesen Friihling ! 

40 Am 25sten. 
Die Beethoven'sche Sonate in B ist fast ziellos u. allgemein an- 
gelegt. 

Marpurg, den ich hierauf mit Hunicke vornahm, pafit ohngefahr 

danach. 

Gegen Mittag ungemeine Miidigkeit u. Uebelbefinden. 

Und dann — Herzfeld aus Hamburg, bey Wieck waren Pohl u. 

der Schriftsteller Storch aus Gotha, der sehr gutmiithig, aber 

023 Die folgenden zwei Worter nicht lesbar. 

024 Anstelle von „D" urspriinglich „A". 

025 Anstelle von „A" urspriinglich „a". 

396 



phlegmatisch u. baurisch schien iibrigens in Geldnoth war. 
Wieck: „Die Deutschen kdnnen aus Mifitrauen u. Kritik nichts 
rein mehr genieBen", 

Rascher bis g[e]gen fiinf Uhr bey mir. - Herzfeld empfiehlt dem 
dritten [Finger] Ruhe u. Leichtigkeit. - Dann mit Wieck u. Pohl 
in den kl.[einen] Kuchengarten. Ungeheure Kopfschmerzen. 
Dann mit ihm u. Rosalien [Schumann] in Graf's Garten. Lebens- 
specialitaten, nicht die schonsten. Rosaliens Geschenk Leyer, 
Schwan, Schmetterling - die Gute, Treue, wie liebt' ich sie 
gestern ! 

Sonnabend am 26sten. 
Am Morgen brachte Glock zwey Brief e von Sorgel u. Taglichs- 
beck, die mir Freude machten. „Wir verstehen sie bis jetzt noch 
nkht" schreibt S.[6rgel] von den Pap.fillons] - Spater kam Ro- 
salie [Schumann] auf ein Paar Minuten. - Emilie u. der Hand- 
kuB von gestern - In Riedel's Garten gegessen - Zum Caffee 
bey Wieck - Hofmeister mit Frau, Cranz aus Hamburg mit Frau 
- die Vettern von Wieck. Clara [Wieck] spielte den SchluGsatz 
aus dem Moscheles'sischen Esconzert, aber liederlich - dann 
kamen wieder wie zarte Regenbogenstreifen dazwischen - so- 
dann die groBen Bravourvariationen von Herz, besser als fni- 
her - u. dann die Papillons. 

Schmeichelhaft 026 war's schon fur mich, nach Herz u. Moscheles 
gespielt zu werden. Clara [Wieck] hatte sie richtig u. feurig ge- 
faJRt u. mit wenig Ausnahmen sie (an) gegeben. Wiek machte den 
Cicerone, zeigte Harlekin u. tiefere Bedeutung der Maske - Hof- 
meister lobte sehr u. der Alte [Wieck] machte mich auf die Vor- 
theile aufmerksam. „Nun, Madame, sagte er zu Rosalien [Schu- 
mann], ist Clara [Wieck] nicht eine gute Stellvertreterinn Ro- 
berts - ich laBe diese paar Noten nach den ganz groften Clavier- 
sachen spielen u. sie 

machen einen so schonen Eindruck auf die Gesellschaft.["] 
„Glauben Sie, antwortete ich, Herr Wieck, dafi ich dies gewifi 
fuhle, wenn auch weniger ausspreche - u. der Berliner Accent in 
der Betonung war kaum miftzuverstehen 027 . 
Dann kam Herzfeld. Abschied u. Gang mit ihm u. Rosalien 
[Schumann] in's Rosenthal - HerloBsohn war da u. lauschte nach 

026 „S" zur Verdeutlichung nochmals uberschrieben. 

027 Ursprunglidi „zu", durch M raifi" uberschrieben. 



397 



Rosalien, - In Rudolph's Garten 028 Carl [Schumann] kam 

spater, mit weift funkelnden Augen u. eiferslichtig, auf Herzfeld, 

schien mir. Wie einfaltig ! Da iiberseh' ich auch mit meinem gan- 

zen Stolze kleinstadtische Aufierungen, wie er machte. 

Aber nun fand ich bey der lieblichen Hollanderinn, deren Na- 

men Julie nur beleidigt, die klare, unbewuBte Natur wieder. Und 

dann ein erster, leiser Kufi - u. wie dann die Augen schimmer- 

ten!- 

Wie ich nach Haus kam, lag ein Brief von Hummel da, den ich 

durchaus verstehe u. der mich sehr erfreut. Aber was soil ich in 

Weimar? 364 Probst hat Recht. 

43 Sonntag am aysten. 

Gestern 029 friih mit Herzfeld und Hunicke zu Wieck, der mir 
wirklich artiger, als vor der Pariser Reise vorkommt. Sein Har- 
monikaspiel macht wenig Eindruck auf mich. 
Wahrend Clara [Wieck] das Field'sche Conzert zum Entziicken 
spielte, trat ein Engel herein - die Carus 030 - spater kam Rosalie 
[Schumann], So wie heute nab' ich Clara [Wieck] noch nie spie- 
len horen - da war alles meisterlich u. auch alles schon. Auch 
die Papillons spielte sie fast noch schoner, als vorgestern. Agnes 
[Carus] war fort. 

Bey Riedel zu Tisch - Sehnsucht nach der hollandischen Maid - 
Ich blatterte „ Beethoven's Compositionsstudien" 417 durch, fand 
aber so viei Humor im Dociren, dafi ich mir sie in Augenblick zu 
kaufen vornahm. Ein Mann, wie Beethvn, wiegt allein sechs 
auslandische Genie's auf - Und der Deutsche mit seinem tiefen 
Talente, seinem ruhigen Gefiihle, seiner Grundlichkeit u. Leich- 
tigkeit im Auffafien, die keinem andern Volke gleich gemein ist, 
durfte so lange verachtet seyn. Und konnt' ich einmal diesen 
deutschen Namen verherrlichen, durch Ton u. Wort - Was ist 
das fur ein Gedanke, der mich so stiirtzt von Ewigkeit zu Ewig- 
keit, von Menschenalter zu Menschenalter 



44 Beethoven! ein Fuhrer zum Ziel bist du nicht, du bist es nur 
selbst! 

028 Anstelle von „G" urspriinglich „R". 

029 „Gestern" iiber der Zeile eingefugt. 

030 Urspriinglich „Dr.'\ durch „C" iiberschrieben. 

398 



Nach Wien, nach Wien, wo mein Schubert u. Beethoven ruhen : 
der Entschlufi ist gefaflt. 

Montag am *8sten. 
Rosalie [Schumann] reifite vorgestern ab ; Herzf eld sah ich nicht 
wieder. Es war gestern ein todter gleichgiiltiger Sonntag. Gegen 
Mittag kam Charitas. 

Eine (wenig erfreul.[iche] 031 g u t e) Bemerkung mufit ich an mir 
machen, als ich meine altesten Kindercompositionen einmal 
durchstobe[r]te, „daft kh nahmlich in keiner Periode meines Le- 
bens von dem Standpunct aus gearbeitct habe,von dem ich sollte 
und diesem immer voraneilt[e]. Kam ich nun auf anderweitige 
naturliche 031a Weise auf diesen erkiinstelten, so mufit' ich bald 
finden, daft die Arbeit [?] ungenialich u. flach, selbst unwahr 
(sey) war", (wahr war ist schlecht) 

Abends eine Soiree im 032 Salon de M. Wieck. Cranz mit Frau 
aus Hamburg, Hofmeister's, Schott aus Mainz 033 , Ortlepp, der 
ungliikliche Magister, Professor Carus mit Agnes, Herrmann von 
Aken mit Frau, waren da. Spater kam Dorn mit dem pfiffig 
geistreichen 

Gesicht. Zur Bacchischen Fuge, die Clara [Wieck] spielen mufite, 
waren die Rechten nicht da. Ich war unwohl, muftte aber uber 
Wiek's Charlatanerie lachen, mit ihm selber. Sonst spielte Clara 
[Wieck] Etiiden von Kalkbrenner u. Ries, den ersten Satz aus 
dem FiekTschen A^conzert - (das lederneSagemuhlenlied 418 sang 
Agnes [Carus]. Der Professor [Carus] sagte beym Wiederhoh- 
len: „ Wieck singt noch einmal"). Die Papillons schienen mir die 
Gesellschaft nicht au fait gesetzt zu haben - denn sie sah(en) sich 
auffallig an u. konnte die raschen Wechsel 033a nicht fafien. Clara 
[Wieck] spielte auch weniger gut, als am Sonnabend u. mufite 
geistig u. physisch miide seyn. Gegen eilf Uhr spielte sie sie noch 
einmal, jedoch noch liederlicher, aber auch lebendiger. 
Dorn that, wie ich, als ware nichts vorgefallen, u. sprach von 
n Blumen" - Die „Narzifie" 419 spielte er vor; mir gefiel Kraft u. 

031 „erfreul." uber der Zeile eingefugt. 
031a „naturliche" iiber der Zeile eingefugt. 

032 Urspriinglich „der", durch „im" iiberschrieben. 

033 „Schott aus Mainz/' am Ende der Seite hinzugefugt und durch ein 
Garama-Zeichen an diese Stelle verwiesen. 

033 a UrspriingUch „sch", durch „ch" iiberschrieben. 

399 



Bundigkeit im Styl - Herz u. Meiodie vermift* ich dennocli bey 
ihm; eine Narzifie war es wenigstens nicht. Eine musikalische 
Blumensprache war eine meiner friihesten Ideen. Auch von einen 
Olymp sprach er; Vulkan u. Mars kann er bilden, aber zur Ve- 
nus oder Diana mag ihm Alles fehlen. 
46 „Ein Beyspiel kann nie geistreich seyn", meinte Dorn. 

Clara [Wieck] war sehr liebenswiirdig u. aufgewekt - aber die- 
ser einfaltige, auf passende Pfund ! - 

Und welcher Pfiffikus ist Wiek! Wie nahm er sich gegen Dorn 
zusammen, als er iiber (Dor) Mendelsohn sprach! Es ist, als 
wenn ihm in des Muskkdirectors Gegenwart die Zunge ge- 
lahmt. 

Gegen zwolf Uhr gingen wir auseinander. Heute ist ein herrlicher 
Maytag - ich will schlafen u. wirken u. meinem erhaltenden Ge- 
nius mit Fleifi u. That dankbar seyn - Du aber Fantasie, gieb 
der Fuge schwesterlich die Hand ! 



Am 29sten. 
Gestern 034 friih kam Mosen, dessen Besuch mich sehr erfreute. 
Nach Tische mit Clara [Wieck] u. ihm in's Rosenthal. Viel iiber 
Dorn gesprochen. „Im Narzift sey Vieles kiihn gedacht, aber matt 
empfunden" sagt* ich; es scheint ein Widerspruch in natura zu 
seyn. - 

Vorgestern lachte ich innerlich sehr iiber Wieck, als er zu Dorn 
sagte: jal seh'n sie - die andern Pariser (aufier Pixis) verstehen 
keinen Contrapunct. Er brachte es auch so auffallig heraus, dafi 
er es selber nicht glaubte. 
47 Abends rifi ich mit Clara [Wieck] sechs Bacchische Fugen ab, 
vierhandig a vista prima. Der hollandischen Maid gab ich einen 
leisen, schonen Kufi u. als ich nach Haus kam gegen neun Uhr, 
setzt' ich mich an's Klavier u. mir war's, als kamen lauter Biu- 
men u. Gotter aus den Fingern hervor, so stromte der Gedanke 
auch fort. Das war der Gedanke C F. G C 420 .- 



Dr. Mises Buch fur die Cholera 421 zu bemerken. Der Styl gefailt 
mir nicht; er ist nicht kurz u. gedrangt genug zur Satyre. Sonst 
ist Geist die Hiille u. Fulle darin u. auch Edelsteine im Humor. 
Das sagt etwas. 

034 „G" zur Verdeutlichung nochmals uberschrieben. 

400 



034a M d" ubef der Zeile eingefugt. 
035 „eine" tiber der Zeile eingefiigt. 

26 Schumann, Tageb. 1 401 



Am 3osten. si 

Am gestagen Tage fast ausschiiefiliche Beschaftigung mit Bear- I 

beitung der Paganini'schen Capricen. Das Wetter ist himmlisch - i 

da macht' ich denn nach Tisch einen emsamen Spaziergang an der £ 

Waffelbude vorbey au£ dem gewohnlichen Lieblingsweg. Wieck t 

traf ich nicht zu Haus, audi Clara [Wieck] sah ich nicht. Bey i 

Krangel gab's Abschied von W. Fiker's. Eduard [Schumann] war ' 

angestochen. Bey Riedel - wie gemein sind diese Menschen! Und 
als ich nach Haus kam, fand ich einen Brief von Kistner - es lief I 

durch mir ein kleiner Schauder 03/la - denn ich ahnete eine Re- : 

zension - zog mich aber erst wie ganz ruhig aus, machte Licht an 
u. ein natiirliches Bediirf nifi ab. Da las ich sie. Ohnehin war mir 
defl ganzen Tag die Idee zum zweiten Heft der Papiilons 
im Kopfe umgegangen - nun fand ich etwas von „organischen 
Kunstwerk" - von MifWerstehen u. tausenddeutigen Rathsel" 
Aber so ist der Deutsche - ich habe ihm etwas an Jean Paul 
u. an den einzelnen Scenen zu rathen gegeben - er verlangt aber 
im Augenblik, schwarz auf weifi z u h 6 r e n , wo Vult flucht, 
was er flucht - u. wo Jacobine 422 stekt. Irr' ich nicht, so ist Rell- 
stab's Andeutung auf Jacobine gut. 423 Sollte etwa zu viel Schwar- 
merei drinnen seyn? 

Aber der Schlufi machte mich sehr zufrieden u. eine 035 freund- 
liche Gesinnung spricht aus jedem Worte. Am Clavier kam der 
Fandangogedanke iiber mich - da war ich ungemein gluklich 
Wie ich aufhorte, sah ich noch zum Fenster heraus u. am schonen 
Fruhlinghimmel hinauf - leise Luftwogen fuhl* ich da; auch eine 
Nachtigall hort' ich so innig - Und wie ich so recht an die Pa- 
piilons dachte, schwarmte ein schoner, grofier Nachtschmetter- . 
ling an's Fenster heran. Er blieb aber fern vom Lichte u. ver- 
sengte sich die Fliigel nicht. 

Dies war eine schone Deutung fur mich : aber der Fandango ging 
mir gar zu sehr im Kopfe herum. Das ist aber auch eine himm- 
lische Idee mit Gottergestalten u. noch plastischer, als der Mas- 
kenball. 

„Ich war auf dem Maskenbail, wo die Papiilons flatterten" 
schreibt Rellstab. 



Fandango, Fantaisie rbapsodique pour le Pianoforte dediee a 
WiL de la Lube, 



Am ersten Juni. 
Vorgestern war ich bey Juvenal, dem es besser geht. 
Abend traf ich Wieks in der Wasserschenke mit Wieks ; die Braut 
Jettchen [Wieck] dankte nachtraglich ; auch die wiithende Kla- 
vierspielerinn Bermann [?] war da. - Gegen Braute bin ich wie- 
der zu wenig schiichtern. Sonst nichts. 

Der Morgen von Gestern friih war herrlich; wir hatten einen 
Spaziergang verabredet. Irr' ich nicht, so gingen die Nachbarin- 
nen mir voraus. Dann kamen Wieks. Clara [Wieck] zeigt grofien 
Eigensinn 036 gegen ihre Stiefmutter 424 die gewifi die achtungs- 
wertheste Frau ist. Der Alte [Wieck] verwies Ckra [Wieck] - 
er wird jedoch nach u. 
50 nach unter den Pantoffel Clara's [Wieck] (be) kommen, die schon 
wie eine Sehnora befiehlt - aber sie kann auch bitten, wie ein 
Kind u. schmeicheln. 

Wie kann mich die Fandangoidee entziicken - es kennt sie noch 
Niemand, aufier Wilibald [von der Liihe] , dem ich sie mittheilte. 
Sey still ! Wieck'ken kein Wort. Gelingt sie jetzt nicht, so gelingt 
sie spater - dann ware schon eine andere da - 
Ich verglich Marschner in vieler Hinsicht mit Kotzebue - Wieck 
nennt seinen Styl „pretentios". - Clara [Wieck] ging Abends 
nicht mit. In Graf's Garten traf en wir Dr. Mises, der klug u. 
bescheiden sprach. 

Der Morgenspaziergang 037 u. die Gewitterluft hatten mich matt 
u. miide gemacht. Schlummerte wie ein Gott u. seh' eben im 
Tageblatt, dafi ich sammt Rosalie [Schumann] in der PolenLotte- 
rie 038 Nichts gewonnen habe. 



Mache doch die Intermezzi fertig, daG die Kritiker beschwich- 
tigt werden. 



036 Die folgenden drei oder vier - spater mit anderer Tinte gestrichenen - 
Worter nicht lesbar. 

037 „M" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

038 „Polen" iiber der Zeile eingefiigt. 



402 



Mache doch die Intermezzi fertig, daft die Kritiker beschwich- 
tigt werden. 



Mache doch u. s. w. 



Am 2ten Juni. 
Die Paganini'schen Capr.[icen] beschaftigen mich sehr. Friih 
kam Charitas; dann Rascher. Sonst Nichts. Nachmittag Carl 
[Schumann], der mir sehr unruhig und in Noth zu seyn schien. 
Mit ihm nach d. Brand. Mises u. Pohlenz „Kommen Sie doch ein- 
mal zu mir u. spielen Sie mir vor" sagt Letzterer. Ich wollte erst 
fragen : ihre Addrefie?, besann mich jedoch zur rechten Zeit. Sehr 
heiter, fast wehmiithig. Von Wiek weg ging ich zu Juvenal. Ich 
war sehr bey Sprache u. die Gedanken flofien so recht. 
„Wer einen schonen Gedanken hat, der soil ihn nicht auszerren u. 
ausknitschen, bis er gemein u. entwiirdigt ist, wie es viele Com- 
ponisten (wie Dorn), machen, die dieses Durchfuhrung nennen. 
„Willst du aber durchfuhren, so mache aus der vorher gemeinen 
Stelle etwas - nur jene Todsiinde begehe nicht". Da ist Beet- 
hoven, wie Jean Paul, ein herrlich Ideal. 

Dorn beurtheilt 039 kein Stiik nach seinen eigentlichen Selbst- 
werth, sondern Alles vergleichweise mit anderen. Dies diinkt 
mir sehr schadlich. 

Im andern Sinne, als wie ich es gestern in den Memoiren der 
Herzoginn von Abrantes las, konnte man jungen Componisten 
zurufen : 

„Vorzuglich habt auf eure Nullen acht; dadurch, dafi ihr 
Schwanze daran macht, halt man sie auch fiir keine neun! Hu, 
Hu! <( 

Sonntag 040 am 3ten Juni. 
Gestern friih stumme, aber lebhafte Unterhaltung mit der Nach- 
barschaft - Arbeiten an Paganini - Nachmittag mit Luhe spat- 
zieren nach der Wasserschenke. 

Ueber Inconsequenz im Styl. Unser Vorsatz, alle Zweifel, die 
uns aufstofien, uns gegenseitig mitzutheilen, ist gewifi wichtig; 
daher soil der Schwanz des Lebensbuches „Sprachbemerkungen" 
enthaiten. 

039 „be" uber der Zeile eingefugt. 

040 „S" zur Verdeutlichung nochmals Ciberschrieben. 

26* 403 



Eurem Homer oder Tasso wiirde es schwer fallen, Verleger zu> 

finden ; sie wiirden in jetzigen Zeiten untergehen - 

Wenn man ein Wort recht lang ansieht, wird's Einem am Ende 

ganz schwindelig. 

Liihe furchtet sich ungemein, einer Sache auf den Grund zu 

gehen ; [„] da tin ten ist's kalt u, schaurig", meint er. 

Den Allesgeld [Wieck], der mich mit einem Copenhagener Qrga- 

nisten aufgesucht hatte, konnt* ich nicht finden. 

Carln [Schumann] erwischt' ich noch an der Post - der arme 

Kerl! 

5 3 Montag, am 4ten Juni. 

Gestern fruh am Morgen Glock mit Hunicke, dann Juvenal 
Brief an Wieck. Die schone Gmoll Caprice von Paganini 425 . Ich 
sah ehegestern ein Bild, das einen grafilichen Eindruk macht - 
Paganini im Zauberkreis - die ermordete Frau - tanzende Ske- 
lette u. ziehende, magnetische Nebelgeister 426 ; doch war das Bild 
in der Composition nicht ohne Fantasie u. Leben. Wahrend der 
Bearbeitung des G moll Presto schwebte mir es oft vor u. ich 
glaube, dafi der Schluft gern daran erinnert. 
Eduard [Schumann] war friih auch da - u. so gut u. willig: 
Abends traf ich ihn wankend u. taumelnd vom bayerschen Bier 
kommend. Sein.Schiksal kann mich sehr betriiben. Heute brachte 
er mir noch vier Louisdor. - 

Bey Wieck traf ich den Schles-wiger Hoforganisten [Peters] ; der 
I Name ist mir entfailen - scheinbar-phlegmatisch, aber aufrichtig, 

gutmiithig u. lebhaft, so bald er angeregt ist. Claran [Wieck] ver- 
gottert er. Wir schlenderten durch's Rosenthal nach Schiegnitz 
zu. Der Harfenspieler Prinz ward auch aufgegabelt. Macht es 

Wie wiirdest du „Fantasie" erklaren od. definiren! aber ohne 
Ueberspannung ! - ° 41 

54 (dafi) weil 042 ich nur mit so 043 Wenigen umgehe, dafi mir die 
I Menschen jetzt mehr auf fallen u. daher 044 AuBerordentliches 

I herausflnden kann - auch Prinz kam mir in einzelnen Ziigen un- 

gewohnlich und neu vor. 

041 Dieser Satz auf dem freien Platz am Ende der Seite eingefiigt. 

042 M weil" fiber der Zeile eingefugt. 

043 „so" fiber der Zeile eingefugt. 

044 „daher" fiber der Zeile eingefugt. 

404 



Seine Anektoden iiber Campagnoli waren humoristischer, als die 
Wiekschen iiber Kragen, weil jener iiber seinen Humor steht. Es 
war eine herrliche Laune u. Lust in Allen, sogar Pf unden, - Clara 
[Wieck] war eigensinnig u. weinerlich; ein Tadel, recht stolz u. 
ueberlegen ausgesprochen, wiirde von guten EinfluB auf ihre(n) 
Launen haben u. gewifi eine Eitelkeit bewirken, die zum Stolz 
herangereift dem Kunstler so sehr von Nothen ist. Der Alte 
[Wieck] ward audi gan2 weich - er liefi sogar Medoc kommen 
u. machte ziemlich selige Augen bey'm Einschenken. Dorn kam 
heran: „Sch.[umann] wifien Sie, dafi Ihre Papillons sehr gefal- 
len?" fragte er: Heute ist er nach Berlin gereifit, um in acht Tagen 
zuriickzukehren. Es gefallt mir nicht an Dorn, dafi er Lappalien 
(so beym Spiel) mit eben denselben Ernst behandelt, wie 
Schlachten, musikalische u. andere. 

Hiite dich vor Einseitigkeit, auch in der unbedeutendesten Sachel 
Du lebst dreymal langer in der Welt! 



; , 5 5 Mittwoch am 6ten Juni. 

Vorgestern war wenig an Bedeutung vorgefallen. Wieck' s sammt 

* Peters, so heifk der Hoforganist, begleitete ich in den Kuchen- 

. garten. Die Bedingungen sind von Hofmeister acceptirt. Gestern 
sind die Capricen bis auf 's Feinste fertig geniacht worden ; auch 

K Probst fafite mich von hinten u. war erfreut iiber die Idee. Ich 
mochte wohl wifien, was Jean Paul iiber so eine urtheilte - da 
giebts so viel Siimpfe mit so viel Himmeln, so viel Misthaufen 
mit so viel Tempeln auszugleichen, dafi eben dadurch durch Aus- 
scheiden sein eigentliches Wesen verloren ginge. - Nur Fades 

' horte ich noch nie von ihm. 

Schott, den ich mit Eduard [Schumann] besuchen wollte, war 
nicht zugegen; aber ein Wiener Kunsthandler, Tomaschewsky, 
lud mich zum Besuch ein. Barth war freundlich u. geistreich, 
scheint sehr eitl auf seine Klugheit, - bringt auch Flachheiten 
mit einem gewifien Bluh' vor. 

Abends mit Wieck auf den Brand - da waren mal musikalische 
Geister, auch der „geniusbeselte" Muller. - Ei ! Du Ortlepp ! - 
Probst spielte Schafkopf von Weitem - ein Sturmregen kamen - 
die Wirthsstube war gerappelt voll - Minchen Ben warf stille 
Blitze - der kleine Rascher erzahlte aus den Kinderjahren - u. 
was war ich? ungemein lustig. 
Von Opitz in Zwickau kann man langsamen Stil lernen. 

405 



5 6 Wie viei Einflufi aufiere, unbedeutende Umstande z. B. wenn die 
Halskragen zu steif oder zu loker sind, wenn ein Knopf an 
Hosen zerrifien, oder die Unterziehhosen heruntergefallen sind, 
wie viei Einflufi, sag* ich, haben dgl. auf die Farbe eines ganzen 
Tags ! 

Am 7ten Juni. 
Gestern war einmal ein „Tag", voll Glanz und Kraft. An Paga- 
nini ward viei gearbeitet. Mit Hunicke den doppelten Contra- 
punct in der Undecime wiederhohlt ; die Szymanowskaschen sehr 
damenhaften, aber zarten u. schwarmerischen Etiiden durchge- 
spielt, an den 044a dritten [Finger] nach Glok's Rath gar nicht ge- 
dacht; sogar im Bette liefi es mir keine Ruh; ich stand um Mit- 
ternacht auf u. riikte mit dem Vorwort 427 ein schones Stiik vor. 
Perlen schwimmen nicht auf der Oberflache; diese muBen ge- 
sucht werden, sogar mit Gefahr, sagt* ich drinnen etwas zu poe- 
tisch. Hike dich davor; dies klingt mit deutschen Buchstaben ge- 
drukt gut, mit lateinischen schlecht. 

Wieck traf ich nicht zu Haus, auch nicht im Kuchengarten, wohin 
ich mit Allwin [Wieck] ging. Bey Riedel, der ein sehr glanzen- 
des Conzert machte 428 , traf ich Hecker, Berger, Haak, Tannen- 
berg, die Schwepfinger, endlich Eduard [Schumann] , der mir 
eineNachricht vomTode des kleinen Robert 429 brachte, auch so 
57 sehr klagte; es lag schwer auf mir; aber ich dachte an meinen 
Schutzgeist und versprach ihm Thaten u. schone Handlungen. - 



Am achten Juni, 
meinem zwey u. zwanzigsten Geburtstag. 
Mit Inbrunst dank* ich meinem Schutzgeist und dafi er mich fort- 
fiihren moge, wie diesen Friihling - heute vor einem Jahre war 
ich hier - Katzen jammer von Riedel her - dann kam Wilibald 
[von der Luhe] u. zankte heftig. Ich war aber zerknirscht ohne 
Hoffnung. Heute vor zwey Jahren schikte mir Rosen einen scho- 
nen Schlafpelz - vor drey Jahren waren wir in den schwarzen 
Adier. gegangen u. tranken viei Champagner; - vor vier Jahren 
(einen Tag zuvor waren wir in Abtnaundorf u. ich sah da Glock 
zum erstenmal) ging ich mit Flechsig nach Zweynaundorf u. war 
noch sehr schiichtern - denn ich war ein sanfter Fuchs. 

0Wa „den" iiber der Zeile eingefiigt.. 

406 



Und heute? so ruhig u. zufrieden sah ich noch keinem Tag in sein 

blaues Auge ! 

Nun an die Arbeiten ! 

Am neunten. 

Gestern Morgen 045 schikte ich die Paganininiana an Wieck. Vom 
Himmel regnete es schwach u. warm. Gegen 12 ging ich hin; er 
lobte „meinen Fleifi" u. nannte 

die Arbeit aufterst interessant. Ein Dessauer Zogling war bey 
ihm, ein kluges Mannchen, aber anmafiend erkannt. Clara 
[Wieck] spielte die Papillons, war sehr liebenswiirdig, auch der 
Alte. M Ich Hebe eigentlich dergleichen Mahlereyen nicht" - sagte 
der Dessauer mit Offenheit, die mich freute - aber man muB es 
oft horen. 

Dieses Oft-horen-(kann) muflen ware sehr schon, nur aber fur 
(keinen) den ° 46 Componisten (k)eine Schmeichelei, u. bey 047 dem 
Kritiker ist es {eine) verstekte Bescheidenheit der Arroganz, 
wenn er ein Stuk auf diese Art beurtheilt. Denn der Eindruk darf 
nicht zweif elhaft seyn - ist er es, so sagte der Ungebildete : es ge- 
fallt mir oder gefallt mir nicht - Und wer verlangt vom Zuhorer, 
wenn ihm ein Stiik zum erstenmal vorgetragen wird, dafi er es 
zergliedert bis in's Mechanische oder Harmonische? bey den 
Papillons konnte man vielleicht eine Ausnahme machen, da der 
Wechsel zu rasch, die Farben zu bunt sind und der Zuhorer noch 
die vorige Seite im Kopfe hat, wahrend der Spieler bald fertig 
ist. Dieses Sich-selbst-vernichten der Papillons hatt vielleicht et- 
was Kritisches, aber gewifi nichts Kunstlerisches. Man mag zwi- 
schen einzelnen ein Glas Champagner einschieben. 
Dann war ich bey Kistner ; ich bezeichne der Nachwelt u. alien 
spateren Componisten diesen Mann als einen schmutzigen Ver- 
leger 

Wohl seit drey Jahren war ich nicht in Zweynaundorf gewesen, 
das fur mich schone Erinnerungen an die Fuchsjahre, an Agnes 
[Carus] , Emil Flechsig u. Roller hat. Darum ging ich gestern hin- 
aus, zu Fuite - der Himmel war sehr mahlerisch von Wolken- 
alpen behangen u. ein heftiger Wind wechselte jeden Augenblick 
die Scene - die Kornfelder wogten so silbern wie ein Meer u. 

045 Anstelle yon i,M" ursprunglich „m". 

046 „den" uber der Zeile eingefugt. 

° /l7 Ursprunglich „an", durch M bey" uberschrieben. 

407 



■;■: 



machten tiefe Knixe - mir war's da, als war ich ein Feldherr u ^4 
musterte die Truppen - audi an den Windmuhlen machte ich J 
Bemerkungen iiber Kunst - ich sagte namlich : die Kunst ist ein J 
Windmuller - u. iiberlafte spaterer Zeit den Beweis; so wie der - 
Satz „warum es befier ware, wenn alle Musiker taubgeboren ; t 
(waren) oder wenigstens taub waren ["]. Das erste geht wohl )' 
eben so wenig, wie mit dem blindgebornen Mahler, der keine 
Vorstellung von 048 Farbe 049 haben kann. - . ; > 

Froh war ich nun seh[r], namentlich auf dem Pavilion, aber sonst y 
prosaistisch u. niichtern. Denn ich schrieb in die Brief tasche dop- r }{ 
pelte Contrapunctsachen. 
60 In der Stadt ging ich zum jungen Hofmeister ; die Sache ist abge- 3 
macht. 

Clara [Wieck] studirte an den Paganinianis u. kam auch mit :i $ 
zweyen zum Geburtstage an, auch mit Pariser Hemdknopfchen -- :'■ ^ 
u. die aufmerksame Zartheit behagte mir sehr. ^ 

Eduard [Schumann] trafen wir spater bzy Graf; er war besorgt, -W 
nachdenkend, aber so herzlich. Im Kranich tranken wir vortreff- ■ ; 
lichen Taubenheimer u. waren vergniigt aus den Herzen heraus 
in die Herzen hinein. Clara [Wieck] brachte sehr drolliges zum 
Vorschein. :^ 

Gegen eilf trennten wir uns - der Mond schien himmlisch klar ^ J 
da fand ich noch Brief e von der Mutter u. Emilie [Schumann] u. J 
zarte Geschenke zum Geburttag. Dann dachte ich an die un- ~- 
gliiklichen Briider, sagte aber nur zu Gott „verlafi mich nicht["] ' 
Ich schlummerte sanft wie ein Kind, auch ohne Traume. 



Am zehnten. 
Gestern fiel nichts fur das Leben[s]buch vor; eine gliikliche Ver- 
anderung am Alternative des ersten Intermezzo ausgenommen. 
Clara [Wieck] lobt ein Quintett von Pixis ungemein. - Der 
arme Eduard [Schumann] ! ich weifi keine Rettung. 
61 Abends 050 traf ich ihn auf dem Brand; auch Probst war da, der, 
wie immer, ein Dutzend halbe Wahrheiten sagte, aber sonst 
geistreich war. Der Abend war erquickend kuhl. - Nachmittag 
war auch Charitas da. 
An manchen Tagen hat man in der That keinen einzigen Gedan- 

048 Das folgende Wort wegen zu starker Streichung nicht lesbar. 

049 M Farbe" uber der Zeile eingefugt. 

050 -A" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

408 



ken gehabt, z. B. ich am gestagen - Heute will ich an die Mutter, 

Ernilien und E.os alien [Schumann] schreiben. 

Am men. 
Man findet das Richtige durch Entgegenstellen oder Vorstellen 
des Falschen. 

Je enger gestern der Weg war, desto schneller schienen mir die 
Fortschritte, 

Am i2ten. 

Am i3ten. 
Stumpf und miide seit einigen Tagen. Gestern hatte ich mit 
Wieck ein langes Gesprach iiber meine alte hypochondrische Mu- 
sikmechanik. Er irrt sich aber in Allem, wie er es vortrug. Meine 
letzte Antwort war: „wie ein schlechter Meister miiBe man nur 
ein guter Schiiler 051 seyn." Er lieBe sich von Niemand iiber Clara 
u. s.[ein] System irre machen; sagte er sodann. „Und Sie verlan- 
gen das von mir["], sagte ich. „Erfahrene Manner" sagte er - 
haben S i e denn Lehrer gehabt, sagte ich. Sein Endresultat 
war: „da& er Nutzen u. Vortheile dieses Verfahrens einsahe, dafi 
es aber in uebertriebener Anwendung auf (Un)Kosten anderer 
Sachen nachtheilig sey. - Das wuBt' ich langst. 



Donnerstag, am i4ten. 
Vorgestern und gestern starke Augenbiitze in die Nachbarschaft 
- Eduard [Schumann] in grofiter Noth - der alte Maestro 
[Probst] hilft aus, willig u. freundlich u. kam gegen drey Uhr. 
Wie ich so in angstlicher Erwartung auf Antwort war 051a , war 
die musikalische Fantasie iiberreich an Gedanken. Das Gesicht 
Eduard's [Schumann] will ich nie vergessen, als ich ihm die Zu- 
stimmung brachte; das war das Auge eines frommen Menschen, 
der sich nun gerettet glaubt. Ich sagt es spater Wieck aus Freude - 
heute argert's mich jedoch. - W.[ieck] las mir seinen Aufsatz 
iiber die C.[onrad] Graflf'schen Fliigel vor, der maflig u. klar 
war. Clara 052 [Wieck] war sehr liebenswiirdig. 



051 „Schuler" auf ein nicht mehr lesbares Wort geschrieben. 
051 a „war" fiber der Zeile eingefugt. 

52 „C" aus „2i" verbessert. 



409 



Je specieller eine Musik ist, je mehr einzelne Bilder im Ganzen 
sie vor dem Horer ausbreitet, desto mehr effafit sie, u. desto 
ewiger wird sie seyn u. neu fur alle Zeiten. SolcKe specielle Ziige 
sind namentlich Beethoven u. Franz Schubert geraein; die Zeit 
u. der Geschmack mogen eine Richtung nehmen welche sie wol- 
len, so wird es immer Menschen geben, fiir die sie geschrieben 
haben - eben so, wie es immer welche geben wird, die Jean Paul 
lesen mit unendttchen Entziicken u. Thranen. Dies ist der Parti- 
culargeist. - 



Der Dritte [Finger] ist vollkommen steif . 



63 Freytag am 22sten Juni. 

Welche Pause! - Die feinste Feile wurde indessen an die 
Capricen gelegt. Ein pudelnarrisch Intermezzo verfolgt mich 
Tag u. Nacht. - Wilhelm Meister 73 wieder vorgenommen, um 
Styl u. Orthographie zu lernen. - Dorn von Berlin zuriickge- 
kehrt. Liihe sehr krank von Neuem. Brief vom lieben Emil 
Flechsig. 

Heute Abends gen* ich nach Dresden ; ich wollte nur vom Tage- 
buch Abschied nehmen. Wieck geht mit. Clara [Wieck] bleibt. 
Die Intermezzi* mit Doppelfuge sollen dort fertig werden. Rosa- 
lien [Schumann] bin ich noch ein Wort des Trostes schuldig. 
Adieu, liebes Tagebuch! Werd' kh dich wieder sehen? Du bist 
geduldig! Adieu, adieu, 



Vergifl die Gedanken nicht! 



Mittwoch am 4ten Juli. 
Vorgestern Abend kam ich von Dresden hier an - das Wetter 
zerstdrte Alles. Kragen, Weber, u. Reissiger waren neue Be- 
kanntschaften u. die erste von Bedeutung. Wahrend der ganzen 
Zeit war ich wenig zu Worten auf gelegt. Das „pudelnarrische" 
Intermezzo ist im Grunde ein Schrei aus tiefstem Herzen. Mit 
der Stellung der einzelnen bin ich noch nicht im Reinen. Gedan- 
ken hatte ich manche. 
Ich sagte zu Wieck: die Menschen waren zu sehr gewohnt, in 

410 



Musik entweder Heiterkeit oder Schmerz (Wehmuth, im Allge- 
meinen 052a ) herauszufinden ; speciellere 

Zustande 053 , leidenschaftliche Augenblike gehen an den weniger 
Feingebildeten unverstanden, ja verachtet voriiber. Idi bewieB 
das an Schubert u. Beethoven. 



Warum sollte es keine Opern ohne Text geben; das ware eben 
dramatisch. In Shakespeare giebts viel fur dich. 



Wie lang u. wie uebervoll fantasirt ich gestern. Ein kleiner Still- 
stand macht Einen erst auf die vorhergehenden Fortschritte auf- 
merksam u. man staunt iiber die Stelle, an die man gekommen 
ist. In die Intermezzi mufit' ich mich formlich wieder einspielen, 
ehe ich sie geistig wieder auffafke. ! 



Exercice fantastique, dedie a Mr. Charles Kragen. op. 5 
Fantasire XII. 



Dienstag am ioten July. 
Gestern Clara's [Wieck] Conzert. - Livia Gerhard - Am Mor- 
gen schikkt ich Allwin [Wieck] mit Nelken zur Nachbarinn mit 
den Griechenaugen ; sie stehen noch am Fenster. Sonst bin ich 
kalt. Das exercice fantastique brannte lange nach. - Es geht mir 
wohl. - Wilibald [von der Liihe] spricht zu, wie immer. - 
Nach dem Conzert war ich bey Wieck. Seine Augen waren grofi 
u. voll - denn die Einnahmen — . 

Dorn kegrufite mich sehr freundschaftlich; so wie Hering und die 
Otto's. 

Die Symphonie von Hesse nannte ich gegen Clara eine grofi- 
artige Gedankenlosigkeit — Sie wissen nicht was Sie wollen - 
Sie wissen nicht, was Sie wollen - Die Glukliche, der noch Alles 
gefallt. ________ 

052 a „im AHgemeinen" unter der Zeile eingefugt. 
053 „Zu" aus „Aug" verbessert. 



411 



Sonnabend am ijtfenfgj 
Mein gluklich Leben u. Selbstgefiihi hat wenig Worte - Ichtl 
fiihle eine Regung in mir, die vielleicht die Tugend ist. Aberll 
mein ganzes Herz steht in dir, liebes funftes Intermezzo, das miSl 
so unsaglicher Liebe geboren ward. Wie fiigte sich gestern^ 
Alles! '.-^| 

Das Ex.[ecercice] fantastique ward audi fertig, wie die Inter- I 
mezzi - aber nicht auf Wunsch. ■'. -}$M 

Die Griechinn macht Augen, wie nie. Clara [Wieck] ist herzlieb. 1 
Charitas kommt heute - Die medizinische Muse [Glock] ist ganzfl 
aus den Augen - Neulich kam schon geputzt - Renz - derjl? 
kl. [eine] Rascher sieht blafi [aus] u. hat das kalte Fieber - v 3#|f 
Gestern spanische Gluth von 29 1/2 Grad - Was zu bemerken ist/§§ 
Verlafi mich nicht, Geist! , :^| 



66 Sonntag am 22sten.k lf 

Manche Menschen konnen, wie Hoppemanchen, gleich 054 Fali ! '" 
len zum Aufrechtstehen. : i^ 

Fur den Comet iiber Clara geschrieben. 430 V ^P 

Intermezzi, wie Exercice, durchaus fertig gebracht, abgeandert u; |§ 
an Hecker abgegeben: ^ 

Die Rezension in der Wiener Zeitung 431 wiirde ich selbst nicht ;^ 
haben schreiben konnen. Wie wird sich die Mutter u. Julius 
[Schumann] freuen! Vergilt der Nro 76, diesem unsichtbaren || 
groften Gonner mit Fleift, Bescheidenheit u. Ruhe. ■ ;- 



Die Oper ohne Text 



'"•'•• '9& 



Am 9ten Aug. :S 
Das Gefuhl, das mich jedesmal das schlechtere Original des ';'f| 
Briefes u. nicht die bessere Copie fortschicken heiCt, scheint mir : v|j 
auf einem sehr schonen zu beruhen. • , ;'S 



Dorn'sche Musik. Es ist sehr lacherlich, wenn Hunde Vogel, « 
05/i „gleich" auf ein nicht mehr lesbares Wort geschrieben. : ' il : || 

4*2 ■ '-m 






{ ] 



haschen wollen. Einen Hasen schiefit ihr todt, einen Lowen 
konnt ihr nicht erwiirgen. 



i: 



Musick stiinde zwischen Sprache u. Gedanke. 



Arbeiten : 
2 Burle. 

Fandango. ldylle pour L Pfte. 

Gesange. Conzert, zu beendigen. 

gr. Etude a quatre voix. 
Papillons, Livr. z. 
Rondoletto. 

Am 055 23sten. 
Wir kamen immermehr von den Quellen zuriick; dies ware der 
Grund der Flachheit. 



Ich will eine Sammlung „Arrogantia" anlegen, die Wiek verfafit 
hat. Nun wird mir's bald zu blau. Das ware wahre Poesie, 
meinte er gestern von einem Herzischen Finale. Er meint es aber 
im Ernst. - 

Jeder, der ihm nicht schmeichelt, ist arrogant. Die Anspriiche, 
die er an Andere macht, verweigert er selbst zu erfullen. 
Sachen, die er nicht in sein Interesse Ziehen kann, iibersieht er, 
beurtheilt sie aber sonst richtig. 

Wie viel hoher steht Probst ! Er [Wieck] guckt sehnsiichtig nach 
der Alpe, von der Pr. [obst] schon herabsteigt. - Er will den Geiz 
verbergen; darum hat er ihn. Die Geldgier setzt sich ruCig in 
jeden 056 seiner Gedanken. Selbst in seinen Gesichtsziigen hat 
sich nach u. nach das Judische (anges) ausgedriickt. 



Der Dr. Swift wollte in der grofien Academie von Begado einen 
sinnreichen Baukiinstler gesehen haben, der eine neue Art, Hau- 
ser zu bauen, entdeckt hatte, indem er bey dem Dache anfing u. 

055 „A" zur Verdeutlichung nochmals iiberschrieben. 

056 „jeden" iiber der Zeile eingefugt. 



413 



dann abwarts fortbaute bis zu den Fundamental u. s.[eine] Me- 
thode doch als Beyspiel der Bienen u. Spinnen rechtfertigte. 



Mifi (Gibsal) Wilson's M. 
Es gehort nicht viel dazu, das Meisterhafte anzuerkennen, denn 
dieses ist eine gereinigte, erhohte, schone Natur. Wer aber die 
einzelnen Vorziige eines guten, jedoch nicht tadelfreien 
Werkes nicht auffindet, sieht auch nicht in die tiefen Tugenden 
eines classischen Werkes hinein. 

Kunstblatt. 

68 Musik u. Philosophic ZeitgemaGe Betrachtungen von Theod. [or] 
Mundt. 
Litter. Unterhaltg BL 1832. Nr. 242. m 



Gerade von der Musik konnten die Philosophen lernen, dafi es 
moglich ist, auch mit der anscheinenden Miene des tandelnden 
Jugendleichtsinns die tiefsten Dinge von der Welt zu sagen; 
denn das hat eben die Tonkunst an der Art, daft sie mit ihren 
Melodien nur wie ein spieltreibendes Kind erscheinen will, das 
ein ubervolles u. uberseliges Herz, dessen es sich der klugen u. 
wifienschaftlichen Leute wegen fast schamen mochte, hinter sei- 
nen klingenden musikalischen Figuren bald schalkhaft verbirgt, 
bald mit liebesuchender Wehmuth sich hervorwagen lafit in wun- 
derbaren Tonandeutungen, die an jedes Menschenherz mit der 
leisen Frage: verstehst du mich? herantonen, aber bei weitem 
nicht von Jedem verstanden werden. 



Am i8ten September. 
Lautes Bemerken der Unartigkeit gilt im Gesellschaftsleben fur 
eine groCere. 

Rezensionen iiber Clara [Wieck] im Kometen, 137. 138. 



Schach mit Hofmeister u. Mgr. Portius bey Mantel. 

Emilie. 

Steigen u. Fallen in Allem. 

414 



Wilibald [von der Luhe] ist fort im 057 

Von Wieck weifi ich ein Kettenglied nach dem andern. 

Knorr kommt ofter, audi zum Schach. 



Memoiren von Lavalette 433 gelesen. 

Gestern Bracebridge von Jrving 434 angefangen. Herrlich. 



Im Marpurg fleifiiger. Ich nannte gestern das ganze Gesindel 
elend und ekelhaft. Setze es aber durch. 



Wie erhaben Beethoven, so ganz von einer andern Wiirde sei- 
ner Kunst durchdrungen, u. verachtend er auf diese Zwerge her- 
untersieht ! 

Oft schwinden mir die Sinne 

Elender Mensch - erheb dich zur Arbeit. 



Probst ist zuriick. Er liebt die Jiinglinge sehr. 



Am 3isten September 
oder isten Oktober. 
Gestern zum Messsonntag das erste Conzert 435 . Beyiaufige Be- 
merkungen zur spatern Rezension. 

Ouvertiire v. B. Romberg zu Ulysses u. Circe. Er kennt das 
Maaft glanzender Instrumentation. Seine Melodien sind wenig 
tief ; sonst f risen u. geschickt behandelt in der Anlage, die einen 
eigenthumiichen Zuschnitt hat. 

R.fomberg] ist auch ein stummgeborner Redner u. gleicht K. 
Moritz. Arie u. Chor von Mercadante. (Grabau.) Er ist in der 
neuern ital.[ienischen] Schule der vielleicht gebildetste u. tiefste, 
obgleich seinen Melodien der Zauber der Rossinischen fehlt. Wie 
wenig (lafit) aber giebt dieses ganze Volk der Kunst und Kritik. 
Sind denn solche Opern mehr, als langere Rutscher. Florestan 

057 Das folgende Wort nicht iesbar. 

415 



meinte : audi Psychologie liefie sich bey den Italianern mit NuS 
zen studiren. G moll Conzert von Moscheles. (Clara [Wiedtlftt 
Sie verfehlte den Anfang, wie Mosch[eles]. Spater ausfuhrlich^fl 
Cavatine aus Gazza ladra (die Gerhard) Schleppend und wenie it 
italianisch, dafi ich es kaum aushalten konnte. Die Passaged fastil 
zu angstlich ausgearbeitet, bey wunderlieblich-runder Stimme -I 
der vielleicht scheme tiefe Tone fehlen. Chor aus Semiramis voti § 
Rossini mit Arie. Ja ! wohi sind die Tone Schmetterlinge, aber^ 
nimm ihnen den glanzenden Farbenstaub u. es bleibt nur.ein il 
flatterndes Gerippe. Hatte seine Schule mehr Mannichfaltig^'il 
keit, so lie£e sich iiber Alles dgl. mehr sagen. Dann Euryanthe- p 
variationen (von Clara [Wieck]). Sie war die Componistirin • "iff 
doch gehoren sie zu s.[einen] bessern Sachen. Spater. Sinfonle If 
pastorale von B [eethoven] . - Spater. Die Ausf uhrung war vor-|§ 
ziiglich gut in den Soloparthien. SIS 



7i Am 7ten Oktober. -^ 

Gestern war Cercle bey Wieck. Sachsens Kunst- u. Gelehrten 7 M 
bliithe war da. Ortlepp, Gleich, Herlofisohn, Hofmeister, Richter- g 
aus Zwickau, Kalliwoda. Ich war stumpf u. steif. Kalliwocla : -:M 
naherte sich oft. Ich wich aber stets aus. Was soil aus dir werden? ■/ j§ 
Du bist zu wenig, um gesucht zu werden u. zu stolz, urn zufS 
suchen. Freilich in einer Gesellschaft, wo ich nicht der Erste seyn ; ;:;3 
kann, bin ich lieber nichts, ais der Zweite oder Dritte. vp 

< -'■■■■ M 

Am 8ten Marz 1833. 436 Jl 
in Zwickau. : 4^ff 
Sinf oniezett. ^ ;i| 

Eiserner Fleifi. Giock u. Otto, Mitschreibende in den letzten ; j 
Tagen. Abreise von Leipzig. Clara [Wieck] u. der Alte [Wieck], || 
Bestiirzung nach der ersten Probe. Essen bey Eduard [Schu-yif! 
mann] „Der Verfasser der G moll Sulfonic" Wiecks lacherlidier ;| 
Toast. Clara's [Wieck] Conzert. Arbeiten am zweiten u. dritten '| 
Satz. Im Januar nach Schneeberg. O wie ging mir's dal Becker - r| 

Thierf elder - Elwine - Karoline ; ,^ 

Meine Sinfonie im August - attische Spaziergange - Burgun- : :| 
der - ich liebe Dich nicht, Elwine; denn deine Augen haben f iir ".■■. ;5 
mich etwas Wachsernes, das mich oft erschreckte; - aber ich bin I 
Dir sehr gut. Ein Gedanke eines Madchens bedeutet mehr, als ^j| 
zehn mannliche. Und Du hattest recht herrliche, wenn auch thea-: V|j 
tralische u. zu Zeiten vdllig wahnsinnige. g 

'■73| 
416 ■ ^ : 'l 



Warum kann ich nicht schreiben, wenn das Leben lebendig uber 
mich stromt; u. warum griff ich nach Dir, Lebensbuch, wenn es 
still u. todt ist. Urn wie vlel wahrer u. reicher spricht die Fanta- 
sie, wenn sie mitten aus dem Leben kommt! Und dennoch - 
Was mir auch im Gedanken ist, hier hast Du's, Buch, mein ver- 
trautestes Mitding. 

Mein Stil wird mager durch die unzaheligen : „seyn u. haben" - 
Hute dich, Bester u. lese etwas vernunftiges von Goethe. 



Wenn ich auch meinen Leuten sage: glaubt nur nicht, dafi man 
von beriihmten Mannern etwas lernen konne; diese lernten alle 
nicht, um zu lehren ; Wessen Zweck dieser ist wird nichts errei- 
chen als Schuler, die lachen. „Aber was hilft's ! Die Mutter 
glaubte das so wenig, wie die Briider. Ewig will ich lernen u. 
Schiiler bleiben, aber mein eigner. - Nur die Menschen, die zu- 
fallig in dieselbe Richtung u. auf derselben Stufe mit uns gehen u. 
stehen, wird man von einer Sache iiberzeugen konnen, niedri- 
gere, u, hohere nicht. - 



Wie ward mir mein Fleifi am ersten Satz der Sinfonie belohnt ! 
Sey dir das eine Aufmunterung fur alle Zeit. 



Becker's Gedanke beym Uebergang nach G: huschl da fliegt der 
Schmetterling fort - hoch - hoch - in die Liifte" ist recht poe- 
tisch. 



3 Musikalische Gedichte, mit unterlegten Liedern von H. Heine, 
verfaBt u. Heine zugeeignet. 



Elegien, seinem verschollenen Fritz Weber aus Triest gewidmet 
vonS.fchumann], 

Plane. Arbeiten. 
Musikalische Zeitschrift. 
B dm Sinfonie® 1 auszuziehen. 
Letzter Satz meiner Sinfonie. 
Englische Grammatik. Shakespeare. 

27 Schumann, Tageb. 1 417 



Durchzug durch die classischen Clavierkompositionen von Mo- 
zart an 

Exercice en doubles sons. 
Regelma&ges musikalisches Tagebuch. 
Text zu Paganini. 



Scene fur's Pianoforte. 
Zwolf Sonaten. 
Variations pathetiques. 



418 



(Wien am 28sten November 1838) 
Gerade nun da, wo ich aufhorte im Marz 1833, beginnt meme 
reichste u. bewegteste Zeit. Durch Zufall bekam ich gestern dies 
Biichlein in die Hande. Vielleicht Merk' ich es mir in kiinftige 
Zeiten, hier noch aufgemerkt zu haben, was ich spater yergefien 
oder in den Zeitraumen verwechselt hatte. 
Vielleicht dafi ich im hoheren Alter das Ganze ausarbeite. Des 
ungeheuren Inhalts wegen kann ich heute nur in groflter Kiirze 
verfahren. 

Also. 

Marzi833. Riikkehr von Schneeberg u. Zwickau nach Leip- 
zig - Wohnung in Riedels Garten - Die Impromtus (instrumen- 
tirt) iiber das Thema v. Klara [Wieck] meine erste Arbeit - dann 
audi die Fis Mollsonate angefangen u. bis auf den letzten Theil 
ziemlich fertig gemacht - Champagnernachte - mit Wenzel, 
Knorr, d. Giinz'ens oft zusammen - Ungliik u. Krankheit im 
Juli u. August 438 - Tod meines Bruders Julius [Schumann] - Viel 
verkehrt mit Wiek's u. Klara [Wieck] wie immer - die Improm- 
tus im Stich erschienen zu Wieks Geburtstag 439 - langsames Ge- 
nesen - Klara's [Wieck] Geburtstag in Lutzschena - Der Kreis 
wird grower - leichte Bekanntsch[a]ft mit 

Stegmajer, mit Bergen, den Saubern Gast - mit Lyser - Ort- 
lepp - Stolle - Wiistes Leben - die Nacht vom I7~i8ten Octo- 
ber - f iirchterlichste meines Lebens - Rosaliens [Schumann] Tod 
vorher 440 - 

Nun hier grofier Abschnitt in m. [einem] Leben. 
Qualen der furchterlichsten Melancholie vom October bis De- 
cember - 

Eine fixe Idee die wahnsinnig zu werden hatte mich gepakt. 
Nuchternheit. Schriftstellerische Arbeiten. 
Idee der Davidsbiindler mehr ausgearbeitet. 
Vom vierten Stok 441 , wo ich es nicht mehr aushalten konnte, in 
den ersten zu Giinz gezogen. 
Giinther als Schlafgenosse. 
Die Intermezzi erschienen. 
Dan[n] im Dezember Ludwig Schunke wie ein Stern 

J a h r 1834, das bedeutendste m. [eines] Lebens - 

27* 4*9 



Idee zu e.[iner] n.[euen] Zeitschrift £. Musik, die schon im Som- 
mer 1833 in Hofmeisters Garten besprochen war - 
76 Kunstlerisches Leben mit Schunke, Wiek, Lyser, spater Gustav 
Schlesier, Klara [Wieck] - Knorr, Biirk. 

Im April 1834 d. n. Ztschr. angefangen 442 -Ernestine [von 
Fncken] Mitte April 443 - ein Friihling der uns Allen unvergefi- 
lich sein wird - auch Emilie u. EHse List im Kranz - Morgen u. 
Abendsp[a]tzirgange - 

Von Ostern 1834 mit Schunke zusammengewohnt ■— dabei oft 
wiist gelebt - Dr. Glock - Dr. Reuter - Die Abende in der 
„ Sonne" - Manches f. d. Zeitung geschrieben - Banck kdmmt 
hinzu im Sommer 1834 - Ernestine [von Fricken] u. Klara 
[Wieck] - 

Klara [Wieck] reist nach Dresden - 444 
Streit mit Wiek u. den andern Redigenten - 445 
Besuch meiner Mutter - 
Mit Henriette Voigt bekannt worden - 

Merkwiirdig schweres Wetter den ganzen Sommer - Die Toc- 
cata erschienen - 

Augustmonat - Ernestine [von Fricken] u. ich. - Taufe bei 
Wieks 448 - Klara [Wieck] n. Dresden zuriik - geht traurig 
wieder fort - 

Eine Menge Bekanntschaften mit fremden Kiinstlern, die ich 
spater aufzahlen will - 



77 Ueber die ganze Zeit existiren keine Tagebucher - 

September- Bund mit Ernestine [von Fricken] - Abschied 
von ihr am 6ten September (ihnen) in Zwickau - Besuch ihres 
Vaters vorher 447 - 

Schunke' s drohende Krankheit - die Voigt - Bank um sich grei- 
fend - Im Winter an d. Etudes Symphoniques angefangen - 
Dann zum Besuch nach Zwickau 448 - Zunehmende Melancholie - 
Briefwechsel mit Ernestine [von Fricken] - meine gute Mutter - 
nach Schneeberg nicht gekofnen - am 4ten December mit There- 
sen [Schumann] nach Asch - Erscheinen des Allegro an Erne- 
stinen [von Fricken] gewidmet - Zerwiirfni&e mit der Zeitung - 
Schunkens Tod am 7ten December 449 - m.[eine] Riikkehr nach 
Leipzig - Vollkommene Auflosung des ganzen Kreises - Wiek 
mit Klara [Wieck] auf Reise nach Braunschweig 450 - Bank mit 
Hartmann - Mein Kauf der Zeitung 451 - 

420 



J a h r 1835, noch wichtiger in seinen Folgen - folternder Streit 
mit Knorr - die Zeitung bei Barth 452 - Wohnung auf d. Quer- 
gafie 453 - Ernestinen's [von Frickens] Entdeckung 454 - am Kar- 
naval fortgefahren der'schon December 1834 in Zwickau be- 
gonnen war - ihn, wie die Etudes 

Sympboniques u. Etuden uber eine Beethoven'sches Thema 455 
(letzteres sehr unschone Idee) in den Wintermonaten in's Reine 
geschrieben - 

Im Marz (glaub ich) K 1 a r a [Wieck] zuriick v. [on] Hamburg - 
Ulex a. [us] Hamburg, Rakemann aus Bremen - Mein Leben ist 
zum Theil aus der Zeitschrif t zu sehen - 

Ablosung von Ernestine [v. Fricken] im Sommer u. Herbst - 
ach!- 

Tagliches Beisammensein nut Klara [Wieck] - zum 8ten Juni 
von ihr ein Uhrband - 

Bank kehrt zuriik - Reise nach Zwickau uber Altenburg mit 
Reuter 456 - Bekanntschaften aller Art - 
Im August Mendel ssoh n 457 - 
Klara's [Wieck] Geburtstag am i3ten September - 
Vorher Bekanntsch[a]ft mit Berlioz's Symphome - die zweite 
Sonate in G Moll vollendet im October - 

C h p i n 458 - Klara's [Wieck] Augen u. ihre Liebe - Im Herbst 
Banks Eltern zu Besuch - Banks VerhaltniG zur Tante - 
Viel mit Mendelssohn zusammen - 
Der erste Kuft im November- 
Im Uebrigen kein schones Leben gefiihrt - 
Vorher Francilla Pixis - 

Wolffsheimer und Klara's [Wieck] Bild vorher - 
Dann ihre Reise nach Zwickau Ende November 459 - Mein Nach- 
kommen - Vereinigung - 
Von der Mutter Abschied genommen - 

Mit Ernestine [v. Fricken] gebrochen - Sie war in Westphalen - 
Klara's [Wieck] Rukkunft nach Leipzig - Der arme Rake- 
mann - Schone Stunden in ihren Armen des Abends in Wieks 
Hause - 

Der Weihnachtsabend 1835-DerNeujahrstag 1836- 

Bruch mit Wiek - 
Meine grofie Z[ei] tschrift - 

Vollige Trennung von Ernestinen [v. Fricken] - 
Ulex mein Stubengenosse - . 

421 



Die Tage in Dresden im Februar 1836. 460 

Tod der Mutter - 

Brief von Wiek - 

Trennung von Klara [Wieck] - Ihre Zuriikkunft 461 - Viel mit 

Mendelssohn, David u. Dr. Schlemer - Reuter guter Freund - 

Trubes Jahr 1836 - Triiber Sommer - Aus der Halle'schen 
Gasse 058 zu Mad. Devrient gezogen 462 - Charitas vorgesucht und 
Folgen davon im Januar 1837 — 
80 Im Uebrigen sehr mafiig gelebt u. ordentlich - Viel gearbeitet - 
Brief von Kiara [Wieck] im Juni - u. Auswechslung der Briefe - 
Kleine Reise nach Glauchau u. Zwickau - 
Die Sonate in fis Moll erscheint - 

Im Sommer das Concert sans Orchestre componirt, das schon im 
September erscheint - 

Von Klara [Wieck] vollig getrennt nach eignem Entschlufi - 
Ebenso v. Bank, der sich feindlich 2eigt - 
Im Spatherbst : Stamaty aus Paris - 

Spater (Benntt) Bennett- table d'hote im Hotel de Baviere - 
Erhohte Davidsbiindlerschaft - 
Frank a. Breslau - 

Von hier bis Mitte Marz 1837 findet sich ein kleines Tagebuch 
u.[nter] m. [einen] Papieren - 

F r u h 1 i n g u. Sommer 1837 

Robena Laidlaw - Die Phantasiestiicke 463 - Wieks Annaherung - 

Knapp's [Banck] Fortgang vorher 464 - heiterere Stimmung - 

Morgenrothe der zweiten Vereinigung - Spaziergange mit d. 

kl. [einen] Schmidt nach Knauthain - 

Bennett am 4ten Juni nach England zuriik - Vorher mit ihm u. 

dem kl. [einen] Goethe a. [us] Weimar Reise nach Zwikau. Audi 

in Weimar - 

Sehen Klara's [Wieck] in Connewitz - 

Uebergang der Zeitung an Friese Juli i837 4G5 - 

Im August Becker aus Freiberg, der Engel - 

Klara's [Wieck] Concert am i3ten August 466 - Mein Brief 467 - 

Vereinigung auf ewig - 

Hier schlieB ich. 

058 ,.G" zur Verdeutlichung nochmals uberschrieben. 

422 



Vom October 1837 bis heute finden sich tagliche Notizen* 

Schrieb's am 2 8 ten November 1838, 
meiner Mutter Geburtstag - in Wien, 
Von Melancholie voll - 

- Robert Schumann. 



423 



io7 Zur Besserung. 



Recensionen. 

1 09 Theme sur le nom Abegg pp. 

Iris von Reilstab: 1832. Nro. 8/ l6S 
Wenn wir den Titel obiger Var.[iationen] nicht gelesen hatten, 
so wiirden wir dariiber etwa folgendermafien urtheilen: das 
Thema scheint uns etwas gesucht u. doch zugleich monoton, in- 
dem sich dieselbe Wendung unaufhorlich auf dieselbe Art im 
ersten Theile u. dann in einer wenig bedeutenden u. andernden 
Umkehrung im Zweiten wiederhohlt. In diesem Betracht darf 
man nicht b6se seyn, dafi bey den Variationen das Thema so gut 
wie verschwindet und fast nirgend mehr zu entdecken ist, ausge- 
nommen hie u. da im basso marcato, aber alsdann auch nur der 
erste Takt desselben, nicht aber die Folge der Melodie. Was die 
Variat.[ionen] sonst anlangt, so hat sie ein geschickter Klavier- 
spieler gemacht u. sie sind ein eben so dankbares u. glanzendes 
Stuck, als viele ihres Gleichen von Czerny, Herz pp, verdienen 

no daher auch eine gleiche Anerkennung. Nachdem wir aber den 
Titel gelesen und gesehen hatten, dafi es auf einen musi- 
kal.[ischen] Scherz abgesehen war, da freilich wollten wir den 
Namen der muthmafilich schonen und talentvollen Comtesse we- 
nigstens eben so oft darin lesen, als Roland den der Angelica in 
den Baumrinden. Nun verdrofi es uns naturlich, dafi wir nicht 
alle Kombinationen u. Permutationen der Buchstaben A, b, e, g, 
g, nicht einen Kanon, nicht eine Fuge, u. was sonst dergl. darauf 
fanden. In dieser Hinsicht betrachtet konnte daher das Werk 
ungleich anziehender seyn, fur den musik.[alischen] Verstand 
nahmlich; und dies, daucht uns, ist seine ganze Aufgabe, da alle 
Arbeiten dieser Gattung nicht aus der Begeisterung, sondern aus 
einem an sich ganz artigen Spiel zu erklaren sind. Lieb ware mir's 
daher, wenn ich einigen Einflufi auf die 

1 1 1 ohne Zweifel sehr musik. [aiische] Dame hatte, der das Werk de- 
dicirt ist. Denn ich wiirde dem talentvollen Komponisten sofort 
die verwikeltesten Aufgaben stellen, die er mit einem so mu- 
sik. [alischen] Namen zu losen hatte. Und, damit er in Uebung 
kame, gabe ich ihm noch etliche Themata dazu, nahmlich aufler 
den allbekannten Bach, Fasch, auch Eis * (was freilich nur ein 
Thema aus eine Note ware[)], Caffe (der Zusammenstellung der 

424 



Gegenstande wegen) u. Fisch, Hase, Schaaf, damit ein ganzes 
Mittagessen daraus wiirde. Wenn nicht der Druckerbursche war- 
tete, so wollt' ich noch ein ganz artiges Register soldier Wortchen 
zusammenbringen. Ware es aber nicht verdienstlich, wenn Je- 
mand ein Worterbuch dieser Art verfertigte? Vielleicht kamen 
die Komponisten, denen es insgemein sehr an neuen Ideen fehlt, 
dadurch auf bessere Themata, als wenn sie ohne alien Kompafi 
in dem unermefilichen Ozean der Erfindung umhersegeln. 

Papillons. 

Iris von Rellstab. 1832. Nro. 21. 423 
Jetzt kommt der Redacteur auf den Brief, den er in der vorste- 
henden Rezension sub. c. als einen der Hauptgriinde seiner ver- 
gnugten Stimung angefiihrt hat. Er nihrt von dem Komponisten 
der obigen Pap.[illons] her. Das Publicum vergebe - aber mit 
dieser Rezension hat es eigentlich wenig zu thun, die Sache wird 
rathselhaft zwischen dem Komponisten u. dem Redacteur allein 
durch Chifferschrift abgemacht. Es lese, wer ein Champollion 
ist. Ich war auf dem Maskenball wo die Papillons flatterten. Der 
Gedanke ist schon, aber er hatte sich einen Kunstkorper bauen 
miissen. Spinoza lehrt, die Weltansicht, die jedes Wesen habe, 
gebe ihm seine formliche Gestaltung; ich behaupte, jeder 
Kiinstlergedanke gewinnt erst wahrhaftes Leben, wenn er sich 
eine organische kiinstlerische Form schafft. Nur die objectiven, 
also nothwendigen Wahrheiten darf der Kiinstler 
verschleiern u. so durch den Reiz der Schonheit erhohen. Zufal- 
lige, subjective, lassen, wenn sie verhiillt bleiben eine Chiffer- 
schrift iibrig, zu der der Schliissel fehlt; werden sie enthullt, so 
be'greift man, versteht man, aber nur aufierlich. Es lafit sich auf 
solche Kunstwerke eine freilich seitsame aber nichts desto weni- 
ger richtigeAnwendung der Schiller' schenWorte machen: „Nicht 
an die Giiter hange dein Herz, die das Leben verganglich zie- 
ren". Das Kunstwerk darf nicht durch ein fremdes Etwas, es 
mufi ganz allein, voll, durch sich selbst verstandlich seyn; die 
Seele mufi in ihm, nicht aufter ihm wohnen, sonst ist es nicht 
mehr, als der Leichnam auf der Bahre, dessen Seele schon iiber 
den Sternen weilt. Ware er selbst schon, so ist doch der Reiz, das 
Leben, die Warme ihm entschwunden u. uns schaudert vor der 
kalten Umarmung. - Ich vermisse Jacobinen. Sie gehort auch da- 
hin. Oder tauschte ich mich? 
Denn selbst der Schliissel den ich habe, schlieftt nur halb u. lafit 



4*5 



mir viele tausenddeutige Rathsel. Indefi glaube ich, ist das wenige 
fur das Publicum lang u. langweilig genug. Doch brauche ich 
noch eine Nachschrift. Der Grufi mufi warten bis der, dem er als 
Erinnerung vom Rhein her zukommen soil, von der Donau zu- 
riickkehrt. Auf der Villa am Comer See wiirde ich, daucht mir, 
anders traumen. Auch ich war in Arcadien. Mit Liebe u. Freund- 
schaft reiche ich dem Dichter, wenn auch nur in Tonen, die 
Hand; demMusiker strecke ich sie auch entgegen, aber mit einem 
scharfen Hieber bewaffnet u. in der Auslage zum Zweikampfe. 



Theme varie. 
Papillons. 

Wiener musik. [alischer] Anzeiger. 
1832. Nro. 26. 431 
Es ist allenwege hiibsch, wenn man auf eigenen Fiiften ruht, und 
keine Kriicke, 

ii 5 noch Anderer Schultern zur Unterstiitzung benothigt. Der uns 
zum erstenmal begegnende, wahrscheinlich noch jugendliche 
Tondichter^ gehort zu den seltenen Erscheinungen der Zek; er 
hangt an keiner Schule, schopft aus sich selbst, prunkt nicht mit 
fremden, im Schweifie des Angesichts zusammen gelesen[en] Fe- 
dern; hat sich eine neue ideale Welt erschaffen, worin er fast 
muthwillig, zuweilen sogar mit origineller Bizarrerie herum- 
schwarmt, u. schon aus diesem Grunde, eben weil ihm die Pho- 
nixeigenthumlichkeit inne wohnt, der Accolade nicht unwerth 
ist. Freylich werden Manche, sonderlich jene, fiir welche bey- 
spielshalber Jean Paul's tiefgefuhlte Lebensbilder bohmische 
Dorfer sind, oder welche vor Beethovens genialen Blitzstrahlen 
abhorresciren, als ob ihnen ein Vomitiv verabreicht wiirde - pro- 
bability, sage ich, werden diese Herren in us u. es auch daran 
gewaltig AergerniC nehmen, ob der Kiihhheit 

116 des obscuren Neophiten das Naslein riimpfen u. erkleklich Auf- 
sehen davon machen ; vielleicht wohl gar iiber das : wie ist es „u. 
wie es seyn sollte" einige Biicher Papier consummiren u. ein vier- 
telhundert Federn abstumpfen; - immerhin! was einmal der 
Oeffentlichkeit iibergeben wird, fallt auch dem allgemeinen 
Urtheil anheim ; ein belehrendes verschmaht nur der Eigendun- 
kel, wahrend es der nach Hoherem strebende dankbar empfangt, 
aber treu bleibt seinem Genius, der ihn nicht leicht auf eine Irr- 
bahn verieidet. 

426 



Ueber die Sache selbst nur wenig Worte, da audi deren viele 
kaum zureichen diirften. Nr. i. ist auf ein Motiv von funf Tonen : 
abegg basirt; Nro. II. besteht aus sechs Einleitungstakten u. 
zwolf theils kiirzeren, theils langeren rhapsodischen Satzen, in 
wechselnden Tonarten, ZeitmaBe, Rythmen; meist 
schakernd, flatterhaft u. kokettirend; ein Spiegelbild der 
Schmetterlingsnatur. - Nichts ist leicht zu spielen; der Vortrag 
erheischt Charakteristick; das Ganze will zur Erreichung des 
beabsichtigten Totaleindrucks sorgfaltig studirt u. geiibt wer- 
den. 

Die dem Namen nach wenigstens neue Verlagshandlung intro- 
duzirt sich sich hier auf eine sehr anstandige Weise. 76. 



Studien pp. 

Iris von Rellstab; Nro. 1. 183 3. m 
Diese Arbeit ist kem bloftes oberflachlkhes Arrangement, son- 
dern sie verrath eignes Studium, eignen Geist. Zwar ist das Ta- 
lent zur Komposition, welches der Bearbeiter (dessen Papillons 
wir bereits in diesen Blattern beurtheilt haben) besitzen mag, 
hieraus weniger zu erkennen ; doch dafi er die Dinge mit eigenem 
Sinn u. Charakter auffafk, mochte sich auch hier wahrnemen las- 
sen. Oftenbar 

hat zuerst Paganini's beruhmter Name den Gedanken erzeugt, 
seine Kompositionen auf diese Art zu behandeln. Indessen bey 
der Bearbeitung selbst schemt sich nicht bios die gute Buchhand- 
lerspeculation, sondern auch das Niitzliche der 059 Sache fur das 
Fp. herausgestellt haben. Die Passagen sind arm an Erfindung, 
weil, bis ein grofies Genie neue schaffend auftritt, die Erfindung 
erschopft scheint. Denn mehr oder weniger sind alle die neuern 
Klaviersolfeggien, urn uns dieses Ausdrucks zu bedienen, iiber 
einen Kamm geschoren. Hier aber waren Violinpassagen 
auf Klavierpassagen zu reduciren oder wo es anging mufken 
die ersten in ihrer Urspriinglichkeit beibehalten werden. Es 
konnte gar nicht fehlen, daft sich dadurch etwas Fremdes, Abwei- 
chendes erzeugen mufke u. um so mehr, als Paganini sie fur sein 
eignes Instrument schon ganz eigenthiimlich erfunden hatte. Die 
Kompositionen sind, aus dem Gesichtspunct ihrer Bestimmung 
betrachtet, wie Alles was Paganini geschrieben hat, von einem 
ausgezeichnetem Werth; sie gewinnen gerade nicht dadurch, dafi 

059 „deir" iiber der Zeile eingefugt. 

427 



sie auf das Fortepiano verpflanzt sind, aber was sie hier und da 
verlieren, ist durch die meist sehr wirksame Zusetzung der Basse 
und Gegenstimmen reichlich erganzt. Nur einen durchgehenden 
Fehler haben sie, der jedoch insofern sie Studien sind, zum Lobe 
wird; sie sind ungeraein schwer zu executiren u. vielleicht an- 
scheinend nicht so dankbar als sie seyn wiirden, wenn sie fiir das 
Instrument geschrieben waren. Dadurch daft der Bearbeiter die- 
selben mit Vorstudien u. sehr gut geschriebenen theoretischen 
Abhandlungen begleitet hat, ist das Werk auch in anderer Bezie- 
hung ein 
120 selbststandiges geworden u. darf denen, die sich zu bedeutenden 
Klavierspielern ausbilden wollen, empfohlen werden. Der Ver- 
fasser sagt er habe die Stiicke mit einer wohldurchdachten Fm- 
gersetzung versehen; bisweilen ist sie uns jedoch unbegreiflich u. 
beruht auf Grundsatzen die nicht die unsrigen sind. Uebrigens 
drangt sich uns hier eine Bemerkung iiber manche Seltsamkeiten 
in der Welt auf. Wir haben von einem Ohrenzeugen vernommen, 
dafi Paganini bisweilen zum Scherz Uebungen von Kramer fur's 
Klavier fast so vollstimmig wie sie geschrieben sind, auf der 
Violine gespielt hat; jetzt widerfahrt ihm das Umgekehrte, was 
freilich noch lange nicht so seltsam ist, als seine an's Zauberhaft 
grenzende Kunststucke. 



121 Sinfonie. m 

- Einen zarten schonen Punkt in diesem Conzerte bildete die 
erste Composition (eine Symphonie) fiir Orchester von R.[obert] 
S.[chumann] einem gebornen Zwickauer. Er lieft den ersten Satz 
derselben absichtlich in seiner Vaterstadt zuerst auffiihren u. wir 
konnten ihm gleichfalls dafiir nur sehr dankbar seyn. Dieser Satz 
ist hochst kunstvoll u. genial aus drey Melodien gebildet u. zwar 
sehr schwierig, dennoch aber nie flach gehalten, wenigstens ohne 
galante u. branudirende [?] Ueberladungen.DiesemStuck miifke 
man nur ein starker besetztes Orchester wiinschen, das Leipziger 
vorzugsweise, fiir welches ausgezeichnete Musikchor es vor alien 
andern berechnet u. geeignet seyn diirfte. Her[r] R.[obert] 
S.[chumann] berechtigt zu den schonsten Hoffnungen, wenn man 
vergleicht, 

122 wie machtig er bisher von seinen Variationen iiber Abegg u. 
seinen Papillons, zwey sehr geistreichen Compositionen, bis zu 
dieser trefflichen Arbeit fortgeschritten ist. Sein ausgezeichnetes 

428 



Talent, sein ruhiger, sich nicht uberjagender FieiG wird diese 
Hoffnung gewiG erfullen. 



Studien pp. 

Wiener musikaL[ischer] Anzeiger: 
Nro. 10. 1833. 471 
Um den einzig wahren Gesichtspunct anzugeben, aus welchen 
diese nach Paganinis erstem Werke arrangirte Studien betrachtet 
u. beurtheilt seyn wollen, diirfte es am schiklich zweckmafiigsten 
seyn, Bruchstiicke aus dem Vorwort des Verfassers zu excerpi- 

ren. Dort heiflt es unter andern: die Aufgabe war: beque- 

mer Fingersatz". 

Ueber das Studium selbst linden sich folgende treffende Andeu- 

tungen: Keiner andern Gattung leicht vollenden." 

Zur Uebung in diesem Style werden noch besonders empfohlen : 
die Capricen von Miiller u. Pohl, jene classische in fis-minor von 
Felix Mendelssohn u. aus dem ersten Heft von Bachs wohltem- 
perirten Clavier die Fuge in D. F. G dur pp. 
Ueber Einzelheiten spricht sich der Verfasser beylaufig also: 
(Auszuge folgen) 

Der Sache Wichtigkeit mag dieser ungewohnlich ausgedehnten 
Anzeige zur Entschuldigung dienen. Es war ein mit zahllosen 
Schwierigkeiten verkniipftes Problem ; doch es war begonnen mit 
gleich grofier Liebe, Beharrlichkeit und Umsicht u. steht nun 
vollendet da auf eine Art u. Weise, da£ alle Pianisten wahre 
Freude, vielen Genufi daran haben u. dem Verfafier dafur hoch- 
vcrpflichtet sich bekennen miifien. 76. 



Studien pp. 

Allgem.[eine] musik.[alische] Zeitung. 
1833. Nov. 3 7 . 472 
Sonst wiirde man gesagt haben : was nicht klaviermassig ist, ge- 
hort nicht fiir das Kiavier. Man lasse der Violine u. andern In- 
strumenten ihre Uebungen, Eigenheiten u. Capricen u. dem Kla- 
viere die seinen. Jetzt ist das anders. Man will auf dem Piano- 
f.[orte] Alles spielen u. hat es in der That zu einer mechanischen 
Hohe gebracht, die sonst fiir unmoglich gehalten worden ware. 
Zur Bestatigung solcher Uebungen, wie sie uns hier iibergeben 
werden, schreibt z. B. Kalkbrenner in seiner Pianoforteschule 
S. 28. „Zur Beendigung dieser Studien mufi man auch viel fur 

429 



andere Instruments, wie Violine, Flote, Violoncello geschriebene 
Musik spielen, urn gute Betonung u. Ausfuhrung von Stellen zu 
lernen, die schlechten Fingersatz haben u. fast unausfiihrbar sind. 
Zum Beispiel 

125 ist es sehr gut, die Etudes von Paganini fur die Violine auf dem 
Pianoforte zu spielen, wenn man nicht mehr zu fiirchten braucht, 
die Lage seiner Hande zu verderben u. einen sichern Fingersatz 
hat". Ob nun der Verfasser dieser Etiiden die Idee daher genom- 
men oder ob er selbststandig friiher auf sie kam, kann uns gleich 
seyn; genug er hat sie ausgefuhrt u. ist dadurch dem jetzigen 
Stande des Pianofortespieles niitzlich geworden. Fiir welche 
Spieler dergleichen ist, hat jeder Aufmerksame u. Ueberlegte 
theils sich selbst beantwortet, theils in Kalkbrenner's Ausspru- 
che beantwortet gelesen: sie konnen der Natur der Sache nach 
nur fiir solche seyn, die bereits ihre Schule gemacht und gehorige 
Festigkeit erlangt haben. Dasselbe scheint uns der Verf. selbst 
am Schlusse seines Vorworts angedeutet zu haben : ,,sammtliche 
Capricen sind aus Paganini's erstem 

126 Werke gewahlt. Er hat sie den Kunstlern gewidmet." Der 
Bearbeiter ist dem Originale moglichst treu geblieben u. wo er 
sich erlaubte, es etwas klaviermassiger zu machen, geschah es 
ohne Beschadigung des Originals. „Nie opferte ich (sagt der Ver- 
fasser) eine geistreiche oder eigenthumliche Wendung einem 
schwierigen oder freyeren Fingersatz auf." Was uber den Vor- 
trag dieser Capricen gesagt wird, halt der Verfasser selbst fiir 
bekannt, aber fiir niitzlich daran zu erinnern, wie es auch ist. Die 
von ihm beigefiigten Beispiele sollen nur auf ahnliche hindeuten. 
Was aber noch hinzugefiigt wird : Er (der Verf.) rath sogar vor- 
geruckten Spieiern an, nur selten Uebungen aus Klavierschulen 
zu spielen, lieber eigene zu erfinden u. etwa als Vorspiele im 
freyen Phanta- 

127 siren einzuflechten, da dann alles viel lebendiger u. vielseitiger 
verarbeitet wird." - : so halten wir es doch fiir rathsamer, wenn 
nur die dazu Berufenen dergleichen unternehmen; wir rathen 
auch, sich nicht zu zeitig fiir berufen zu erachten, was jetzt nicht 
selten geschieht, woher es kommt, dafi wir mehr Phantasieen 
(als) u. eigenes Kunstwerk horen miissen, als zutraglich ist. An- 
fangs sich beschranken u. zwar in jeder Art ist eine gute Regel, 
deren Nichtachtung schon ungemein viele Bankbriiche, nicht bios 
irdischer Art, nach sich gezogen hat. 

430 



Aus den 14 Caprices pour le Viol comp. par Paganini, Op. /. 
sind vom Verf asser folgende gut ausgewahlt worden : 
Die erste der bearbeiteten ist in Paganini's Samlung die fiinfte, 
ein Agitato 4 A, A moll in Dur schliessend, mit Einleitung; die 
zweite (Alle- 
gretto [)] ist dort die 9te; die dritte giebt die Originalausgabe als 
die eilfte; die 4te vergl. mit Nro 13 ; zur funften nimm zur Ver- 
gleichung die neunzehnte u. zur sechsten, die sechszehnte, deren 
Schnellfiguren Anfangs in die linke Hand gelegt worden sind, 
mit dariiber gebauter Melodie u. harmonischer Fiillung. Kennt- 
nifi des Instruments, Gewandheit, sorgsam sich anschmiegende, 
das Original nicht willkiihrlich u. ohne Noth verletzende Zuthat 
konnen dem strebsamen Bearbeiter durchaus nicht abgesprochen 
werden. Das mit der grossten Sorgfalt u. Schonheit gestochene 
Werk ist daher alien schon tiichtig gebildeten Pianofortespielern, 
die sich auch in solchen Dingen versuchen wollen, bestens zu 
empfehlen. Dabei wird jeder Spieler fast von selbst durch die 
Arbeit darauf gefiihrt, von den bekannten auch schon ofter zum 
Einiiben tiichtiger fiir das 

Pianof . [orte] eigens gesetzter Capricen u. Etiiden gegebenen 
Rathe Gebrauch machen, nicht mehr als eine vollig einzuiiben u. 
sie dann eine Zeit lang wegzulegen ; zu anhaltendes, nicht unter- 
brochenes Etiidenspiel macht geistlos. Da6 die Einiibenden auf 
manche Schwiengkeken stofien werden, mogen sie versichert 
seyn ; besonders werden sie die letzte schwierig finden. Noch be- 
merken wir, dafi dem deutschen Vorworte eine franzosische 
Uebersetzung gegeniiber gegeben worden ist, welche der Fran- 
zose sogleich fiir eine solche erkennen wird, so eng hat sich der 
Uebersetzer an's Original gehalten. 

Von diesem regsamen u. offenbar talentvollen jungen Mann sind 
uns noch folgende Compositionen bekannt : 

Theme sur le nom „Abegg" 
Das Thema iiber den Namen „Abegg["] ist gut erfunden u. an- 
sprechend; die Variationen durchaus nicht nach dem gewohn- 
lichen Schlage, wirklich 

eigenthiimlich, fleifiig und. instrumentgemafi gearbeitet, nicht 
leicht, aber auch nicht zu schwierig fiir ordentliche Spieler. Das 
Ganze hat nur vier Veranderungen mit dem dazu gerechneten 
Finale alia Fantasia u. ist der Ctesse Pauline v.Abegg gewidmet, 
was hier zur Erklarung des Titels anzuf uhren ist. 



43i 



Papillons pp 

In zwolf bald ganz kurzen, bald langer hin u. her sich bewegen- 
den Satzchen flattern Tontagfalter bunt u. fluchtig iiber die Wie- 
sen launenhaft waltender Fantasie, die im Ungewissen des Ton- 
reiches humoristisch zu jean-paulisiren wagt. Wirklkh sind diese 
Entwiirfe scherzhafter.Musikumrisse beym Lesen J.fean] Paul's 
entstanden. 1st es nicht ungewohnlich, durch Genufi eines Dich- 
tererzeugnisses zu musikalischen Eingebungen zu gelangen : so ist 
doch der Gedanke oder die Lust dichterische Sommervogel me- 
tacillenartig singen zu lassen. Es liegt etwas 

13 1 frisch Unternehmendes darin, das so verschleden wirken wird, 
als die menschlichen Ansichten u. Stimmungen verschieden sind. 
Es ist neuromantisch jugendliches Scherzen. Vielleicht hatte der 
Componist wohl gethan, wenn er die Stellen des Dichter's be- 
zeichnet hatte, die ihn auf seine Papillonen brachten. Hatten wir 
aber darin Recht u. wurde dieser Wunsch beym Spielen dieser 
Blumensauger in nicht Wenigen lebendig, so ware dies zugleich 
ein Fingerzeig, daG der Componist zu weit gegangen ware u. Ge- 
fiihle durch Tone hatte erregen wollen, die ohne Worte nicht zu 
erregen sind. Jeder versuche selbst, sich die Schmetterlinge zu 
fangen u. lasse ihr Farbenspiel in sonniger Stunde schillern; 
denn gerade hierin wird der Geschmack noch weit verschiedener 
seyn, als in anderen Gaben scherzender Musen. - Das neueste 
Werkchen dieses jungen Componisten fiihrt den Titel: 

132 Improtntus pp 

Die variirte Romanze der Dem.W.[ieck] (Oeuv. 3., bey Fr.Hof- 
meister; Pr. 8 Gr.) war dem Herrn Sch.[umann] gewidmet 
worden. Die Einfalle dariiber hat der Verf. dem Vater der jun- 
gen Kunstlerinn, Herrn Fr. W.[ieck] gewidmet 473 . Der Anfang 
pafit zu dem Titel, die Folge diirfte f iir Impromptus zu viel Aus- 
gearbeitetes haben, so dafi sie freie Variationen heiBen konnten, 
in denen das naturliche Thema bald versteckter, bald offen, hier 
in der rechten, dort in der linken Hand wohl benutzt ist. Man- 
nigfaltigkeit in melismatischer und harmonischer Hinsicht, ste- 
hende Verbindungsarten, die immer am Neuen, audi wohl am 
streng EindringHchen sich erfreuen, Originelles sowohl angeneh- 
mer als sonderbarer Art, also iiberall Unterhaltendes oder Auf- 
reizendes 

133 liefern diese zwolf Bearbeitungen auf jeder Seite. Fleifi, Ge- 
schick, Talent, frische Phantasie u. starkmuthiges Aufstreben 
wird dem Verfasser kein unpartheiischer Beobachter absprechen, 

432 



lauter Eigenschaften, welche mit Recht die Aufmerksamkeit auf 
ihn verdoppeln mussen. Selbst die Auswiichse, die wit* allerdings 
in alien diesen Erzeugnissen noch gewahr werden u. die wir fur 
unsere Person Heber im Allgemeinen zur Halfte beseitigt wiinsch- 
ten ehe zum Druck geschritten wiirde (man iafk jezt zu friih 
drucken) sind uns, um der Zukunft willen, wilikommener, als un- 
gehindert gemachlich flieftendes Bachwasser junger Componisten, 
das nichts sagend verschwimmt oder verdunstet. Der Verfasser 
thut also nach unserer Meinung hin u. wieder des Guten noch zu 
viel. Wegschneiden ist aber offenbar leichter, als Zusetzen; die 
Zeit thut das Ihre von selbst. Nicht zu ubersehen ist die ganz 
ungewohnliche 

Angabe auf dem Titel „publie 1833 Aout (August)." Der VerL 
scheint skh damit die Art der Behandlung eines Thema's, als 
eine von ihm zuerst gebrachte, sichern zu wollen. Auch dies wird 
gute Pianofortespieler (denn diese gehoren zu guter Ausfiihrung) 
reizen, sich mit den Impromtus naher bekannt zu machen. - Will 
der Verf. den alttreuen Ernst ungeschminkter Liebe zum epheu- 
umwundenen Thyrsusreiz des Neuen bringen, so wird er bey 
seinen offenbaren Gaben sehr Tuchtiges leisten. 



28 Schumann, Tageb. 1 433 



i6j [Schachspiele] 

oe0 K.e. i. F.c.6. K.e7. F.ci. 

Th.b.4. Th.g.6. Th.d 7 . Th.f.y. 

Sp.e. 3. L.h.6.L.d. 1. Sp.h. 0G1 2. Sp. c. 

B.C. 5.g. 5. L.e. 8. B. f. 4. 

e.6. 

1. b6-e 6 + C7~e6 

2. g6~e6 + e7-e6 

3. b4-e4. Matt. 



164 



K.d. 1. F.a7 


K.c6 K.c. 


L.e. 3. B. b4 




d4e4. 




K. a. 3. F. a. 8. 


K.d. 7. F.b6. 


Th.h.6. Sp.f.2. 


Th.a7- Th.d. 8. 




L. c. 7. L. e. 8. 


Bauern c. 4. d. 5. 04. 


Spr. c. 7. Spr. a. 


f.4 


B.c. 5. g. 5. g. 7. 


1. h.6-d6 + 


d 7 - d 6. 


2. e.4-e5. 


d6-d 7 


3. e 5 -e6 


d 7 -d6 


4. f 2-e4- 


Matt. 


K.d 1. Th.g. 1. 


K. g. 8. F. b.4. 


Spr. b 6. Spr. g. 4. 


Th.aa 062 Th.h.8, 


F.f. 3. B.c. 2. 


L. h. 5. Spr. e. 7. 




Spr. d. 4. B. h. 6. 




g. 7. - f • 7- 


1. g. 4 -f6.+ 




2. b 6 - d 7 


g.8-f.8. 




Matt. 



060 Seiten 163-166 mit Bleistift, Seite 167 mit Tinte lateinisch geschrieben; 
Seite 1 68 mit Bleistift geschrieben. 

061 Urspriinglich „g'\ zu „h" verbessert. 

062 Urspriinglich „8'\ zu ,,2" verbessert. 

434 



Weiss. 


Schwarz 


K. g4. F. c. 3. 


K.d. 8. F.h. 1. 


L.b. 5. L.d.2. 


Th. c. 8. L. c. 7. 


B.f2. 


L. g6. Spr. g. 1. 




Bauern d. 6. h. 6. 




g- 7- 


1. e. 3.-g. 5.+ 


h. 6. nachg. 5. 


2,d2-g. 5. 


Matt. 


K.c.i. F.b 3 . 


K. h. 8. F. a. 8. 


Th. e 2. Sp. e. 7. 


Th. d. 8. Th. a 7. 


B. b 2. c. 3. 


Sp. a. d. Bauern. 


1. F.b 3 -gS 063 + 


g. 7- h 7. 


2. ej~g6 + 


d8-g8 


3. ez -h 2 + 


h7-g6 




Matt. 


Oder. 




1. e7-g6 + 


h 7 - g 6. 


2. e 2 -h 2 


Matt. 


Mit Rascher. 




Weiss. 


Schwarz. 


K.c. i.-T.d. 1. 


K.d. 8. F.a. 3. ' 


Sp.b2-L.c. 4 . <>6i 


Th.f.2. Th.a.6. 


Bauern. c. i.e. 6. d. 7. 


L. c. 3.L. g. 4. 




Spr. c 065 5. B. a 7. 


1. e6-c7 + 


B.b6 


2. d7-d8 + 


d 8 - c 7. 


wird Konigin + 


C7~b7 


3- c4-d5 






Matt. 



063 Urspriinglich ,,7", zu „8" verbessert. 

064 UrsprungHch „b }", zu „c. 4." verbessert. 

065 Urspriinglich „b", zu „c" verbessert. 



28* 



435 



Weiss. 

K.g.2.-F.a. 5. K.b. 8. F.d.7. 

Th. b. 2. - S. c. 7. Th. h. 8. Bauern. 

B. f. 2. c. 5, d. 6. f. 4. a 7. b. 7. 

1. a 5 -a 7 + b. 8. - a 7. 

2. b 2 -a 2. a. 7 -b 8 

3. a 2 -a. 8. Matt. 



167 Endspiele nach Filding. 

Erstes. 

Weifi. Schwarz. 

K.f.8-Th.d.i. K.e.6-Fa4. 

Th.f. i.-Sp.£. 3. Th.b 7 . Th.g6. Sp.c.6 

Bauer e 4. Spr. h. 6. 

Bauern. a 6 b 6 e (6) 5 

1. f 3 nach g 5 + g 6 nach g 5 

2. £ 1 nach £. 6 + e 6 - f . 6. 

3. d 1 nach d 6 Matt. 



Zweites. 

K. f 7 - Th. d. 1. - Th. f 1. K. e. 5 - Th. a 6 

Sp. £ 2. Bauer, g. 3. Th. g. 6 - Spr. h. 6 

Bauern d 6 - e 4. 

1. f 2-g4+ g6-g4 

2. f. i.-f. 5 + e 5 -£ 5 

3. d. i.-d 5 + Matt. 



436 



j% Wenn es nun ein Wagestiick, dessen GroBe gegen den Tadel 
gehalten, der es beym Mifilingen mit Recht triflt, zu wenig vom 
Horus anerkannt wird, oder wenn es Charlatanerie, die Berge 
auf Nadelspitzen tragen will, so zeugt das doch immer von gro- 
wer Kunst des musikalischen Geistes u. hat 066 aufter Paganini u. 
Romberg noch wenig Seitenstiicke gefunden. 

^9 von weiten - von Weitem 



1st denn a 1 1 e s unnutz, was 

Gothe. 



von feme. 

zu Gute thun. 

Ich lag der Mutter an 



Nimmt das Partldp dieselbe Declinationsendung wie das Ad- 
jectiv an : z. B. mit beygef iigten Fingersatze ! - das Beyspiel triff t 
nicht; es fehlt mir aber im Augenblik eines. 

Sprachbemerkungen. 



„Achtung v o r Jemanden" haben oder f u r - 

Gestern fand ich „ v o r 067 J e m a n d " in den Mem.[oiren] der 

Herz. [ogin] von Abrantes 

Vorliebe fur eine Sache (zu einer Sache befier) - 

„ h e u t e f r u h " ist richtig, da es zugleich adjectivisch - nicht 

066 Ein ausgestrichener, nicht mehr lesbarer Wortbeginn und „hat" iiber 

der Zeile eingefugt. 

0fi7 Urspriinglich „fiir'\ durch „vor" iiberschrieben. 

437 



„heute Friih" -„heuteMorgen"-heut e A b e n d - fur 
(diesen) den heutigen oti3 Morgen, (diesen) am heutigen 069 Abend 
bedeutet „ m o r g e n " den morgenden Tag, soistes 
Adjectiv, wie „gestern". 



Jemanden versichern, einem versichern 



J e 1 2 t oder j e z t , zuletzt oder 2 u 1 e 1 2 1 



Studiren oder studieren - 

Wird sich ohne Griinde fur's Erstere entschieden 



Fur's erstere oder Erstere 

das Letzte ist richtig; der vorige Satz enthalt den Grund in sich. 



Erwischte ich, odererwischt' ich- 

das Erste kann ich nicht leiden, das Andere klingt nicht schon. 

Weil ich nur mit so Wenigen umgehe - iiber 
so einem 

oder mit so wenigen. 

Es ist mir von Nothen oder Vonnothen, oder von- 
nothen; das letzte hab* ich 070 in Holderlin gefunden, als ein 
Wort. 

bis auf's feinste, oder F e i n s t e , gemacht. 



181 Gelobt. 

Sonate patbet.[ique] t>. Lipavsky. CE. 27. 



068 „dcn heutigen" iiber der Zeile eingefiigt. 

069 M am heutigen" iiber der Zeile eingefiigt. 

070 Urspriinglich „in", durch „ich" uberschrieben. 



Breitkopf. 



438 



Anmerkungen 



1 Christoph August Tiedge, Urania, iiber Gott, Unsterblichkeit und Frei- 
heit, ein lyrisch-didaktisches Gedicht in sechs Gesangen, Halle 1800. 

2 Gebete von Staak und Christoph August Tiedge sind nicht nachweis- 
bar. 

3 Horaz, Ars poetica 165. 

4 Ernst Schulze, Epistel VII. An L. v. ***, (Beginn der 3. Strophe) ; in: 
Sammtliche poetische Werke von Ernst Schulze, 4. Theil, Leipzig 1822, 
S. 115. 

5 Hier bezieht sich Schumann auf den Tod seines Vaters, August Schu- 
mann, der am 10. August 1826 gestorben war. 

6 Pindar, Olymp 1,1. 

7 Schumann meint vermutlich den Verlust der Freundschaft mit einem 
Madchen (Nanni Petsch?). 

8 „Erkenne dich selbst", Inschrift iiber dem Eingang des Apollotempels. 
in Delphi. 

9 Schumann hatte sich 1826 brieflich an Karl Winkler, Redakteur der 
Dresdner „Abendzeitung", mit der Bitte gewandt, eine Auswahl seiner 
Gedichte in dieser Zeitung zu veroffentlichen. 

Vgl. M. Kalbeck, Aus Robert Schumanns Jugendzeit, in: Osterreichi- 
sche Rundschau, Wien 1883. 

10 Die 1804 gegriindete Zwickauer Gesellschaft „Casino" besaB im Dau- 
melschen Haus, Badergasse 282 (gegeniiber von Schumanns Geburts- 
haus), einen Saal, in dem gesellschaftliche Veranstaltungen und auch 
Theaterauffuhrungen stattfanden. 

11 „gl", Abkurzung fur Groschen; „rthl" f Abkurzung fur Reichsthaler. 

12 Exzerpiert aus dem Artikel : „Ueber Kunst und Althertum, von Gothe, 
Sechsten Eandes erstes Heft. Helena, ein Zwischenspiel zu Faust, von 
Demselben. Brief an ***.", in: Blatter fur literarische Unterhaltung fur 
das Jahr 1827, Nr. 185 vom 11. August 1827. 

13 „S", Abkurzung fur Nurnbergs Stadtteil „Sebalder Seite", benannt nach 
der Hauptkirche St. Sebald. 

14 „L", Abkurzung fur Nurnbergs Stadtteil „Lorenzer Seite", benannt nach 
der Hauptkirche St. Lorenz. 

15 Wer mit „Clara" gemeint tst, bleibt unklar. 

439 



*6 Entwurf dcr Nadidichtung cincr Ode von Matthias Kasimir Sarbiewski; 
endgiiltige Fassung in: „Auswahl aus den* lyrischen Gedichten von 
Horazius und Sarbiewsky im Versmafie des Urtextes uebersetzt von Ro- 
bert Schumann 1827/28" (Autograph: Robert-Schumann-Haus, Zwik- 
kau). 

1 7 Einwohner von Gabii, einer Stadt in Latium, die durch ihren Junokult 
und die Auguren die Politik Roms beeinflufiten. Im 3. Jahrhundert ging 
die Stadt unter. 

18 Einwohner von Cures, einer sabinischen Stadt, Heimat von Titus, Taci- 
tus und Numa. 

19 Phosphoros, bei den Griechen Name des Sternes Venus als Morgen- 
stern. 

20 Hesperos, im Altertum Name des Sternes Venus als Abendstern. 

21 Fantaisie, Lustschlofi bei Bayreuth. 

22 Homer, Ilias VI, 484: „Lachelnd mit Tranen im Blick". 

23 Hippocrene (Hippukrene), eine Quelle auf dem Helikon, die den 
Musen geheiligt war. . 

24 Gemeint ist das Stadelsche Museum. Vgl. audi Jugendbriefe von Ro- 
bert Schumann. Nach den Originalen mitgeteilt von Clara Schumann. 
Leipzig 1885, S. 50. 

25 Die Schachmaschine oder Geniestreich iiber Geniestreich, Lustspiel 
nach dem Englischen iibersetzt von Heinrich Beck, Warschau 1797. 
Vgl. Kayser, Vollstandiges Biicher-Lexicon enthaltend alle von 1750 
bis Ende 1832 in Deutschland und den angrenzenden Landern gedruck- 
ten Biicher, Bd. VI, Schauspiele, Leipzig 1835, S. 83. 

26 Anton Friedrich Justus Thibaut, Uber Reinheit der Tonkunst, Heidel- 
berg 1824, 2. Auflage 1826. 

27 In einigen Zuglochern der Ruine Klopp waren Aolsharfen aufgestellt, 
Instrumente, uber deren Resonanzkorper bis zu zwolf auf einen Ton 
gestimmte Darmsaiten unterschiedlicher Starke gespannt waren, die auf 
zwei Stegen aufiagen. Der Luftzug setzt sie in Schwingung, wobei je 
nach dessen Starke verschiedene Obertone zusammenklingen und einen 
Klang von zauberischer Wirkung - vom zartesten Pianissimo bis zum 
rauschenden Forte - ergeben. 

Vgl. audi Jugendbriefe, a. a. O., S. 53- 

28 In Koblenz trennte sich Schumann von Willibald Alexis, der nach Paris 
weiterreiste. 

Vgl. Jugendbriefe, a. a. O., S. 57. 

29 Veroffentlicht in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 45 ff. 

30 Titan, Roman von Jean Paul in 4 Banden, Berlin 1800/03. 

3* Fuchs, Bezeichnung fiir Studenten im ersten und zweiten Semester. 
Vgl. J. Vollmann, Burschicoses Worterbuch oder: Erklarung aller im 
Studentenleben vorkommenden Sitten, Ausdriicke, Worter, Redens- 
arten und des comments, nebst Angabe der auf alien Universttaten be- 
stehenden Corps, ihrer Farben und der Kneipen, Ragaz 1846, S. 187 ff. 

440 



32 Schumanns Mutter befand sich seit dem 12. Juli 1827 in Teplitz zur 
Kur. Vgl. „Liste der im Jahre 1827 zu Teplitz angekommenen Kur- 
und Badegaste und der Wohnungen derselben" (Teplice, Okresni 
archiv): „Nr. 1033 Fraulein Susette von Mauderode, aus Zwickau, und 
Nr. 1034 Fr. Christiane Schumann, Biirgers-Witwe aus Zwickau woh- 
nen in der Kirchengasse zur griinen Tanne Nr. 125." 

33 Liddy Hempels Eltern befanden sich seit dem 10. Juli 1827 in Teplitz 
zur Kur. Vgl. die Kurlisten der Stadt Teplitz aus dem Jahre 1827: 
„Nr. 963 Hr. D. Friedrich Moritz Hempel, Justiziar, nebst Gattln, aus 
Zwickau, wohnt am Marktplatze zum Regenbogen Nr. 212." 

34 Mandriade, vornehmer Tanzabend. 

35 Gemeint ist Graupen. 

36 Schumann und Gisberth Rosen waren nach Bayreuth gefahren, um die 
Erinnerungsstatten an Jean Paul zu besuchen, der von 1804 bis zu 
seinem Tode 1825 in Bayreuth gelebt hatte. - Auf der Riickreise be- 
suchte Schumann Jean Pauls Witwe, von der er ein Bild des Dichters 
erhielt. 

Vgl. F. G. Jansen, Robert Schumann's Brief e, Neue Folge, Leipzig 
1886, S. 5. 

37 Als Polymeter oder Streckverse bezeichnet Jean Paul rhythmisierte 
Prosa ohne eigentliche metrische Versgliederung. 

Vgl. audi Jean Paul, Flegeljahre, Nr. 8 „Koboldblute". 

38 Kabale und Liebe, biirgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich 
von Schiller. 

39 Vermutlich ist die Kattunfabrik von Schoppler und Hartmann in Augs- 
burg auf dem oberen Graben gemeint, in der Dr. von Kurrer das che- 
mische Laboratorium leitete. 

Vgl. J. C. Wirth, Augsburg, wie es ist, Augsburg 1846, S. 149 ff. 

40 Der „goldene Saal" befand sich im Augsburger Rathaus. 

41 Dult, oberdeutsche Eezeichnung fiir Jahrmarkt, Messe. Die beiden am 
meisten besuchten Dulten Miinchens wurden in der Vorstadt Au auf 
dem Maria-Hulfsplatz im Fruhling (Anfang Mai) und im Herbst abge- 
halten. 

Vgl. Soeltl, Miinchen und sexne Umgebungen, Munchen 1837, S. 367 f. 

42 Im Odeon wurde fiir Domenico Ronconi ein Abschiedskonzert ver- 
anstaltet, bei dem viele seiner Schiilerinnen und auch Mad. Sigl-Ves- 
permann mitwirkten. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung, Leipzig (hrsg. v. Friedrich Roch- 
Htz und Gottfried Wilhelm Fink) Nr. 37 vom 10. 9. 1828, Sp. 619. 

4 3 Heinrich Heine wohnte in Munchen im Rechbergschen Palais auf der 
Hundskugel. 

Zu Schumanns Besuch bei Heinrich Heine vgl. F. Schnapp, Heinrich 
Heine und Robert Schumann, Hamburg und Berlin 1924 (5. Heine-Ge- 
dachtnisdruck) . 

44 Jean Paul hat nach seinem Gymnasialjahr 1779/80 die Jahre 1784 bis 
1797 weitgehend in Hof verbracht, teilweise als freier Schriftsteller, 

441 



teilweise als Erzieher Christian von Oerthels auf dem Gut des Kam- 
merrates von Oerthel in Topen bei Hof und als* Erzieher in Schwarzen- 
bach, 

45 Camone, romische Gottinnen, ursprunglich Quellnymphen, seit etwa 
dem 5. Jh. v. u. Z. den Musen gleichgesetzt. 

46 Abwandlung des Mottos aus Jean Pauls Roman „Die unsichtbare Loge. 
Eine Lebensbeschreibung", 2 Bande, Berlin 1793: Der Mensch ist der 
grofte Gedankenstrich im Buche der Natur. 

47 Diese „Quintessenzen" wurden 1828 von Schumann aus alteren Auf- 
zeichnungen zusammengestellt und teilweise mit Kommentaren ver- 
sehen. 

48 Friedrich von Schiller, Ode „An die Freude", 1. Strophe, von Ludwig 
van Beethoven im Schlufichor der 9. Sinfonie, Op. 125, vertont. 

49 Phaeton, Sohn des griechischen Sonnengottes Helios, der sich die Er- 
laubnis erwirkte, den Sonnenwagen lenken zu diirfen ; da er die Pferde 
nicht bandigen konnte, geriet er mit dem Wagen aus der Bahn und 
setzte die Erde in Brand. 

50 Diese Gedanken entnahm Schumann seinem Schulaufsatz „Einflufi der 
Einsamkeit auf die Bildung des Geistes und die Veredelung des Her- 
zens.*\ veroffentlicht in: Gesammelte Schriften iiber Musik und Musi- 
ker von Robert Schumann, hrsg. von Martin Kreisig, Bd. 2, Leipzig 
1914, S. 186 ft". 

51 Die folgenden vier Abschnitte entnahm Schumann seiner am 12. Sep- 
tember 1827 gehaltenen Rede „Das Leben des Dichters", veroffentlicht 
in: Schumann, Gesammelte Schriften, a. a. O., Bd. 2, S. 181 ff. 

52 Die noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebte Glasharmonika setzte 
sich aus abgestimmten Glasschalen zusammen, die angef euchtet, mit den 
Fingerkuppen gerieben und dadurch zum Klingen gebracht wurden. 

53 Ephemere, Eintagsfliege. 

54 Die folgende Stelle entnahm Schumann dem Brief an Emil Flechsig 
aus Zwickau vom 29. August 1827. 

Vgl. jugendbriefe, a. a. O., S. 9. 

55 Albano und Schoppe, Gestalten aus Jean Pauls Roman ,,Titan", 
4 Bande, Berlin 1800/05. 

56 Siebenkas und Leibgeber, Gestalten aus Jean Pauls Roman „Blumen-, 
Frucht- und Dornenstucke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des 
Armenadvokaten Firmian Stanislaus Siebenkas im Reich smarktflecken 
Kuhschnappel", 4 Bande, Berlin 1796/97. 

57 Vult und Walt Harnisch, die Zwillingsbruder aus Jean Pauls Roman 
„F!egeljahre", 4 Bandchen, Tubingen 1804/05. 

58 Gustav und Fenk, Gestalten aus Jean Pauls Roman „Die unsichtbare 
Loge" ; vgl. Anm. 46. 

59 Flamin und Viktor, Gestalten aus Jean Pauls Roman „Hesperus oder 
Funfundvierzig Hundsposttage. Eine Biographie", Berlin 1795. 

60 Gemeint 1st Zweinaundorf. 

442 



61 Hier handelt es sich vermutlich urn die Leipziger Gaststatte „Plauischer 
Hof". 

62 Friednch Worlitzer gab am 29. Mai 1828 im Gewandhaus zu Leipzig 
ein Konzert. Auf dem Programm standen: Ouvertiire zu der Oper 
„Oberon" von C. M. v. Weber; erster Satz des Klavierkonzerts d-Moll, 
Op. 61, von F. Kalkbrenner; anstelle des angekundigten Gesangsstucks 
spielte Herr Kuhnert aus Bohmen auf einec Anzahl Mundharmonikas ; 
Adagio und Finale des Klavierkonzerts von F. Kalkbrenner; Ouver- 
tiire zur Oper „Die Hochzeit des Figaro" von W. A. Mozart; ein Chor 
aus derselben Oper; Variationen iiber den Alexandermarsch, Op. 32, 
von I. Moscheles. 

Vgl. Allergnadigst privilegiertes Leipziger Tageblatt (hrsg. v. August 
Fest) Nr. 149 vom 28. 5. 1828; Allgemehte musikalische Zeitung Leip- 
zig Nr. 24 vom 11. 6. 1828, Sp. 395. 

63 Gemeint ist Emil Flechsig, mit dem Schumann zu Beginn seines Stu- 
diums in Leipzig, am Briihl 454 (bei Wolf), zusammenwohnte. 

64 Den folgenden Abschnitt hat Schumann seinem an Emil Flechsig ge- 
nchteten Brief aus Zwickau vom 24. Marz 1828 entnommen. (Abschrift 
des Briefes im Robert-Schumann-Haus Zwickau.) 

65 Gemeint ist Agnes Carus. 

66 Memnon; Sohn der Eos, sagenhafter Kontg, griff in den Trojanischen 
Krieg auf seiten der Troer ein und fiel durch Achttl. Die in hellenisti- 
scher Zeit in Agypten hetmisch gewordenen Griechen glaubten hier 
Spuren Memnons zu finden. hielten u. a. Abydos fur seine Residenz 
und bezeichneten eine der beiden kolossalen Sitzstatuen des Konigs 
Amenophis III. in der Nahe des agyptischen Theben als Statue des 
Memnon. Die durch ein Erdbeben 27. v. u. Z. beschadigte Statue tont 
am Morgen, wenn sie von den Sonnenstrahlen getroffen wird. 

67 Bezeichnung fiir den die Fackel senkenden Todesengel. 

68 Abendphalane, Nachtschmetterlinge. 

69 Zephyr, sanfter West- oder Abendwind. 

70 Entwurf des Briefes an Gottlob Wiedebein vom 15. Jul! 1828. 
Vgl. Jansen, a. a. O., S. 9 f. 

71 Wiedebeins Liederheft - erschienen 1826 oder 1827 in Braunschweig 
bei Herrig - enthalt zwei Gedichte Jean Pauls aus „An Wina" : „War* 
ich ein Stern" und „Es zieht in schoner Nacht der Sternenhimmel". 

72 Das zweite Heft „Lieder" von Gottlob Wiedebein ist nicht erschienen. 

73 Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ein Ro- 
man, 4 Theile, Berlin 1795/96; Wilhelm Meisters Wanderjahre oder 
Die Entsagenden. Ein Roman, Stuttgart, Tubingen 1821. 

74 Vom 15. bis 22. Juli 1828 weilte Schumann zu Besuch in Zwickau. 

75 Entwurf des Antwortbriefes an Gottlob Wiedebein vom 5. August 
1828: 

Vgl. Jansen, a. a. O., S. 10 ff. 

7 6 „Wenn Geist mit Mut ihr einet, und wenn in euch 
Des Schweren Reiz nie schlummernde Funken nahrt, 

443 



Dann werden selbst Apollonia 

Eifrigste Priester euch nicht verkennen." 

Diese Verse Friedrich Gottlieb Klopstocks waren als Motto dem „Mor- 

genblatt fur gebildete Stande" vorangestellt. 

77 Gemeint ist der Greis Spener, eine Gestalt aus Jean Pauls Roman 
„Titan". 

78 Die folgenden Gedanken fuhrt Schumann in seiner ira August 1828 ent- 
standenen Abhandlung „Uber Genial- Knill- Original- und andere ita- 
ten, Fantasie Scherzante" aus. (Autograph: Robert-Schumann-Haus, 
Zwickau.) 

79 Wilhelm Traugott Ritter Krug, System der theoretischen Philosophic, 
3 Teile: 1. Logik, 2. Metaphysik, 3. Aesthetik, Konigsberg 1806/10. 

80 Friedrich Wieck hatte 1815 acht Gesange zu Texten von F. de la Motte- 
Fouque, S. Schiitze, Seidel und M. Wiesner (Op. 7) Carl Maria von 
Weber gewidmet und ihm gesandt. Im August desselben Jahres erhielt 
er von Weber eine ausfuhrliche kritische Stellungnahme zu den Kom- 
positionen. 

Vgl. V. Vofi, Der Musikpadagoge Friedrich Wieck und seine Familie, 
Dresden, 1902, S. 8 ft. 

81 Hephastus, der lahmgeborene Sohn von Zeus und Hera, war Gott des 
Feuers, der Schmiedekunst und des Handwerks. Seine Werkstatte ver- 
mutete man spater in den Vulkanen Siziliens und Unteritaliens. 

82 Gemeint ist Agnes Cams. 

83 Paukerei, studentensprachlidier Ausdruck fiir Duell. 
Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 355. 

84 Am Sonnabend, dem 16. August 1828 gab Catharina Kraus-Wranitzky 
im Gewandhaus ein Konzert. Auf dem Programm standen: Ouvertiire 
zu der Oper „Der Vampyr" von H. Marschner; Szene und Arie „Ecco 
il punto" aus der Oper „Titus" von W. A. Mozart (gesungen von 
Kraus-Wranitzky) ; Rondo alia Polacca fur Violine von K. Lipinski 
(gespielt von W. Eichler) ; Duetto mit Chor aus der Oper „Aureliano 
in Palmira" von G. Rossini (gesungen von H. Grabau und Kraus- 
Wranitzky) ; Ouverture zu der Oper „Oberon" von CM. v. Weber; 
Variationen von P. J. v. Lindpaintner iiber das Thema „An Alexis send 
ich dich" von F. H. Himmel (gesungen von Kraus-Wranitzky) ; ein In- 
strumentalstiick ; eine Szene und Arie von G. Rossini (gesungen von 
Kraus-Wranitzky) . 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 44 vom 13. 8. 1828, S. 207. 

85 Friedrich Heinrichjacobi, Eduard AUwills Briefsammlung mit einer Zu- 
gabe von eigenen Brief en, Konigsberg 1792 ; Ausgabe letzter Hand 1826. 

8 6 Wie aus Emil Flechsigs „Erinnerungen" (Manuskript S. 27, Robert- 
Schumann-Haus, Zwickau) zu schliefien ist, handelt es sich hier um: 
Wolfgang Menzel, Die Geschichte der Deutschen, Fur die reifere Ju- 
gend und zum Selbstunterricht fafMich beschrieben, Zurich 1824/25. 

87 Friedrich von Schiller, Der Taucher, Ballade (aus dem Musenalmanach 
fiir das Jahr 1798), 16. Strophe. 

444 



88 Vermutlich ist Clara Kurrer in Augsburg gemeint. 

89 Heinrich Heine, Das Buch der Lieder, Hamburg 1827. 

90 Jean Paul, Mein Aufenthalt in der Nepomukskirche wahrend der Be- 
lagerung der Reichsfestung Ziebingen, in: PoUtische Fastenpredigten 
wahrend Deutschlands Marterwoche, Stuttgart, Tubingen 1817. 

91 Jean Paul, Vorschule der Aesthetik, nebst einigen Vorlesungen in Leip- 
zig iiber die Parteien der Zeit, 3 Theile, Hamburg 1804; 2. Auflage 
Tubingen 1813, 1. Abtheilung S. 335 L: „Ich werde niemals ein Buch 
ansehen, auf dessen Titel blofi steht: zum Todtlachen, zur Erschiitte- 
rung des Zwerchfells usw. Je ofter lachend, lacherlich, humoristisch in 
einem komischen Werk vorkommt, desto weniger ist es selber dieses; 
so wie ein ernstes durch die haufigen Worter: .ruhrend, wunderbar 
Schicksal, ungeheuer' uns die Wirkung nur ansagt, ohne sie zu machen." 

92 Schumann weilte vom 12. September bis zum 21. Oktober 1828 zu Be- 
such in Zwickau. 

93 Molinaismus, nach dem spanischen jesuitischen Theologen Luis Molina 
(1 535-1601) benannte Richtung, die die menschliche Willensfreiheit 
gegeniiber den gottlichen Heilsabsichten betont. 

94 Am 18. Oktober 181 3 unterlag Napoleons Armee in der Volkerschlacht 
bei Leipzig den Koalitionsheeren. Diese Niederlage leitete den volli- 
gen Zusammenbruch des Napoleonischen Kaiserreiches ein. 

95 Ignaz Aurelius Fefiler, Alonso oder der Wanderer nach Montserrat aus 
Don Barcos Papieren, 2 Bande, Leipzig 1808. 

96 £)i e folgende Beschreibung seiner Fufiwanderung von Zwickau nach 
Leipzig hat Schumann mit geringen Abweichungen seinem Brief an die 
Mutter vom 24. Oktober 1828 entnommen. 

Vgl. Jugendbriefe, a. a. O., S. 38 ff. 

97 Cosi fan tutte, Opera buffa in 2 Akten von Wolfgang Amadeus Mo- 
zart, Text von Da Ponte. Die Oper wurde unter dem Titel „Weiber- 
treue, komische Oper in 2 Aufzugen" am 24. Oktober 1828 in Leipzig 
aufgefiihrt. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 116 vom 24. 10. 1828, S. 799. 

98 Gebet der Kinder zu ihrem ewigen Vater, Kantate fur vier Stimmen 
und Orchester von Friedrich Heinrich Himmel, Text von August Mahl- 
mann (1805). - Eine Auffuhrung des „Vaterunser" fand am 1. Sep- 
tember 1828 in der Leipziger Universitatskhrche statt. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 47 vom 19. 11. 1828, 
Sp. 788 f. 
" Hamlet, Tragodie in 5 Akten von William Shakespeare, entstanden um 
1601/02. - Das Trauerspiel wurde am 25. Oktober 1828 in Leipzig auf- 
gefiihrt. 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 116 vom 24. 10. 1828, S. 799. 

100 \p t Sihier, Arabesken, zwolf Betrachtungen, Berlin 1828. 

101 Christian Dietrich Grabbe, Herzog Theodor von Gothland, Tragodie 
in 5 Akten, in: C. D. Grabbe, Dramatische Dichtungen, Band 1, Frank- 
furt a. M. 1827. 

445 



lfl 2 Auf dem Programm des 4, Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
30. Oktober 1828 standen: Ouvertiire zu „Coriolan", c-Moll, Op. 62, 
von L. v. Beethoven ; Szene und Arie von P. Generali (gesungen von 
H. Grabau) ; ein Klarinettenkonzert von B. Crusell (gespielt von W. 
H. Heinze) ; ein Duett aus dem Dramma per musica „Zelmira" von 
G. Rossini (gesungen von H. und M. Grabau) ; Sinfpnie Nr. 2, D-Dur, 
Op. 36, von L. v. Beethoven. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 48 vom 26. 11. 1828, 
Sp. 805 ff.; Leipziger Tageblatt Nr. 121 vom 29. 10. 1828, S. 832. 

103 Oberon, romantische Feenoper in 3 Aufziigen von Carl Maria von 
Weber (1826), Dichtung von James Robinson Planche. - Die Oper 
wurde am Sonntag, dem 2. November 1828 im Theater zu Leipzig auf- 
gefiihrt. 

104 In der Studentensprache bezeichnet Deprecation eine schimpfliche Satis- 
faktion bei commentwidrigen Beleidigungen (wie Hundsfott, Schuft) ; 
die Beschimpfung mit „Hundsfott" zog eine Ohrfeige nach sich. 

Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 128, 231. 

105 Wilhelm Heinse, Hildegard von Hohenthal, musikasthetischer Ro- 
man, 3 Theile, Berlin 1795/96; neue Auflage, 3 Bande, Berlin 1804. 

1° 6 Auf dem Programm des 5 . Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
6. November 1828 standen: Militarsinfonie Nr. 100, G-Dur, von J. 
Haydn ; Szene und Arie aus „Cosi fan tutte" von W. A. Mozart (ge- 
sungen von H. Grabau) ; Concert-Variationen von Th. Taglichsbeck 
(gespielt vom Komponisten) ; Preghiera aus „Mose in Egitto", azione 
tragico sacra von G. Rossini; Ouvertiire. zu „OIimpie", tragedie lyrique 
von G. L. P. Spontini; Quintett und Chor aus der Oper „Das befreite 
Jerusalem" von T. M. Eberwein ; Grofier Sieges- und Festmarsch fiir 
Militarmusik und St reichorch ester von G. L. P. Spontini. 
Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 48 vom 26. 11. 1828, 
Sp. 807. 

l° 7 Jakob Grimm, Deutsche Rechts-Alterthumer, Gotcingen 1828. 

l° 8 Christian Dietrich Grabbe, Nanette und Maria, tragisches Spiel in 
3 Aufziigen ; Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, Lustspiel in 
3 Aufziigen ; Marius und Sulla, Tragodie in 5 Akten (unvollendet) ; 
Uber die Shakespearo-Manie. Enthalten in : C. D. Grabbe, Dramati- 
sche Dichtungen, Band 2, Frankfurt a. M. 1827. 

109 Friedrich von Schiller, Die Ideale, Gedicht, verolfentlicht im Musen- 
almanach fiir das Jahr 1796. 

11° Vermutlich handelt es sich hier um: Jean Paul, Herbst-Blumine oder 
gesammelte Werkchen aus Zeitschriften, Tubingen 1810/20. - Mit 
„Most" konnte der „Rheinische Most" gemeint sein, dessen erster Jahr- 
gang 1775 in Leipzig erschien und der literarische Werke enthielt. 

1H Auf dem Programm des 6. Abonnementskonzerts am Mittwoch, dem 
12. November 1828 standen: Ouvertiire zu Shakespeares „Macbeth", 
h-Moll, Op. 75, von L. Spohr; Szene und Arie von G. Mercadante (ge- 
sungen von H. Grabau) ; Capriccio iiber schwedische Nationallieder fiir 

446 



das Violoncello von B. Romberg (gespielt von Raudenkolb) ; Elegt- 
scher Gesang fur 4 Singstimmen, 2 Violinen, Viola und Violoncello, 
Op. 118, und Sinfonia eroica, Es-Dur, Op. 55, von L. v. Beethoven. 
Vgl. Allgemeine musikalische Zekung Leipzig Nr. 48 a. a. O. 

112 Schumann richtete im Wintersemester 1828 ein Quartett ein, in dem 
er Klavier, Johann Friedrich TagHchsbeck Violine, Christoph Soergel 
Viola und Christian Glock Violoncello spielten. Die Zuhorer bildeten 
meist Friedrich Wieck, Ernst August Carus und Heinrich Albert Probst. 
Vgl. Emil Flechsig, Erinnerungen (Manuskript : Robert-Schumann- 
Haus, Zwickau). 

113 Wahrheit aus Jean Pauls Leben (Autobiographic), 8 Heftlein, Breslau 
1826/33; das dritte Heftlein erschien 1828. 

H4 Treten, studentensprachlicher Ausdruck fiir „mahnen", „an die Zahlung 
erinnern". 
Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 446. 

115 Im „Morgenblatt fiir gebildete Stande" (Stuttgart, Tubingen), Nr. 172 
vom 18. 7. 1828, S. 685 f. erschien ein Aufsatz von Professor J. W. Pfaff 
„t)ber die Scheidung des Lichts von der Finsternifi". In der ersten Fort- 
setzung, im Morgenblatt Nr. 173 vom 19. 7. 1828, S. 690 f., berichtete 
er von der Entdeckung der schwarzen Linien im Regenbogen durch 
Joseph von Fraunhofer und in der zweiten Fortsetzung (dem Schlufi), 
im Morgenblatt Nr. 174 vom 21.7. 1828, S. 694 f., iiber die Experi- 
mente £tienne-Louis Malus' mit Doppelspiegeln und Frauenglas (durch 
Spalten von Gipskristallen gewonnene durchsichtige perlmuttartig glan- 
zende Tafeln). 

116 Die Physharmonika - 1818 von A. Hackl in Wien gebaut - ist ein der 
Aoline verwandtes Tasteninstrument mit durchschlagenden Zungen und 
einem schnarrenden Ton. 

117 Septett Es-Dur, Op. 20, fiir Violine, Bratsche, Horn, Klarinette, Fa- 
gott, Violoncello und Kontrabafi von Ludwig van Beethoven, fur Kla- 
vier, Violine, Bratsche und Violoncello iibertragen von Johann Fried- 
rich Schwencke. 

* 18 Im Leipziger Tageblatt Nr. 278 vom 24. 11. 1828, S. 3414 erschien fol- 
gende Anzeige: „In Commission der Reinschen Buchhandlung in Leip- 
zig ist erschienen und durch dieselbe zu beziehen: Getreue Abbildung 
des Husscin-Pascha oder der wiederauferstandene zuriickgekehrte Na- 
poleon." - Eine Anzeige der Kunsthandlung von Del Vecchio ist in 
der Leipziger Zeitung um diese Zeit nicht erschienen. 

11 9 Franz Anton Freiherr von Sonnenberg, Donatoa, Epopoe in zwolf Ge- 
sangen (2 Theile), 4 Bande, Rudolstadt 1806. 

120 Emil Flechsig. 

1 21 Uber Geburtstag und -jahr von Schumanns Mutter gibt es mangels ge- 
nauer urkundlicher Unterlagen sehr abweichende Angaben. Nach die- 
ser Eintragung (und Schumanns Gratulationen, s. Jugendbriefe, a. a. O., 
S. 131 und 159) ist die Mutter am 28. November 1767 geboren. Der 
Geburtsort ist nicht mehr feststellbar, da ihr Vater - der spatere Zeitzer 

447 



Ratschirurg - sich bei ihrer Geburt in militarischen Diensten befand. 

Die Regimentsgeistlichen fiihrten keine eigenen Kirchenbiicher; in den 

Kirchen, in denen diese Pfarrer tauften, wurden keine Eintragungen 

vorgenommen. 

Vgl. G. Eismann, Bemerkenswertes zur Genealogie Robert Schumanns, 

in: Die Musikforschung, XXII. Jg., 1969, S. 61 ff. 

122 Gottfried Wilhelm Fink war in erster Ehe mit Charlotte Nicolai, in 
zweiter Ehe mit deren Schwester Henriette Wilhelmine Nicolai verhei- 
ratet; diese ist hier vermutlich gemeint. 

123 Commitat, in der Studentensprache das Ehrengeleit £iir einen abgehen- 
den Studcnten, der zu Rofi und Wagen mit Musik bis zum nachsten 
Ort zum Abschiedstrunk begleitet wurde. 

Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 113 f. 

124 Es kommen folgende Werke in Betracht: Michael von Lenhossek, Un- 
tersuchung iiber Leidenschaften und Gemiithsaffekten, als Ursachen und 
Heilmittel jeder Krankheit, Pesth 1805 ; und: Darstellung der raensch- 
Hchen Leidenschaften in physischer und moralischer Hinsicht fur Arzte, 
Erzieher, etc., Pesth 1808. 

125 Vermutlich handelt es sich urn: Karl Heinrich Heydenreich, Philo- 
sophic iiber die Leiden der Menschheit. Ein Lesebuch fiir Gliickliche 
und Ungliickliche. 3 Theile, Leipzig 1797/99. 

126 Der Vampyr, romantische Oper in 2 Akten von Heinrich Marschner, 
Text nach Lord Byron von W. A. Wohlbriick. Die Urauffiihrung fand 
am 29. Marz 1828 in Leipzig statt. 

127 Kartelltrager, studentensprachlicher Ausdruck fiir den Uberbringer 
einer Duellforderung. 

Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 106. 

128 Jean Paul, Der i7te Julius oder Charlotte Corday, in: Taschenbuch fiir 
1 80 1, hrsg. v. Friedrich Genz, Jean Paul und Johann Heinrich Vofi, 
Berlin; oder: Jean Paul, Ober Charlotte Corday, Aufsatz, geschrieben 
1799. 

129 Heinrich Marschner, War eine Ratt (aus J. W. v. Goethe, Faust I), in: 
Sechs.deutsche Lieder fur 1 Stimme und Klavierbegleitung, Op. 47. 

130 Franz Schubert, Bearbeitung des komischen Terzetts „Die Advokaten" 
von Anton Fischer, Op. 74, Mai 1827. 

131 Franz Schubert, Der Wanderer an den Mond, Op. 8o, Nr. 1, Das Zu- 
genglocklein, Op. 80, Nr. 2 ; Texte von Seidl. 

132 Die Vestalin, Oper in 3 Akten von Gasparo Spontini, Text von Victor- 
Joseph Etienne de Jouy. 

133 Johann Wilhelm Ludwig Gleims Leben aus seinen Schriften herausge- 
geben von Wilhelm Korte, Halberstadt 181 1. 

134 Franz Schubert, Erlkonig, Ballade von J. W. v. Goethe, Op. 1 ; Das 
Heim-A^eh, Op. 79, Nr. 1, Die Allmacht, Op. 79, Nr. 2, Texte von J. 
L. Pyrker. 

135 Vermutlich die Schwester Semmels. 

448 



156 Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophic der Geschichte der 
Menschheit, 4 Theile, Riga 1785/92. 

137 Auf dem Programm des 7. Abonnementskonzerts im Leipziger Ge- 
wandhaus am Donnerstag, dem i8.Dezember 1828 standen: Sinfonie 
C-Dur von W.A.Mozart; Szene und Arie von L. V. E. Rifaut (ge- 
sungen von H. Grabau) ; Potpourri fur die Flote von P. J. v. Lindpaint- 
ner (gespielt von C. A. Grenser) ; Die Musik, vierstimmiger Gesang mit 
Orchester von P. v. Winter; Ouvertiire und erstes Finale aus der Oper 
„Der Wassertrager" von L. Cherubini. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 10 vom 11. J. 1829, 
Sp. 170. 

138 Schumann verbrachte die Weihnachtsferien vom 20. Dezember 1828 
bis zum 12. Januar 1829 in Zwickau und Schneeberg. 

139 Gemeint ist die Familie des Superintendenten Dr. Lorenz in Zwickau. 

140 Vermutlich meint Schumann den Gasthof „Zum groflen Christoph" in 
Zwickau, in der Inneren Schneeberger Strafle, in dem sich von 1817 bis 
1841 die Post befand. 

* 41 „An Alexis send' ich dich", Beginn des Liedes Nr. 40: „Ida an die 
Rose, die sie an Alexis sendet" aus „Alexis und Ida. Ein Schaferroman 
in 46 Liedern", Text von C. A. Tiedge, Musik von Friedrich Heinrich 
Himmel, Op. 43. 

142 Carl Maria von Weber, Aufforderung zum Tanze, Rondo brillant, Des- 
Dur, Op. 65. 

143 August von Kotzebue, Falsche Schaam, Schauspiel in 4 Akten, Leipzig 
1798. 

144 Es handelt sich um: „Meine Biographie oder Hauptereignisse meines 
Lebens". Auf dem Autograph ist als Entstehungszeit das i5te Lebens- 
jahr angegeben. (Autograph: Robert-Schumann-Haus, Zwickau) 

145 Christoph Martin Wieland, Sammtliche Werke. Neue Ausgabe, mit 
deutschen Lettern, mit Anmerkungen herausgegeben von Johann Gott- 
fried Gruber, 53 Bande, Leipzig 1818/28. - 50.-53. Band auch unter 
dem Titel: Wielands Leben von J. Gruber, 4 Theile, Leipzig 1827; 52. 
oder Supplement-Band auch unter dem Titel : Wielands Selbst-Schilde- 
rung in der Erlauterung dec d. letzten Ausg. begleit. Kupfersammlung 
von J. G. Grubern, Leipzig 1826. 

1 46 August Friedrich Ernst Langbem, Schwanke, Dresden, Leipzig 1791 f. 

147 Gemeint ist Hafilau. 

148 Ursprunglich Bezeichnung fiir Angehorige der von Manes im 3. Jahr- 
hundert gestifteten ketzerischen Sekte; im 18. Jahrhundert von Studen- 
ten der Kirchengeschichte - unter Aniehnung an das deutsche Wort 
„mahnen" - auf hartherzige Glaubiger iibertragen. 

Vgl. Grimm, Deutsches Worterbuch, Bd. VI, Leipzig 1885, Sp, 15 51. 

149 Im Leipziger Tageblatt Nr. 14, vom 14. 1. 1829, S. 82 erschien folgende 
„Theateranzeige" : „Heute den i4ten: wird Dem. Bertrand vor ihrer 
Abreise noch einmal mehrere Musikstiicke auf der Pedalharfe, mit Be- 
gleitung des Orchesters vortragen." 

29 Schumann, Tageb. 1 449 



150 Auf dem Programm des 10. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
15. Januar 1829 standen: Ouvertiire zu der Oper „Pietro d'Abano" von 
L. Spohr; Arie von N. Isouard (gesungen von H. Grabau); Introduc- 
tion und Rondo fur die Vioiine (neu) von H. A. Matthai (gespielt vom 
Komponisten) ; Duett aus. dec Oper „Der Berggeist" von L. Spohr (ge- 
sungen von H. Grabau und A. Schuster); Sinfonie Nr. 5, c-Moll, 
Op. 67, von L. v. Beethoven. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 10 vom 11. 3. 1829, 
Sp. 170 f.; Leipziger Tageblatt Nr. 14 vom 14. 1.1829, S. 82. 

151 Jean Paul, Des Luftschiffers Gianozzo Seebuch, in: Komischer Anhang 
zum Titan, 2. Bandchen, 1801. 

152 Auf dem Programm des 1 1 . Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
22. Januar 1829 standen: Sinfonie von Abt Vogler; Szene und Arie 
von W. A. Mozart (gesungen von H. Grabau) ; Klavierkonzert Es-Dur, 
Op. 42, von F. Ries (gespielt von E. Reichold) ,* Ouvertiire zu der Oper 
„Euryanthe" von C. M. v. Weber; Duett aus der Oper „Jessonda" von 
L. Spohr (gesungen von H. Grabau und E. Mantius) ; 1. Finale aus 
„Euryanthe" von C. M. v. Weber. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 21 vom 21. 1. 1829, S. 122. 

153 Studentensprachlicher Ausdruck fur ledige Madchen, meist abwertend 
gebraucht. 

Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 48 ff. 
*54 Jean Paul, Der Komet oder Nikolaus Markgraf. Eine komische Ge- 
schichte, 3 Bande, Berlin 1820/22. 

1 55 Auf dem Programm des 12. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
29. Januar 1829 standen: Ouvertiire von K. L, Drobisch (neu); Szene 
und Arie von G. Rossini ; Concertino fur die Bafi-Posaune von C. G. 
Miiller (gespielt von C. T. Queiser) ; Terzett „Gut, Sohnchen, gut" aus 
der Oper „Fidelio M von L. v. Beethoven; Sinfonie Nr. 6, F-Dur, 
Op. 68, von L. v. Beethoven. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 10, a. a. O.; Leipzi- 
ger Tageblatt Nr. 28 vom 28. 1. 1829, S. 156. 

156 Auf dem Programm des 13. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
5. Februar 1829 standen: Sinfonie g-Moll von W. A. Mozart; Cavatine 
aus der Oper „Euryanthe" von CM. v. Weber (gesungen von H. Gra- 
bau) ; Concertino (Potpourri) fur die Oboe von F. A. Kummer (ge- 
spielt von Riickner) ; Ensemble aus der Oper „Sargino ossia L'allievo 
dell' amore" von F. Paer; Ouvertiire von J. N. Hummel; 1. Finale aus 
der Oper „Die Vestalin" von G. Spontini. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 35 vom 4. 2. 1829, S. 187. 

157 Auf dem Programm des 14. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
12. Februar 1829 standen: Ouvertiire zu der Oper „Die Vestalin" von 
G. Spontini ; Cavatine aus der Oper „Die diebische Elster" von G. 
Rossini (gesungen von H. Grabau) ; Concertino fur die Klarinette von 
C. M. v. Weber (gespielt von W. H. Heinze) ; Rezitativ, Duett und 

450 



2. Finale aus dcr „Vestalin" von G. Spontini; Wellingtons Sieg oder 
die Schlacht bei Vittoria, Op. 91, yon L. v. Beethoven. 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 42 vom 11. 2. 1829, S. 219. 

158 l. F. J. de Bausset, Memoires anecdotiques sur l'intirieur du Palais 
et sur quelques evenemens de l'Empire depuis 1805 jusqu'au i er Mai 
1814 p. s. a Must, de Napoleon II Ts. le meme 1828. 

159 Paganini war am 13. Februar 1829 urn 13 Uhr durch das Grimmaische 
Tor von Dresden kommend in Leipzig eingetroffen und im Hotel de 
France abgestiegen. Wegen Differenzen mit den Konzertveranstaltern 
kam ein Konzert nicht zustande, und Paganini reiste am nachsten Tage 
nach Berlin weiter. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 44 vom 15. 2. 1829, S. 232. 

160 Johann Nepomuk Hummel, Ausfiihrliche theoretisch-praktische Anwei- 
sung zum Pianofortespiel, vom ersten Elementarunterricht an bis zur 
vollkommensten Ausbildung, Wien 1829. 

161 Hier kann nur die „Pranumerations-Anzeige einer aufierst wohlfeilen 
und eleganten Ausgabe aller Werke fur das Pianoforte von Ludwig 
van Beethoven, Frankfurt am Main, bei F. P. Dunst." gemeint sein. 
Die erste der 27 Lieferungen sollte im November 1828 erscheinen. Vgl. 
Wegweiser im Gebiete der Kunste und Wissenschaften, 89. Mittwoche, 
am 5. November 1828, S. 356. 

162 Das am 11. Februar 1829 geborene Kind yon Emilie und Julius Schu- 
mann erhielt den Namen Julius; es starb bereits am 13. Juni 1829. 

163 Auf dem Programm des 15. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
19. Februar 1829 standen: Sinfonie Nr. 3, c-MoIl, Op. 78, von L. 
Spohr; Szene und Arie aus der Oper „Die Belagerung von Corinth" 
von G. Rossini (gesungen von H. Grabau) ; Violinkonzert von V. Rode 
(gespielt von E. Winter) ; Ouvertiire zu der Oper „Der Vampyr" von 
H. Marschner; Chor der Tiirken aus der Oper „Die Belagerung von 
Corinth" von G.Rossini; Cavatine von J. Weigl (gesungen von H. 
Grabau) ; Szene und Chor der Griechen aus der ^Belagerung von Co- 
rinth"; in diesem Konzert fuhrte der Organist Becker das von Herrn 
Kofiling neu erfundene Instrument Armonika presepiale vor. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 49 vom 18.2. 1829, S. 254, 255. 

164 Auf dem Programm des 16. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
26. Februar 1829 standen: Ouvertiire zu dem Monodrama „Proserpina" 
von J. W. v. Goethe von K. Eberwein ; Szene und Arie aus der Oper 
„Der Berggeist" von L. Spohr (gesungen von H. Grabau) ; Concertino 
fur Flo'te von C. G. Belke (gespielt vom Komponisten) ; 2. Finale aus 
der Oper „Lodoiska" von L. Cherubini; Sinfonie Nr. 7, A-Dur, Op, 92, 
von L. v. Beethoven. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 56 vom 25. 2, 1829, S. 291. 

165 Im Leipziger Tageblatt Nr. 37 vom 6. 2. 1829, S. 194 erschien folgende 
Anzeige: „Der 2te diesjahrige Maskenball im Hotel de Pologne in 
Leipzig, wozu der 27. Februar 1829 bestimmt ist, wird lediglich von 
den daselbst unter den Namen ,Erholung' und ,Eunomia* bestehenden 

29* 451 



zwei Gesellschaften veranstaltet. Man kann daher, urn daran Theil zu 
nehmen, sich nur an Mitglieder der einen oder der andern dieser Ge- 
sellschaften wenden. Christian August Pusch, Besitzer des Hotel de 
Pologne." 

166 Walter Scott, Ivanhoe, Roman, 1820. 

167 Auf dern Programm des 17. Abonnementskonzerts am Donnerstag, dem 
5. Marz 1829 standen: Sinfonie Nr. 2, Es-Dur, Op. 17, von J. W. Kal- 
liwoda; Rezitativ und Cavatine aus der Oper „Tancred" von G.Ros- 
sini (gesungen von H. Grabau) ; Concertino E-Dur, Op. 15, fiir Violine 
von J. W. Kalliwoda (gespielt vora Komponisten) ; Terzett „I1 re non 
e venuto" aus der Oper „Sargino" von F. Paer (gesungen von H. Gra- 
bau, E. Mantius, C. W. Pogner) ; Ouvertiire zu der Oper „Oberon" 
von C. M. v. Weber; Polonaise fiir Violine von J. W. Kalliwoda (ge- 
spielt vom Komponisten) ; Szene, Arie und 1. Finale aus „Oberon" von 
C. M. v. Weber. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 63 vom 4. 3. 1829, S. 326. 

168 Johann Ernst Wagner, Sammtliche Schriften. Ausgabe letzter Hand, be- 
sorgt von Friedrich Mosengeil, 12 Bande, Leipzig 1827/28; Band n 
und 12: Lebensgeschichtliche Nachrichten und Mittheilungen aus dem 
Nachlafi enthaltend. 1828. 

169 Johann Ernst Wagner, Jesus von Nazareth, eine Harmonie der Evan- 
gelien fiir Freunde der Religion. Zwei Bruchstucke enthalten in: J. E. 
Wagner, Sammtliche Schriften, Band 11 und 12, Leipzig 1828. 

170 Auf dem Programm des 18, Abonnementskonzerts am 10. Marz 1829 
standen: Sinfonie Nr. 8, F-Dur, Op. 93, von L. v. Beethoven; Szene 
und Arie aus der Oper „Achille" von F. Paer (gesungen von H. Gra- 
bau); Rondo A-Dur, Op. 11, von J. W. Kalliwoda (gespielt von E. 
Reichold) ; Adagio u. Variationen fiir Violine von J. W. Kalliwoda 
(gespielt vom Komponisten) ; Terzett „Gut Sohnchen, gut" aus der 
Oper „Fidelio" von L. v. Beethoven (gesungen von H. Grabau, A. 
Hering, C. W. Pogner) ; Ouvertiire, Introduction und Chor aus der 
Oper „Jessonda" von L. Spohr. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 68 vom 9. 3. 1829, S. 354. 

171 Johann Ernst Wagner, Reisen aus der Fremde in die Heimat, Band 1 
1808, Band 2 1809, Band 3 aus dem Nachlasse 1826. 

172 Emil Flechsig berichtet iiber diesen Traum in seinen „Erinnerungen", 
a. a. O., folgendes: „Er [Schumann] hatte eine brillante Tasse von sei- 
ner Schwagerin Therese erhalten, aus der er taglich trank. Eines Mor- 
gens erzahite er mir, er habe getraumt, ich zerbreche die Tasse und 
mahnte mich zur Vorsicht; der Traum wiederholte sich, ich nahm mich 
in Acht, die Tasse nicht zu beriihren und - zerbrach sie doch auf eine 
fast unglaubliche Weise; ich griff namlich hastig nach einem Gegen- 
stand, erfafite ihn aber nicht fest, sondern schleuderte ihn durch den 
heftigen Stofi meiner Hand durch die offenstehende Tiir hinaus, er flog 
in die Kiiche, dort fiel er gerade mitten in den Tassenkorb hinein, alles 
Andere war unversehrt, nur die besagte Tasse war entzwei." 

452 



173 Auf dem Programm des 19. Abonnementskonzerts am 19. Marz 1829 
stand : „Die Schopfung", Oratorium von J. Haydn. Die SoUsten waren 
H. Grabau, E. Mantius, Fuhrraann, C. W. Pogner und A. Schuster. 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 78 vom 19. 3. 1829, S. 402. 

174 Pedro Calderon de la Barca, Das Leben ein Traum, Drama. 

175 Am 26. Marz 1829 fand im Leipziger Gewandhaus das Benefizkonzert 
fur Henriette Grabau statt. Auf dem Programm standen: Ouverture zu 
dem Schauspiel „Prinz von Homburg" von H. v. Kleist von H. Marsch- 
ner; Szene und Arie „Ahl perfldol" Op. 65 von L. v. Beethoven (ge- 
sungen von H. Grabau) ; Variationen von C. Lafont (gespielt von Rit- 
ter von Praun) ; „Adelaide" Op. 46 von L. v. Beethoven (gesungen von 
H. Grabau) ; Leonoren-Ouvertiire von L. v. Beethoven ; Adagio und 
Rondo fur Flote von P. J. v. Lindpaintner (gespielt von W. Barth) ; 
Duett aus der Oper „Semiramis" von G. Rossini (gesungen von H. 
Grabau und C. W. Pogner) ; fiinf neugriechische Lieder von einem jun- 
gen Griechen; Notturno a quatre mains von J. N. Hummel (M. G. 
Klengel und seine Tochter Nanny) ; Sehnsucht, Lied von F. Kuhlau 
(gesungen von H. Grabau). 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr, 15 vom 15.4. 1829, 
Sp. 249 und Nr. 16 vom 22. 4. 1829, Sp. 262; Leipziger Tageblatt 
Nr. 83 vom 24. 3. 1829, S. 431. 

176 Lord Byron, Manfred, dramatisches Gedicht, 1817. 

177 Lord Byron, Childe Harold, Gedicht, 18 16. 

17 8 Auf dem Programm des 20. Abonnementskonzerts am 2. April 1829 
standen: Ouverture von A. Methfessel; Szene und Arie „Giunse alfin il 
momento" von W. A. Mozart (gesungen von H. Grabau) ; Klarinetten- 
konzert von L. Spohr (gespielt von F. Tretbar) ; Hymne „Stern der 
Liebe, reich an Gnade" von J.N. Hummel; Sinfonie Nr. 9, d-Moll, 
Op. 125, von L. v. Beethoven. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 91 vom 1. 4. 1829, S. 478. 

179 Der Bauer als Millionar oder: Das Madchen aus der Fecnwelt, roman- 
tisches Zaubermarchen von Ferdinand Raimund, Musik von Joseph 
Drechsler, 1826 in Wien uraufgefiihrt. Seine Erstauffiihrung in Leipzig 
fand am 3. April 1829 statt. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 92 vom 2.4. 1829, S. 481, 482. 

180 Schumann verbrachte seine Osterferien vom 15. April bis zum 6. Mai 
1829 in Zwickau und Schneeberg. 

181 Gemeint ist Julius Schumann. 

182 Gemeint ist das Grand Concert a-Moll, Op.85, von Johann Nepomuk 
Hummel. 

183 Es ist Carl Schumanns am 16. Dezember 1827 geborener Sohn Carl ge- 
meint. 

184 Leberreime sind vermutlich aus Tischspruchen hervorgegangene Ulk- 
dichtungen, die bereits im 16. Jahrhundert nachweisbar sind. An die 
stereotype erste Zeile „Dic Leber ist vom Hecht" wurden unsinnige, 
sinnvolle bis zu zeitsatirischen Zeilen angeschtossen. Im Laufe der Zeit 

453 



erreichten sie sogar literarische Geltung. Auch in Jean Pauls Roman 
„ Titan" (6 1. Zyklus) kommen Leberreime vor, 

185 Jaloux (franzosisch), eifersiichtig. 

186 Carlo Minona, Erzahlungen, z Bandchen, enthaltend: Katinka Tara- 
kano; Wilhelmine, oder die Folgen der Untreue; Sara, oder Liebe und 
Treue; Drei Tage in Dresden, oder der Wahnsinnige; Die beiden 
Freunde. Schneeberg 1829. 

187 Die Menagerie von Hermann van Aken & Martin war wahrend der 
Fruhjahrsmesse 1829 vom 3. bis 31. Mai vor dem Grimmaischen Tore 
in der bei Reimers Garten erbauten grofien Bude zu besichtigen. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 122 vom 2. 5. 1829, S. 684. 

188 Gemeint ist die Hollander-Waffelbude im Rosenthal. 

* 89 Als Sauhiebe wurden in der Studentensprache nicht kunstgerechte Hiebe 
bezeichnet, die eine nach dem Comment unzulassige Stelle trafen. 
Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 406. 

190 Gemeint ist vermutlich die Wirtschaft auf der kleinen Terrasse des 
Heidelberger Schlosses, von der aus man den ganzen ostlichen Teil 
des Schlosses ubersehen kann. 

Vgl. Das Heidelberger Schlofi und seine Umgebung, Wiirzburg, Wien 
o, J„ S. 40- 

191 „Zum faulen Pelz", Name einer alten Gaststatte und zweier Gassen 
am Schlofiberg zu Heidelberg. 

Vgl. Das Heidelberger Schlofi, a. a. O., S. 14. 

192 Gemeint: Heinrich Heine, Reisebilder, 1. -2. Band, Hamburg 1826/27, 
3.-4. Band, Hamburg 1830/31. 

193 Friedrich Heinrich Jacobi, Woldemar, eine Seltenheit aus der Natur- 
geschichte, Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1826. 

194 Willibald Alexis, Herbstreise durchSkandinavien, 2Theile t Berlin 1828. 
* 9 5 Nach dem vom 9. Dezember 1797 bis 23. April 1799 in Rastatt abge- 

haltenen FriedenskongreG zwischen Frankreich und Osterreich wurden 
die am 28. April 1799 abreisenden drei franzosisch en Gesandten von 
Szekler Husaren iiberfallen, der Papiere beraubt und zwei von ihnen 
getotet. 

19 6 Tiroler Wastel, Singspiel von Jakob Haibel, Text von Emanuel Jo- 
hann Schikaneder, uraufgefuhrt in Wien 1796. 

197 Dieses Werk nicht nachweisbar. 

198 Johann Witt, genannt von Dorring, Fragmente aus meinem Leben und 
meiner Zeit, 3 Bande, Braunschweig 1827/30. 

199 Aus Anlafi des Geburtstages von Friedrich Willhelm III., Konig von 
Preuften, geboren am 3. August 1770, fand ein grofier Preufienball 
statt, an dem Schumann teilnahm. 

Vgl. Jugendbriefe, a. a. O., S. 69. 

200 Smollis oder Schmollis, abgelettet vom Lateinischen „sis mihi mollis 
amicus", studentensprachlicher Ausdruck fur den Freundschaftstrunk, 
bei dem man sich feierlich das „Du" gab. 

Vgl. Vollmann, a. a. O., S. 113. 

454 



201 Vom 28. August bis zum 25. Oktober 1829 unternahm Schumann eine 
Reise nach der Schweiz und Oberitalien. (Siehe Tagebuch 4, S. 246 ft.) . 

202 Vermutlich ist die Gaststatte von Martin Lauf in Heidelberg auf der 
Hauptstrafie Nr. 73 gemeint. 

203 Wahrscheinlich Maria von Montalban, grofie Oper in 4 Akten von 
Peter von Winter, Text von Reger (uraufgefiihrt in MQnchen 1798). 
Derselbe Text ist auch von Peter Ritter vertont worden (uraufgefiihrt 
in Frankfurt am Main 1801). 

204 tlbersetzung: Sie spielen wirklich sehr hubsch fur die Leute. 

205 „Den wir lieben". 

20S M. de Norvins, Histoire de Napoleon, IV Vols., Leipzig, Pesth 1828. 

207 Obersetzung: O, Herr Schumann, wenn Sie spielen, konnen Sie mich 
fiihren, wohin Sie wollen. 

208 Di e Stumme von Portici, Oper in 5 Akten von D. F. E. Auber, Text von 
Eugene Scribe und Germain Delavigne. 

209 Gemeint „Theme sur le nom ,Abegg' varie pour le Pianoforte", Op. 1. 

210 Siehe auch die Obersetzungen von Sonetten Petrarcas in Tagebuch 5, 
S. 323-325. 

211 Christian Schtiissel, Gastwirt in Heidelberg, Augustinergasse Nr. 594. 

212 Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in den Jahren 1794 bis 1805, 
6 Theile, Stuttgart 1828/29. 

21 3 Samson, Oratorium von Georg Friedrich Handel, Text von N, Hamil- 
ton nach Milton. 

214 Anton Friedrich Justus Thibaut, Uber Reinheit der Tonkunst, Heidel- 
berg 1824, Kapitel „t)ber genaues Studium der Werke grofier Meister", 
S. 83 : „Handel war der Shakespeare der Musik, und hat es ganz ver- 
dient, neben dem grofien Dichter in der Westminsterabtey zu ruhen." 

215 Gemeint ist Friedrich Diipree. 

216 Johann Gottfried Seume, Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802, 
3 Bande, 1803, 5. Auflage Leipzig 1820. 

217 William Shakespeare, Der Sturm, Drama, um 1609; Dreikonigsabend 
oder Was ihr wollt, Lustspiel in 5 Akten, um 1600. 

218 D er Maurer und der Schlosser, franzosische komische Oper in 3 Akten 
von Francois Auber, Text von Eugene Scribe und Delavigne. 

219 Vermutlich handelt es sich um die Ruine des 1030 von Konrad II. ge- 
stifteten Benediktinerklosters Limburg, die sudlich von Diirkheim auf 
einem Bergkegel liegt. 

220 Gemeint sein konnte: Schinderhannes und seiner Bande merkwurdige 
Geschichte, Stuttgart 1804; oder: Schinderhannes und das Meisterstuck 
aus seiner ganzen Lebensgeschichte, Bamberg 1804. 

221 D er Wassertrager (Les deux journees ou Le porteur d'eau), Oper in 
3 Akten von Lulgi Cherubini, Text von Jean Nicolas Bouilly. 

222 Aolodion, ein um 1826 erfundenes Instrument, dessen Klang der Phys- 
harmonika sehr ahnelte. (Vgl. Anm. 116.) 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 28 vom 14. 7. 1830, 
Sp. 430. 

455 



223 Im 5. Mannheimer Konzert am 22. Marz 1830 sang Elise Haupt, einc 
Heidelberger Dilettantin, eine Arie von- Wolfgang Amadeus Mozart 
und zusammen mit dem Mannheimer Tenor Dietz ein Duett aus der 
Oper ,Jessonda" von Louis Spohr. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 28 vom 14. 7. 1830, 

Sp. 459* 

224 Dieser Titel des Lustspiels - heute meist mit „Verlorene Liebesmiih' " 
wiedergegeben - entspricht der tJbersetzung aus: William Shakespeare, 
Schauspiele, iibersetzt von Christoph Martin Wieland. Neu-Auflage, 
umgearbeitet von J. J. Eschenburg, 13 Bande, Zurich 1775/77; bzw. 
Neue ganz umgearbeitete Ausgabe mit kritischen Anhangen versehen, 
12 Bande, Zurich 1 798-1 808. 

225 Helene, die einzige Tochter von Schumanns Bruder Eduard, geboren 
am 7. August .1826, war am 21. Marz 1830 in Zwickau gestorben. 

226 Immer der erste zu sein und vorzustreben vor andern, Ilias VI, 208. - 
Von Schumann spater der Neuen Zeitschrift fur Musik 1834, Nr. 5, als 
Motto vorangestellt. 

227 Affenthaler, Rotwein aus Affenthal, einem Dorf siidlich von Baden- 
Baden. 

282 L. Pfyffer von Wyher, Panorama oder Zirkel-Ansicht v. Rigi-Berg. Mit 
einem Wegweiser fur Reisende in franzosischer Sprache, Luzern 1820. 

2 29 Im Stadtgraben vor dem in Richtung Neuenburg gelegenen Golatten- 
mafithor wurden vier Baren gehalten, deren Fiitterung hauptsachlich 
den Besuchern oblag. 

Vgl. Beschreibung der Stadt und Republik Bern, Bern 1794, Bd. 1, 
S. 58. 

230 Schumanns Brief an die Mutter aus Bern vom 31. August 1829 ist ver- 
offentlicht in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 71 ff. ' 

231 Vermutlich Koniz. 

232 Gemeint 1st Rosenlauibad. 

233 Ubersetzung; Geben Sie mir etwas Wein. 

234 Zu „Albano" vgl. Anm. 55. - Der „Titan" spielt teilweise auf Isola 
Bella. 

235 Bianca e Fernando, Oper von Vicenzo Bellini, Text von D. Gilardoni, 
uraufgefuhrt in Neapel am 30. 5. 1826. 

236 Ein Bildnis der Guiditta Pasta ist in der Mailander Brera ausgestellt. 

237 Gemeint ist Leonardo da Vinris 1495/97 entstandenes Wandbild 
„Abendmahl" in dem ehemaligen Dominikanerkloster Sta. Maria della 
Grazie. 

238 Saul, operia seria von Nicola Vaccai, Text von F. Romani; uraufge- 
fuhrt am 11. M5rz 1829 im Teatro S. Carlo in Neapel mit veranderter 
Textfassung (von A, L. Tottola); fur die Auffuhrung im September 
1829 in Mailand wurden weitere Textanderungen vorgenommen. 

239 Ubersetzung : Diese Dame ist gewifi aus der Champagne. 

240 Der Brief an Therese Schumann aus Brescia vom 16. September 1829 
ist veroffentlicht in: Jansen, Neue Folge, a. a. O., S. 15 ff. 

456 



241 Hier vermutlich zu iibersetzen mit: ein hiibscher Kellner. 

242 j ea n Paul, Leben des vergnugten Schulmeisterleins Maria Wutz in Aue- 
thal, eine Art Idylle, veroffentHcht als Anhang zur „Unsichtbaren Loge", 
Band 2, 1795. 

243 Schumann verweist die Grabmaler dec beiden Apostel wohl irrtiim- 
licherweise nach Padua. Markus soil der Sage nach in der St. Markus- 
kirche in Venedig begraben sein; Lukas' Gebeine wurden 357 aus The- 
ben in Bootien nach Konstantinopel iiberfuhrt. 

244 Ubersetzung: Vier Tage in Venedig. 

245 Ubersetzung: O du, der du oben gehst, 

ich war, wie du bist, 

du wirst werden, wie ich bin. 

Bedenke dies und geh mit Gott. 

246 Ubersetzung : Hier ruht der grofle Tizian von Vecello, 

der Nacheiferer von Zenon und Apelles! 

247 Obersetzung : Die f ranzosische Sprache enthalt viel Geist. 

248 1 d ue Forzati, italienische Oper von Franciszek Mirecki; uraufgefuhrt 
in Lissabon 1826. 

249 Ubersetzung: Aber, mein Lieber, Sie behandeln mich zu baurisch, gehen 
Sie und kommen Sie nicht zuriick. 

250 Gemeint ist vermutlich das Trauerspiel „Vipinia" von Vittorio Graf 
Alfieri. 

251 Tebaldo e Isolina, Oper von F. G. B. Morlacchi, Text von G. Rossi; 
uraufgefuhrt in Venedig 1822. 

252 La gazza ladra (Die diebische Elster), Oper in 2 Akten von Gioacchino 
Rossini, Text von G. Gherardini. 

253 Der Brief an Gisbert Rosen aus Mailand vom 4 .Oktober 1829 ist ver- 
offentlicht in: Jansen, Neue Folge, a. a. O m S. 20. 

254 Schumann war nach Mailand zuriickgekehrt, da ihm Reichmann Geld 
fur den Fall angeboten hatte, dafi er in Schwierigkeken geriete. Schu- 
mann erhielt von Reichmann fur die Riickreise 16 Napoleond'ors. 
Vgl. Schumanns Brief an Rosalie Schumann vom 5. 10. 1829 aus Mai- 
land, in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 75 if. 

255 Notiz fur ein literarisches Vorhaben, das nicht ausgefiihrt wurde. 

256 Der reisende Teufel. Eine gemeinniitzige und satyrische Unterhaltungs- 
schrift, hrsg. von Negle, Miinchen 1828/32 (sie beginnt mit dem 25. Juni 
1828). - Unter dem gleichen Titel, aber von einem anderen Heraus- 
geber erschien vom 3. Mai 1829 an: Der reisende Teufel. Ein satyri- 
sches Unterhaltungsblatt. Verfafit und hrsg. von Dr. J. A. Kalb. 

257 Vgl. hierzu auch Schumanns Brief an seine Mutter aus Heidelberg vom 
n. November 1829, veroffentlicht in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 90. 

258 Guillaume Tell, Oper in 4 Akten von Gioacchino Rossini, Text von 
Jouy und H. Bie; uraufgefuhrt in Paris am 3. August 1829. 

259 Nicolo Paganini hielt sich vom 7. Februar bis zum 26. April 1830 in 
Frankfurt am Main auf und gab vier Konzerte. Schumann erlebte das 
Konzert vom n. April. 

457 



Vgl. De Courcy, Nicol6 Paganini, Chronologie seines Lebens, Wies- 
baden 1 96 1. 

260 Das Preufienfest fand aus Anlaft des Geburtstages von Friedrich Wil- 
helm III., Konig von PreuGen, statt. 

261 August Wilhelm Iffland, Die Jager, Sittengemalde in 5 Akten, Berlin 
1785. 

262 Nach Veroffentlichung der Juliordonanzen erhob sich das Volk von 
Paris vom 27. bis 29. Juli 1830 gegen die Bourbonenherrschaft und er- 
zwang den Riicktritt Karls X. am 2. August. Am 30. Juli war die Pro- 
klamierung Louis-Philipps von Orleans zum Konig von Frankreich er- 
folgt. 

263 Ubersetzung: dem General Desaix 

die Rheinarmee 

264 Schumann konnte die Reise nach Amsterdam aus Geldmangel nicht 
verwirklichen. 

265 Ubersetzung: Ein Brief vom 7. mittags lautet wie folgt: In diesem 
Augenblick laufen Burger und bewaffnete Studenten mit weifien Arm- 
binden durch die Stadt. Sie bilden eine Biirgergarde. Der Rat des 
Magistrats ist zusammengetreten. 

266 Ubersetzung: Die Burger und Studenten machen gemeinsame Sache. 
Man erwartet Truppen von Zwickau und Borna. 

267 Motto zu: Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit, 
3.Teil, i8ioff. 

268 Ubersetzung: Abschied von Koln - groCe Rheinschiffe - Sturm und 
Regen - kleine Schauer - das reizende englische Madchen: ist es kalt 
oben? - ihr Schlaf. 

269 Ubersetzung: das kleine und feine Lacheln, wie ein Schwatzer - ich 
gebe ihr die Gedichte Campbells - der Name Klopstock [ist ihr] unbe- 
kannt. 

270 Schumanns Brief an seine Mutter aus Wesel am Niederrhein vom 
27. September 1830 ist veroffentlicht in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 124 f. 

271 Schumann pflegte - nach dem Bericht von Moritz Semmel - meist ein 
„Reise-CIavier" mit sich zu fiihren, ein kleines stummes Instrument, 
das mit Federn versehen war, auf dem er iibte, um die Finger elastisch 
zu erhalten. 

Vgl. W. J. v. Wassilewski, Schumanniana, Bonn 1883, S. 85. 

272 Woher das Zitat stammt, lieB sich nicht ermitteln. 

273 Aus welcher Zeitung Schumann diese Eintragung ubernommen hat, lieB 
sich nicht feststellen. 

274 i n der Neuen Zeitschrift fur Musik (im folgenden mit NZfM abge- 
kiirzt) Nr. 26 vom 30. 6. 1834, S. 104 erschien diese Notiz unter „Ver- 
mischtes" in folgender Form: ( ,Bei Feier der Septembertage in Briisset 
sind Preise fur musikal. Composition ausgesetzt. Die besten erhalten 
schwere Goldmedaillen und werden wahrend des Festes aufgefuhrt. 
Nur Belgier fiiHrt man auf." 

275 Tn der NZfM Nr. 17 vom 29. 5- 1834, S. 68 erschien unter „Vermisch- 

458 



tes" folgende Notiz : „Von Lysers ,neuesten Liedern eines Malers* ver- 
dienen die meisten eine musik. Bearbeitung, worauf wir hindeuten." 

276 Vgl. NZfM Nr. 14 vom 19. 5. 1834, S. 56 und Allgemeine musikali- 
sche Zeitung Leipzig Nr. 28 vom 9. 7. 1834, Sp. 465 f. 

277 Vgl. NZfM Nr. 8 vom 28.4. 1834, S. 32 „Chronik": „Berlin. Am 10. 
Zweites Concert der Mift Laidlaw." 

278 Louise Angelika Bertins Oper „Faust" erschien 183 1. - In der NZfM 
Nr. 15 vom 22.5.1834, S. 60 erschien unter „Vermischtes" folgende 
Notiz: „Von Louise Bertin in Paris, Componistin des Faust, wird eine 
neue Oper erwartet." 

279 Vgl. NZfM Nr. 15 vom 22.5.1834, S. 60, „Chronik": „Heidelberg. 
16. Mai. Der hiesige Musikverein hat auf der schonen Schloftruine eine 
Auffiihrung der Haydn'schen Schopfung veranstaltet." 

280 Justus Johann Friedrich Dotzauer, Violoncellschule, Op. 165, Mainz 
1832. 

281 Vgl. NZfM Nr. 13 vom 12. 5. 1834, S. 48, „Vermischtes" : „Das zweite 
Gesangfest des markischen Gesangvereins geht am 5. und 6. Juni in 
Potsdam vor sich. Aufier Motetten von Bernhard Klein, der immer die 
Grundlage bilden soil, kommen Hymnen u. Psalmen von Fr. Schneider, 
Neithardt, Marx und Schadlich, dem Griinder des Vereins, zu Gehor. 
Die Zahl der Zusammenkommenden iibersteigt 400. - Der zweite Tag 
ist fur nicht-kirchliche Musik bestimmt. Hr. Belcke aus Leipzig wird 
sich da horen lassen." - Vgl. audi Allgemeine musikalische Zeitung 
Leipzig Nr. 26 vom 25.6. 1834, Sp. 433 ff. und Nr. 28, Sp. 469 ft*. 

282 Vgl. NZfM Nr. 13 vom 12. 5. 1834, S. 48: „Frankfurt Anfang Mai. 
Wild gibt eine Reihe Gastvorstellungen." 

283 j. c. Planitzer, Die Lehre von den Obergangen. Erster Thell der theo- 
retischen Musik moglichst systematisch bearbeitet, mit einer Vorrede 
vom Baron de la Motte Fouque. Mit 1/4 Bogen Musikbeilagen, Halle 
1834, Scharre. 

284 A. Kretschmer, Ideen zu einer Theorie der Musik, Stralsund 1833. 

285 Vgl. NZfM Nr. 13 vom 12. 5. 1834, S. 52: „Coln. Mai. Hr. Eichberger, 
Tenorist aus Leipzig, gastirt daselbst." - NZfM Nr. 14 vom 19. 5. 1834, 
S. 56: „BerIin ... i2.Theod. Stein, Clavierimprovisator. - 19. Cos- 
loff." 

286 Vgl. NZfM Nr. 14 vom 19. Mai 1834, S. 56, „Chronik": „Amsterdam. 
Anfang Mai. Ein junger Violinspieler, Max Erlanger, gab zwei Con- 
certe." 

287 Vgl. NZfM Nr. 15 vom 22. 5. 1834, S. 60, „Vermischtes" : „Der k. k. 
Capellm. Fr. Lachner in Wien, hat in gleicher Eigenschaft eine lebens- 
langliche Anstellung in Mannheim erhalten." - Vgl. auch Allgemeine 
musikalische Zeitung Leipzig Nr. 35 vom 27. 8. 1834, Sp. 585 f. 

288 Diese Notiz erschien fast wortlich in der NZfM Nr. 15 vom 2. 5. 1834, 
S. 60 unter „Vermischtes". - Vgl. hierzu auch Allgemeine musikalische 
Zeitung Leipzig Nr. 30, vom 23.7. 1834, Sp. 503: „Der weltberiihmte 
Pagan in i macht jetzt groSe Versuche. Fur das Erste stellen ihn verschie- 

459 



dene Journale unter die Zahl dec Erfinder. Man hat schon vor einem 
Monat davon gesprochen. Im Journal des Artistes heifit es vom 
29. Juny: P. hat vor Kurzem ein neues Instrument (namlich ein musi- 
kalisches) erfunden, das alle Dilettanten in Be- und Verwunderung 
setzen wird. Lange ist er mit dem Gedanken beschaftigt gewesen, ein 
Instrument herzustellen, das Aehnlichkeit mit der menschlichen Stimme 
hat, endlich ist es gelungen, und er nennt es Contraviola Paganini . . ." 

289 Vgl. hierzu auch Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 22 vom 
28. 5. 1834, Sp. 371. 

290 Vgl. NZfM Nr. 17 vom. 29. 5. 1834, S. 68, „Chronik": .Juterbogk. Am 
20. Mai Gesangsfest. Musikdir. Schartlich leitete das Ganze. Zur Auf- 
fuhrung kamen Psalmen und Motetten von Klein, Schnabel, Berner. 
(Ausfiihrlicher Bericht in Komet. Nr. 85.)" 

291 Vgl. NZfM Nr. 14 vom 19. 5. 1834, S. 56, „Chronik". 

292 Didaskalia oder Blatter fur Geist, Gemiith und Publizitat, Frankfurt 
am Main, 1. Jg. 1823. 

293 Diese Notiz erschien mit geringen Abweichungen in der NZfM Nr. 18 
vom 2. 6. 1834, S. 72. 

294 Vgl. NZfM Nr. 18 vom 2. 6. 1834, S. 72, „Chronik": „Cassel. Am 19. 
Mai erste Auffiihrung der vorerwahnten Oper [Robert der Teufel von 
Giacomo Meyerbeer]." - Die folgende Notiz erschien in derselben 
Nummer unter „Vermischtes". 

295 Vgl. NZfM Nr. 26 vom 30. 6. 1834, S. 104, „Chronik": „Leipzig. 
5. Juni. Berkenbusch, blinder Flotist." 

296 Vgl. NZfM Nr. 18 vom 2. 6. 1834, S. 72, „Chronik": ..Amsterdam. 
1. Mai. Concert von Vollweiler aus Frankfurt (Piano) und Wagner 
(Violine)." 

297 Vgl NZfM Nr. 17 vom 29. 5. 1834, S. 68, „Chronik": „London. Die 
deutsche Oper hat am 14. Mai daselbst mit der Zauberflote angefan- 
gen. Der Tenorist Schmezer aus Frankfurt wird von englischen Blat- 
tern geriihmt." - Die folgende Notiz erschien wenig ausfiihrlicher in 
der NZfM Nr. 18, S. 71. 

298 Vgl. NZfM Nr. 21 vom 12.6.1854, S. 84, „Chronik": „Strafibourg. 
Ende Mai. Requiem von Mozart zur Todesfeier Lafayette's. Leipzig. 
Am 1. Juni dasselbe Requiem zur Todesfeier des Rect. Brandes." - 
Nach der Notiz in der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig 
Nr. 29 vom 16. 7. 1834, Sp. 486 fand das Straflburger Konzert am 
12. Juni statt. 

299 Vgl. NZfM Nr. 17 vom 29. 5. 1834, S. 68, „Vermischtes": „Paganmi 
hat fur sein Spiel beim Oxforder Musikfest, das bei der Installation des 
Herzogs von Wellington als Kanzler der Universitat stattfindet, tau- 
send Pfund gefordert." 

300 Vgl. NZfM Nr. 21 vom 12. 6. 1834, S. 84, „Chronik": „Nurnberg. Mitte 
Mai. Marschner's Vampyr ist mit grofiem Erfolg zum erstenmal ge- 
geben worden. Das Trinklied muflte dreimal gegeben werden." 

301 Gemeint ist vermutlich „Das unterbrochene Opferfest", Oper in 2 Ak- 

460 



ten von Peter Winter nach einem Text von R X. Huber. In der NZfM 
von 1 8^4 ist dtese Notiz nicht erschienen. 

302 Vgl. NZfM Nr. 20 vom 9. 6. 1834, S. 80: „Im ersten Cyklus des Dus- 
seldorfer Theaters kamen vor: Don Juan [Oper von W. A. Mozart], 
Egmont [Tragodie von J. W. v. Goethe], Nathan [Schauspiel von G. 
E. Lessing], Braut von Messina [Trauerspiel von F. v. Schiller], Was- 
sertrager [Oper von L. Cherubini], Andreas Hofer. An die Mitglieder 
der Biihne wurden 12 Pramien von 100 bis 20 Thalern verteilt." - Mit 
„Andreas Hofer" kann das „Trauerspiel in Tyrol" von K. Immermann 
oder das danach entstandene Singspiel in 1 Akt von G. A. Lortzing ge- 
meint sein. 

303 Dieser Bericht erschien mit sehr geringen Abweichungen in der NZfM 
Nr. 21 vom 12. 6. 1834, S. 84 unter „Vermischtes". 

304 Johann Wolfgang von Goethe, Faust. Der Tragodie erster Teil, Nacht, 
Verse 570-573. 

305 Diese Notiz erschien in det NZfM Nr. 21 vom 12. 6. 1834, S. 84 unter 
„Vermischtes" ; danach mufi es richtig heifien: „Hr. Krieg nach Braun- 
schweig". 

306 Vgl. NZfM Nr. 27 vom 3. 7. 1834, S. 108, „Chronik": „Frankfurt. 
15. Juni. Fidelio. Mad. Pirscher in der Hauptrolle." - NZfM. Nr. 21 
vom 12. 6. 1834, S. 84: „Rossini ist (von Paris) nach Italien abgereist." 

307 Vgl. NZfM Nr. 26 vom 30. 6. 1834, S. 104, „Chronik": „Oxford. 
10. Juni. Zu Wellington's Installation zum Universitatscanzler, Orato- 
rium von Curtch [recte: Crotch] ,die Gefangenschaft JudaV. Mad. 
Caradori sang." 

308 Vgl. NZfM Nr. 26 vom 30. 6. 1834, S. 104, „Chronik": „Halle. 20. Juni. 
Auffiihrung des Weltgerichts. [Oratorium von Friedrich Schneider, 
Text von J. A. Apel] unter Schneiders Direction. 

Leipzig 19. Juni. Orgelconcert des Oberorganist Kohler aus Breslau. 
Sein Spiel ward von einer gewahlten Zuhorerschaft als durchaus vir- 
tuosenmafiig anerkannt." 

309 G. G. Klipstein, Rath- und Hiilfsbuch fiir Organisten und solche die 
es werden wollen. Zugleich zum Gebrauch in Seminarien, Breslau 1834; 
erschien auch mit dem Umschlagtitel : „Pfennig-Choral-Buch". - Vgl. 
auch Anm. 313. 

310 Vgl. NZfM Nr. 26, S. 104, „Vermischtes" : „Man sieht die Carl ungern 
von Petersburg weggehen; sie ist der Liebling des Publikums (Nach- 
richt vom 12. Juni)." 

311 Vgl. NZfM Nr. 26, S. 104, „Vermischtes": „Die Maltbran ist durch 
Briissel nach London gereist; sie wird im November in Neapel zuriick- 
erwartet. Der Pachter des Scalatheaters in Mailand, Herzog von Vis- 
conti, hat sie fiir 185 Vorstellungen in den nachsten Jahren mit 450000 
Frank, gewonnen. Bevor sie aus Mailand abreiste, brachte ihr das Or- 
chester des Scala-Theaters unter ihren Fenstern eine Serenade." 

312 Vgl. NZfM Nr. 28 vom 7. 7. 1834, S. 117: „Nurnberg, 24. Juni. Dlle, 
Hasselt, Sangerin." 

461 



313 VgL NZfM Nr. 16 vom 30.6. 1834, S. 104, „Vermischtes" : M Rochus 
Pumpernickel [Quodlibet in 3 Akten von Ignaz von Seyfried] ward 
jiingst in Munchen zum erstenmal gegeben." 

„In Berlin und Mannheim erscheinen musikal. Hellermagazine, dort in 
der neuerrichteten Musikhandlung von Westphal, in Mannheim bei 
Heckel. In Breslau ebenfalls ein Pfennig-Choralbuch von Klipstein = 
79 Bogen zu 22 Gr." 

314 Die folgenden Notizen erschienen ebenfalls in der NZfM Nr. 26, 
S. 104: „Vermischtes" : „Der Pariser Sanger Nourrit hat nach Shake- 
speare's Sturm ein Ballet mit eigner Musik auf die Scene gebracht." 
„Chronik" : „London. 6. Juni, letztes Konzert von Paganini, in dem er 
eine grofle friiher fiir Napoleon gesetzte Sonate spielte. Man glaubt 
nicht an seine Fortreise. Schon seit Jahren gibt er letzte Concerte." 
„Vermischtes": „Hauptmann aus Cassel, Guhr aus Frankfurt, Riem 
aus Bremen, Lobe aus Weimar, werden im nachsten Monat in Leipzig 
erwartet." 

315 Vgl. NZfM Nr. 29 vom 10. 7. 1834, S. 116: „Am 23, und 24. Juli wird 
in Schneeberg unter Leitung des Stadtmusikdir. Thierfelder ein kleines 
Musikfest statt finden. Zur Auffiihrung kommen die C moll -Symphonic 
die Musik zu Egmont von Beethoven, der BergmannsgruC von 
Anacker." 

3 *6 Anna Caroline de Belleville spielte im 3. Abonnementskonzert am 
i5,Oktober 1830 in Leipzig das Klavierkonzert a-Moll, Op. 85, von 
Johann Nepomuk Hummel. 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 106 vom 14. 10. 1830, Sp. 1055. 

317 Am 27. Juni 1834 trat Wilhehnine Schroder-Devrient zum vorletzten 
Mai, am 29. Juni das letzte Mai in Berlin als Euryanthe auf und kehrte 
am 7. Juli nach Dresden zuriick. 

Vgl. Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 30 vom 23.7. 1834, 
Sp. 499; NZfM, Nr. 27 vom 3. 7. 1834. S. 108. 

318 Das Grand Concert a-Moll von Johann Nepomuk Hummel tragt die 
Opuszahl 85. 

319 Ubersetzung: Die Frankfurter Zeitung vom 9. berichtet, dafi der Pobel 
Dresdens erneut die Amtsraume der Polizei iiberfallen hat; alle Doku- 
mente und Mobel wurden auf die Strafie geworfen, ehe das Gebaude 
angeziindet wurde. Gleiche Ausschreitungen wurden im Rathaus veriibt. 
Prinz Friedrich, der Sohn Prinz Maximilians und Neffe des Konigs, 
zeigte sich dem Volke und wurde aufierordentlich enthusiastisch be- 
jubelt. Eine Biirger-Garde ist gebildet worden. Der Konig hat sich 
nach Konigsstein zuriickgezogen. Seine Abdankung und die seines Bru- 
ders ist stiindlich zu erwarten zugunsten von Prinz Friedrich, der sehr 
popular ist und sich fiir die von der Mehrheit der Sachsen geforderten 
Reformen erklart hat. 

3 20 Ubersetzung: 

Tod den Tyrannen! Rache und FreiheitI 
Dieser Kriegsschrei ist der Schrei Frankreichs. 

462 



Und im Paris der blutbefleckten Morde 
antwortete ein langes Murren : Rache ! 

Zu den Waffen t In diesen Kampfen, 
zu denen die Freiheit uns ruft, 
schworen wic als Kriegec zu sterben 
oder nur zu leben fiir sie, 
nur fiir siel 

Die Unterdruckung wollte mit der Miene des Stolzes 
den Blitz auf uns schleudern. 
Die Keule der August-Freiheit 
hat sie an einem Tag zerschmettert. 

Sie hofften, diese Sonne Loyolas, 

unser Frankreich unterworfen zu sehen und furchtsam, 

aber unser Mut war da, 

und jeder Jesuit zitterte. 

Frankreich ist wachsam ! 

In diesem Kampf muG man siegen oder sterben, 
niemals kann Frankreich furchtsam sein; 
ihr Feiglinge, die ihr nichts kennt als fliehen, 
hofft niemals zuruckzukehren, 
denn Frankreich ist wachsam! 

321 Thema der Romanze fiir Pianoforte von Clara Wieck, von Schumann 
verwendet In den Impromptus Op. 5, komponiert 1833. 

322 Schumanns Obersetzung des Sonetts 125 (nicht 126!) von Petrarca. 

323 Schumanns Obersetzung des Sonetts 24 von Petrarca. 

32 4 Schumanns Obersetzung des Sonetts 27 (nicht 28!) von Petrarca. 

325 Gemeint: seraphisch. 

326 Gottfried Weber, Versuch einer geordneten Theorie der Tonkunst, 
3 Bande, 3. Auflage Mainz 1830/32. 

32 ? Am 14. Mai 1831 wurde in Leipzig von der italienischen Operntruppe 
die Opera buffa „L'Italiana in Algeri" von Gioacchino Rossini aufge- 
fiihrt. Besetzung: Mustafa Sigr. Vestri, Elvira Sigra. Veltheim, Zulma 
Sigra. Dittmar, Haly Sigr. Bohme, Lindoro Sigr. Pessadort, Isabella 
Sigra. Schiasetti, Taddio Sigr. Benincasa. 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 134 vom 14. 5. 1831, S. 1446. 

32 8 Eloise. Ihr Charakter, in: Johann Gottfried Herder*s Werke. Zur scho- 
nen Literatur und Kunst. Sechster Theil, Johann Gottfried Herder's 
Legenden, Dramatische Stiicke und Dichtungen, hrsg. durch Wilhelm 
Gottfried Herder, Stuttgart, Tubingen 1827. 

329 Von Abalard war erschienen: Anecdota ad historiam ecclesiasticam 
pertinentia, ed. Fr. H. Rheinwald. Part. I auch unter dem Titel: Petri 

463 



Abaelardi Dialogus inter Philosophum, Judaeum et Christianum. Ex 
Codicibus bibliothecae Caesareae Vindobonensis nunc primum edidit. 
Berlin 1831. - Schumann hat selbst versucht, das Thema „Abalard und 
Heloise" dramatisch zu gestalten. Von dem Drama ist der i.Aufzug 
1. Szene erhalten (Autograph: Robert-Schumann-Haus, Zwickau). 

330 Am 24. Mai 183 1 fuhrte die italienische Operntruppe in Leipzig „Don 
Juan", dramma giocoso von Wolfgang Amadeus Mozart auf. Beset- 
zung: Don Giovanni Sigr. Zezi, Donna Anna Sigra. Veltheim, Don 
Ottavio Sigr. Rubini, II Comendatore Sigr. Vestri, Donna Elvira Sigra. 
Palazzesi, Leporello Sigr. Benincasa, Masetto Sigr. Bohme, Zerlina 
Sigra. Schiasetti. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 144 vom 14. 5. 183 1, S. 1528. 

331 Gemeint 1st das 1830 in Heidelberg begonnene und in Leipzig fortge- 
setzte, aber unvollendet gebliebene Klavierkonzert. 

332 Heinrich Albert Probst verkaufte 183 1 bei seinem Ubertritt in die Pari- 
ser Firma Pleyel seine „Musikalien-Verlagsbuchhandlung" an Friedrich 
Kistner. 

333 Im Leipziger Tageblatt Nr. 147 vom 27. Mai 1831, S. 1554* erschien 
folgende Anzeige: „Heute als den 27. Mai, werden die beliebten Al- 
pensanger Geb. [Franz und Andreas] Kugler, Heinrich und RuG zum 
Besten der hiesigen Armen ein Concert in Grafs Garten am Rosen- 
thaler Thore geben. Anfang um 6 Uhr." 

334 Vermutlich eine Geschichte von Schumann. - In einem Brief an seine 
Schwagerin Emilie aus Leipzig vom 4. Dezember 1830 heifit es: „Ich 
schreibe aber jetzt auch schone Geschichten ,der Lumpenkonig, eine Ge- 
schichte von R. Schumann' und wer mir nicht zwey Louisdor fur den 
Bogen bezahlt, bekommt keinen Buchstaben." (Autograph: Robert- 
Schumann-Haus, Zwickau.) 

335 Schumanns erste Rezension, uber die Variationen „La ci darem la mano, 
varie pour le Pianoforte par Frederic Chopin, op. 2" erschien in der 
Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig Nr. 49 vom 7. Dezember 
183 1, Sp. 805-808 unter dem Titel: „Von K. Schumann. Ein Opus II." 
Vgl. auch Schumann, Gesammelte Schriften, a. a. O., Bd. 1, S. 5 ff. 

336 Ignaz Moscheles' Sinfonie C-Dur, Op. 81, erschien 183 1 bei H. A. 
Probst in Leipzig. 

337 Vgl. Gottfried Weber, Versuch einer geordneten Theorie der Tonkunst, 
a. a. O., Bd. I, § 49 und 50, S. 198 flF. 

338 Der Komet. Ein Unterhaltungsblatt fur die gebildete Lesewek. Hrsg. 
von C. Herloftsohn. 1. Jg. 1830, Leipzig bei C. H. F. Hartmann. - Schu- 
mann schrieb fur diese Zeitschnft feuilletonistische Aufsatze liber Clara 
Wieck. 

339 i m Leipziger Tageblatt Nr. 148 vom 28. Mai 1831, S. 1566, erschien 
folgende Anzeige: „Hiermit erlaube ich mir ergebenst anzuzeigen, dass 
ich von heute, den 28. Mai, an alle Sonnabende ein Garten-Concert 
halten werde: Leipzig, den 27. Mai 1851. F. A. Riedel, in Rudolphs 
Garten." 

464 



340 Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, Klein Zaches, genannt Zinnober. 
Berlin, 2. Auflage 1824. 

341 Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Erzah- 
lung. Veroffentlicht in: Die Serapionsbriider, 4 Bande, Berlin 18 19/21. 

342 Am 7. und 8. Juni 183 1 fand von Seiner koniglichen Hoheit Prinz Jo- 
hann die Revue und das Exerzieren der Communalgarde statt. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 157 vom 6. 6, 1831, S. 1645. 

343 Carl und Rosalie, Kinder von Schumanns Bruder Carl. 

344 Gemeint ist das Brandvorwerk. 

345 Rondo iiber ein Thema aus Gioacchino Rossinis „Moses", Op. 37 von 
Henri Herz. 

346 Gemeint ist Hennette Hoffmeister in Heidelberg. 

347 Gemeint ist vermutlich „Das konstitutionelle Deutschland", Frankfurt 
am Main, 1. Jg. 1830. 

348 Die folgenden drei Abschnitte sind den „Bemerkungen iiber Kunst" aus 
dem Kunstblatt, Beilage zum Morgenblatt fiir gebildete Stande, Nr. 3 5 
vom 3. Mai 1831, S. 140, entnommen. 

349 Gemeint sind Chopins Variationen iiber „La ci darem la mano", Op. 2. 

350 Dieser Titel des Lustspiels - heute meist als „Der Widerspenstigen 
Zahmung" bekannt - entspricht der Obersetzung von C. M. Wieland 
und J. J. Eschenburg (vgl. Anm. 224). 

351 Gemeint ist Frau Fluth. 

352 Dieses Lustspiel tragt heute meist den Titel „Mafi fur Mafi". 

353 Ignaz Moscheles, Variationen La Marche Alexandre, Op. 32, 1815. 

354 Die aus Indien kommende asiatische Cholera war 1829 bis zur euro- 
paischen Grenze vorgedrungen, 1830 erneut amKaspischenMeer und in 
Astrachan ausgebrochen und drang von hier, begiinstigt durch den rus- 
sisch-polnischen Krieg 1831 auch nach Europa vor, wo die Epidemic 
in Berlin, Wien und anderen Stadten auftrat und ganz Europa uber- 
zog. Um das Einschleppen der Seuche nach Leipzig zu verhindern, un- 
ternahmen die Behorden im Juni und den folgenden Monaten des Jahres 
1831 eine Reihe vorbeugender Mafinahmen und Verordnungen. 

355 Datura fastuosa, Erzahlung von E. T. A. Hoffmann, erschienen in : 
„Taschenbuch fiir das Jahr 1823. Der Liebe und Freundschaft gewid- 
met", 1822. 

356 Schumann war als Pate zur Taufe von Carl Schumanns Kind Robert 
geladen. 

357 Gemeint ist der am 18. Juli 1831 geborene Sohn von Emilie und Julius 
Schumann namens Richard. 

3 58 JohannNepomuk Hummel, Grande Sonate fis-Moll, Op. 81, Wien 1820. 

359 Ludwig Anthom, Ein Fragment aus einer Biographie, Leipzig 1831. 
560 Anthom, a. a. O., S. 28. 

361 Vgl. hierzu auch Schumanns Brief an seine Mutter aus Leipzig vom 
8. August 1831, veroffentlicht in: Jugendbriefe, a. a. O., S. 146. 

362 Ignaz Moscheles, Klavier-Konzert Nr. 2, Es-Dur, Op. 56, 1825. 

363 Franz Schubert, Divertissement a la hongroise, g-Moll, Op. 54. 

30 Schumann, Tageb. 1 465 



364 Schumann schrieb am 20. August 1830 an Johann Nepomuk Hummel 
und bat inn, ihm eine Zeitlang Unterricht zu erteilen. Dem Brief legte 
er audi das erste Solo seines Klavierkonzertes bei. 

Vgl, Schumanns Briefe, hrsg. v. Karl Storck, Stuttgart o. J., S. 51 ff. 

365 Friedrich Wieck begann mit seiner Tochter Clara am 25. September 1831 
eine langere Konzertreise, die sie iiber Weimar - wo Clara audi Goethe 
vorspielte - Erfurt, Gotha, Arnstadt, Kassel (Besuch bei L. Spohr), 
Frankfurt am Main, Darmstadt, Mainz und Paris fiihrte. In Paris blie- 
ben sie vom 15. Februar bis zum 6. April 1832 und kehrten dann nach 
Leipzig zuriick, wo sie am 1. Mai 1832 mittags wieder eintrafen. 

Vgl. B. Lkzmann, Clara Schumann, Leipzig 1903/05, Band 1, S. 27 ff. 
36.6 Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, Doge und Dogaressa, Erzahlung, 
veroffentlicht in: Serapionsbriider, 1819. - Schumann verarbeitete den 
Stoff 1840 zu einem Opernlibretto (Autograph: Robert-Schumann- 
Haus, Zwickau). 

367 Es handelt sich vermutlich um „Les trois clochettes" Op. 120 von Jo- 
hann Peter Pixis. 

368 Carl Maria von Weber, Zigeunermarsch Op. 78 aus dem romantischen 
Schauspiel „Preciosa" von Pius Alexander Wolff nach einer Novelle 
von Cervantes. 

369 Schumanns Werk „Theme sur le nom ,Abegg* vari£ pour le Pianoforte", 
Op. 1, erschien 1831 bei Kistner in Leipzig. 

370 Schumann war aus der Wieckschen Wohnung Reichsstrafie 547 (Ecke 
Grimmaische Gasse) nach Rudolphs Garten gezogen. - Vgl. den Brief 
an seine Mutter vom 14. Oktober 1831, in: Jugendbriefe, a. a. O., 
S. 157 (hier ist nur die originale Formulierung „bei Wieck" in „bei N." 
geandert worden). 

371 Julius Knorr spielte im Konzert „zum Besten des Institut-Fonds fiir 
alte und kranke Musiker" am 27. Oktober 183 1 „grofie Variationen 
iiber : ,1a ci darem la mano' aus Don Juan, von Mozart, fiir Pianoforte 
komponiert von Chopin (neu)"; aufierdem standen auf dem Programm: 
eine neue Sinf onie von G. Onslow ; Arie aus „Don Juan" von W. A. 
Mozart (gesungen von Mad. Pirschner) ; Duett aus „Cosl fan tutte" 
von W. A. Mozart (gesungen von H. Grabau und Herrn Schrader) ; 
Ouvertiire zur Oper „Des Falkners Braut" von H. Marschner (neu) ; 
Variationen iiber das Lied „Der Schweizer Bub* ", von J. P. Pixis (ge- 
sungen von Dlle. Pistor) ; Potpourri fiir Flote, Oboe, Klarinette, Horn 
und Fagott von C. F. Nohr (neu) - gespielt von Grenser, Riickner, 
Heinze, Steglich und Schmidtbach -,* Duett aus „Faust" von L. Spohr 
(gesungen von Pogner und Schuster) ; 1. Finale aus „Cosi fan tutte" von 
W. A. Mozart (Solopartien : Pirschner, Grabau, Pistor, Schrader, Pog- 
ner und Schuster). 

Vgl. Leipziger Tageblatt, Nr. 118 vom 26. 10. 1831, S. 1147. 

372 Aus den Memoiren des Venetianers Jakob Casanova de Seingalt, oder 
sein Leben, wie er es zu Dux in Bohmen niederschrieb. Nach dem Ori- 
ginalmanuskript bearbeitet, 12 Bande, 1822/29. 

466 



373 Schumanns Papillons, Op. 2, erschienen 1832 in Leipzig bei Friedrich 
Kistner. 

374 Der „Tunnel iiber der Pleifle" war eine nach dem Muster der Wiener 
Ludlamshbhle gestiftete literarisch-artistische Gesellschaft, deren Pre- 
sident der Leipziger Musikalienhandler Friedrich Hofmeister war. 

375 Am 4. Januar 1832 fand im Gewandhaussaal zu Leipzig ein Konzert 
zum Besten der polnischen Fliichtlinge statt. Auf dem Programm stan- 
den: Ouvertiire zu der Oper „Oberon" von C. M. v. Weber; Arie von 
L. v. Beethoven ; Thema mit Variationen fiir 2 Klaviere von J. P. Pixis 
(neu) - gespielt von MD Dorn und Bacc. Wendler - ; Quartetto aus 
der Oper „Mose in Egitto" von G. Rossini; Ouvertiire zu der Oper 
„Die Vestalin" von G. Spontini; Variationen und Polonaise fiir Vio- 
Hne, komponiert und gespielt von F. W. Eichler ; Romanze aus dem 
alten Feldherrn, Singspiel von K. v. Holtei; 1. Finale aus der Vesta- 
lin" von G. Spontini. 

Anschliefiend fiigt der „Verein zur Unterstutzung hilfsbediirftiger 
Polen" hinzu: „Die rege Theilnahme an dem Schicksal der Nation, 
deren Angehorige das Gastrecht bei uns in Anspruch nehmen, klingt 
durch das ganze gebildete Europa wieder und lasst uns hoffen, dass wir 
unsern Zweck von dem vollstandigsten Erfolg gekront sehen und dass 
namentlich auch die Fremden, welche jetzt Leipzig beherbergt, diese 
Gelegenheit gern ergreifen werden, urn die Sache der Menschlichkeit 
mit einem kleinen Scherflein zu unterstiitzen." 
Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 2 vom 2. 1. 1832, S. 12. 

376 i m Projektenbuch schreibt Schumann unter dem Jahr 1831: „ister Satz 
einer Sonate in h-Moll, spater u. d. Titel Allegro als op. 8 gedruckt" - 
die anderen Satze sind nicht nachweisbar. 

377 Fandango fis-Moll, in der Grande Sonate fis-Moll, Op. n, verwendet. 

378 Diese Studien erschienen unter dem Titel „Studien fiir das Pianoforte 
nach Capricen von Paganini bearbeitet, mit Fingersatz, vorbereitenden 
Dbungen und einem Vorwort iiber ihren Zweck" in Leipzig bei F. Hof- 
meister. Angezeigt wurden sie im „Literarischen Anzeiger. (Zu den bei 
F. A. Brockhaus erscheinenden Zeitschriften)", 1832, Nr. XXXXVII. 

379 Julius Mosen, Georg Venlot, Eine Novelle mit Arabesken, Leipzig 
1831. 

380 Heinrich Steffens, Malkolm. Eine norwegische Novelle, 2 Bande, Bres- 
lau 183 1. 

381 Leopold Schefer, Novellen, 5 Bande, Leipzig 1825/29 und Neue No- 
vellen, 4 Bande, Leipzig 1831/35. 

382 Gemeint sind Schumanns Sechs Intermezzi Op. 4. 

383 Johann Wolfgang von Goethe, Tages- und Jahreshefte als Erganzung 
meiner sonstigen Bekenntnisse 1749- 1806. 1805, in: Goethe's Werke. 
Vollstandige Ausgabe letzter Hand. 31. Band, Stuttgart, Tubingen 1830, 
S. 242. 

384 l m Leipziger Tageblatt Nr. 123 vom 2. Mai 1832, S. 1063, erschien fol- 
gende Anzeige: „Neue Musikalien. In der Musikhandlung von H. A, 

30* 467 



Probst - F. Kistner, Grimmaische Gasse Nr. 576 sind zu haben: 

Schumann, Papillons pour le Pianoforte 12 gr." 

385 Johann Wolfgang von Goethe, Tages- und Jahreshefte als Erganzung 
meiner sonstigen Bekenntnisse, 1 807-1 822. 18 12, in: Goethe's Werke. 
Vollstandige Ausgabe letzter Hand. 32. Band. Stuttgart, Tubingen 
1830, S. 75. 

386 Gemeint sind wohl Caprices en forme de Valse pour le Pianoforte, 
Op, 2 von Clara Wieck. Sie erschienen bei Friedrich Hofmeister, Leip- 
zig. 

387 Schumann hat sich in seinem Exemplar von Jean Pauls „Flegeljahren" 
im Kapkel „Larventanz" an der Stelle: „Am meisten zog ihn [Walt] 
und seine Bewunderung ein herumrutschender Riesenstiefel an, der sich 
selber anhatte und trug . . ." „Pap. 3" angemerkt. 

388 Frederic Chopin, Grand Concerto pour le piano avec orchestre, e-Moll, 
Op. 11, entstanden 1830, erschienen 1833 in Leipzig bei Friedrich Kist- 
ner. 

389 Felix Mendelssohn Bartholdy war im Dezember I031 nach Paris ge- 
kommen und blieb dort bis Juli 1832. 

390 Cacilia, eine Zeitschrift fiir die musikalische Welt, hrsg. von Gottfried 
Weber. In dieser Zeitschrift ist eine Rezension Friedrich Wiecks iiber 
die Papillons nicht erschienen. 

391 Hermann van Aken zeigte seine grofie Menagerie in der groflen neu- 
erbauten Bude bei Reimers Garten vom 6. bis 31. Mai 1832. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 126 vom 5. 5. 1832, S. 11 46. 

392 Zur schnelleren Ausbildung seiner Klaviertechnik bediente sich Schu- 
mann einer selbst entwickelten mechanischen Vorrichtung. Dies hatte 
jedoch die Lahmung des zweiten und dritten Fingers der rechten Hand 
zur Folge, so dafi er die geplante Virtuosenlaufbahn aufgeben raufite. 
Vgl. H. -J. Rothe, Neue Dokumente zur Schumann-Forschung im Stadt- 
archiv Leipzig, in; Arbeitsberichte zur Geschichte der Stadt Leipzig, 
1967, Nr. 13. 

393 Vermutlich ist Thonberg gemeint. 

394 Schumann widmete die Intermezzi Op. 4 schliefilich Johann Wenzel 
Kalliwoda. 

395 Memoiren des Herzogs von Rovigo (Savary) als Beitrag zur Geschichte 
des Kaisers Napoleon, 8 Bande, Leipzig 1828. 

396 Memoire sur les cent jours, en forme de lettres avec des notes et docu- 
mens inddits, p. N. Benjamin Constant, Paris 1829, 

397 Johann Wolfgang von Goethe, Annalen. Tag- und Jahres-Hefte als 
Erganzung meiner sonstigen Bekenntnisse von 1 749-1 822. Ausgabe 
letzter Hand, Stuttgart, Tubingen, 1830/32. (Vgl. Anm. 383, 385) 

398 Friedrich Thiersch, Briefe aus Griechenland, in: Morgenblatt fiir ge- 
bildete Stande, Nr. 80 vom 3. April 1832, S. 3 17 f., die Fortsetzungen 
in den Nummern 81-84, n 5-1 19, 195-198 und 239-244. 

399 Schumann hat ein „Fragment Satyrique" gegen Henri Herz' Manier 

468 



komponiert; es blieb ungedruckt. (Autograph: vormals Privatsamm- 
lung Vietinghoff.) 

400 Die Capricen Op. 2 von Clara Wieck sind gewidmet „aux eleves de 
l'Academie de Mons. F. Stopel", Paris. 

401 Christian Felix WeiCes Grab befindet sich auf dem Leipztger Johan- 
nisfriedhof an der Siidseite (IV. Abteilung, Grab Nr. 69), gekennzeich- 
net durch einen einfachen mit einem Lorbeerkranz geschmiickten Wur- 
felstein; das von August Mahlmann Hegt in der nordostlichen Ecke 
des Friedhofes (V. Abteilung, Grab Nr. 22), es hat eine einfache, in die 
Mauer eingelassene Grabplatte. Beide Graber sind noch erhalten. 
Vgl. C. C. C. Gretschel, Der Friedhof bei St. Johannis, Leipzig 1836, 
S. 64, 67. 

402 Johann Sebastian Bach wurde am 51. Juli 1750 an der Sudmauer des 
Johannisrriedhofes beerdigt, sein Grab war jedoch bald in Vergessen- 
heit geraten. 

403 Memoiren der Herzogin von Abrantes, oder historische Denkwiirdig- 
keiten iiber Napoleon, die Revolution, das Directorium, das Consu- 
lat, das Kaiserreich und die Restauration. Aus dem Franzbsischen 1. bis 
8. Band, Leipzig 1831/33. 

404 Di e beiden Zitate entnahm Schumann dem Kunstblatt zum Morgen- 
blatt fiir gebildete Stande, Nr. 30 vom 12. April 1832, S. 120; hier er- 
schienen sie unter der Oberschrift: „Bemerkungen iiber Kunst". 

405 Verbiirgte Anekdoten aus Wolfgang Gottlieb Mozarts Leben, ein Bei- 
trag zur richtigern Kenntnis dieses Mannes, als Mensch und Kiinstler, 
von Friedrich Rochlitz, in: Allgemcine musikalische Zeitung Leipzig 
1798, Nr. 2, 4, 6, 8, 10, 12. - In der Allgemeinen musikalischen Zei- 
tung Leipzig 1799, Nr. 19 erschien erganzend: Einige Anekdoten aus 
Mozarts Leben, von seiner hinterlassenen Gattin mitgetheilt. 

406 Christian Gottlob Neefens Lebenslauf von ihm selbst beschriebcn, in: 
AUgemeine musikalische Zeitung Leipzig 1799, Nr. 16-18; erganzend 
erschien in der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig 1799, 
Nr. 23: Neefe's Lebensgeschichte von seiner hinterlassenen Wittwe 
fortgesetzt. 

407 Xre Sonate per il Clav. e Fortepiano con un Violino, comp. e dedicate 
al Sigr. Antonio Salieri, dal s. Luigi von Beethoven, Op. 12, in: AUge- 
meine musikalische Zeitung Leipzig 1799, Nr. 36, Sp. 570 f. 

408 In der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig 1799, Nr. 37, 
Sp. 589/90 steht als Fufinote zu dem Aufsatz „Klimpern und Stum- 
pern" von Horstig dieser Satz. 

409 x Variations pour le Clavecin sur te Duo: la stcssa, la stcssima, par L. 
van Beethoven. Nr. 8 a Vienne, chez Artaria, in: AJlgemeine musikali- 
sche Zeitung Leipzig 1799, Nr. 38, Sp. 607. 

410 Einige Tonkunstler alterer Zeiten. (Ober den Violinisten Lolly), in: 
AUgemeine musikalische Zeitung Leipzig 1799, Nr. 37, 39 und der 
Nachtrag Nr. 42. 

411 Gemeint ist Ackerleins Keller. 

469 



4 * 2 In der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig von 1799 wurden 
als Forts etzungen in den Nummern 1, 2, 4, 9 und 10 von Friedrich 
Rochlitz „Bruchstucke aus Briefen an einen jungen Tonsetzer" verof- 
fentlicht; in Nr. 10 erschien der 6. Brief mit dem Titel „Liebhabe- 
rey an Musik", Sp. 177-185. 

413 Am Sonntag, dem 20. Mai 1832, fand im Gewandhaus zu Leipzig ein 
grofies Konzert von Adelaide Schiasetti unter Mitwirkung des konig- 
lich-sachsischen Konzertmeisters Rolla und des koniglich-sachsischen 
Kammersangers Vestri statt. Auf dem Programm standen ; Ouvertiire zu 
Egmont, f-Moll, Op. 84, von L, v. Beethoven; eine Romanze aus der 
Oper „Tebaldo und Isolina" von F. Morlacchi; Variationen fiir die 
Violine von J. Mayseder; Duett aus der Oper „Der Barbier von Se- 
villa" und eine Arie aus der Oper „Mose" von G. Rossini; Fantasie 
fiir die Viola iiber einige Themen aus „Wilhelm Tell", komponiert und 
gespielt von Rolla; grofies Duett aus der Oper „Semiramide" von G. 
Rossini; Instrumentalsatz ; Szene und Arie aus „Semiramide". 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 141 vom 20. 5. 1832, S. 1464. 

414 ,J. A. P. Schulz dargestellt von J. F. Reichard" erschien in Fortsetzun- 
gen in der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig 1800, Nr. 10 und 
Nr. 11, und in der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig 1801, 
Nr. 36-38. 

41 5 Im Leipziger Tageblatt Nr. 139 vom 18. Mai 1832, S. 1431, erschien 
folgende Anzeige: „AusstelIung weiblicher Arbeiten. Die Ausstellung 
weiblicher Arbeiten, welche der zum Besten der Polen veranstalteten 
Lotterie vorgehen soil, beginnt heute, und wird der Saal der Loge 
Minerva - nachst dem Schlosse Pleifienburg - vormittags von 9 bis 
12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 6 Uhr geoffnet sein. Die grosse An- 
zahl kostbarer und geschmackvoller Arbeiten, welche uns iibergeben 
worden sind, hat unsere vertrauensvollen Erwartungen noch weit iiber- 
troffen und wir sind sicher, dafi kein Kenner weiblicher Kunst die Aus- 
stellung unbefriedigt verlassen wird." Die Ausstellung war bis zum 
27. Mai 1832 geoffnet. 

4 16 Gemeint ist Clara Wiecks Vetter Ernst Pfundt. 

4i7 Ludwig van Beethovens Studien im Generalbafi, Kontrapunkt und in 

der Kompositionslehre. Aus dessen handschriftlichem Nachlasse gesam- 

melt und herausgegeben von Ignaz Rkter von Seyfried, Wien 1832. 
418 Wanderer in der Sagemuhle : „Dort unten in der Muhle" von Friedrich 

Wieck, erschienen in: Vier Lieder, bei F. E. C. Leuckart in Leipzig. 
4 *9 Friedrich Dorn, Bouquet musical, Op. 10, Nr. 1 La narcisse (Allegretto, 

B-Dur, 3/4 Takt). - Von Schumann rezensiert in der Neuen Zeitschrift 

fur Musik, Nr. 24, vom 24. 6. 1834, S. 97. 

Vgl. Schumann, Gesammelte Schriften, a. a. O., Bd. I, S. 13 f.; Bd. II, 

S. 209 ff. 

4 20 Dieses von Clara Wieck stammende Thema verwendete Schumann als 
Thema seiner Impromptus Op. 5. 

421 Das satirische fiir die Cholera und gegen die Arzte geschriebene Buch 

470 



Dr. Mises* tragt den Titel: Schutzmittel fur die Cholera, nebst einem 
Anhange, enthaltend die vornehmsten Meinungen der Aerzte iiber den 
Sitz und das Wesen, oder die nachste Ursache, die Contagiosity oder 
Nicb teen tagio skat dieser Krankheit, Leipzig 1832. 

422 Vulfc und Jakobine, Gestalten aus Jean Pauls Roman „Die Flegel- 
jahre". 

423 in der Zei'schrift Iris Nr. 21 vom 25. 5. 1832, S. 82, war unter der 
Uberschrift: „Papillons pour le Pfte. seul, composees par Robert Schu- 
mann. Leipzig, bei Fr. Kistner, Pr. 12 gGr." eine Rezension Rellstabs 
iiber das Werk erschienen, die sich Schumann am Ende dieses „Lebens- 
buches" abgeschrieben hat (s. S. 425 f). 

42 4 Friedrich Wieck hatte nach seiner Scheidung 1824 von Claras Mutter 
Marianne Tromlitz 1828 die Pastorentochter Clementine Fechner ge- 
heiratet. 

425 Paganinis Caprice g-Moll, Presto, bearbeitete Schumann in seinen Stu- 
dien Op. 3 als Nr. 6, Allegro molto. 

426 Es handelt sich um eine Karikatur des tauben Malers Johann Peter 
Lyser mit dem Titel: „Karrikatur auf die Wiener Konzertc 1828". 
Vgl. u. a. Julius Kapp, Paganini, eine Biographie, Berlin 1922; Renee 
de Saussine, Paganini, Milano i960. 

427 Gemeint ist das Vorwort zu den Studien Op. 3 (vgl. Anm. 378). 

42 8 Im Leipziger Tageblatt Nr. 158 vom 6.6. 1832, S. 1659 erschien fol- 
gende Anzeige: „Am 6. Juni Grofies Hornkonzert mit Begl. der Pau- 
ken von den beiden Musikchoren der hier anwesenden leichten Infan- 
terie in Rudolphs Garten. F. A. Riedel." 

429 Robert, der Sohn von Schumanns Bruder Carl in Schneeberg, war am 

4. Juni 1832, kaum einjahrig, gestorben. (Vgl. Anm. 356.) 

430 i m August 1832 erschienen im „Komet" von Schumann „Reminiszen- 
zen aus Clara Wiecks letzten Konzerten in Leipzig". 

Vgl. audi Schumann, Gesammelte Schriften, a. a. O., Bd. II, S. 349 ff. 

43 1 Im Allgemeinen musikalischen Anzeiger Wien Nr. 26 vom 28. 6. 1832, 

5. 101 f., erschien unter der Uberschrift: „I. Theme sur le nom:,Abegg'; 
varie pour le Pianoforte. Pr. 12 gr. II. Papillons, pour le Piano seul, 
composes par Rob. Schumann. Leipzig, chez Fr. Kistner. Pr. 12. gr." 
eine Rezension iiber die beiden Werke, die sich Schumann in dieses 
„Lebensbuch" abgeschrieben hat. (Vgl. S. 426.) 

432 Musik und Philosophic Zeitgemafle Betrachtungen von Theodor 
Mundt. In: Blatter fur literarische Unterhaltung Nr. 242 vom 29. Au- 
gust 1832, S. 1025 ff. und Nr. 243 vom 30. 8. 1832, S. 1029 ff. 

433 Memoires et Souvenirs du Comte Lavalette, 2 Bande, Paris 183 1. 

434 Washington Irving, Bracebridge Hall, 4 Theile, Zwickau, Gebr. Schu- 
mann, 1829. 

435 Auf dem Programm des 1. Abonnementskonzerts am 30. September 
1832 standen: Ouverture zu der Oper „Ulysse und Circe" von B. Rom- 
berg ; Szene und Arie mit Chor aus der Oper „Elisa e Claudio" von G. 
S. R. Mercadante, zum ersten Male (gesungen von H. Grabau) ; Kla- 

471 



vierkonzert Nr. 3, g-Moll, Op. 60 (56) von I. Moscheles (gespielt von 
C. Wieck) ; Cavatine aus der Oper „La gazza ladra" von G. Rossini 
(gesungen von L. Gerhardt) ; Chor und Quartett aus der Oper „Semi- 
ramis" von G. Rossini (gesungen von H. Grabau, Otto, P6go':r f Bode) ; 
Grofie Variationen uber den Jagerchor aus C. M. v. Webe!s Oper 
„Euryanthe" fur Pianoforte solo, Op. 62, von H. Herz (gespieit von C. 
Wieck) ; Sinfonie Nr, 6, F-Dur, Op. 68 von L. v. Beethoven. 
Vgl. Leipziger Tageblatt, Nr. 90, vom 28. 9. 1832, S. 965. 
43( > Es folgt ein Ruckblick auf die Ereignisse seit der letzten Eintragung 
im JLebensbuch": 1832 hatte Schumann den ersten Satz seiner g-Moll- 
Sinfonie vollendet. Seine Freunde Glock und Otto halfen ihm beim 
Ausschreiben der Stimmen. Im November 1832 war er mit Wieck und 
dessen Tochter Clara nach Zwickau zu einem „grofien Concert im Saale 
des Gewandhauses" gefahren, das am 18. November 1832 stattfand, 
in dem Clara Wieck spielte und Schumanns Sinfoniesatz aufgefiihrt 
wurde. Im Januar 1833 half er in Schneeberg Musikdirektor Thierf el- 
der bei der Einstudierung des inzwischen umgearbeiteten Sinfoniesat- 
zes. Die Auffiihrung fand am 12. oder i8.Februar 1833 statt. Wieck 
schrieb iiber die Zwickauer Auffiihrung in Claras Tagebuch : „Erster 
Satz von Schumanns Sinfonie wurde gegeben - aber nicht verstanden. 
Sie machte auch - fiir so ein Publikum wenigstens - zu wenig Effekt - 
ist aber gut gearbeitet und erfunden - aber zu mager instrumentiert" 
Schumann vollendete von seiner g-Moll-Sinfonie drei Satze, von dem 
vierten sind nur Skizzen vorhanden. 

437 Gemeint ist Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 4, B-Dur, Op. 60. 

438 Schumann war Anfang Juli 1833 am kalten Fieber erkrankt. 

439 Di e eben im Druck erschienenen Impromptus Op. 5 schickte Schumann 
Friedrich Wieck zu seinem 48. Geburtstag am 18. August 1833 nach 
Chemnitz, wo er sich gerade mit Clara aufhielt. 

440 Schumanns Schwagerin Rosalie war erst am i8,Oktober 1833 gestor- 
ben. 

441 Schumann wohnte seit Ende 1833 in der Burgstrafle Nr. 139 in Heifers 
Haus, 4 Treppen, und zog dann in den ersten Stock. 

442 Die ers te Nummer der Neuen Zeitschrift fiir Musik erschien am 3. April 
1834- 

443 Ernestine von Fricken, die Wiecks kurz zuvor in Plauen bei einem Kon- 
zert Claras kennengelernt hatten, kam am 21. April 1834 zu Wieck nach 
Leipzig, um bei ihm Klavierstunden zu nehmen. 

444 Clara Wieck reiste im Mai 1834 nach Dresden, um bei Carl Gottlieb 
Reifiiger Theorieunterricht und bei Johannes Aloisius Mieksch Ge- 
sangsstunden zu nehmen. 

445 Zu den Redakteuren der Neuen Zeitschrift fiir Musik gehorten anfangs 
aufier Schumann Friedrich Wieck, Julius Knorr und Ludwig Schunke. 

446 Am 25. Juli 1834 wurde Clara Wiecks Stiefschwester Cacilie getauft, 
Paten waren Schumann und Ernestine von Fricken. Clara war zur Taufe 

472 



nach Leipzig gekommen und reiste am 7. August wieder zuriick nach 
Dresden. 

447 Ernestine von Frickens Vater besuchte mit ihr auf der Riickreise von 
Leipzig nach Asch ini Sommer (August/September) 1834 auch Zwickau. 

448 Am 25. Oktober 1834 war Schumann das erste Mai in Asch zu Besuch, 
fuhr anschliefiend nach Zwickau und kehrte von hier aus rait seiner 
Schwagerin Therese nach Asch zuriick. 

449 In der Allgemeinen musikalischen Zeitung Nr. 31 vom 17. 12. 1834, 
Sp. 860 erschien folgende Anzeige: „Am 7. d, starb hier Hr. L. Schunke 
aus Stuttgart, Pianofortevirtuos und Componist, an einer Brustkrank- 
heit, 24 Jahrealt." 

450 Am 11. November 1834 trat Wieck mit Clara und in Beglekung von 
Carl Banck eine Konzertreise an, die sic nach Magdeburg, Schonebeck, 
Halberstadt und am 18. Dezember nach Braunschweig fiihrte, wo Clara 
mehrere Konzerte gab. Am 17. Januar 1835 ging die Reise weiter iiber 
Hannover und Bremen nach Hamburg. Von hier reisten sie am 10. April 
iiber Berlin nach Leipzig zuriick. 

Vgl. Litzmann, a. a. O., Bd. I, S. 78. 

451 Schumann war seit Ende 1834 Besitzer der Neuen Zeitschrift fur Mu- 
sik und seit Januar 1835 ihr Alleinherausgeber. 

452 Mit Beginn des 2. Jahrganges ging die Neue Zeitschrift fur Musik aus 
der Verantwortlichkeit des Verlegers Hartmann in den Kommissions- 
verlag des Buchhandlers Barth iiber. 

453 Von Mitte Dezember 1834 an wohnte Schumann in der Quergasse 
Nr. 1246 bei den Geschwistern Dumas, 

454 Schumann erfuhr erst im August 1835, daft Ernestine ein illegitimes 
Kind des Hauptmanns Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken war und 
von ihm 1834 formell adoptiert worden war. 

455 Nachweisbar sind in Schumanns eigenhandigem Kompositionsverzeich- 
nis nur die unveroffentlichten „Etiiden iiber das Allegretto aus der 
A-Dur Symphonie von Beethoven (ungedruckt)". 

456 Schumann reiste im August 1835 nach Zwickau. 

457 Felix Mendelssohn Bartholdy war am 30. August 1835 von Berlin kom- 
mend in Leipzig eingetroffen, um seine Stellung als Direktor der Ge- 
wandhauskonzerte anzutreten. Er wohnte im Vordergebaude von Rei- 
chels Garten. 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 243 vom 31. 8. 1835, S. 2208 (Torzettel). 

458 Frederic Chopin war in der Nacht zum 27. September 1835 fur einen 
Tag auf der Durchreise von Karlsbad kommend in Leipzig abgestie- 
gen. Auf dem Torzettel 1st vermerkt: „Hr. Partic. Chopin, v. Paris, im 
Hotel de Saxe". 

Vgl. Leipziger Tageblatt Nr. 271 vom 28. 9. 1835, S. 2547. 

459 Clara Wieck unternahm am 26. November 1835 eine Konzertreise nach 
Zwickau, Plauen, Glauchau und Chemnitz. Am 6. Dezember spielte sie 
im Zwickauer Gewandhaus. Schumann weilte seit dem 4. Dezember in 
Zwickau und war bei diesem Konzert anwesend. 

473 



Vgl. Litzmann, a. a, O., Bd. I, S. 92. 

460 Friedrich Wieck hatte am 14, Januar 1836 Clara wieder zu langerem 
Aufenthalt nach Dresden geschickt. Schumann nutzte Wiecks voriiber- 
gehende Abwesenheit von Dresden, um zwischen dem 7. und 11. Fe- 
bruar nach Dresden zu fahren und Clara zu sprechen. 

Vgl. Litzmann, a. a. O., Bd. I., S. 96. 

461 Am 23. Februar 1836 verliefi Friedrich Wieck mit Clara Dresden, um 
iiber Gorlitz nach Breslau zu fahren, wo sie sich vom 28. Februar bis 
zum 3. April 1836 aufhielten, von hier kommend trafen sie am 5. April 
wieder in Leipzig ein. 

Vgl. Litzmann, a. a. O., Bd. I, S. 99 f. 

462 Seit Juli 1835 hatte Schumann in der Halleschen Gasse Nr. 462 ge- 
wohnt und war 1836 in die Ritterstrafie ins Rote Collegium gezogen, 
wo er bis zu seiner Verheiratung 1 840 blieb. 

463 Di e Phantasiestucke Op. 12 widmete Schumann der jungen Englanderin 
Anna Robena Laidlaw. Die Pianistin hielt sich 1837 in Leipzig auf und 
gab am 2. Juli d. J. eine Matinee im Gewandhaus, in der sie Adagio 
und Rondo aus dem Klavierkonzert cis-Moll von F. Ries; einige Etii- 
den aus Op. 22 von L. Berger; Caprice (Der Geistertanz) von F. HU- 
ler; Etude c-Moll, Op. 12, von F.Chopin und Variationen iiber den 
Marsch aus Verdis „Otello" von H. Herz spielte. Unterstiitzt wurde 
sie in diesem Konzert von dem Konzertmeister David und dem Hof- 
opernsanger Hammermeister. 

Vgl, Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig Nr. 40 vom 4. io. 1837, 
Sp. 655 ft*. 

46 4 Carl Banck verliefi im Mai 1837 Leipzig. 

465 Robert Friese verlegte die Neue Zeitschrift fur Musik von 1837 bis 
1851. 

466 Ober das Konzert Clara Wiecks am 13. August 1837 erschien in der 
Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig Nr. 40 vom 4. Oktober 
1837, Sp. 655 ff., folgende Besprechung: „Am I3ten August hatte Fraul. 
Klara Wieck im Saale der Buchhandlerborse eine musikalische Morgen- 
unterhaltung veranstaltet, deren beide Abtheilungen von Quartetten 
fur Mannerstimmen eingeleitet wurden. Die K. Hannoversche Hofsan- 
gerin Fraul. Franchetti sang etn Lied von Keil und Stegmayer, worauf 
die Concertgeberin ein Divertissement iiber die Cavatine von Pacini: 
Jtuoi frequenti palpiti' von Liszt Op. 5 spielte; Lieder von Reissiger 
folgten, von Hrn. Kammersanger Kruger aus Dessau gesungen, nach 
welchen Fraul. Marie Wolf ein Gedicht sprach. Drei Etudes sympbo- 
niques, op. 13, von Robert Schumann, Notturno aus H-Dur von Cho- 
pin, und Andante mit Allegro von Adolph Henselt machte den Schlufi 
des ersten Theils. Alles wurde mit ausgezeichneter Bravour und mit 
besonderer Liebe die Etudes symphoniques von R. Schumann gespielt 
und mit grofiem Applaus aufgenommen, wie wir berichtet wurden . . . 
Fraul. Aug. Werner sang Mendelssohn-B.'s Suleika und das Veilchen. 
Nach 2 Etuden, aus Fis-Dur und Es-moll, von Adolph Henselt, ge- 

474 



spielt von der Concertgeberin, sang Herr Swoboda, Mitglied unseres 
Stadttheaters, 2 Lieder von Stegmayer, und Concert- Variationen iiber 
die Cavatine aus Bellinis ,Pirat' ? von der Concertgeberin komponirt 
und vorgetragen, machten den Beschlufi. Die bedeutenden Schwierig- 
keiten desselben wurden sehr fertig iiberwunden und nach Verdienst 
anerkannt." 

467 Am 13. August war Schumann mit Clara Wieck iiber den gemeinsamen 
Freund Ernst Adolph Becker erstmals brieflich wieder in Verbindung 
getreten. In dem Brief bat er sie urn ihr „Ja", das sie ihm am nachsten 
Tag gab. 

Vgl. Lltzmann, a. a. O., Bd. I, S. 116 f. 

468 In der Zeitschrift Iris Nr. 8 vom 24. Februar 1832, S. 31 f., erschien 
diese Rezension von Rellstab unter der Oberschrift:: „Theme sur le nom 
Abegg, varie pour le Pfte. et dedie a Mile. Pauline, comtesse d' Abegg 
par R. Schumann. Leipzig, chez F. Kistner. Pr. 12 gGr." 

469 Die folgende Kritik Rellstabs erschien in der Iris Nr. 1 vom 4. Januar 
1833, S. 3 f., unter der Oberschrift: „Etiiden fur das Pfte, nach den 
Capncen von Nicolo Paganini, von R. Schumann. Leipzig, bei Fr. Hof- 
meister, Pr. 1 Thlr. 4 gGr." 

470 Vgl. Anm. 436- 

471 Im Allgemeinen musikalischen Anzeiger Wien Nr. 10 vom 7. Marz 
1833, S. 37 £., erschien die folgende Rezension mit dem Signum ,,76" 
unter der Oberschrift „Etudes pour le Pianoforte, d'apres les Caprices 
de Paganini; par R. Schumann. Lcipsic, chez Hofmeister. Pr. 1 Thlr. 
4 Gr." 

472 In der Allgemeinen musikalischen Zeitung Leipzig Nr. 37 vom n. Sep- 
tember 1833, Sp. 613-617, erschienen folgende Rezensionen unter 
den Oberschriften: „Etudes pour le Pianof. d'apres les Caprices de 
Paganini, avec doigter, exercices preparatifs et avant-propos sur le but 
que l'editeur s'y propose. - Studien fur das Pianof. nach Capricen von 
Paganini bearbeitet mit Fingersatz, vorbereitenden Obungen und einem 
Vorwort iiber ihren Zweck von R. Schumann," Leipzig bey Frdr. Hof- 
meister. Pr. 1 Thlr. 4 Gr. 

Theme sur le nom ,Abegg* varie pour le Pianoforte - par R. Schu- 
mann, Leipzig chez Fr. Kistner. Pr. 12 Gr. 

Impromptus sur une Romance de Clara Wieck pour le Pianof. Oeuv. 5 
Leipzig, chez Fr. Hofmeister, Schneeberg chez. Ch. Schumann. 
Pr. 18 Gr. 
Papillons pour le Pianoforte seul. Lie. 1. Ebendaselbst Pr. 12 Gr." 

47 3 Schumanns Impromptus Op. 5 tragen keine Widmung. Er hat Friedrich 
Wieck keines seiner Werke dediziert. 



Verzekhnts 
der erwdhnten Kompositionen 



Abegg-Variationen (Theme sur le nom ,Abegg* varie pour le Pianoforte), 
Op. i, urspriinglich fur Orchester gedacht, komponiert 1829/50 in Hei- 
delberg, erschienen 1831 bei Friedrich Kistner, Leipzig 228, 372, 373, 
376, 377. 378, 412, 424> 427. 431 

Acht Bilder nach den Symphonien Beethovens, Florestiana (Plan) 381 

Allegro h-Moll, komponiert 1831 als „ister Satz einer Sonate", dann er- 
schienen 1835 bei Friese, Leipzig, als Op. 8 „dedie a Mademoiselle la 
Baronne Ernestine de Fricken" 420 

2 Burle 413 

Concert sans orchestre, Op. 14, komponiert 1836 und erschienen 1836 bei 
Haslinger, Wien 422 

Drei satyrische Fugen mit Schlufichor an die Fantaisie 379 

Erinnerung (Text: J. G. Jacobi), Lied, in: 11 Lieder, Op. II 114 

Grofie Etude a quatre voix 413 

Etiiden zu vier Handen (Plan) 381 

Etuden in Form freier Variationen iiber ein Beethovensches Thema („iiber 
das Allegretto aus der A-Dur Symphonie von Beethoven") 1833 422 

Etudes symphoniques (Etudes en forme de Variations), Op. 13, dedtees 
a Mr. William Sterndale Bennett, komponiert 1834/35, erschienen 1837 
bei Haslinger, Wien 420, 421 

Exercice 329, 336 

Exercice en doubles sons 418 

Exercice fantastique dedi£ a Mr. J. G. Kuntsch par son eleve, Januar 1832 
konzipiert, ausgearbeitet im Juli 381, 394,411,412 

Fandango, Fantaisie rhapsodique pour le Pianoforte dedi6 a Wil. de la 
Liihe, komponiert August/September 1832 401, 402, 413 

Fandango fis-Moll 379 

Fantaisie rhapsodique 379 

Fantaisie satyrique nach Henri Herz 387, 389, 391 

Fantasine XII 411 

Fischer (Text: J. W. v. Goethe), Lied, in: 11 Lieder, Op. II 171 

Hirtenknabe (Text: Ekert), Lied, in: 11 Lieder, Op. II 114, 123 

Idyll e fiir Klavier 413 

Impromptus (Impromptu sur une Romance de Clara Wieck pour le Piano- 
forte), Op. 5, komponiert 1833, erschienen 1833 bei Carl Schumann, 

477 



Schneeberg, „auf Costen des Komponisten" und bei Friedrich Hofmei- 
ster, Leipzig 419, 432 

Intermezzi, Op. 4, dedicati al Sign. Kalliwoda, komponiert 1832, erschie- 
nen 1833 bei Friedrich Hofraeister, Leipzig 381, 386, 389, 390, 394. 
402, 408, 410, 412, 419 

Karnaval (Scenes mignonnes sur 4 Notes), Op. 9, dedie a Ch. Lipinski, 
komponiert 1834/35, erschienen 1837 bei Breitkopf & Hartel, Leipzig 
421 

Klage (Text: J. G. Jacobi), Lied, in: 11 Lieder, Op. II 114 

Klavierkonzert (F-Dur), 1830 in Heidelberg begonnen, in Zwickau fort- 
gesetzt, unvollendet 330 (Mittelsatz) , 330, 332, 360, 361, 362, 376, 413 

Klavier-Quartett c-Moll, komponiert 1828 124 (?) 

Konzert Es-Dur 1 5 7 

Lieder 109, 112, 114, 119, 170 

Lieder nach Gedichten von Kerner, komponiert 1826/27 95. 365 

Musikalische Gedichte mit unterlegten Liedern von H. Heine 417 

Papillons pour le Pianoforte dedie a Therese, Rosalie et Emilie, Op. 2, 
komponiert 1829/30 und 1831, erschienen 1832 bei Friedrich Kistner, 
Leipzig 373, 377, 378, 382, 383, 384, 3«7» 594, 395. 397. 398. 399. 401, 
405,407,425,426, 427,432 

Papillons, 2. Heft 385, 401, 413 

Phantasiestucke, Op. 12, Miss Anna Robena Laidlaw zugeeignet, kompo- 
niert 1837, erschienen 1838 bei Breitkopf & Hartel, Leipzig 422 

Polonaisen, acht vierhandige Polonaisen, komponiert 1828 124, 125, 128, 
152, 156, 208, 209 

Quartett, f-Moll, Op. V, komponiert 1829 172, 174, 175, 176, 179, 180, 
182, 183, 184, 223 

Quartett, zur Sinfonie umgearbeitet 214 

Romanze £-Moll 172 

Rondeau in B 381 

Rondoletto 413 

Scene f iir Klavier 4 1 8 

Sinfonie 214, 215 

Sinfonie g-MolI, komponiert 1. Satz 1832, 2. und 3. Satz 1833 in Zwickau 
und Schneeberg 416, 417, 428 

Sonate h-Moll (vgl. Allegro h-Moll) 379 

Sonate fis-Moll, Op.n, dediee a Clara Wieck, komponiert 1833/35, er- 
schienen 1836 bei Friedrich Kistner, Leipzig 412, 422 

Sonate g-Moll, Op. 22, Madame Henriette Voigt zugeeignet, komponiert 
1833/35, erschienen 1839 bei Breitkopf & Hartel, Leipzig 421 

12 Sonaten 418 

Studien fur das Pianoforte nach Capricen von Paganini bearbeitet, mit 
Fingersatz, vorbereitenden Obungen und einem Vorwort uber ihren 
Zweck, Op. 3, entstanden 1832, erschienen 1832 bei Friedrich Hofmei- 
ster, Leipzig 379, 384, 389 (?), 394, 401, 403, 404, 405, 406, 407, 408, 
410,418,427,429 

478 



Toccata in C, Op. 7, 1829/30 in Heidelberg begonnen, 1835 beendet, er- 
schienen 1834 bei Friedrich Hofmeister, Leipzig 153, 159, 160, 166, 420 
Variationen 133, 152 

Variationen zum Glockchen-Thema von P. Pixis 372 
Variationen iiber den Preziosa-Marsch von C. M. v. Weber 372 
Variations pathetiques 4 1 8 
Vier ganz elegante Bluthen nach E. 381 






Verzeichnis der erwdhnten 
liter arisdien Werfye 



Abalard und Heloise, dramatischer Versuch 339 

Abendwehmut, Gedicht, entstanden am 26. Januar 1827. Zusammengebun- 
den mit „AllerIey aus der Feder Roberts an der Mulde" (Robert-Schu- 

mann-Haus Zwickau, Signatur ] 31,76 



Alpenmenschen, Gedicht, entstanden 1830 322 

An sie, Gedicht 3J 5—3 57 

An Weber aus Triest, Gedicht 340 

Bergwerke zu Falun von E. T. A. Hoffmann, Opernlibretto (Plan) 337 

Blumenfeuer. An H., entstanden 1830, in: „Allerley aus der Feder Roberts 
an der Mulde" 322 

Caeciliana 372 

Coriolanus, Dramatisches Gedicht, vorhanden 1. Akt, 1. Szene 22 

Das Leben des Dichters, Rede, gehalten am 12. September 1827 (verof- 
f entlicht in : Gesammelte Schriften iiber Musik und Musiker von Robert 
Schumann, hrsg. von Martin Kreisig, Leipzig 5 i9i4, Bd. II, S. i8iff.) 

78. 79 
Davidsbiindler, Aufsatz (veroffentlicht in: Gesammelte Schriften, a. a. O., 

Bd. II, S. 260ft.) 419 
Der Ball am i6ten Januar, Gedicht 26-29 
Der Rigi 322 
Dichterleben 322 
Die Gespielinnen des Jiinglings, Gedicht, entstanden am 8. Marz 1827, 

in: „AllerIey aus der Feder Roberts an der Mulde" 322 
Die Montalti, Trauerspiel von Robert Schumann, angetangen im Januar 

1827, vorhanden 1. Akt, 1. und 2. Szene 22 
Die Ruhe, Gedicht, entstanden am 29. Juni 1827, in: „Allerley aus der 

Feder Roberts an der Mulde" 323 
Die Wunderkinder, Romanplan 342, 359 
Doge und Dogaresse von E. T. A. Hoffmann, Opernlibretto, ausgefuhrt 

1840 372 
EinfluJB der Einsamkeit auf die Bildung des Geistes und die Veredelung 

des Herzens, Schulaufsatz (veroffentlicht in: Gesammelte Schriften, 

a. a. O., Bd. II, S. i86ff.) 77 
Elegien, Fritz Weber gewidmet 417 

480 



Florestan 381, 382 

Gedichte (allgemein) 224 

Ich ging, ich kam, Gedicht 195-196 

Ja, wie ein Schicksal griff st Du in mein Leben, Gedicht 169 

Juniusabende, eine Idylle 98, 99, 105, 113, 115 

Mild, wie du bist, Gedicht 153, 154 

Musikalische Zeitschrift 417 

Musikalischer Roman 379 

Neue Zeitschrift fur Musik 420, 421, 422 

Philister und Lumpenkonig, Biographische Skizze von Tizian 334 

Philomela, Gedicht, entstanden am 30. Juni 1827, in: „Allerley aus der 

Feder Roberts an der Mulde" 322 
Poetische Biographie Hoffmanns, Plan 356 
Polymeter (fiir Agnes Carus) 91 
Raupe und Schmetterling, Gedicht, entstanden 1830, in: ..Allerley aus der 

Feder Roberts an der Mulde" 323, 340 
Reminiszenzen aus Clara Wiecks letzten Konzerten in Leipzig, fiir den 

Kometen (veroffentlicht in: Gesammelte Schriften, a. a. O., Bd. II, 

S. 349*5-) 4I2.4I4 
Rezension iiber Chopin „Ein Werk II." 334, 344, 351, 371, 376 
Rosenthaler Gesprache fur den Kometen 335 
Schmetterlinge, Gedicht, 1830 entstanden, vermutlich als Gedichtzyklus 

geplant: Schmetterlinge von Tizian (Robert-Schumann-Haus Zwickau, 

c* . 487i\ 

Signatur 1 322, 340 



487A 
11, 1) 



Selene, Erzahlung 149 

daraus : Harmonika-Altarblatt 1 36-1 38 
Mitternachtsstuck 1 34-1 36 
Nachtphalane 145 
Vorabende 1 3 9- 1 40 
Vorfruhling 146 
Sonnenblume und Viole, Gedicht, entstanden 1830, in: „AIlerley aus der 

Feder Roberts an der Mulde" 323 
Tasso, Gedicht, entstanden 1829 (Robert-Schumann-Haus Zwickau, Signa- 



4871 \ 
1.4.17/ 



323 



31 Schumann, Ta;ieb. 1 481 



Personenregister 



Abalard, Peter (1079-1142), scholastischer Philosoph und Theologe, be- 
kannt durch den Briefwechsel mit Heloise, Nichte des Kanonikus Ful- 
bert 332, 336 

Abegg, August (geb. 1805 Heidelberg), studierte seit 1. 5. 1824 in Hei- 
delberg Medizin, oder sein Bruder Otto (geb. 1809 Heidelberg), stu- 
dierte seit 23. 10. 1827 in Heidelberg Cameralwissenschaft, Sonne des 
Kirchenrates A. in Heidelberg 225, 227, 233, 295 

Abegg, Meta Comtesse von (1810-1834), Tochter des Elbinger Stadtrates 
Jakob A., Pianistin, Widmungstragerin der „Abegg"-Variationen 228 

Abendroth, Alexander von (geb. 1808 Koessern b. Colditz), studierte 
vom 21. 5. 1827 bis 7. 5. 1829 in Leipzig, seit 30. 6. 1829 in Heidelberg 
Jura 220 

Abraham a Santa Clara (1644-1709) 391 

Abrantes, Herzogin von = Laurette des Saint-Martin-Permon Junot, Her- 
zogin von Abrantes (1 784-1 838) 390, 403, 437 

Abrecher, Justiziar, Davidsbundlername von Moritz Semmel 

Addington, Henry, Viscount Sidmouth (175 5—1844), britischer Staats- 
mann 391 

Addison, Joseph (1672-1719), englischer Dichter und Staatsmann 120 

Aeckerlein, Johann Jakob (1776-1841), verheiratet mit Karoline geb. Pret- 
zelt (1785-1832), Weinschanker in Leipzig 392, 393 

Agnes in Leipzig 177 

Aken, Hermann von, Besitzer einer Menagerie, aus Holland 195, 399 

Alcutam [?], Student in Heidelberg (nicht nachweisbar) 199 

Alexander, Prinz 55, 57, 279 

Alexis, Wilibald, Pseudonym: Wilhelm Haring, (1798-1871) 45, 46, 47, 
48,-201, 273, 295, 366 

Alfieri, Vittorio Graf (1749-1803), italienischer Dramatiker 207, 235, 
254,155*258,267 

Alippi, Carl Baptista (1808-1856), Sohn von Johann Baptista A., studierte 
vom 28. 10. 1828 bis 13. 5. 1830 in Leipzig Jura, dann Advokat in 
Leipzig und Dresden 130, 133, 147, 195 

Alippi, Johann Baptista (1781-1846), Wein- und italienische Warenhand- 
lung in Leipzig, Markt 194/5 134, 138, 183 

Allan-Carradori (geb. 1803 Mailand), Tochter des Baron von Munck, 
nahm den Namen ihres Gesanglehrers Carradori an, heiratete den Eng- 

482 



lander Allan, sang auf vielen Buhnen Europas und zog sich 1840 von 

der Buhne zuriick 310 
Anacreon (geb. urn 540 v. u. Z.), griechischer Lyriker 112 
Anderson, Johann Wilhelra (geb. 1807 Hamburg), studierte in Gottingen, 

dann ab 30. 11. 1827 in Heidelberg Jura, starb als Leutnant der fran- 

zosischen Fremdenlegion in Spanien 202, 206, 213, 216, 218, 219, 221, 

224* 225. 226, 227, 228, 231, 232, 233, 235, 236, 238 
Andre\ Johann Anton (177 5 -1842), Komponist, Musikalienhandler in 

Offenbach; kaufte 1800 den gesamten hands chriftlich en Nachlafi W. A. 

Mozarts und stellte ein thematisches Verzeichnis zusammen. Die von 

ihm 1828 in Frankfurt am Main gegriindete Niederlassung iibernahm 

1835 sein Sohn Karl August (1806-1887), der 1839 auch eine Klavier- 

fabrik griindete 46, 280 
Anfossi, Pasquale (172 7- 17 97), italienischer Opernkomponist, Schiiler Pic- 

cinis 282 
Anthom, Ludwig 358, 359 
Anton, Violinist 306 
Arends, Student aus Berlin 49 
Argyle, Lord d* (Argyll), schottischer Adelstitel, den das jeweilige Haupt 

des anglonormannischen Geschlechts Campbell tragt 295 
Arnold, Carl (1794-1877), Komponist, Schiiler von J. A. Andre* und J. G. 

Vollweiler in Frankfurt am Main, lebte 1824/35 in Berlin 146 
Arnold, Georg Joseph (geb. 1805 Aschaffenburg), studierte sett 7. 11. 1829 

in Heidelberg Cameralwissenschaft 220 
Arnold, Rudolph (geb. 1808 Stolpe/Pommern), studierte erst in Berlin, 

seit 21. 10. 1829 in Heidelberg Jura 220, 222, 224, 229, 231 
Asop, griechischer Fabeldichter des 6. Jh. v. u. 2. 236 
Aschar (Ascher), Philipp (geb. 1809 Soldin/Neumark), studierte erst in 

Berlin, seit 9. 5. 1829 in Heidelberg Jura 213, 216, 218, 221, 232, 233, 

234,236 
Auber, Daniel Francois Esprit (1 784-1 871), franzosischer Opernkompo- 

nist 217 
Auberlen, moglicherweise Samuel Gottlob A. (1758-1829), seit 1817 Or- 
ganist und Musikdirektor am Miinster zu Ulm 63 
Auerswald, Georg (geb. 18 10 Wernesgrun/Sachsen), studierte zuerst vom 

23. 5. 1829 bis 24. 3. 1830 in Leipzig, dann ab 29. 5. 18.30 in Heidelberg, 

anschliefiend wieder vom 25. 5. 183 1 bis 7. 7. 1832 in Leipzig Jura und 

gingam 17. 11. 1835 nach Auerbach 290, 291, 324 

Baar, siehe Bahr 

Bach, August Wilhelm (1796-1869), Kirchenmusiker, Organist, 1822 Leh- 
rer und 1832 Musikdirektor des koniglichen Musikinstituts Berlin als 
Nachfolger Zelters; Mendelssohn Bartholdys Orgellehrer 309 

Bach, Carl Philipp Emanuel (1714-1788) 395 

Bach, Johann Sebastian (168 5-1750) 175, 199, 375, 389, 394, 395, 396, 
399* 40o 



SI* 



483 



Backofen, Pianistin 283 

Baggesen, Jens (1764-1826), Dichter 391 

Bahr, Robert (geb. 1809 Militsch/Schlesien), studierte erst in Breslau, seit 

24. 10. 1829 in Heidelberg Jura 210, 216, 220, 226, 227, 229, 232, 233, 

234,235,237.238,248, 324 
Bamberger, Wilhelm, Chemiker in Zwickau 39, 159, 189 
Banck, Carl (1809-1889), Liederkomponist, Musikkritiker, Mitarbeiter der 

Neuen Zeitschrift fur Musik; studierte in Berlin bei B. Klein und L. 

Berger, bei F. Schneider in Dessau 109, 111, 366, 420, 421, 422 
Bankmin, siehe Pankmin 

Baroccio, Federigo (1 535-1612), italienischer Maler 282 
Barth, Anton (geb. 181 1 Bayreuth), studierte erst in Miinchen, seit 6. n. 

1828 in Heidelberg Jura 212 
Barth, Wilhelm Ambrosius (geb. 1790, gest. 185 1 durch Erhangen), Buch- 

handler, Verleger der Neuen Zeitschrift fiir Musik 1835/37; verheiratet 

mit Auguste Friederike geb. Wilde (geb. 1804) 34, 54, 312, 405, 421 
Barth, Wilhelm Lebrecht (1775 -1849), Stadtmusikus, Flotist in Leipzig, 

verheiratet mit Wilhelmine Louise Amalie geb. Karisch (1785-1832). 

Sein Sohn Friedrich August Wilhelm (geb. 181 3), Stadtpfeifergeselle, 

ging 1837 als Musikdirektor des Leibinfanterieregiments nach Dresden, 

1839 als Stadtmusikdirektor nach Glauchau 183 
Barthel, Christian Wilhelm (geb. 1804 Greiz), studierte in Leipzig vom 

18. 5. 1825 bis Ostern 1827 Jura, wurde auf ein halbes Jahr mit consilio 

abeundi belegt, ging nach Altenburg, studierte dann in Leipzig vom 

29. 9. 1 827 bis August 1 8 30 weiter, anschlieGend zuriick nach Altenburg 177 
Barthel, Johann Christian (1776-1831), von 1804 bis 1831 Hoforganist in 

Altenburg 148, 366, 388 
Bassermann, Friedrich D. (geb. 1811 Mannheim), studierte seit 7. 11. 1829 

in Heidelberg Philosophic 230, 237 
Bauer, Carl Friedrich (geb. 1808 Heidelberg), studierte seit 10. 5. 1828 in 

Heidelberg Cameralwissenschaft. Sohn des Wirtes „Zum frohlichen 

Mann" in Heidelberg 222, 225 
Bauer, Georg Robert (geb. 1808 Schneeberg), studierte vom 19. 5. 1827 bis 

13. 3. 1830 in Leipzig Jura und ging dann nach Freiberg 186, 187, 

190, 191, 193 
Bauer, Marie, in Schneeberg, vermutlich verwandt mit Georg Robert B. 

377 
Baumgarten, Hermann (geb. 1808 Reichenbach), studierte vom 2. 5. 1826 

bis 17. 1. 1829 in Leipzig Jura 158 
Baumgartner, Madchen in Leipzig 177, 183 
Bausset-Roquefort, Louis Francois Joseph de (1770-1830), Vorsteher des 

Kaiserpalastes 174 
Bayer, Franz, Wiener Jnstrumentenbauer 149, 159 
Becher, Wilhelm Theodor Moritz (geb. 1812 Miihlberg), studierte vom 

22. 5. 1829 bis 27. 3. 1833 in Leipzig Theologie, wurde Magister und 

ging am 13. 4- 1833 nach Dresden 152 

484 



Beck, Carl, seit 1826 Stadtschreiber, 1830 Kommandant der Kommunal- 
garde in Schneeberg, seit 1820 verheiratet mit Ernestine Erdmuthe geb. 
Richter 195, 378 

Bcckar, Maria 366 

Becker, Carl Ferdinand (1804-1877), Musikschriftsteller, seit 1825 Orga- 
nist an der Peterskirche in Leipzig, seit 1837 an der Nikolaikirche zu 
Leipzig, 1843 Professor fur Orgelspiel am Leipziger Konservatorium, 
zog sich 1856 von seinen offentlichen Amtern zuriick. Er war Mitarbeiter 
der Neuen Zeitschrift fur Musik 366 

Becker, Ernst Adolf (1798-1874), verbrachte seine Jugend in Schneeberg 
und Freiberg, studierte vom 20. 10. 1818 bis 10. 9. 1821 in Leipzig Jura; 
wurde 1834 Untersuchungsrichter am Bergamt Freiberg, 1836 Sekretar 
im Sachsischen Finanzministerium in Dresden, bald aber wieder am 
Bergamt in Freiberg. B, war schon friih der Vertraute von Clara Wieck 
und Schumann. Schumann widmete ihm die Nachtstucke Op. 23. Sein 
Sohn Ruppert B. war 1852/54 unter Sch. Konzertmeister in Diisseldorf 
378, 416,417,422 

Becker, Gottfried Wilhelm Dr., Arzt, „Ehrenmitglied der Pariser medizi- 
nischen Fakultat, Mitglied der universal Gesellschaft in Jena und der 
Gesellschaften von Arzten In Altenburg" 389 

Becker, Konstantin Julius (1811-1859), Komponist, Musikschriftsteller, 
Schiiler C. F. Beckers, studierte in Leipzig Philosophic Er war Mit- 
arbeiter der Neuen Zeitschrift fiir Musik 366 

Beelitz, Otto Maximilian (geb. 1809 Berlin), studierte seit 21. 10. 1829 in 
Heidelberg Jura, starb als Geheimer Regierungsrat in Frankfurt an 
der Oder 220, 222, 229 

Beethoven, Ludwig van (1 770-1 827) 97, 104, 119, 128, 138, 146, 148, 
155, 167, 170, 171, 173, 174, 176, 179, 180, 183, 185, 207, 208, 218, 221, 
225, 230, 375, 383, 388, 389, 39L 392, 394, 396, 398. 403, 4^0, 411. 4M, 
416, 421 

Behr 58 

Bekker, F., in Hof 55 

Belcke, Christian Gottlieb (1796-1875), Musiklehrer, 1819/32 Florist im 
Leipziger Gewandhausorchester, 1834/41 Kammermusiker in Altenburg 
176, 303 

Belleville, Anna Caroline de (1808- 1880), Pianistin, seit 1831 verheiratet 
mit dem Violimsten Antonio Janus Oury (1800-1883). Schiilerln Carl 
Czernys und J. A. Stretchers in Wien, wo sie 1819 debiitierte, daraufhin 
erfolgreiche Reisen durch Deutschland, Frankreich, Italien und RuGlahd. 
Gait neben Leopoldine Blahetka als beliebteste Pianistin der i82oer 
und i83oer Jahre 313, 366, 372, 381 

Bellini, Vincenzo (1801-1835), italienischer Opernkomponist 256 

Ben, Minchen 405 

Benda, Franz (1769-1786), Violinist und Komponist, sein Bruder Georg 
(1722-1795) war ebenfalls Komponist 281 

485 



Benecke, Victor (geb. 1809 Hamburg), studierte seit 23. 10. 1828 in Hei- 
delberg Theologie 220, 282, 382 

Benincasa, Giovanni (1783-1835), Bafi-Buffo, 1830/33 an der italienischen 
Oper in Dresden, die auch Leipzig bespielte, nach deren Auflosung 
1833/35 an der Dresdner Hofoper, aufierdem auf Lebenszeit Kirchen- 
sanger an der romisch-katholischen Hofkirche 332 

Bennecke aus Dermoid 314 

Bennett, William Sterndale (1816-1875), englischer Komponist, kam 1836 
auf ein Jahr nach Leipzig, wo er zu Schumann und Mendelssohn Bar- 
tholdy in freundschaftliche Verbindung trat. Schumann widmete ihm die 
12 Symphonischen Etiiden, Op. 13 422 

Bensinger, Carl (geb. 1807 Mannheim), studierte seit 2. 11. 1827 in Hei- 
delberg Medizin 220, 237 

Berend, Komponist 306 

Berend, Bernhard Ludwig (geb. 1808 Potsdam), studierte erst in Berlin, 
seit 30. 10. 1828 in Heidelberg Jura 203 

Bergen, Gustav, Musikkritiker in Leipzig 302, 313, 367, 419 

Berger, Ludwig (1777^1839), Komponist, Schiiler M. Clementis. Seit 181 5 
in Berlin als geschatzter Lehrer, seine Schiiler u. a. Mendelssohn Bar- 
tholdy, Taubert, Henselt, Fanny Hensel, K. Banck, G. Nottebohm, Hen- 
rietta Voigt, Dorn. Schumann lernte ihn 1831 im Hause Friedrich Wiecks 
kennen. 1836 besuchte Berger Schumann 344, 378, 406 

Bergmann 367 

Beriot, Charles-Auguste de (1802-1870), belgischer Violinvirtuose und 
Komponist 184 

Berkenbusch, blinder Flotist aus Hannover 305, 307 

Berlioz, Hector (1 803-1869), franzosischer Komponist 308, 421 

Bermann (?), Pianistin 402 

Berndt, Johann Traugott (geb. 1807 Gersdorf/Bezirk Chemnitz), stu- 
dierte vom 17. 5. 1828 bis 6. 7. 1831 in Leipzig Theologie 144 

Bernhardt, Julius, Verwandter von Louise Marbach 192 

Bernuth, Ernst von (geb. 1810 Miinster), studierte seit 31. 10. 1829 in 
Heidelberg Cameralwissenschaft 229 

Bertin, Louise-Angelique (1 805-1 877), franzdsische Kompomstin, Dichte- 
rin, Malerin, schrieb 3 Opern, Lieder, Chore, Streichquartette 303 

Bertoni, Ferdinando Giuseppe. (1725-1813), italienischer Komponist 282 

Bertrand, Aline (1798—183 5), Harfenistin aus Paris 167 

Bethmann, Simon Moritz (1768-1826), Bankier und Kunstfreund in Frank- 
furt am Main. Nach seinem Tod iibernahm sein Sohn Philipp Heinrich 
Moritz Alexander (1811-1877) die Leitung des Hauses 46 

Betz, Tischlermeister in Leipzig, Alter Neumarkt 35 

Beutler, Friedrich Moritz (geb. 1809 Netzschkau), studierte vom 2. 8. 1827 
bis 2 3 . 7. 1 8 3 1 in Leipzig Theologie 133, 153 

Beyer, Carl August, Chemiker in Zwickau, Direktor der chemischen Fabrik 
Devrient & Comp., seit 1826 verheiratet mit EmilieAuguste geb.Stolzel, 
ging 1833 in die Schweiz 189, 378 

486 



Beyer, Emil, vermutlich verwandt mit obigem 394 

Bey land. Grafin 342 

Bissinger, Carl (geb. 181 1 Mannheim), studierte seit 4. ix. 1829 in Hei- 
delberg Theologie und Philologie 2 1 7, 220, 22 1 

Bleichroth, Pianistin aus Mannheim 216, 378 

Bodmer, Ludwig, aus dem Elsafi stammend, Schumanns Franzosischlehrer 
in Zwickau 22 

Bohme in Zwickau 50 

Bonner, Student in Leipzig. Nur nachweisbar August Nathanael B. (geb. 
1809 Triigleben bei Gotha), studierte in Leipzig laut Matrikeleintragung 
vom 29. 5. 1832 bis 31. 12. 1833 Theologie 115, 116, 117, 120, 130, 
132, 170, 180, 194 

Bonner, Johann Ludwig (1787- 1860), Komponist, 1805/08 in Gotha, dann 
Musiklehrer in Jena, 1811/14 Theaterkapellmeister in Nurnberg, dann 
unstetes Wanderleben meist in Thuringen, dort als Original bekannt und 
in manchen Erzahlungen dargestellt. Schumann sah in ihm die Verkor- 
perung der Kreislergestalt 182, 316, 396 

Bohrer, Bergfuhrer in Grindelwald 251 

Bomgartner, siehe Baumgartner 

Bonnstett, vielleicht Bohnstedt, Julius (geb. 1807 Essen), studierte erst in 
Bonn, seit 8. 5. 1826 in Heidelberg Jura 247 

Borngasser (Bornkasser), Speisewirt im Heidelberger Museum 203, 213, 
215, 2i6, 218, 222, 226, 232, 233, 318, 322 

Borne, Ludwig, eigentlich Lob Baruch (1786-1837), deutscher Schriftstel- 
ler und Kritiker 383 

Brander, Johann Conrad (1788-1852), Schenkwirt in Leipzig, Nr. 1026, 
verheiratet mit Henriette geb. Frister (geb. 1796) 177, 180 

Brandes, Heinrich Wilhelm (1777-1834), Professor fur Physik und Mathe- 
matik in Leipzig 303 

Braun, Frau von Michael B. 238 

Braun, Babette, Tochter von Michael B. 225, 226, 233, 234, 239 

Braun, Michael, Professor, 1821/39 Konservator der zoologischen Samm- 
lungen in Heidelberg 231 

Braun, vermutlich Sohn von Michael B., Student in Heidelberg 213, 219, 
228, 233 

Braune, Gustav (geb. 18 10 Gorzke/Sachsen), studierte Jura und Cameral- 
wissenschaft erst in Berlin, seit 13. 5. 1829 in Heidelberg, starb als Stu- 
dent 203, 205, 210, 211, 218, 222, 227, 231 

Brockes, Barthold Heinrich (1 680-1 747), deutscher Dichter 230 

Bruck aus Weimar 366 

Bruckner, Johann Immanuel (geb. 1807 Kirchberg), studierte vom 31. 5. 
1828 bis 4. 9. 1832 in Leipzig Theologie 109, in, 378 

Bruhl, Ferdinand August Graf von (geb. 1808 Merseburg), studierte seit 
29. 4. 1826 in Leipzig Jura und wurde am 19. n. 1829 mit, .Relegation 
fur immer" belegt 177, 181, 189 

Budberg, Friedrich Otto Eduard, gen. von Benninghausen (gest. 1838), seit 

487 



j 8 19 Sousleutnant im 3. Linien-Infanterie-Regiment Prinz Friedrich 

August in Zwickau, 1830 Oberleutnant, gestorben auf der Seereise nach 

Batavia 160, 191 
Biigner in Zwickau 159 
Bunau, Heinrich Graf von (geb. 18 10 Dahlen), studierte vom 1. 10. 1827 

bis 9. 6. 1830 in Leipzig Jura 331 
Burckhardt, Carl Eduard (geb. 1809 Leipzig), studierte seit 28. 9. 1826 in 

Leipzig Diplomatic und Geschichte, 183 1 Doktor der Philosophic und 

Privatdozent 366 
Biirk, August, Dr. (1805 -1862), Musikschriftsteller, Mitarbeiter der Neuen 

Zeitschrift fur Musik 420 
Biittner, Johann Friedrich (geb. 1805 Zwickau), studierte vom 9. 3. 1825 

bis 10. 1. 1829 in Leipzig Jura, sein Bruder Gottlob Eduard studierte 

vom 28. 2. 1828 bis 25. 8. 1830 in Leipzig Pharmazie und Medizin und 

war seit September 183 1 Leipziger Burger und Kaufmann 158 
Byron, George Lord (1788-1824), englischer Dichter 183 

Cagnoli, Gaetani 267 

Caldron de la Barca, Pedro (1600-1681), spanischcr Dramatiker 183 

Camassi 254 

Campagnolj, Bartolommeo (175 1-1827),, italienischer Violinist und Konv 

ponist. 1770 Hofkapellmeister in Florenz, dann Musikdirektor des Her- 

zogs von Kurland in Dresden. 1797/1816 Konzertmeister des Gewand- 

hauses in Leipzig. 18 18 bcgann er mit scinen Tochtern, den Sangerin- 

nen Albertina und Giannina (am Hoftheater Hannover), zu reisen 405 
Campbell, Thomas (1777-1844), englischer Dichter 296 
Campe, Friedrich (1777- 1846), Sohn von Joachim Heinrich Campe, Buch- 

und Kunsthandler in Niirnberg, Lorenzcr Seite, Kaiserstr. 198 36 
Canova, Antonio (17 5 7- 1822), italienischer Bildhauer 64, 264 
Canova, gemeint ist Carove (siehe bei Carovi) 
Caravaggio, Polidoro (um 1495-1543), italienischer Maler 281 
Carl, Sanger aus Heidelberg 313 
Carl, Henriette Bertha (1S15— 1896), Kammersangerin, gastierte in Italien, 

Spanien, Paris, London, kehrte dann nach Deutschland zuruck. Beriihmt 

besonders als Sangerin tragischer Partien 311 
Carolina, Madchen in Heidelberg 215,216, 224 
Carovi, recte: Carove, Friedrich Wilhelm (1789-1852), studierte Jura, 

dann Privatgelehrter in Frankfurt am Main und Heidelberg, schrieb 

hauptsachlich religions- und geschichtsphilosophische Werke unter dem 

Einflufi Hegelscher Philosophic 46, 366 
Carpani, Giuseppe Antonio (1752-1825)* Dichter und Kuristschriftsteller, 

Freund Salieris. Er war nach 1805 als Dichter am kaiserlichen Theater 

in Wien angestellt und Iernte J. Haydn kennen 281 
Carracci, Agostino (15 57-1602), italienischer Maler und Kupferstecher 

282 
Carus, Charlotte Agnes Florentine (1 802-1 839), Tochter von Christoph 

488 



Gottlob Kuster, i. Frau von Ernst August C. (sek 19. 7. 1823), hatte 
drei Kinder: Julius Victor (geb. 1823), Maria Margaretha (geb. 1829), 
Maria Magdalena (geb. 1831) 86, 89, 90, 94, 112, 117, 119, 124, 146, 
149, 153, 156, 174, 175, 176, 185, 188, 225, 268, 386, 398, 399, 407 

Cams, Ernst August (1797-18 54), Arzt, in 1. Ehe verheiratet mit Charlotte 
Agnes Florentine geb. Kuster, in 2. Ehe mit Christiane Friederike geb. 
Sembeck. Er ging im Marz 1824 nach Colditz und kehrte im November 
1827 nach Leipzig zuriick; wurde dann Universitatsprofessor fur Medi- 
zin 34, 50, 54, 83, 84, 89, 90, 109, in, 117, 124, 128, 130, 132, 139, 
146, 149, 151, 152, 153, 155, 156, 157, 158, 168, 170, 174, 177, 178, 179, 
184, 185, 188, 198, 214, 337, 366, 377, 386, 389, 399 

Carus, Josephine (1805-1843), Tochter von Karl Erdmann C, verheiratet 
spater mit Wilhelm Bamberger, Bankier in Zwickau 43, 97, 160, 163, 
166, 167, 177, 178, 179, 180, 181, 183, 185, 188, 191, 192, 193 

Carus, Julius Victor (siehe bei Carus, Charlotte Agnes F.) 54 

Carus, Karl Erdmann (1775-1842), Bruder von Ernst Aug., Kattunfabri- 
kant in Bautzen, seit 21. 11. 1822 Burger von Zwickau, Kaufmannischer 
Leiter der chemischen Fabrik Devrient & Comp., verheiratet mit Doro- 
thea Eleonora geb. Muhlbach, in 2. Ehe mit etner geb. Sartorius, aus die- 
ser Ehe starhmen Mortimer (geb. 1803), Flamin (geb. 1804), Josephine 
und Theodor 158, 159, 160, 161, 163, 166, 189, 192, 194, 377 

Carus, Theodor (geb. 1809 Bautzen), Sohn von Karl Erdmann C, Gym- 
nasiast in Zwickau, studierte vom 10. 3. 1826 bis 8. 3. 1828 in Leipzig 
Jura, dann mit consilio abeundi betegt, studierte ab 25. 5. 1829 weiter 
und ging im Juni 1830 nach Zwickau, spater Advokat in Hohenstein 
159. 194 

Casanova de Seingalt, Jakob (1725-1798), italienischcr Abenteurer 237, 

Castelli, Ignaz Franz (1781-1862), Hoftheaterdichter in Wien, Grunder 

und Herausgeber des Allgemeinen Musikalischen Anzeigers Wien 378, 

381 
Celius (Chelius), Maximilian Joseph von (1794- 1876), 1818/64 Professor 

der Medizin in Heidelberg 236 
Champollion, Jean Francois (1790-183 1), Agyptologe, EntzifTerer der 

Hieroglyphen 42 5 
Charitas, Davidsbiindlername fur Schumanns Geliebte Christel 
Charlotte de Lausanne, Gouvernante bei Dr. Wiistenfeld in Heidelberg 

206, in, 212, 215, 216, 221, 225, 226, 228, 236, 239 
Chelius, siehe Celius 
Cherubini, Luigi Maria (1760-1842), franzosischer Komponist kalienischer 

Herkunft 57. 155, 158, 176, 232 
Chopin, Fryderyk (1810-1849) 357* 344, 345, 34$, 347. 348, 349. 35<>» 

351. 353. 355, 358, 360, 371, 372, 373, 374, 375, 376, 383, 421 
Christ, vermutlich Tochter des Amtmanns Christ in Heidelberg, Ketten- 

gasse 549 1/2, dessen Sohn Joseph (geb. 1804 Eichtersheim) seit 2. 5. 

1829 in Heidelberg Jura studierte 213, 214, 215, 219, 224, 225 

489 



Christel, Geliebte Schumanns, Davidsbundlername Charitas, Familienname 
unbekannt 330, 331, 332, 333, 339, 342, 343, 344, 349, 350, 355, 360, 
372, 374, 586, 387, $90, 394, 399, 4°3, 408, 412, 422 

Cimarosa, Domenico (1749-1801), italienischer Komponist 283 

Clara, Madchen in Zwickau 37, 191 

Clara, Madchen in Leipzig 177 

Claudgen, siehe Kleudgen, Jakob von 

Claudyen, von, Madchen in Heidelberg, vermutlich Schwester von Jakob 
von Kleudgen, Tochter des H of gerichts rates und Syndikus in Heidel- 
berg 225 

Clausewitz, Friedrich Wilhelm von (geb. 1808 Graudenz), Student der 
Diplomatie in Heidelberg seit 13. xi. 1828, starb als Polizeiprasident in 
Berlin 216, 218, 228, 231, 235, 236, 238, 239, 324 

Clementi, Muzio (17 5 2-1 8 32), italienischer Komponist 315 

Conradi, vielleicht Carl Gustav August C. (1798-1830), studierte ab 22. 
10. 1817 in Leipzig Jura und war dann „Notarius publ. Pedell" an der 
Leipziger Universitat 181 

Constant, Benjamin (Henri Benjamin Constant de Rebecque) (1767-1830), 
franzosischer Schriftsteller 386 

Correggio (um 1494-15 34), italienischer Maler 281 

Cotta, Johann Friedrich, Freiherr von Cottendorf (1764-1832), Eigen- 
tiimer und Vorstand der J. G. Cotta'schen Verlagsbuchhandlung in 
Tubingen und Stuttgart. 1823 erwarb er in Augsburg ein Anwesen, wo 
er im folgenden Jahre die erste Buchdruck-Dampfpresse in Bayern ein- 
fuhrte, ein 3. Geschaft griindete er 1827 in Miinchen 57 

Cramer, Johann Baptist (1771-1858), Komponist und Pianist, Schuler 
J. S. Schroters und M. Clementis 153, 315 

Cranz, August Heinrich (1789- 1870), Verleger in Hamburg, den 1814 ge- 
griindeten Musikverlag iibemahm 1857 sein Sohn Alwin (1834^1923) 

397, 399 
Crotsch (Crotch), William (1775-1847), Komponist und Organist, seit 

1797 Professor an der Universitat in Oxford, kam 1807 nach London 

und war 1822/32 Direktor der neugegrundeten Royal Academy of 

Music .310 
Crusell, Bernhard Henrik (1775-1838), finnischer Komponist und beriihm- 

ter Klarinettist, von 1793 bis 1834 Mitglied der koniglichen Hofkapelle 

in Stockholm 128 
Czerny, Carl (1791-1857), Pianist und Komponist, Schuler Beethovens 

109, 151, 152, 156, 158, 160, 168, 172, 190, 230, 348 

Damance, Franz (geb. 1806 Mainz), Sohn des franzosischen Sprachlehrers 
an der Heidelberger Universitat, studierte seit 28. 4. 1824 in Heidelberg 
Mathematik 217, 221, 222, 223, 231 

Dammance (Damance), Mimi, vermutlich Schwester von Franz D. 207, 
209,213, 215,217,228 

Damnitz, Hermann Friedrich von (geb. 1807 Lippitzsch), studierte vom 

490 



24. 5- 1 82 8 bis i. 9. 1830 in Leipzig Jura, verliefl Leipzig am 25. 1. 1832 
181 

Dannecker, Johann Heinrich (175 8-1 841), Bildhauer 46 

Dante Alighieri (1265-1321), italienischer Dichter 224, 261 

Danzi, Franz (1763-1826), Komponist, verheiratet mit der Sangerin Mar- 
garethe Marchand. Seit etwa 1815 Hofkapellmeister in Karlsruhe 146 

David, Ferdinand (1810-1873), beriihmter Violinist und Komponist, trat 
1825 zusammen mit seiner Schwester Louise, verh. Dulcken erstmals 
im Leipziger Gewandhaus auf, kam 1826 als Violinist ans Konigsstad- 
tische Theater in Berlin und lernte hier Mendelssohn Bartholdy kennen, 
der ihn 1835 als Konzertmeister ans Gewandhaus in Leipzig holte; seit 
1843 war er hier audi als Violinlehrer am Konservatorium tatig 422 

Degen, Gustav (geb. 1808 Hamburg), studierte seit 30. 4. 1828 in Hei- 
delberg Medizin 229, 232, 238- 

Dehn, Siegfried Wilhelm (1799-1858), Musiktheoretiker und Bibliothekar, 
studierte in Leipzig vom 13. 5. 1819 bis 1. 8, 1823 Jura, ging im Sep- 
tember 1824 nach Berlin als Angestellter bei der Schwedischen Ge- 
sandtschaft. Seit 1842 Bibliothekar der musikalischen Abteilung der 
Koniglichen Bibliothek in Berlin 309 

Desaix, Louis Charles Antoine (1768-1800), franzosischer General, der 
in zahlreichen Schlachten £tir Napoleon gegen die Osterreicher kampfte 
291 

Detmers, Rudolph (geb. 1807 Aurich b. Hannover), studierte seit 30. 10. 
1828 in Heidelberg Jura 220 

Deussler in Heidelberg 319 

Devrient, Johanna Christiana, geb. Loth (1786-1857), Witwe des Kauf- 
manns Johann Christian D. (1776- 182 3). Sie hatte vier Tochter: Clara 
(geb. 1807), Therese (1808-1839), Louise (geb. 1813), Marie Pauline 
(geb. 1817), und vier Sonne: Theodor (geb. 1810), Woldemar (geb. 
1818), August (1819-1872) und Alphons (geb. 1821). Schumann wohnte 
bei ihr im Roten Kolleg in Leipzig von 1836 bis 1840 185 

Diabelli, Antonio (1781-1858), Komponist, Verleger in Wien 362 

Diezmann, Madame 152 

Dingier, Johann Gottfried (1778—185 5), technischer Chemiker, griindete 
1806 in Augsburg eine chemische Fabrik und befafite sich mit der Ver- 
vollkommnung der Farbekunst und des Zeugdruckes. Gab verschie- 
dene Werke heraus, so z. B. zusammen mit Juch und Kurrer „Neues 
Journal fur Druck-, Farbe- und Bieikunst", Augsburg 1815/18. Bedeu- 
tungsvoll war die 1820 begonnene Herausgabe des „Polytechnischen 
Journals", das er bis 1840 redigierte, das dann von seinem Sohn, Emil 
Maximilian (1806-1874), fortgefiihrt wurde. Emil Maximilian trat dem 
Geschaft seines Vaters 1836 bei, nachdem er in verschiedenen Stadten 
Chemie studiert hatte 57 

Dolci, Carlo (1616-1686), Florentiner Maler 97 

Dolffs-Magin (?) 366 

491 



Domenichino, eigentlich Domenico Zampieri (1581—1641), italienischer 
Maler 282 

Doring, Georg Christian Wilhelm Asmus (1789-1833), Schriftsteller, stu- 
dierte Philosophic und Asthetik, seit 181 5 Oboist im Theaterorch ester in 
Frankfurt am Main, ubernahm 1817 die Redaktion des Frankfurter 
Staatsristrettos und griindete als belletristische Beilage die „Iris". 1825 
wurde er vom Herzog von Meiningen zum Legationsrat ernannt 46, 366 

Doring, geb. Kilzer, Legation sratin, Frau von Georg D. 46 

Dorn, Heinrich Ludwig Egmont (1804-1892), Dirigent, Musikschriftsteller, 
Komponist. 1823 Jurastudium in Konigsberg, dann Reisen nach Leip- 
zig und Dresden (Bekanntschaft mit Weber), Prag, Wien, Berlin, hier 
Schiiler von L. Berger (Klavier), Zelter und B. Klein (Komposition). 
Durch Vermittlung von A. B. Marx wurde er Mitarbeiter der Allge- 
meinen Musikalischen Zeitung. 1828 geht er als Musikdirektbr an das 
Stadttheater in Konigsberg und ist 1829/32 in gleicher Eigenschaft am 
Hoftheater in Leipzig (hier von Juli 1831 bis Ostern 1832 Theorielehrer 
Schuraanns). 1832 geht er an das Hamburger Stadttheater, dann nach 
Riga. 1843 wird er als Nachfolger C. Kreutzers Theaterkapellmeister in 
Koln. 1849 wird er Koniglicher Kapellmeister an der Berliner Oper 
und 1869 pensioniert 308, 329, 336, 337, 339, 346, 349, 358, 361, 362, 
365, 567, 371, 376, 377, 381, 382, 389, 390, 399, 400, 403, 405, 410, 411, 
412 

Dosten, Miss 248 

Dotzauer, Justus Johann Friedrich (1783-1860), Violoncellist und Kom- 
ponist, seit 1811 an der Hofkapelle in Dresden 217, 222, 223, 303 

Drobisch, Karl Ludwig (1803-1854), Komponist, studierte in Leipzig 
Philosophic, seit 1826 Musiklehrer in Miinchen, seit 1837 Kapellmeister 
der evangelischen Kirchen in Augsburg 171 

Dumas, Marie, geb. Sechehaye (1763-1834), Witwe von Johann Ludwig 
Alexander D. (1755-1823), Prediger an der reformierten Kirche, hatte 
drei Kinder: Louise (geb. 1787), Theodor (geb. 1790), franzosischer 
Sprachlehrer, ging 1835 nach Dresden, und Amalie (1 800-1 848). Au- 
fierdem wohnte noch ihre Nichte Amalie (geb. 1801) bei ihr in der 
Quergasse 1246 in Leipzig 421 

Dupree, Friedrich, Besitzer der Gaststatte „Goidener Hecht" in Heidel- 
berg, Steingasse 338 232,237 

Durante, Francesco (1684-175 5), italienischer Komponist 218, 281 

Diirer, Albrecht (1471-1 528) 36 

Dussek, Johann Ludwig (1760-1812), Pianist und Komponist 181 

Ebel, Dr., in Heidelberg 210 

Eberwein, Franz Karl Adalbert (1786-1868), Komponist, Kammervir- 
tuose, seit 1826 grofiherzoglicher Musikdirektor und Dirigent der Oper 
in Weimar 176 

Eberwein, Traugott Maximilian (1775-1831), Komponist und, Hof kapell- 
meister, Bruder von Franz Kari Adalbert, wurde 1797 Hofmusiker 

492 



(Violinist) in Rudolstadt, 1810 Kammermusikus und 1817 wirklicher 
Kapellmeister 132 

Eckmeyer, Diedrich (1808-1871), studierte seit 5. 11. 1827 in Heidelberg 
Jura, spater Advokat und gerichtlicher Prokurator in Hamburg 225, 
229, 233, 282 

Egidy, Heinrich Ludwig von (ca. 1797-1846), Oberleutnant, Kammer- 
junker in Altenburg 148, 166 

Ehrenhaus, Adolf (geb. 1809 Dresden), studierte Jura zunachst in Leip- 
zig vom 19. 5. 1827 bis 12. 3. 1828, ab 30. 4. 1828 in Heidelberg und 
dann bis 8. 7. 1835 wieder in Leipzig 49, 50 198, 199, 200, 202, 203, 

205, 209, 212, 218, 227 

Ehrlich, Johann Gottlb., med. pract. in Lockwitz bei Dresden 316 

Eichberger, Joseph (1801-1862), Tenor, sang 1826/29 m Wien unter Du- 
port, kam dann ans Hof theater in Kassel, war 1831/32 Mitglied des 
Kolner Theaters, ging nach Leipzig und drei Jahre spater nach Berlin 
304 

Eichler, Friedrich Wilhelm (geb, 1809), Komponist, Schiiler Louis Spohrs, 
wurde 1832 erster Violinist am Theaterorchester in Konigsberg, ging 
1847 nach London und spate&nach Baden-Baden 444 

Eichthal, Baron von, in Augsburg 62, 265 

Eiselein, Joseph, Prof. (geb. 1791), seit 1827 Oberbibliothekar und Pro- 
fessor in Heidelberg, wurde Ende 1832 in den Ruhestand versetzt 209 

Ekerlin, Sangerin (Altistin) in Cremona 267 

Ekert, Baron und Frau, Bekanntschaft in Augsburg 279 

Elslers, gemeint die Schwestern Therese (1 808-1 878) und Fanny (18 10 
bis 1884) Elder, Tanzerinnen, 1817/25 am Karntnertortheater in Wien, 
gastierten dann in alien grofien Stadten Europas 307 

Elvire, Madchen in Zwickau 163 

Elwine, Madchen in Zwickau und Schneeberg (siehe audi Zoffel) 416 

Emilie, Madchen in Heidelberg 225 

Emilie, Madchen in Leipzig 397, 414 

Emma, Madchen in Leipzig 362 

Engelken, Friedrich (geb. 1806 auf Gut Hodenberg Bezirk Bremen), stu- 
dierte vom 26. 4. 1826 bis April 1827 in LeipzigMedizin, dann in Bonn 
und anschliefiend seit 13. 5. 1829 in Heidelberg 207, 208 

Engehnann, Joseph (gest. 1845), Verlagsbuchhandler und Buchdrucker in 
Heidelberg, KKngenttrorstrafie 606 42, 212 

Entel (?), vielleicht Endell, Eduard (geb. 1803 Berlin), studierte erst in 
Berlin, seit 21. 10. 1824 in Heidelberg Jura 228 

Epikur (341-270 v. u. Z.), griechischer Philosoph 338 

Erasmus von Rotterdam (1467-15 36) 246 

Erhard, General, Reisebekanntschaft in Brienz 2 50 

Erlanger, Max (geb. 1810), Violinist aus Frankfurt am Main, Kapellmei- 
ster in Halle, sek 1844 wieder in Frankfurt 304 

Ernestine, Madchen in Zwickau 341 

Ernst, Heinrich Wilhelm (1814—1865), bedeutender Violinvirtuose, Schiiler 

493 



von Bohra und Mayseder. Er begann seine Konzertreisen bereits mit 
1 6 Jahren. Schumann horte ihn im Herbst 1830 in Baden-Baden 291, 

367 

Ertell (Ertel), Ernst Samuel (geb. 1806 Ullersdorf), studierte seit 19. 5. 
1827 in Leipzig Theologie 153 

Erttel, Carl Ferdinand Constans, Auditeur im 3. Linien-Infanterie-Regi- 
ment Prinz Friedrich August, seit 1822 verheiratet mit Louise Therese 
geb. Ruppius, ging spater als Appeliationsrat nach Dresden 158, 159, 
160, 161, 163, 166, 189, 191, 192, 194, 377 

Eschborn in Heidelberg (vielleicht Joseph August E„ geb. 1805 Amor- 
bach, studierte seit 14. 12. 1821 in Heidelberg Jura) 235 

Esslair, Ferdinand (1 772-1 840), Schauspieler, Debut 1795, kam 1797 nach 
Miinchen, wirkte dann als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen 
Stadten, u. a. 1815/20 in Stuttgart, dann in Miinchen als Regisseur am 
Ho f theater 64 

Evchen, Madchen in Heidelberg 209, 295 

Faber und Schwester aus Fiirth 393 

Fabricius, Friedrich Wilhelm (geb. 1810 Frankfurt am Main), studierte 
seit 28. 4. 1828 in Heidelberg Medizin 220, 225, 227, 235 

Fahnenberg, Alexander Freiherr von (geb. 181 1 Freiburg i. Br.), studierte 
erst in Miinchen, seit 8. 11. 1828 in Heidelberg Jura 220 

Fanny, Madchen in Augsburg 57 

Fanny, Madchen in Leipzig 194 

Faulhaber, Christian, seit 1822 Musiklehrer in Heidelberg 209, 210, 222, 
223,231, 378 

Fefiler, Ignaz Aurelius (1756-1839), Dichter 126 

Festel in Miinster 297 

Ficker, Gottlob Wilhelm, Kauf- und Handelsmann in Zwickau, verheira- 
tet mit Friedrike Louise geb. Scheibe aus Rudolstadt. Sein Sohn hiefi 
Friedrich Wilhelm (geb. 1820) 165, 166, 193, 342, 378, 382, 401 

Field, John (1782-1837), irischer Komponist und Pianist, Schiller demen- 
tis, mit dem er 1802 nach Paris und St. Petersburg ging, er liefi sich dort 
als Lehrer nieder und kehrte erst 1832 nach London zuruck 151, 207, 
329. 330, 361, 390, 396, 398. 399 

Filding 436 

Fink, Gottfried Wilhelm (1783-1846), Musikschriftsteller und Theologe, 
studierte 1804/09 Theologie in Leipzig, war bis 1816 Prediger, 1827/41 
Redakteur der Allgemeinen Musikalischen Zeitung Leipzig, deren Mit- 
arbeiter er bereits seit 1808 war. 1838/43 hielt er aufierdem Vorlesungen 
an der Universitat Leipzig, die ihn 1842 zu ihrem Musikdirektor er- 
nannte. Mit seiner Frau Henriette Wilhelmine, geb. Nicolat (1789-1848) 
hatte er die Kinder Mathilde Henriette (geb. 181 5), Charlotte Maria 
(1818-1843) und Hermann Wilhelm (1820-1833). Sie wohnten Ran- 
stadter Steinweg 1042 (Funkenburg) 150, 152, 156, 367, 376, 377 

Fischer, Apotheker in Heidelberg 222 

494 



Fischer, Wilhelm (geb. 1810 Hildburghausen), studierte seit 9. 5. 1829 in 
Heidelberg Jura. Sein Bruder Richard (geb. 1805 Hildburghausen) stu- 
dierte seit 6. 11. 1828 in Heidelberg Medizin 220 

Flechsig, Emil (1808-1867), studierte vom 18. 5. 1827 bis 27. 9. 1830 in 
Leipzig Theologie, wohnte zuerst Kiostergasse 163 bei Lippmann, dann 
Bruhl 454 bei Wolf zusammen mit Schumann (wird daher oft als Stu- 
benbursche o. a. bezeichnet) und anschliefiend Hallische Gasse 462 bei 
Thieme. 1844/71 Pfarrer und Pro-Diakon an St. Marien in Zwickau. Er 
ist der Textbearbeiter von Schumanns Chorwerk „Das Paradies und die 
Peri" 28, 29, 30, 58, 73, 74, 82, 83, 89, 90, 93, 99, 106, 107, 113, 114, 
115, 118, 119, 122, 128, 130, 131, 133, 134, 138, 149, MO» 153. 156, 157, 
159. 161, 163, 164, 165, 168, 169, 171, 173, 176, 179, 180, 184, 186, 189, 
192, 194, i95> 274. 3M» 339* 34*. 3^5, 375. 377. 406, 407, 410 

Flechsig, Friedrich Christian (1780- 1840), Amtsverweser in Wiesenburg, 
Vater von Emil F. 116, 117, 118, 121, 123 

Fleischmann, Friedrich (1791-1834), Zeichner und Kupferstecher in Niirn- 
berg, siedelte 183 1 nach Munchen liber 36, 56 

Fleming, Vetter von Festel 297 

Forster, Student in Heidelberg (nachweisbar: Johann F., geb. 1809 in 
Bretten/Baden, studierte seit 22. 5. 1830 in Heidelberg Cameralwissen- 
schaft) 206, 282 

Franchetti, Louise (1809-1861), Soubrette, sang 1831/32 in Wien, 1832/34 
in Berlin, 1834/36 in Bremen, 1836/41 in Hannover und anschliefiend 
in Stuttgart und Aachen 310 

Franck, Eduard (18 17- 1893) aus Breslau, Komponist und Klavierpad- 
agoge, war bis 1859 Lehrer am Konservatorium in Koln, dann Musik- 
direktor in Bern 422 

Franke, Student in Leipzig (entweder Friedrich Wilhelm, geb. 1808 in 
Leipzig, studierte hier vom 29. 4. 1826 bis 1. 7. 1829 Theologie, oder 
Traugott Samuel, geb. in Sechellenberg, studierte in Leipzig vom 1. 6. 
1827 bis 24. 7. 1830 Theologie, wurde dann Rektor in Rofiwein und 
1837 Dr. und Prof, der Mathematik in Dresden) 172, 177 

Franziska, Madchen in Leipzig 177, 180 

Fraunhofer, Joseph von (1787-1826) 145 

Frenkel, Theodor Moritz (geb. 1808 Grofibohla bei Oschatz), studierte 
vom 25. 10. 1826 bis 22. 7. 1829 in Leipzig Theologie und war seit 1835 
Pastor 115, 116, 153 

Frey, Johann Heinrich, Amtmann in Heidelberg, Unterstrafie 262 224 

Frey, Ludwig (geb. 181 1 Schwetzingen/Heidelberg), Sohn von Johann 
Heinrich F., studierte in Heidelberg seit 24. 10. 1829 Medizin 224 

Freyenmann, Student in Heidelberg 225 

Freywald, Julius von (geb. 1809 Schwanditz bei Altenburg, begraben 5. 8. 
1832), studierte vom 1.6. 1829 bis 17. 3, 1830 in Leipzig, ab 3. 5. 1830 
in Heidelberg und anschliefiend bis zu seinem Tode wieder in Leipzig 
Jura 292, 324 

Fricken, Ernestine von (1816-1844), illegitimes Kind des Hauptmann a. D. 

495 



Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken in Asch, wurde am 13. 12. 1834 
von thm adoptiert. Sie kam 1834 ins Haus Friedrich Wiecks, um bei ihm 
Klavierstunden 2u nehmen, und wurde Schumanns geheime Braut. Er 
widmete ihr das Allegro h-Moll, Op. 8. 1838 heiratete sie Graf WUhelm 
von Zedtwitz (gest. 1839) 420, 421 

Fricken, Ignaz Ferdinand Freiherr von (1787- 18 50) 420 

Friedrich, vermutlich Carl Albrecht F. (geb. 1804 Leipzig), studierte vom 
8. 9. 1823 bis 19. 9. 1827 in Leipzig Medizin, war dann Bakkalaureus 
und wanderte 1836 nach Amerika aus, oder sein Bruder Heinrich Edu- 
ard (geb. 1807 Leipzig), studierte seit 16. 4. 1829 in Leipzig Jura, lebte 
1833/39 auf dem Rittergut Brambach bei Adorf, kehrte nach Leipzig 
zuriick und ging dann nach Gera. Sie hatten eine Schwester, Caroline 
Amalie (geb. 1809) 176 

Friedrich II., Konig von Preufien (1712-1786) 163 

Friedrich August (1797-18 54), spater Friedrich August IL, Konig von 
Sachsen, Sohn von Prinz Maximilian, dem Bruder von Friedrich August 
L (1750-1827) und Anton Klemens Theodor (175 5—1836), Konige von 
Sachsen; wurde im September 1830, nachdem Maximilian auf die Thron- 
folge verzichtet hatte, von Konig Anton zum Mitregenten ernannt 319 

Friedrich Wilheim Karl, Prinz der Niederlande (1797-1881), zweiter 
Sohn von Wilheim L, Konig von Preufien, war seit 1825 mit Luise, 
Prinzessin von Preufien, Tochter von Wilheim III., verheiratet 48 

Friese, August Robert (1805 -1848), Buchhandler und Verleger in Leip- 
zig, seit 1837 Verleger von Schumanns Neuer Zeitschrift fur Musik, 
war mit Auguste Sophie Caecilia geb. Schulze (geb. 1806) verheiratet 
422 

Fuchskey, Student in Leipzig 128, 130 

Fuhrmann, Moritz Adolph (geb. 1800), Musiklehrer in Leipzig 453 

Fiirbringer, Anton (geb. 1810 Gera), studierte vom 13. 5. 1828 bis 9. 4. 
183 1 in Leipzig Jura 170, 175, 176, 178, 179, 187, 189 

Fust, Student, Davidsbiindlername fur Rascher 

Galli, Emanuel (geb. 1809 Gleiwitz/Schlesien), studierte erst in Breslau, 

seit 24. 10. 1829 in Heidelberg Jura 229, 238 
Garcia, Don, aus Columbien, Reisebekanntschaft in Strafiburg 246 
Gatterer, Christoph Wilheim Jacob, Oberforstrat, Doktor der Philosophic, 

Professor der Staatswktschaft und Direktor der Schlofigartenanlagen 

in Heidelberg. Er wohnte Hauptstr. Vorst. 122 222 
Gay, Madchen in Heidelberg 208 
Geen, Miss 295 
Geiger, Alexander von (geb. 1808 Munchen), studierte seit 23. 10. 1828 

in Heidelberg Jura 50 
Gellert, Christian Furchtegott (171 5-1769), Dichter 274 
Gemeinhard, Student in Heidelberg 207 
Generali, Pietro (1782-18 32), Opernkomponist 128 
Gerhardt, Livia Virginia (1818-1891), Tochter des Weinessigfabrikanten 

496 



Johann Christian Gerhardt, heiratete 1836 Dr. jur. Richard Woldemar 
Frege (1811-1890). Seit 183} Sopranistin am Leipzigcr Theater; sie 
trat am 29. 4. 1833 im Konzert von Clara Wieck erstmals auf. 1835 
ging sie ans Konigsstadtische Theater nach Berlin. Ihr Davidsbiindler- 
name ist „Giulietta" 411, 416 

Gernandt, Michael (geb. 1808 Mannheim), studierte erst in Gottingen, 
seit 9. 6. 1829 in Heidelberg Jura 220 

Gernet, Hermann Gustav (geb. 1809 Hamburg), studierte seit 28. 4. 1828 
in Heidelberg Medizin 216, 220, 224, 225 

Gerth, Carl Albert Eduard (geb. 180S Ronneburg), studierte vom 18. 5. 
1827 bis 3. 4. 1830 in Leipzig Theologie 189 

Gefiner, Salomon (1730-1788), schweizerischer Idyllendichter 247 

GeCwein, Johann Christian (1 770-1 846), Speisewirt in Leipzig, Salz- 
gaflchen 464/5 54, 195 

Glaser, Gotthelf Leberecht (1784-1851), seit 1813 Portratmaler in Darm- 
stadt, Schiiler Friedrich August Tischbeins in Leipzig 43 

Glafi, Julius (geb. 1808 Leipzig), studierte vom 8. 11. 1827 bis 27. 9. 1828 
in Leipzig, bis September 1829 in Berlin Theologie, ging dann als Leh- 
rer nach Quoos bei Bautzen 116, 117, 11 8, 120 

Gleich, Friedrich (1782-1842), Obersetzer, Leiter mehrerer Zeitschriften 
und Zeitungen, leitete seit 1817 das Erfurter Theater, lebte spater in 
Leipzig, seit 183 1 in Altenburg, griindete dort eine Verlagsbuchhand- 
lung 416 

Gleim, Johann Wilhelm Ludwig (1719-1803), Schriftsteller 155 

Glock, Christian Gottlob (gest. urn i860 Ostheim), Sohn eines Kantors 
in Ostheim bei Meiningen, studierte seit 7. 11. 1820 in Leipzig Theo- 
logie und Philosophic, wurde vom 11. 9. 1822 bis 3. 5. 1823 mit consilio 
abeundi belegt und am 16. 5. 1823 wieder inskribiert, muft dann Me- 
dizin studiert haben, wohl auch in Berlin, erhielt am 2. 4. 1836 noch ein 
Testimonium mori in Leipzig, lie/5 sich dann in Ostheim als praktischer 
Arzt nieder und griindete eine „Liedertafel", die er dirigierte. 1848 
wurde er Burgermeister in Ostheim 128, 138, 151, 152, 157, 158, 169, 
171, 173, 175, 176, 177, 178, 181, 182, 183, 184, 186, 189, 330, 331, 332, 
335, 336, 338, 339. 342, 343- 344, 357, 3^1, 362, 365, 366, 371, 373, 374, 
376, 377, 382, 397, 404, 406, 412, 416, 420 

Glockner, Johann Christian Gottlob (geb. 1782), Besitzer einer Bier- 
schanke mit Billard und Kaffeehaus in Leipzig, Grimmaischer Stein- 
weg 1292 364 

Gluck, Christian Wiltibald Ritter von (17 14- 1787) 218 

Glukhist, siehe Klughist 

Godefroy in Leipzig 45 

Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832) 46, 68, 69, 95, 96, 105, 124, 
171, 189, 216, 272, 309, 312, 338, 365, 372, 374, 375, 379, 3«i, 382, 383, 
393,417,437 

Goethe, Walter Wolfgang von (1817-1885), Enkel Johann Wolfgang von 
Goethes, Komponist, studierte vom 19. 10, 1836 bis 15. 3. 1838 in Leip- 



32 Schumann, Tageb. 



497 



zig Philosophic und Musik bei Weinlig, Mendelssohn Bartholdy. und 
Loewe, ging am 2 5 . 3 . 1838 nach Weimar zuriick 42 2 
Goldacker, Otto Friedrich von (gest. 1840), 18 16 Adjutant des 2. Linien- 
Infanterie-Regiments Prinz Maximilian, 18 18 Kapitan, 1826 3. Linien- 
Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August, 1830 aggregierter Major im 
2. Schiitzen-Bataillon, 1840 Oberstleutnant 158, 159, 160, 163, 191, 

193.194 
Goldoni, Carlo (1707-1793), italienischer Lustspieldichter 257 
Goldsmith, Englander, Bekanntschaft auf der Reise nach P rag 54 
Goring, Arnold, arbeitete in der Buchhandlung Jay in Frankfurt am Main 

38.42 
Gotte, Wilhelm (geb. in Braunschweig), studierte vom 18. n. 1826 bis 

27. 8. 1828 in Leipzig, anschlieflend in Heidelberg Philologie 92, 93, 

98, 106, 108, 109, in, 113, 116, 120, 123, 138, 149, 280, 367 
Gotthardt, Adolph Otto Alexis von (geb. 1808 Klein-Helmsdorf), stu- 
dierte vom 3. 10. 1827 bis 13. 3. 1830 in Leipzig Jura 148 
Gotz, Student in Heidelberg, vielleicht Joseph G. (geb. 1801 Freyburg/ 

Baden), studierte erst in Freyburg, seit 8. 5. 1826 in Heidelberg Me- 

dizin 202 
Gotz von Berlichingen 230 
Gotzenberger, Jakob Dr., Verwalter im Gebarhaus und Geburtshelfer in 

Heidelberg, Gronngasse 58 222 
Grabau, Henriette (1805-18 52), Konzertsangerin am Leipziger Gewand- 

haus, heiratete 1837 den Kaufmann Biinau 132, 138, 158, 167, 168, 

172, 178, 179, 183, 367-4U 
Grabau, Johann Andreas (1 803-1884), Violoncellist am Leipziger Ge- 

wandhaus. Schumann widmete ihm seine 5 Stiicke im Volkston, Op. 102 

151 
Grabau, Marie, jiingere Schwester von Henriette G., Sangerin 446 
Grabbe, Christian Dietrich (1801-1836), Dramatiker 128, 129, 133, 134 
Graf (Graef), Johann Karl Heinrich (geb. 1803), Besitzer der Wein- 

schanke und des Speisehauses in Leipzig, Reichsstrafie 936 und Wirt 

des Kaffeehauses und des Gartens am Rosenthaler Tore in Leipzig 

334. 348, 349. 3 5 5* 397,402,408 
Graf ended, von, in Bern 252,253,254 
Graff, Conrad (1783-185 1), Klavierbauer in Wien, schenkte Schumann 

zur Hochzeit 1840 einen Fliigel 409 
Gravenhorst, Wilhelm (geb. 1809 Braunschweig), studierte erst in Got- 

tingen, seit 9. 5. 1829 in Heidelberg Jura 220 
Grecy (Crecy), Carl Peter de (geb. 1808 Ratingen/PreuBen), studierte erst 

in Bonn, seit 3. 4. 1828 in Heidelberg Jura 208 
Grenser* Carl Augustin (1794-1864), 1. Flotist am Gewandhaus in Leip- 
zig und Flotenlehrer 1 5 8 
Grimm, Jakob (1785-1863), Sprachwissenschaftler und Jurist 133 
Grimmel, Johann Moritz (geb. 1807 Piauen), studierte vom 20. 5. 1828 bis 

September 1833 in Leipzig Jura, war seit 1842 Advokat in Piauen 187 

498 



Groos, Buchhandler in Leipzig 1 1 1 

Groth, Adolph Ernst Friedrich (geb. 1810 Wismar), studierte vom 22. 4. 

1828 bis 17. 7. 1834 in Leipzig Jura 128, 141, 176, 179 
Gruber, Johann Gottfried (1774-185 1), Universitatsprofessor in Halle 

165 
Gruner, Hermann Christian (geb. Osnabriick), studierte vom 27. 9. 1828 

bis 17. 7. 1834 in Leipzig Theologie. Schumann traf ihn in Brienz 249, 

250,251 
Guhr, Karl Wilhelm Ferdinand (1787-1848), Komponist, Kapellmeister 

in Frankfurt am Main, Lehrer von Max Erlanger 304, 309 
Giinther, Carl Friedrich Moritz (geb. 1809 Schneeberg), studierte vom 

27. 10. 1829 bis 10. 10. 1833 in Leipzig Jura 93, 109, in, 116, 120, 

129, 181, 419 
Giinther-Bachmann, Caroline Wilhelmine (1816-1874), Soubrette, sang 

1834 in Bremen und kam noch im selben Jahr nach Leipzig, wo sie bis zu 

ihrem Tode blieb 3 10 
Giintz (Giinz), Emil Christian (1811-1877), studierte vom 19. 10. 1830 

bis 14. 3. 1835 in Leipzig Medizin, war dann als Buchhandler tatig. 

Schumann wohnte 1835 bei ihm Burgstrafie 139 (Heifers Haus). Sein 

Bruder Felix G. (geb. 18 12 Dresden) studierte vom 28. 5. 1832 bis 

12. 4. 1835 in Leipzig Philologie 419 
Gutmann, Karl (geb. 181 1 Baden-Baden), Sohn eines Heidelberger Gast- 

wirts G., studierte seit 21. 10. 1829 in Heidelberg Jura 225 
Guyet, Karl Julius (1802-1861), Jurist, las in Heidelberg als Extraordi- 

narius Rechtsenzyklopadie, war ao. Prof, fur Zivilrecht und ab 1836 

Appellationsrat in Jena 237 

Haack (Haak, Haake), Friedrich Heinrich Ferdinand (geb. 1802 Leipzig), 
Sohn von Peter Andreas H., Musikus bei Barth, ging 1832 nach Han- 
nover 377, 406 

Haack, Gottlob Wilhelm (1804- 187 5), Sohn von Peter Andreas H., war 
von 1822 bis zum 10. 9. 1828 in Wien, 1830/67 Flotist im Gewand- 
hausorchester Leipzig, verheiratet mit Marie Pauline geb. Grenser (geb. 
1 8 10) 34 

Haack, Peter Andreas (1779-1845), Bierverleger, verheiratet mit Chri- 
stiane Juliane geb. Schuttel (1776-18 50), hatte aufier den beiden ange- 
fuhrten Sohnen noch zwei weitere: Ernst Adolph (geb. 1807), Giirtler- 
geselle, und Franz Albert (geb. 181 1), Buchhandlerlehrling bei C. H. F. 
Hartmann 172, 175, 176 

Haack, wer von den Familienmitgliedern gemeint ist, lafit sich nicht ein- 
deutig bestimmen 139, 149, 157, 158, 172, 174, 177, 181 

Haberkorn, Johann Christian (geb. 18 10 Reinholdshain), studierte von 
September 1829 bis 29. 10. 1832 in Leipzig Jura 177 

Habern aus Prag 366 

Hahn, Sanger 367 

Hahn, Architekt in Zwickau 393 

32. 499 



Haibel, Jakob (1761-1826), Tenor und Schauspieler unter Schikaneder, 
fur den er mehrere Singspiele komponierte, seine Frau Sophie geb. 
Weber, war die jiingere Schwester von Mozarts Frau 

Haizinger, vermutlich Anton H. (1 796-1 869), Tenor, zuerst in Wien, 
dann auf Lebenszeit am Hoftheater Karlsruhe 308 

Hamann, Johann Georg (1730-1788), philosophischer Schriftsteller 115, 
116, 330 

Hammer, Carl Gottfried Ad. (geb. 1808 Kirchberg), studierte seit 14. 10. 
1826 in Leipzig Jura 181 

Hammermeister, Heinrich (1 799-1 860), Bariton, sang 1824/28 in Braun- 
schweig, anschliefiend bis 1832 in Leipzig, 1832/35 am Berliner Hof- 
theater, bis 1840 in Hamburg und dann in New York 474 

Hammerschlag aus Hamburg, Reisebekanntschaft 297 

Handel, Georg Friedrich (168 5-175 9) 218,230 

Haring, siehe Alexis 

Harring, Harro Paul (1798-1870), Schriftsteller 329, 343, 359, 366 

Hartel, Wilhelm Christoph (178 8- 1849), Musikalienhandler und Piano- 
fortemagazin in Leipzig, verheiratet mit Elwine geb. Hartel (geb. 1805). 
Sein Sohn Hermann (1 803-1875) studierte vom 16. 11. 18 19 bis 27. 4. 
1824 in Leipzig Jura, ging dann nach Gottingen, war spater Advokat 
und Stadtrat in Leipzig. Sein Sohn Raymund (1810-1888) studierte seit 
28. 3. 1828 in Leipzig Philosophic Er trat 1832 in die Firma Breitkopf 
& Hartel ein und teilte sich mit seinem Bruder Hermann in die Ober- 
leitung der Firma 438 

Hartmann, Kanonikus in Leipzig 188 

Hartmann, vielleicht Carl Gottlieb H. (geb. 1808 Pulsnitz), studierte vom 
10. 5. 1827 bis 31. 7, 1830 in Leipzig Jura und ging dann zuriick nach 
Pulsnitz 128 

Hartmann, Christian Heinrich Ferdinand (geb. 1794), Buchhandler und 
Verleger in Leipzig, Grimmaische Gasse, Fiirstenhaus, erster Verleger 
der Neuen Zeitschrift fiir Musik; verheiratet mit Laura geb. Sommer 
(geb. 1798), zog 1854 nach Augsburg 420 

Hartwig, moglicherweise August Gottlieb H. (1793-18 52), Teilhaber der 
Firma Hartwig und Freytag, Grimmaische Gasse 2, Koniglicher Zoll- 
und Steuer-Revisor des Hauptsteueramtes 148, 156 

Hase, Franz Gustav (geb. 1802 Steinbach), studierte vom 29. 5. 1828 bis 
24, 9. 1 83 1 in Leipzig Pharmazie und Medizin 179 

Hasse, Johann Adolph (1699- 178 3) 281 

Hasselt, Anna Marie Wilhelmine von (1813-1881), Sopranistin, debutierte 
1 83 1 in Triest, war 1833/38 in Munch en, dann am Karntnertortheater in 
Wien. Sie heiratete den Pianisten Gustav Barth (1812-1897) 311 

Haub, Hofkammerrat, 1830/35 Kassenverwalter der Universitat Heidel- 
berg 222 

Haub, Sophie, Tochter d. o. 378 

Haupt, Elise, Dilettantin (Sangerin) aus Heidelberg 237 

Hauptmann, Moritz (1792- 1868), Komponist, Musiktheoretiker. Nach ver- 

500 



schiedenen Engagements war er 1822/42 unter seinem ehemaligen Leh- 

rer Louis Spohr Violinist im Kasseler Orchester, wurde 1842 Kantor 

und Musikdirektor an der Thomasschule in Leipzig und wirkte ab 184} 

auch als Kompositionslehrer am Leipziger Konservatorium 507, 312 
Hausen, Ferdinand von, Sousleutnant, seit 1822 im 3. Linien-Infanterie- 

Regiment Prinz Friedrich August in Zwickau, 1825 Premierleutnant und 

Adjutant, 1836 Hauptmann, 1845 Major 190 
Hauser, Franz (1794-1870), Baflbariton, Regisseur und Musikpadagoge, 

Schiiler Tomascheks, wirkte in Prag, Kassel, Dresden, Wien, London, 

1832/35 an der Leipziger Oper, seit 1838 Gesangslehrer in Wien und 

1848/64 Direktor und Gesangslehrer am Konservatorium in Miinchen 

366 
Haydn, Franz Joseph (1732-1809) 131, 132, 181, 218, 222 
Hayn, Carl Leo Alexander (geb. 1807 Breslau), studierte erst in Breslau 

und seit 28. 4. 1828 in Heidelberg Jura 202, 207 
Heckel, Carl Ferdinand (1800-1870), Musikalienhandler in Mannheim 

3ii. 378 
Hecker, Dr., in Leipzig 331,406,412 
Hecker, Emil Theodor (geb. 1809 Graudenz, gest. 1834), studierte erst in 

Gottingen, seit 21. 10. 1829 in Heidelberg Jura, war dann Referendar 

in Culm/WestpreuGen 211,218 
Heiden, siehe Heyden 
Hein, siehe Hayn 

Heine, Heinrich (1799-1856) 57, 64, 123, 129, 200, 366, 417 
Heinemann, Friedrich August (geb. 1807 Biinsdorf), studierte vom 10. 4. 

1828 bis 29. 4. 1829 in Leipzig Theologie, dann in Greifswald 153, 177 
Heinse, Wtlhelm (1749- 1803), deutscher Dichter des Sturm und Drang 

132 
Heinze, Moritz Eduard (geb. 1808 Blasewitz), studierte vom 30. 10. 1827 

bis 3. 8. 1831 in Leipzig Jura, war dazwischen vom 4. 10. 1830 bis 29. 7. 

1831 in Dresden 92 
Heinze, Wilhelm Heinrich (geb. 1790), Klarinettist am Gewandhaus zu 

Leipzig und Komponist 446 
Helldorf, von, Forstmeister in Schneeberg, verheiratet mit Therese geb. 

von Trebra 166, 377 
Helldorf, Amalie von, Tochter des Forstmeisters Helldorf 161 
Helldorf, Hauptmann von 166 

Hempel, vielleicht Karl Friedrich H., Hauptmann in Altenburg 64 
Hempel, Liddy, Tochter von Dr. Moritz Friedrich H, 20, 22, 23, 27, 30, 

55, 132, 160, 166, 191 
Hempel, Moritz Friedrich Dr., Vater von Liddy H., Gerichtsherr auf Neu- 

schonfels bei Zwickau 34, 55, 160, 191, 192, 194 
Henking, Hofapotheker in Heidelberg, Markt 52, sein Sohn Eduard (geb. 

1807) studierte seit 6. 11. 1828 in Heidelberg Cameralwissenschaft und 

Chemie 212, 214 

501 



Henrietta (siehe audi Hoffmeister), Madchen in Heidelberg 225, 226, 

228, 231, 234, 236 
Henselt, Adolph (18 14- 1899), Pianist und Komponist, erste Konzertreise 

1836 nach Berlin, liefi sich 1838 in Petersburg nieder 474 
Herder, Johann Gottfried von (1744-1803), Schriftsteller, Theologe 157, 

33* 

Hering, Albert, studierte seit 8. 5. 1820 in Leipzig Theologie, dann Tenor 
155, 156, 172, 179, 411 

Herloflsohn, Karl Borromaus Sebastian, eigentlich Herlofl (1802-1849), 
Dichter, studierte in Prag und Wien, kam 1825 nach Leipzig, studierte 
ab 11. 1. 1828 hier Jura, griindete 1830 die Zeitschrift „Komet", die bis 
1848 bestand, redigierte sie 1830/40 und 1844/48 313, 341, 367, 397, 
416 

Hermann, Johann Gottfried Jakob (1772- 1848), Professor der Beredsam- 
keit und Dichtkunst in Leipzig, beriihmter Grazist 43, 123 

Hermes, Karl Heinrich (1800-18 5 6), Journalist, 1824 in Stuttgart als Mk- 
arbeiter des Morgenblattes und Literaturblattes, 1825/27 Redaktion der 
^Britannia", griindete 1828 die eigene Zeitschrift „Das Ausland" bei 
Cotta, ging 1830 nach Miinchen, 1831 nach Leipzig als Mitarbeiter der 
Blatter fur literarische Unterhaltung und dann nach Braunschweig als 
Leiter der Deutschen Nationalzeitung aus Braunschweig und Hannover, 
1840 Mitarbeiter der Kolnischen Zeitung 367 

Herrmann, Leutnant aus Magdeburg 2 52, 2 5 3, 2 54 

Herz, Henri (1803- 1888), Pianist, Komponist, 1825/35 der gefeierteste 
Pianist und Klavierkomponist 152, 175, 333, 334, 337, 344, 397, 413 

Herzfeld, Robert Casar (geb. 1809 Hamburg), studierte seit 30. 4. 1828 in 
Heidelberg Medizin 210, 216, 220, 222, 224, 225, 229, 231, 233, 234, 
235,237, 396, 397, 398, 399 

Hess, Heinrich Maria von (1798-1863), Sohn von Carl Ernst Christoph 
Hess (175 5-1828), Schwager von Peter Joseph Krahe, Maler und Li- 
thograph in Miinchen 57 

Hesse, Adolph Friedrich (1 809-1863), Orgelvirtuose in Breslau, Kompo- 
nist 411 

Hessen, Friedrich Wilhelm Kurprinz von (1802-1875), Sohn von Wil- 
helm II. von Hessen-Kassel, der Anfang 1831 seine Residenz nach 
Hanau verlegte und seinen Sohn im September 183 1 zum Mitregenten 
einsetzte. Friedrich Wilhelm ubernahm als Friedrich Wilhelm I. die 
Regierung nach dem Tode Wilhelms II. 1847 290 

Heyden, Hermann von (geb. 18 10 Cartlow/Pommern, gest. 1851), studierte 
erst in Bonn, seit 4. 11. 1829 in Heidelberg Jura 220, 223, 226, 235, 236, 
237,238 

Heyden, Woldemar von (geb. 1808 Cartlow/Pommern, gest. 1870), Bru- 
der von Hermann von H., studierte erst in Bonn, seit 7. 11. 1829 in Hei- 
delberg Jura und Cameralwissenschaft 209, 213, 215, 220, 223, 226, 
228,229,231,232,233,235,236,237,238,239,388 

Heydenreich, Karl Heinrich (1764-1801), Dichter und Philosoph 151 

502 



Heymann, Johann Friedricfa (1783-1844), Schneider in Leipzig, Salz- 

gaficheh 405 38 
Hille, Eduard (geb- in Adelebsen/Hannover, gest 1850 oder 185 1), stu- 

dierte in Heidelberg Jura, spater Amtsassessor in Catlenburg-Lindau 

212, 215, 216, 220, 224, 226, 227, 229, 280, 282, 283 
Hiller, Ferdinand (1811-1885), Komponist, Dirigent. Nach Aufenthalt in 

Weimar und Wten weilte er 1828/35 in Paris, ging 1836 nach Frankfurt 

und dann nach Mailand. 1839/40 war er in Leipzig bei Mendelssohn 

Bartholdy, dirigierte 1843/44 die Gewandhauskonzerte in Leipzig, ging 

dann nach Dresden, Diisseldorf und Kdln 383 
Himmel, Friedrich Heinrich (176 5- 18 14), Komponist 128 
Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus (1776-1822), Dichter, Musikschrift- 

steller, Komponist in, 336, 337, 354 
Hoffmann, Julius (geb. 1807 Brieg/Schlesien), studierte erst in Jena, seit 

3. 6. 1828 in Heidelberg Jura, und Julius (geb. 1809 Brieg) studierte 

erst in Breslau und seit 24. 10. 1829 in Heidelberg Jura 218, 220, 227, 

229, 324 
Hoffmann, Musikdirektor in Heidelberg 211 

Hoffmeister, Henriette (siehe auch Henriette), in Heidelberg 206 
Hofink, Student in Heidelberg 213 
Hofmann, Student in Heidelberg 202, 209, 234 
Hofmann, Musikdirektor in Heidelberg, Kornmarkt 455, starb vermutHch 

um 1839 208,209,211,214,222,223 
Hofmeister, Adolf Moritz, Dr. phil. (1 803-1 870), Sohn von Friedrich H„ 

erst Handlungsdiener, dann Musikalienhandler, widmete sich besonders 

bibliographischer Tatigkeit ' 384, 385,408 
Hofmeister, Friederike geb. Leidenschnur (geb. 1784), Frau von Fried- 

richU. 397, 399. 405 
Hofmeister, Friedrich (1 782-1 864), Musikalien- und musikalischer Instru- 

mentenhandler, Inhaber eines musikalischen Lei'hinstituts (gegr, 1807) 

und eines Musikverlages und Buchverlages in Leipzig, Grimmaische 

Gasse 612 34, 152, 156, 337, 366, 367, 414, 416, 420 
Hogarth, William (1697-1764), englischer Maler, Kupferstecher 17, 129 
Hohenhorst (Hohnhorst), Carl von (geb. 1809 Braunschweig), studierte 

erst in Gottingen, seit 23. 11. 1829 in Heidelberg Jura 232, 233 
Hohenthal, Karl Adolph Graf von (geb. 181 1 Knauthayn/Sachsen), stu- 
dierte erst in Berlin, seit 28. 10. 1829 in Heidelberg Jura 220, 222, 226, 

229,234 
Holberg in Leipzig 383, 396 
Holderlin, Friedrich (1770-1843), Dichter 438 
Holty, Ludwig (1 748-1 776), lyrischer Dichter 5 3 
Homer 35,40,303,404 
Honneier (?) 366 

Horatius, Quintus (65-8 v. u. Z.) 20 
Horlbeck, Christian Friedrich (geb. 1807 Hohendorf), studierte vom 22. 5. 

1828 bis 12. 10. 183 1 inr Leipzig Theologie 117, 120 

503 



Horn, Friedrich Wilhelm (geb, 1807 Bremen), studierte seit 30. 4. 1827 in 
Heidelberg Jura, dann in Berlin und wieder in Heidelberg seit 23. 11. 

1829 224, 234 

Horn emann in Leipzig 185 

Hottstadt, Madchen in Altenburg 148 

Houwald, Heinrich Freiherr von (geb. 1807 Straupitz/Nieder-Lausitz), 

studierte erst in Berlin, seit 28. 10. 1829 in Heidelberg Jura 220, 229, 

231 
Hoyer, Gustav Eduard Wolf von (geb. 1808 Reinsberg), studierte vom 

24. 5. 1826 bis 17. 11. 1827 in Leipzig Theologie und Jura, wurde dann 

bis zum 10. 10. 1828 mit consilio abeundi belegt, wieder inskribiert am 

30. 10. 1828, am 26. 9. 1829 erneut mit consilio abeundi belegt 183, 

184, 189 
Hiibner, Julius (1806-1882), Maier, Dichter, Musikschriftstelier, Direktor 

der Dresdner Gemaldegalerie 209 
Hulle, siehe Hille 
Hiilsen, Carl Graf von (geb. 1809 Marienwerder/Westpreuflen), studierte 

erst in Berlin, seit 23. 5. 1829 in Heidelberg Jura 206, 208, 247, 248 
Hummel, Johann Nepomuk (1778-18 37), Komponist und Pianist, Schiller 

Mozarts 158, 169, 174, 175, 176, 177, 178, 182, 183, 185, 189, 192, 210, 

223, 230, 333, 349, 353* 354- 555, 360,, 361, 362, 364, 3^5, 377, 381, 39§ 
Hunicke in Leipzig 378, 387, 389, 395, 396, 398, 404, 406 
Hiinten, Franz (1793- 1878), gesuchter Kiavierpadagoge und Modekom- 

ponist 144,150,151,174,192 
Hunter, Kapitan in Heidelberg 214, 223 
Hus, Jan (1 369-141 5), bohmischer Reformator 44 
Hussein Pascha (177 3-1838), letzter Dei von Algerien (1818/30), wurde 

1830 von den Franzosen zur Kapitulation gezwungen 148 

Iffland, August Wilhelm (1759-1814), Schauspieler, Theaterdkhter, Dra- 

maturg 290 
Imhof aus Basel 195, 246, 247 

Isouard, Nicolo (177 5-1 818), Opern- und Kirchenkomponist 167 
Irving, Washington (1783— 1859), amerikanischer Schriftsteller 415 

Jacobi, Friedrich Heinrich (1 743-181 9), Romanschriftsteller und Philosoph 
109, ii2, 115, 116, 200, 202, 219, 329, 333, 336 

Jacoby, Mario (geb. 1798 Posen/Preufien), studierte erst in Halle und seit 
13. 11. 1828 in Heidelberg Jura 213,219,227,231,324 

Jacques (Jaques), Hermann (geb. *8o8 Hannover), studierte erst in Got- 
tingen, seit 28. 10. 1829 in Heidelberg Jura 231 

Jager, Johann Gottlieb (1808- 1848), Musiker in Leipzig 156 

Jasmund, Ludwig Ernst August Carl von (geb. 1805 Neustrelitz), stu- 
dierte in Leipzig seit 3. 5. 1828 Medizin, wurde am 19. 11. 1829 mit 
„immerwahrender Relegation" belegt und studierte in Heidelberg wci- 
ter 114, 117, 153, 167,^70, 176, 177, 206, 207 

504 



Jay, Gebriider, Buchhandlung in Frankfurt am Main 38 

Jean Paul (1763-1825) 3 6 > 37, 39. 4°. 4*, 5 5. 65, 69, 76, 82, 93, 95, 97, 
103, 104, 105, 107, in, 113, 123, 124, 125, 133, 134, 140, 142. 151, 153, 
167, 168, 170, 171, 242, 255, 359, 401, 403, 405, 410 

Jeitteles, Andreas Ludwig, Pseudonym: Justus Frey (1799-1878), Lyriker, 
Mediziner 146 

Jericho (Jercho), Johann Karl August (geb. 1805 Hamburg), studierte seit 
19. 4. 1826 in Heidelberg Jura 206 

Johannsen, J. P., habilitierte sich 1828 in Heidelberg fur romisches Recht 
und war bis 1835 Professor fur romisches Recht an der Universitat Hei- 
delberg 231 

Jomelli, Nicola (1714-1774), italienischer Komponist 281 

Jonas, Emilie, verwandt mit Dr. Jonas, praktischer Arzt in Heidelberg, 
Hauptstr. Vorst. 121, oder mit Franz Joseph Christoph J. (geb. 1803 
Heidelberg), der in Heidelberg seit 24. 5. 1824 Philosophic studierte, 
seine Mutter war eine Witwe in Heidelberg 50, 214 

Josephine, Madchen in Heidelberg 212 

Julie, Hollandermadchen in Leipzig 388, 393, 398 

Jung, Carl (geb. 1809 Ottersberg/Rheinbayern) , studierte erst in Wurz- 
burg und seit 31. 10. 1829 in Heidelberg Jura 222, 229 

Junghans (Junghanns), Anton (geb. 1805 Stocksberg/Wiirttemberg), stu- 
dierte seit 9. 5. 1829 in Heidelberg Medizin 225 . 

Juvenal, Davidsbiindiername von Wilibald von der Luhe 

Kahle, Conrad Ludwig (geb. 1809 Berlin), studierte erst in Berlin, seit 

30. 10. 1828 in Heidelberg Jura 247, 248 
Kalikronow, Graf, moglicherweise Michael Kologriwoff aus Rutland, stu- 
dierte seit 8. 11. 1828 in Leipzig Jura und wurde am 19. 11. 1829 mit 

„immerwahrender Relegation" belegt 177 
Kalkbrenner, Friedrich Wilhelm (1788- 1849), Komponist und Pianist, 

Kompagnon dec Pteyelschen Klavierfabrik, lebte seit 1824 wieder in 

Paris 144, 152, 156, 158, 159, 168, 172, 178, 22i, 235, 237, 366, 383, 

399 
Kalliwoda, Johannes Wenzeslaus (1801-1866), Komponist, Violinvirtuose, 

seit 1822 Kapellmeister in Donaueschingen. Schumann widmete ihm 

seine Intermezzi Op. 4 178, 179, 192, 304, 366, 416 
Kalo (Calo), Johann August (geb. 1809 Stettin), studierte erst in Berlin, 

seit 10. 5. 1828 in Heidelberg Jura 202 
Kaltenborn, Johann Rudolph (1 768-1 848), Bierschanker in Amtmanns Hof 

nach der Nikolaistrafie in Leipzig. „Er hat allein die Niederlassung des 

beriihmten Hennersdorfer Biers, welches man auch in Bouteillen bei ihm 

bekommen kann." 58,251 
Kaminski, Ferdinand Jacob (geb. 1808 Braunschweig), studierte vom 

24. 8. 1828 bis 6. 3. 1830 in Leipzig Jura 114, 123, 128, 151, 153, 157, 

158, 168, 173, 178, 180, 190, 193 
Kant, Imanuel (1724-1804) 76 

505 



{Caroline, Madchen in Zwickau 39, 416 

Katchen, Madchen in Deidersheim 235, 236 

Katte, Karl August Wilhelm Rudolph von (geb. 1808 Silmersdorf), stu- 
dierte vom 17. 5. 1828 bis 26. 5, 1829 in Leipzig, anschliefiend in Jena 
und Berlin Jura 183, 184, 189 

Kayser, Friedrich Adolph (1776-1829), Mitglied des Rates der Stadt Leip- 
zig, Stadthauptmann und Kramer, wohnte in der Reichsstrafie 52. Er 
wurde am 14. April 1829 beerdigt 188 

Kayser, Ludwig (geb. 1808 Heidelberg), studierte in Heidelberg Philolo- 
gie, Sohn des Prof. K. und Direktors des Gymnasiums in Heidelberg, 
wohnte KUngenthorstr. 603 220 

Keller, Eduard (geb. 1807 Koln), studierte erst in Bonn, ab 27. 4. 1829 
in Heidelberg Jura 50, 198, 200, 201, 202, 216, 219, 221, 232, 234 

Keller, Karl (1784-185 5), Flotenvirtuose und Komponist, wurde 1817 
Hofmusiker und spater Theaterkapellmeister in Donaueschingen 217 

Kellermann aus Bayern, Bekanntschaft in Bayreuth 56 

Kerner, Justinus (1786-1862), Dichter 95 

Kersten in Freiberg 252, 253, 254 

Kestner in Miinchen 64 

Kienlen, Johann Christoph (1783-1830), Liederkomponist, Pianist; stu- 
dierte Komposition in Paris bei Cherubini, war dann Stadtmusikdirektor 
in Ulm, ging anschliefiend nach Miinchen, wurde 1812 Musikdirektor am 
Theater in Baden bei Wien. Seit 1817 in Berlin und seit 1827 in Ulm. 
1828 war er in Augsburg 57 

Kiefiling, Adolph (geb. 1808 Breslau), studierte erst in Breslau, seit 24. 
10. 1829 in Heidelberg Jura 220, 229 

Kiefiling, von, Madchen in Heidelberg 232 

Kilzer, Wilhelm Sebastian (1 799-1 864), seit 1824 Lehrer in Worms, dann 
Schulrat in Frankfurt am Main, Schwager von Georg Doring, schrieb 
zahlreiche Gedichte 46 

Kinkel, Madchen in Heidelberg 2 3 5 

Kintschy, Georg (geb. 1794), Schweizerzucker backer in Leipzig, Markt 
(Klostergasse) 171; unterhielt im Sommerhalbjahr im Rosenthal ein 
SchweiZerhauschen und verkaufte im Winter audi im Kriigerschen Gar- 
tensalon am Rosenthaler Schlage 1 58 186, 195 

Kirschbaum, Familie in Heidelberg 234, 237 

Kistner, Karl Friedrich (1797- 1844), Musikalienhandler und Verleger in 
Leipzig, ubernahm 1831 die Firma von H. A. Probst, firmierte ab 1836 
nur noch unter eigenem Namen. Er war mit Amalie Friederike Clemen- 
tine geb. Harthaus (1796-1863) verheiratet 299, 367, 401, 407 

Klein, Bernhard Joseph (1 793-1832), Komponist, besuchte 1816 auf einer 
Reise nach Wien fur langere Zeit Thibaut in Heidelberg, ging 181 8 nach 
Berlin 178, 303, 306 

Kleinert, Karl Ferdinand (1795-1839), Arzt und Professor der Medizin in 
Leipzig 156 

Klengel, von, Leutnant in Leipzig 185 

506 



Klengel, Moritz Gotthold (1794- 1870), Akademiker und Musiklehrer, 
Violinist am Gewandhausorchester in Leipzig, verheiratet mit Marie 
Susette geb. Rage (1795-1841), hatte aufier Nannette noch die Kinder 
Wilhelm Julius (geb. 181 8) und Friederike Pauline (geb. 183 1) 183 

Klengel, Nannette Auguste (geb. 1820), Tochter von Moritz Gotthold K. 
183 

Kleudgen, vermutlich Jakob von K. (geb. 1805 Heidelberg), studierte seit 
i.j. 1824 in Heidelberg Jura. Sein Vater war Hofgerichtsrat und Syn- 
dikus in Heidelberg 226 

Klipstein, Georg Gottfried (1772- 1826), Kantor in Oels in Schlesien 310 

Klopstock, Friedrich Gottlieb (1 724-1 803) 42, 230, 296 

KloG, Carl Johann Christian (1792-185 3), Pianist, Organist, Komponist, 
Musiklehrer. Violinist im Gewandhausorchester in Leipzig, nachdem er 
Organist in Elbing und Musikdtrektor in Danzig gewesen war 306, 366 

Kluckhist, siehe Klughist 

Klug, Madchen in Leipzig, vielleicht Clementine OttUie K. (geb. 181 3), 
Tochter von Dr. med. Carl Heinrich Gustav Klug (1774- 18 30) und 
Mariane Antonie geb. Richter (1 787-1846). Ihr Bruder Gustav Emil K. 
(1807- 1 841) war Baccal. med. Sie wohnten Briihl 319. Clementine Ot- 
tUie heiratete spater den Buchhandler A. E. Reichenbach 181, 182, 190, 
191 

Klughist, Senator in Bremen, Vater von Julius K. 208 

Klughist, Julius (geb. 1809 Bremen, gest. 1881), Sohn des Bremer Sena- 
tors K., studierte erst in Gottingen, seit 10. 5. 1828 in Heidelberg Jura, 
war spater Richter in Bremen 42, 43, 49, 198, 205, 207, 219 

Knapp, Anton (1798-18 39), Mainzer Maler, besonders bekannt durch 
Landschafts- und Genredarstellungen 48 

Knaust, Heinrich Theo dor (1805-1865), Heldentenor, verliefi 1827 Braun- 
schweig, sang bis 1834 in Bremen und anschliefiend bis 1841 in Weimar 
310 

Knorr, Julius (1 807-1 861), studierte vom 13. 5. 1824 bis 30. 6. 1827 in 
Leipzig Theologie, lebte in Leipzig als Privatgetehrter und Klavier- 
lehrer. 1834 arbeitete er an der Neuen Zeitschrift fur Musik mit 144, 
157. 357. 362, 366, 373, 378, 384, 415, 4X9»420, 421 

Kohler, Ernst (1799- 1847), seit 1827 Oberorganist an der Elisabeth- 
kirche in Breslau und Komponist. In Leipzig wohnte er vor der Tho- 
maspforte in Pomsels Haus 310 

Kohler, Karl Friedrich Ludwig, Gartenbesitzer in Schedewitz bei Zwickau, 
Handlungsbeflissener, Kaufmann in Zwickau 165 

Korner, Julius, Diakon in Schneeberg 246, 366 

Kosloff, Kiinstler in Berlin 304 

Kostrijin, vermutlich Student in Leipzig 123, 169 

Kotzebue, August von (1761-1819), Schrirtsteller 101, 402 

Kragen, Carl (1797- 1879), Pianist und Klavierpadagoge in Dresden, ste- 
ter Gast im Hause Friedrich Wiecks bei seinen Aufenthalten in Leipzig 
i95, 359. 367.405,410,411 

507 



Krahe, Carl, Schauspieler, Architekt, verlobt mit Clara Kurrer aus Augs- 
burg 57, 279, 366 

Krahe, Friedrich Maria (1804-1888), Sohn von Peter Joseph K. (1758 bis 
1840), Architekt, Ausbildung seit 1826 in Berlin und Miinchen, liefi sich 
dann in Braunschweig nieder 64 

Krangel (Krengel), Gustav August (geb. 1802), Schankwirt in Leipzig, 
1829 Thomaskirchhof 161, seit 1834 Wirt des Gasthauses „Die goldene 
Sage", Grimmaischer Steinweg n 79, zog Ostern 1835 nach Grimma. Er 
war mit Johanne Auguste (1809-1839) verheiratet 332, 338, 343, 344, 
382, 383, 385, 386, 389, 393, 396, 401 

Kratze, Heinrich Wilhelm August (1799- 1842), Bierschanker in Leipzig, 
Neuer Neumarkt 624, verheiratet mit Christiane Friederike geb. Fuchse 
(1794-1832), dann mit Juliane geb. Kretzschmar aus Altenburg (geb. 
1802) 331 

Kraus-Wranitzky, Catharina (1801-1851), Sangerin, bis 1821 an der Wie- 
ner Hofoper, gastierte dann auf zahlreichen Buhnen in Deutschland und 
war 1829/30 erste Sangerin bei dem „grof$en Concerte" in Leipzig, 
1 8 30/34 wieder in Wien 114, 115 

Krause in Altenburg 148 

Krause, Wilhelm Otto (geb. 1804 Aue), studierte vom 29. 11. 1828 bis 
19. 8. 1829 in Leipzig Chirurgie bzw. Medizin 45, 195 

Kraufie 366 

Kressner, vielleicht Friedrich Robert K. (geb. 181 1 Dresden), studierte 
vom 21. 5. 1830 bis 2. 4. 1836 in Leipzig Jura 183 

Kretschmer, Franz Johann Carl Andreas (1775—1839), geheimer Kriegsrat 
in Anklam, beschaftigte sich mit den akustischen und mathematischen 
Grundlagen der Musik 304 

Kreutzer, Konradin (1780- 1849), Komponist, 1822/27 und 1829/32 Ka- 
pellmeister am Karntnertortheater in Wien 128, 133, 231 

Krieg, vermutlich Hieronymus K. (1 802-1 890), Sanger, einige Zeit am 
Kasseler Hof theater 310 

Krocher, Wilhelm von (geb. 18 10 Erxleben/Altmark), studierte in Hei- 
delberg seit 24. 10. 1829 Jura 229 

Krommer, Franz (1760-1831), Komponist und Organist 210 

Krug, August Otto, Dr. (geb. 1805 Frankfurt an der Oder), Sohn von 
Wilhelm Traugott K., studierte vom 13. 3. 1823 bis 13. 4. 1825 in Leip- 
zig Geschichte, anschlieflend Jura in Berlin und seit 28. 10. 1829 in 
Heidelberg ; dann Privatdozent und Advokat in Leipzig ; heiratete 1833 
Anna Charlotte geb. Schnorr von Carolsfeld (geb. 1805), ging Ostern 
1835 als Appellationsrat nach Zwickau 215, 219, 222, 226 

Krug, Paul Hermann (1810-1870), Sohn von Wilhelm Traugott K., stu- 
dierte vom 14. 3. 1828 bis 28. 12. 183 1 in Leipzig Jura, seit 1838 Advo- 
kat, seit 1840 verheiratet mit Ernestine geb. Koch (1808-1869), ging 
Ostern 1852 nach Lindenau und starb in Zwickau 153 

Krug, Wilhelm Traugott (1770- 1842), Professor der theotetischen Philo- 
sophic in Leipzig, verheiratet mit Charlotte Wilhelmine geb. von Aenge 

508 



( 1 780-1852), hatte 4 Kinder: August Otto, Paul Hermann, Mally Char- 
lotte (geb. 1812), Carl Alfred (geb. 1817) 105, 106, 125, 138, 150 

Kriiger, Gustav (1809-1881), Kammersanger (Bassist) aus Dessau, 1827/77 
am Dessauer Hoftheater 474 

Kuhlau, Student in Heidelberg 202 

Kuhlau, Friedrich (1786-1832), Komponist 183 

Kulenkamp, Georg Karl (1799- 1843), Pianist, Musiklehrer in Gdttingen 
168, 366 

Kummer, Friedrich August (1797-1879), Violoncello-Virtuose in Dresden 
und Komponist 332, 337, 367 

Kuntsch, Johann Gottfried (1775-185 5), Organist und Bakkalaureus, 
1802 an St. Marien in Zwickau angestellt. Schumanns erster Musiklehrer. 
Schumann widmete ihm die „Studien fur den Pedalflugel", Op. 56 377 

Kuntze, siehe Kunze 

Kunze, Emma Caroline (geb. 1811), Tochter von Wilhelm Friedrich K., 
Bevollmachtigter der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt (geb. 1784) 
ist moglicherweise gemeint 185 

Kunze, Gustav (geb. 1809 Zwickau), studierte vom 18. 5. 1827 bis 24. 7. 
1830 in Leipzig Jura 130, 152, 153, 157, 158, 159, 183, 186, 189, 194, 
i95 

Kurcher in Karlsruhe 42 

Kurrer, Clara von (geb. 1810), Tochter von Jakob Heinrich von K. 41, 
57, ii7» 133^79 

Kurrer, Jakob Heinrich Wilhelm von, Dr. (1781-1862), Freund von Schu- 
manns Vater Friedrich August; Chemiker, Zitz- und Kattunfabrikant in 
Zwickau, seit 27. 11. 1806 mit Christiane Sophie Stengel, der altesten 
Tochter von Christian Gottlob Stengel verheiratet, ging Ende der 
i82oer Jahre nach Augsburg, war 1832 Direktor einer Fabrik in Sassin 
in Ungarn und kehrte spater nach Zwickau zuriick, wo er auch starb 5 7, 
64, 149, 279 

Kiister, Christoph Gottlob (1760-1818), Dr. und Kommissionsrat, verhei- 
ratet mit Charlotte geb. Hermann (1771-1831), hatte 6 Kinder: Gott- 
lob Gustav, Gottlob Rudolph (geb. .1799), ging 1828 nach Altenburg, 
Charlotte Agnes (siehe Carus), Charlotte Emma Henriette (geb. 1804), 
Charlotte Mathilde Charitas (geb. 1805) und Charlotte Clara Elisabeth 
(geb. 1807) 185 

Kiister, Gottlob Gustav (1792-1837), Sohn von Christoph Gottlob K., 
Kaufmann, Nachfolger von J. A. Schwagrichen, Comissions-Speditions- 
Wechselgeschaft, seit 1823 verheiratet mit Charlotte geb. Winkler (geb. 
1802) 185, 301 

Kiistner, Felix Ferdinand Heinrich (1 778-1 832), Bankier und Grofi- 
herzoglich-Weimarischer Generalkonsul, verheiratet mit Emilie geb. 
Roth (geb. 1789), seine Kinder waren: Heinrich Albert (1 810-183 3), 
Ottilie (geb. 181 1), seit 1832 mit dem Kaufmann De Liagra verheira- 
tet, Minna (geb. 18 12), mit dem Kaufmann J. A. Meurer verheiratet, 
Adolph Reinhard (geb. 1814) und Wilhelm (geb. 1818) 279 

509 



Kutscherbach, Baron, vielleicht Friedrich Eduard von Kutschenbach (geb. 
1809 Kaimberg bei Gera), studierte vom 27. 5. 1829 bis 27. 10. 1832 in 
Leipzig Jura 148 c 

Labes, John (geb. 18 10 Danzig), studierte erst in Berlin, seit 24. 10. 1829 

in Heidelberg Jura. Sein Bruder Friedrich (geb, 1808 Danzig) stu- 
dierte seit 6. 11. 1828 in Heidelberg Cameralwissenschaft 208, 219, 

222, 228, 229, 230 
Lachner, Franz Paul (1803-1890), Komponist, Kapellmeister, 1827 Vize- 

kapellmeister, 1829 1. Kapellmeister am Karntnertortheater in Wien, 

ging 1834 fur zwei Jahre nach Mannheim als Kapellmeister und an- 

schlieGend nach Miinchen, wo er bis zu seinem Lebensende blieb 304 
Ladenburg, Leopold (geb. 1809 Mannheim), studierte seit 5. 11. 1827 

Mathematik, anschliefiend in Heidelberg Jura. Sein Vater war Bankier 

in Mannheim 237 
La Fayette, Marie Joseph de Motier (17 5 7- 18 34), franzosischer General 

und Politiker 308 
Lafont, Charles Philippe (1781 — 1839), Violinist, Komponist, Schiiler von 

Kreutzer und Rode, konzertierte haufig zusammen mit Henri Herz 184 
Lageman, Gerhard Heinrich (geb. 1807 Hamburg), studierte in Heidelberg 

seit 3. 5. 1828 Jura 225, 232, 235, 236 
Laidlaw, Robena (181 9-1 901), Pianistin, 1834 Schulerin von Henri Herz 

in London. Schumann widmete ihr die „Fantasiestucke" Op. 12 303, 

422 
Lalande, Henriette Clementine (1 798-1867), Sangerin, debiitierte 1814 in 

Nantes, 1822 in Paris, gastierte besonders in Italien, Wien und Paris. Sie 

heiratete den Hornvirtuosen Meric 256 
Lanfranco, Giovanni Maria (gest. 1 545), Maestro di Cappelia an der Ka- 

thedrale in Brescia, Verona und schliefilich in Parma 281 
Langbein, August Friedrich Ernst (1757-1835), Jurist und Schriftsteller 

165 
Langenschwarz, Maximilian Leopold (geb. 1801), seit 1830 Improvisator 

und Deklamator, veranstaltete im April 1831 seine erste grofie Dich- 

tung in Leipzig. 1867 in New York als Arzt verschollen 331, 332, 334, 

337»367 
Larisch, Ferdinand Heinrich August (1782-1879), seit 1823 Hauptmann 

im 3. Linien-Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August in Zwickau, 

verheiratet mit N. N. von Mangold-Schilbach 5 5 
Lasseck = Kaskel, Karl Baron von, in Dresden, Komponist, war Mit- 

arbeiter an der Neuen Zeitschrift fur Musik 337 
Laube, Heinrich (1806- 18 84), Dramatiker, Romancier, Literatur- und 

Theaterkritiker. Vertreter dcs ,Jungen Deutschland". Er lebte 1832 in 

Leipzig und wurde 1834 aus Sachsen ausgewiesen 336 
Laudon 168 

Lauf, Martin, Kaffeewirt in Heidelberg, Hauptstr. 73 238, 318 
Lauter, Florentin, Dr. jur. in Heidelberg, Vorstand des Musikvereins der 

5IO 



Museums-Gesellschaft, auch Direktor der Museumsballe 209, 210, 214, 
2x6, 219, 222, 223, 238, 307-, 378 

Lavalette, Antoine Marie Chamans Graf von (1769-18 30), Generalpost- 
direktor unter Napoleon I. Bonaparte 41 5 

Lavater, Johann Kaspar (1741-1801), Schriftsteller und protestantischer 
Geistlicher, lebte und wirkte in Zurich 247 

Lehmann 38, 39 

Lehmann, Carl (geb. 1809 Custrin/Mark), studierte erst in Breslau, seit 
23. 5. 1828 in Heidelberg Jura. Sein Vater war Aszistenzrath in Frank- 
furt an der Oder 207, 220, 222, 225, 227, 231, 233, 234, 236, 237, 238 

Leisewitz, Johann Anton (1752-1806), Dramatiker 53 

Lembke, siehe Lemke 

Lemke, J. August (1808-1875), studierte erst in Berlin, seit 4. 11. 1829 in 
Heidelberg Jura, spielte Klavier und Violoncello. Sein Vater war Kauf- 
mann in Danzig. Spater war L. Referendar in Danzig, Marienwerder, 
Thorn, Kammergerichtsassessor in Graudenz und zuletzt Stadtgerichts- 
rat in Berlin 209, 210, 213, 214, 215, 216, 217, 219, 221, 222, 223, 
224, 225, 226, 230, 233, 234, 237, 238, 306, 322 

Lenhossek, Michael von (1773-1840), Universitatsprofessor in Pest, Ver- 
fasser zahlreicher medizinischer Werke 1 5 1 

Leser, Gustav, Freund Schumanns in Zwickau- 48, 94, 97, 108, 109, in, 
113, 116, 118, 123, 149, 158, 159, 163, 187, 189, 191, 193, 194, 224, 232 

Lessing, Gotthold Ephraim (1729-1781) 96 

Leukart, Friedrich Sigismund (1794-1843), Professor der Zoologie 215, 
216,222 

Leo-Wolf, Ludwig (geb. 1806 Hamburg), studierte seit 28. 10. 1826 in 
Heidelberg Jura. Sein Bruder Georg (geb. 18 10 Hamburg) studierte seit 
26. 4. 1827 Medizin und Chirurgie in Heidelberg. Ihr Vater war Arzt in 
Hamburg, seit 1829 in New York 229, 236 

Lewiki, Madchen in Heidelberg 213 

Leykam, Matthaeus (geb. 1805 Wetzlar), studierte in Heidelberg seit 
22. 10. 1825 Jura 206 

Liebenau, Emma von, Tochter von Friedrich Christian v. L., heiratete 1834 
Georg Muller 132,160,161,191 

Liebenau, Friedrich Christian von (1 764-1 832), Oberst, Kommandeur des 
3. Linien-Inf.-Reg.-Prinz Friedrich August in Zwickau 160, 190, 191, 194 

Liebenau, Susette geb. von Egidy, Frau von Friedrich Christian von L. 

191. 577 
Liechner, Student in Heidelberg 230 
Liepmann in Leipzig 42, 50, 195, 205 
Lina, Madchen in Heidelberg 215, 216, 221, 224 
Lind, Rentier in Heidelberg 211, 222, 223, 231, 378 
Linda in Leipzig 386 
Lindner, Caroline (1 797-1 863), Sangerin, 1813/16 in Wurzburg, anschlie- 

Cend bis 1857 in Frankfurt am Main, sang u. a. als Gast 1827 am Hof- 

theater in Munchen 64 

511 



Lindner, Gottlob Friedrich, Tuch- und Schnittwarenhandler (audi Tape- 
ten und Bordiiren) in Zwickau 189, 194 

Lindpaintner, Peter Joseph von (1 791- 1856), Komponist, Hof kapellmei- 
ster in Stuttgart seit 1820 1 $8, 183, 192 

Lipavsky, Joseph (1772-18 10), Pianist und Komponist in Wien 458 

List, Emilie (1 819-1902) und Elise (1 822-1 893), Tochter des National- 
okonomen Friedrich List (1789^1846) und seiner Frau Caroline geb. 
Seybold (geb. 1790), Freundinnen von Clara Wieck 420 

Lipinski, Karol Joseph (1 790-1 861), Violinvirtuose und Komponist, in 
Lemberg bis 1836 als Kapellmeister, ab 1839 Konzertmeister und Diri- 
gent der Kapelle der Hofkirche in Dresden 307 

Lister (Liste), Anton (1772-1832), Pianist, Komponist, Musiklehrer in 
Zurich 133 

Liszt, Franz (1811-1886) 396 

Lobe, Johann Christian (1 797-1 881), Flotist und Bratschist, Musikschrift- 
steller und Komponist, seit 1812 in der Hofkapelle in Weimar ange- 
stellt, fiihrten ihn Konzertreisen audi nach Berlin und Leipzig 366 

Lodovico il Moro (1451-1508) 281 

Ldhr, Johann Joseph, Musikschriftsteller in Leipzig 195 

Lohse, Gustav Friedrich Wilhelm (geb. 1806 Luppe), studierte in Leipzig 
vom 18. 5. 1827 bis 13. 2. 1830 Jura 181, 184, 189 

Lolli, Antonio (1 730-1 802), Violinvirtuose und Komponist 392 

Lorenz, Gottlieb (1768- 1836), seit 181 3 Superintendent in Zwickau, pro- 
movierte 1817, 1835 geistlicher Beisitzer am Appellationsgericht und bei 
der Kreisdirektion 158, 159, 160, 167, 189, 194 

Lorenz, Emilie, Tochter d. o., Frau von Julius Schumann 132, 167 

Lorenz, Wilhelmine Friederike (Lma), Tochter d. o., heiratete 1838 Adolph 
Gustav Caspari 377 

Lofimann, Dr., in Heidelberg 214 

Lottchen, Madchenbekanntschaft in Auerbach 281 

Lotti, Antonio (1667-1740), Komponist 218 

Louis, Professor in Heidelberg 212, 215, 216 

Louis Ferdinand, Prinz von PreuGen (1772-1806), Komponist, Schiiler 
Dusseks 138, 139, 144, 148, 179 

Loewe, Johann Karl Gottfried (1796- 1869), Liederkomponist 146 

Ludewig, August (geb. 18 10 Rheinsberg/Mark), studierte erst in Berlin, 
seit 27. 4. 1829 in Heidelberg Jura 220, 229, 234, 253 

Ludwig I., Grofiherzog von Hessen-Darmstadt (1753-183 o) 282 

Luhe, Hans Eggert Willibald von der (1 801 -1866), bis 1828 Offizier in 
Zwickau, ging dann nach Leipzig, wo er schriftstellerisch tatig war. Urn 
1835 griindete er das Adorfer Adrefikomptoir. Er trug den Davids- 
bundlernamen Juvenalis 131, 329, 33 *» 333* 334. 33 5* 336, 337, 3.3 8 > 
339, 341, 344, 354, 357, 358, 359, 360, 362, 365, 367, 37i> 372*375, 377. 
378, 384, 387, 402, 403, 404, 406, 410, 411, 415 

Liihdorf in Niirnberg 56 

Luther, Martin (1483-1546) 44 

5" 



Lyser, Johann Peter (1803-1870), Maler, Musikschriftsteller und Kompo- 
nist, sek seinem 16. Lebensjahr ertaubt 303, 308, 366, 419, 420 

Maas aus Mannheim 231,232 

Mahler, Johann Gottlob (1777-1829), Kaffeehausbesitzer in Leipzig, 
ReichsstraGe in Amtmanns-Hof, hatte mit Charlotte Wilhelmine zwei 
Tochter: Charlotte Emilie (geb. 1813) und Bertha Rosalie (1814-1829) 
176 

Mahler, Sanger 367 

Mahlmann, Siegfried August (1771-1826), Dichter, schrieb auch unter dem 
Namen Julius Heiter; Besitzer des Brandvorwerkes, war verheiratet mit 
Johanna Christiana (geb. 1773) und hatte zwei Tochter: Augusta Maria 
(geb. 1811) und Eugenia Paulina (geb. 1813) 128, 389 

Mahlmann, Madchen in Leipzig (siehe auch oben) 172 

Mais, siehe Mays 

Makerden, Baron, aus {Copenhagen, Bekanntschaft in Heidelberg 206 

Malchen, Madchenbekanntschaft in Kaufbeuren 279 

Malibran, Maria Felirita, geb. Garcia (1808-1836), Schwester der Viardot- 
Garcia, Sangerin, debiitierte 1825 in London, ging dann nach New York, 
trat 1827 in Paris mit groflem Erfolg auf, sang auch regelmafiig in Lon- 
don. In 2. Ehe heiratete sie den Violinvirtuosen de Beriot 311, 316 

Maltzahn, von, Bekanntschaft in Mailand 268 

Malus, litienne-Louis (1775-1812), franzosischer Physiker, entdeckte die 
Polarisation des Lichtes und deutete sie als Folge transversaler Schwin- 
gungen 145 

Mantel, Peter (1780-1838), italienische Handlung, Thomas kirchhof 105 
und Weinschanke und Speisehaus Markt 172 in Leipzig 355, 388, 414 

Mantius, Jacob Eduard (1806- 1874), studierte in Rostock, dann in Leip- 
zig vom 26. 10. 1827 bis 18. 3. 1829 Jura, nahm Gesangsunterricht bei 
Pohlenz und trat in Leipzig als Konzertsanger auf. 1830 ging er an die 
Konigliche Oper nach Berlin als lyrischer Tenor 168, 178 

Marbach, Louise, geb. Bernhardt (1 798-1 860), verheiratet mit Franz Mar- 
bach, Advokat in Chemnitz, seit 2. 1. 1830 Burger in Zwickau und 1831 
fiir kurze Zeit Biirgermeister, ging 1839 nach Nordamerika und war 
spater Advokat in Leipzig 192, 193 

Marburger, Briider 138, 140, 147 

Marchand, Sanger 310 

Marie, Madchen in Heidelberg 206, 207, 208 

Marie, Kellnerin in Thun 250 

Marie, Madchen in Solothurn 269 

Marpurg, Friedrich Wilhelm (1718—1795), bedeutender Musiktheoretiker 
der Aufklarung 390, 394, 395, 396,415 

Marschner, Heinrich August (1795-1861). Komponist, war 1827 musika- 
lischer Leiter des Leipziger Theaters und ab 183 1 Hofkapellmeister in 
Hannover 149, 151, 152, 155, 156, 168, 170, 178, 183, 367, 373, 402 



33 Schumann, Tageb. 1 



5*3 



Marschner, Marianne, geb, Wohlbriick, 3. Frau Heinrich Marschners, San- 
gerin 155,156 

Marschner, Sebastian Adolf Eduard (1810-1853), studierte ab 21. 5. 1831 
in Leipzig Jura, Musiklehrer, Komponist, verwandt mit Heinrich 
Marschner 342, 367 

Martin, August Wilhelm (geb. 1808 Coslin/Hinterpommern), studierte erst 
in Berlin, seit 9. 5. 1829 in Heidelberg Jura 205^ 219, 2.3.1, 234, 236 

Martini in Zwickau, moglicherweise Karl Friedrich Martini, Sohn des Lich- 
tensteiner Burgermeisters M. 160, 194 

Marx, Adolf Bernhard (1795-1866), urspriinglich Jurist, dann Komponist 
und Musikschriftsteller. Seit 1824 Redakteur der Berliner Allgemeinen 
Musikalischen Zeitung bis 1830, wurde in diesem Jahr ao. Professor an 
der Berliner Universitat und zwei Jahre spater Musikdirektor. 1850 
griindete er zusammen mit Stern und Kullak die Berliner Musikschule 

303 
Matta aus Turin, Student in Heidelberg 220 
Matthai, Heinrich August (1781-1835), Violinist, Konzertmeister am Leip- 

ziger Gewandhaus 167, 367 
Mathes In Hohenems 277 

Matthia, Adeline, Tochter von August M. in Altenburg 148 
Matthia, August D. (1769-18 3 5), Kirchen- und Schulrat, Direktor des 

Gymnasiums und Bibliothekar der Herzoglichen Bibliothek in Alten- 
burg 148 
Matthia, Imanuel Constantin (geb. 1808 Altenburg), Sohn von August M., 

studierte vom 30. 10. 1827 bis 19. 9. 1829 in Leipzig Philologie 144, 

148, 153* 156 
Maukisch, Heinrich Eduard (geb. 1808 Dresden), studierte vom 21. 5. 1827 

bis 29. 5. 1830 in Leipzig Jura 179, 180 
Maurocordato, Demetrius de (geb. 181 1 Konstantinopel), studierte in 

Miinchen, seit 13. 11. 1828 in Heidelberg Medizin 199, 202, 207, 220, 324 
Maximilian, Herzog von Sachsen, Vater von Friedrich August (s. 0.) 319 
Mayer, Charles (1799-1862), Klaviervirtuose und Komponist, Schiiler 

Fields, seit 1819 in Petersburg Klavierlehrer und Virtuose 144. 152, 

158, 159, 178 
Mayet, Karl (geb. 1810 Berlin), studierte in Berlin, seit 21. 10. 1829 in 

Heidelberg Jura 229 
Mayr, Buchhandler in Heidelberg 211 
Mays, Julchen, Madchen in Heidelberg 215, 216, 224, 225 
Mays, der grofie, vermutlich: Mays, Daniel, Handelsmann und Oberbiir- 

germeister in Heidelberg, Markt 53 212, 239, 318, 322 
Mayseder, Joseph (1789- 1863), Violinvirtuose und Komponist in Wien 

139, 153, 184 
Meier, Peter (geb. 1808 Mannheim), studierte in Heidelberg seit 23. 10. 

1827 Jura. Sein Stiefvater war Kaufmann Klingel in Heidelberg 49, 

50, 198, 200, 202, 206, 215, 216, 219 
Meiflner, Karl Gottlob, Musikdirektor in Zwickau, seit 2, 12. 1831 Burger 

$14 



in Zwickau, Registrator und Kopist beim Zwickauer Rat; Schumanns 
Lehrer im Flotenspiel 158,161,166,378 

Melsheimer, entweder Carl (geb. 1810 Braunschweig), studierte zuerst in 
Gottingen, seit 2. 5. 1829 in Heidelberg Jura, oder Carl (geb. 1808 B6- 
chingen/Rheinkreis), studierte zuerst in Wurzburg, seit 23. 5. 1829 in 
Heidelberg Jura 207 

Melzer, Instrumentenbauer 342 

Mendelssohn Bartholdy, Felix (1809-1847) 304, 366, 383, 400, 421, 422 

Menzel, Wolfgang (1798-1873), Literaturhistoriker, Kritiker; redigierte 
1826/48 das Literaturblatt zum „Morgenblatt fiir gebildete Stande" 
in Stuttgart, war Gegner des .Jungen Deutschland" und veranlafite mit 
das Verbot der Schriften des ,Jungen Deutschland" 109,115,116,161 (?) 

Mercadante, Giuseppe Saberio Raffaele (1795-1870), italienischer Kom- 
ponist 138, 415 

Mertens (Martens), Friedrich Ludwig (geb, 1796), Koch und Speisewirt 
in Leipzig, Salzgaflchen 407, verheiratet mit Johanne Margarethe geb. 
Weingart (geb. 1795) 129, 140, 148, 149, 151, 153, 176, 183, 184, 185 

Methfessel, Albert Gottlieb (178 5-1869), Komponist, Gesangs- und In- 
strumentallehrer in Rudolstadt, veroffentlichte 1818 sein „Allgemeines 
Comers- und Liederbuch", nahm 1822 eine Gesangslehrerstelle in Ham- 
burg an und ging 1832 als Hof kapellmeister nach Braunschweig 185 

Meusel in Zwickau 165 

Meyer 367 

Meyer, C, siehe Mayer, Charles 

Meyer, Kaufmann in Leipzig 175 

Meyer, vermutlich Moritz Bernhard M., seit 1831 Musikdirektor beim 3. 
Linien-Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August in Zwickau, Sohn 
des Leipziger Musikus Johann Heinrich M. 172, 174, 177, 180, 181, 
184, 189, 338 

Meyer, Peter, siehe Meier 

Meyer, Student in Heidelberg 225 

Meyerbeer, Giacomo (1791-1864) 383 

Miccolini, Kiinstlerin 367 

Michel, Adjutant des Generals Erhard, Reisebekanntschaft in Brienz 250 

Michelangelo Buonarotti (1475-1564) 224, 230 

Miersch, Friedrich August (geb. um 1799), Feinkosthandler und Kondi- 
tor in Zwickau, seit 12. 7. 1824 Burger, verheiratet mit Auguste Wil- 
helmine geb. Hammer (gest. 1838), wanderte „in Folge der schlechten 
Zeitverhaltnisse" 1849 nach Pittsburg aus, wohin sein Schwager, der 
Tischler Carl Gottlieb Hammer, schon 1844 gegangen war. Er hatte 
sechs Kinder: Friedrich August (geb. 1826), Minna Auguste (geb. 1827), 
Anton Richard (1831-1859), Gustav Adolph (geb. 1833), Laura (geb. 
1836), Carl Hugo (geb. 1838) 39, 158, 159, 163, 165, 190, 192, 194 

Mili, Madchen in Zwickau 26 

Millendorf, siehe Miillendorf 

Mimis, Constantin (geb. 1805 Konstantinopel), studierte seit 19. 10. 1825 



33* 



5M 



in Leipzig Philosophic und Medizin, ging im Mai 1835 nach Griechen- 
land zuriick 172, 183 

Minchen, Madchen in Heidelberg 235 

Minincherode (Minningerode), Ludwig Freiherr von (geb. 1809 Halber- 
stadt), studierte zuerst in Berlin, seit 12. 12, 1829 in Heidelberg Jura 
230, 324 

Minona, siehe Weidemann, Carl Ernst 

Mirecki, Fraciczek (1791-1862), polnischer Komponist, Dirigent und Ge- 
sangslehrer, hielt sich 1822/38 meist in Italien auf, seit 1826 als Kom- 
ponist, Gesangslehrer und Dirigent in Genua. Er kehrte dann nach Kra- 
kau zuriick und griindete eine Musikschule 267, 457 

Mises, Dr., Pseudonym fur Gustav Theodor Fechner (1801-1887), Schwa- 
ger Friedrich Wiecks, Physiker und Philosoph, Professor in Leipzig 304, 
400, 402, 403 

Mitchell, J., englischer Rentier in Heidelberg, wohnte im Palais „ Weimar" 
in der Nahe des Karlstores 214, 221, 223, 226, 227, 229, 235, 238 

Mitchell, Frau d. o. 214, 215 

Mitchell, Tochter d. o. 215, 223, 225, 228, 233 

Mittermaier, Karl Joseph Anton (1787-1867), bedeutender Rechtsgelehr- 
ter, Hauptvertreter des gemafiigten Liberalismus. Er kam 1821 nach 
Heidelberg als Professor des Kriminalrechts. 1831 wurde er in die ba- 
dische Standevertretung gewahlt. 1848 Mitglied der Frankfurter Na- 
tionalversammlung. Sein Sohn Martin (geb. 1813m Landshut, wo M. als 
ao. Professor tatig war) studierte in Heidelberg seit 5. 4. 1830 Philo- 
sophic 225, 232, 366 

Mobius, August Ferdinand (1790-1868), Mathematiker, studierte in Leip- 
zig zuerst Jura, dann in Gottingen und Halle Mathematik, wurde 1816 
ao. Professor fur Astronomie in Leipzig. Von ihm stammt der Ent- 
wurf zum Umbau der alten Sternwarte 303 

Mohr, Madchen in Heidelberg, vermutlich verwandt mit dem Buchhand- 
ler Mohr in Heidelberg, Hauptstrafie 92 213, 214, 215, 219, 225 

Morgenstern, Eduard (geb. 1801), Jurist, Universitatsrichter, immatriku- 
lierter Advokat an der Universitat Leipzig, Neuer Neumarkt 11 149, 
151, 152, 168 

Moritz, Karl Philipp (1756-1793)* Dichter, Schriftsteller, Prediger 415 

Morlacchi, Francesco Giuseppe Baldassare (1784-1841), Opern- und Kir- 
chenmusikkomponist, war 1810/32 Kapellmeister an der italienischen 
Oper in Dresden 267,332 

Morstadt, Carl Eduard (1792-18 50), Professor der Rechtswissenschaft und 
Nationalokonomie in Heidelberg, wohnte Neue Str. 301 1/2 209, 210, 

211, 215, 2l6, 225, 367 

Moscheles, Ignaz (1794-1870), Pianist und Komponist 174, 175, 192, 

222, 330, 333, 335. 362, 372, 380, 395, 397, 416 
Mosel, Ernst von der (geb. 1809 Mosel), studierte vom 23. 4. 1827 bis 

2.0. 11. 1830 in Leipzig Jura und ging dann zuriick nach Mosel 153, 158 
Mosen, Julius (1 803-1 867), Dichter, studierte in Jena und nach Reisen in 

516 



Italien vom 5. 5. 1825 bis 5.12. 1827 in Leipzig Jura, 1831 am Patrimo- 
nialgericht in Kohren angestellt; seit 1834 Advokat in Dresden und seit 
1844 Dramaturg am Theater in Oldenburg 306, 366, 379, 380, 400 
Mosler, Jacob (geb. 18 10 Koblenz), studierte zuerst in Bonn, dann seit 

28, 4. 1828 in Heidelberg Jura 199, 200 

Moureau, gemeint Marceau, Francois Severin-Desgraviers (1769-1796), 

franzosischer General. Peter Joseph Krahe (1758-1840) schuf ein Denk- 

mal fur ihn bei Koblenz 48 
Mozart, Wolfgang Amadeus (17 56-1791) 84, 128, 131, 133, 158, i68 t 

170, 171, 172, 185, 218, 230, 350, 365, 374, 375, 381, 383, 391, 394 
Miihlmann, Heinrich Gottlob, seit 18 17 Vizeaktuar beim Justizamt, seit 

1 8 3 1 Stadtvoigt in Zwickau 1 66 
Miillendorf, Eugen (geb. 1808 Breslau), studierte erst in Breslau, seit 

30. 10. 1828 in Heidelberg Jura 202, 206, 207 
Miiller, Christian Gottlieb (1800-1863), Violinist im Theaterorchester in 

Leipzig, ab 183 1 zugieich Dirigent der Konzerte der Leipziger Musik- 

gesellschaft „Euterpe" und ab 1836 Stadtmusikdirektor in Altenburg 

151, 152, 169 (?), 171, 337, 367 
Miiller, Christian Hermann (geb. 18 10 Schwarzenberg), studier